- .-!< t *' #:. '^' '' 'v'l-. Wii .Hl/^ .-^ Vs ^-^ */; ^K A^^ S-^ \ ^ S *?Ax / \ < i^ y v/r^-^ vix^v?..*-\^ -. '^^^ *^ jL T^^ff ." ^ 'e" y iii('" M'^- ^u^ky ^^^X4-^-^-'^/ h: ' >.1'- 'SCX m -f \<- /i\'fv', ;te' ' 'nr I "II y. ;;;:; ^,,;ii|i li' ^ -. ^::':"""- 1.. 11/ >i ;:,;; ;' ., K :ll "" ? ;u.r 'F' ii- ":; ' .'' iji.'Cv ' ";:;i!. '!;' ',::,.) t !' I"'iii. I i ,,|i '' 'i ,; '[ -Mi^k^^:::' Besonders fr Anfng-er und Schulen empfehlen wir Dr. H. Potonie: MerliaFl deutscher PJlaiiziii zmn \'\i-\-t- von 10200 Mk. Die Herbarien zu 10 Mk. enthalten die Hauptgattung-en, die 200 Mk. .sind vollstndig. Die zwischen liegenden Preise richten sich nach der Anzahl und Art der ge- wnschten Pflanzen, on denen jede im Durchschnitt 15 Pf. kostet; ausserdem werden einzelne Abteilungen des vollstndigen Herbariums von 2 Mk. an abgegeben. Berlin NW. 6. Verlag von Hermann Riemann. Von der im Verlage von Fr. Bassermann in Mnchen erseheinenden III. 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Heft Y: Stapff: Das ,gla- ziale' Dwykakonglomerat Sdafrikas". Heft VI: Mittmann: Die Bakterien und die Art ihrer Untersuchung". Heft ril: Potonie: ,Die .systematische Zugehrigkeit der versteinerten Hlzer (vom Typus Araucarioxylon) in den Iialeolitisclien Formationen. Heft V^VII Preis 1 Mk. Humor und Satire. I. Band: Die Darun' sehe Theorie in JJmwandlungsversen von Dr. Darwinsolm. Geh. Preis 60 Pfg. U. Band: Die soziale Revolution im Tierreiche von F. Essenther. Geh. Preis 60 Pf. (26 Leipzig. CA. Koch' s Verlag. In Heusers Verlag (Louis Heuser) Neuwied, erschien : Dr. Schmitz Sauittsrat in Malmedy: Das Geschlechtsleben lies Menschen in gesundheit- licher Beziehung und die Ilygieine des kleinen Kindes. Preis 1 Mk. 50 Pf. Zu bezieh, durch d. Exped. der Natufwissenscil. Wochenschrift EERLIII II. Es soll bill. verk. werden : 1. ein Haifisch m.Nabelschn. i. Spir. 2, drei Saugfische i Spir.3.einBeerentang(?) i. Spir. 4. zwei Schweinefischkpfe. 5. eine Kreuzotter i. Spir. Off. erb. u. 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Urteile der Presse. .Naturwissenschaftlich. liest iiiimt, in iiopuliirer t)arstellunt;sweise ber die liict.n der angewandten Naturwissenschaft und teeli- t. Durch den ausserordentlich manniglaltigen Inhalt dieser Zeitschrift wird das wechselseitig rUen von Naturwissenschaft und Technik in der Nutzbar, , achung der Stoffe und Krfte Diesem Verlangen nach Vielseitigkeit entspricht die illustrierte Zeitschrift technische Umschau", welche, fr (lebildete aller Stand de yf Fortschritte, Entdeckungen und Krtindungen auf uischen Pra.xis berichtet. - fijrdernde Zusanimenwii zur Kihluing unseres intellektuellen und materiellen Wohlseins in anschaulicher, zugleich fesselnder und belehrender Weise dargestellt Illustrierte Zeitung". Em wahrhaft gediegenes Unternehmen, das mit diesem Jahre neu in die Erscheinung getreten ist. 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Berlin NW. 6. ^jih^n<>tur..l3aenrhftin>cT,o Fnmchting aufhobt an cltu.n. jf ruarndon Idoen und u) lochoD- . fSL don Oi-bildcn der PbonteMC, "Ird * *"* ihr reichlich oraptit durch doOi '/.Silber der Wirklichkeit, dojjhro) ' '^' M 8i;hCpfungon cbroUckL '"^ 6cbwndonpr ^ ^;^' Redigirt von l>r. H. Potoiiie -"^m^r- VIERTER BAND -|- (April 1889 bis December 1889). -|h 2i i'P; jgRVMj BERLIN. F e r d. I ) Q m 11 1 1 e r s V e r 1 ag s 1) u c h li ;i 11 d 1 11 11 g. Inhalts -Verzeiehniss. Seite Allgemeines und Verschiedenes. Andries. Der KirtVltliiinii 174 Hrwag eil, Bringt der leise oder tiefe Schlaf hufiger Trume mit sicli? . 21 Levy, Zur Erblichkeit erworbener Eigenschaften 309 Lindau, Ein neuer Messajiparat fr mikroskopische Zwecke (mit Al)l)ild.) 185 Nickel, Die neueren Arbeiten ber die Phj'siologie des Gerbstoffs . 300 Pfann stiel. Die Rotation der Erde als Ursache einer Rechtsaliweichung der Geschosse (mit Abbildungen) . 16 1 Rombout und Cohen, Augenblick.9- photographieu von Irischen .... 135 Tammanu, Ueber das Vorkommen des Fluor in Organismen (!1 Uehard, Einwirkungen von Blei-Ge- schossen auf Stahl 103 Angelegenheiten der Naturwissensch. Wochenschrift . 8, 16, 104 208, 312, 316 Philosophie. Dreher, Ueber das Causalittsprincip der Naturerscheinungen mit Bezug- nahme auf du Bois-Eeymonds akade- mische Rede : Die sieben Welt- rthsel" 281 V. Kirchmann, Definition des Be- griffes der Handlung 16 Anthropologie. Amnion, Ueber authropolog. Unter- suchungen in Baden 244 Drews, Mongolenauge bei deutschen Kindern 30 Finscli, Pfahlbauten aus Neuguinea. 295 Potonie.W., Ein Laut - Bildzeichen- system (mit einer Tafel) 251 R i c c a r d i . Zur Anthropologie der Taub- stummen 277 S c h a a f f h a u s e n , Ueber die Ent Wicke- lung der menschlichen Cultur und die Urgeschichte des Rheinlandes . 129, 144 von der Steinen, Erfahrungen zur Entwicklungsgeschichte der Vlker- gedanken 265 Jadeit in Nordamerika 223 Zoologie. Andries. Das Verhalten der Thiere bei Erdbelien 139 Buitz, Reilierhorste in Ustpveussen 254 Bertkau, Ueber einen Zwitter von Gastropacha quorcus 94 Dewitz, Die selbststndige Fortbewe- gung der Blutkrperehen der Glieder- thiero 70 D i e d e r i c h , Die geographische Ver- breitung der Elstern 302 Dderlein, Ueber die Gattung Pleu- racanthus 22 Glaser, Der Heerwurm" beobachtet am 26. Juli 1886 bei Stolberg am Harz 37 Grub er, Die Bedeutung des unsteten Hin- und Heischwirrens mancher In- secten ol Herzen, Die Milz als Hilfsorgan des Verdauungsprocesses 286 Seite Hoff er, Die Schinarotzerhummcdn . 246 Kolbe, Ueber das \'orkonimen von berzhligen Beinen bei Kfern (mit Abbild.) ". 169 Korschel t, Ueber die wichtigen Funk-' tionen der Wanderzellen im thieri- schen Krper (mit Aliliildungen) . . 2.j Martin. Was wissen wir ber die Phy- siologie der Menstruation? .... 86 Meissen, Berittene Ameisen. . . . ^5 Mbius, Ueber die Bewegung der tue genden Fische durch die Luft . . . 198 Pabst, Der breite Bandwurm (Bothrio- cephalus latus Brems) und seine Ent- wicklungsgeschichte 257 Poulton u. Thomas, Zhne des Schnabelthieres 303 Schaff, Das Steppenhuhn 231 Sibley, Spontane Tuberkulose ein- zelner Wirbelthiere 158 V. Ungern-Sternberg, Wozu dienen die Deckflgel der InsectenV . . . 158 Wozu dienen die Rcken- und die Bauchflosseu der Fische? . . 254 u. 288 Wasmann. Ueber die Bedeutung der Palpen bei den Insecten :!10 Bezugsquellen fr Acjuarienthiere und -Pflanzen 40 Branchipus Grubei und Linmetis bra- chyurus 135 Bffel (Bison americanus) in Nord- america 79 FnfzigjhrigesJubiluniderthierischen Zelleutheorie von Theodor Schwann 180 Sicliverfiirbeii und Umfrben von Vogel- federn 247 Tropidonotus tesselatus in Deutschbuid 22 Lieber Farbennderungen bei Thieren, hervorgerufen d nrch besondere Futter- stoffe 263 Botanik. Ali-Cohen, Eigcnbewegung liei li- krokokken 254 Bouquet, Eine neue Hypothese ber die Absorption des Stickstoffs durch die Pflanzen 103 Bsgen, Ueber den Thierfang der LTtricularien (mit Abliildungen) . . 249 Detmer, Sadebeck's Untersuchungen ber Serpentin-Farne 3 Dietel, Lieber den Pleomorphisnius einiger Uredineen (mit Abb.) . . . olo Friedel, Zum Capitel der Doppeltanne 118 Grotefeld, Ueber den Mikroorganis- mus, der das Rotwerden der Milch veranlasst 79 Kern er, Ueber das Wechseln der Bl- thenfarbe an einer und derselben Art in verschiedenen Gegenden .... 6 Kieuitz-tierloff, Intussusception u. Apposition (mit Abbildungen) . . 73, 160 Kny, Uelier Laubfrbungeii (mit Ab- bildungen) 105 Ludwig, Die botanischen Aufgaben der von 0. Zacharias geplanten la- kustrisehen Stationen 140 Magnus, Ueber ein merkw. und schdl. Auftreten eines Schleinipilzes ... 30 Mocller, Die Basidioniyceten nach .^eite den Untersuchungen von Oskar Bre- feld (mit Abbildungen) 97 Mller, Carl, Der Begi iff Pflanzen- galle'' in der luoderneu Wissenschaft 52 Itadi.x und Rhizoma 111 Plowright, Neue Flle von Wirths- wechsel bei Rostpilzen 6 Potonie, H., Das mechanische Prin- cip im Bau der Pflanzen (mit A1>1).) 82 Die Doppeltanne" der Berliner Weihnachtsmrkte 85 Die Victoria regia des Kgl. botani- schen Gartenszu Berlin (mit 2 .Abbild.) 206 Noch einmal die Bedeutung der Steinkrper im Fruchtfleisch der Birnen 231 und Sterne. Die Verbreitung der Samen insb. der Paternostererbse . 207 Raskin. Neuer, fester und durchsich- tiger Culturnhrboden aus Milch . . 84 Schumann, Ueber Ameisenpflanzen (mit Abbildungen) 9 Seil wen d euer , Anatomische Merk- male in ihrer Beziehung zu den Standorten der Pflanzen 13 Short, Die Cocospalnie 22 Staby, Ueber den Schutz der Blatt- narben 235 Wieler, Die Betheiligung des Holzes an der Wasserleitung der Bume . 201 Wolny, Electrische Culturversuche . 23 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Boettger, Die Entwicklung der Pupa- Arten iles Mittelrhein'gebiets in Zeit und Raum 238 Crednor. Ueber das vogtlndisclie Erdbeben vom 26. December 1888 . 71 Engelhardt, Etwas vom Meissner Pechstein 141 Frech, Ueber die Meeresprovinzen der Vorzeit (mit Abbildungen u. Karton) 49 Lew in, Die heutigen Ansichten ber Erdbeben (mit Abbildung) .... 137 Markuse, lieber ein auf der Stern- warte zu Berlin beobachtetes Erdbeben 181 Milne, Seismologische Arlieiten in Japan . . . .' 297 Nehring, Der Transjiurt thieriscluu' Reste durch Vgel und seine Bedeu- tung fr Geologie und Palontologie 233 Oppenheim, Neue Crustaceenlarven aus dem lithographischen Schiefer Bayerns 21.) Potonie, H., Ein neues Verfahren zur Herstellung positiver AVachsabdreke von Petrefacten 141 Reyer, Die Skptar-Eruption, Island 1783 (mit 3 Krtchen) 005 Triebel, Herstellung mikroskopischer Dnnschlift'e von weichen und liriu-k- liidien fossilen Hlzern 24.) Das grsste Pflanzen-Fossil des euro- pischen Koiitinent.s 237 Fortpflanzungsgeschwindigkeit d. Erd- bebenwelle und .Messungen mit Hori- zontalpendel 316 Ueber ein Erdbelxui von hchst unge- \\ lihnlichem Character 1^5 IV Tnlialts-Verzeicliuiss. Seite Physik. Beyci'inck, Ein einfacher, interessan- ter Diffusionsversueh 135 Boys, Uebcr Quarzfiiden 159 Busch, Beobachtungen ber die Pola- risation des Himmelslichtes, ins- besondere zur Zeit der Abenddm- merung 85 Ueber den Einfluss der statischen Elektricitt auf frei schwebenden Tabaksraueh 151 Dreher, Ein scheinbares mechanisches Paradoxon 103 Neue Farbenpliiinoinenc, ihre Erkl- rungundBedeutung t'iiriiiisere heutige Tlieorie der Farbeuwalirnchnnuigen "260 Zur Frage nach der PhospLorescenz der Erdalkalisulfide 270 .1 aussen. iSpektroskopisehe Beobach- tungen auf dem Eitt'elthurm . . . 271 Jortlan, Die Begriffe der Masse und der sogenannten Massenanziehung . 307 Das Schwimmen por.ser Krper . 263 Die Obertliichenspannung und die Adhsionserscheiuungen der Flssig- keiten in ihrer Abhngigkeit vom spe- cifischen Gewicht (mit Abbildungen) 81 Kundt, Ueber die Aeuderung der Lichtgeschwindigkeit in den Metallen mit der Temperatur 62 Lisser's ,.f s^rva" -Influenzmaschine (mit Abb.) 315 Lo ni m e 1 . Ueber subjective Interferenz- streifen im objectiveu Spectrum . . 7 Lunimer und Brodhuhn, Ersatz des Photomoterfettflecks durch rein opti- sche Vorrichtung 31 Mich eis on, Ueber die normale Ent- zndungsgeschwindigkeit explosiver Gasgemische 85 Nagaoka, Ueber die gemeinsame Wir- kungen der Torsion und des Zuges auf die Magnetisirung des Nickels . 239 Oborbeck, lieber einige neue physi- kalische Apparate 14 Schellbach, Ueber eine unbekannte Eigenschaft der Convexlinsen . . . 199 Spring u. Hai lock, Einwirkung star- ken Druckes auf feste Krper . . 303 Thomson, Neue Elektricitts - Mess- instrumente 190 Warren, \'erwendung des Eisenchlo- rides zu coiistanten Batterien . . . 103 Wem ecke, Ueber das Verhalten des Joil im Wasser 141 V. Wyss, Erklrung dei- l)ei Moiulschein entstehenden blauen Schatten von Bumen u. s. w 159 Was ist die Elektricitt? (mit Abb.) 1 Z enger, Durch einen Blitzschlag er- zeugte elektrische Figuren .... 246 Leibniz und das Gesetz von der Er- haltung der Kraft 151 Magnetische Eigenschaften des Mangan- Stahls 127 Phos]dirnsconz der Erdalkalimetalle . 238 Plasticilt des Eises 295 Ueber die Fhigkeit des Nickels Wasser- stoff zu absorbiren ....... 7 Mathematik. Andries, Der verbesserte Reclunistab (mit Abbild.) 278 Gutzmer, Nach welchem Gesetze sind die (iuadratzahlen gebildet, die mit gleichen Ziffern endigen V .... 183 Astronomie. Andries, Die ]iliysische Constitution der Sonne (mit Abbildungen) ... 17 Barnard und Brooks, Entdeckung von neuen Kometen .... 159, 182 Braun, l)('r rothc Fleck auf d. Jupiter 247 Ch an dl er, Zur Farbenbestimmung der Fixsterne 190 Seite Co rn u, Die knstliche Darstellung der Hfe und der Nebensonnenkreise . 143 Ebert, Eine knstliche Nachahmung der Ivinggebirge des Mondes . . . 215 Fenyi, Ueber 2 im September 1888 beobachtete Eruptionen auf der Sonne 9.5 Holden, Ueber W. Herschels Beob- achtungen thtiger Vulcane auf dem Monde 182 Klein, Das Feuermeteor vom 31. De- cember 1888 4G Meise 1, Erklrung fr die Verdoppe- lung der Marskanle 182 Peters, Ein neuer Planet 247 Scheiner, Erklrung der Verdo|ipo- lung der Canle der Marsoliertliiche 232 Ueber die Bedeutung der photo- graphischen Methode in der Astro- nomie (mit Abbild.) 217 Sc hiaparelli, Die Vertbeilung der mit blossem Auge sichtbaren Sterne an der scheinbaren Himmclskugcl . 287 Entdeckungneuer Nebelflecke mit Hlfe der Photographie 310 Komet Brooks 247 Neues ber den Saturn 111 Zwei neue Planetoiden 182 Meteorologie. A SS mann. Mikroskopische Beobach- tungen der Structur des Reifs, Rauh- i-eifs und Schnees 150 Blanford, Wie bildetsich der Regen? 107 Bucchich, Ueber ein interessantes Gewitter auf dem Meere 286 Dessau, Die Theorie der atmosph- rischen Wirbel . 193, 224 Frster, Die schliesslicheu Ergebnisse der Forschung betr. die Krakatau- Phnomene . . . . 33 Guillaume, Einwirkungen heftiger Erschtterung auf Nebel 151 Jesse, Die leuchtenden Nachtwolkcn 46 Koeppen, Synoptische AVetterkarten 121 Lang, Zusammenhang zwischen den Niederschlagsmengen und Grund- wasserstnden 277 Larden, Ueber die Luftspiegelung in den sdamerikanischen Pampas . . 310 Paul seil, Messungen der Hhe des Nordlichts 287 Volger, Bemerkungen zu Herrn Dr. Assmanns Aufsatze ber Mikrosko- pische Beobachtungen der Struktur des Reifs, Rauhreifs und Schnees'' . 242 Wagner, Ernst, Der aussergewhn- lich warme Mai 111 Der klimatische Einfluss des Waldes 170 Aendert sich unser Klima? 70 Blitzschlag in den Eift'elthurm am Abend des 19. August 1889 'iW Die leuchtenden Nachtwolken . . . 111 Ueber die aufsteigenden Luftstrme . 239 Ueber die jhrliche Periode der Strme an den Ksten Grossbritanniens . . 95 Chemie. Arnaud, Tangliinin 150 Dittmar, Atomgewicht des Platins . 103 Guignet, Colloidale Cellulose . . . 168 Knecht und Appleyard, Zur Theorie der Frbung 95 Marcano, Die alkoholische (iiihrung des Zuckerrohrsaftes 149 Netto, Alumini\Mnfabrikation . . . 2.')5 Nickel, Die Farbenreaktionen der KohlenstotlVcrbindungen 47 Was ist Holz in chemischem Sinne? 198 Reiss, Seminose 70, 96 Schlsing, Uebcr langsame Verbren- nung organischer Substanzen . . . 30 Seh 11 e i d er, 1 lebiu' die knstliche Dar- stellung des Kupferkieses .... 31 S c h r m a n n , Verwandtschaft der Schwermctalle zum Schwefel . . . 215 Seite Schulze, Zur Kenntniss der chemi- schen Zusammensetzung der Pflanzen- Zellmembranen 94 Spring, Das Nichtrosten benutzter Eisenbahnschienen 23 Staveley, Neue Herstellung von Soda 189 Stein. S., Anlauffarben von Eisen und Stahl 223 Veley, Lslichkeit des Kupfers in Sal- petersure 215 Formose, eine knstlich dargestellte Zuckerart 14 Ueber die Synthese des Zuckers . . 126 Vorkommen von Borsure in Pflanzen 141 Zur Kenntniss des Saccharins .... 215 Geographie und Verwandtes. Helliuann, Daten zur Geschichte der Hhenmessung 02 Krmracl, Bemerkungen ber die Durchsichtigkeit des Meerwassers . '209 K n o 1 1 und T a n a k a d a t e , Erdmagne- tische Messungen in Japan .... 181 Kolbe, Der antarktische Welttheil . 267 Muntz, Worauf beruht die Fruchtbar- keit des Nilthals? . 1-19 Nansens offlcieller Bericht (ber seine Grnlanddurchquerung) (mit einer Karte) 289 Penck, Flcheninhalt der sterrei- chisch-ungarischen Monarchie . . . 310 Bericht ber den 8. deutschen Geo- graphentag " ' ^^^ Der Riesenglobus auf der Pariser Welt- ausstellung 189 Lot-Abweichungen bei Berlin . . . 143 Unterseeische Flusscanle 315 400jhriges Jubilum der Entdeckung von Amerika 311 Unterrieht. Potonie, H., Vorlesung ber die Pflanzenwelt unserer Heimath ... 48 Pu seh mann, Werth der griechischen Sprache fr das Studium der Medicin und der Naturwissenschaften . . . 288 Breudors Blten-Modelle 256 Fortbildungskurse fr Lehrer an der Universitt Jena 175 Volkssternwarte Urania" im Aus- stellungspark zu Berlin 119 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Abelous, Ueber die in normalem Zu- stande im Magen vorkommenden Mi- kroben und ihre Einwirkung auf die Nhrstoft'e 21 Albu, Schneeblindheit 213 Bise hoff. Ueber knstlich gefrbtes Fleisch 5 Brown-Scquard und d'Arsonval, Neue Untersuchungen ber den Grund der Giftigkeit der ausgeathmetou Luft 6 Bro wn-Sequard , Wirkung der sub- kutanen Injection von Hodenbestand- theilen auf den menschlichen ( rga- nismus _ 158 Carry, Vergiftung durch Baumwolle,' die mit chromsaurem Blei gefrbt war 175 Chauveau, Der Zusammenhang zwi- schen pathogenen und saprogenen Bakterien '-'13 Eise her, Beurtheilung desTrinkwassers 315 Gautier, Zusatz von pliosphorsaurem Kalk od. weinsauiem Kalk zum Weine anstatt des Gypsens des Weines. . 189 Gu er in. Ein neues Coiiservirungsmittel fr Milch, um dieselbe transportfhig zu machen 70 Hoffa, Intoxikationswirkung der pa- thogenen MikroorgauLsmen .... 263 Lceds, Reinigung von Trinkwasser . 61 Llzcn, iMilchconservirungs-Methoden 134 Inlialts-VcM-zeicliniss. Seite Mace, Ueber das Vorkommen des Tvphus-Bacillus im Boden .... 103 Oudin, Eine neue Electrisirmascliine fr medizinische Zwecke iU Parisi, KokusnussalsBandwiirmraittel 277 Pasteur's Schutzimpfung gegen dieToU- wuth 28,0 Re nz i, Versuche zurHcilungder Tuber- kulose 205 Koth, Infektion bei heiler ll;iut . . 79 Scherbel, Die Honiopatliie und die moderne Wissenschaft 177 Noch einmalHomopatle u. Wissen- schaft 285 Schmitz, Bakteriologie und Volks- liygieno 4 i)ie Mithlfe des Gebildeten zur Einsclu-nkung der Tuberkulose (mit Abbildungen) 241 Schuster, Ueber das Verlialten der trockenen Kleidungsstofte gegenber dem Wrmedurchgange 268 Sorge, Homopathie und Wissenschaft 262 Waage, Kunst- u. Naturkaffeebohneu (mit Abbildungen) 155 Haarkuren, Berichtigung ..... li! Nahrungsmittel 279 Tuberkulose-Debatte auf der Heidel- berger Naturforsclier -Versammlung 230 Perubalsam als Medikament .... 254 Tliiocamf u. Rohlig'sche Magnesiakohle, zwei neue Desinfectionsmittel . 198, 224 Typbus-Bacillen im Trinkwasser . . 181 Landwirthschaft und Verwandtes. Hess, Die Anwendung des Eisensul- fates gegen die Kartotfelfule und die Reblauskrankheit 77 Khn, Zur Bekmpfung des Flug- brandes -fc>8 Mller, M., Nachweis der Absorptions- thtigkeit von Ackererde . . ._ . 280 Ausrottung der Kaninehen in Australien 245 Technik. Boucart, Natrliche Seidengewebe . 6 Brelow, Die Pressluftanlage in Paris 153 de Cliardonnct, Ueber Herstellung einer knstlichen Seide 125 Deeke, Ueber Bau- und Pflastermate- rial Pompejis 278 Falk u. Sch'aag, Aluminiumlegirung 199 Ganz & Co., Wechselstrommotoren . 86 Krtzer, Transportabler Haustele- graph (mit Abbildung) 71 Muth, Ueber die Papierfabrieation . 22 Nickel, Die Tendenz der technischen Entwickelungin Bezug auf die Kalium- Verbindungen 179, 216 R Osler, Verwerthuug des Eifelsandes 28 Sachs, Die Berechnung elektrischer Leitungen 189 Die Feuei-gefhrlichkeit der elektri- schen Beleuchtung 158 Elektrische Bahnen G3 Elektrische Kraft-Uebertraguug . . . 143 Elektrisches Lthrohr 175 Elektromotoren in Berlin 103 Magnesium .als Lichtquelle in der Wissenschaft und Industrie (mit Ab- bildungen) 39 Mikrophon-Membran, Verbesserung der, 143 Neues" in S(diweden erfundenes Glas 1G8 Rostflecken-Entfernung 130 Sprengstoffe, Einige neue, 231 Steinholz (Xylolith) t!l Was kosten die selteneren u. seltenen Metalle? !') Zur Elektricittsinesser-Frage .... 142 Biographien, Nekrologe, Personalien. Dreher, Giordano Bruno's culturhisto- risehe Bedeutung 180 Seite Moleschott, Franciscus Cornelius Donders 41 Potonie, H , A. Moritzi, ein zu wenig gewrdigter Vorgnger Darwin's 222, 240 Chevreul, Michel Eugene 66 Domayka 48 J. H. V. Kirchnianns Lebenslauf und Werke 63 Vereinswesen, Museen etc. Amerikanische Gesellschaft fr den Fortschritt der Wissenschaft . . . 108 Apotheker-Congress 143 Astronomische Gesellschaft .... 183 Astronomisch - photographischer Con- gress 191 Botanischer Verein der Provinz Bran- denburg 80 Britische Gesellschaft fr den P^ort- sehritt der Wissenschaft 183 British Medical Association .... 130 Chemischer Congress 136 Congress betreffs der Himmelskarte . 191 Congress der Bibliographie der exacten Wissenschaften 127 Congress der Electriker 168 Congress des Sanitary Institute" . . 199 Congress fr Bergwesen 175 Congress fr Chronometrie 175 Congress fr Cliniatologie und Hydro- logie '....".. 208 Congress fr innere Medicin .... 7 Congress frjisychologische Physiologie 143 Congross italienischer Acrzte .... 199 Congress russ. Naturf. u. Aerzte . . . 310 Deutsche auatomisclie Gesellschaft . 216 Deutsche Anthropologen-Gesellscliaft . 143 Deutsche Anthroiiologcn-Versammlung 183 Deutsche botanische Gesellschaft . . 191 Duutsche geologische Cxesellschaft . . 159 Deutsche dermatologische Gesellscliaft 79 Deutsche Gesellschaft fr Chirurgie . 23 Deutsche Gesellschaft frGynaekologie 79 Deutsche jMeteorologische Gesellschaft 31 Deutscher Aerztetag 95 Deutscher Apotheker-Verein .... 183 Deutscher Bergmannstag 175 Deutscher Geographentag 7. Deutscher Schriftsteller-Verband . . 199 Deutscher Verein fr ffentliche Ge- sundheitspflege 191 Franzsische geodtische Gesellschaft 208 Franzsische geologische Gesellschaft 159 Franzsische Gesellschaft fr den Fort- schritt der Wissenschaft 143 Franzsischer Congress fr Chirurgie . 210 Franzsisclier medicinischer Congress . 210 Hvgieinisclier Congress 143 Internationaler anthropologischer und archologischer Congress 159 Internationaler Botaniker-Congross . 159 Internationaler Congress der geogra- .phischen Wissenschaften 143 Internationaler Congress fr ange- wandte Mechanik 191 Internationaler Congress fr Anthro- pologie und Urgeschichte .... 7 Internationaler Congress fr Criminal- Anthropologie 143 Internationaler Congress fr Dermato- logie 148 Internationaler Congress fr Horticultur 159 Internationaler Congress fr Otologie und Laryngologie ....... 191 Internationaler Congress fr Thera- peutik und Arzneimittellehre . . . 143 Internationaler entomologischer Verein 136 Internationaler Geologen-Congress . . 143 Internationaler Meteorologen-Congress 191 Internationaler Physiologen-Congress . 183 Internationaler psychiatrischer Congress 159 Internationaler thierrztlicherCongress 175 Internationaler Zoologen-Congress . . 143 Museum fr Naturkunde in Berlin . . 301 Ophthalmologische Gesellschaft . . 191 Seite Ornithologische Gesellschaft .... 79 Photographie, Das .50 jhrige Jubi- lum der, 167 Photographische Jubilums-Ausstellung 204 Preussischer Medicinalbeamtcn-Verein 18S Satzungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte .... 223 Verband schlesisclier Gartenbauvereinc 191 Verein der deutschen Irrenrzte ... 79 Versammlung deutscher Forstmnner . 163 Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 191, 199 Litteratur und Bcherliste. Aisberg, Anthropologie mit Berck- sichtigung der Urgeschichte des Menschen 27 1 Andrce und Schillniann, Berliner Schulatlas 7 Anleitung zum Photographiren . . . 128 Bastian, Zur ethnischen Ethik. . . 25.5 Baumgarten, Jahresbericht ber die Fortschritte in der Lehre von den pa- thogenen Mikroorganismen .... 240 Behrens, Methodisches Lehrbuch der allgemeinen Botanik 232 Bock. Das Buch vom gesunden und kranken Menschen 191 Borchard, Einfhrung in ilie W.ahr- sclieinlichkeitsrechnung 160 B r a s s , Die niedrigsten Lebe wesen u.s. w. 23 Buchheister, Ueber das Bergsteigen 232 Burtons ABC der modernen Photo- graphie 128 Carus, Fundamental Problems . . . 200 du B i s - R e y m o n d , Adelbert v. Cha- misso als Naturforseher 255 Engler u. Prantl, Die natrlichen Pflanzenfamilien 287 F a r a d a y , E.xperimental-LTntersuchungen ber Elektricitt 112 Fechner, Elemente der Psychophysik 204 Fiek, p^xcursions- Flora fr Schlesien 96 Forel, Der Hypnotismus, seine Bedeu- tung und seine Handhabung . . . 199 Forsyth, Lehrbuch der Differential- Gleiclumgen 8 Fraunhofers's Gesammelte Schriften 104 Fuhrmann. Naturwissenschaft!. An- wendungen der Differentialrechnung 240 Gauss, Untersuchungen ber hhere Arithmetik 63 G e il i k e . Wanderungen durch die Hoch- alpeu nebst Ausflgen nach den nor- mannischen Inseln und Sicilien . . 24 von Gizycki, Jloralphilosophie . . 88 Gl las er, Taschenwrterbuch fr Bota- niker und alle Freunde der Botanik 176 Goerz, Ausfhrliche Anleitung zur Herstellung von Pliotographien fr Liebhaber . 280 Hammer, Nullmeridian und Weltzeit 216 Handbuch der Physik 120 Hertz, Ueber die Beziehungen zwischen Licht und Elektricitt 280 II int erwaldner, Wegweiser fr Na- turaliensammler 240 Hub er, Katechismus der Meclianik . 216 Gnther, Die Meteorologie ihrem neusten Standjiuidvte gemss und mit besonderer Bercksichtigung geogra- phischer Fragen 183 Haas, Die geologischeBodenbeschaffen- heit Schleswig-Holsteins 191 Handniann: 1) Die fossile Conchylicn- fauna von Leobersdorf im Tertir- becken von Wien; 2) Die Neogen- ablagerungen des sterreichisch-unga- rischen Tertirbeckens; 3) Kurze Be- schreibung der liuflgsten und wich- tigsten Tertirconchylien des Wiener Beckens 40 V. Hell w a 1 d , Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung u. natrlichen Entwickelung 152 VI Illllalt^-V(Mzeicllllis^<. Seile Helmholtz, Uebcr die Erhaltung der Kraft 96 Jaeger u. Beissner, Die Ziergehlze der Garten und Parkanlagen ... 175 Jger - Rcichenow, Handwrter- buch der Zoologie, Anthropologie u. Ethnologie '^2 Kiiuft'er, Ist die Cohsion der Gase wirklich gleich 0? 24 Koch, Kurzgefasster Leitfaden der Psychiatric 208 Kolbe. Einfhrung in die Kenutniss der Insekten 136 Koppe, Die Photograinmetrie oder Bildmesskunst 04 Kraft -Ebing, Eine experimenlelle Studie auf dem Gebiete des Hypno- tisnuis 200 Krieg, Die Erzeugung u. Vertheilung der Elektricitiit der Centralstationen 15 Lrtska, Samlung von Formeln der reinen und angewandten Mathe- matik 312 Liebleins Sammlung von Aufgaben aus der algebraischen Analysis zum zum Selbstiinterrricht 232 Littrows Wunder des Himmels . . 17 Lombroso, Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte 119 Lubbock, Die Sinne und das geistige Leben der Thiere, insbesondere der Insecten 48 Mantegazza, 1. Die Physiologie der Liebe, 2. Anthropologisch-kulturhi- storische Studien bcrdie Geschlechts- verhltnisse dos Menschen. 3. Die Hygiene der Liebe 5u Das nervse Jahrhundert . . 144. 192 Marshall, Die Papageien .... 200 Mayer, Ueber die Erhaltung der En- ergie. Briefe an Griesinger . . . 247 Meyer und Seubert, Das natrliche System der Elemente 32 Mohnike, Affe und Urmensch . . . 224 Moleschott, Franciskus Cornelius Donders 48 Moll, Der Hypnotisinus 127 fhmann, Mineralogisch - chemischer Cursus lliS Ostwalds Klassiker der exactcn Wis- senschaften 96 Paulsen, System der FJthik mit einem Abriss der Staats- und Gesellschafts- lehre . ^' P e t r y , Die Vegetationsvorhiiltnissc des Kytfliuser Gebirges 264 Photographische Mittheilungen fr Fach- mnner und Liebhaber 216 P hin tc, DieelektrischenErseheinungeii der Atmosphre 191 Poinearc, Theorie mathematique de la lumicre 272 Potonie, Illustrirte Flora von Nord- und Mitteldeutschland mit einer Ein= liUn-ung in die Botanik ... 79, 120 Elemente der Botanik 64 Pro.jections-Kunst 296 Recknagel, Kompendium der E.xpcri- mental-Physik 287 Reling u.Bohnhorst, Unsere Pflan- zen nach ihren deutschen Volksnamen, ihrer Stellung in Mythologie und Volksghiuljen, in Sitte und Sage, in Geschichte und Litteratur ... 311 Rttgcr, Erdbeben 160 K h 1 m a n n , Vortrge ber Geschichte der technischen Mechanik und der damit im Zusammenhang stehenden mathematischen WisscnschaftcMi . . 184 Schr, Die Arznei- und Gonussmittel Seite in ihrer commerciellen und ethnogra- phischen Bedeutung 287 Schimper, Anleitung zur mikrosko- pischen Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel 88 Schmitz, Das Geschlechtsleben des Menschen in gesundheitlicher Bezieh- ung und die Hygiene des kleinen Kindes 72 Schmitz. Der Mensch und dessen Ge- sund^it 311 Schroeter, Die Pilze Schlesiens . . 280 Taschenflora des Al)icn\vandrers . 95 Schulze, Die physikalisclien Krfte im Qienste der Gewerbe, der Kunst und tfbr Wissenschaft 208 .5 t ein mann, Elemente der Palonto- logie 271 V. Seydlitzsche Geographie ... 7 Thommen, LTnser Kalender .... 136 Traut seh. Das System der Zoologie mit Bercksichtigung der verglei- chenden Anatomie 287 Tsche by seh eff, Theorie der Con- gruenzen (Elemente der Zahlen- theorie) 248 LTebergang der Zeitschriften Der Natur- forscher", Natur wissen.-jchaftlichen technischen Umschau" u. Der Natur- wissenschaftler" in die N. W." . 8, 16 Verlagswechsel der Naturwissenschaft- lichen Wochenschrift 104 Vogel, Praktische Spektral-Analyse irdischer Stoffe 15 de Vries, Intracellulare Pangenesis . 87 Weismann, Ueber die Hypothese einer Verei'bung von Verletzungen . 183 Wiesner, Biologie der Pflanzen . . 112 Wlislocki, Sitte und Brauch der Siqljenlirger Sachsen 16 Wredows Gartenfreund 176 Wnsche, Schulflora von Deutsehland 175 Zrn und Plaut, Die pflanzlichen Parasiten auf und in dem Krper unserer Haussugethiere, sowie die durch erstere veranlassten Krank- heiten , deren Behandlung und Ver- htung 264 Bcherlistc 8, 16, 24, 32, 40, 48, 64, 72, SO. 88, 96, 104. 112, 128, 136, 144. 152, 176. m, 192, 208, 216, 224. 240, 248, 264, 272, 280, 288, 304, 311. Verzeichniss der Abbildungen. Abbildungen zu dem Artikel: Was ist die Eloctricitf? 2, 13 Abbildungen zu Pfannstiels Aufsatz die Rotation u. s. w 163 Anatomisches ber Kaffeesamen . . . 166 Ammonit (Amaltheus) aus dem Lias . 51 Blume der Victoria regia in ^ Natur- grsse 206 Basidiomyceten-Mycelien mit Conidion und Sporen 97 Bastfaseroberflchenstck von Vinca minor 75 Bastfaser(iuerschnitt des Oleanders. . 75 Bastfaserstck des Oleanders ... 75 Bindegewebszelle einer Daphnide mit Spore 27 Blattdrscnliaar von Gymnogramme tartarea 114 Blattdriisenschu])i)eii zweier Alpenrosen 114 Blattsternhaar von Deutzia scabra . . 1 13 Blattquerschnitt der Rothbuche . . . 106 Blattquersclinittsstck von Cyanophyl- lum magniflcum 113 Blattstielquerschnitt von Polypodium vulgare 90 Seite Blattscheidenquerschnitt von Saccha- rnm strietum 89 Blatt- und Stengelteile von Ameisen- pflanzen 11 Blthenschaft-Querschnitt von Anthe- ricus Liliago 90 Blthenschaft-yuerscluiitt von Arum maculatum 90 Darmstck einer Daphnide mit Sporen eines Sprosspilzes 27 Drei Krtchen zur Erluterung der Skaptar-Erujjtion 305 Durch Phagocyten zerstrte .Muskel- theile einer Fliegenpuppo .... 26 Elektrisches Ei 17 Fettzelle aus der Pupjie einer Schmeiss- fliege 2G Figuren zu Jordan's Artikel Die Ober- flchens])annung" u. s. w. . . 81, 102 Goniatit: Prolecanites lunulicosta . . 68 Haar und Haarteile von Pflanzen . 77 Himmelsphotographie aus dem Stern- bilde des Schwans 228 Karte des stlichen Mittelmeeres zur lteren Pliocenzeit 59 Karte der Vertheilung von Meer und Land zur Jurazeit 58 Karte der Meeresprovinzen der Jetzt- zeit 49 Karte von Grnland mit Angabe des von Nansen bei seiner Durehquerung gemachten W'eges 289 Klappenverschluss der thiorfangenden Blasen von Utricularia 249 Larve eines Seeigels 25 Leucocyt aus der Froschlyiniilie . . 25 Leucoc3'ten vom Frosch mit Milzbrand- bacilfen 27 Monstrjie Beine und Fresszangen bei Kfern 109 Neysche Magnesiundampen . . . 39, 40 Neuer Messapparat fr mikroskopische Zwecke 185 Photographie einer scharfen Linie . 218 Photographieen eines Sternes . . . 227 Pilzs]ioren und Blutkrperchen aus der Leibeshhle einer I)a])hnide .... 27 Profll des Muschelkalks l>ei Ci'euzburg 139 Querschnitt durch eine mehrseitig bie- gungsfeste Construction 89 Querschnitte durch einen T-Trger . 84 Rechenstab 278 Rhizom-Querschnitt einer Carex-Art. . 91 Schematischer Durchschnitt der Sonne 17 Si)altft'nung von Thymus Serpyllum 107 Spross von Utricularia 249 Strkekrner 73 Stammquerschnitt einer Cyatheacee . 91 Stengehiuerschnitt von Calanius specta- bil'is 90 Stengelquerschnitt von Equisetum hic- malc 90 Stengelquerschnitt von Molinia coeru- lea 90 Stengelquerschnitt von Scirpus caespi- tosus 90 Tafel zur Erluterung der Verwandt- schaft der Laute 253 Taschenflsehchen fr Hustende . . 242 Thierfangende Blase von Utricularia . 249 Transi)Ortabler Haustolegraph ... 71 Trilobit (Parado.xides) aus dem Cam- brium 51 Victoria regia im Amazonenstrom . . 206 Wachsbedeckung von Saccharum offi- cinaruni 114 Wandcrzellen aus Echinodermenlarven 25 Wurzelquerschnitt von Chamacdorea ob- longata 91 Zelle mit Wandfaltungen aus dem Blatt der Kiefer 77 ^^^ iW^S^ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 21, Spenerstr. 9. lY. Band. Montag-, den 1. April 1889. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Buclihandlungen und Post- y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 j. Grssere Auftrge anstalten, wie bei der Exiiedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. iik) entsprechenden Rabatt. Beilagen nach eberehikunft. Inseraten- Bringeguld bei der Post 15 j extra. JL annhme bei allen Annoncenbureanx, wie bei der Expedition. Abdruck \t nnr mit vollstndiger f^uellenang^abe gettattet. Was ist die Elelnkreis gleich gi'oss wai'iMi. Auch bei den spUsren Versuchen zeigte sich diese Erscheinung. Wai- dei' sekundre Leiter nach dem geradlinigen Drahte m n (Fig. 2) abgestimmt, d. h. waren die Schwingungsdauern der beiden Leiter einander gl(Mch, so waren die im reduzierten Kreise auftretenden Funken immer viel strker, als wenn die Schwingungs- dauern nicht miteinander tibereinstimmten. (Fortsetzung folgt.) Nr. 1. Naturwi.s.sfn.scliaftliclie Wodienschrift. Sadebecks Untersuchungen ber Serpentinfarne. Von Ur. W. Uetmer, l'rof, Im dritten Hefte dei' Berichte ber die Sitzungen der Gesellschaft fr Botanik zu Hamburg: hat Sadebeck unter dem Titel lieber die generationsweise fortgesetzten Aussaaten und Kulturen der Serpeutiuforinen der Fain- gattung Asplenium" eine kurze, aber sehr beachtcnsweile Mitteilung publiziert. Wenn ich mir gestatte, auf die Arbeit des genannten Autors an dieser Stelle etwas naher einzugehen, so veranlassen midi dazu verschiedene Grnde. Eiuuuil erscheinen mii- die Erg-ebnisse der Untersuchungen Sadebecks wichtig- genug, um das Interesse weiterer Ki'eise in Anspruch zu nehmen; ferner mchte ich aber, von den Resultaten Sadebecks ausgehend, einige Fiagen beleuchten, die unter Berck- sichtigung der Beobachtungseigebnisse des genannten Forsciiers eine Frderung erfahren knnen. Zunilciist eine kurze Mitteilung des wesentlichsten Inhaltes der Verffentlichung Sadebecks. Es giebt verschiedene Repiiisentanten der Farngat- tung- Asplenium; nilmlich A. adulterinum und A. Seipen- tini, die man seither nur auf serpentinreichem Boden an- g-elrorten hat. Die eistere Pflanze ist nahe verwandt mit A. v'ide und A. Trichomanes, die lelztere aber mit A. Adiantum nigrum, also mit Farnen, die auf serpentin- freieu Boden gedeihen. Man hat diese verschiedenen (iewchse smtlich seither fr gute Spezies gehalten, und in der That sind z. B. die Unterschiede zwischen A. Ser- pentini und A. Adiantum nigrum ei-heblich g-enug, um eine solche Anschauung zu rechtfeitigen. Die Wedel des letzteren Farnkiautes besitzen einen eigentmlichen Silberglanz, welcher denjenig-en des A. Serpentini fehlt. Die Form der Fiederblttchen ist bei beiden Formen nicht die gleiche, und whrend die Wedel von A. Adian- tum nigrum zu herwinteru vermgen, sind (llejenigcn von A. Serpentini hierzu nicht befhigt. Tidtzdem erwachten bei Sadebeck infolge einiger Beobachtungen, die er machen konnte, Zweifel an der Richtigkeit der Ansicht, nach wcIcIkm- die genannten Farne smtlich verschiedeuen guten Arten" angehren sollen. Zur sicheren Entscheidung der auftauchenden Fragen nahm er dabei- seine Zuflucht zu geneiationen- weise fortgesetzten Kulturversuchen. Di(; Sporen von A. adulterinum und A. Serpentini wurden auf serpentin- freiera Substrat (Torf, Gartenei'de) ausgeset. Die Sporen, welche die zur Entwicklung gelangenden l'flanzen (eiste Generation) produzierten, kamen dann wieder zur Aus- saat aut serpentinfreiem ]5oden. Sie lieferten die Pflanzen der zweiten (ieneration, welche Onerseits die Sporen f(ii- die dritte Generation erzeugten etc. etc. Es stellte sich nun heraus, dass die Wedel smtlicher Pflanzen der ersten Genei-ationen die fr die Blattei- von A. adulteri- num und A. Seriientini charakteristischen Eigeiitiimiich- keiten besassen. ei den Kulturen mit A. adulterinum bildeten sich in der vieiten Generation dagegen einige Wedel ans, die den Chaiakter der Wedel von A. viride trugen, und die Pflanzen der fnften Generation waren fast smtlich nicht mehr von A. viride zu unterscheiden. Bei den Experimenten mit A. Serpentiui traten die ersten deutlichen Uebergnge zu A. Adiantum nigrum in der fnften Generation hervor; die Pflanzen der sechsten Generation zeigten aber ihrer Mcin-zahl nach die Merk- male von A. Adiantum nigrum. Somit ist erwiesen, dass A. adulterinum und A. Ser- pentini nicht mehr als besondere Pflanzenspecies, sondiM'n als Serpentinformen (Varietten) der Arten A. viride an der Universitt Jena. respect. A. Adiantum nigrum betrachtet wei-den mssen. Es ist demnach auf experimentellem Wege der Nachweis erbracht worden, dass es in siieziellen Fllen mglich ist, gewisse Pflanzeuformen in andere berzuflnen, die sich von jenen ersteren in niorphologischer und biologischer l^eziehung ganz wesentlich unterscheiden. Die Unter- schiede sind gross genug, um ohne iiercksichtigung der Ergebnisse geeigneter Kulturversuche zur Aufstellung verschiedener guter Arten" Vei-anlassung- zu gelien. Zu bemerken ist noch, dass es Sadebeck nicht ge- lang-, durch generationenweise fortgeseszte Kultiu' des Asplenium viride und des A. Adiantum nigrum in ser- pentinhaltigem Boden die Serpentinlbrmen dei- genannten Farne (A. adultei-intuu und A. Serpentini) zur lOntwick- lung zu bringen. Dieser [Jmstand ndert aber nichts an der Wichtigkeit seiner positiven Beobachtungsresiiilati', und darf uns nicht besonders wundern. Manche Varie- tten unserer Kulturpflanzen schlagen ebenfalls untei- ab- genderten Lebensbedingung-en relativ leicht iu die Staunii- form ziu'ck, whrend es nicht g-elingt, aus diesen letzteren ohne weiteres die Kulturvarietten zu zueilten. Vieliei(-ht ist dies, ebenso wie z. B. die Ueberfhrung von A. Adian- tum nigrum in A. Serpentini nur durch viele liuiidi'it .lahie lang fortgesetzte Kulturen mglich. Unter Percksichtigung der Beobachtungsresultate Sadebecks wird auf eine ganze Reihe wichtiger Verhlt- nisse, von denen hier einige kurz berlirt werden sollen, ein neues Li<;ht geworfen. Es ist bekannt, dass eine Reihe von Gewchsen nur auf bestimmten Podenarten zu durchaus normaler Ent- wicklung gelangen. Infolge dessen ist man berechtigt, von einer typischen Flora des Sandbodens, des kalk- i-eiclien Bodens, des kochsalzreichen Bodens etc. zu reden. Auch fr den Seipentinboden sind, wie wir ge- sehen haben, einige Gewchse durchaus charakteristisch, obgleich es vor der Hand nicht mglich ist, diejenigen nheren und entfernteren pliysikaschen oder chemischen Ursachen spezieller anzugeben, welche es bedingen, dass die Serientinfarne eben nur auf Seipentinboden gedeihen. Dieselben sind heute nicht mehr, wie dies frher geschah, als besondere Species aufzufassen, sondern sie stellen Formen bestimmter Aspleniiimarten dar. Die Serpeiitin- farne sind aus diesen letzteren hervorgegangen, indem das Substrat (der Serpentinboden) ganz allmhlich modi- fizierend auf die morphologischen und biologischen Eigen- schaften der Pflanzen einwirkte. Von ganz hervorragendem Interesse erscheinen nun aber die Resultate derjenigen Experimente Sadebecks, durch welche es ihm gelungen ist, die Seipentinfarne in ihre Stammformen berzufhren. Ich will hier davon absehen, dass diese Erg-ebnisse ein hohes theoretisches Interesse fr die nhere Begrndung der g-egeiiwrtig allgemein herrschenden Lehre vom Artbegritt' besitzen, mchte aber mit um so grsseren Nachdruck die Be- deutung derselben fr die Theorie der Vererbung be- tonen. Bei der Kultur der Seipentinfarne in seipentiii- freiem Boden machte sich der Uebeigang- dersellien in die Stammformen nicht sofort in den ersten Generationen, sondern erst in der vierten, respektive fnften Generation geltend. Die Merkmale, welche die Serpentin farne in- folge des Einflusses usserer Verhltnisse (Substrat- beschaft'enheit) erworben hatten, verschwanden nicht sofort unter neuen Umstnden, sondern sie Avurden zu- nchst durch Vererbung erhalten. Erst allmhlich konnten NaturwissenschaftlioJio Wochnschaften, welche sie einmal besitzen, mit unerschtterlicher Ruhe, wenn sie neuen Lebensbedingungen ausgesetzt werden. Die Erb- lichkeit dieser Eigenschaften ist so bedeutend, dass sie nicht leicht (vielleicht ei'st nach Verlaut vieler hundert Generationen) berwunden werden kann. Solche Orga- nismen eignen sich nicht zu experimentellen Untersuchungen ber die Frage nach der Erblichkeit ei-worbener Eigen- schaften. Um so wichtiger erscheint es, Objekte zu be- sitzen, die dem Experiment berhaupt zugnglich sind, und als solche Objekte verdienen die Serpentinfarne in erster Linie Beachtung. Die Frage nach der Ei-blichkeit ei'worbener Eigen- schaften beansprucht heute ein hervorragendes Interesse, und man kann sich vorstellen, dass eine solche Eiblich- keit zu Stande kommt, indem entweder das Keimplasma unter dem Einflsse usserer Verhltnisse Modifikationen erfhrt, oder indem das Soma sich verndert und erst in- folge dessen das Kciuiphisma entsprechende erljliclK! Ab- nderungen erleidet. Weismann wird die fr die Lehre von der Ver- erbung besonders wichtigen Resultate der Untersuc'hungen Sadebecks von seinem jetzigen Standpunkte aus sicher in der zuerst erwhnten Weise deuten, und ich bin weit entfernt davon, den Wert dieser Deutung zu unterschtzen. Andererseits muss ich aber doch nachdrcklich betonen, dass, wie es ebenfalls Eimer in seinem krzlich er- schienenen, inhaltreichen Buche ber die Entstehung der Arten etc." gethan hat, dass die Erblichkeit solcher Ver- nderungen, welche das Soma erlitten hat, und die erst von diesem aus auf das Keimplasma bertragen werden, prinzipiell nicht ausgeschlossen erscheint. Meine von Weismann zum Teil vllig missverstandenen Ausfhrun- gen in einem Aufsatze ber das Problem der Vererbung hatten lediglich den Zweck, diesen Standpunkt zur Gel- tung zu bringen, der schon deshalb Beachtung bean- sprucht, weil ei' einen Ausgangspunkt fr experimentelle Untei'suchungen ber Vererbung bilden kann. In zahl- losen Pflanzenzellen findet sich zudem somatisches Plasma neben Keimplasma vor, und es ist doch kaum glaublich, dass Vernderungim, welche das ersteie untei' dem Ein- fluss usserei' V^erliltnisse erleidet, keine entsprechenden und erblichen Modifikationen des letzteren hervorbringen sollten. Bakteriologie und Voiksliygieine.^) Von Ivreis-l'hysikus Dr. L. Schmitz zu Lilmecly. Zwei Symptome, welche bei Krankheiten am meisten in die Erscheinung treten, nmlich Entzndung imd FiehiT, hatten seit langer Zeit die medizinischen For- scher zu ergrnden gesucht, ohne bislang von Erfolg gekrnt zu sein. P]rst mit Einfhrung des Mikroskopes war man in der Lage, die genannten Voi'gnge genauer studieren zu knnen. Zur Erkli'ung der Ursache bei dem Entzmlnfjspyozesii- erregern, mikroKl.'ojiii^vh kleinen letienden Werten, SpaUjiHzen nachgewiesen. (Gleichfalls wurde der Beweis erbracht, dass leljemie Mikroorganismen bestimmter Art als die Er- reger des tiei inneren Krankheite)i auftretenden F/eJ)ers zu erachten sind. In der jetzigen Zeit ist die Bakteriologie in das Stadium der hchsten Entwicklung getreten imd die Entdeckungen hufen sich bezglich der Infektions- krankheiten immermehr. Die praklisrlie Amrendung der Bakterienkunde in der Medizin besteht darin, die Entznnduni/ser reger, a-elclie sieli in. den tieriseJien Orf/aiiismas eingesrtdiehoi ladien, ,-a rernichten. Indem diese Aufgabe der Antiseptik oft nicht zu erfllen ist, so geht vor allem das Streben dahin, die Krankheitserreger vom, Eindringen in den Krper fern zu halten. Es sucht dieses die Chirargie diu'cli die .4?*- trendang des antiseptischen VerlKindes zu erreichen. Auf Nr. 1. Natiirwissenscliaftliclie Wochenschrift. (iiiiml ilicse.s Hilf.smittels sowie mit Hilfe der strengsten Desinfelition wiu-end der Operation ist die chirurgische Wissenschaft zur hohen Blte g-elangt und hat einen l'Iriblg aufzuweisen, welchen man frher kaum zu trumen gewagt haben wrde. Es giebt jetzt kaum noch ein inneres Organ, welches nicht ohne Erfolg von der ope- rierenden Hand des Chirurgen berhrt worden ist. Ge- fahrlos kann man unter Anwendung der strengsten An- fiseptik die Krperhhlen erffnen, die grssten Wunden setzen, die gefhrlichsten Operationen ausfhren, ohne dass sich Entzndung, Fieber und l^aterung einstellt. Der Erfolg der Anwendung der Bakteriologie auf die chirurgische AVissenschaft ist wirklich als grossartig zu erachten. Die innere Medizin dagegen ist bisheran von einem solchen Erfolge nicht gekrnt, weil man na- turgemss den Infektionstrgern, welche im fniiein des Krpers und vielfach im Blute kreisen, schlecht bei- kommen kann. In der Regel muss man indirekt, durch Verabreichung von M(!dikamenten, auf die Vei-nichtung der Krankheitserreger einzuwirken suchen, eine Aufgabe, welche sich bisweilen, zumal wenn die Infektionsstoffe im Krper an Ihnfang gewonnen haben, nicht oder nur teilweise ausfhi-en lsst. Um gegen die Ursache der inneren Kiankheiten besser vorgehen zu knnen und da- durch das Volkswold durch Fernhalten von Krankheiten, zumal von Epidemien, zu fidern, strebt die medizinische Wissenschaft darauf hin, der Hi/f/icine Ein(/a?i(j unter (/o.s Volk zu, verschaffen, damit durch die Kemdnis der ber- aus wicldiqen Lehren derselben der Einzelne in der Lage sei, sich rar dem eberr/anf/ der InfeJdionsJceime in den vienschlichen Krper nii'xjlirltst zu schtzen rmd hiermit der Entstehmifi ron Kranl-heiten vorzuheugen. Es ist dieses die Aufgabe der Zukunft, woi'an die medizinische Wissenschaft und der Staat sich beteiligen mssen. Wenn der einzelne Mensch gelernt hat, die von aussen seinem Organismus in der Form von Infektions- keiracn drohenden Gesundheitsfeinde abzuwehren, dann ist die Grundlage fr das ffentliche Gesundheitswohl gelegt. Wie ist dieses zu erreichen? Nicht durcli Vor- trge und Schliffen, welche in populrer Foim das er- ivachsene Pidjlikum belehren, sondern durch die Schule. Das heranwachsende Kind muss von Jugend auf die seinem Krper drohenden Gesundheitsgefahren kennen lernen, und mssen ihm die Mittel und W&gQ angegeben werden, wie es die Krijerstrungen vermeiden kann. Was zur Jugendzeit erlernt wii'd, geht in Fleisch und Blut des Menschen ber und bleibt meist fr immer haften. Das in der Jugendzeit erweckte Inteiesse fr die llygieine wird im reifern Alter seine Blte treiben; der Jngling, die Jungfrau, sie werden selbstndig imStudium der Hygieine weiter streben, nachdem einmal das Ver- stndnis fr dieselbe geweckt ist; der erwachsene ^leiisch wird die ffentlichen Anordnungen, welche zur Hebung des ffentlichen (iesundheitswohles erlassen werden, ver- stehen und auf ihre Ausfhrung Bedacht nehmen; die Hygieine kann sich dann auch l^ahn in das Familien- leben hinein brechen, und der Erfolg bei der Kindererzie- liung wird nicht ausbleiben. Hiei'mit wird die Gesundheit und die Kraft des Einzelnen anwachsen, infolgedessen das Volk erstarken, das Nationalvermgen sich heben. Die g'eschildei'te Aufgabe lsst sich eifllen dadurch, dass sowohl in den oberen Klassen der Elementarschulen als auch zumal in den mittleren und hheren Schulen die Hygieine als obligatorisches Lehifach eingefhrt wird. Dieser Unteriieht soll natrlich der Auttassungskraft dei- betreffenden Schler entsprechend gegeben werden und darf hauptschlich nur die i)rivate Hygieine umfassen, an deren goldenen Lehren die Jugend sicher Interesse ge- winnen wild. Was geschieht aber in dieser Hinsicht bisheran und wie ist es mit der Kenntnis der Hygieine beim Volke beschaffen? Die Jug-end bleilit unbekannt mit den weisen Regeln der Gesundheitslehre, welche dein lOrwachsenen doch mehr ntzen als so manches andere in der Jugend Erlernte; mit dem Heranwachsen der .Jugend Ijrgeren sich bei derselben die krasseste Ingoranz und die falschesten Ansichten ein, wie sie sich bisheran stets von den Eltern auf die l\inder vererbt liaben und viel Unheil im Leben des Einzelnen sowohl als in der Familie schaffen. Was ntzen die weisen Erlasse und die vorzglichen Vorschriften der Behrden bezg-lich des ffentlichen Cie- sundiieitswohles, wenn dem Volke von vornherein das Inteiesse und das Verstndnis fr die Hygieine vorent- halten wird?! Was war die Ursache, dass whrend der letzten, die europischen Lnder durchziehenden Cholera- epideniie wiederum soviele Personen dahingerafft wurden, dass im Jahre 18S4 in Spanien an 100 OOO, in Italien an 15 000 Leben zum Opfer fielen? I^ediglich Unkennt- nis des Volkes in der Hygieine, welche das Publikum veranlasste, den Gesundheitsfeind nicht zu ])ekmpfen, und nicht nur die von den ffentlichen Behrden vor- geschriebenen Vorsichtsmassregeln zu vernachlssigen, sondern den Anordnungen derselben sogar entgegenzu- treten. Setzet den Hebel dort an, wo damit etwas zu er- reiclien ist unterrichtet die Jugend in sachverstndiger Weise und begeistert dieselbe fr die Gesundheitslehre durch Wort und Beispiel! Ist diese Notwendigkeit ein- mal erkannt, dann ergiebt sich von selbst, dass der Staat fr hygieinisch geschultes Lehrpersonal zu Nsorg^en hat und dass demnach die Gesundheitslehre ein obligatorischer Priifungsgegenstand beim Examen der Volksschullehrer und Philologen werden muss. TTeber knstlich gefrbtes Fleisch. Es herrscht leider im Verkehr raii Fleischwaareii die unter Umstanden recht bedenli- liche und sicherlich stets verwerfliche Unsitte, gehaclvtes Fleisch knstlich zu ffirben, teils um demselben eine frische Farbe lnger als unter normalen Verhltnissen zu erhalten, teils um unansehnlich gewordenem Fleische wieder den Anschein der Frische zu geben. Gewhnlich wird in Lehrbchern der Nahrungsniittelchemie Fuchsin als hierzu gebruchlicher knstlicher Farbstoff aufgefhrt und zugleich mitgeteilt, dass eine derartige Frbung durch Zer- reiben des Fleisches mit etwa SOprozentigem Alkohol kenntlich ge- macht werde, welche Behandlung den Alkohol durch Fuchsin schn rot gefrbt erscheinen lsst. Vor wenigen Wochen hatte ich Gelegenheit, eine Probe der knstlichen Frbung verdchtigen, gehackten Rindfleisches zur Untersuchung zu erhalten. Dasselbe war dem ekonomen einer hiesigen Kaserne geliefert worden, und hafte das auffallige Aussehen und die eigentmliche Farbe des Fleisches beim Braten den Oekonom veranlasst, das Fleisch mir zur Untersuchung zu bergeben, lun eventuell gegen den Lieferanten vorzugehen. Das Fleisch, welches, wie der Volksmund sagt, schon einen merkliehen Stich hatte, sodass knstliche Frbung wohl auf be- stimmte Motive zurckzufhren war, hatte eine tief dunkelrote Farbe utid zeigte beim Zerdrcken und Zerteilen heller und dunkler ge- frbte Streifclien. Alkohol nahm keine Spur eines knstlichen Farbstoffes auf, Amylalkohol ebenfalls nicht. Da nun nach weitereu Prfungen der Farbstoff das Verhalten des Cocheniilefarbstofts zu zeigen schien, ersann ich einen andern Weg um Klarheit zu erlangen und legte das Fleisch in verdnntes, wssriges Ammoniak. Diese Hehandluiig hatte charakteristische Erscheinungen zur Folge. Per normale Fleischfaibstoff lilasste ab und lebhaft karmoisingefrbte Fleckchen und Streifchen durchsetzten das Fleisch. Bei lngerem Stehen wurde 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. der normale Farbstoff au6]s:ezogen und blieb das Fleisch an den knstlich getllrbten Stellen karmoisinfarben zurck. Der Farbstoff wird mit .Salzsure prchtig orangegelb, ebenso durch Salpetersure. Er verhlt sich wie CochenillefarbstofT. Die angegebene einfache Methode drfte mithin unter gleichen Verhltnissen zur Aufklrung der Natur knstlicher Farbstoffe im Flf'i.sch anwendbar erscheinen. Es nden sich in der Litteratur mehrfach Mitteilungen, in welchen die Erkennung sichtlich vor- handener knstlicher Farbstoffe den Analytikern nicht geglckt ist. Im Anschlnss an vorstehenden Befund gestatte ich mir noch die Mitteilung, dass gleichzeitis' mit jenem knstlich gefUrliten Rind- Hi'isch mir zur Untersuchung bergebenes, gehacktes Schweinefleisch in bedeutendem Masse Kartoffelmehl enthielt. Dr. C. l?i seil off. Vereideter Chemiker der Kgl. Gerichte n. des Kgl. Polizei Prsidiums zu Berlin. Keue Untersuchungen ber den Grund der Giftig- keit der ausgeatmeten Luft haben neuerdings Brown-Si'fjuard und d'Arsonval in den Oomptes reiidus der Pariser Akademie ver- ilffentlicht. .Schon in einer frheren Arbeit (Vergl. Nat. Woch. Hd. I. S. 178, Bd. IT. S. 166) haben die genannten Forscher be- wiesen, dass bei dem Atmungsprozess der Menschen und der Suge- tiere ausser Kohlensure und Wasser eine Substanz gebildet wird, die durch hervorragend toxische "Wirkungen ausgezeichnet ist. Dies (lift kann schon in sehr geringer Menge tfUlich wirken ohne direkt in das Blut eingefhrt zu sein. Von 18 Kaninchen, welchen vnn der wsserigen Losung jenes Giftstoffes, der durch Kondensation der Atmungsgase erhalten war, unter die Haut in- jiziert war, starben 17 und zwar im Verlauf von 12 24 Stunden. Dass die (xiftlgkeit nicht durch Mikroben bedingt war. wird dadurch bewiesen, dass auch die auf 100" f! erhitzte Flssigkeit die gleichen Vergiftungserscheinungen hervorrief Dass nicht die in der ausgeatmeten Luft enthaltene Kohlen- sure die Urheberin dieser Vergiftungserscheinungen sein kann, wird dnrch den folgenden Versuch bewiesen. Der hierzu benutzte Apparat bestand aus einer Reihe metallener Gefiisse, welche gro-ss genug waren ein Kaninchen aufzunehmen. Diese Gefasse, welche von der Luft hermetisch abgeschlossen waren und miteinander in Verbindung standen, waren mit einem Gasometer verbunden, aus welchem durch den ganzen Apparat ein kontinuirlicher Strom atmosphrischer Luft gesogen wurde. Durch besondere Vorkehrungen war eine Ent- fernung der Speisereste und Exkremente der Versuclistiere ermriglicht. .lunge Kaninchen, welche in 8 solche Gefasse eingesetzt wurden, starben sehr schnell, ausgenommen die, welche sich im 1. uiul 2. Be- hlter befanden, denen somit reichliche Mengen reiner Luft zu- gefhrt wurden. Durch zahlreiche Versuche konnte festgestellt werden, dass die im 6.. 7. und 8. Kfig befindlichen Tiere nach 2 3 Tagen starben, whrend der Tod der Tiere im 4. Gefasse nach einer Woche, im f). noch einige Tage spter erftdgte. Da der Gehalt an Kohlen.sure in den letzten Gefassen nur 4 6% betrug und weiter durch zahlreiche Untersuchungen be- wiesen wurde, dass selbst betrchtliche Mengen mit der lyuft einge- atmeter reiner Kohlensure weder auf Menschen. Hunde, K.anincheii luich andern .Sugetieren giftig wirken, so nnissten schon hiernach die bei n, whrend die Kohlensure nach wie vor den ge- samten Apparat passierte. In der That stellte sich nun heraus, da.ss die Luft nach dem Passieren des schwefelsurehaltigen Cylinders ihre giftigen Eigenschaften verloren hatte. Ks ergiebt sich also aus obigen Vi>rsuchen, dass sich in der ausgeatmeten Luft ein durch seine eminent toxischen Wirkungen charakterisierter Stoff befindet, sowie, dass diesem und nicht der Kohlensure die giftigen Eigenschaften der Atniungsluft zuzu- schreiben sind. W. H. Katrlichc Seidengewebc. Der Gedanke, man kiinne vielleicht die Seidenraupe direkt verwenden, um die Gewebe zu spinnen, bewog mich in dieser Richtung praktische Versuche aus- zufhren, die ziemlich gnstig ausfielen, /u diesem Zwecke setzte ich auf eine n.ach allen Seiten isolierte Glasplatte einige dem Ver- puppen nahestehende Seidenraupen. Diese fingen gleich an, infolge des Mangels an jeglichem Befestigungsgegenstande fr ihre sekre- tierten Fden, diese auf die Glasplatte auszubreiten und berzogen auf diese Welse die ganze Glasplatte mit einem regelmssigen Ge- webe, welchas von der Glasplatte getrennt, eine ziemlich grosse Soliditt und Widerstandsfhigkeit zeigte. Man kann auf diese Weise ganz betrchtliche Seidengewebe darstellen, die aber nicht von praktischer Bedeutung sind. E. Bourcart. Keue Flle von "Wirtswechsel bei Bostpilzen. In seinem soeben erschienenen Werke British l^redineae and Ustila- gineae" berichtet Plowright ber Kulturversuche und Beobachtungen, durch welche die Zugehrigkeit einiger weiteren hetercischen tlre- dineen (vgl. meine frheren Mitteilungen in dieser Zeitschrift) dar- gethan wird. Von Graniineenrosten bildet Puccinia persi- stens Plowr. auf Triticum repens. seine Aecidiengeneration etc. auf Thalictrura, P. Trailii Plowr. Uredo- und Teleuto- sporen auf Phragmites communis, Spermogonien und Aecidien auf Rume.x Acetosa, whrend der bekannte Phragmitesrost P. Phragmites sich nur auf Rumes conglomeratu.s, R. obtusifolius u.a., dagegen nicht auf R. Acetosa entwickelt. Von neuen Rietgrasrosten bilden zwei ihre ersten Genera- tionen auf Compositen, ein dritter die seinen auf einer Scrofu- lariacee: Puccinia extensicola Plowr. (auf Carex extensa): I. auf Aster Tripolium, P. paludosa rio wr. (('arex vulgaris, stricta, fulva): I. auf Pedicularis, P. arenariicola Plowr. {('. arenaria): I. auf Centaurea nigra. Prof Ludwig. TJeber das "Wechseln der Bltenfarbe an einer und derselben Art in verschiedenen Gegenden. Wenn die Dichter von den bunten Blumen der Wiese sprechen, so ist das wohl nur im bertragenen Sinne zu nehmen, denn die Wiesenblumen sind nicht bunt, sondern der Mehrzahl nach einfarbig. Dagegen wird die Wiese durcli die Blumen bunt, und zwar in der Weise, dass sich verschiedene einfarbige vicdette. blaue, rote, gelbe und weisse Blumen von der grnen Folie des Wiesengrundes abheben. Wer aber aufmerksam zusieht und die Blumenfarben, welche im Verlaufe des .Tahres auf der Wiese erscheinen, berschaut, dem kann nicht entgehen, dass an der Buntheit der Wiese selten alle BInmenfarben zugleich beteiligt sind und dass in der Mehrzahl der Flle neben dem Grn nur noch zwei Farben vorherrschen, bald wei.ss und rot. bald blau und gelb, bald violett und orange. Vorzglich sind es al.so kontra- stierende Farben, welche gleichzeitig nebeneinander auftauchen. Heutzutage fragt man bei allen Erscheinungen nach dem wahr- siOieinlichen Grunde und es drngt uns die Wissbegierde, auch in Betreff des erwhnten Farbenkoutrastes die Frage nach der Ursache aufzuwerfen. Da die Bltenfarlie als eines der wichtigsten Anlockungsniittel fr die bltenbesuchenden und den Pollen bertragenden Insekten gilt, so drften wohl auch bei diesem Farbenkontraste die erwhnten Insekten in Betracht kommen und man knnte die Erscheinung in nachfolgender Weise zu erklren versuchen. Gesetzt den Fall, auf einer Wiese stehen tausende von blauen Glocken der Campanula, barliata. Wenn sich zwischen denselben die orangefarbigen Sterne der Aniica montaiui erheben, so werden diese jedenfalls viel mehr auffallen, als wenn jene blauen (flockenblumen nicht vorhanden wren. Dasselbe gilt auch umgekehrt von den Glockenblumen, deren blaue Farbe durch die Gegenwart der kontnastierenden orangefarbigen .Sterne der Arnica wesentlich gehoben wird. Es drfte sich aber auch noch eine andere sehr merkwrdige Er- scheinung, nmlich das Wechseln der Bltenfaibe an ein und derselben Art in verschiedenen Gegeiulen aus dem fr die betreffenden PHanzen- arten mit Kiicksiclit auf den Bliitenbesuch vorteilhaften Farbenkoii- trast erklren. Angenommen, es wrde sich auf einer Wiese wo im Hochsommer eine mit roten Blten geschmckte Pflanze, etwa eine Nelke, in grosser Menge vorkommt, eine violette (ilockenblume angesiedelt haben. Einige Stcke derselben tragen, wie es bei Gl<'kenhlumen nicht gerade selten vorkommt, weisse Blten. Ohne Zw(M'fel werden sich von den roten Nelken diese weissen Glocken- blumen besser abheben, als die violetten und es haben dieselben ilaher auch mehr Aussicht von Insekten besucht zu werden und dadurch zur h>uclit- und .Samenbildung zu kommen, als die blauen. Mit der Zeit werden die weissen Glockenblumen in Ub(!rwiegender Zahl vorhanden sein und auf diese Weise werden zwischen den Nelken mit roten Blten vorherrschend Glockenblumen mit weissen Blten wachsen. Wrde sich dieselbe Glockenblume auf einer VVie.se ange- siedelt haben, auf welcher Pflanzen mit orangegidben Blten in gro.sser Menge wachsen, so wrden nicht die weissblhenden, sondern die violettblhemb^n Stcke als die besser in die Augen fallenden von Insekten besucht werden, sich vermehren und schliesslich auch vorherrschen. In der Umgebung des Brenners trgt (\ampanula Trachelium weisse, in den Thlern der stlichen Kalkalpen blaue Blten; Viola calcarata zeigt auf den Wiesen der Hochgebirge in den westlichen Nr. 1. Natnrwissenscliaftliche Wochenschrift. in den Text ge- druckten Kartenskizzen und erluternden Abbildungen, sowie 5 Karten in Farbendruc'k. Dazu ein Anhang von &2 typischen Landschaften und Kulturbildern. Zwanzigste Bearbeitung von Dr. E. Ueli 1 man n nnd Uberlehrer Simon. Zweiter durchgesehener Neudruck. Ferdi- nand Hirt, Breslau, 188S. I'reis 4,25 Mk. Von diesem reich ausgestatteten Buche, welehes siidi bereits vortrefHich bewhlt hat und nicht nur als Schulgeographie, sondern auch zum Selbststudium angelegentlichst empfohlen werden kann, ist ein Neudruck erschienen, bei welchem besonders die astronomische Geographie und Afrika einer grndlichen Durchsicht unterzogen worden sind. Die bersichtliche und klare Gliederung des Stoffes, die knappe und dabei anschauliche und erschpfende Darstellung, sowie auch die vielen vortrefflichen Landschatts- und Knlturbilder, Spezialkarten und Kartenskizzen zeichnen das Buch aus. Fr den geographis(;hen Unterricht ist es ein grosser Gewinn, dass ihm jetzt Hilfsmittel zu Gebote stehen, welche den immer mehr anwachsenden Stott' in anziehender und fasslicher Form darbieten. Dr. F. Wahnscharte. R. Andree und R. Schillmann, Berliner Schul -Atlas. Ausgefhrt von der geographischen Anstalt von Velhageii und Kla- sing in Leipzig. Berlin, 18Sit. Verlag der Stiibenrauchschen Buch- handlung. I'reis 1 Mk. Die vorliegende, .speziell fr Berlin bestimmte Ausgabe ist eine Neubearbeitung des Andreeschen Schul-Atlas und fr Volksschulen sowie fr die unteren Klassen hherer Lehranstalten ben^chnet. Die physikalischen Verhltnis.se der fnf Weltteile und der einzelnen europischen Ivnder sind unter Fortlassung alles berflssigen Lernstoffes mit grosser Klarheit zur Darstellung gebrai^ht und las.sen sich dem Gedchtnis leicht einprgen. Zur Einfhrung in das Kar- teuverstndnis veranschaulichen die beiden ersten Karten verschiedene 8 Naturwissenschaftliche W ochenschrift. Nr. 1. Fiiriiieii ilijr iMilnlieifUirliL- und zuif^cn au drr Jiaud riiiit^cr L;uid- schaftsbilder die Metliode der kartographischen Darstellung. Die politischen Liebersichten sind auf das Notwendigste beschrnkt und fr gewhnlich der physikalischen Karte als viermal kleineres Krt- chen beigegeben. Fr den religisen L'nterriclit dient die Karte von l'alstina zur Zeit Christi mit drei kleinen Spezialkarten. Besonder.s hervorgehoben sei noch die Karte der deutschen Binheitskriege von 18641870/71 und diejenige, welche die geschichtliche Entwicklung Preussens zeigt. Den Schluss bildet die Heimatskarte der Provinz Brandenburg, die Sehulkarte der Umgebung Berlins im Massstab 1:100000 und die Sehulkarte von Berlin im Masssfab 1:15 000, welch' letztere alle wichtigeren ffentlichen Gebude in kleinen Skizzen enthlt. Dr. F. Wahnschaife. A. R. Forsyth, Lehrbuch der DiflFerential- Gleichun- gen. Mit einem Anhange: Die Resultate der im Lehrbuche ange- fhrten Uebungsaufgaben enthaltend, herausgegeben von H. Maser. 742 S. 8". Braunschweig, Friedrich Vieweg und Sohn. 1889. Preis 14 Mk. In guter, deutscher Uebersetzung liegt uns hier ein Werk vor, welches die englischen Mathematiker als das beste in ihrer Sprache geschriebene mathematische Lehrbuch bezeichnen. Dasselbe zeichnet sich sowohl durch die leichtfassliohe Darstellung als auch durch die grosse Vollstndigkeit der zur Integration der Ditlerentialgleichungen dienenden Methoden aus, so dass man die Uebersetzung des For- sythscben Werkes zugleich als eine Bereicherung der deutschen mathematischen Litteratur betrachten kann. Nchst den gewhn- lichen Differentialgleichungen mit einer und mit mehreren Vernder- lichen nden auch die in der Physik so usserst wichtigen partiellen Differentialgleichungen erster und zweiter Ordnung grosse Berck- sichtigung, und wo es angeht, wird den Resultaten auch eine geo- metrische Bedeutung abgewonnen. Das vorliegende Lehrbuch em- pfiehlt sich .dadurch ganz besonders zur Einfhrung in das Studium der Differentialgleichungen, die sowohl fr die Anwendungen der Mathematik als auch fr die Fortschritte der Funktionentheorie ein hervorragendes Interesse gewonnen haben. Die Mannigfaltigkeit der Methoden wird das vorliegende Werk aber auch vorgerckteren Mathematikern und Physikern wertvoll erscheinen lassen. Ein anderer Vorzug des Forsythschen Werkes besteht in der grossen Zahl von Uebungsaufgaben (etwa 800), die zur Befestigung und Anwendung der vorgetragenen Methoden dienen. Der Heraus- geber der deutschen Uebersetzung hat es fr gut gefunden, die Resultate dieser Aufgaben mehr oder mir^der ausfhi-lich dem Werke als Anhang beizufgen; der letztere nimmt allerdings mehr als ein Drittel des Werkes in Anspruch, indessen sind wir der Ueberzeu- gung, dass derselbe bei dem genauen Studium des Lehi-buches von ganz wesentlichem Nutzen sein wird. Der Verfasser hofft in einem zweiten Bande die von theoreti- schem Gesichtspunkte interessanten und fr die Funktionentheorie wichtigen Resultate der neueren Untersuchungen zusammenfassend darzustellen: hoffentlich bringt er dies bald zur Ausfuhrung. G. Backlund, O., Ueb. die Herleitung der im 8. Bde. der Observa- tions de Poulkowa" enthaltenen Stern-Kataloge nebst einigen Un- tersuchungen b. d. Pulkowaer Meridiankreis. (9tl S.) 2,80 JC. St.-Pctersbuurg. Voss, Leipzig. Charlier, C. W. L. , lieber e. mit dem Problem der drei Krper verwandte Aufgabe. (18 S.) 80 ,f St.-Ptersbourg. Voss, Leipzig. Joseph, H., Compendium der pathologischen Anatomie. 4. Aufl., abgendert v. 0. Ilennig. (210 S. m. Ulustr.) 4 JC. Fues, Leipzig. Katzer, F., Spongienschichten im mittelbhmischen Devon (Hercyn), (Sep.-Al)dr.) HS. m. 1 Taf. 50 -j. Freytag, Leipzig. Kersehensteiner, G., Ueb. die Wendepunktsgleichung 6. Grades uiul die ihr zugehrigen rationalen Kurven vierter Ordnung. (65 S. m. 4 'l'af.) 1 JC. ]5allhorn, Nrnberg. Klemencic, I., Untersuchungen b. d. Eignung d. Platin-Ii'idium- drahtes u. einiger anderer Legierungen zur Anfertigung v. Nornial- Widerstandseinheiten. (Sep.-Abdr.) 79 S. 2 JC. Freytag, Leipzig. Krauch. C, Die Prfung der chemischen Keagentien auf Reinheit. ((iO S.) 1 M. Brill, Dariustadt. Kokseharow, K. v., eitrilge zur Kenntnis der Krystallisation d. Klinochlors u. b. das Krystallsystem u. die Winkel d. Kotschu- beits. (59 S.) 2 JO. St.-Pi5tersbourg. Voss, Leipzig. Kraus, G., Grundlinien zu einer Physiologie des Gerbstoffes. (VI, 131 S.) 8 dW. W. Engelmann, Leipzig. Krieg V. Hoehfelden, F. Frhr., Ueb. projektive Beziehungen, die durch vier Gerade im Rume gegeben sind. 1. Mitteilung. (Sep.-Abdr.) (32 S.) 60 4. Freytag, Leipzig. Krdener, A. Baron v., Zur Naturgeschichte d. Birkwildes. (Sep.- Abdr.) 16 S. 1 JO. Knast, Wien. Lang, A., Ueb. den Einfluss der festsitzenden Lebensweise auf die Tiere u. b. den Ursprung der ungeschlechtl. Fortpflanzung durch Teilung u. Knospung. (166 S.) 3 Jt. Fischer, Jena. Lehrbuch der vergleichenden Aruitomie. Zum Gebrauche bei ver- gleichend anatomischen u. zoologischen Vorlesungen. 9. Aufl. v. E. 0. Sclimidts Handbuch der vergleichenden Anatomie. 1. Abt. (IV, 290 S. m. Ulustr.) 5 JO. Ebd. Lutz, K. G., Das Buch der Schmetterlinge. 10. (Schluss-) Lfg. 4". (VI u. S. 153188 m. 3 kolor. Taf.) \JC. Sdd. Verl.-Inst., Stuttgart. Mang, A., Zerlegbarer u. verstellbarer Reform-Globus als Grundlage e. anschaul. Unterrichts in der astronom. Geographie. (50 S. m. 1 Taf.) 1,60 Ji. Ackermann, Weinheim. Natanson, L., Ueb. die kinetische Theorie d. Jouleschen Erschei- nungen (28 S.) 1 JC. Karow, Dorpat. Nies, F., Ueb. das Verhalten der Silicate beim Uebergange aus dem glutliflssigen in den festen Aggregatzustand. (52 S.) 1 Jt. Schweizerbart, Stuttgart. Owsiannikow, Ph., Ueb. d. dritte Auge bei Petromyzon fluviatilis. Nebst einigen Betnerkgn. b. dasselbe Organ bei anderen Tieren, (26 S. m. 1 Taf.) 1,60 JC. St.-P6tersbourg. Voss, Leipzig. Petermann's, A., Mitteilungen aus J. Perthes' geograph. Anstalt. Hrsg. V. A. Supan. Ergnzungsheft Nr. 92: Wissenschaftliche Ergebnisse von Dr. W. .Junkers Reisen in Zentralafrika. 1. (52 S. m. 2 Karten.) 4. 4 JO. Just. Perthes, Gotha. Richter, V. v., Lehrbuch d. anorganischen Chemie. 6. Aufl. (XVI, 490 S. m. Ulustr.) 9 JC. Cohen & Sohn, Bonn. Zur Nacliriclit. Mit dem I. April 1889 geht die Natur- wissenschaftlich -technisclie Umschau" (Verlag von C. Kraus in Dsseldorf) in die Naturwissen- schaftliche Wochenschrift" ber. Die Redaktion der Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift" wird sich daher bemhen um auch den von Seiten der Naturwissenschafth'ch-technischen Umschau" neu hinzutretenden Abonnenten zu gengen den von vornherein gefassten Plan auch die naturwissen- schaftlich-technischen Errungenschaften zu bercksich- tigen, noch mehr als bisher zur Ausfhrung zu bringen. Bei dem grossen Interesse, welches ein jeder der An- wendung der reinen Wissenschaft auf die Praxis mit Recht entgegenbringt, wird eine solche Erweiterung des Gesichtskreises der N. W." auch von den alten, treuen Abonnenten gewiss mit Freuden begrsst werden. Da die Verwirklichung des Planes zeitraubende Vor- bereitungen kostet, bittet die Redaktion den geehrten Leserkreis sie auch fernerhin mit wohlwollender Nach- sicht zu untersttzen. Redaktion u. Verlag d. Naturw. Wochenschr." Die Stelle eines Naturforschers in der Exp. zur Fjr- forschung des Pilcomayo vom Parana bis zur Grenze von Bolivia ist liesetzt. Inhalt: Dr. II. G. von Wyss: Was ist die Kb>ktricitat? (Mit Abliild.) Dr. W. Detmer: Sadebeeks Untersuchungen ber Serpentinfarne. Dr. L. Schmitz: Bakteriologie und Volkshygieine. Ueber knstlicli gefrbtes Fleisch. Neue Untersuchungen ber den Grund der Giftigkeit der ausgeatmiHen Luft. Natrliche Seidengewebe. Neue Flle von Wirtswechsel bei llostpilzen. Ueber das Wechseln der Bltenfarbe. Ueber die Fhigkeit des Nickels Wasserstoff zu absorbieren. Ueber subjektive Inter- ferenzstreifen im objektiven Spektrum. VIII. Deutscher Geographentag. Internationaler Kongress fr Anthropologie. Kongr. fr inu. Medicin. Litteratur: Seydlitzsche Geographie. Andree u. Schillmann, Berl. Schul-Atlas. Forsyth, Different. Gleicliungcn. Zur Nachriclit. Verautw. Redakteur: Dr. Henry Potoui, Berlin NW. , fr den Inseratenteil : Hermann Riemann. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 21. Dnick: Gebrder Kiesau, Berlin SW. 12. Hierzn eine Keila^e, welche wir heNonder v.n heaehten bitten. Beilage zu Nr. 1, Band IV der Jatiirwissenscliaftlichen Wochenschrift". Die Expedition der SatEwissenscliaflliclien ift" Pfplt Bi'iliii XW. ai. Spemi-Sti. 1. i-n EiiisriidiiiiL; (Irs Uri r;ii;cs (aiiili in l'.rictiiKiikcii) franko: '' ' " 4,2(1 2,10 4,20 2,10 3,10 0.20 3,10 Band I (Ol(tob.87-Mrz do. II (April - Sept. 88) do. III (Oktol).88-Il(lrz niuizcr Biuul . .MI eiiizeliips (^iiartl jjaii/.er Baiul . . 1 (Quartal . . l'nl;;HiKle Quartale \ L'uiiziT 15aii(l * 1 Quaital . . . I)i<- i'hizeliw Xiniitiiir hostet 40 l'/';/. Verlag von Julius Springer in Berlin N. Elemente der Botanik V(ll) Dr. H. Potonie. Mit 539 in den Text gedruckten Altbildimgen. Preis: Mk. 2,80, gebunden Mk. 3,60. Inhalt: Eintiilining. Morpliologie: 1. Grimdbegrifto, 2. Eiitwicke- lungsgeschichte, ',->. Aeussere Gliederung der PHanzeii, 4. Anatomie (Haut- systeni, Skelettsystem, Absorptionssysteni, Assiniilationssystem, Leitungs- system, Speichersysteui, DurchUiftungssystem, Sekret- und Exkretbelialter. Fortiitlanzungssystem). Physiologie. - Systematik. Aufzhlung und Beschreibung der wichtigsten Pflanzen-Abteilungen und -Arten. Ptianzen- geographie Palaeontologie. Pflanzenkrankheiten. Geschiolite der Botanik. Register. Illustrierte Flora von Nord- und Mittel-Deutschland mit einer Einfhrung in die Bolanilt von Dr. H. Potonie. UiiterMilwirkiMig vm Prof. Dr. P. Ascherson (erliii). Dr. G. Beck (Wien), Prf. Dr. R. Caspary fweil. Prof. in Kbiligsbi-rg) . Dr H. Christ (H.isel). Dr. W. 0. Foclie (Bremen). J. Freyn (Prag), Prof. E. Hackel (.^t. PIien). Prof. C. Haussknecht (Weini;ii ) , Prf Dr. G. Leimbach (Arn- stadt) . Dr. F. Fax (Brcsl.m), Prof. Dr. A. Peter (Clttingen). I'rof. Dr. L. Wittinack (Berlin). Prof, A. Zimmeter (Innsbruck). Dritte wesentlicli vermehrte iinil verbesserte Auflaye. 52U Seiten gr. 8" mit 425 in di^n Text geilini^lvten Alil)iUlunseii- Preis Mk. 5, -. Eleg. gebunden Mk. 6,- . riit.j Potoui^'s Illustrierte. Flora ist, ti otz des billigen Preises, die voll- stndigste aller Floren des Gebiets; sie ist die erste, die berhaupt das Leben und den Innern Bau der Pflanzen liehandelt hat und sie ist die ein- zige, die eine ausllirliche Pflanzengeographle des Gebiets bringt. Soeben erscheint L. Deichmann's Astronomischer Chronometer. Patent in allen Kultur-Lndern. Diese 3040 eni hbe. 30 eni breite, elegant an.sgestattcte nml mit prima Werk verselicne .a.strononii.si-lie I.Tlir zeigt die Zeit, den nrd- lichen und sdlichen Sternenhimmel, Datum, Monat, Jahreszeit, Stern- bild des Tierkreises und Planetensystem. In Utztcnin bewegen .sicli Erd- und Mondkugel in genau der Wirklichkeit entsprechender Stellung, Zeit nntl Bahn nm ilir Sonnenkugel und gelieii (Itiiiiirch ein klare,-^. jeden Augenblick richtiges l'.iiil ili-r Stellung der Krper im Weltrume, eine genaue Erklriin;; tlei- Entstehung iltr Erd- und Mondzeiten, Sonnen- nnd Mondfinsternisse i-ie. Hnidiste Ani^rkennmig wisscn.sidiaft lieher Autoritten, Steniwarti'n etc. Unenthelirlielie.s Hills- intd Bildungsmittel fr jede Schule und Familie. Preis Jlk. 75100, je nach Ausstattung. Auslliidit^.he illustrierte Prospekte gratis und franko L. Deichmann, Geographische Anstalt, Cassel. Internat. Entomologen -Verein griisste Vereinigung aller Kntomologen unil Insektensammler der Welt! Bereits gegen SOO Mitglieiler in allen Erdteilen ! Wissenscliaftlif.il redigierte Vercins-Zeitschrift, in welcher den Mitgliedern 100 Zeilen Frei-Inserate pr. a. zustehen. Zwei Central- stellen fr Sclimettciiinge und Kfer fr den Tauschverkehr. 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Auflage des Wilhelm Busch -Album beginnt soeben eine neue Lieferungsausgabe zu erseheinen. Dieser humoristische Hausschatz enthlt in 22 Lieferungen 80 j die beliebtesten Schriften des allbekannten Humoristen. Monatlich ersi-boiiion 2 Lieferungen. Abonnements nimmt entgegen die Bucliliandlung von BEBLIN NW. llei'iiiaiiii Kieiiiaiiii. Prof. Dr. Thome's naturgetreu, fein kolorierte im im Oesterreich-Ungarn und der Schweiz. l Komplett in 45 Lieferungen I Dlk., mit 616 prchtigen, natur- getreuen, mustergltigen Farbendrucktafeln lubst erklrendem Text. Audi in 4 eh-ganten ( Irig.- Halbfraiizbnden gebunden 53 Mark Ausgezeichnet in Kln im Oktober 1888 atif der Inter- nationalen Gartenbau- Ausstellung durch die Goldene Medaille" (einzige der Fachlitteratur daselbst!). Ratenzahlungen .stattbaft. Verlag von Fr. Eugen Khler in Gera-Untermhaus. Bei Hermann Riemann, Berlin, sind erschienen : lllgemeio-ierstdliclie oatur- Heft I: Schlegel: Ueber den sogenannten vierdimen- sionalen Raum. Heft II: Schubert: Das Rechnen an den Fingern und Maschinen". Heft III: Kraepelin: Die Bedeutung der naturhistori- schen, insonderheit der zoolo- L'ischen Museen". Heft IT: Loew: Anleitung zu bltenbiologi,schen Be- obachtungen". Heft I IV Preis 50 Pfg. Heft V: Stapflf: Das .gla- ziale' Dwykakonglomerat Sdafrikas". Heft VI: Mittmann: Die Bakterien und die Art ihrer Untersuchung". Heft VII: Potonie: Die systematische Zugehrigkeit der versteinerten Hlzer (vom Typus Araucariosylon) in den paleoli tischen Formationen. Heft V VII Preis I Mk. PATENT besorgt und uerwerthet in allen Lndern, ajch fertigt in eigener Werkstatt. Alfred Loroiitz Xachf. BERLIN s.w., Lindenstr. 67. CProsot-cie gratis). Afrik. Strauss-Eier St. 2Mk. Tiegeraugen-Steine .. 1 offer. KiS] G. Eschner, Dresden. Polipaiiphlo Briefmarken kauft UGUIdUltlllt: 6. Zechmeyer in Nrnberg. I'rosp. gratis. (km Die Nester und Eier der in Deutschland und den an- grenzend. Lndern brtenden Vgel. Von l)i\ E. Willihald. 3. Auflage. Mit 229 Abbildungen. 25) Geh. Breis 3 ]\Ik. Leipzig. C. A. Roch's Verlag. i TOjr^^^vvv.vvvA.vv^vvyv - Societas Entomologica liiteriKifiimale f <'r<'iiiiIK. auf dem Grunde des Feldes, in mitten zahlreicher Haare Tr. Stark vergrssert. (Nach Schimper.) Duroia hirsuta m. Das lange untere Internodinni ist blasig aufge- trieben. Sp. die spontane Lngspalte, A. der von Ameisen genagte Eingang, K. Endknospe durch die dlitenfrmig verbundenen Neben- bltter umhllt. Verlileinert. Humboldtia laurifolia Vahl. Das lange Ijiternodium hat hei A. einen Eingang durch eine spontane Spalte entstanden, von Ameisen erweitert, Stp. Nebenbltter, St. Blattstiel, N. Extranuptiale Necta- rien. (Nach Bower). Verkleinert. Tococa lancifolia Spruce. Blattblase. Bei A. Eingang in der Achsel des unteren Nervenpaares gelegen. Von der Rckseite ge- sehen. Verkleinert. Duroia saccifera Hook. fll. Bl. die Blattblasen am Grunde des Blattes. Von der Rckseite gesehen. Verkleinert. Duroia saccifera Hook. fil. A. Eingang in die Blasen, Bf. Blatt- falte, die als Regendach dient. Von der Oberseite gesehen. Ver- kleinert. 1-2 Nahirwissenscliaftliplir- Wochenschrift. Nr. 2 allen Fllen erst weitere Untersuchungen an Urt und Stelle unbedingt ntig, um durch das Experiment nach Schimpei-s Methode Sicherheit ber die Einzelheiten zu gewinnen. Namentlich muss gezeigt werden, bis zu wel- chem Gi'ade die Bedeutung der Ameisen anzuschlagen ist, um ein klares Bild ber die Anpassung der Pflanze an ihre Gste zu gewinnen. Eine zweite Rubrik der Ameisenpflanzen stellen die Gewchse dar, bei welchen die Wohnsttten am Blatte sich befinden. Ich habe hier drei verschiedene Flle unterscheiden knnen. Lngst bekannt sind die Blasen, welche sich bei den Melastomataceen-Gattungen Tococa, Maieta, Microphysca und Myrmedone finden. Die er.st er- whnte zeigt z. B. bei T. lancifoUa Spruce (Fig. 5) Blasen von 3,5 an Lnge und 1,5 cm Breite. Whlend sie auf der Unterseite des Blattes ziemlich flach sind, wlben sie sich auf der Oberseite empor. Die Eingnge liegen auf der Blattunterseite und zwar regelmssig in der Achsel der beiden untersten grossen Nerven, die im Verein mit dem Mittelnerv die bekannte Dreinervigkeit, welche allen Melastoraataceenblttern eigen ist, hervorrufen. Den zwei Eingngen entsprechend stehen die P>lasen zwei getrennte Hohlrume dar. Morphologisch sind sie als vergrsserte Domatien aufzufassen, also als Nervenachsel- hhlungen, die in der Pflanzenwelt ausserordentlich ver- breitet sind und lngst als Aufenthalt kleiner Milben bekannt sind. Tococa macroph.vsca Spruce ist eine dcijenigen Foi'men, bei welchen die Blasen aus der Blattflche her- austreten und auf den Blattstiel rcken. Der Eingang in dieselben bleibt aber an der frheren Stelle, nmlich in der Achsel des untersten Nervenpaares. Zwischen dieser und der erstgenannten Ai't sind bezglich der Lage der Blasen Uebeignge aller Grade voihanden. Bei Calophysca tococoidea DC. aber finden wir die Ameisenwohnsttten berhaupt nicht mehr auf dem Blatte, sondern am Grunde des Blattstieles auf der Axe befestigt. Einen zweiten Typus von Blattblasen fand ich an Duroia saccifera Hook. fil. (Fig. 6). Bei dieser Pflanze bemerkt man an der Blattbasis zu jeder Seite des kurzen Stieles zwei beuteifrmige Behlter, die auf der Oberseite flach (Fig. 7), dagegen umgekehrt wie bei den Melastamataceen, unterseits gewlbt sind (Fig. 6). Die Eingnge (A.) in dieselben liegen auf der Blattober- seite. Da diese Blasen durch die Niederschlge als Herbergen bald unbrauchbar gemacht werden wrden, so schiebt sich durch eine Faltung ein Teil der Blatt- s])reite ber den Zugang hinweg und bildet so ein Regen- dach. Ich konnte auch in diesen Blasen Ameisen in grsserer Zahl nachweisen, die Emery als Allomerus septemarticulatus Mayr bestimmte. Einen dritten Typus fand ich an Remijia ph^i^so- phora m. Im grossen und ganzen vei'halten sich die Blasen dieser Rubiacee hnlich denen von Duroia sacci- fera Hook. fil. Der Zugang liegt aber auf der Rckseite des Blattes; er wird durch die zurckgekrmmten Rnder der Spreite rhrenfrmig verlngert. Mit den Nerven- achseln steht er in keiner Verbindung, und dadurch unterscheidet sich diese Form ganz erheblich von dem Melastomataceentypus. Weder die Blasen von Duroia saccifera Hook. fil. noch die von Remijia physophora m. sind auf morpholo- gische Homologa zurckzufhren. Sie sind besondere eigenartig diff'erenzierte Gebilde. Die Fiage nach solchen Organen, welche den Ameisen Nahrungsmittel bieten, ist fr die Melastomataceen vor- lufig ohne Antwort geblieben. Fr die beiden anderen Gewchse kann ich nur vermutungsweise auf die gleichen Krper hinweisen, die ich bereits bei den beiden anderen Duroia- Arten oben erwhnte. Obgleich in venvandt- schafthchor Beziehung weit von Duroia abstehend, vei- halten sich die Nebenbltter von Remijia i)hysophora m. entgegen den Erfahrungen, die man bei den brigen Arten der Gattung, z. B. bei R. ferruginea DC, macht, gerade so wie die von D. petiolaris Hook. fil. Whrend bei R. ferruginea DC. die Disen mit den beiden getrennten Stipeln abfallen, bleiben sie bei R. physophora m., wo sie dtenfrmig verbunden sind, nach dem Abfall erhalten und bilden an dem Knoten einen strahlenden Kranz. Dass die Duroia saccifera Hook. fil. dieselben Erschei- nungen mit ihren Verwandten gemein hat, wii'd nicht berraschen; wenn aber eine nicht mit ihren Gattungs- genossen ganz bereinstimmende Merkmale zeigende Pflanze sich bezglich der Stipeln so abweichend er- weist, so deutet die Gemeinschaftlichkeit der Eigentm- lichkeiten in den Nebenblttern in Verbindung mit dem Vorkommen von Ameisenwohnsttten doch auf eine be- sondere Funktion dieser Drsen hin. Indes ist auch hier unbedingt notwendig, dass die Beobachtung der Pflanze im Freien die Vermutung erhrtet. Was die Bedeutung der Ameisen fr die Pflanzen anbetrift't, welche von Dmen bewohnt werden, so ist die- selbe fr (lecropia und Acacia sphaerocephala W. und A. spadicigei'a W. experimentell bewiesen. Sie schtzen iln-e Wirte gegen Blattschneiderameisen. Wahrscheinlich haben die Ameisen, welche auf Melastomataceen, auf den Duroia-Arten und Remijia physophora hausen, die gleiche Aufgabe, da diese gefhrlichen Feinde der Pflanzenwelt in Amerika eine grosse Verbreitung be- sitzen. In Ostindien sind dieselben dagegen meines Wissens nicht vorhanden. Hier diften dieselben wohl als Schutz dei- Blten gegen unberufene Gste funktionieren, da sich die Blasen ohne Ausnahme in unmittelbarer Nhe dei- Bltenstnde finden. Jedenfalls sind die Wechsel- beziehungen zwischen Ameisen und Pflanzen von dem hchsten Interesse und sind noch fr die botanischen Reisenden in den Tropen ein dankbares Feld exakter Naturforschuug. Was ist die Elei (Oktob.BT-MrzBB) Band I do. II - Sept. do.lll (Qktob.eS-IVirz ai. Sifiiei--Str. 1>. I'.cliai's (auch in lirictmarken) franko: ganzer Hand . . Mk. 4,20 ,. 2,10 ., 4,20 2,10 .3,10 0,20 3,10 einzelnes Quartal ganzer Hand . . I. Quartal . . II. (Quartal . . 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Berlin NW. 21. Druck: Gebrder Kiesau, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 21, Spenerstr. 9. IV. Band. Sonntag, den 14. April 1889. Nr. 3. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlongen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. Bringegeld bei der Post 15.^ extra. I Inserate: Die viergeapaltene Petitzeile 30 j. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen nnoncenbnreani, wie bei der Expedition. Abdrack ist nur mit Tollstndiger Quellenanifabe gestattet. Die physische Konstitution der Sonne. Von Dr. P. Andries. Die Vorg'ng'e auf der Sonne sind bekanntlich von .so verwickelter und sonderbarer Natiu', dass es bi.sher noeli niclit hat gehngen wollen, eine Hypothese aufzu- stellen, durch welche dieselben in befriedigender Weise ihre Erklrung finden. Die Schwierigkeit liegt haupt- schlich in dem Umstnde, dass wh' auf der Erde keine Erscheinungen zu kennen glauben, die als Analoga zur Eikliung derauf der Sonne stattfinde den dienen knnten; es ist aber bekannt, dass in solchem Falle jeder Erklrungsversuch gerade- zu unmglich ist, da ein solcher immer auf bekannten und bereits erklrten Ersclieinungen beruhen muss. Die liolie Temperatur der Sonne, die damit in Verbindung stehende Dissociation, gewaltige elektrische Prozesse etc., bedingen eine ganze RciJie von hch.st meikwidigen Vorgngen so gewalti- ger und grossartigei' Natur, dass sie .sich schwer oder garnicht in hnliehe irdische Erscheinungen einreihen lassen. Soll indessen das Problem in Betreft' der physischen Beschalfenheit der Sonne liberhaupt lsbar sein, so muss unbedingt der Versuch gemacht werden, irdische Prozesse aufzufinden, die gewisse Analogien zu den Prozessen auf der Sonne bieten. Ijctztere verlieren irameihin etwas von ihrem rtselhaften Cliarakter, wenn sie auf erstere zu- rckgefhrt werden knnen, selbst wenn diese vielleiciit auch noch etwas dunkler Natur sind. Ein irdisches Phnomen, das in mancher Beziehung Analogien zu denjenigen auf der Sonne bietet, ist aber das Polarlicht. Dasselbe ist anerkanntermassen eine elek- trische Erscheinung; es steht feiner unzweifeiiiaft in engem Zusammenhange mit den Vorgngen auf unserem Centralgestirn, insofern es von letzteren stark bcinflusst wird, woraus schon erhellt, dass auf der Sonne gewaltige elektrische Prozesse vor sich gehen mssen. Es sind aber noch weitere Analogien vorhanden, wie aus dem Folgenden ersichtch werden vvh'd. Die Erscheinungen des Nordlichts sind ziemlich allgemein bekannt, weniger ihre Ursachen. Es mag von einer Erklrung letzterer hiei' abgesehen und dieserhalb auf mehrere Aufstze des Verfassers*) jiingewiesen werden. Denkt man sich die Intensitt des Polarlichts so verstrkt, dass die elektrischen Entladungen sich ber die ganze Erde erstrecken, so wrde einem Beobachter in nicht allzu grosser Entfernung, etwa auf dem Monde, die Erde in schwach rotgelbem Lichte erscheinen, wenn man von der Beleuchtung diu'ch die Sonne absieht. Bildete sich ferner aus irgend einer Ursache, durch eine Lcke in der Cirrusschicht, die den Trger der elektrischen Erschei- nungen des Polarlichts bildet, eine Oeffnung in jener Lichthllc, die die Erde bei unserer Voraus- setzung uragiebt, so wrde jener Beobachter in die Tiefe unsei-(n' Atmosphre Micken, er wrde mit anderen Worten eine dunkle Stelle, d. h. einen schwarzen Fleck erblicken. Dicht unterhalb der hellen Nordliclitsciiicht befindet sich nmlich ein dunkler Raum in der Form einer Kugelschale, den wir Erdbewohner, indem wir ihn von der Seite sehen, als dunkles Segment wahrneiimen. Dieser dunkle Zwischenraum entspricht vollstndig dem dunklen Zwischenraum, den wir bei elektrischen Ent- ladungen in luftvordnnten Rliren zwischen den beiden Polen waiiiuehmen; um den positiven Pol z. B. des elek- trischen El's, lagert sich nmlich eine Reihe von heilen *) Siehe Annaleii der Hydrographie, pag. -*03 ff. 1888 und Natiirturschcr XXI pag. 1'29. 1888. 18 NatuiTvissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. Scliicliten oder Strahlen, dann folgt ein dunkler Zwischenraum, whrend um den negativen Pol wie- derum eine wenigei- glnzende Schicht gelagert ist. (Siehe Fig. 1.) Je glnzender aber das Pohirlicht ist, desto dunkler wird jene Lcke in der Li(;litlille dem ausserhalb behndlidien Peobaeliter erscheinen. Nun ist abei' das Nordlicht im Grunde nichts anderes als ein Aus- gleichungsprozess zwischen den infolge der Sonnen- strahlung stark iiositiv elektrischen Eisnadeischichten in der Hhe der Atmosphre und der negativ elektrischen Ei-de, resj). den negativ elektrischen Wasserdmpfen der unteren Atmosphre; es bietet geradezu berraschende Analogien dar zu den Eischeinungen in den Geissler' sehen Rhren und im elektrischen Ei: rotes Licht am positivem Pol in Form eines Strahlenbschels, dann eine Reihen- folge heller und dunkler Schichten, Oscillationen dieser Schichten, Fluorescenz- und i^hosphorescenzerscheinungen, Aehnlichkeit beider Spektra, Verschiebung der Schichten bei Annherung eines Magnets etc. Fasst man nun das Nordlicht in dieser Weise auf und bertrgt diese Auffassung auf die Sonne, so mssen wir folgende Annahmen machen, die nur dann gerecht- fertigt erscheinen, wenn sie sicli mit den beobachteten und feststehenden Thatsachen mglichst in Einklang bringen lassen. In wie weit dies der Fall sein wird, mag der Leser spter selbst beurtheUen. Zunchst ist auf das sehr gelinge spezifische Gewicht der Sonne hinzuweisen; dasselbe betrgt nur 0.255 des- jenigen der Erde oder 1.42 auf Wasser bezogen. Nun wissen wir aus den sicheren Ei'gebnissen der Spektral- analyse, dass auf der Sonne die Metalle, die durchgngig ein hohes spezifisches Gewicht besitzen, stark vertreten sind. Wre also die Sonne eine Vollkugel in feurig- flssigem oder gai' festem Zustande von dem scheinbaren Dui'chmesser von 32' oder dem wahren Durchmesser von 187700 geogr. Meilen, so wrde das niedrige spezifische Gewicht vUig unbegreiflich bleiben, selbst wenn man die nur eine relative dnne Schicht bildende Photosphie nicht in Rechnung ziehen, also den Durchmesser ent- sprechend verkleinern wollte. Genau dieselbe Betrachtung gilt fr die grossen Planeten Jupitei', Saturn etc., die wie Jupiter, genau dasselbe, oder wie Saturn (0,13), ein noch kleineres spezifisches Gewicht als die Sonne be- sitzen. Jupiter magiebt ohne allen Zweifel eine mchtige, aus Gasen und Dmpfen bestehende Atmosphre, die eine Hhe von etwa 6000 geogr. Meilen besitzen mag, so dass fr den jedenfalls noch glhend-flssigen Kern nur ein Durchmesser von circa 8000 Meilen brig bleibt, whrend der Gesamtdurchmesser naiie 20 000 Meilen be- trgt. In dieser dichten und hohen Atmosphre, die sich infolge der raschen Rotation in mit dem Aequator parallel laufenden Streifen lagert, finden sicher noch heftige elektrische Prozesse statt, die einen gewissen Grad des Selbstleuchtens bedingen und auf die Sonne und die brigen Planeten elektrisch einwirken mssen. Die Sonne kann ako uumglich eine Vollkugel von obigem Durchmesser bilden, der feste oder vielmehr feurig-flssige Kern muss demnach kleiner angenommen werden, hnlich wie beim Jupitei'. Natrlich ist es un- mglich die Dimensionen dieses Kernes genau zu be- stimmen, da wir ihn nie zu Gesicht bekommen und auch weder die Hhe noch die Dichte der ihn umhllenden Gas- und Dampfschichten annhernd kennen. Dieser Umstand ist indessen fr unseren Zweck ohne Belang. Wir nehmen also an, dieser Kern besitze einen wesentlich kleineren als den der scheinbaren Grsse der Sonne entsprechenden Durchmesser. Aus diesem Kern entwickeln sich sicherlich Dmpfe und Gase, die eine mehr oder minder hohe Hlle um ihn bilden. Ueber dieser Pllle denken wir uns (Siehe Fig. 2) einen i'elativ dunklen und leeren Raum in Form einer Kugelscliale, der jenem oben ei-wlinten dunklen Ixaum zwischen der Erdobei-flche und der Nordlichtschiclit entspricht. Feber diesem relativ dunklen und leeren Raum schwebt nun die l'hotospre mit allem was zu ihr gehi't und bildet jene glnzende, elektrisch-glhende und daher Licht und Wrme ausstrahlende Hlle von hoch verdnnten Gasen und Dmpfen, die wir direkt sehen und beobaciiten knnen. .Jenem dunklen Zwischenraum mssen wir bei den riesigen Dimensionen der Sonne eine Hhe von vielen Tausend Kilometern zuschreiben, whrend die Photo- sphre nach den Beobachtungen eine usserst geringe Hhe besitzt, die nach Faye etwa 470 Meilen betrgt, also bei den Grssenverhltnissen der Sonne fast ver- schwindend klein zu nennen ist. Dieser Photosphre (einschliesslich der Chromosphre und der Corona) entspricht also auf unserer Erde jene dnne Eisuadelschicht, die wir als das Substrat betrachten mssen, an dem sich die elektrischen Prozesse des Polar- lichts entwickeln. Wie nun die in grosser Hhe schwimmen- den Eisnadeln trotz ilires im Vergleich zu der geringen Dichte der Luft hohen spezifischen Gewichts nur infolge des elektrostatischen Drucks gegen die Luft sich schwebend erhalten knnen, so schwebt auch die Photosphre frei ber dem von ihr eingeschlossenen feurig-flssigen Kerne infolge des elektrischen Zustandes des ganzen Sonnen- ki'pers. Nehmen wir die Photosphre etwa als positiv elektrisch an, den feurig-flssigen Kern als negativ elek- trisch, so wird bei jedesmaliger Entwicklung von Gasen und Dmpfen aus dem Kei-ne eine dicht ber diesem Kerne lagernde negativ elektrische Dampfschicht gebdet werden, die nun einen je nach dem Grade dieser Dampfentwick- lungmehr oder weniger heftigen elektrischen Ausgleichungs- jirozess zwischen dieser negativ elektiischen Schicht und der positiv elektrischen Photosphre zur Folge hat. Die Art und Weise dieses Ausgleichs wird durch folgendes von Aj-mstrong ausgefhrtes Experiment leicht klar ge- macht. Armstrong verband zwei mit Wasser gefllte, oben fein zugespitzte Glser, die in einem Abstand von 0.4 Zoll von einander aufgestellt waren, durch einen feuchten Seidenfaden. Bei Verbindung des einen Glases mit dem negativ elektrischen Kessel, des anderen mit der Erde, strmte zuerst das Wasser ber den Faden hinweg in Form einer Wassersule in der Richtung des positiven Stroms, whrend bald der Seidenfaden in das mit der Erde verbundene Glas, also in entgegengesetzter Richtung hinber gezogen wurde. Dann blieb das Wasser einige Sekunden, zuweilen einige Minuten lang in Gestalt eines Bogens zwischen beiden Glsern ausgestreckt. In dieser Zeit konnte indessen keine Volumennderung der Flssig- keit wahi'genommen werden. Wurden Staubteilchen auf die Oberflche des Wassers gestreut, so zeigten diese einen doppelten Strom in demselben an, einen usseren \ om positiven zum negativen Glase, einen Innern in ent- gegengesetzter Richtung. Diese interessante Thatsache hat spter Quincke durch sorgfltige Versuche besttigt, indem er durch fein verteilte Substanzen, welche in den in Kapillarrhren sich bewegenden Flssigkeiten suspendirt Avaren, die Existenz eines Doppelstroms allgemein nachwies. Diese Doppelstrme zeigen eine Tendenz, in spiralfrmigen Windungen um einander zu fliessen. Bringt man ferner auf den Konduktor einer in Thtigkeit versetzten Elek- trisiermaschine einen heissen Tropfen Siegellacks und ver- Nr. H. Naturwissenschaftliche Wochenschrift . 10 lngei't denselben durch Wegziehen mittels einer Siegel- laclistange, so zeigt ein solcher Faden bei einer Unter- suchung mit dem Mikroskop hohle Spiralen, welche auf dem positiven Konduktor nach rechts, auf dem negativen nacli links gewunden sind. Sind die Fden dicker, so sind sie nicht hohl, zeigen aber die Spiralen usserlich und zwar auf dem positiven Konduktor breitere, eingedrckte, auf dem negativen breitere erhabene Win- dungen.*) Wir sehen nun das Armstrong'sche Experiment in der Natur bei jeder Trombe, bei jedem Tornado, Gewitter und Cyklon mehr oder weniger vollstndig verwirklicht.*-'^) Uebertragen wir dasselbe auf die Sonne, so werden wir folgende \"orgnge uns zu denken haben. Zwischen den beiden oben erwhnten entgegengesetzt elektrischen Dampfschichten findet an einer oder mehrer'en Stellen je nach dem Giade der aus dem Kerne sich entwickeln- den Gase und Dmpfe und der damit zusammenhngenden strkeren Entwicklung negativer Elektricitt eine Aus- gleichung der beiden Elektricitten in Form von unten nach oben und von oben nach unten schrauben- frmiggehender Strme statt. Durch diese Strmungen werden nun sowohl die unteren Gase und Dmpfe in die Hhe, als auch Teile der Photosphre in die Tiefe gerissen , so dass bei jedem derartigen Prozess ein Austausch zwischen den Gasen und Dmpfen beider Schichten eintritt. Der Vorgang ist also analog dem- jenigen bei unseren Tromben und Tornados, deren auf- saugende und niederdrtickende Kraft tausendfach beob- achtet worden ist. Es sind also auf der Sonne (wie auch auf der Erde) zwei Kraftstrmungen vorhanden, die den Austausch der Dmpfe beider Schichten bewerkstelligen. Aus dieser Annahme ergiebt sich nun eine Reihe von Folgerungen, deren Vergleich mit den beobachteten Thatsachen unsere erste Aufgabe sein muss. Betrachten wir zuerst die Sonnenflecken. Nach obiger Auseinander- setzung haben wir sie einfach als Lcken in der glnzen- den Photosphre anzusehen, durch die wir auf den unter- halb der letzteren befindlichen dunklen Raum blicken. Diese Lcken entstehen durch die \on oben nach unten gei'ichtete Strmung, wodurch Massenteile der Photosphre in die Tiefe gerissen werden. Kleinere in der Nhe eines grossen Fleckes befindliche Flecke werden durch diese nach der Tiefe gerichtete heftige Strmung gleich- sam mit nach der Tiefe des grossen Fleckes gerissen, genau in derselben Weise, wie kleinere Wasserwirbel von einem grsser'en ang-ezogen und verschlungen werden***). Der Rand eines Fleckes muss sich demgemss trichter- frmig, konisch gestalten, hnhch den schrgen inneren Wnden eines Kraters und bildet die Penumbra. Dass diese Rnder dunkler erscheinen, als die Obeiflche der Photosphre ist leicht einzusehen. Dieselben haben ferner ein rinnenartiges, gestreiftes oder strohdachfrraigcs Aus- *) Hier ist auch noch auf die zahlreichen bezglichen Ex- perimenten von Plante in dessen Werk: Untersuchungen ber Elektr., bersetzt von Wallentin S. 120. 143, 145 etc. hinzuweisen. Eine ganz hnliche Erscheinung tindet bei dem voltaischen Lichtbogen statt, wo von jeder Elektrode Teilchen losgerissen und nach der anderen hingerissen werden. **) Siehe Das Wetter" S. 217, 1887 und ,. Naturforscher" vom 20 Aug. 1888. ***) Dieser Vorgang wurde von Chacornac und P. Secchi wieder- holt wahrgenommen und vollstndig ausser Frage gestellt. (Siehe Clerke: Geschichte der Astronomie 1889.) Das Flecken Vertiefungen in der Photosphre sind, ist ebenso unzweifelhaft. sehen, was eikliiicli wird, wenn man die nach unten gerichtete Striiiiiuiig bercksichtigt die die photosphrische Substanz gleichsam zu Fden forrairt; es erklren sich auch auf diese Weise die Auszackungen, die man hufig in den Bschungen bemerkt. Die Flecke werden augenscheinlich begleitet von gewal'igen Kiiii)tionen, welche die Fackeln untl ITpivor- lagungen, die gewhnlich ihre Rndei' umgeben, hervor- bringen.*) Die Fackeln sind helle Streifen oder Stellen, die eng mit den Flecken zusammenhngen; sie folgen meist erst auf die h]ntstehung eines Risses in der Photo- sphre. Sie sind nach unserer AufiFassungsweise als Produkte der durch die aulsteig-ende Strmung aus der heissen Tiefe nach oben gerissenen Gase und Dmpfe zu betrachten, die sich um den Fleck herum diu'ch die Photosphre hindurchaibeiten und infolge ihrer ausser- ordentlich hohen Temperatur heller und glnzender er- scheinen als die Photosplire selbst. Sie entsprechen den nach oben und auswits gelichteten Ausstrmungen im obeien Teile unserer Cyklonen. Das Entstehen eines Fleckes lsst sich in der Regel einige Zeit voiaussehen. Den dabei stattfindenden Voi'- gang schildert P. Secchi folgendermassen : Das Auftreten eines Fleckes kndigt sich stets einige Tage vorher an. Man gewahrt dann in der Photosphre der Sonne eine grosse Bewegung, die si(!h bald durch Fackeln, bald durch Poren und durch eine Abnahme der leuchtenden zwischen den Poren befindlichen Schicht zu erkennen gibt. Die Poren selbst schieben sich anfangs mit grosser Geschwindigkeit hin und her, bis eine unter ihnen die Oberhand zu gewinnen scheint und sich zu einer weiten Oeffnung gestaltet. Im ersten Augenblicke der Ent- wickhing zeig-t sich noch keine begrenzte Penumbra; sie tritt aber nach und nach immer deutlicher hervor und wird in dem Masse, wie der Fleck selbst die rundliche Gestalt annimmt, immer regelmssiger."**) Die Entstehung und der Verlauf ist aber selten so regelmssig wie eben geschildert, in der Regel geht es viel strmischer dabei her; aber diese Scliilderung entspricht vollkommen der oben vorgetragenen Anschauung ber die Entstohung-sart der Flecke und Fackeln. Was ferner die Thatschlich- keit dei' oben zu Grunde gelegten beiden Bewegungs- arten, einer Strmung von unten nach oben und einer solchen von oben nach unten betrifft, so ist diese durch die Spektralanalyse vllig ausser Zweifel gestellt. Be- obachtungen der Spektren von zentral gelegenen Flecken, wo also die Bewegungen in der Gesichtslinie vertikal sind, deuten darauf hin, dass fortwhrend f/ewalticje Em- porschleuderimgen und Jsikder strze von femigen (idxm meistenteils in den Gelneten der Fenumtiren oder darber hinaus vor sich f/elien.***) Feinei- haben Young sowohl wie Lockyer mehr denn einmal das ganze Feld des Spek- troskops mit hclhui Linien momentan, berschwemmt gesehen, als ob die sogenannte umkehrende ScKuM jilutzlich auficrts in die ChromospJire gedrckt wre und gleich darauf sieh wieder gesenld iitte. Da die Cin-omosphre direkt ber der Photosphre liegt und mit ihr eng zu- sammenhngt, so wird diese Erscheinung als Folge der heftigen aufsteigenden und absteigenden Bewegungen, die wir annehmen, sofort ei'klrlich. (Fortsetz. folgt.) *) Clerke S. 211'.). **) Becker, die Sonne und dir ***) Clerke,' S. 260. Planeten. S 101 20 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. .S. Was ist die Elektricitt? Von Dr. G. H (Sclil Ich sagte, die elcktrisclien Kriior lassen die dielek- trischen Wellen diircii. Dabei tritt uns abermals eine aus der Optik und der Wrmelehre bekannte Erscheinung entgegen, nmlich die Bi-echung. Es ist schon seit einiger Zeit sowohl auf dem Wege der Theorie als auf dem- jenigen des Experimentes erwiesen worden ich er- innere hier an den oben erwhnten Namen von v. BezoM dass die Kraftlinien beim Uebergange aus einem dielektrischen Mittel ins andere eine Ablenkung erfahren, und dass die Grsse dieser Ablenkung abhngig ist von den dielektrischen T-Constanten der beiden Substanzen. Bezeichnen ki und k2 diese Konstanten, iii und a-i den Einfalls- und den Brechungswinkel, so ist tangfli/7 =tangf/2//v2. Es hat nun auch H. bei seinen Versuchen gefunden, dass die elektrischen Wellen an der Grenz- flche eines isolierenden Krpers gebrochen weiden. Um dies nachzuweisen, stellte 11. ein Prisma aus Haitgummi her, dessen Grundflche ein gleichschenkliges Di-eicck bildete mit einem brechenden Winkel von 30" und einer Schenkellnge von 1,2 in. Seine Hhe war 1,5 m. Die Mitte der brechenden Kante lag in gleicher J^llie wie die piimre Funkenstrecke und der erste HohLs]iiegel Avar so gerichtet, dass seine Achse die l)rechende Flche unter einem Winkel von 6.5" traf. Neben der brechenden Kante und auf der gegenberliegenden Seite waren zwei leitende Schirme aufgestellt, um die elektrischen Wellen zu ver- hindern, sich in den brigen Teil des Zimmers hin aus- zubreiten. Lag die Achse des zweiten Spiegels in der Verlngerung des einfallenden Strahles, so traten im Empfnger keine Funken auf. Wurde aber der zweite Spiegel gegen die hinteie Flche des Prismas gedreht, um einen Winkel von 1 1 ", so zeigten sich im Empfnger Funken, deren Lnge mit wachsendem Ablenkungswinkel zunahm, um bei einem Winkel von 22" einen grssten Wei'th zu erreichen. Die letzten Funken waren bemerk- bai- bei einer Ablenkung von 34". Betrachtet man die Ablenkung von 22 als diejenige des Minimums, so be- rechnet sich daraus und aus einem brechenden Winkel von 30" ein Brechungsexponent = 1.69, ein Werth, der smtliche fiii- die Wrme und Lichtstrahlen geltenden Werte bersteigt. Anlsslich der Reflexionserscheinungen bemerkte ich, dass es keinen Unterschied mache, ob die Biennlinien der Holspiegel beide senkrecht, od(M- beide wageiecht seien. Wh- wollen jetzt den Fall untei'suchen, in wel- chem die Brennlinien senkrecht aufeinander stehen. Der Empfnger zeigt jetzt keine Funken. Es erinnert das doch offenbar an den bekannten Nn-emberg' sehen Apparat, welcher dazu dient, um die Polarisation des Lichtes nach- zuweisen. Stehen die beiden Spiegel des Apparates so, dass ihre Einfallsebenen zu einander parallel sind, so ist der obere Spiegel hell; stehen sie auf einander senkrecht, so ist er dunkel. Da uns jetzt bei der Anwendung der beiden Hohlspiegel die ganz hnliche Erscheinung ent- gegentritt, dass der Empfnger Funken zeigt, wenn die P.rennUnien parallel sind, dagegen keine, wenn sie einen rechten Winkel bilden, so werden wir doch wohl daraus schliessen drfen, dass auch die elektrischen Schwingungen polarisiert sind, d. h. dass sie in einei' bestimmten Ebene stattfinden. H. hat die Polarisation noch auf eine andere Art nachgewiesen. Er zog ber einen achteckigen Holzrahmen (linge und Breite je 2 rn) eine Anzahl 1 )iiin dicker von Wyss. iiss.) Kupferdrhte, alle parallel und in einem jeweiligen Ab- stnde von 30 cm. Biachte er diesen Scliirm zwischen die. beiden Hohlspiegel, so wurden, vorausgesetzt, dass die Brennlinien parallel waren, die elektrischen Wellen nicht gestrt, wenn die Drhte zu den Brennlinien senk- recht wai-en, dagegen aufgehalten, wenn sie mit ihnen parallel liefen. Waren die Brennlinien aufeinander senk- lecht, so zeigte der Empfnger keine Funken, wenn die Drhte mit der einen Brennlinie parallel waren, gleich- giltig, mit welcher; einen lebhaften Funkensti-om hingegen, wenn die Drhte mit den Brennlinien einen Winkel von 45" bildeten. Auch fr diese Erscheinung haben wir, wie H. benieikt, eine entsprechende im Geliiete der Optik, nmhch im Verhalten einer Turraalinijlatte gegen polari- sierte Lichtstrahlen. H. ist nun der Ansicht, dass der elektrische Strahl gebildet weide durch Ti'ansversal- schwingungen. Treffen dieselben das Diahtgitter, so werden sie in Komponenten zerlegt, parallel und senkrecht zu den Drhten und der Schirm wird nur die zu den Drhten senki'echten Schwingungen durchlassen. Diese letzteren weiden aber nur dann auf den Emiifnger erregend ein- wirken, wenn sie parallel sind mit der Brennlinie seines Hohlspiegels. In der Polarisation glaubt H. ferner eine Erklrung zu finden fi' die Verwandtschaft zwischen den elektrischen und den magnetischen Krften, insofern als die Schwingungen, welche in einer durch den Strahl ge- legten Vertikalebene geschehen, elektrischer, diejenigen, welche in einer Horizontalebene stattfinden, magnetischer Natur sein sollen. Es bleibt uns noch die Betrachtung der Interfeienz- erscheinungen brig. Wir haben stillschweigend das l^rinzip der Interferenzen schon verwendet bei der Frage der Schwingungsknoten; denn die Bildung von regel- mssigen, stehenden Wellen mit Schwingungsknoteu und Buchen ist ja im Grunde nichts anderes als eine Inter- ferenzerscheinung. H. hat aber bei seinen frlieren Ver- suchen (s. Fig. 2) direkt Interferenzen nachgewiesen und zwar Interferenzen, welche heiThren von den im Drahte, imd von den in der Luft sich fortpflanzenden Schwingungen. Wenn man einen sekundren quadratfrmigen Leiter im Nullpunkte der Grundhnie so aufstellt, dass seine Ebene zu dieser letzteren senkrecht steht, und die Funkenstrecke im hchsten Punkte liegt, so ben, wie die Theorie lehrt, die im Drahte auftretenden Wellen keine Wirkung aus. Dagegen steht der Leiter unter dem direkten Einflsse der primren Schwingungen und zeigt daher einen Funken- stroni. Drehen wir seine Ebene um eine vertikale Achse in die der Grundlinie parallele Lage, so steht er jetzt unter der Einwirkung der im Drahte fortlaufenden Wellen und ist derjenigen der durch die Luft fortgepflanzten Schwingungen entzogen. In den Stellungen, welche den Uebergang bilden zwischen diesen beiden ausgezeichneten Lagen (zweite und erste Hauptlage, H.) werden sich die Wirkungen der beiden Wellensysteme ber einander lagern, und je nach der Phasendifferenz sich verstrken oder schwchen. Wie H. berichtet, wurden in der That die Funken strker, wenn die Ebene des Nebenki-eises mit ihrer Senki-echten von der Seite des primren Leiters weg wies, auf der sich die Platte P befand, und schwcher, wenn die Senkrechte n<.ch dieser Seite hin gerichtet war. Das umgekehrte trat ein, wenn die Funkenstrecke im tiefsten l^unkto des Nebenkreises lag. Dieser Versuch, wie noch eine Reihe anderer, die ich nicht nher anfhren Nr. ^. Natiinvissenschaftliclie Wochenschrift. 21 will ich verweise hier auf die Originalniitteilungen zeigt deutlicli, dass wir es hier wirlilich mit Interferenzen zu thun haben zwischen zwei Wellenzgen, von denen der eine von der primren Funkenstreclie aus sich direkt duicli die Luft fortpflanzt, der andeie durch den Di'alit, um von hier aus auf den Nebenkreis einzuwirken. Teil schliesse meine Betiachtungen. Wir haben ge- sellen, dass wir auch auf dem Gebiete der Elektricitt den Erscheinungen der Reflexion, I>recliung, Beugung, der Polarisation und der Interferenz begegnen. All diese Erscheinungen sind uns aus der Optik und der Wrme- lehre bekannt, und haben da zum Schlsse gefhrt, dass das Licht und die Wrme eine schwingende Bewegung der kleinsten Teile einer unwgbaren das ganze Weltall erfllenden Flssigkeit sein msse. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, dass auch die elektrischen Erscheinungen auf eine solche wellenfrmige Bewegung zurckzufhren seien, die sich von den anderen hauptsc-hlich durch die Wellenlnge unterscheiden wrde. Kommen wir doch berhaupt in neuerer Zeit mehr und mehr dazu, als (irund aller Naturerscheinungen die Bewegung zu betrachten! Milch Ueber die im normalen Zustande im Magen vor- kommenden Mikroben und ihre Einwirkung auf die Nhr- stoflTe hat J. E. Abelous in den Ooinptos reiidus der J'ariser Aka- demie Mitteihmgeii gemacht. Aus seinem eigenen Magen hat dieser Autor eine grosse An- zahl, 16, Mikroorganismen isoliert, von denen sieben schon bekannt, neun dagegen nocli nicht beschrieben waren. Die ersteren sind: Sareina ventriculi; Bacillus pyocyaneus; Bacterium lactis aerogenes; Bacillus suhtilis; Bacillus mycoTdes; Bacillus amylobacter; Vibrio rugula. Unter den nach Alielous' Ansicht noch nicht bekannten Arten befand sich neben acht Bacillen ein Coccus. Abgesehen von dem Studium der Form, der Art der Fortpflanzung und den Eigen- schaften ihrer Kulturen hat der giMiannte Forscher festgestellt, dass alle diese Mikroorganismen der Einwirkung eines knstlichen Ver- dauungssaftes, bestehend aus 1000 // Wasser und 1,7 g Salzsure, eine betrchtlich lngere Zeit widerstehen konnten, als die Verdauung im Magen unter normalen Umstnden dauert. Ausserdem konnte bei acht Formen auch bei viilligem Abschluss der Luft eine mehr oder weniger ppige Entwicklung konstatiert werden. Um nun zu ergrnden, welche Rolle den Mikroorganismen bei der Umwandlung der Nahrungsmittel im Magen zuzuschreiben ist, hat Abelous die Einwnrkung derselben auf die hauptschlichsten Nabrstotfe untersucht. Das Resultat dieser Versuche ergiebt die folgende Zusammenstellung: 3 Mikroben peptonisierten das Kasein ohne die Milch zu koagulieren. 9 koagulierten die Milch oder t^llten das Kasein, lsten dasselbe aber ziemlich schnell wieder auf 4 koagulierten die Milch, lsten aber das Kasein nicht wieder. 5 Mikroben lsten dasselbe schnell und vollstndig. 5 Mikroben lsten dasselbe nur teilweise. 4 Mikroben lsten dasselbe schnell und vollstndig. 6 griffen es zwar an, konnten es jedoch nicht vllig lsen. wirkten nur schwach ein. Mikroben lsten es ziemlich schnell und vllig, lsten es vollstndig, aber nur allmhlich, lsten es langsam und unvollstndig. 8 wandelten dieselbe rapid in Milchsui'e um. 2 wirkten ebenso, jedoch weit langsamer. 3 invertierten denselben sehr schnell. 4 schwcher. 1 sehr schwach. 6 bildeten aus demselben betrchtliche Mengen Alkohol. 5 bildeten aus demselben nur geringe Quantitten oder Spuren von Alkohol. 5 fhrten dasselbe schnell in Zucker ber. 3 fhrten dasselbe teilweise in Zucker ber. 5 bildeten daraus nur Spuren von Glykose. Lsst man alle Mikroben zugleich auf ein Nahrungsmittel ein- wirken, so ist die Reaktion sehr lebhaft, indem vor allem bei Kohle- hydraten eine lebhafte Gasentwicklung stattfindet. Stickstoffhaltige Substanzen lassen unter diesen Umstnden einen widerlichen, wahr- haft fkalartigen Geruch auftreten. Durch Anhufung saurer Pro- dukte wird die Thtigkeit der Mikroorganismen allmhlich bis zum gnzlichen Verschwinden verringert, was jedoch durch Zusatz von Kreide leicht vermieden werden kann. Die Wirkung der Mikroben beschrnkt sich nicht auf die Bildung von Peptonen, Glykose und Alkohol, sondern es entstehen durch dieselbe auch kompliciertere Verbindungen wie Leucin, Tyrosin, Fettsuren und zusammenge- setzte Ammoniakverbindungen. Aus allen diesen Versuchen zieht Abelous folgende Schlsse: 1) Man findet im normalen Zustaiule im Magen zahlreiche Glukose Strkemehl Mikroben, welche der Rinwirkung eines stark saiircn Reagens wider- stehen knnen. Mehrere .sind fhig ohne Luft zu leben. 2) Alle diese Mikroerganismen bten im Glase eine mehr oder weniger schnelle uiid energische Wirkung auf die meisten Nahr- substanzen aus. 3) Der verhltnismssig kurzen Zeit wegen, welche die Nah- rungsmittel im Magen verbleiben, wird die Hauptwirkung der Mi- kroben nicht in diesem selbst, sondern erst im Daimkanal stattfinden. 4) Mit dem Chymus in den Darm eingefhrt, drften diese Mikroorganismen eine wichtige Rolle bei der Verdauung spielen, da viele von ihnen schon im Glase, also unter ungnstigen Bedingungen, eine schnelle Zersetzung der Nhrstoffe hervorriefen. Dr. W. Hess. Die viel errterte Frage, ob der leise oder der tiefe Schlaf hufiger Trume mit sich bringe, hat unlngst Friedrich Hoer- wagen auf eine originelle Weise zu entscheiden gesucht : nmlich auf statistischem Wege, und die eingestellten Ermittelungen haben eine sicherere Antwort gegeben, als es bisher alle philosophischen Spekulationen vermocht haben. Wie er in den von W. Wundt her- ausgegebenen philosophischen Studien berichtet, hat er gegen 500 Fragebogen an Personen mnnlichen und weiblichen Geschlechts und in dritter Reihe an Studierende geschickt, die zum grssten Teil und meist klar und genau beantwortet zurckkamen. Es schien ange- zeigt, die Studenten zu einer besonderen Gruppe zusammenzufassen, weil einerseits fr sie die im allgemeinen fr Mnner geltenden Lebensverhltnisse nicht bestehen und daher durch ihre einfache Einreihung die Statistik ungleichartig wrde, andererseits gerade dadurch der Einfluss eines bestimmten Alters und einer bestimmten Lebensstellung ersichtlich wird. I>ass die eingelaufenen Antworten auch dem wirklichen Verhalten entsprechen, beweist berzeugend die Uebereinstimmung derselben. Die Anfragen erstreckten sich auf Trumen (oft? hufig'? selten? nie? lebhaft? Nach dem Erwachen vllig erinnerlich?), auf Schlaf (Wann? die ganze Nacht dauernd? tief? am Tage nach Beliehen ?), auf Arbeit, nervse Veranlagung und Temperament. Als wichtigste Thatsache ergaben die Ermitte- lungen, dass hei den Personen aller drei Gruppen die Trume um so hufiger werden, je leiser der Schlaf ist. In Bezug auf Hufig- keit der Trume wie auf die Tiefe des Schlafs bestehen zwischen den beiden Geschlechtern erhebliche Unterschiede: von weiblichen Personen trumen allnchtlich und hufig TS"/,), von den Studierenden 50 und den brigen Mnnern 48%. Einen leisen Schlaf haben 63% W., 42% St., 44"/o M. Die Frauen haben also im allgemeinen einen sehr viel leiseren Schlaf und weit hufiger Trume als die Mnner. Bercksichtigt man dabei das Alter der Personen, so er- giebt sieh, dass mit zunehmendem Alter der Schlaf leiser, die Trume aber seltener werden. Doch wirkt das Alter in hherem Masse auf die Tiefe des Schlafes als auf die Hufigkeit der Trume ein. Die wenigen Personen, welche angaben, nie zu trumen, gehren fast smtlich dem jugendlichen Alter an. Danach kommt man zu dem Schlsse, dass im allgemeinen die Hufigkeit der Trume, welche in der Kindheit gering ist, zunchst rasch wchst, in einem Alter von 20 35 Jahren ein Maximum erreicht und darauf wieder abnimmt. Der Schlaf, der nach alltglicher Erfahrung in der Kindheit sehr tief ist, wird mit zunehmendem Alter fortlaufend leiser. Der tiefe Schlaf ist bei den Studenten um OV-i"' hufiger, der leise aber um ^Va^/o seltener als bei den brigen Mnnern. Die Lebhaftigkeit der Trume ist bei den Studenten grsser als bei den Mnnern, bei den Frauen am grssten. Ueberall zeigt sich die Lebhaftigkeit aufs Engste verknpft mit der Hufigkeit der Trume. Diejenigen Per- sonen, welche oft trumen, haben eine bessere Erinnerung daran als diejenigen, welche selten trumen. Dabei ist freilich zu be- rcksichtigen, dass manche Leute deshalb sich nicht erinnern, weil sitf eben selten trumen. Ebenso sind die Trume denen besser er- innerlich, welche nur einen leisen Schlaf haben. Beim mnnlichen Geschlecht scheint die Dauer des Schlafes auf die Tiefe desselben und auf die Hutigkeit der Trume keinen oo Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 8. Kinfluss zu haben; Frauen dagegen, welche hufig trumen, schlafen last eine Stunde lnger als die, welche selten trumen; Personen mit leisem Schlaf fast eine halbe Stunde weniger als die mit tiefem Schlaf. Man erkennt daraus, dass Personen, welche oft trumen, ein viel grsseres Schlafbedrfnis haben, als jene, welche selten oder nie trumen. Die Fhigkeit am Tage nach Belieben einzuschlafen, besitzen nur wenige Menschen, dieselbe ist hufiger in der Jugend, als im hheren Lebensalter. Am Nachmittag schlafen 28% M., IQ^/o St., und 20% W., es ist bemerkenswert, dass gerade unter den Mnnern verhltnismssig viele das Bedrfnis haben, eine ungengende Nacht- ruhe durch Nachmittagsschlaf auszugleichen. Den Einfluss auf die psychische Stimmung ergiebt die Thatsache, dass Personen, welche selten trumen oder einen tiefen Schlaf haben, am Morgen und Vor- mittag besser aufgelegt sind als solche, die hufig trumen und leise schlafen. Die Nervositt ist hufiger bei Leuten mit leisem Schlaf und hufigem Trumen, daher fter bei Frauen als Mnnern, was auch anderweitig allgemein bekannt ist. Die Uebersicht ber die Temperamente schliesslich zeigt in hchst interessanter Weise, wie tiefer Schlaf und seltene Trume immer von den Phlegmatikern bevorzugt werden. A. Zu den deutschen Schlangenarten gehrt nach einer Mitteilung im Humboldt" auch die Wrfelnatter, Tropidonotus tessel- latus Wagl., welche an einigen Punkten des Bheingebiets gefunden wird, z. B. von der Lahn bei Ems, von St. Qoar und St. Goars- hausen, Kreuznach und Boppard. Sie soll in der Lahngegend seit uralter Zeit wohnen und noch aus der Rmerzeit vorhanden sein, gleich der Aeskulapschlange, Colul)er tiavescens, bei Schlangenbad. NoU ist der Meinung, dass die Wrfelnatter die Mosel herab zum Rhein gewandert sei. In der That sind zwei Stck im vorigen .Tahre zwischen Garden und Pommern an der Mosel gefunden (Zoolo- gischer Garten. Bd. 29, Nr. 8). In Lothringen und namentlich bei Metz ist die Art hufig, so dass ihre Wanderung die Mosel herab ganz wahrscheinlich ist. Im brigen heimatet die Wrfelnatter in Italien, Illyrien und Dalmatien, kommt aber auch bei Genf und Wien vor. K. Ueber die Gattung Pleuracanthus. Im Zoolog. An- zeiger" verffentlicht Dr. L. Dderlein die interessanten Ergebnisse seiner Studien ber die eigentmliche fos.sile Fischgattung Pleura- canthus (= Xeracanthus) aus der auf die Steinkohlenformation fol- genden Permformation. Speziell war es Pleuracanthus Decheni aus Saarbrcken , welcher das Material zu den Untersuchungen lieferte. Ueber die systematische Stellung der genannten Gattung waren die Palontologen bisher verschiedener Ansicht. Die meisten stellten Pleuracanthus zu den Selachiern, wohingegen andere (Cope, Brong- niart) ihn von jener Ordnung trennten. Dderlein hat nun nachge- wiesen, dass die genannte Gattung in hchst eigentmlicher Weise Merkmale verschiedener Fischordnungen aufweist, nmlich von Sela- chiern, Dipnoern, Ganoiden und Teleosteern. Den Selachiern steht Pleuracanthus liinsichtlich des Schdelbaues nahe, abgesehen davon, dass ein Rustrum fehlt, und dass der Mund daher endstndig ist. Bei den Selachiern, /.. B. den Haien, liegt bekanntlich die Mund- ffnung nicht am Vorderraude des Kopfes, sondern eine Strecke von denselben entfernt; den vorderen Teil des Kopfes bildet eben das Sogen, Rostrum. Dipnoer- artig ist besonders die Brustflosse, welche wie bei Ceratodus aus einer gegliederten Axe mit zweizeilig angeordneten Strahlen besteht. Das Rumpfskelet zeigt Aehnlichkeit mit dem der Telcostomi (Ganoiden + Teleostei). Der hchst bemer- kenswerte Bau des Skelettes verbietet eine Einreihung der Gattung Pleuracanthus in eine der jetzigen Fischordnungen. Sie bildet viel- mehr eine besondere Ordnung Pleuracanthides Brongniart = Xena- canthini Ltken. Ebenso kann die Gattung nicht als direkter Vor- fahr einer der vorher genannten Ordnungen aufgefasst werden, da schon aus lteren Formationen als diejenigen sind, in denen Xena- canthini vorkommen , Vertreter sowohl der Selachier als aus der Dipuoer und der Teleostomi bekannt sind. Jedenfalls ist aber die gemeinsame Stammforn der Fische in vieler Beziehung den Xena- canthinen hnlich gewesen. Was Hatteria ist unter den Reptilien, das ist Pleuracanthus unter den Fischen". Dr. E. S. Die Kokospalme. Das Regierungsblatt in Madras hat krzlich eine Monographie ber die Kokospalme, Cocos nucifera" von Dr. John Short im Auftrage des Finanz- und Ackerbaudirektors verfi'entli<'ht, aus welcher wir unseren Lesern einen Auszug geben. Der Autor beginnt mit einer Uebersicht ber die Verbreitung des Kokosbaumes. Derselbe ist im Osten einheimisch und wird jetzt im grossen Massstabe an den Ksten von Indien, ( 'eylon und auf den Inseln des stlichen Archipels kultiviert. Im Sdwesten von Ceylon befinden sich nicht weniger als 20 llillionen Palmen. Die Palme wchst liuiig auf fernen und ganz isolierten Inseln wild, wohin der Keim durch das Meer getragen sein muss, indem die starke Bast- schicht, welche die eigentliche Nuss umgiebt, letztere vor den Ein- ssen des Seewassers geschtzt hat. Man findet daher die Kokos- palme bestndig auf den Korallenriffen, sobald diese nur aus dem Wasser hervortreten, sofort Besitz ergreifen. Die Kste ist die eigentliche Heimat der Kokospalme; sie wchst bis hart an den Wasserrand und an vielen Stellen wird sie bestndig von den Wogen umsplt. So dehnen sich z. B. die Bume an der brasilianischen Kste auf eine Entfernung von nahezu 280 englischen Meilen, vom San Franziskofiusse bis zur Barre von Mamanquape aus. Wir finden sie jedoch auch weit im Binnenlande und in einer Hhe von mehreren tausend Fuss ber dem Meeresspiegel, z. B. in Bangol- sore blhen sie und tragen Frchte im Ueberfiuss in einer Hhe von 3000 Fuss ber dem Meeresspiegel. Vom dietischen und kono- mischen Standpunkte ist die Kokospalme eine usserst schtzens- werte Pflanze; sie liefert dem Menschen Zucker, Strke, Gel, Wachs, Wein, Harz und essbare Frchte. Ein angeschwemmter oder lehmiger Boden eignet sich zu ihrer Anpflanzung am besten und um das Maximum des Ertrages zu erzielen, sollten nicht mehr als 80 Pflanzen auf 1 Acre = 40,5 Ar gesetzt werden. Nsse von 15 30 Jahre alten Bumen eignen sich am besten zum Pflanzen. Die Kokospalme hat sehr zahlreiche Varietten; in Travancore sind allein 30 vorhanden. Eine Zwergvariett trgt schon Frchte, wenn sie erst 2 Fuss hoch ist. Der Saft der Kokospalme wird Toddy genannt, welcher dadurch gewonnen wird, dass man die Blten- scheide dicht mit dem Bast der Pflanze umwickelt und sie drei bis vier Tage zweimal tglich mit einem Stocke schlgt. Die Spitze wird alsdann gespalten und sobald der Saft zu fliessen beginnt, wird entweder ein irdenes oder ein GefUss aus Bambus unter die Stelle gehngt. Die Bltenscheide wird blutend gehalten, indem man sie tglich von neuem anschneidet. Der frische Saft hat einen angenehmen Geschmack und wirkt leicht abfhrend. Nach wenigen Stunden beginnt jedoch schon die Ghrung; in diesem Zustand wirkt er etwas berauschend und kann zu Sprit oder Essig destilliert werden. Den Bckern ersetzt er die Hefe. Die Menge des ge- wonnenen Toddys schwankt je nach dem Alter des Baumes und des Ortes der Blthenscheide, aber die durchschnittlich gewonnene Quantitt betrgt 2 bis 3 Wochen lang jede 24 Stunden 2 3 Quart, ca. 10 15 Liter. Die Flssigkeit wird auch zu einem gewhn- lichen Zucker eingekocht, Jaggherry genannt, welcher, ohne vorher in Melasse umgewandelt oder raffiniert zu sein , vor der Ghrung als weisser oder brauner Zucker ansetzt. An einigen Orten ist das Geschft der Toddyzapfer erblich; die Arbeit ist an und fr sich sehr einfach, aber auch usserst getUhrlich wegen der Schwierig- keiten, die das Erklettern der hohen Bume macht. Der Kokos- nusstag" wird am Vollmondstage im August in fast allen Teilen Indiens gefeiert. An diesem Tage werden eine grosse Menge Nsse als Opfer fr die indischen Gottheiten ins Meer geworfen. Nicht selten trifft man deformierte Nsse an, die aus der UrahHung mit kleiner verkmmerter Schale ohne Kern bestehen. Die Eingeborneu schreiben dieses Zurckbleiben der Frucht dem Baumfrosch (Polype- dates maculatus) zu, welcher die Frucht an der Reife verhindert, wenn er an der Blte riecht. Die harte Schale dieser Frchte wird hufig als Haar und Halsschmuck getragen. Die Kokospalme ist nach Dr. Short Krankheiten aus zwei entgegengesetzten Ursachen unterworfen. Die eine ist allzugrosse Feuchtigkeit, wie auf sumpfigen Boden, wo die Wedel gewhnlieh klein, schlecht ausgebildet und die Frchte sprlich sind. Die andere ist Mangel au Feuchtigkeit; auf hartem und trockenem Boden schi'umpfen die safthaitigen Zellen zusammen und die Pflanze geht unter. Unter den der Palme schd- lichen Tieren mgen die Calandra palmarum oder Kokosnusswurm, welcher sich bis auf den Kern des IBaumes einfrisst und dort seineu Oocon bildet; der Butocera rubus oder Kokosnusskfer, der Oryctis rhinocera, Rhinozeroskfer, der Pteromyes petaurifta, fliegende Eich- hrnchen, der fliegende Fuchs, Pteropus Edwardsi. und der Baumhuiid (Paradoxurus musanga) erwhnt werden. Auch die Ratten sind arge Feinde der Palmen und es ist ausserordentlich schwierig, ihrer hab- haft zu werden, weil sie sich unter den Bumen so viele Versteck- pltze zu suchen wisssn. Es werden jedoch gelegentlich Ratten- jagden veranstaltet, an welchen sich alle Eingeborneu, welche sich mit Knitteln und Spiessen versehen, beteiligen. Whrend einige der Jger die Bume erklettern und die Ratteu aus ihren Nestern treiben, stehen die brigen unten am Stamm und schlagen die Tiere nieder, sobald sie den Baum herunterkriechen. Bei diesen Gelegenheiten werden tausende von Ratten vernichtet. Da die Eingebornen Moba- medaner sind, knnen sie sich nicht entschliessen, Hunde zu halti'ii. (Nach Scientific American). B. Denningliolf. Ueber die Papierfabrikation mit besonderer Berck- sichtigung der zum Papier verwendeten Stoffe hielt v(]r kurzer Zeit Dr. E. Mutli in der Polytechnischen Gesellschhft" hier- seihst einen Vortrag, von dem ich das Interessanteste in nach- stehendem wiedergebe. Der grosse Aufschwung in der Papier- fabrikation datiert seit dem Jahre 183. wo die Erfindung von Maschinen und die Anwendung des cliemischeu l'rozesses auch die Verwertung von Surrogaten, besonders des Holzes, ermglichten. Gegenwrtig zhlt das deutsche Reich 409, Oesterreich 271 und die Nr. H. Natiirwiss?enschaftliche Wochenschrift. 2.3 Schweiz 42 PapitThilirik^ii, rps)) Ma.srl}iiifii. vijii deueii jede diireh- scbnittlich 20 Zentner Papier tiislich prudiiziert. Je nach der Gte des Papiers, besonders der Festigkeit, kommen Hanf, Lumpen, die selir fein sortii-rr werden oder Holzfasern zur Verwendung. Hanf wird zumeist zu l'rkuiidenpapier verwundet und auch in Htten ge- schfipfr, weil die Maschine eine so gleichmilssig-e Festigkeit nicht zu erzielen vermag. Zu besseren Schreibpapiersorten werden die Lumpen verwendet; im allgemeinen bat aber die Holzfaser-Vertreibung ,an l'infang zugenommen. Die Fiihte und die 'l'anue sind es, welclie nicht mehr allein in einem khlen Grunde" dem Wanderer die letzten vier Hretter liefern ihre langen F.asern werden jetzt in grossen Holzschleifereien unter riesigen Schleifsteinen zu einem Hrei gi'formt, der durch die weiteren Behandlungen sich zu gros.sen Rollen Zeitungspapier, resp. Druckpapier gestaltet; auch geringere .Sorten .Sclireibpapier werden daraus liergestellt. Das Stroh begngt sich damit, als Packpapier, l'appe und sogenanntes Lederpapier aus der Hehandliing liervorziigehen, doch kann es auch zu Druckpapier ver- arl)i^itet werden. Zum Sehluss versicherte der Vortragende, dass die deutschen Papiere, sowohl was Qualitt wie (Quantitt anbelangt, den englisclien nicht nachstehen, und dass es nur noch der Glaube sei, man msse feinere Papiere aus England beziehen, welcher einer noch griJs-seren Entwicklung der deutschen Papierfabrikation hemmend entgegentritt. Der Direktor des Statistischen Bureaus, Geheim- rat Blenck, machte im Anschluss hieran noch folgende Bemerkungen : Holzpapier sollte da, wo es sich um lngere Aufbewahrung von Schriften und Drucksachen handelt, nicht zur Verwendung kommen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass solche Schriften und Bcher schon nach 20 Jahren wertlos sind, und aus diesem Grunde hlt er darauf, dass liei seiner Behrde nur gutes Papier verwendet werde. Dr. Paul Jungfer Elektrische Kulturversuche. Um die Frage, ob die Verwertung der Elektricitt liir die Ptianzenkultur von Vorteil sei, zu entscheiden, hat Prof Dr. E. W(dny (Forschungen auf dem Ge- biete der Agrikulturphysik) eine Reihe sorgfltig ausgefhrter Ver- suche angestellt, welche ihn zu folgenden Schlssen fhrten. Die durch die Erde geleiteten Induktions- und galvanischen Strrae ben selbst bei geringer Intensitt eher einen nachteiligen als ntzlichen Binfluss auf das Produktionsvermogen der Pflanzen aus. Selbst wenn sich im gnstigsten Falle herausstellen sollte, dass bei einer gewissen minimalen Strke des elektrischen Stromes ein gnstiger Eintiuss ausgebt wrde, drfte die sogenannte Blektrokultur kaum eine praktische Anwendung Hnden, weil der Abstand zwischen den Punkten einer etwaigen ntzlichen oder schdlichen Wirkung so klein zu sein scheint, dass eine Regelung der Elektricitt in wn- schenswerter Weise nicht durchfhrbar oder doch mit grossen Schwie- rigkeiten verknpft wre. W. H. Ueber das Nichtrosten benutzter Eisenbahnschienen. Nach der deutschen Industriezeitung hat sich .Spring in Brssel mit dieser Frage beschftigt. Der durch Regen auf den Schienen etwa erzeugte Rost (Fe.2 O3) wird durch den starken Dnntk, welchen Maschine und Wagen auf die Schienen ausben , mit dem unter ihm sich befindenden metal- lischen Eisen zu Magneteisen {Fe^ O4) vereinigt, und dieses schtzt die Schiene vor weiterem Rosten. Spring hat das von einer Schiene abgelste Metallhutchen durch die ehem. Analyse als Magueteisen erkennen knnen, und es gelang ihm auch durch eine Kraft von 1000 1200 Atmosphren, welche dem Gewicht einer 50 000 kg schweren Lokomotive entspricht, Eisenrost mit der Oberflche einer blanken Eisenplatte zu Magnet- eisen zu verbinden. Den dabei sich abspielenden Vorgang verdeut- licht die Formel: 4 Fe2 O3 + Fe = 3 Feg O4. Konrad Haack. Der 18. Kongress der deutschen Gesellschaft fr Chirurgie findet vom 24.-27. April in Berlin statt. Begrssung im Central-Htel durch (ieheimrat v. Bergmann. Wissenschaftliche Morgen-Sitzungen in der Chirurgischen Klinik. Nachmittags-Sitzungen i?i der Universitt. Litte ratur. Dr. A. Brass: Die niedrigsten Lebewesen, ihre Be- deutung als Krankheitserreger, ihre Beziehung zum Menschen und den brigen Organismen und ihre Stellung in der Natur. Fr Gebildete aller Stnde gemeinfasslich darge- stellt. Mit 66 Holzschnitten. H. Leipzig 1888. Verlag von Georg Thierae. Preis 5 Mark. Obwohl wir anerkennen, dass es schwer ist einjso umfassen- des Wissensgebiet wie es die niedrigsten Lebewesen bilden, in einer allen Gebildeten verstndlichen Weise zu behandeln, so mssen wir es doch als einen Mangel des olien genannten Buches bezeichnen. dass sich Verfasser zu sehr in Einzelheiten verliert, die nur den Fachgelehrten interessieren, und unter denen die Uebersichtlichkeit der Darstellung leidet. Von vielen der in dem Buche errterten Thatsachen kann man doch nur mit Hilfe des Mikroskops eine klare Vorstellung gewinnen: uml selbst in den Kreisen der Gebildeten giebt es docli nur sehr witnige, welche die ntige Zeit oder da.s Verstndnis haben um sich neben ihren Berufsgeschften noch der mhevollen Arbeit; des Mikroskopierens zu unterziehen. Leider hat Verfasser auch sein im V'orwort gegebenes Ver- iprechen eine streng wissenschaftliche und doch allgemein verstnd- liche Zusammenstellung' zu bieten" nicht erfllt. So bleibt z. B. der Leser vollstndig darber im Unklaren, ob sich unter den Mikro- organismen ebenfalls Gattungen und Arten (Species) unterscheiden lassen, wie wir sie bei den hoher organisierten Lebewesen kennen. In dem Abschnitt V^erschiedene Arten der Spaltpilze" wird jeden- falls nichts Bestimmtes darber gesagt, denn Verfasser gebrauclit die Au.sdrcke Art" und Form" in der verschiedensten Bedeutung ; namentlich glaubt er durch den fortwhrenden Gebrauch der Worte Form" und Formen" sich ber jede Schwierigkeit hinweghelfen zu knnen. So sagt er z.B. S. 51: Auch heute wis.sen wir, dass scheinbar harmlose Formen durch Vernderung der Nhrstottlsungen in hchst gefhrliche bergefhrt werden knnen. Durch die Ex- perimente ist es ganz sicher klargestellt, dass der Milzbrandpilz, also eine Spaltpilzform, welche sehr gefhrlich ist, durch g-eeignete Zchtung nach und nach in eine Form bergefiirt werden kann, welche in keiner Weise so unbedingt ttliche Eigenschaften besitzt." Hieraus kann man jedesfaUs den Sehluss ziehen, dass Verfas.ser die Mglichkeit zugiebt eine Spaltpilzart nach Belieben in eine andere Spezies unizuzchten, was er auf S. 46, 4 bei Besprechung des ^lilzbrandpilzes entschieden bestreitet, so dass der Leser in der 'l'hat nicht weiss, woran er sich zu halten hat. Wenn Verfasser S. 39 von den krankheiterregenden Mikro- organismen sagt: ..Derjenige, welcher konstant mit diesen Formen umzugehen hat, also beispielsweise der Pathologe, setzt sich doch verhltnisms.sig wenig der Infektion aus; der Krper ist durch das Eindringen der verschiedensten Formen dieser niedrigsten Lebewesen bis zu einem hohen Grade unempfindlich gegen ihre Einwirkung geworden, wenn auch nicht vollstndig," so ist dies eine durchaus unbewiesene Behaupttuig, welche Verfasser eigentmlicherweise im weiteren Verlauf seiner Ausfhrungen sogar selbst widerlegt. S. 176^177 heisst es nmlich: Es ist eine bekannte Thatsache, dass die Protozoen seien es nun Spaltpilze oder sonstige Krank- heitserreger meist weder durch die unverletzte Haut noch durch den unverletzten Darm resp. die unverletzten Lungen in den Krper einzudringen und daselbst zu schaden vermgen. Die Wirkung der meisten Krankheitserreger ist eine sekundre, denn erst wenn im Organismus Vernderungen vor sich gegangen sind, knnen die Protozoen sich ausbreiten. Nehmen wir eine Reihe von Beispielen um dies zu erlutern: Durch die unverletzte Haut knnen, wie oben erwhnt wurde, keine Protozoen in das Krperinnere eindringen, wohl aber ist es ihnen leicht, einzupilgern, .sobald die Haut an irgend einer Stelle durch ussere Einflsse verletzt wird. Die ge- ringste Wunde, welche die Oberflche der Haut verndert, kann zu jener Stelle werden, wo Protozoen sich ansetzen, wo sie zunchst gedeihen und von wo aus sie sich im Krper weiter verbreiten, um ihn schliesslich zu schdigen oder zu zerstren.'' Hiermit giebt Verfasser also selbst zu, dass der Pathologe eben auch nur durch die verletzte ussere Haut oder durch die verletzten inneren Schleimhute sich inficieren kann, und dass er einer derartigen In- fektion ebensowenig widerstehen kann wie jeder andere Sterbliche, was ja leider durch eine grosse Anzahl von Fllen bereits zur Ge- nge besttigt ist. In einem streng wissenschaftlichen" Buche durfte Verfasser auch nicht von der Gruppe der Coccaceen (S. 52) sagen: in ihr kommen nur solche Formen vor, welche frei als Coccen schwrmen" ; denn beim Micrococcus prodigiosus und vielen anderen Coccenarteu hat man bisher noch keine Eigenbewegung entdecken knnen. Leider ist Verfasser auch vielfach in den von ihm gergten Ton der populren Schriften verfallen; jedenfalls muss sich der Leser eine eigentmliche Vorstellung von den Pilzsporen machen, wenn auf S. 70 gesagt wird, dass dieselben durch die Luft schwirren". Wenn Verfasser (S. VII) die Miki'oorganismen in folgende drei ver- schiedeneu Gruppen einteilt: A. Spaltpilze, B. pflanzliche Mikro- organismen, 0. die mikroskopischen Leljewesen der Tierreiche", so mchten wir doch fragen, ob denn die Spaltpilze nicht auch pflanzliche Mikroorgani.smen sind? Verfasser ist also entschieden im Unrecht, wenn er (S. 29, Anmerkung) bei dem Abschnitt ber die Spaltpilze tadelnd hervorhebt; ,, Vielfach werden alle Formen flschlich als Bakterien oder Bacillen bezeichnet, besonders in popu- lren Schriften". Die vom Verfasser vorgeschlagene systematische Einteilung scheint uns wenigstens keineswegs besser. Mit Bezug auf des Verfassers System der niedersten Lebewesen m<'hten wir hier noch hervorheben, dass man aus seinem Buche nicht entnehmen kann, ob als Gesamtnaiue derselben das Wort Protozoen" dienen 24 Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. :1 soll; aus der Uebcrsi-lulft auf .S. 14 kaiiu luau das ueiiitfsteus ent- nehmen, und auf S. 176 177 spricht es Verfasser sogar klar aus. Nach der Anordnung- im Inhaltsverzeichnis S. VII und aus der Ueberschrift S. 27 dagegen muss man annehmen, dass das Wort Mikroorganismen" diese Stelle vertreten soll. Uebrigens wollen wir noch bemerken, dass es schon mit Rcksicht auf die Etymologie des Wortes Protozoen doch bedenklich erscheint unter diesem Ge- samtnanicn Organismen von unzweifelhaft pflanzlichem Charakter (wie z. B. Algen) zu begreifen. Auf S. 88 wird nun das Wort ,. Protozoen, Urtiere.'" als ausschliessliche Bezeichnung fr tierische Lebe wesen gebraucht. .Jedenfalls wimmelt das Buch von Unklarheiten und so vielen Widersprchen, dass ein gewissenhafter Referent mit dem Aufzhlen derselben nicht fertig wird. Wenn auch die vom Verfasser angegebenen Vorschriften zum selbstndigen mikroskopischen Studium der niedrigsten Lebewesen uns praktisch erscheinen, so mssen wir doch behaupten, dass sein Buch nicht geeignet ist den Mangel an einer streng wissen- schaftlichen und doch allgemeinverstndlichen" Zusammenstellung zu ersetzen. Dr. R. IMittmann. P. KufPer: Ist die Kohsion der Gase wirklich gleich Null? Ableitung aus den Experimenten ber die spezifischen Wrmen derselben. 8". 30 S. Mainz 1887. Verlag von Victor v. Zaberii. Preis 50 Pfg. Der Verfasser behandelt in der vorliegenden kleinen Schrift eine Frage, die sowohl fr Techniker als auch fr Physiker von Interesse ist , und kommt zu dem Ergebnis , dass die Koh- sion der Gase nicht gleich Null sein kann. Man kann nur wnschen, dass Experimente in grossem Massstabe ausgefhrt wrden, um ber diesen Punkt endgiltig ins Klare zu kommen. W' em- pfehlen das anregende Schriftohen der Beachtung; der etwaige Er- trag aus dem Vei'kauf desselben ist fr die physikalische Versuchs- station (Siemensfonds) am Polytechnikum in Charlottenburg bestimmt. G. Rodrich Gedike : Wanderungen durch die Hochalpen nebst Ausflgen nach den Normannischen Inseln und Si- cilien. 383 Seiten. Berlin. Verlag von Otto Dreyer. Der Verfasser, augenscheinlich ein grosser Naturfreund und passionierter Fusswanderer, fhrt uns in die verschiedensten Alpen- gebiete und weiss in lebendiger und fesselnder Weise die mannig- fachen Reiseeindrcke zu schildern. Die Ausflge nach den Nor- mannischen Inseln, nach Rom, Neapel und Sicilien sind reich an interessanten Einzelheiten und gewhren zugleich, nachdem mau dem Verfasser auf eine Reihe von Jochbergngen und Bergspitzen gefolgt ist, eine sehr hbsche Abwechslung. Die Frische der Dar- stellung, die kernige Sprache, sowie der politische Hauch und ge- sunde Humor in den Reiseberichten geben dem Werke einen nicht '/u verkennenden Reiz und werden den Leser gern veranlassen, den Verfasser auf seinen Fahrten zu begleiten. P. Taubert. Huth, E., Die Verbreitung der Pflanzen durch die E.\kremente der Tiere. 30 S. 1 M. Fricdlnder & Sohn, Berlin. Marcuse, A., Abteil, d. Rektasceiisiouen d. Sterne d. Fundamental- Katalges der Astronom. Ges. aus dem von H. Romberg i. den J. 18691873 am grosseren Meridian-Instrumente der Berliner Stern- warte angestellten Beobachtungen. Beobachtungs-Brgebnisse d. kgl Sternwarte z. Berlin. 3. u. 4. Heft. I'ol. ^.M. Dmmler, Berlin. Meyer, G., Die Korallen d. Doggers von Blsass-Lothriiigen. Ab- handlungen zur geologischen Specialkarte von Elsass-Lothringen 4. Bd. 5. Heft. (44 S. mit 6 'J'af.) 4 JV. Strassburger Druckerei u. Verlagsanst. Strassburg. Neumayr, M., Die Stmme d. Tierreichs. 1. Bd. Wirbellose Tiere. (VI, 603 S. m. Illustr.) 20 JiC. Frey tag, Leipzig. Ohse, J., Untersuchungen b. den Substanzbegriff bei Leibniz. 4". (70 S.) 2 JC. Karow, Durpat. Pagenatecher, A., Beitrge zur Lepidopterenfauna d. malay. Arch. (V.) Vcrzeichn. d. Schmetterlinge v. Ambniiui, nebst Beschreibg. neuer Arten. (133 S.) 3,00 M. Bergmann, Wiesbaden. Pohlig, H., Dentition u. Kranologie d. Kleplias antii|uus Falc. m. Heitrgen b. Klephas primigenius Hluni. u. KIcplias nieridionalis Necti. 1. Abschn. gr. 4. (262 S. m. 10 Tat.) 25.. W. Engel- mann, Leipzig. Foisson, S. D., Lehrbuch der analytischen Mechanik. Deutsch hrsg. u. m. e. Anh. versehen v. A. Pfannstiel 4. Lfg. (S. 337 bis 448). 2,75 M. Meyer, Dortmund. Quenstedt, F. A., Die Ammoniten d. schwbischen Jura. 20. u. 21. (Scbluss-) Heft. (S. 1017-1140 m. Atlas, gr. 4 Taf. 115 bis 126). a 10 M. Schweizerbart, Stuttgart. Rausenberger, O., Lehrbuch der analytischen Mechanik. 2. Bd. Mechanik der zusammenhng. Krper. (VI, 335 S. ni. Illustr.) 8 M. Teubner. Leipzig. Reverdin, F. u. E. Noelting, Sur la constitntinn de la napbta- line et de ses derives. (Sep.-Abdr.) 7 S. m. Tab. ' JC. Det- llf. Mhlbeini. Rosenberg, E., Eine vergleich. Beurteil, d. verschied. Rieht, in d. Anatomie d. Menschen. Vortrag. (62 S.) 80 -J. W. Engel- mann, Leipzig. Rosenbuseh, H. , Hilfstabellen zur mikroskopischen Mineralbe- stimmung in Gesteinen. 4". (9 Tab.) 2 JC. Schweizerbart, Stuttgart. Sachs, J. , Erfahrungen b. die Behandlung chlorotischer Garten- pflanzen. 29 S. 60 ^. W. Bngelmanu, Leipzig. Schauta, F., Ueber gyncologische Massage. (HS.) 50.^. Fischers medic. Buchh., Berlin. Schlesinger, L., Ein Beitrag zur Theorie der linearen homogenen Differentialgleichungen dritter Ordnung mit einer Relation dritten Grades zwischen den Elementen eines Fundamentalsystems von Integralen. (83 S.) 1,80 M. Mayer & Mller, Berlin. Seeliger, H. , Fortgesetzte Untersuchungen b. das mehrfache Sternensystem ^ Cancri. 4". (88 S. m. 1 Taf.) 2,80 M. Franz- scher Verl. Mnchen. Senger, E., Ueb. die Gefahren u. die Leistungsfhigkeit d. modernen Wundbehandlung. (20 S.) 60 J,. Fischer, Berlin. Sigwart, Gh., Logik. 1. Bd. Die Lehre vom Urteil, vom Begrift' u. v. Schluss. 2. Aufl. (XI, 485 S.) 10 M. J. C. B. Mohr, Preiburg. Soyka, J., Zur Theorie und Praxis der Desinfektion. (11 S.) 50 4. Fischers medic. Buchh., Berlin. Specialkarte, geologisclie, d Konigr. Sachsen. Hrsg. durch das knigl. Finanzministerium. Bearb. unter Leitung von H. Credner. 1:25 000. Sekt. 101. Glashtte Dippoldiswalde. Geologische Aufnahme von F. Schalch. Die Erzgnge von H. Mller. Chromo- lith. Fol., m. Text. (65 S ) In Komm. Leipzig. W. Engelmann. topographische, v. Mittel-Buropa. 1 : 200 OOO. Hrsgeg. von der kartographisch. Abtlg. der k. preuss. Landesaufnahme 1888. Nr. 610 und 655. Kpfrst. qu. Fol. 1 Jt. Eisenscbmidt, Berlin. Spencer, H., System der synthetischen Philosophie. 8. Bd. 1. Hlfte. Die Prinzipien der Soziologie. Deutsch v. B. Vetter. 3. Bd. 1. Hlfte. (400 S.) 8 JC. Schweizerbart, Stuttgart. Stock, O., Descartes' Grundlegung der Philosophie. (65 S.) 1 M. Fock, Leipzig. Strohmer, F., Die Ernhrung des Menschen und seine Nahrungs- und Genussmittel. 2. Aufl. (VHI, 868 S.) 4 M\ geb. 5 M. Graeser, Wien. Strbing, O., Die Verteilung der Spaltftnungen bei den l'oniferen. (76 S ) 1,20 o^i. Koch, Knigsberg. Struve, H., Beobachtungen der Saturustrabanten. 1. Abt. Beobach- tungen am 15-zOlligen Refraktor, gr. 4. (132 S.) 10,60 JiV. Voss, Petersburg. Sumpf, K., Anfangsgrnde der Physik. 3. Aufl. (IV, 140 S m. Illustr.) 1,50 M, geh 1,80 M. Lax, Hildeslieim. Tandem, F., (C. Spitteler), Schmetterlinge. (V, 100 S) 1,60 M. Verlagsanstalt u. Druck. A.-G. Hamburg. Thoma, M., Ueber die Absorption v. Wasserstoff" durch Metalle. (64 S. m 3 Taf) 1,60 JC. Kaiser, Mnchen. Waelsch, E., Ueber das Normalensystem und die Zentralflche algebraischer b'lchen insbesondere der Flchen 2. Grades. (Sep.- Abdr.) gr. 4. (26 S.) In Komm. 1,40 olV. W. Engelmann, Leipzig. Wagner, E. A., Die Erdbeschreibung des Tiniosthenes v. Uhodus. (73 S.) 1,80 Jt. Fock, Leipzig. Waldner, F., Quellenstudie z. Geschichte d. Topogr.aphie in Tirol bis zum Beginne d. KVll. Jahrb. (Sep.-Abdr.) 1H4 u \X S. l,Sl)c7^. Wagner, Innsbruck. Inhalt: Dr. P. Andries: Die physische Konstitution der Sonne. (Mit Abbild.) Dr. H.G. von Wyss: Was ist die lilektricilf^ (Schlnss.) Ueber die im normalen Zustande im Magen vorkommenden Mikroben und ihre Einwirkung auf die Nlirstolic. Ueber die Frage, ob der leise oder der tiefe Schlaf hutiger Trume mit sich bringe. Wrfelnatter. Die Kokospalme. Ueber die Papierfabrikation mit besonderer Bercksichtigung der zum Papier verwendeten Stoffe. Elektrische Kniturversuche. L'eber das Nichtrosten benutzter l!;isenbabnsi-hienen. 18. Kongress der deutschen Gesellschaft fr Chirurgie. Litteratur: Brass. Kulier. Gedike. Liste. Verantw. Redakteur: Dr. Henry Potoiii, Berlin NW. 6, fr den Inseratenteil : Eermann Kiemann. Verlair: Hermann Riematm, Berlin NW. 21. Druck: Gebrder Kiesau, Berlin SVV. 12. Hieran eine Keilaee, wt-lclie wir Ix-Monder* %ii beacliten bitten. Beilage zu Nr. 3, Eand IV der filaturwissenschaftlichen Wochenschrift". Diejenigen unserer geschtzten Abonnenten, welclie mit dem Abounementsbetrag pro IV. Band I. Quartal noch im Rckstande sind, werden hflichst ersucht, denselben bis zum 10. n. Mts. einzusenden. Alle bis dahin nicht bezahlten Betrge werden per Postauftrag, unter Zuschlag von 50 Pfg. erhoben, in der Annahme, dass dieser Zahlungsmodus gewnscht wird. ^^sJenerSi^9^^' Die ExpeditJon der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Wclrlicr IJeutsehe htte nicht mit innig-ein Behagen sein Auge anf dem neuesten Bildnisse der Kaiserin mit den fnf kaiser- lichen Prinzen ruhen lassen, diesem kstlichen FamilienliiWchen von schlichter, echt deutscher Gemtlichkeit! Die ..Oarten- lauhr" bringt in der Nnninicr 11 des laufenden .Jahrganges eine vortreftliche Nachbildung dieser Photographie und macht dadurch den Anblii^k und den Besitz dieses reizenden Gruppenbildes den weitesten Kreisen zugnglich. Mit ein paar Worten mge dabei auch auf den brigen Inhalt der jngst erschienenen Nummern 1 1 und 12 der Gartenlaube", dieses gediegenen Haus- und Familien- blattes, hingewiesen sein. Der Roman von W. Heiniburg Lore von Tollen" fesselt je mehr und mehr, je weiter sich im Laufe der spannenden Handlung die Geschicke der Personen verflechten, die Entwicklung der Katastrophe zudrngt. Von ganz eigenarti- gem Reiz ist auch die Erzhlung von Heinrich Noe In den Wol- ken", eine in den Bergen von Grz spielende Waldgescbichte. Rudolf Gronau ist den Lesern der Gartenlaube" schon von seinen frheren Schilderungen amerikanischer Landschaften her wohl be- kannt. Er hat jenen nun eine interessante, mit Abbildnngen be- gleitete Beschreil)nng des Territoriums Xeu-j\Iexiko folgen lassen. Rudolf von Gottschall handelt in einer meisterhaften litterarisch- biographischen Skizze von den weltbekannten Mnehenern" und ihren Darstellern und Verfassern jener oberba.verischen Volksschau- .spiele, des Hengottschnitzers usw. Zum ItiOjhrigen Geburtstag Ernst Scb\dzes entwirft Gustav Karpeles ein Bild von den .Schick- salen und der litferarischen Stellung des unglcklichen Dichters der Bezauberten Rose". Aus den Abbildungen mge ausser den schon genannten noch ein gros.ser vortrefflicher Holzschnitt nach dem Gemlde Albert Kellers Hexenschhif" herausgehoben werden; auch die Zusamnienstellnng der Bildnisse der Dichter von ober- bayerischen Volksstckeii sowie einiger charakteristischer Scenen und Figuren ans denselben drfte allgemeines Interesse finden. So wahrt sich die Garteidaube" fortgesetzt ihren alten Ruhm, das reichhaltigste, vielseitigste, insbesondere auch knstlerisch best ausgestattete der deutschen Familienbltter zu sein. Pflanzendrahtgitterpressen (3,.50 5 Mk.) und Pflanzenstecher aii.s bestem Wiener Stahl (3,50 4,50 Mk.), angefertigt untef Aufsicht de.s Herrn Dr. Potonie, geologische Hmmer (\on I,50 Mk. ab) und Meissel (0,50 Mk.), sowie Erdbohrer (II 60 Mk. von 15 m Lnge knnen diueli die Expedition der Naturwissenschaft- lichen Wochenschrift bezogen werden. Mineralien-Comptoir von Dr. Carl Riemann in Grlitz empfiehlt sein auf das beste assortiertes Lager von [140 Mineralien, Gesteinen und Petrefakten Ausfhrliche i'reislisten stehen auf Wunsch gratis und franko zur Verfgung. Ansichtssendungen werden bereitwilligst franko gemacht und Rcksendungen franko innerhalb 14 Tagen erbeten. Sammlungen werden in iedem Umfange zu billigen Preisen zusammengestellt. Tauschangel)ote werden gern entgegengeiunnuien. Norhuser Aliou Nordhus. 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Hnmor und Satire. I. Band': J'/c Darwin'sclie Tlieorie in UMwandlungsvcrsen von Dr. Darwinsohn. Geh. Preis 60 Pfg. II. Band: Die soziale Revolution im Tierreiche von F. Essenther. Geh Preis 60 Pf. (26 Leipzig. C. A. Koch's Verlag. i Ivae aI^4>b ESneck Central-Ofgan zur Vermittlung von Angebot, Nachfrage u. i J liiXl.dl"^Ul'5 Tausch. Erscheiur am 1. u. 15. Jeden Jlunats. Smtliche J i Postanstalten Deutschlands u. OesterreichS nehmen Abontiements entgegen zum Preise von 90 Pfennig j J pro (Quartal. (.\r. 2S19 der Puslzcitungslistc.) Abonnement inkl. direkter Zusendung per Kreuz- i betrgt 1 iMk., nach tfen anderen Lndern des Welt- J 1.50 Frcs. Inserate: Preis der 4gespalt. Zeile Petit J > band innerhalb Deutschlands u. OesterreichS J postVereins 1.20 j\lk. = 1 Sliilling 2 Pence = i oder deren Raum 10 Pfg. Kleinere Insertionsbetrge sind der Krze halber dem Auftrage beizufgen, J Fraiikeiistein & 'Wag^iier, Leipzig. 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Ce Journal devrait se trouver dans toutes les familles, il contient, en outre de l'annonee jour par jour de tous les phe- nomenes Celestes, des cartes du ciel repri'sentant, de 8 en 8 jotirs, l'aspect du ciel visible heitres dn soir, avec la Lune et les planetes a leurs places re.spectives pour le jour en que.s- tion. 11 puhlie en feuilleton un dictionnaire elementaire d'astro- noraie. Un numero d'essai contre reception dun tirabre de 15 cent. t : X X X ^>-w ^-m-^^-i^^^^-m--* m'!*'-m-^-~'^^-m-^m-^ \ W. Viereck j j Prparator J \ Berlin N. Invalidenstr. 3B u. 42 : Aus unsf'i'em Veiiag-e bfincren wir nadistpln^inle naturwissenschaftliche Werke zur Empfehlung: Bsel, A.. Der naturgeschichtliche Unterricht in Mittel- und mehr- klas.sigen Volksschulen. Ein spezifizierter Lehrplan nach unterrichtl. Grundstzen, Auswahl und Verteilung des Stoffes und praktischer Gestaltung. 2 M., Lwbd. 2,60 M. Freyhold, Dr. v., Kritische Beitrge zur Reform d. naturwissen- schafl. 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Ueber die wichtigen Funlakterien aufnahmen und intracellulre verdauten. Es ei-gab sich, dass dieijenigen Insekten rasch gettet werden, welche eine veililtnismssig geringe Menge von Blut besitzen, so die Fliegen, Schmetteilinge und Hautflgler; die blut- reichen Insekten hingegen, die Heuschrecken und be- sonders die Grlen erweisen sich als vor Allem wider- standsfhig gegen die Infektion. Die mitgeteilten Thatsachen sprechen fr sich selbst. so dass wir am Schlsse kaum noch darauf hinzuweisen brauchen, von welch' grosser Wichtigkeit die l'liagocyten- lehre fr Pathologie und Therapie ist imd noch mehr zu werden verspricht. Eine ausserordentlich grosse Anzahl von Kranklieiten des Menschen und der Tiere ist ja im Lauf der letzten Jahre auf die Infektion durch Bakterien zurckgefhrt woiden. Fr ihre Beliandlung und Ver- hinderung di'ften sich bei fortschi-eitender Entwicklung der Phagocytenlehre noch viele wichtige Resultate er- geben. Allercngs darf aucli nicht verschwiegen werden, dass diese Lehre mehrfach angezweifelt wurde. So vei-- tiitt Flgge die Ansicht, dass die Leucocyten zwar Bakterien in sich aufnehmen, aber keine lebensfhigen, sondern nur solche, die schon durch die Wirkung der Kqjersfte bzw. des Blutes gettet oder doch in ihrer Lebenskraft geschwcht waren. Inwieweit diese Ansicht oder die von Metschnikoff vertretene zu Recht besteht, mssen weitere Untersuchungen zeigen. Noch ist die Lehre zu jung, um ein endgiltiges Urteil ber ihre Trag- weite zu ermglichen. Zweifellos aber geht schon jetzt aus ihr hervor, eine wie gi'osse Bedeutung die Wander- zellen fi- den tierischen Krper besitzen. Litteratur. 1. M. BaJhiuni: Etudes bactoriologiques chez les Arthropodes. Comptes rendus 1886. 2. D. Barfurth; Die Rckbildung des Froschlarvenschwanzes und die so- genannten Sarcoplasten.' Arch. f. mikiosk. Anatomie 19 Bd. 1887. 3. Btnittu/arten: a) Pathologische Myko- logie 1886; b) Zeitschr. fr klinische Medizin 188.5; c)Berlinerldinische Wochenschrift 1884 u. 86. 4. CJirist- mns-Dinkimjk-Holmfi4(I: Fortschritte der Medizin 1887. 5. Fliififje: Studien ber die Abschwchung virulenter Bakterien und die erworbene Immunitt. Zeitschrift fr Hygiene Band IV, 1888. 6. ('. Hi-ss: a) Untersuchungen zur Phagocytenlehre. Viiciiows Archiv f. path. Anat. etc. Bd. 109, 1887. b) Weitere Untersuchungen ebenda Bd. 110. 7. A. Kmmlevski/: Beitrge zur Kenntnis der nachembrj'onalen Entwicklung der Museiden. Zeischr. f. wiss. Zoologie Bd. 45, 1887. 8. Met^chnihaff: a) Unter- suchungen ber die intracellulre Veidauung bei Wirbel- tieren. Arbeiten aus dem zool. Institut der Univ. Wien Bd. V, 1884. b) Untersuchungen ber die mesodermalen Phagocyten einiger Wirbeltiere. Biologisches Centralblatt Bd. III, 1883 84. b) Ueber eine Sprosspilzkrankheit der Daphnien. Beitrag zur Lehre ber den Kampf der Phagocyten gegen Krankheitserreger. Vh'chows Archiv fr pathol. Anatomie, Phj's. u. klin. Medizin Bd. 96, 1884. d) Ueber die Beziehungen der Phagocyten zu Milzbrandbacillen; ebenda Bd. 97, 1884. e) Ueber den Kampf der Zellen g&gQw die Erysipelcoccen ; ebenda Bd. 107, 1886. f) Ueber den Phagocytenkampf beim Rck- falltyphus; ebenda Bd. 109, 1887. 9. I. ran L'n^g: Bei- trge zur Kenntnis der inneren Metamorphose von Musca romitoria. Zool. .lalirbcher Bd. 111, 1888. Die physische Konstitution der Sonne. Von I)r. P- Andries (Fortsetzung.) Die Sonnenoberflche erscheint, von den i aber ihr Eiiifluss aufhre, und eine rein chemische Aktion eintrete. Durch neue Versuche hat Schloesing- (Compt. rend.) festgestellt, dass die Wirkung der Fermente bei 70^ aufhre; von dieser Temperatur ab bis 100" wird die ehemische Aktion eine sehr starke. Der Taback, welcher dieser langsamen Verbi-ennung ausgesetzt ist, erleidet starke Vernderungen. So ver- lor er z. B. bei einer Temperatur von 70" innerhalb 52 Tage die Hlfte, bei SO" /4 seines Nicotingehaltes. Die Ueberfhrung von Taback-sblttern in die zur Schnupftabacksfabrikation geeignetste Form gelang Schloesing am schnellsten (in 12 Tagen) bei 100", bei 70" in 810 Wochen, bei 40" erst nach einigen Monaten. Die Untersuchungen besttigten das schon frher mitgeteilte Resultat, dass Fermente die langsame Verbrennung einleiten. Ist die Tem- jicratur von 70" erreicht, so geht die chemische Reaktion selbstndig (ohne Mitwirkung von Bakterien) vor sich. Noch weiter erstreckt .sich die Wirkung der Fermente, wenn Dnger der langsamen Ver- brennung ausgesetzt wird: noch bei 75" ist die zersetzende Wirkung der Fermente nachzuweisen und hrt erst bei 81" auf. Leitet man statt Luft reinen Stiokstotf ber die zu untersuchenden Substanzen, so sinkt die Bildung von Kohlensure erheblich, whrend Methan (CJHi) und Wasserstoff auftreten. Dr. M. B. lieber die knstliche Darstellung des Kupferkieses. Schneider hat im Anfang der .siebenziger Jahre ein aus rotbraunen Krystallen bestehendes Doppelsalz besehrieben, welches aus einem Molekl Schwefelkalium (K3S) und einem Molekl des dem Eisen- oxyd entsprechenden Schwefeleisens (FegS:)) zusammengesetzt ist. Bald darnach konnte er in diesem Doppelsalze (KjS. Fe.2S3) das Kalium durch Silber ersetzen und hatte nun die dem Kupferkies (Ou.2S.l M. Dramler's Verl., Berlin, Podor, J., Die Lungenschwindsucht, ihre hygieinische Verhtung u, Behandlung. (Sep.-Abdr.) is S, 24 M. Szelinski, Wien. Friedberger, F., u. E. Frhner, Lehrbuch der speciellen Patho- logie u. Therapie d. Haustiere. 2. Aufl, 2. Bd. (VUl, 703 S.) IG JC. Enke, Stuttgart. Grnwald, A., Spektralanalyse d. Kadmiums. (Sep.-Abdr.) (78 S.) l,:il) JC. Frevtag, Leipzig. Hirn, G.-., (Constitution de l'espace Celeste, 4". (XXIII. 232 S. m. 1 Taf.) 16 JC. Barth, Colmar. Holfmann, C, Beitrag zur Kenntnis der (4) Nitro-Isophtalsure. (3y S.) 1,20 JC. SpTes, Baden-Baden, Jacobi, G. H,, Der lineralog Georgius Agrieola u. sein Verhltnis zur Wissenschaft seiner Zeit, (72 S.) 1,20 JC. Anz, Werdau, Jannaseh, P., Gesammelte chemische Forschungen. 1. Bd. (X, 2i) S.) 5 JC. Vandenhoeck & Ruprecht, Gttingen, Kaufmann, N., Bedeutung der l'hilosophie in der Gegenwart. (2(i S.) .50 ..5. Foesser Nachf, Frankfurt. Kerner, ., Schedae ad florani exsiccatum austrohungaricum. V. (IV, 118 S.) 2,80 JC. Frick, Wien, Lackowitz, W., Flora von Berlin und der Provinz Brandenburg. 7, Aufl. 16", (XXIV, 253 S.) Geb. 2,25 JC. Friedberg & Mode, Berlin. Lehmann, E., Die verschiedenartigen Elemente der Schopenhauer- schen Willeuslehre. (VI, 140 S.) 3 ^IC. Trbner, Strassburg. Lehmann, O., Molekularpysik mit besonderer Bercksichtigung mikroskopischer Untersuchungen und Anleitung zu solciien, sowie einem Anhang ber mikroskopische Analyse. 2, Bd (VI, 697 S. m. lUustr.) 20 JC. W, Engelmann, Leipzig, Lesser, E., Lehrbuch der Haut- u. Geschlechtskrankheiten. 2. Tl. Geschlechtskrankheiten. 4. Aufl. (VllI, 332 S. m. lUustr.) 6 JC. F, C. W. Vogel, Leipzig, Lbker, K., (3hirurgische Operationslehre. 2. Aufl. (VllI, 520 S. m. Holzschn.) 10 JC; geb. 12 JC. Urban & Schwarzenberg, Wien, Lotze, H., Grundzge der Psvchologie. Diktate aus Vorlesungen. 4. Aufl. (95 S.) 1,70 JC. 'Hirzel, Leipzig, Mach, E., Ueber d. Fortpflanzungsgeschwindigkeit d. durch scharfe Schsse erregten Schalles, (Sep.-Abdr-.) 8 S. 50 j. Freytag, Leipzig. Manchot, C, Die Hautarterien d. raenschl. Krpers. 4", (60 S. m. 'J Taf.) 12 JC. F. C, W. Vogel, Leipzig. Meissel, E., Tafel der Besselschen Funktionen Pk und l'k von k==0 bis k = 15,5 berechnet. (Sep.-Abdr,) 4, (23 S.) 2 JC. G. Reimer, Berlin. Migula, W, Ueber d. Binfluss stark verdnnter Surelsungen auf Algenzellen. (38 S. m. 2 Taf ) IJC. l'reuss & Jnger, Breslau. Noetling, F., Die Fauna d. samlndischen Tertirs. 2. Tl. (VHI, 109 S. m. Atlas v. 12 Taf.) Abhandl. zur geologischen Special- karte V. Preussen u, den Thringischen Staaten. 6. Bd. 4. Heft. 10 JC. Schropp'sche lloflandkartenh., Berlin. Philips, B., Ueber einige unsymmetrische sekundre Hydrazine d. arnuiatischen Reihe. (46 S.) 80 ..j, Franz Fues, Tbingen. Tchihatehef, P. v., Beitrag zur Kenntnis des krnigen Kalkes v. Auerbach Hochstdten au der Bergstrasse (Hessen -Darmstadt)- (50 S. m. ''> Tat.) Abhandlungen d. grossherzogl. hessischen geo logisch. Landesanstalt zu Darmstadt. 1. Bd, 4. Heft. 2,50 JC Bergstrsser, Darmstadt. liiliiilt: Dr. E. Korscheit: Ueber die wichtigen Fuuktinnen der Wanderzellen im tierisclu>n Krper, (Mit Abbild.) Dr. P, Andries: Die physische Konstitution der Sonne. (Fortsetzung,) Das Vorkommen des Mongolenauges bei deutschen Kindern. Die Bedeutung des unstilteri Hin- und Hcrschwirrens maucher Insekten. Ueber ein merkwrdiges und schdliches Auftreten eines Schleimpilzes. Ueber langsame Verbrennung organischer Substanzen. Ueber die knstliche Darstellung des Kupferkieses. Ersatz des I'hotometerfettflecks durch rein optische Vorrichtungen, Litteratur: l'aulsen' Ethik. Loth. Meyer und Karl Seubert: Das natrliche System der I';lemeute, Liste. Veranlw. liedakti l)r II. licrliu NW. 6, fr den Inseratenteil: Hermann Riemaun. Druck: Gebrder Iviesar., Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Rieniauu, Berlin NW. 21. liery.n eiiio Itoilajcc, wolcli? wir ho.snnder.H 7.11 beachten bitten. Beilage zu Nr. 4, Band iV der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Diejenigen unserer geschtzten Abonnenten, welche mit dem Abonnementsbetrag pro IV. Band I. Quartal noch im Rckstande sind, werden hflichst ersucht, denselben bis zum 10. n. Mts. einzusenden. Alle bis dahin nicht bezahlten Betrge werden per Postauftrag, unter Zuschlag von 50 Pfg. erhoben, in der Annahme, dass dieser Zahlungsmodus gewnscht wird. Berlin NW. 21. Spenerstr. 9. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". 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Xou.s recevons un numero de la 24e anju^e du loumal dU i Ciel, (lui se publie Paris, cour de Rohan, boulevard Saint- ^ Gerinain, 130. Ce Journal devrait se trouver dans toutes les familles, 11 J contient, en outre de l'annonce jour par jour de tous le.s phc- ^ nonienes Celestes, des cartes du ciel representant, de 8 en 8 jour.s, l'aspect dn ciel visible ;t 9 heures du .soir, avec la Lune et les plani'tes u leurs places re.spectives pour le jour en ques- tion. 11 publie en feuilleton un dictionnaire cb'nientaire d'astro- nomie. Vn nuniero d'essai contre rcception d'un tinibre de 1.5 cent. Die Nester und Eier der in Deutschland und den an- grenzend. Lndern brtenden Vgel. Von lir. E. Willibald. 3. Auflage. Mit 229 Abbildungen. 25) Geh. Preis 3 Mk. Leipzig. C. A. Kocli's Verlag. " '* ^Ilolaiiisier- B( hsen, -Mappen, -Stcke, -Spaten Loupen, Pflanzenpressen jeder Art, Gitterpre.^seu Sc/f. Zum Unilig. 4,.50 J(-. 111. I'rei.svcrz. fi Priedr. Ganzenmller. Nrnberg. : : X J. F. G. 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Vorrtig in allen Buchh^indlungen Unserer Jieiifif/eii Sininiier liegt ein Prospekt der Firniti lt. IVIarteilM in Kvvmvn betreffend Itroiiicr <'i;i-ari''ii bei, den wir der freiindliehen licaehtanf unserer gcsehtsten Leser auf' das wrmste empfehlen. Verantw. Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, fr den Inseratenteil : Hermann Riemann Druck: "Sebrder Kiesan, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Riemann. Berlin NW. 21. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 21, Spenerstr. 9. IV. Band. Sonntag, den 28. April 1889. Nr. 5. Abonnement: Man abunniert bei allen Buchhandlungen und Post- anatalten, wie bei der Exiiedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. Bringegeld bei der Post 15-; extra. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger (Quellenangabe gestattet. Die schliesslichen Ergebnisse der Forschung betreffend die Krakatoa-Phnomene. Von Prof. Dr. Foerster.*) Die Erforschung- der sogenannten Krakatoa-Phno- mene ist im Laufe des letzten Jahres durcli einige wich- tige Verffentlichungen bedeutend geklrt worden. Die erste dieser Verffentlichungen fhrt den Titel : Untersuchungen ber Dinmerungs- Erscheinungen zur Erklrung- der nach dem Krakatau**)- Ausbruch beobach- teten atmosphrisch-optischen Strung" von Prof. J. Kiess- ling zu Hamburg. Die zweite der beiden Verffentlichungen ist der von einer Kommission der Kniglichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London erstattete Bericht ber die Gesamtheit der Wahrnelimung-en und Forschung-en, zu denen jener vulkanische Ausbruch Anlass gegeben hat. Beide Verffentlichungen aber danken selir wesentliche Grundlagen den vorangegangeneu Ermittelungen des hol- lndischen Forschers Verbeek, welcher an Ort und Stelle die wertvollsten Untersuchungen ausgefhrt hat. Als jene wunderbaren Frbungen und Steigerungen der Abend- und Morgendmmerung im November und Dezember 1883 auch in Europa erschienen, nachdem die wLssenschaftliche Welt im Laufe des vorangehenden Sep- tember Nheres ber die mchtige Schluss-Katastrophe der seit Mitte Mai 1883 hn Gange befindlichen vulka- nischen Ausbrche in der Sunda-Strasse erfahren hatte, und nachdem im Laufe des Oktober die Berichte aus den Tropen bereits von eigentmlichen Frbungen der Sonne und des zerstreuten Himmelslichtes erzhlt hatten, welche sich zunchst in weiterem Umkreise um den Schauplatz jener Vorgnge zu verbreiten begannen, da *) Vortrag- g-elialten in der Ge.sell.s. f. ErdkuntU- zu Berlin. ^ Verband, d. Gesell.s. Bd. XVI. Ein vorlufiger Bericht ber den obigen Gegenstand findet .sich Bd. LI auf S. 54 d. Naturw. Wooh. lled. **) Der Name dieser in der Sundastrasse zwischen .Tava und Sumatra gelegenen Insel wird von den I'ortugiesen und Hollndern Krakatao oder Krakatau, dagegen von den Englndern Ivrakatoa geschrieben. Die letztere Form, welche auch frher in den deutschen Zeitungen augenoinmen worden war, ist in der vorliegenden lit- teilung beibehalten. war eine grosse Anzahl von Forschern sofort davon berzeugt, dass auch die in Europa jetzt zur Wahrneh- mung gelangenden verwandten Erscheinungen am Him- mel von den mannigfachen feinstverteilten Au.swurf-Pro- duktion jener Eruption verursacht wurden. Diese Produkte, so nahm man an, seien in den besonders grossartigen Dampfentwicklungen bei jener Schluss-Katastrophe in sehr hohe Schicliten der Atmosphre emporgelangt, dort aber, von den grossen Luftstrmungen erfasst und wie dnne Schleier fast ber alle Zonen ausgebreitet, durch Beugung, Brechung und Zurckwerf ung der Sonnen- strahlen die Quelle jener seltsamen und in vielen Gegen- den der Erde ganz ungewhnlichen Himmels -Glorien geworden. Sehr bald wiu'de zugleich von mehreren Forschern darauf hingewiesen, dass auch in der Vergangenheit und zwar zuletzt in ganz hnlicher Weise im Jahre 1831, bedeutende vulkanische Au,sbrche, insbesondere eine grosse unterseeische Eruption nrdch von Sizilien, welche durch sehr andauer-nde und starke Dampfentwickhingen charakterisiert worden war, ebenso den Ausgangspunkt einer andauernden Verbreitung von eigentmUchen Fr- bungen des Himmelslichtes gebildet hatten. Als sodann auch in den stetigen Aufzeichnungen der Barometerstnde und der Stnde des Meerwassers in den verschiedensten Gegenden der Erde die Wirkungen der gewaltig-en Explo.sion, welche am 27. August 1883 Morgens um 10 Uhr das heisse Ringen der Krfte in der Sunda-Stras.se beendigte, in Gestalt mehrtgig fort- dauernder Wellenbewegungen der ganzen Erdatmosphre und des ganzen Ozeans nachtrglich wahrgenommen wurden, und als man zweifellos festgestellt hatte, dass die Explosionen jenes letzten Schreckenstages bis in solche Entfernungen von dem Schreckensorte, welche dem Abstnde Hamburgs von Mittel-Afrika entsprechen, i zutreff'cnder Reihenfolge und in Zeitiiunkten, wiclie durcii die bekannte Geschwindigkeit der Fortpflanzung M Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 5. des Schalles besttig-t werden, noch als auallendes Ge- tse gehrt worden waren, da schien Vielen gar kein Zweifel daran mehr denkbar, dass ein so mchtiger Vor- gang aucli ausgereicht habe, um der Bildung und Aus- breitung jener farbenjjrchtigen Schleier von feinstver- teilten Massen-Elementen um die ganze Erde das Material und die Impulse seines Emporsteigens zu liefern. Dennoch beharrten nicht wenige Forscher, und dar- imter einige der sachverstndigsten, bei ihrem anfng- lichen Einsprche gegen die ganze Reihe oder gegen einzelne Glieder jener Folgerungen. Insbesondere wurde hervoi-gehoben, dass jene glnzenden und farbenreichen Himmelserscheinungen in manchen Gegenden der Erde so oft vorkmen und so wenig in irgend einer Folge- ordnung zu vulkanischen Ausbrchen stnden, dagegen so deuthche Beziehungen zu gewissen Wetter- und Wind- Verhltnissen erkennen Hessen, dass es in dem vorhe- genden Falle einen sehr bekannten Schlussfehler begehen hiesse, wenn man unbedingt aus der blossen Zeitfolge auf ein urschliches Verhltnis der Himmelszustnde in Europa zu dem so weit entfernten Vulkan-Ausbruch schliessen wolle. Auch sei es erwiesen, dass schon vor dem Schluss und Hhenpunkte des letzteren gerade in den Tropen ungewhnliche Himmelsfrbungen mehrfach wahrgenom- men worden seien. Endlich sei es doch sehr schwer zu denken, dass die von einem Vulkan eniporgejagten Massen sich viele Monate lang, ja schliesslich Jahre lang in den oberen Schichten der Atmosphre schwebend halten knnten. Alle diese ziun Teil ziemlich unkritischen und ober- flclichen Einwrfe haben in den oben erwhnten neuesten Verffentlicliungen ber unsern Gegenstand eine zwar nicht polemische, aber durch thatschliche Ermitte- lungen entsclieidende Widerlegung gefunden. Bei einigen der bedeutenderen Munei-, welche sich jenen Einsprchen formell angeschlossen hatten, war wohl die Absicht lei- tend gewesen, einen schnellfertigen Abschluss der Ei- klrung der fi'aglichen Erscheinungen zu verhten, weil ein solcher die Gefahr mit sich bringt, dass nach dem Vorbei'gang der Erscheinung das Interesse an einer grndlichen Bearbeitung derselben schnell erlahmt. Es wird also auch ihnen in dem fruchtbaren Zu- sammenwirken der menschhchen Gemeinschat t ein ge- wisser Anteil an der grsseren Klai'heit verdankt, in welcher jetzt auf Grund der gereiften nachtrglichen N'^ervohstndigung und Zusammenfassung des ganzen Beobachtungsmaterials und auf Grund der daran ge- knpften experimentellen Untersuchungen von Kiess- ling das ganze fragliche Forschungsgebiet erscheint. Als erwiesen kann jetzt, zunchst in betreff des hufigeren und keineswegs in unmittelbaren Beziehungen zu vulkanischen Ausbrchen stehenden Vorkommens von lichst glnzenden und farbenreichen Dmmerungserschei- nungen in den Tropen, folgendes gelten: Auch dort gehen diese Besonderheiten der Entwicklung, welche ganz und gar den von uns im Winter 1883 zu 1884 erblick- ten Herrlichkeiten gleichen, jedesmal ausschliesslich dar- aus hervor, dass liberaus kleine und gleichmssig gestal- tete feste Massenteilchen, welche zugleich die Kerne von Wassertrpfchen -Bildungen zu werden pflegen, in der Atmosphre in gengender Menge und Dichte vorhanden sind. Derartige kleinste Massenteilchen entstammen dort sowohl von vulkanischen Ausbrchen, als von den sehr fein zerteilten Staubmassen der grossen trockenen Wsten- luid Step|)euHiiclien, emporgewiibelt und alsdann von den sehr legelmssigen Luftstrmungen der Tropen andauernd verbreitet und getragen. Eine dritte Quelle solcher so- genannten trockenen Nebel in der Hhe bilden endlieh, hnlich wie bei uns der sehi- grobe Hhenrauch, nur in viel grsserem Massstabe und in viel zarterer Struktur, diejenigen Rauchmassen, welche aus den ziemlich regel- mssig wiederkehrendeji Grasbrnden ungeheurer Flthcn der tropischen Lnder hervorgehen und anfangs von dem gi'ossen aufsteigenden Luftstrom hoch empoi-getragen, spter von den Winden ausgebreitet wei'den. Die vulkanischen Ausbrche selber spielen brigens gerade in den Tropen hinsichtlich des Beitrages zu diesen feinsten Staubschichten auch keine geringe Rolle. Die Anzahl der thtigen Vulkane ist in den Tropen viel grsser, als in irgend einer anderen Zone, und die Regel- mssigkeit gewisser Luftstrmungen trgt dort, besonders wenn das Emporsteigen der Ausbruch-Produkte keine grsseren Hhen erreicht, dazu bei, diese Massenteilchen wesentlich in derselben Zone zu halten und mit einer gewissen Gleichmssigkeit zu verbreiten. Es ist aber sehr einleuchtend, dass unter allen diesen Umstnden die Helligkeit und Farbenflle der Dmme- rungen, weil sie von der Anwesenheit jener Massenteil- chen in der Hhe, und die Ansammlungen dieser von den Windi'ichtungen wesentlich beeinflusst werden, auch von den jeweiligen Windverhltuissen, welche ihrerseits wieder den gesamten Wetterzustand bedingen, in der entscheidendsten Weise abhngig ist, ohne dass irgend eine andere urschUche Abhngigkeit jener optischen Erscheinungen von demjenigen, was man Wetter nennt, zu bestellen braucht. Umgekehrt scheint es eher, als ob eine reichere Erfllung der hheren Atmosphreuschichten mit kleinsten testen und flssigen Massenteilchen gerade nach den Wahrnehmungen, die in den Tropen nach den letzten Krakatoa-Ausbrchen gemacht worden sind, die Wetter- zustnde in den unteren Schichten beeinflusse, insofern durch jene die elektrischen Leitungszustnde in der Atmosphre starke Aenderungen erfahren knnen. Nach dem eben Gesagten wird man es auch nicht lnger als einen Einwiu'f gegen die sogenannte Krakatoa- Hypothese betrachten knnen, dass schon vor dem 27. August 1883 in den Tropen sehr farbenieiche Dm- merungen, ja sogar auch bereits die eigentmchen Fr- bungen der Sonne wahrgenommen worden sind, welche nach jenem Tage auf so weiten Flchen dieser Zone beobachtet wurden, denn hnliche Erscheinungen sind aus den oben dargelegten Grnden in den Tropen ber- haupt nicht gar so selten. Es kommt noch dazu, dass auch diejenigen Eruptionen, welche in der Sunda-Strasse schon seit dem Mai 1883 im Gange waren, ebenso wie andere vorhergegangene kleinere Ausbrche tropischer Vulkane dazu beigetragen haben knnten, ber einzelnen Gegenden dieser Zone schon solche Schleierwolken oder, nach dem von Kiessling vorgeschlagenen Namen, Dust- wolken in der Hhe auszubreiten, welche jenes Zauber- spiel der Farben hauptsclich durch Beugung des Lichtes hervorrufen knnen. Der entscheidendste Beweis fr die sozusagen akuten Beziehungen der Katastrophe vom 27. August zu dem Beginne der Ausbreitung solcher Dustschleier ber die ganze Erde ist nun aber die Art und Weise und die Reihenfolge des Ilervorti'etens der ungewhnlichen ojiti- schen Erscheinungen in den Tropen nach diesem 27. August gewesen. Es ist jetzt erwiesen, dass die von den explosiven Entwicklungen beihitzten Wasserdampfes zerstiebten und ans dem Krakatoa-Schlunde in sehr grosse Hhen Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 35 einporgetragencii enormen Mengen feinster Massenteilehen dort oben von einer die Erde von Osten nacii Westen iimlireisenden Luftstrmung mit der Sturmesgeschwindig- keit von naliezu 40 Meter in der Seliunde erfasst und zunchst in dieser flhe zwei- bis di-eimal rings um die Erde herumgejagt worden sind, indem sie zugleich wh- rend dieser Umkreisung sich allmhlich in lngere Strei- fen ausbreiteten, auch zum Teile durch tierabsinken schon in andere Luftstrme gerieten. Von letzteren wurden dann schon in den ersten Wochen einzelne Stcke der grossen Dustwolkenmasse, am Tage nur durch Frbung des Sonnenlichtes und durch einen braunroten Ring um die Sonne erkennbar, aber am Morgen und Abend die Dmmerung mit glhenden Farben schmckend, nach dem Nordosten der Sunda-Strasse und bald auch ber Afrika und den Atlantischen Ozean nach Norden ent- fhrt, whrend sie sich andrerseits beim Herabsinken auch nach der sdlichen Halbkugel auszubreiten begannen. Der Nachweis jener ersten wiederholten Umkrei- sungen des ganzen Aequatorumfanges durch die grosse Dustwolken-Masse, die hierbei natrlich sehr bald eie l'lchenausdehnung von Tausenden von Quadratkilometern eireichte, liegt in der Reihenfolge der Zeitpunkte, in welchen zuerst die nach Westen von der Sunda-Strasse gelegenen Gegenden der Aequatorial-Zone nacheinander von jenen ganz besonders intensiv entwickelten, in sol- cher Weise auch unter den Tropen ungewhnlichen liimmelsfrbungen getroffen wurden, und sodann in der Reihenfolge der zwei- bis di'eimaligen Wiederholungen, in denen eine und dieselbe Gegend jener Zone nach je einem vollen Umlauf der Dustwolke um die Erde die optischen Wirkungen derselben wieder in der aufflligsten Weise zu Gesichte bekam. Es ist fr mehrere Orte in den Tropen berein- stimmend festgestellt worden, dass die ausserordentlichen Himmclsfibungen nach zeitvv eisen Unterbrechungen zwei- bis dreimal periodisch wiederkehrten, und dass die ziem- lich regelmssige Dauer der Peiiode dieser Wiederkehr nahezu zwlf Tag^e betrug. Da nun die Geschwindigkeit, mit welcher sich in der tglichen Umdrehungsperiode der Erde ein Punkt des Aequators bewegt, 464 m in der Sekunde beti'gt und die Umkreisung des Aequators durch die Dustuolken zwlf Tage erfordert hat, so folgt fr die Luftsti'mung, welche jene Wolken von Ost nach West um die Erde herumgefhrt hat, eine Geschwindigkeit, welche den zwlften Teil der obigen Drehungsgeschwindigkeit der Erde, also 39 m in der Sekunde erreicht. Einzelne grosse Entfernungen in der Tropenzone sind sogar mit Geschwindigkeiten bis zu 45 m in der Sekunde zurckgelegt worden, was sich, unter der wahrscheinlichen Annahme, dass die Geschwin- digkeit jenes Luftstromes in grsserem Abstnde von der Erde noch etwas grsser ist, wohl dadurch erklren lsst, dass es sich dabei um die hchsten Schichten der Dustwolken gehandelt hat. Der hierdurch gleichzeitig gefhrte Nachweis von dem Vorhandensein einer stetigen von Ost nadi West parallel dem Aequator gelichteten Luitstrmung von solcher Geschwindigkeit in gewissen Plhen ber der Erdoberflche ist an sich auch von grossem Werte und besttigt u. a. gewisse Folgerungen, welche in den theo- retischen Untersuchungen von Werner von Siemens ber die Zustnde unserer Atmosphre neuerdings auf- gestellt worden sind. Mit dem allmhlichen Herabsinken der Dustwolken gerieten dieselben alsdann , und zwar zunchst an den Grenzen der Tropenzone, zu Anfang Oktober in solche Luftseiiichten, in denen andei'e Strmungen, insbesondere nach den Polen gerichtete, vorwalteten, und dadurch wurden allmhlich im Laufe des Oktober und November jene Schichten ber die gemssigten Zonen ausgebreitet, whrend die tropischen Zonen mehr und melir frei davon wurden. So entwickelten sich denn im November und Dezember jene Himmelsfrbungen, die in unseren l^reiten noch viel aufflliger und wirkungsvoller wurden als in den Tropen. Auch diesen Uebergang und diese Ver- breitung der Dustwolken aus den Tropen in weite Re- gionen der nrdlichen gemssigten Zone kann man in seiner allmhlichen Entwicklung durch Beobachtung des ersten Auftretens der Himmelsfrbungen an zahlreichen Punkten gut verfolgen. Jedenfalls sind die Geschwindig- keiten dieser Ausbreitung viel geringer gewesen als die- jenigen, mit denen die Tropenzone in wenigen Wochen mehrmals umkreist worden war. Besonders bezeichnend fr die ungewhnliche Mch- tigkeit und die entsprechende ungewhnliche Ausbreitung und Dauer jener Erfllung der etwa zwischen 10 und 40 km Hhe gelegenen Luftschichten mit jenen feinsten Massenteilchen ist aber eine Erscheinung geworden, welche mit hnlicher Intensitt und Dauer weder bei den sonstigen in den Tropen vorkommenden Himmels- frbungen, noch in den frheren Fllen grsserer Aus- breitung solcher Himmelsfrbungen durch vulkanische Eruptionen wahrg-enoraraen woiden ist: nmlich jener braunrote Ring um die Sonne, welcher zuerst im Sep- tember 1883 von Bishop in Honolulu beobachtet wurde und bis zum Frhjahr 188 in Europa sichtbar bUeb. Der ussere Durchmesser dieses Ringes betrug nahezu 4.5, der innere nahezu 20 Grad. Nach innen ging die braunrote Frbung desselben ziemlich allmhlich in einen mattweisslichen Schein ber, der die Sonne unmittelbar umgab. In Verbindung mit der Erscheinung dieses Ringes stand es auch, dass whrend der ganzen Dauer seiner Sichtbarkeit, sobald die Sonne von Wolken verhllt wurde, die aber in ihrer Umgebung freie Himmelslcken offen Kessen, die letzteren Himmelsflchen, besonders in der Nhe der Wolkensume eine purpm-ne Frbung zeigten. Die Dustschichten, welche jene Ringbildung verur- sachten, scheinen ber manchen Gegenden ausserordent- lich dicht und sehr hoch ber der Erdoberflche gewesen zu sein, so dass sie nicht bloss feine Luftstrahlungen aus dem Himmelsraume erheblich gestrt, sondern sogar die Licht- und Wrmestrahlungen der Sonne selber merk- lich geschwcht haben. Alle jene zur Sonne nahezu konzentrischen Farbensume, welche in den Dmmerungen hervortraten, und jener volle rote Ring, welcher am deutlichsten und regelmssigsten sich zeigte, wenn die Sonne hoch am Himmel stand, haben sich nun im we- sentlichen durch Experiment und Theorie als sogenannte Beugungswirkungen erklren lassen, welche das Sonnen- licht beim Durchgange durch Schichten von sehr kleinen und in gleichartiger Feinheit verteilten Massenelementen von fester oder flssiger Beschaffenheit erfhrt, wenn dieselben nicht vllig durchsichtig sind. Allerdings hat Kiessling, dem hierber tlie voll- stndigsten Untersuchungen zu verdanken sind, die Farbenfolgen und die Ringdurchmesser, wie sie am llimmel wahrgenommen worden sind, durch die Nach- bildung trockener Nebel-Erscheinungen in Glasgefssen mit Hilfe von Rauchteilchen und Wasserdampf noch nicht vollstndig und erschpfend zu erklren veimocht, aber doch mit so grosser Annherung, dass die noch verbliebenen Unterschiede als eine Folge des Umstandes 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. betrai-litet ANcrden knnen, ilass es sich bei deji grossen atmosphrisclien Erscheinungen, abweichend von den Verhltnissen bei der Nachbildung im Kleinen, nicht bloss um enorme Massenwirkungen, bei denen die vor- handenen Ungleichartigkeiten von der reineren Gesamt- wirkung viel vollstndiger absorbiert werden, sondern auch um die Betrachtung dieser reineren Gesamt wii'kung aus grsseren Fernen handelt, wobei auch mattere Licht- wirkungen in grossen festen Umrissen hervortreten knnen. Was endlich die lange Dauer des Schwebens jener feinsten und gleichartigsten Massenteilchen in den oberen Schichten der Atmosphre betrittst, so liegen zur Erkl- rung dieser Erscheinung, welche von Vielen fr beson- ders rtselhaft gehalten worden war, besondere Versuche vor, welche es durchaus erklrlich machen, dass jene Teilchen, deren Dimensionen von der Ordnung der so- genannten Wellenlngen des Lichtes, d. h. eines Tau- sendstels des Millimeter und darunter sein mssen, ganze Jahre brauchen knnen, um beim Herabsinken aus hhe- ren Luftschichten Strecken von einigen Kilometern zu- rckzulegen, auch wenn keinerlei Gegenwirkungen gegen ihr Herabsinken, wie sie z. B. in aufsteigenden Luft- strmungen oder vielleicht in elektrischen Abstossungen gefunden werden knnten, vorhanden wren. Hinsichtlich der Beziehungen zwischen den soge- nannten silbeinen" Wolken und den in Obigem erlu- terten Vorgngen sei bemerkt, dass der deutliche Beginn der Erscheinung der silbernen" Wolken in Hhen von mehr als .50 hn ber der Erdoberflche mit dem Zeit- punkte zusammenfllt, in welchem die darunter gelegenen Atmosphren-Schichten allmhlich freier von den Dust- massen wurden, welche noch den Bishop' sehen Ring und die mit demselben veibundenen Erscheinungen her- vorbrachten. Es wre wohl denkbar, dass die zarteren Licht- wirkungen derjenigen von der Krakatoa-Explosion empor- getriebenen kleinsten Teilchen, welche in jene noch grsseren Hhen gelangt waren, bis dahin von den grberen Dustschleiern , durch welche die gesteigerten Dmmerungsfarben und die Bishop "sehen Ring-Erschei- nungen hervorgebracht wurden, veiborgen gehalten waren und ei'st mit der fortschreitenden Reinigung der unteren liUftschichten von jenen nicht so fein zerteilten und des- halb etwas schneller herabsinkenden Krjierchen zur deutlichen und getrennten Wahrnehmung gelangen konnten, indessen traten die silbernen Wolken" doch sofort mit einer so grossen Helligkeit auf, dass eine solche Deutung nicht ausieicht, um den zeitlichen Verlauf ihres Hervor- tretens zu erklren. Zum Schluss wird vielleicht eine Zusammenfassung deijenigen Geschwindigkeitsbetrge nicht unwillkommen sein, mit welchen sich die verschiedenartigen Wirkungen der letzten Krakatoa-Explosion inn die ganze Erde fort- gepflanzt haben. Die vier- bis fnfmal die Erde umki'eisende Wellen- bewegung in der Atmosphre ist mit einer mittleren Geschwindigkeit von 310 ni in der Sekunde (sehr nahe entsprechend der Geschwindigkeit der Schallfoitiitlanzung), die Wellenbewegung des Ozeans an den tiefsten Stellen desselben mit einer Geschwindigkeit von ISO m, dagegen an allen weniger tiefen Stellen mit erheblich geringerer Geschwindigkeit gewandelt, endlich die grosse Dustwolke in ihrer von Ost nach West erfolgten zwei- bis drei- mahgen l^Tmkreisung des ganzen Aequators mit einer Geschwindigkeit von rund 40 m in der Sekunde. Die physische Konstitution der Sonne. Von Dr. P (Fortset Es mag nicht tiberflssig erscheinen, hier noch einige wichtige Grnde gegen die jetzt herrschenden Autfassungen in betreff der Beschaffenheit des Sonnenkrpers kurz an- zufhren. Lge die Photosphare und mit ihr die Chromosphre direkt ber dem feurig-flssigen Kerne, d. h. bessse dieser Kern denselben oder nahe denselben Durchmesser wie die photosiihrische Kugelschale, so bliebe das geringe spezifische Gewicht der Sonne, wie eingangs schon be- wiesen, vllig unerklrlich, ebenso unerklit blieben ferner die Flecke; denn die Zllner'sche Schlackentheorie sowie auch die Wirbeltheorie sind unhaltbar. Bei der hohen Temperatur, der grossen Unruhe und Beweglich- keit der ]}hotosphrischen Masse ist eine derartige lokale Abkhlung wie sie zur Bildung einer Schlacke, besonders einer grsseren, die nach dem Umfange der Flecke zu urteilen, oft einen Flcheninhalt von dem drei- bis vier- fachen der Erdoberflche besitzen wrde, vllig undenk- bar. Zudem mssten die Flecke, resp. Schlacken vor- zugsweise an den Polen auftreten und nicht in niediigen reiten, da an den erste reu crwiesenermalsen die Tempe- ratur niedriger ist als in den mittleren Breiten. Befnde sich ferner die Sonne schon in einem solchen Stadium der Abkhlung, dass eine derartige grosse Schlackenbildung, wie wir .sie nach der Grsse der Flecke annehmen mssten, mglich wre, so wre nicht abzusehen, warum zur Zeit der Fleckenminima oft lng(Me Zeit gar keine oder nur ganz kleine Schlacken auftrten ; d(>nn bei Andries. zung.) einem so gewaltigen Himmelskrper wie unsere Sonne, knnte der glhend-flssige Kern innerhalb 11 Jahren keine solchen Temperaturschwankungen durchmachen, um whrend 1 bis 2 .lahren mit gewaltigen Schlacken sich zu bedecken und nach 3 bis 4 Jahren ganz schlacken- los zu erscheinen. Schlacken knnten sich berhauiit nicht so rasch bilden und so rasch verschwinden, wie dies bei den Flecken thatschlich der Fall ist. Der Wirbeltheorie zur Erklrung der Flecke steht aber eben- falls die hohe Temperatur und grosse Beweglichkeit der Photosphre entgegen; Wirbel mgen innerhalb der Photo- sphare wohl vorkommen, nur entstehen dadurch keine solch.e fvondensationsiirodukte, die uns so schwarz er- scheinen, wie die Flecke uns thatschlich erscheinen. Wir beobachten ja innerhalb der Chromosphre und darbei- hinaus mchtige aufsteigende Wirbelbewegungen und das Spektroskop unterscheidet bis in die Spitzen dieser Wirbel, also in den hchsten und khlsten Schichten, Metall- dmitfe, ohne dass diese Dmpfe schwarz erscheinen oder nur wesentlich dunkler als der brige Teil der Chromo- sphre, was doch notwendigerweise der Fall sein msste. Bei einer absteigenden Wirbelbewegung innerhalb der Photosphre wre aber eine Kondensation noch weniger zulssig, da ja unter Voraussetzung des direkten Zu- sammenlianges der Photosphare mit dem flssigen Iverne die Temperatur nach unten noi-h mehr znnehnien msste als bei unserer Annahme. Als dritter Punkt, der gi'gen den iiniiiittelbaren Zu- Nr. 5. Naturwissenschaftlielie Woclienscliiift. !/ sainnieiiliaiig zwisclien IMiotospre iiiul Kern .spricht, ist der selir o-erinf:>'e aeiostatisehe Drude innerhalb der Photosplire und C'iirumosphiiie liervorzuheljen. Es wurde sclion darauf liing-ewiesen, dals am Grunde der C'hromosphre, also unmittelbar ber der Photosphiire der statische Druck weit geringer sei als an der Eid- oberflchc, und Janssen verg-leicht den Druck innerhalb dei' Chroniosphre mit dem mittels einer Ijufipunipe er- reichbaien niedrigen Grade; ist abei- schon am Fusse der Chroniosphre der Druck ein usserst geringe!', so kann er auch in der Photosphre nur sehr gering sein, weil sonst ein pltzliche)' Uebergang von hohem Druck zu niedrigem stattfinden msste, was nicht annehmbai' ist. Hinge also die l'hotos])hre unmittelbar mit dem fcurig-ttssigem Kei'ne zusammen, bestnde also der von uns supponicrte lelativ dunkle und leere Zwischenraum zwischen Kern und Photosi)hre nicht, so msste infolge der gewaltigen Attraktionskraft des Kerns der Druck innerhalb der beiden Hllen ein viel grsserer sein, als er in Wiiklichkeit ist; denn dei selbe wii'd haupt- schlich nur duich die Intensitt der Schwere bedingt, hngt also von der Masse und dem Volumen des iSonnen- kernes ab. Endlich ist noch darauf hinzuweisen, dass nach den neuesten Untersuchungen von Janssen es nicht gelungen ist, Sauerstoff" auf der Sonne nachzuweisen, dass also ein gewhnlicher Verbrennungsprozess undenk- bar ist. Dazu kommt noch die Frage nach dem Ver- bleib dieser Verbrennungsprodukte; sie mssten sich schon lngst deiart angehuft haben, dass der Glanz der Sonne betrchtlich abgenommen haben wrde, was aber keineswegs nachweisbar ist. Alle diese Grnde sprechen in so entschiedener Weise gegen die bisherige Auffassung der Beschaffenheit der Sonne, dass dieselbe fallen gelassen werden rauss. Dagegen knnte man gegen unsere A nsiclit den b^inwand erheben, dass man durch die OefFnungen in der i^hoto- sphre auf den hellen glhend-flssigen Kein she, also diese Oeffnungen nicht dunkel, sondern hell erscheinen mssten. Darauf ist zu erwidern, dass bei der Breite in der die Flecke aufzutreten pflegen, die Gesichtslinie den relativ kleinen Kern hufig gar nicht mehr tritt't, dass aber, wenn dies auch der Fall ist, der von negativ elek- trischen Dmpfen umgebene Kern ebenso wie der negative Pol unserer Apparate viel weniger glnzendhell ersclieint, als die positiv elektrische Photosphre. Es wurde schon mehrfach die Photosi)hre und Chromosphre als eine elektrisch glhende und daher Licht und Wrme ausstrahlende Hlle von uns darge- stellt. Clausius betrachtet die Fortpflanzung des Lichts und dei' strahlenden Wrme als durch die Wirkung elek- trischer Krfte hervorgerufen und substituirt dem den Kaum erfllenden Aether die Elektricdtt selbst. Diese kann man aber als eine Schwingungsersclieinung auf- fassen. So wie beim Schalle die Hhe des Tones von der Wellenlnge abhngt und unser ( )hr nur Tne wahr- nimmt, deren Wellenlngen nicht zu gross und nicht zu klein sind, so verhlt es sich auch mit den Scliwingungen des Aethers oder des dafr zu substituierenden elek- trischen Fluidums; von einer gewissen Grenze der Wellen- lnge an nehmen wir die Schwingungen wahr als Wrme, dann als Licht und schliefslich als Elektricitt, in der Weise, dass die grsseren Wellenlngen den dunklen Wrmestrahlen entsprechen, die mittleren den Licht- stralilen und die kleinsten im LUtraviolett den elektrischen oder chemisch wirksamen Strahlen. Nach neueren An- schauuiigeu ist die Quelle aller Elektricitt, die wir in unseren Ap[>araten entwickeln auf chemische Wirkung zurckzufliren. Reibung, Kontakt etc. als Elektricitts- quellen beruhen in letzter Instanz auf der durch sie er- mglichten chemischen Einwirkung verschieden zusammen- gesetzter Kiirper aufeinander. So stellt Brown'") folgende 2 Stze auf: 1. Die Potentialdifferenz zweier sich berhrender Metalle ist, elektrostatisch gemessen, der chemischen Wir- kung der auf iluen Oberflchen kondensierten Dampf- und Gasschichten zuzuschreiben. 2. Die beiden verschiedenen Metalle und die ihnen an- hngenden Gasschichten knnen mit einer Sule verglichen werden, in welcher die beiden Metalle die Elektroden und die beiden flssigen oder halb- flssigen Schichten die Elektrolyten bilden, wenn man sicli letztere als durch ein isolierendes Dia- phragma von Luft oder Gas getrennt denkt. In hnlicher Weise sprechen sich verschiedene andere (:Jel(>lirte in betreff dieses Punktes aus, so C.Wurster**), H. Gtz und A. Kurz*'"'). Auch geht schon aus den Erscheinungen der Elektrolyse hervor, dafs chemische Arbeit und Stromarbeit in engem Zusammenhange stehen mssen. (Schluss folgt.) *) Proc. lloy. Soc. 1886, Vof. XLl S. 294. **) Berichte der deutsch, ehem. Ges., Nr. 18 S. 3208. ***) Repertor. der Physik, Bd. XXIII 1887, S. 313. Der Heerwurm'' beobachtet am 26. Juli 1886 bei Stolberg am Harz. V'on K . Am 26. Juli 1886 machte ich mit mehreren Be- kannten aus Leipzig einen Spaziergang nach einem Forst- hause bei Stolberg am Harz, Tannengarten genannt. Dieses Forsthaus liegt an dem Wege von der Stadt nach dem Dorfe Breitenstein. Wir waren vielleicht dreiviertel Stunden auf einem breiten Wege in dem herrlichsten Buclienwalde gewandelt, als ich pltzlich aufmerksam wurde auf einen dunkebi, stahlblauen, schlangenhulichen Krper von 2 m Lnge, den ich als ,, Heerwurm" er- kannte, der, wie ich wusste, schon frher bei Stolberg beobachtet worden war. Im ganzen fanden wir vier Heerwrmer. Wir umringten alle den Heerwurm und bemerkten erst jetzt, dass er sieh ruhig und langsam fortbewegte, es war aber eine unheimliche Bewegung. Wir sahen den Heerwurm nachmittags um 3 Uhr, am (J hi.ser. Vormittage hatte es etwas geregnet und der Himmel war ziemlich bewlkt. Solche Tage sind gnstig, denn der W^eitermarsch des Heerwurms wird nur durch eine ge- wisse Feuchtigkeit ermglicht. Ich machte mit einem Stock einen Einschnitt durch die Krpermasse des Heer- wurms; die Bestandteile wurden lebendig und -r er- blickten in dem Einschnitte eine Menge weisser Larven der Thomasmcke (Sciara Tliomae), welche unruhig ihre Kpfchen hin und her drehten. Tausende von Larven hingen aneinander und bewegten sieh fort, und in kurzer Zeit, vielleicht in zehn Minuten, war der Einschnitt, den ich mit dem Stocke gemacht, wieder von den immer nach- ziehenden Larven au.sgefllt und wir sahen nur wieder dte ruhige Bewegung des Ganzen. Der Heerwurni be- wegte sich; aber die Bewegung war so gering, dass es 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. scliien, al Jime er gar nicht recht von der Stelle. Als wir denselben verliessen, bezeichneten wir das Kopfende durch einen drren Ast und fanden, als wir nach drei Stunden wieder an die Stelle zurckkehrten, dass der Heerwurm auf dem sehr breiten Waldwege 3 m weiter gekrochen wai'. Der lleerwurm hat in den verschie- denen Ijndern und Gegenden verschiedene Namen er- halten, er lieisst auch Heerschlange, Kriegswurm, Kriegs- schlange, Drachenwuni! und Hungerwurm. Gewhnlich wird er am besten sichtbar, wenn er im Walde ber einen Waldweg kriecht. Hier ei-scheint er als ein blau- grauer, schlangenhnlicher Krper, der sich langsam weiterbewegt. Er besteht aus vielen Tausend Maden, die alle zusammenlingend eine Einlieit bilden. Erst wenn man den Heerwurm genauer betrachtet, so unter- scheidet man die denselben zusammensetzenden Maden. Diese sind durchschnittlich 9 10 mm lang, 1 mm dick, schlank, walzenfrmig, von weisslicher, glasiger Farbe mit schwarzbraun durclischimmerudem Darminhalt und liornigem, glnzend schwarzem Kopfe. Die Ueber- schreitung eines Waldweges scheint fi' die einzelnen Maden mit einer besonderen Kraftanstrengung verbunden zu sein. Hat der Heerwurm den Waldweg berscliritten, so tritt Ermdung und das Bedrfniss nach Ruhe ein. Gelangt er wieder auf das auf dem Waldboden liegende drre Buchenlaub, so lst er sich auf. Ist das Buchen- laub vom Regen durchnsst, so bleiben die einzelnen Maden auf der Oberflche, fangen an zu fressen, gleich- sam wie eine weidende Viehherde. Das Laub muss, wenn es den Maden als Nahrung dienen soll, einen ge- wissen Grad von Feuchtigkeit haben ; ist die obere Laub- schicht trocken, so kriechen sie tiefei', bis sie die ihnen an Feuchtigkeit passende Laubschicht finden. Deckt man nun das Laub auf, so findet man die Larven in kleinerer oder grsserer Gesellschaft unter der Laubdecke fressend an, sie skelettieren die erweichten Bltter und lassen die kleinsten und zartesten Blattrippen zurck. Wenn man den Heerwurm ziehen sieht, so muss man unwillkrlich die Frage aufwerfen: Welches ist der Zweck des Zusammenlebens und der gemeinscliaftlichen Wande- rungen und Zge? Die Zge machen keine weiten Wanderungen, denn der Heerwurm tritt immer in ein und dei'selben Gegend auf. So ist bei Stolbei'g am Harz derselbe immer in derselben Gegend, nmlich auf dem Waldwege von Stolberg nach dem Dorfe Breitenstein, gesehen worden. Einen Schutz findet der Heerwui'm auch nicht in dieser Geselligkeit, denn wenn er be- unruhigt wird, so veikiiecht er sich in eine tiefere Laub- schicht oder in das weiche Erdreich und dabei trennen sicii gerade die einzelnen Maden. Mau hat ferner be- iiauptet, die Vereinigung so vieler tausend Maden diene dazu, um dieselben vor Vertrocknung zu schtzen; aber wir finden viele Maden, welche einzeln auf schattigem; weichen Boden lange umherkriechen und nicht vertrocknen. Fortmeister Beling in Seesen am Harz, welcher Heerwurm- zge wohl 20 Jahre beobachtet hat, meint, dass die Zge nur neue, passende Frassstellen aufsuchen. In den Buchen- wldern ist die Laubdecke des Piodens niemals eine gleichmssige, bald liegt das T^aub dnner oder dichter am Boden. Da ruui bekannt ist, dass in der Regel die untere Lage einer mehrere Zoll hohen, nicht zu trocknen fjaubschicht die naturgcmsse Nahrung des Heerwurms l)ildet, so lsst sich wohl annehmen, dass die sehr ge- frssigen Maden weiter ziehen, wenn die ihnen passende Nahrung aufgezehrt ist. Die Witterungsverhltnisse spielen hier auch eine wichtige Rollo, denn wird die Laubschicht, unter der die Maden bisher lebten, dui'ch anhaltende Drre zu trocken, dann suchen dieselben eine feuchtei'e Laubschicht auf, und umgekehrt, wird die Laubschicht zu feucht, so kommen sie auf die Oberflche. Damit stimmen auch die Beobachtungen berein, welche bei Stolberg am Harz gemacht worden sind. An den Stellen im Walde, wo im Sommer 1866 und 1867 der Heerwurm von P^eling beobachtet wurde, lag auf grsseren Flchen die Laubdecke durchschnittlich handhoch, ziemlich gleich- massig verteilt und bot den Larven sehr reichlich die ihnen zusagende Nahrung, deshalb hatten diese gar keine Vei anlassung, eine entfernter gelegene Fiassstelle auf- zusuchen, beschrnkten sich vielmehr darauf, nachdem sie die alte Frassstelle gehrig ausgenutzt hatten, eine neue aufzusuchen, die sie immer unmittelbar neben der alten fanden. Neben diesen Beobachtungen lsst sich aber auch ein angeborener Gesellschaftstrieb, den wir auch vielfach bei anderen Insekten finden, annehmen. Forst- meister Beling beobachtete winzig kleine Larven, die eben erst unter seinen Augen dem Ei entkroclien waren und sich auf einem angefeuchteten Buchenstreulaubblatte sogleich zu einer Marschkolonne vereinigten. Rtselhaft ist immer die Vereinigung der Larven zu einer Schlange, z. B. bei Ueberschreitung eines Waldweges, dessen Boden hart und frei von einer Laubdecke ist. Die klebrige Feuchtigkeit an der Oberflche der Leiber der Maden vereinigt die Larven fest und eng miteinander. Nach Nowicki ist die Fortbewegung des Heerwurms die Folge des Vorwrtsschreitens aller ihn zusammensetzenden Lar- ven, was in der Weise erfolgt, dass sie an den nchsten Gefhrtinnen glitschend den Vorderkrpei' vorwrtsstrecken und den Hinterkiper nachziehen. Die Gesamtbewegung aller an der Oberflche des Heerwurms ziehenden Larven erscheint wie ein langsam und ruhig fliessendes Wasser, die inneren und unteren Larvensehichten ziehen langsamer, als die oberen, und es scheint fast, als wenn die Foi't- bewegung des Heerwurms ein rotierendes Vorwrts- schreiten wre. Whrend des Marsches fi'essen die Larven nicht. In der Masse des Heerwurms herrscht eine eigen- tmliche Regsamkeit der einzelnen Larven. Die oberen drngen sich nmlich gegen die innerhalb des Zuges ein- geschlossenen, diese wieder nach oben oder auswrts, desgleichen die untersten, die eine Zeitlang alle ber ihnen befindlichen Larven tragen mssen, dabei haben alle Larven ihre Kpfchen in steter Bewegung. Einzelne an der Oberflche richten ihren Vorderkrper auf, strecken und drehen ihn, gleichsam suchend und tastend nach allen Seiten hin, andere halten wieder eine Weile in ihrer Fortbewegung inne und alle diese wrden zuletzt von den brigen ziehenden zurckgelassen werden, wenn ihre Ruhe lnger dauern sollte. Der ziehende Heerwurm ist gewhnlich gerade oder leicht gebogen, kann aber auch schlangenai'tig gewunden sein. Unter den vier Heerwi'mern, welche ich am 26. .luli bei Stolberg be- obachtete, war der grsste leicht schlangenartig gebogen uud wurde, als ich ihn beobachtete, durch einen Stein am Weiterziehen verhindert. Sogleich teilte sich das Kopfende in zwei Arme, jeder Arm ging um den Stein herum und auf der anderen Seite des Steins vereinigten sich diese beiden Arme wieder. Ein zweiter Pleerwurm hatte die Gestalt einer Gabel, das hintere Ende war um einige Centimeter lnger als die beiden Kopfenden. Nr, 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 30 Das Magnesium als Lichtquelle in der Wissenschaft und Industrie. In Nr. 16 des II. Bandes der Naturw. Wocheiischr. ist unter der Rubrik: Die Ijnstliche Beleuclitung: in der Photographie" das Magnesium als ein sehr brauchbarer Ersatz des Sonnenlichtes bei photograpbischen Aufnahmen hingestellt wor- den; hier soll nun nher auf Wesen und Anwendung des Magne- siums eingegangen werden. Das Magnesium war vor Jahren in reinem Zustande ein ge- wissermassen seltener, jedenfalls aber sehr teurer KWrpcr, da man das fJramm davon mit 1 Mk. 1,50 Mk. bezahlte, (was etwa den heutigen Platinpreiseu entspricht) so dass ein Kilogramm den Wert von 1000 1500 Mk. reprsentierte. Seit i Jahren ist dies anders geworden , nicht allein deshalb, weil das frhere Monopol der Magnesiumfabrikation gebrochen ist, und sich mehrere Firmen damit beschftigen, das Metall zu gewin- nen, sondern iu der Hauptsache deshalb, weil die ganze Herstel- lungsart eine grundverschiedene von den lteren Verfahren gewor- den ist. Der elektrische Strom schlgt das Magnesium (aus Karnallit) im reinen Zustande inForranietallischerKgelchen nieder. Diese Kgelchen werden gesammelt und in grossen Chamotte-Tiegeln unter einer Decke von kohlensaurem Natron zu Barren zusaramengeschmnlzen und diese Barren endlich durch Walzen und Ziehen zu Band resp. Draht weiter verarbeitet. Dieses ganze Verfahren ist so wohlfeil, dass das Kilo engli- sches Magnesium im Handel heute fr 85 Mk. kuflich ist; deutsche Firmen liefern es sogar mit 60 Mk.; doch ist das deutsche Fabrikat noch sehr mangelhaft und unrein, so dass man fr alle Zwecke, wo ein zuverlssiges Material Bedingung ist, das teurere, englische dennoch whlen muss Das Vermgen des Magnesiums, sich beim Erhitzen bis zum Glhen mit dem Sauerstofi' der Luft zu MgO zu verbinden und zwar mit intensiv weissleuchtender Flamme hat dem Metall jetzt schon einen weiten und bedeutungsvollen Wirkungskreis erschlossen. Das entwickelte Licht ist sehr bedeutend und erreicht z. B. schon bei Verbrennung eines Bandes von 3 mm Breite und ^/oonim L>icke eine Strke von 150 bis 200 Nonnalkerzen , so dass sich durch das gleichzeitige Verbrennen mehrerer Bnder grosse Licht- effekte bis zu mehreren Tausend Normalkerzen erzielen lassen, was ungefhr der Leistung einer der grssten jetzt gebruchlichen elek- trischen Bogenlampen gleichkommt. Was aber dem Magnesium als Lichtquelle besonderen Wert verleiht, ist die ausserordentliche che- mische Wirksamkeit seiner Strahlen, die vollstndige Weisse seines Lichtes und endlich die grosse Leichtigkeit, mit der man es an jedem Ort und zu jeder Zeit ohne Vorbereitungen anwenden kann. Fr einen so eigenartigen Krper, wie das Magnesium, raussten natrlich, wenn es sich um eine rationelle Anwendung handelte, auch besondere Einrichtungen getroffen werden , um dessen Verbrennung dauernd und den verschiedenen Zwecken ent- sprechend nutzbar betreiben zu knnen, und dies geschieht iu den Magnesiumlampen, in welchen das Magnesium in Form eines dnnen Bandes (in Rollen) eingelegt und durch ein Uhr- werk fortdauernd in dem Masse vorgeschoben wird , wie es im Vorderteile der Lampe verbrennt. So manche Formen und Kon- struktionen von diesen Lampen sind in den letzten Jahren aufgetaucht, die meisten, um als unpraktisch bald wieder vom Markte zu verschwinden; als wirklich gut haben sich allein die Ney'schen patentierten Magnesiumlampen bewhrt, welche wir in Fig. 1. verschiedenen Formen unseren Lesern heute vorfhren. I )ie Firma 0. Ney, Berlin, hat schon vor 4 Jahren dem neuen Beleurhtungs- krper ihre ganze Aufmerksamkeit zugewandt und es ist ihr auch nach jahrelangen, mbi-vullen Arbeiten gelungen, eine eben.so geist- reiche, wie zuverl.ssig'e Lampen-Konstruktion zu finden, mit deren Hilfe die Verbrennung des Magnesiums durchaus gleichmssig und dauernd vor sich geht, welche vor allen Dingen den berhaupt er- reichbaren Lichteffekt auf das zulssig hchste Mass bringt. (Siehe Fig. 1.) Diese Lampen linden Anwendung zur Erleuchtung irgend welcher dunkler Rume tr Arbeitszwecke, zur Erzielung von Be- leuchtungsettekten auf Theatern, zu photographischen Aufnahmen, zur feinsten Farbenuuterscheidung bei Nacht (was besonders fr Frbereien und Papierfabriken von grossem Wert ist, da diese fr ihre Farbenbestimmungen nur ein absolut weisses Licht gebrauchen knnen, was keine andere Lichtquelle liefert); endlich noch fr Signalzwecke und in wissenschaftlicher Hinsicht fr Mikrophoto- graphie und Laryngoskopie. Mikrophotographien mit einer Nej'- schen Magnesiumlampe wurden im Pathologischen Institut durch Herrn Professor Fritsch in hervorragend schner Art hergestellt und fanden auf der Naturforscher-Versammlung in Berlin die grsste Anerkennung. In derselben usseren Gestalt nur etwas grsser, liefert die genannte Firma auch Lampen von dreist iuliger Brennzeit, sowie auch solche, welche zur Erhhung der Leuchtkraft fr besondere Zwecke gleichzeitig 2, 3, 5 bis zu 10 JJndorn brennen. Mit Lampen der letzten Art wurde mehrfach die Erleuchtung alter Kirchen und Ruinen behufs deren photographischer Aufnahme zu architektonischen Zwecken ausgefhrt fr das Institut des Regie- rungsrates Meydenbauer in Berlin. Gerade fr derartige Zwecke ist das Magnesiumlicht unersetzlich, weil keine andere ansreicheiuie Erleuchtung sich an solchen Punkten erzielen lsst. und weil man durch die bequeme Beweglichkeit der Lampe im Stande ist. jeden einzelnen Fleck geng-end zu erhellen und unbequeme Sehattenwir- kungen ganz zu entfernen. Fig. 2. Dieselbe Lampe wird auch fr zwei andere wichtige Zwecke iu Anwendung gebracht. Zunchst in Verbindung mit dem Skioptikon. Dieser Fro- jektions-Apparat, der in kleinerem Format als angenehmes und be- lehrendes Unterhaltungsmittel auch iu vielen Familien bekannt ist, dient dazu kleine Negative von mikroskopischen Prparaten, wissen- schaftlichen oder kunstgeschichlichen Objekten einem grossen Zu- hrerkreise gleichzeitig zu demonstrieren, so dass derselbe in vielen Hrslen ein unentbehrliches Lehrmittel geworden ist. (Fig. 2.) Von den frher gebruchlichen Skioptika mit Petruleum- oder Kalklicht unterscheidet sich der Apparat vorteilhaft dadurch, dass er mit bedeutender Lichtstrke die Annehmlichkeit gnzlicher Geruchlosigkeit verbindet und keine nennenswerte Wrme entwickelt, welche beiden Punkte den Operateur bei den alten Apparaten so sehr belstigen. Auch fr Zeichner und Maler sind die mit dem Skiop- tikon kombinierten Magnesiumlampen wichtig. Die meisten dieser Knstler photographiereu heute .selbst und benutzen diese Fertig- keit, um auf ihren Reisen Motive zu sammeln, schn ge- stimmte Scenerien oder im Momentbilde wichtige historische Ereig- nisse festzuhalten, die so treu nach dem Gedchtnis spter wieder- zugeben ganz unmglich sein wrde. Alle diese Studien sind aber, da sie naturgemss auf den kleinen Raum der photographischen Platte beschrnkt sind, niclit direkt fr die Zeichnung oder Malerei spter zu benutzen und hier tritt das Skioptikon in Wirksamkeit. Hiermit entwirft man von der kleinen Platte ein be- liebig grosses Bild und kann nun gleich im richtigen Massstabe eine geeignete Auswahl treffen, auch wohl das Bild schnell mit Kohle auf die Leinwand werfen, wodurch die mhevolle Arbeit des Auf- zeichnens mit weit grsserer Genauigkeit und in dem vierten Teile der Zeit geschehen kann, als sonst. Handelt es sich dagegen um direkte photographische Vorgrs- se'l'ung eines kleinen Bildes, so wird die Magnesiumlampe mit einem Vergrsserungsapparat verbunden, und so entsteht fr den l'hoto- 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. .n giapliiMi eiu sehr wiclitiges Hillsniittel, welches iljii uiiiiljli;iiif,'ig macht von der Tageszeit und den Launen des Wetters. Wollte man frher eine V'ergrrsserung machen, .so war man auf das Tages- licht angewiesen" die erste Bedingung war also ein heller Tag; aber auch wenn der Himmel hinreichend lichtstark war, um die Herstel- lung von Bildern zu ermglichen verdarb die sehr lUUifig und stark wechselnde Helligkeit oft genug viele Abzge, ehe man einen ein- zigen guten erhielt. Alles dies ist jetzt berwunden, denn die Licht- strke des Nej'schen Vergrsserungsapparates ist durchaus gleich- massig, so dass der Operateur bis auf Sekunden genau stets die richtige Belichtungszeit vorher angeben kann , ausserdem aber kann man die kostbare Tageszeit anderweitig verwerten und die Ver- grsserungen in den von sonstiger Arbeit freien Abendstunden an- fertigen, da die Magnesiumlampe jederzeit dienstbereit ist. LIni die Konstruktion eines solchen Apparates (Fig. 3) nher anzu- Fig. 3. deuten, bemerken wir, dass das Licht des Magnesiums hierin durch zwei grosse Kondensationslinsen gesammelt und dem Negativ zu- geleitet wird, welches erhellt, und von dem mit einem photographi- schen Objektive ein beliebig vergrssertes positives Bild ent- worfen wird. Nach allem Gesagten leuchtet wohl die eminente Wichtigkeit des Magnesiums schon allein als Lichtquelle ein, selbst wenn ihm alle anderen Anwendungen in der Technik verschlossen bleiben sollten. Die Leuchtkraft der Sonne ist nur 254 Mal grosser, als die des Magnesiums , aber an chemischer Wirksamkeit der Strahlen wird letzteres nur 5 Mal von ihr bertrotten und lsst selbst das elektrische Licht weit hinter sich zurck. Eine der vorbeschriebenen Magnesiumlampen, deren Herstel- lung von der genannten Firma als .Spezialitt betrieben wird und durch deutsches und englisches I'atent vor Nachahmung geschtzt sind, wird zur Zeit in dem pliotographischen Laboratorium der Kiiigl. Berg- akademie zu Berlin zur Aufnahme polierter EisenHchen, svelclie zum Zwecke einer mikroskopischen Untersuchung farbig angelassen sind, benutzt. Die Einrichtung des hierbei zur Verwendung ge- langenden eigenartigen photographischen Apparates schliesst den fiebrauch des Sonnenlichtes aus, andererseits bedingt das farbige Objekt ein mglichst sonnenilhnliches Spektrum der knstlichen Licht- quelle, eine Bedingung, welche vom Magnesium in durchaus be- friedigender Weise erfllt wird. (Mit Benutzung der Erluterung der Nej'sclien Lampen in der Zeitschrift: Die Sonne".) W. l'tz. Litteratur. R. Handmann : 1) Die fossile Cmichylienfawia von Lcohcrs- dorf im '1'c.iiiiirbcckcn von Wien; 3) Die Ncogenahhtgcnmyen des sterreichisch-ungarischen Tertirbeckens; 3) Kurze Besclirclbuni/ der hufigsten und wichtigsten Teriirconchylien des Wiener Beckens. (1., '2. und 3. mit je 8 Tafeln.) Verlag von Aschendorll' in Mnster. 18S7, 1888, 1889.' I'reis ii 2,40 Mk. 1) Nachdem durch ICarrer auf das Auftreten von Congerien- schichten bei I^eobersdorf aufmerksam gemacht wordi^n war, hat Verfa.sser dort mehrfacdi gesammelt und giebt in der vorliegenden Arbeit von 47 Seiten eine geognostiscln^ Skizze des Vorkommens, eine Aufzhlung der bislang- dort gefundenen Arten und eine lie- schreibnng nebst Abbildung der neuen Arten, welche sich darunter belinden. Von den gefundenen S7 Arten sind 4 mediterrane, 12 sar- matiscbe und 72 Congerieu-Formen. Hervorzuheben ist noch, ihiss der Verfasser die Gattung Melanopsis nach der Beschatfenlieit der Skulptur in 5 Untergattungen zerlegt wissen will. 2) Im Anschluss an die Arbeiten von Fuchs, Karrer, Bartsch, Hoerner etc. etc. giebt Verfasser einen krzeren Ueberblick ber die genannten Ablagerungen. Namentlich die Fuchs'schen Arbeiten haben ihm als Quelle gedient. Bei jeder Abteilung der Neogen- ablagerungen wird eine Liste der dazu gehrigen Versteinerungen angefhrt. Die Tafeln sind der folgenden Abhandlung des Autors entlehnt, beziehen sich auf keine Besclu'eibung, sondern geben eine freie Illustration der hufigeren Arten. 3) Das 164 Seiten umfassende Bchlein soll namentlich das Interesse jugendlicher und angehender Naturforscher, aber auch sonstiger Freunde der Naturwissenschaft fr die Versteinerungen der sterreichischen Tertirablagerungen erwecken. Nach einem kurzen Bliclv auf die geologischen Verhltnisse des Gebietes, resp. die Ein- teilung der Schichten, und die Terminologie in der Systematik der Schnecken und Muscheln werden die hauptschlichsten Gattungen und Arten der dort vorkommenden Tertirconchylien kurz beschrie- ben, jedoch nur ein Teil abgebildet. Zum Schluss werden Listen der Concliylienfauna des Tegels und der Sandablagerung von Vslau, derjenigen von Gainfarn, der sarmatischen Stufe und der Congerien- Dr. Th. Ebert. Ostwald, W., Ueber die Affinittsgrssen organischer Suren und ihre Beziehungen zur Zusammensetzung u. Konstitution dei selben. (Sep.-Abdr.) Lex.-8". (149 S ) b M. Hirzel, Leipzig. Oudemans, J. T., Beitrge zur Kenntnis d. Chiromys Madgas- cariensis Cuv. (Sep.-Abdr.) 4. (22 S. m. 3 Taf.) 2 M. Job. Mller, Amsterdam. Pernter, J. M., Scintillometer- Beobachtungen auf dem Hohen Sonnenblick (3U9.5 m) im Februar 1888. (Sep.-Abdr.) (8 S.) 30 ^. Frey tag, Leipzig. Peter, B., Monographie d. Sternhaufen G. C. 4400 u. G. 1440, sowie e. Sterngruppe bei l'iseium. (Sep.-Abdr.) Lex.-S". (92 S. m. 2 Taf) 4 M. Hirzel, Leipzig. Peyritsch, J., Ueber knstliche Erzeugung von gefllten Blten und anderen Bildungsabweichungen. (Sep.-Abdr.) (9 S.) 30 .j. Frey tag, Leipzig. Plante, G., Die elektrischen Erscheinunge:i der Atmosphre Deutsche Ausg., besorgt v. J. G. Wallentiu. (X, 142 S.) 5 M. Knapp. Halle. Posewitz, Th., Borneo. Entdeckungsreisen und Untersuchungen. Gegenwrtiger Stand der geologischen Kenntnisse. Verbreitung der nutzbaren Mineralien. (XX, VII, 385 S. m. 4 Karten, 29 Pro- filen u. lllustr.) 15 M. Friedlnder & Sohn, Ijerlin. Biecke, E., Budolf Clausius. Rede. gr. 4". (39 S.) 2,40 J(. Dieterich, Gttingen. Riedel, O., Die Bedeutung des Dinges an sich in der Kantischen Ethik. (39 S.) 1 JC. Schrader, .Stolp. Roosa, D. B. S. J. , Lehrbuch der praktischen Ohrenlieilkunde. Nach der G. Auli. d. Orig. bearb. von L. Weiss. (.\.ll, 396 S. m Hulzschn.) 10 JC. A. Hirschwald, Berlin. Rubner, M., Lehrbuch der Hygiene. Neubearbeitung als 3. AuH. d. Lehrbuchs der Hygiene v. J. Nowak. 3. Lfg. (S. 177-272 m. lllustr.) 2 JC. Fr. Deuticke, V'erl., Wien. Schubert, H., Die (Quadratur des Zirkels in berufenen und unbe- rufenen Kpfen. Eine kulturgeschichtl. Studie. (40 S.) 80 (. Verlags-Anst. u. Druck. A.-G., Hamburg. Briefkasten. Herrn Lehrer H. Kuttner. Das reichhaltigste Buch ber Sss- was.ser- Aquarien ist: 1 r. W. Hess: Das Ssswasser-Aquarium und seine Bewohner". Stuttgart, 18S6, bei Ferdinand Knke. Als Bezugsquellen fr Aquarien -Tiere und -Ptianzen nenne icli Ihnen folg^ende: 1) H. Daimer, Berlin, Kochstr. 55. Tiere und Panzen. 2) Paul Matte, Lankwitz- Berlin. Zuchtanstalt fr Zier- fische, Amphibien und WasserpHanzen. 3) Wilhelm Geyer, Regeusburg (Bayern). Vorzglicli WasserpHanzen, reiche Auswahl, auch Tiere. 4) Huhndorf, Breslau. Tiere und Pflanzen. Bei 1), 3) und 4) sind Aquarien, Grotten \ind alle Hilfs- mittel, ferner Fische, Amphibien und Wasserpflanzen zu haben. H. Lachinann. Iiilialt: Prof. Dr. Foerster: Die schliesslichen I^rgebnisse der I'orschung betreifend die Krakato.a-Phnomene. Dr. P. Andries: E. Glaser: Der ITeerwurm" beobachtet am 26. .luli 1886 bei Stolberg Industrie. (Mit Abbild.) Litteratur: 1!. Ilandmann: Liste. Briefkasten. Die physische Konstitution der Sonne (Fortsetzung.) . _, .. am Harz. Das Magnesium als Licliti|uelle in der Wissenschaft und ( 'oni'hvlienfaiina. '' ' ' .,..._-.-_ Verantw. Redakteur; Dr. Henry Pcjtonie, Berlin NW. 6, fr den Inseratenteil: Hermann Riemaiin. Verlag: Hermann liiemaun, Berlin NW. 21. Druck: Gebrder Kinsau, Berlin SW. 12. Hierzu eine Beila;;e, ivvlflie wir boMonderi zu lieaclitoii bitten. pcKjT. c-^d.zrrs-- fleilae-ziFj^ ;1l^rwissenschaftlicheBJIocbeflsdirif^ ' ...... Biejeiiigeni-Tinserer geshiamen Abonnenten, welche mit dem Abonnemeuatsbetrag pj IV. Band I. Quartal noch im Rckstnde sind, werden hflichst ersucht,, denselben bis zn 10. n. Mts. eiuzusendejp[.- Alle big dahin nicht bezahlten Betrge werden "lier Pbstknftrag, un" Zuschlag von 50 Pfg. erhoben, in der, Annahme, dass'ie|^jei;|lZ^hl^lng^i^^^^ wir ^^SeJ^rS^^"' Die Expedition- der ,,Naturi/i^Ch^l^r^^^ Soit Allfang diese.s Jalires ersclioint di> Praktische Physik Zeitschrift fr ExperimentalphysikiT, studierende der Physik, Mechaniker, Optiker usw. und Organ fr den physikalischen Unterricht. Unter Mitwirlcuiig liervorragender Autoritten unil bewlirter Faelimiiiiev (lOOJ lierausgegeb. von Dr. M. Krieg. Monatlicli 11'/:. Bogen. Prei.s lialbjlirlicli ."! JC. Die Pralitisehe Pliysili" luthrt Original- Artikel, welche sich auf die Praxis der Pliy.sik beziehen, untersttzt die Verti'entlicliung guter und hraucliliarcr, teils verbesserter, teils neu konstruierter Ajiparate und ist eine C'entralstelle aller Bestrebungen zur Frderung der physikalischen Technik und der iihysikalischen Demonstrationen. 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Ce jounial devrait se ti'ouver dans toutes les familles, il contient, en outre de l'annonce jour ji.ar jour de tous les phe- nouienes Celestes, des cartes du ciel representant, de 8 en 8 jours, l'aspect du ciel visible ii heures du soir, avec la Lnne et les planetes leurs places respectives pour le jour en qnes- tion. 11 publie en feuilleton un dictionnaire elennjutaire d'astro- nomie. n numero d'essai contre reception d'un timbre de 15 cent. : : : t J. F. G. mlauff Museum u. Naturalien- Handlung Hdmhtinj IV empiiehlt Skelette und Blge von Sugetieren, Vgeln, Reptilien usw., wonilier l'rei.sver/.eiehiii>,^e gratis und fiankn. IKU 1er tecliiiisclieii, liidiiSeiTb i'lilir.lifiii rrfiliiRtf! I Die Nester und Eier der in Deutschland und den an- grenzend. Lndern brtenden Vgel. Von 7>c. K. UillihtUd. 3. Auflage. Mit 229 Abbildungen. 25) Geh. Preis 3 Mk. Leipzig. C. A. Koch's Verlag. ""'"1 Botanisier- Bchsen, -Mappen, -Stcke, -Spaten Loupen, Pflanzenpressen jeder Art, Gitterpressen 'JC-. 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Da msste man von Donders sagen, dass seine Begabimg unendlich viel grsser gewesen als die Gele- genheit, die ihm in seinen frhesten Jahren zu geistiger Entwicklung geboten ward. Am 27. Mai 1818 zu Tilburg geboren, genoss er seine Schulbildung im Kloster zu Boxmeer und bezog im Jahre 1835 die Universitt in Utrecht. Whrend seiner Studenten- jahre hat sich Donders vor Allem dankbar des Einflusses des Physikers Moll erfreut. Dieser Einfluss war ein doppelter. Es ward dem Schler das Interesse fr reine Naturwissenschaft eiugeflsst und der sichere Weg zu vorurteilsfreier Forschung gebahnt. Das Untersuchen ward zur hchsten Aufgabe gemacht, den Wissbegieri- gen, den curiosi naturae die Richtung fi- ihr ganzes Leben gewiesen. Donders hat dui'ch sein Beispiel die Wahrheit dieser Behauptung bekrftigt. Der Ausgangspunkt seiner Stu- dien, die erste Offenbarung seines wissenschaftlichen Be- rufes galt der Heilkunde. Er hatte sich alles angeeignet, was man zu jener Zeit von einem Kriegsarzt fordern durfte. Kein Zweig der medizinischen Wissenschaft war ihm fremd. Wenn es die Umstnde mit sich gebiacht htten, wrde er der Heil- oder Wundarzneikunde die- selben Dienste geleistet haben, durch welche er die Augenheilkunde wissenschaftlich entwickelt, werkthtig angewandt und menschenfreundlich zur Ausbung vor- bereitet und verbreitet hat. Allein das Auge zog ihn vor Allem an. Die kleine Welt, aus der das Herz des Menschen spricht, die alle *) Weseutlicli aus: Jac. Mole.schott, Franciscus Cornelius Donders. Vergl. weiter hinten in Rubrik Litteratnr" die Hesprechungf dieser Scbrilt. Kfd. Systeme seines Krperbaus umfasst, in welcher man den Blutlauf und unsere Emptindlichkeit unmittelbar belau- sclien kann, der wir den besten Teil unserer Bekannt- schaft mit dem Weltall und unseres Gleichen verdanken, welche besser als irgend ein anderes Werkzeug natr- liche Un Vollkommenheiten ausgleicht und sich, den ver- schiedenen Anforderungen der Aussenwelt anpasst, das lehrreichste Beispiel der richtigen Verteilung des Lebens zwischen Arbeit und Ruhe, die kleine Welt bte ihre Anziehungskraft auf ihn. Im Lande von Huygens und SneUius mochte er leicht erkennen, dass in jenem empfindung-sreichen Mikro- kosmos die reinsten physikalischen Gesetze ihre sicherste Anwendung finden, und dass dem Arzt, wenn ihm die Sicherheit des Erfahrens mehr gilt als geistreiche Ver- mutungen, kein schneres Feld offen steht, um seiner Freude an der Physik als Leiterin und Leitstern der Heilkunde zu gengen. Und was war die Folge dieser Erkenntniss? Donders hat uns gelehrt beim Menschen noch innerhalb der Grenzen der Gesundheit Weitsichtige, Kurzsichtige und Wohlsichtige zu unterscheiden. Ihm verdanken wir's, dass wir von der Verwirrung befreit sind, welche zwischen unregelmssiger Brechung und mangelhafter Anpassung des Auges fr Gegenstnde in verschiedener Entfernung herrschte. Und wer erkennt nicht, auch ohne Arzt zu sein, dass von der riclitigen Einsicht in diese Zustnde die HUfe abhngt, die der Arzt dem Ratbedrftigen ver- leihen kann? Aber ich bin meiner Aufgabe vorangeeilt. Ich sah das Bild des vollkommen entwickelten Mannes so lebhaft vor mir, dass sein sprechendes Antlitz mich abzog von dem Leben, das voranging, bev'or er seinen Gipfel er- stiegen. Es verdient Beachtung, dass Donders in seiner Dis- sertation bereits manche Frage aufgeworfen unil in An- griff genommen hat, welche ihm .spter Stoff zu ergie- biger wisseuschaftli(!lier Arbeit geben soUtf, so zum Bei- 42 Naturwissenschaftliche Wochenschriit. tifr. 6. .spiel die nach dem Ulutlauf im Gebira. Er .stieiite Samen in sich selber, der dazu bestimmt war ppig auf- zugehen. Seine jugencUiche Vorschau war viel ver- lieissend, weil er, immer klar und logisch, keinem Hkn- gespinnste nachjagt, keinen Stein der Weisen sucht, kein Gold zu machen bestrebt ist. Insbesondere daif ich nicht verscliweigen, dass er die Thatsachen und deien physio- logische Errterung musterliaft auseinander hielt, whrend er mit grosser Sicherheit des UrteUs eine ebenso rh- menswerte Bescheidenheit verbindet. Man konnte aus Donders' Dissertation sehen, was man von diesem Jng- ling erwarten durfte. Und doch scheint, nachdem er seine Studien rhmlich vollbracht hatte, ein scheinbarer Stillstand eingetreten zu sein. Er verbrachte einige Zeit im Haag als Gesundheitsoffizier, beliebt und gesucht, und er scheint damals mehr in geselhgem Verkehr ge- glnzt, als fr die Wissenschaft gelebt zu haben. Es war eine Zeit der Brache, wie sie mehr bei ausgezeich- neten Mnnern vorkommt, eine Zeit der Ruhe, nach welcher die grsste Fruchtbarkeit erwacht. Indess er sehnte sich danach, dem Weixlen der Wissenschaft bei- zuwohnen. Donders blieb nicht lauge sich selbst berlassen. Schon im .Jahre 1842 finden wir ihn in Utrecht wieder, nur wenig ber 24 .Jahre alt, an der Schule fr Militr- rzte Anatomie und Physiologie des Menschen lehrend. Das Feuer lag unter der Asche. Ein Atemzug von Mulder und es loderte in hellen Flammen auf. Zu jener Zeit das Hauptjahr war 1845 be- arbeitete Mider seine berhmte physiologische Chemie. Man kann nicht sagen, dass er sie schiieb, nein, er be- arbeitete sie. Von diesem schpferischen, weittragenden Buche, das weniger aufregend und genial, aber tiefer und grndliclier war als Liebigs hnliche Schriften, war allei'dings durch Mulders eigene Untersuchungen manches Kapitel vorbereitet, allein es lag in der Natur der Dinge und in Mulders Entwicklungsgang, dass er Gegenstnden begegnen musste, die fr ihn und die Wissenschaft eine fast unbekannte Welt umschlossen. Mulder ist einer der Ersten, wenn nicht geradezu der Erste gewesen, der es begriff, dass es der Lehre vom Stoffwechsel niclit um die Kenntnis der chemisciien Zusammensetzung der Organe, sondern um diejenige der Gewebe und ihrer Formbestandteile zu thun ist. Die Gewebelel'e war damals nocii ein junger Zweig der Wissenschaft. Sclileidens und Scliwanns Entdeckungen tragen die Jahreszahl 183S. Sie begannen die organische Formenlehre umzugestalten, und erst im Jahre 1842 war das grosse Werk von Henle erschienen, das die Um- wlzung der Anscliauungen und Denkbilder in ein breites, abei- verhltnismssig ruhiges Strombett leitete. Um jedoch die Bestandteile der Gewebe chemisch zu uutersuchen, musste man den Muth haben, cliemische Mittel anzuwenden. Schwann und Henle kannten kaum ein anderes als Essigsure und Wasser, und ich sehe nodi das unglubige Staunen auf Henles Antlitz, als icli ihm im Jahre 1844 erzhlte, dass Mulder und Donders damit beschftigt wren, die Gewebe eines nach dem andern mit Laugen und Schwefelsure anzugieifen. Aber dem Mutigen gehrt die Welt. Mulder iiatte sich bei den betretienden Untersuchungen Harting fr das PHan- zenreich und Dondei's lr das Tierreich zugesellt, und vielleicht ist niemals eine ganz neue und umfangreiche Untersuchung methodischer, folgerichtiger und siclierei' ausgefhrt worden. Mit st^hnellen Schritten ward das Ziel envicht, und wer dereinst t^insiclitsvoll die (iescliiclite der Gewebelehre schreiben sollte, vvii'd zu zeigen haben, wie die allgemeinen Anschauungen, welche Virchow und Andre zu einer richtigen Klassification der Gewebe und ihrer Bestandteile bestimmten, zu einem guten Teile den mikrochemischen Untersuchungen von Donders und Mulder ihren Ursprung verdanken. Donders war unbertrefflich vorbereitet fr den Teil der Arbeit, der ihm zutiel; er hatte von Henles Allgemeiner Anatomie beinahe jede Zeile im Gedchtnis. Wir alle, die wir es spter als unerlsslich erkannt haben, bei der Untersuchung der Gewebe die chemischen Hilfsmittel nebst Messer und Nadel anzuwenden, wir folgen der Spur, die uns Donders und Mulder, die uns Mulder und Harting gewiesen. Und dies war Donders' erste Leistung. Es ward damit eine Zeit von grosser Fruchtbarkeit eingeleitet. Donders fhlte die Pflicht der fortschreiten- den Wissenschaft, so zu sagen, tglich das Woi1 zu leihen. Er fhlte l^edrfnis nach einem Organ, in wel- chem er die Ergebnisse seiner Untersuchungen und seine Betrachtungen unabhngig und schnell dem wissenschaft- lichen Pubhkum darbieten knnte. So entstand das Nederlandsch Lancet, welches er mit Ellerman und .Jansen, die mit ihm an der Schule fr Militrrzte lehrten, her- ausgab. Unzhlige Aufstze hat Donders fr diese Zeit- schrift verfasst, und sie waren nicht weniger fiuchtbar als zahlreich. Neben dieser ursprnglichen Arbeit entstanden Ueber- setzungen vortrefflicher deutscher Bcher, so von Stro- meyers Chirurgie und Ruetes Augenheilkunde. Und als ob es damit noch nicht genug wre, schloss sich Donders seinen Freunden Van Deen und Moleschott an, um in einer deutschen Zeitschi'ift die biologischen Unter- suchungen zu verffentlichen, welche von ihnen und anderen Fachgenossen unternommen wurden. Mulders thtige Teilnahme Hess auch hier niclit auf sich warten. Man glaube aber nicht, dass Donders seine gln- zende Weltlaufbahn nur seiner Begabung und frhzeitiger Anei'kennung zu danken hatte. Donders ist vielmehr auch seinerseits eine leuchtende Besttigung der Regel, dass kein Meister vom Himmel fllt. Er ist ein Beispiel von unermdlich eroberndem Fleisse. Und er ist es beinahe sein ganzes Jjeben gewesen. Immer ruhig, nie- mals aufgeregt, widmete er alle seine Zeit der Wissen- schaft und ihrer Verwertung. Und wie anspruchslos war jener Fleiss, der sich in ruhiger Errterung erging, die Fragen allseitig in Angi'iff nahm und gelegentlich die eine oder die andre erschptte! Wie einfach waren die Mittel der Untersuchung! Es ist eine bekannte, ein wenig beissende Einteilung Doves, nach der es Physiker giebt, die mit prachtvollen Kabinetten wenig oder nichts zu Tage frdern, whrend andre mit Scherben und Schrauben der Natur ihre Geheimnisse entlocken. Und Pflger um auch einen Physiologen anzufhlen - bat spter gesagt: Man tuscht sich sehi, wenn man meint, die exakte Forschung lge in der Wahl glnzen- der und kompliziei'ter Apparate." Ein Band, ein klei- ner Spiegel, eine Spielkarte, ein Mikroskop, das wai'en zu jener Zeit die Schtze seines Laboratoriums, alter wie verstand er es, diese bescheidenen Mittel auszu- beuten! Ist es zu verwundern, dass der Mann, der mit so einfachen Hilfsmitteln die Bewegungen des Auges er- forschte, von welchen unter Anderem die Harmonie unsers Blickes abhngt, dei' die i<]mpndlichkeit dei- Netzhaut mit Hilfe der schattenwerfenden Krperchen im Auge prfte, der das einfachste Mittel angab, um ohne Spiegel sogar der Spiegel wai' noch zu viel ! die verschiedene Weite unsrer Pupille zu beuileilen, ist Nr. fi. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 es zu verwundein, dass der Mann, der mit dem ein- faclisten Senlibiei das wunderbar zusammengesetzte Werli- zeug- ergrndete, das man unsre kleine Welt nennt, sich zum Range eines der ersten Augenrzte unsres Jahr- hunderts emporscliwang, gleichviel ob man dabei an den Heillinstler oder an den Naturforscher denkt? dass um auch dem Laien eine Probe zu geben sein Werk ber die Felili^r der Anpassung und Brechung des Auges, welches auch deutsch, franzsisch, italienisch, spanisch und russisch erschien, von Sydenhams Gesellschaft in London im Jahre 1864 herausgegeben ward, eine Ehre, die nur den ausgezeichnetsten und ntzlichsten Bcliei'n zu Teil wird? war es zu veraumdern, dass er auf den Schwingen der Wissenschaft der Busenfreund ward von Albrecht von Graefe, den ihm v. Jger in London bei Guthrie in die Arme warf? jenes Albrecht von Graefe, der sich als seinen Schler und den Benders seinerseits als Meister anerkannte, Donders Meister in der Lehie und Graefe in der Kunst, und dennoch beide kaum oder doch nur von sehr Wenigen erreicht, beide, wie Jger sagte, einander ergnzend und zusammengehrig. Aber was bedeutet all unser Wissen, was hat es mit aller Weisheit auf sich, wenn sie nicht werktlitig und wohlthtig wird? Die Eniclitung des niederlndi- schen Spitals fr drftige Augenkranke in Utrecht ist die Antwort auf diese Frage, und Donders war dessen Grnder. Von dieser wunderbaren Anstalt weiss man nicht, wem in ihr der erste Kranz gebhrt, dei' Wissen- schaft oder der Menschenliebe. In Ermanglung eines zweckmssigen Gebudes, das sich zu einem Spital fr Augenkranke htte verwenden lassen, kam Donders auf den Gedanken, einen Aufruf zu erlassen an die Wohl- thtigkeit des niederlndischen Volkes. Man kam von allen Seiten seinen Wnschen entgegen. Er hatte sicli niemals ber Widerstand zu beklagen. Die Besten des Landes und die Angesehensten, vornan Professor Suerman und der Knig selber, untersttzten ihn mit ihrem Ein- fluss uud mit ihrer Gunst. In wenig Monaten war die Errichtung des niedeiludischen Augenkrankenhauses ge- sichert. Die Anstalt konnte von Anfang an mit den besten in Europa bestehenden wetteifern. Sie ist zu- nchst zur liebreichen Hilfeleistung fr arme Augen- ki'anke bestimmt. Aber die Anstalt ward zugleich dem Unterricht in der Augenheilkunde gewidmet und ist eine Uebungsschule fr knftige Augenrzte. Der Zufluss von Schlern war so gross, dass man von Holland vielleicht besser als von irgend einem andern Lande sagen kann, es habe beinahe keine Stadt oder Stdtchen, das sich nicht eines tchtigen Augenarztes erfreute. Zu Ende des Jahres 1858 ward das Spital erffnet. Nachdem Donders ein Vierteljahrhundert der Anstalt voigestanden hatte, bergab er deren Leitung an Snellen. Dieses Krankenhaus ist ein monumen- tum aere perennius, das so langte blhen wird, als es Augenkranke giebt, so lange sich mehi'en, als Niederland Mnner wie Huygens und Donders zu schtzen weiss. Es giebt wenig Gegenstnde in der Biologie, mit denen sich Donders nicht fruchtbar befasst hat, wenig Kapitel, in denen sein Name nicht genannt zu werden braucht. Eine von den wenigen Ausnahmen ist vielleicht die Entwicklungsgeschichte in dem besonderen Sinne, in welchem die Lebenslehre dieses Wort gebraucht. Jvurz- um, Donders war einer der vielseitigsten und eifolgreich- sten Physiologen, welche die Wissenschaft besessen hat. Am tiefsten ist er allerdings in die Natur- und Heil- kunde des Auges eingedrungen. Als seine Physiologie des Menschen erschien, ward dieses Lehrbuch alsbald von Professor Theile ins Deutsche bersetst, was eine besondere Genugthuung fr- den Ur- heber sein nnisste, dei' frher wissenschaftliche Werke aus Deutschland, das an Lehrbchern so tiberreich ist, nach Holland verjiflanzt hatte. Und jenes Handbuch, das seinen Gegenstand so ebenmssig, so ui'sprnglich und zugleich treu im Erkennen fremden Verdienstes be- handelt, so klar und bndig als vielseitig, htte eines der verbreitetsten werden knnen, wenn Donders' zahl- reiche Pflichten ihm erlaubt htten, es zu vollenden. Als Dondeis voi' etwa 2 Jahren sein siebenzigstes Lebensjahi' vollendete, musste er nach niederlndischem Gesetz in den Ruliestaud treten, obwohl er noch gesund und thtig, unermdlich im Forschen, klar und anregend im Lehramt war. Seine Freunde und Schler sahen ihn schmerzvoll aus der Reihe der Hochschullehrer scheiden; sie hegten aber die Hoffnung und den Wunsch, dass Donders noch lange Jahre in Ruhe wirken und schaffen wrde. Es kam anders. Am 24. Mrz starb er, der sich als Mensch und als Forscher gleiche Be- wunderung eii'ungen hat und der eine Zierde seines Vaterlandes i\ar. Die physische Konstitution der Sonne. Von Dr. P. Andries. (Schluss.) Auf der Sonne belinden sich nun die Bestandteile der Photos]ihre und Chromosphre in den verschiedensten Zustnden der Molekularstruktur, die Atome machen also je nach dem Grade dieser Zustnde die verschiedensten Schwingungen, die sich als Wrme-, Licht- und elek- tiische Schwingungen foilpflanzen. Das Licht der Sonne ist wie dasjenige des galvanischen Lichtbogens reich an ultravioletten Strahlen, und schon diese einfache That- sache weist auf die elektrische Natur der Sonnenstrahlen hin; wenn man aber beicksichtigt, dass jene ultra- violetteu Strahlen geiade die chemisch wirksamen sind, die chemische Wirkung-, wie eben gezeigt, in einem causalen Zusammenhange mit den elektrischen Erschei- nungen steht, so wird es begreiflich, dass innerhalb der Photosphre und Chromosphre gewaltige elektrische Prozesse vor sich gehen mssen. Darauf deuten auch die bei grsseren Protuberanzen auftretenden Lichtblitze, Lichtflocken und Liclitfunken sowie die bei Sonnen- finsternissen wahi'zunehmbaien kui'zen, lebhaften, einer elektiischen Entladung hnlichen Flammenbschel hin.*) *) Zllner beobachtete beim Studium der Protuberanzen im Spektroskop in '! bis 4 ]\Iiniiten Abstand vom Sonnenrande und iil) er demselben helle, linienartige Blitze. Diese Blitze erstreckten sich ber den ganzen im Gesichtsfelde befindlichen Teil des Spek- trums und steigerten sich an einer bestimmten Stelle des Soiinen- randes zu einer solchen Hufigkeit, dass der Eindruck entstand, als ob das ganze Spektrum von geradlinigen Funkenbahnen schnell auf- einander folgender elektrischer Entladungen durchzogen wrde. Prof. Vogel machte spter an einer anderen Stelle des Sonnenrandes dieselbe Wahrnehmung (Zllner, Wissenschaftl. Abhandl. Bd. 4, S. 63.) Man hat diese Erscheinungen durch in der AtmosphSre herumfliegende Spinnengewebe zu erklaren versucht; es wSre aber mehr als wunderbar, wenn bei den zahlreichen, an den verschiedensten Orten und zu verschiedenen Zeiten gemachten Beobachtungen von 44 Naturwissenschaftliche W ochenschrif t. Nr. 6. Diese eleldrische Natur der Piotuberanze wird ferner bewiesen durch die sie begleitenden magnetischen St- rungen und Nordlichter auf der Ei-de. Endlich knnen wir noch auf die elektrische Repulsion, die sich den Kometen gegenber manifestiert, hinweisen; wir sind also berechtigt, die lieftigen Voi'gnge auf der Sonne mit elektrischen Prozessen in Verbindung zu bringen. Vom Standpunkte unserer Auflassung wird auch auf die Erscheinung der vernderlichen und pltzlich auf- leuchtenden Sterne ein neues Licht geworfen. Wenn unsere Sonne nach vielen Jahrhunderttausenden den Vor- rat ihrer lebendigen Kraft bedeutend erschpft haben wird, so muss der Zeitpunkt eintreten, wo die Photo- sphre infolge geringerer Thtigkeit des Kerns, nicht mehr in dei' bisherigen Weise unterhalten wird. Dann muss dieselbe aber bedeutend an Glanz, Wrme und elektrischer Kraft verlieren, und sich immer mehr jenem Zustande nhern, den wir an den Grenzen unserer Atmo- sphre als Nordliclit wahrnehmen. Ihr Licht wird also nicht mehr die grossen Entfernungen des Weltraums durchdringen knnen. Hat dieser Zustand abgeschwch- tei- Thtigkeit zwischen Kern und Photosphre eine Zeitlang gedauert, so wird ersterei- wieder eine gewisse Menge lebendiger Kraft gesammelt haben, womit das frhere Spiel des Ausgleichs zwischen beiden von neuem beginnt und so lange dauert, bis die gesammelte Energie durch die I^hotosjihre in der Foim von Wrme-, Licht- und elektrischen Strahlen in den Weltraum zerstieut ist. [dieser Wechsel zwischen dem Zustande des Leuchtens und Nichtleuchtens kann Jahrtausende whren, nur wer- den die Zeitrume des leuchtenden Zustandes immer krzer, die des nichtleuchtenden immer lnger. Man kann diese Erscheinung dem wiedei'holten Aufflackern eines dem Erlschen nahen Lichtes vergleichen. Auf diese Weise wird das pltzliche Aufflammen eines bisher blitzartigen Erscheinungen auf der Sonne gerade jedesmal ein Spinn- faden in die Gesichtslinie geraten wre. Es handelt sich ohne Zweifel um wirkliche elektrische Erscheinungen, die bei unserer Auf- fassung auch fast selbstverstndlich sind ; wir beobachten schon bei unseren Tornados heftige elektrische Entladungen, wie viel mehr sind sie auf der Sonne unter den oben geschilderten Bedingungen denkbar, ja geradezu eine notwendige Fordening. Mit den elek- trischen Vorgngen stehen auch, wie schon bemerkt, die Wrme- und Lichterscheinungen im Zusammenhange. Man nimmt bekanntlich an, dass die durch die attraktive Kraft der Sonne bewirkte Zusammen- ziehung den Wrmeverlust durch Ausstrahlung ersetze; dann mssfe also diese durch die Zusammenziehung erzeugte Wrme den Wrme- verlust decken, wenn Gleichgewicht zwischen Wrmeerzeugung und Wrmeabgabe bestehen bleiben soll. Es unterliegt aber gar keinem Zweifel, dass die Attraktionswirkung gegen die Wrmewirkung gar nicht aufkommen kann, denn die letztere berwiegt bei allen Er- scheinungen, die wir beobachten knnen, so sehr an Kraft, dass die anziehende Kraft dagegen fast verschwindet. Fhrt man einer eisernen Kugel mehr Wrme zu als sie an ihre Umgebung abgeben kann, so dehnt sie sich unfehlbar aus und geht zuletzt in den gas- frmigen Zustand ber, wenn ihr nur die erforderliche Wrmemenge zugefhrt wird. Hrt diese Wrmezufuhr jedoch gnzlich auf, so wird die Kugel sich ebenso unfehlbar zusammenziehen, wie sie frher sich ausdehnte; dieses Zusammenziehen ist aber lediglich die Folge der Temiieraturabnahme, sie zieht sich zusammen, weil sie Wrme verliert. Die Kontraktion kann also nicht die Ursache einer Wrme- entwicklung sein (abgesehen von etwaigen chemischen Verbindungen oder usseren Druck), sie muss berhaupt gleichen Schritt mit der Abkhlung halten und kann derselben nicht voraneilen. Bei einer gros.-ien Gaskugel liegen nun die Verhltnisse etwas anders; indessen haben wir diesen Fall nicht in Betracht zu ziehen, denn die Sonne kann keine aus Gasen bestehende \'ollkugel sein. Gegen diese An- nahme spricht das in diesem Falle zu hohe spezifische Gewicht der- selben, besonders wenn man den usserst geringen Druck innerhalb der l'hotosphre und ChromosphSre bercksichtigt; ausserdem nissten die Gase dieser Vollkugel wegen der enorm hohen Temperatur, die wir ihr als Sonnenkrper beilegen mssen, sich im Zustande so hoher Spannung befinden, dass die Existenz derselben in der jetzigen Ge- stalt der Sonne undenkbar wre. Eine solche Gaskugel wre ber- nur scliwach siclitbaren oder ganz unsichtbaren Sternes erklrlich. Die sogenannten vernderlichen Sterne be- finden sich aber noch nicht in jenem fortgeschrittenen Stadium der Abklilung, wo nur noch in gro.ssen Haufen ein Aufleuchten erfolgt; der Kern besitzt noch soviel Energie um in regelmssigen und kleinei'en Z'wischen- rumen der Photosphre neue Kraft zuzufhren, sodass letztere in bestimmten Zeiten von neuem zu erstrahlen vermag und dadiu'ch jene Vernderlichkeit der Licht- strke erzeugt, die wir bei vielen Fixsternen walirnehmen. Die mittelst der Sjiektralanalyse gewonnenen Resul- tate in betreft' der vernderlichen Sterne dienen nur zui' Besttigung der eben ausgesprochenen Ansicht. Die Veinderlichkeit der Sterne ist allgemein mit einer rt- lichen Farbe und einem Bandenspektrum verbunden, d. h. sie sind von stark ab.sorbierenden Atmosiihren (als Folge der Tempeiaturerniedrigung) umgeben; ausserdem nimmt die Strke ihi-er Absorption zu, je mehr sicii das Licht vermindeit, oder richtiger gesagt, das Licht vermindeit sich, weil die Absorption zunimmt. Bei dem von Ceiaski entdeckten vernderlichen Stern im Sternbilde des Cejiheus werden die blulich weissen Strahlen zur Zeit des Mini- mums rtlich, was nicht auf eine blosse Hemmung der Lichtstrahlen durch einen zwischentretenden dunklen Krper, sondern auf eine selektive Absoi'ption liinweist. Dr. Gould glaubt, dass die meisten Sterne etwas in ihrer Helligkeit infolge von Vernderungen an der Oberflche, hnlich denen auf der Sonne, aber in grsserem Mass- stabe wie diese, hin- und herschwanken und R. Wolf wies schon 1852 auf die berraschende Charakterhnlich- keit zwischen den die Hufigkeit der Sonnenflecken dai- stellenden Kurven und denjenigen Kurven hin, welche die VernderUchkeit der Intensitt des Lichts vieler ver- nderlicher Sterne veran.schaulichen (Clerke S. 450 455). Die Spektralanalyse zeigt ferner, dass bei neuen Sternen die Eruption und die Entzndung ungeheurer Mengen haupt nicht im Stande, ihrer Damptatmosphre vermge der attrak- tiven Wirkung eine Spannung zu erteilen, die gleich dem Maximum der Spannkraft der Dmpfe und Gase fr die herrschende Tempe- ratur ist, sie knnte also im leeren Baume keine stabile Gleichge- wichtsfigur bilden, sondern msste sich mit der Zeit langsam in demselben zerstreuen. Dadurch wrde natrlich ihre Dichte stetig abnehmen, eine Folgerung, der die Ergebnisse der Astronomie ent- gegenstehen. Von einem stetigen Fallen der Atome oder Molekle, als Folge der gravitierenden Wirkung, nach den Centrien hin knnte also wegen der weit aus berwiegenden elastischen Kraft der Wrme- schwingungen gar keine Rede sein. Auf der Sonne ist die Attrak- tion gewiss sehr gross, aber trotzdem berwiegt die Wirkung der dort herrschenden hohen Temperatur so sehr, dass Photosphre und Chromosphre sich im Zustande der ussersten Verdnnung, der Dissociation, befinden und Gasmassen mit unglaublicher Geschwindig- keit in unglaubliche Hhen geschleudert werden. Da aber die Sonne durch Strahlung mit jedem Tage ungeheure Wrmemengen verliert, so muss sie sich doch mit der Zeit zusammenziehen und stetig, wenn auch ussert langsam, an Volumen abnehmen. Der Wrmeverlust der rhotosphre und Chromosphre wird durch den mehrfach er- whnten Austausch zwischen dem Kern und jenen beiden Hllen durch ersten wieder ersetzt, so lange derselbe noch den ntigen Energievorrat besitzt; mit der Zeit wird aber dieser erscluipft und die Sonne in den Zustand der Dunkelheit versinken in dem sich gewiss viele vor Jahrmillionen am Himmel glnzende Steine jetzt schon befinden, wie wir aus der Erscheinung der dunklen Begleiter gewisser Fixsterne, der vernderlichen und pltzlich aufiaiiimenden Sterne schliessen mssen. Woher aber die Wrme, berhaupt die Gesammteiiergie der Himmelskrper stammt, ist ein noch ungelsstes Problem : im gegenwrtigen Zustande der Sonne spielen jedoch die chemischen Verbindungen und Zersetzungen gewiss eine Hauptrolle. Wir wissen, dass die Masse der Sterne aus einer grossen Zahl von irdischen Elementen zusammengesetzt ist und dass durch die chemische Verbindung dieser Elemente ungeheure Wrme-, Licht- und Elek- tricittsmengen erzeugt werden knnen. Diese Entwicklung von Warme, Licht und Elckfricitt auf der Sonne muss dann auch jetzt noch als die Folge foitdauernder clicniischer Prozes.se betrachtet werden . Nr. R. Naturwissenschaftliche Wochenschrift . 45 von Wasserstoff als Ursache des pltzlichen Aufleuchtens angenommen werden mssen.*) Bei Gelegenheit der yonnenlinsterniss im Jahre 1S7S beobachtete man zu beiden Seiten dei- .Sonne zwei grosse schwach leuchtende Liclitflgel, deren Achse genau mit der Ekhptik zusammenfiel. Whrend zu den Zeiten lebhafter Sonnenthtigkeit *) Strenge genommen miiss also auch unsere Sonne zu den vernderlichen Sternen gerechnet werden; sie befindet sich allerdings erst im Anfangsstadiuni der Vernderlichkeit und die Schwankungen ihrer Helligkeit sind noch gering. Es liegen indessen historische Zeugnisse vor, wonach diese Schwankungen zu gewissen Zeiten schon recht bedeutend waren (Wolf, Mitteilungen ber die Soniien- flecken. XIX S. 284290) und neuere Forschungen wie die von O. Frlich (Wiedemanns Annalen 1887.) lassen stark vermuten, dass die Licht- und Wrmeausstrahlung der Sonne tagtglich kleinen Aenderunge.n unterworfen ist. Diese Schwankungen der Intensitt sind auch eine notwendige Folgerung der Zustnde auf der Sonne, wie wir sie frher formuliert haben. Der bestndige Austausch zwischen Kern und Photosphre kann sehr wohl zu Zeiten zu einer "Verminderung der Masse und Intensitt der letzteren, zu anderen Zeiten zu einer Vermehrung der Masse und Erhhung der Intensitt fhren. Man braucht nicht anzunehmen, dass die beiden Strmungen vom Kerne nach der Photosphre und von letzterer nach ersterem zurck sich immer genau die Wage halten, es mssen im Gegen- teil durch diesen Austauschungsprozess kleine Schwankungen in der Masse und Intensitt der Photosphre stattfinden, die wir auf der Erde wegen der relativen Nhe der Sonne und ihres mchtigen Aus- strahlungsvermgens, dass diese kleinen Ab- und Zunahmen verdeckt, kaum wahrnehmen knnen, die alier in der Entfernung einer Kern- weite vielleicht, erkennbar sein mgen. Das Strahlungsvermgen hngt von der Art der glhenden Substanz ab in der Weise, dass eine Flamme je nach der leuchtenden Materie weniger Wrme aus- sendet als eine andere, obwohl sie eine hhere Temperatur besitzt. Die Elemente strahlen weniger Wrme aus als ihre chemischen Ver- bindungen, deshalb wird bei einer verwickeiteren Molekular-Struktur die Ausstrahlung grsser sein, als bei einfacher. Die bei sehr hoher Temperatur stattfindende Dissociation verwandelt die zusammen- gesetzteren Verbindungen in einfachere, woraus folgt, dass das Strahlungsvermgen der Sonne nicht immer zur Zeit der hchsten Temperatur, berhaupt der grssten Thtigkeit am grssten sein muss, dass also zur Zeit der Sonnenfleckenmaxima nicht notwendiger- weise mehr Licht und Wrme ausgestrahlt wird, als zur Flecken- minima. Wir mssen also annehmen, dass ziemlich betrchtliche Schwankungen der Intensitt der Sonnenstrahlung vorkommen, die natrlich sich in ihrer Wirkung auf unsere Erde geltend machen ; damit hngen auch gewiss verschiedene rtselhafte metereologische Erscheinungen auf der Erde zusammen, die sonst unerklrlich bleiben wrden. Desgleichen darf man auch auf eine Vernderlichkeit des scheinbaren Sonnendurchmessers schliessen, indem die Photosphre nicht immer den gleichen Abstand vom Kerne und ebenso nicht immer die gleiche Masse und Dichte besitzen wird. Dieselben Betrachtungen finden gleichfalls ihre Anwendung auf die vernderlichen Sterne und erklren die Thatsache, dass einige derselben wie Alpol, zur Zeit der grssten Helligkeit in weissem Licht erglnzen, was also nicht unbedingt auf eine besonders hohe Temperatur zurckzufhren ist; im Gegenteil deutet dieser Umstand auf eine Abnahme der Energie hin, die ja auch durch den Zustand der Vernderlichkeit gefordert wird. solche Lichtbschel nach allen mglichen Richtungen au.s.strahleu, scheinen sie sich zur Znt der Fleckenminima nur in der Ebene der Ekliptik au.szubreiten, da im Jahre 1867 die gleiche Erscheinung beobachtet wurde (Clerke vS. 23-1 2.35). Wie jede gr.ssere Schwankung in der elektrischen Thtigkeit der Sonne sich auf unserer Erde und hchst wahrscheinlich auch auf den brigen Planeten als magnetische Strung wiederspiegelt, so mssen auch die elektrischen Strme smtlicher Planeten auf diejenigen der Sonne zurckwirken. Letztere bewegen sich aber alle sehr nahe in der Ebene der Ekliptik und so wird es begreiflich, dass zu den Zeiten geringerer Sonnen- thtigkeit der Einfluss derselben, speziell derjenige der beiden als besonders elektrisch wiiksam zu betrachtenden Planeten Jupiter und Satuin, sich in hherem Grade geltend macht und die Materie der Korona unter diesem P^influss hauptschlich in der Ebene der Ekliptik .sich ausbreitet und anordnet. Dies wird zu den Zeiten grsserer Sonnenthtigkeit weniger der Fall sein, da whrend derselben die eigene Kraft der Sonne die An- ordnung der Korona bestimmt, wenn immerhin auch dann der planetarische Einfluss bis zu einem gewissen Grade auftreten wird. Dieser Umstand wirft auch ein neues Licht auf das Zodiakallicht, das wir als eine P^rscheinung terrestri.schen Ursprungs betrachten mssen, wie anderen Orts*) nach- zuweisen versucht wurde; denn man muss annehmen, dass auf der Sonne sowohl, als auf den Planeten die elektrischen Strme, von denen dieselben umkreist werden, voizugsweise in der p]bene der Ekliptik liegen (die Achse Jupiters steht nahezu senkrecht auf derselben) oder mit derselben parallel laufen, also auf die elektrisierten P]is- nadeln unserer Atmosphi'e richtend einwirken und so die Erscheinung des Zodiakallichts verursachen. Dem Leser whd der wesentliche Unterschied zwischen der hier gegebenen Darstellung der physischen Konsti- tution der Sonne und der Wilson-Herschelschen Hypo- these nicht entgangen sein. Wilson supponierte den dunklen Zwischenraum zwischen Photosphre und Kern lediglich, um die Erscheinung der Flecke zu erklren; ohne aber Grnde fr dessen Vorhandeasein beizubringen ; nur in betreff dieses I'unktes besteht eine Aelmlichkeit zwischen unserer und der Wilsonschen Auffassung, in allen brigen aber nicht. PJs bleiben noch einige wichtige Fragen, wie z. B. die Ursachen der Fleckenperiodiritt, zu errtern brig; auf diese soll in einem folgenden Artikel nher einge- gangen werden. *) Naturforscher. 1887. Die leuchtenden Nachtwolken bilden den Gegenstand einer interessanten Arbeit, welche 0. Jesse im Februarheft von Himmel und Erde" verffentlicht, und in welcher derselbe im wesentlichen zu folgenden Ergebnissen kommt. Nachdem im Som- mer 1883 in unmittelbarem Zusammenhange mit dem Krakatoa- ausbruch lange Zeit hindurch auffallend starke purpurrote I)mme- rungserscheinungen regelmssig beobachtet und von der wissen- schaftlichen Welt wie von Laien mit ausserordentlichem Interesse verfolgt worden waren, trat noch vor dem gnzlichen Erlschen derselben im Sommer 1885 eine neue, seitdem regelmssig, wenn auch nur kurze Zeit sichtbare Erscheinung ein, und zwar in Gestalt von leuchtenden Nachtwolken. Dieselben zeigen gegen die hchstens etwa 13 km ber der Erdoberflche schwebenden Cirrus- wolken eine Hhe von etwa 75 km, so dass dieselben sicherlich eine ganz andere Zusammensetzung haben mssen als die letzteren. In Norddeutscldand wurden die leuchtenden Nachtwulken zuerst am 23. und 24. Juni des Jahres 1885 bemerkt, doch waren dieselben bereits am 10. Juni 1885 von Dr. Laska in Prag beobachtet wor- den. Diese Erscheinung whrte fort bis Ende Juli 1885, zeigte sicli Ende M.ai nchsten .lahres wieder, verschwand darauf nach etwa zwei Monaten, und ist seitdem alljhrlich zwischen Ende Mai und Ende Juli beobachtet worden; sie tritt indessen in unregel- mssigen Zwischenrumen von etwa 8 Tagen auf und hlt dann gewhnlich mehrere Nchte hindurch an, hat jedoch schon betrcht- lich abgenommen. O. .Tesse giebt von seiner ersten Beobachtung (23. 6. 85) fol- gende Schilderung: Um 9 Uhr 50 Minuten war der Nordwest- himmel bis zu einer Hohe von etwa 20 Grad mit einer schn ge- zeichneten, hellen, cirrusartigen Wolkenschicht bedeckt, die sich etwa von Nordwest bis Nordnordost erstreckte. In dieser Scliicht. deren unterster Teil mir jedoch durch Huser und Bume verdeckt war. Hessen sich drei horizontale Zonen unterscheiden. Die untere h.'vtte ein glanzloses, etwas gelbliches Aussehen, weiter hinauf folgte ein Streifen von mehreren Graden Breite, welcher Iti einem beraus schnen, weissglnzenden, silberhidichen Lichte leuchtete. Ueher diesem Streifen folgte ein hnlicher mit mattem, blulicliem Farben- 46 Naturwissenschaftliche Wochonschrift. Nr. fi. tun. Auf der Fli^he der leuchtenden Wcjlken Hessen sicli verschie- den gestaltete Figuren, besonders kreisfrmige mit vielfach ver- schlungenen Streifungen erkennen. Das Licht der hellen mittleren Zone war vergleichbar dem Lichte des beinahe vollen Mondes, wenn derselbe zur Zeit des Sonnenunterganges ungefhr 10" ber dem Ortshorizont .sich betindet. Um IOV2 Uhr hatte die Hhe der leuch- tenden Wolken etwas abgenommen; die drei Schichten waren noch vorhanden, die obere war jedoch betrchtlich schmaler geworden." Auffallend ist auch, dass meistens eine .sehr rasche Vernderung der Form der Wolken vor sich geht, die sich in wenigen Minuten vollziehen kann. Die gnstigste Zeit fr die Beobachtung ist dann, wenn die Sonne etwa l" bis 11" unter dem Horizonte sich be- findet, und zwar sind die leuchtenden Wolken im Gegensatz zu den rruswolken immer heller als der sie umgebende Dumnierungs- himmel. O. Jesse hat die leuchtenden Wolken auch photographisch aufgenommen und seiner Abhandlung vier danach gefertigte Abbil- dungen beigefgt. Was nun die Entstehung und die Zusammensetzung dieser merkwrdigen Gebilde l)etrifft, deren Leuchten in einer Reflektion der auf sie fallenden Sonnenstrahlen man bedenke die ausser- ordentliche Hhe dieser Wolken besteht, so kann man die An- nahme, sie wren bisher in jedem .Sommer dagewesen, ohne frher bemerkt zu werden, einmal mit dem Hinweis auf die sorgfltige Beobachtung des Himmels im allgemeinen und in dem Krakatoa- jahri,' 1883 im besonderen zurckweisen, und ferner spricht auch das sehr rasche Abnehmen der Erscheinung, die aber immerhin noch einige Jahre wiederkehren kann, nicht datr, dass dieselbe bereits lange unbemerkt bestanden hat. ( )bwohl nun zwischen der Zeit des Krakatuaausbrnchs und dem Auftreten der leuchtenden Nachtwolken nahezu zwei Jahre liegen, glaubt O. Jesse docli einen Zusammen- hang der letzteren mit jenem aufrecht erhalten zu knnen, und zwar sttzt sich der genannte Forscher im wesentlichen auf folgendes. Wie die gewhnlichen Wolken aus emporsteigendem Wasserdampf entstehen, so kann man auch annehmen, dass bei dem Aufsteigen eines anderen Gases in hhere Luftschichten unter dem Einfluss der daselbst herrschenden sehr niederen Temperatur Wolken zustande kommen. Speziell hat 0. Jesse die sehweflige Sure, welche oft von Vulkanen ausgestossen wird, im Sinne; dieselbe wird unter dem Druck von einer Atmosphre bei 20" in eine farblose Flssigkeit verwandelt, und verdichtet sieh bei dem in der Hhe von 75 hn herrschenden Druck (gleich Null zu setzen) und der daselbst statt- findenden Temperatur (gleich der des Weltenraumes, also nach Frhlich gleich 130" gesetzt) mglicherweise ebenfalls zu einer fls.sigen Masse. Demnach wren die leuchtenden Wolken ans den hei dem Krakatoaausbruche unzweifelhaft ebenfalls ausgestossenen gasartigen Bestandteilen entstanden, welche in entsprechender Hhe sich zu Flssigkeit kondensierten; diese wird dann wieder sinken, aber wegen der in den unteren, wrmeren Schichten beginnenden Verdampfung wieder steigen u. s. f. Die entstandenen Flssigkeitsteilchen, welclie weit zerstreut waren, mussten sich erst vereinigen, um sichtbar zu werden, wodurch das so spte Auftreten der Erscheinung seine Er- klrung findet. Um nun auch die Thatsache zu erklren, dass die leuchtenden Wolken nur im Juni und Juli bei uns sichtbar werden, sttzt sich 0. Jesse auf die von Sir William Siemens und schon frher von Enke ausgesprochene Ansicht, dass der Weltenraum oder doch der interplanetare Raum mit einem widerstehenden Mittel er- fllt ist, und zwar mit denjenigen Luftarten, welche die Planeten umgeben, wenn auch in ganz ausserordentlicher Verdnnung. Bei dieser Annahme rauss fr diejenige Erdhlfte, welche der Bewegungs- richtung zugekehrt ist, fortwhrend ein neuer Zufluss und fr die entgegengesetzte ein Abfluss der Atmosphre stattfinden. Dadurch wird es denkbar, dass in den Schichten der Atmosphre von etwa 20 100 fo Hhe eine unaufhrliche, wenn auch schwache Strmung nach der Rckseite vor sich geht. An dieser Strmung mssen dann jedenfalls die in den hchsten Atmosphrenschiohten schwebenden Stoft'e teilnehmen." Wir wollen nicht weiter auf diese Hypothese eingehen; dieselbe ist bei weitem noch nicht einwurfsfrei. Nach neueren Nachrichten sind die leuchtenden Nachtwolken im Dezember 1888 von Stubenrauch in Sdamerika beobachtet worden, und ein Marineoffizier will dieselben bereits zwei Sommer auf der sdlichen Halbkugel bemerkt haben; sollte sich noch mehr eobachtungs- material von der sdlichen Halbkugel ergeben, so drfte dies doch wesentlich zur Sttze der Jesse'schen Hypothese beitragen. Um nun ber die Natur der leuchtenden Wolken ins Klare zu kommen, ist es jedenfalls unerlsslich, dass dieselben mglichst sorgfaltig und systematisch studiert werden. Dazu gehrt zunchst eine Zusammenstellung der Zeit und des Ortes ihres Auftretens, so- dann besonders genauere Hhenbestimmungen als sie bisher mglich waren; und zwar mssen dieselben mglichst oft und unter mglichst verschiedenen Bedingungen ausgefhrt werden. Am besten eignen sich die photographischen Aufnalimen fr diesen Zweck. Nach den- .selbcn erhlt man, wenn sie gleichzeitig an zwei oder mehreren Orten vorgenommen werden, die Grundlagen fr die Bestimmung der Bewegung der leuchtenden Wolken, und zwar sowohl in bezug auf die Riclitung, als auch die (ieschwindigkeit dersellien." Hort'entlich flilt sich mancher unserer Leser hierdurch veran- lasst, sein Scherflein zur Lsung des geheimnisvollen Rtsels beizu- tragen, das die so ungemein interessanten leuchtenden Wolken noch darbieten. G. Das Feuermeteor vom 31. Dezember 1888. Am Abend des 31. Dezember vorigen .Jahres wurden die im Freien befindlichen Bewohner des westlichen Deutschlands, Sdenglands, der Niederlande und des nordstlichen Frankreich pltzlich von einem hellen Lichte berrascht, welches von einer Feuerkugel ausging, die am Himmel mit grosser Geschwindigkeit dahinzog. Aus den infolge ftentlicher Autt'orderung in der Kln. Zeitung zahlreich eingelaufenen Berichten von Augenzeugen soll nach.stehend das Wichtigere ber dieses Feuermeteor zusammengestellt werden. Was zunchst die Zeit der Erscheinung anbelangt, so sind nur wenige Beobachter in der Lage gewesen, diese bis auf die linute genau anzugeben. Im Durchschnitt aus den zuverlssigsten Angaben erschien das ISIeteor um 8 Uhr 8 Minuten mittlerer Klner Zeit. Die Helligkeit, welche die Kugel verbreitete, war ausserordentlich und brachte bei manchem die Tuschung hervor, das Meteor sei nur einige hundert Meter entfernt. Ein Beobachter in Brssel vergleicht die Lichtstarke der Feuerkugel mit derjenigen des Vollmondes, ein andrer in Antwerpen sagt, sie sei so hell gewesen wie elektrisches Licht". In Haiger sah man die ganze Gegend eine halbe Minute lang von hellem Feuerschein bergssen". Nach dem Bericht aus Mhlhausen in Thringen war die Umgebung des Beobachters durch das Licht des Meteors hellgrn erleuchtet". Bezglich der Farbe lauten die meisten Berichte auf grnlich bis stahlblau, in Aachen sah man das Meteor liellblau. Ein Beobachter auf dem Wege von Remscheid nach Srdingen befindhch, beschreibt die Feuerkugel als anfangs hellrot, dann blaugrn, hnlich einer Rakete. In Anrieh sah man auch die hellgrne Farbe, dann platzte das Meteor, wobei rotes Licht in der Mitte entstand, whrend die Teilstcke ihr grn- liches Licht beibehielten". Dieses Zerspringen der Feuerkugel ist auch an andern Orten gesehen worden, so in Mettmann, wo das Meteor funkensprhend" erschien. Beobachter in Belgien sahen die Kugel vor dem Verschwinden sich in mehrere Teile auflsen. Hinter sich zog sie einen langen , graden, leuchtenden Schweif, der phosphorisch glnzte und minutenlang sichtbar blieb. Zu Haardt an der Sieg sah man diesen Schweif fast 6 INIinuten lang, an andern Orten entschwand er dem Auge j-ascher, offenbar, weil die Umge- bung des Beobachters sehr hell war. Nach den Wahrnehmungen in Aachen teilte sich der Schweif in kleine Partikelchen, die so- gleich erloschen. Ein Beobachter zu IMeiningen schreibt: Den Schweif umkreiselten kleine blaue Wlkchen". In Hfen (Regie- rungsbezirk Aachen) sah man den Schweif eine Minute lang, worauf er sich in Funken auflste, dagegen blieb ein phosphorischer Schim- mer oder Streifen noch fast 3 Minuten erkennbar. Dieser Streifen krmrate sich gegen Ende der Erscheinung bogenfrmig nach Osten, wurde dann unregelmssig, buchtete sich gegen den Polarstern hin aus und verschwand sehr langsam, indem er zuletzt wie ein ]''aden aussah. Diese Krmmungen des Schweifs sind auch zu Scy bei Ciney in Belgien gesehen und von dem Beobachter gezeichnet worden. Gewhnlich ist das Platzen von Feuermeteoren von einer mehr oder weniger heftigen Detonation begleitet. Im vorliegenden Falle gehen die Aussagen der Beobachter hierber sehr auseinander, sicher ist nur, dass kein heftiges Getse wahrgenommen worden ist. In Mergenherg glaubte man ein zischendes Gerusch" zu vernehmen ; der Beobachter in Georgshof bei Rsrath sagt ausdrcklich: ich hrte die Kugel hinter mir, ehe ich sie sah", aus Mhlhausen in Th. berichtet man ber einen leisen Knall wie eine in die Luft steigende Rakete, dann Zerstubung in tausend kleine Teilchen". Aus Emmerich schreibt ein Beobachter, dass das Meteor durch ,, lauten Knall" seine Aufmerksamkeit erregt habe. Dagegen heisst es in dem Bericht aus Herford, dass nicht das mindeste lierusch vernommen worden sei, obgleich alles umher vollkommen still war; auch in Aurich vernahm man keine Explosion. Die Berichte aus Belgien, wo man dem Herde der Erscheinung nher war als im westlichen Deutschland, wissen auch nichts von einer Detonation des Meteors, nur der Beobachter in Scy bemerkt, er habe einige ]\Iinuten nach dem Verschwinden der Feuerkugel einen dumpfen Knall vernommen. Aus den Wahrnehmungen an einem einzelnen Orte lsst sich ber die wahre Entfernung und Hhe eines Meteors im allgemeinen kein gegrndeter Schluss ziehen. Bei den meisten Beobachtein ist die Tuschung vorhanden, dass die Erscheinung sich in unmittelbarer Nhe abspiele. Dies bat sich auch im vorliegenden Falle wieder gezeigt. An einem Ort im Landkreise Aachen sah ein junger Mensch das ]\Iefeor ber der First einer Scheune hinwegfliegen und durch mehrere Bume hindurch auf eine dahinterliegende Wiese fallen. Am andern Tage suchten mehrere Leute auf der betreffenden * Nr. fi. IJaturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 Wiese nach und fanden in der Tliat einen l'/^ kg .schweren, grau- braunen Stein, sowie melirere kleinere Schlackenstclve. Dieselben sind aber keineswegs Bruchstcke der Feuerkugel, denn diese befand sich niemals ber der betreffenden Wiese, sondern explodierte, wie sich weiterhin ergeben wird, sdlich von den Ardennen in Frank- reich. Auch ein Beobachter zu Overpelt in Belgien glaubte, da.s Meteor unmittelbar in seiner Nhe niederfallen zu sehen, und lief nach dem Orte hin, wo es scheinbar zur Erde gekommen war, fand aber natrlich nichts. Die meisten Angaben ber die scheinbare Bewegung des Meteors am Himmelsgewlbe beschrnken sich auf allgemeine Aus- drcke, wie: die Kugel kam aus Nord und bewegte sich gegen Sden", das Meteor zog rasch ber den westlichen Himmel" u. dgl. Fr eine Berechnung der wahren Bahn der Feuerkugel sind aber solche Angaben viel zu ungenau. Statt ihrer msste man schrfere Bezeichnungen des Weges, den das Meteor unter den Sternen beschrieb, oder wenigstens zuverlssige Daten ber die Weltgegenden, in denen das Aufleuchten und Verschwinden stattfand, sowie der scheinbaren Hhe des Jleteors in Graden haben. Freilich knnen solche Angaben nie sehr genau sein, weil die Beobachter von der Erscheinung berrascht werden und ein Meteor berhaupt nur einige Sekunden lang sichtbar ist. ]m vor- liegenden Falle sind aus den zahlreich eingelaufenen Berichten nur ein paar fr den Versuch einer Bahnbestimmung der Feuerkugel verwertbar. Architekt J. Plhn in Hamburg sandte eine nach den Himmelsrichtungen orientierte Skizze, aus welcher sich ergiebt, dass die Feuerkugel 15" von West gegen Nord in 20" Hhe ber dem Horizont sichtbar wurde und in einem Punkte 27" von West gegen Sd in 15" Hohe verschwand. Eine sehr brauchbare Angabe machte Herr W. Kattenberg in Remscheid, der an jenem Abend, etwa 1 km von Solingen entfernt, die Erscheinung beobachtete. Nach seiner Zeichnung kam das Meteor aus einem Punkte zwischen a und c im Schwan und versehwand zwischen ij und im Walfisch. Im Haag sah man das Meteor zuerst in NO 75" bis 80" hoch ber dem Hori- zont, in Antwerpen ebenfalls in NO und nahe dem Scheitelpunkte, zu Oxford erschien die Feuerkugel am Ostliclien Himmel. Diese Angaben sind nicht gengend, um darauf eine Berechnung zu grn- den, besonders da bei der Hamburger Beobachtung das wirkliche Ende der Meteorbahn nicht gesehen wurde, wahrscheinlich wegen der Dnste des Horizonts. Aus der Gesamtheit der mitgeteilten Richtungen ergiebt sich jedoch so viel, dass das Meteor ber der Nordsee in der Nhe der westfriesischen Inseln zuerst in der Atmo- sphre aufleuchtete, dann ber den Zuidersee hinwegzog, zwischen Naniur und Lttich die Maas kreuzte und in der Richtung auf die Ardennen hin, wahrscheinlich jenseit der franzsischen (Irenze ex- plodierte. Damit steht auch eine nachtrglich eingelaufene Wahr- nehmung zu Overpelt im nrdlichen Belgien in Uebereinstinimung, in der es heisst: Das Meteor fiel ziemlich senkrecht, und konnte ich nicht bemerken, dass dasselbe die Richtung von Norden nach Sden genommen htte." Nach der obigen Bahnangabe befand sich nmlich der Beobachter im Augenblicke der Wahrnehmung nrdlich von der Feuerkugel. Zwischen Sedan und Longwy musste die Feuer- kugel dagegen wie eine Rakete ber den nrdlichen Horizont empor- steigen und in grosser Hhe, nahe dem Scheitelpunkt, explodieren. Beobachtungen von dort sind mir indessen lucht bekannt geworden. Die Berechnung der wahren Hhe eines Meteors ber dem Erdboden beruht, nachdem die Projektion der Bahn ermittelt ist, auf den geschtzten Winkelhhen an den einzelnen Beobachtungs- punkten. Im vorliegenden Falle lsst sich fr die Hhe beim Auf- leuchten der Feuerkugel ein sicheres Ergebnis nicht gewinnen, da- gegen findet sich, dass das Meteor bei seiner Explosion sich in einer Hohe von etwa 10 deutschen Meilen l)er dem Brdboden befand. Ist auch dieses Ergebnis auf ein paar Meilen ungewiss, so kann doch darber gar kein Zweifel sein, dass die Feuerkugel in einer Hhe zersprang, neben welcher die hchsten Berge der Erde als niedrige Hgel erscheinen und bis zu welcher die gewhnlichen atmo- sphrischen Vorgnge, die das Wetter bedingen, niclit emporreichen. Diese betrchtliche Hhe des Meteors ist aucli keineswegs etwas Aussergewhnliches, obgleich etwas grosser als die durchschnittliche Hohe, in welcher Feuerkugeln zu explodieren pflegen. In Ueber- einstinimung mit dieser berechneten Hhe des Meteors ber dem Erdboden steht die grosse Flche, auf welcher dasselbe sichtbar war. Diese Sichtbarkeit erstreckt sich nmlich von Mitteldeutschland bis nach England und von Holland bis sdwestlich ber die Loire hinaus. Denn selbst in der Stadt La Roche siir Jon in der Vendee sah man das Meteor als glnzende Feuerkugel am nrdlichen und nordst- lichen Horizont. Es ist kein .sicheres Beispiel bekannt, dass eine Feuerkugel jemals bis zu der Hhe unserer Alpengipfel herabge- stiegen sei, nur ganz. vereinzelt findet sich ein Meteor, welches in etwas weniger als einer Meile Hhe ber dem Boden zerplatzte. Die Feuerkugel vom 81. Dezember zeigte berall, wo sie gesehen wurde, einen langen, graden, leuchtenden Schweif. Nach den Be- wegungs- und Bahnverhltnissen dieser Feuerkugel in unserer Atmo- sphre entspricht der Schweif einer viele Meilen langen Strecke, auf di>r glhende Teilchen der Masse des Meteors zuruckblieben und allmhlich erloschen. Die Lichtstrke der Feuerkugel war sehr be- deutend. In den Ardennen, dem Herde der Erscheinung ziemlich nahe, strahlte das Meteor mit wahrhaft blendender Helligkeit, so dass ein Beobachter unwillkrlich die Hand ber die Augen hielt, hnlich wie man dies zum Schutz vor dem direkten .Sonnenglanz zu thun pflegt. An und fr sich muss die Helligkeit der Feuer- kugel diejenige einer gewhnlichen Gasflamme um das millionen- fache bertrott'en haben. Man hat keinen Grund zu der Annahme, dass das Meteor schon vor seinem Eintritt in die Erdatmosphre selbf^tleuchtend gewesen sei. Das Erglhen findet nur statt infolge der Hemmung, welche die kosmische Geschwindigkeit in den obersten Luftschichten erleidet und wodurch die Materie des Meteors in ausser- ordentlichem Grade erhitzt und schliesslich zur Explosion gebracht wird. Ob die fortgeschleuderten Trmmer in fester Form zur Erde niederfallen oder vllig in der Atmosphre zerstieben, hngt von vielerlei Umstnden ab; Tbatsache ist, dass die mit Knall zerspringen- den Feuerkugeln nur in sehr seltenen Kllen feste Massen, soge- nannte Meteorite geliefert haben. Von der Feuerkugel des 31. De- zember ist nichts dergleichen bekannt geworden. Sehr merkwrdig ist der Umstand, dass diesem Meteor ein anderes, viel weniger helles voraufging. In Brssel erblickte man nmlich nach 6 Uhr abends bereits eine Feuerkugel, welche von NO nach SW zog und sich vor dem Verschwinden in zwei Stcke teilte. Eine hnliche Wahr- nehmung wird uns aus Hckeswagen gemeldet, wo man nahe um dieselbe Zeit einen stark leuchtenden Krper am Himmel sah, welcher die hellsten Sterne an Glanz bertraf. Dr. J. Klein (i. Wochenschr. f. Astron., Meteorol. u. Geogr.) Die ParbeDTeaktionen der KohlenstoflFverbindungen sind vor kurzem zum ersten Male der Gegenstand einer besonderen zusammenfassenden Arbeit (Nickel, Farbenreaktionen der Kohlenstoff- verbindungen; Verlag von Peters in Berlin) geworden, und wir be- nutzen die Gelegenheit, um das interessante Gebiet der Farben- reaktionen der organischen Verbindungen in seinem Zusammenhang mit den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft kurz zu kennzeichnen. Bekanntlich setzt sich der Leib der Pflanzen und Tiere seiner Hauptmasse nach aus Kohlenstoffverbindungen zusammen. Will man in der Botanik und Zoologie aus dem ersten Stadium der rein morphologischen Forschung in die chemische Richtung hinber- gehen, so bedarf man besonderer Hilfsmittel, welche es gestatten, die verschiedenen Arten von Substanzen in dem ( )rganismus festzu- stellen und ihre Umwandlungen zu verfolgen. Bei Forschungen dieser Art wird man sich hufig des Mikroskops bedienen mssen. Bei der mikrochemischen Forschung bleiben aber gute Farbenreak- tionen das Hilfsmittel, auf welches man zuerst sein Augenmerk richten muss. Der frhere Zustand auf dem Gebiete der Farben- reaktionen der organischen Verbindungen war jedoch keineswegs befriedigend und nicht dazu angethan grssere Erfolge zu zeitigen. Prof. Schwendener weist in seiner llektoratsrede*), der auch das Motto dieser Zeitschrift entlehnt ist, mit recht darauf hin, dass die knftige Entwicklung der chemisch-ph.vsiologischen Forschung in erster Linie von der Ausbildung der mikrocliemischen Methoden , mittelbar aber auch von den Fortschritten der organischen Chemie berhaupt ab- hngen wird. Handelt es sieh zum Beispiel darum die Stoft'wechselprodukte der Bakterien festzustellen, was fr die Lehre von den Infektions- krankheiten und fr die Therapie derselben von usserster Bedeu- tung ist, so werden die Methoden der Farbenreaktionen gute Dienste leisten knnen. Aber auch bei makrochemischen Untersuchungen, bei Untersuchungen des normalen und des pathologischen Harns spielen die Farbenreaktionen eine grosse Rolle. Wir erinnern hier nur an die Ehrlichsche Harnprobe mit der Diazobenzolsulfosure. Was die genannte Arbeit kennzeichnet, das ist das Bestreben die verschiedenen einzelnen Beobachtungen unter gemeinsamen Ge- sichtspunkten zusammenzufassen und allgemeine Regeln ber das Auftreten der Farbenreaktionen abzuleiten. Nickel hat den ersten vorliegenden Teil auf diejenigen Farbenreaktionen beschrnkt, welche er .als Farbenreaktionen mit aromatischem Charakter be- zeichnet. Eine ausfhrliche Erluterung und Begrndung dieser neu aufgestellten Hauptgruppe ist in den Schlussbetrachtungen" der Arbeit beigefgt. Die Abhngigkeit der verschiedenen Farben- reaktionen V(jn den charakteristischen Atomgruppen wird besonders betont, und die ganze Darstellungsweise ist von dieser Anschauung getragen. Unter den aromatischen Verbindungen werden die oxy- aromatischen Verbindungen so nennt der Autor alle diejenigen Benzolabkmmlinge, welche im Benzolkern an Stelle von Wasser- stott'atomen Hydroxylgruppen enthalten in den Vordeigrund ge- stellt. Die neue Bezeichnung, welche Phenole, Oxyaldehyde, Oxy- rfarbonsiiren usw. umfasst, erweist sich wegen der gemeinsamen Eigenschatten dieser KOrper als notwendig. Die Arbeit enthlt noch eine Menge von interessanten Thatsachen und gewhrt gleich- 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. zeitig einen Einblick in die wiclitigsten Gebiete der Cliemie der Farbstoffe. Fr den Biochemiker, fr den Physiologen, fr den Mikroebemiker wird die Arbeit von Vorteil sein, wenngleich damit die Anwendnngsfilhigkeit der Farbenreaktiunen nocli keineswegs er- schpft ist. s. *) Vergl. N. W. 111 S. 49 ff. Litteratur. John Lubboek : I)ie Sinne und das geistige Leben der Tiere, insbesondere der Insekten. Uebersetzt von William larshall. Mit 118 Abbildungen in Holzschnitt. XVlll und 290 Seiten. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1889. l'reis 5 Mk. Wir begrssen dieses neueste Werk des berhmten englischen Naturforschers .lohn Lubboek in deutscher Ausgabe mit Freuden. Das Thema, welches sich der Verfasser vorgesetzt hat und welches er seit langen Jahren bearbeitete und in vielen kleineren und grsseren Publikationen bekannt gemacht hat, namentlich in dem Werke Ameisen, Bienen und We.spen" (1883), gehrt zu den an- ziehendsten und noch am meisten zu kultivierenden Gebieten der Naturforschung; es betrifft das grosse Geheimnis, wie die Aussen- welt zum Bewusstsein eines lebenden Einzelwesens kommt, und ferner, wie wir uns das geistige Leben der Tiere vorzustellen haben. 13ehandelt sind in dem Buche im grossen Ganzen alle Sinne und die diese vermittelnden Sinnesorgane niederer und hherer Tiere, unter Mitteilung zahlreicher praktischer Versuche, namentlich an Insekten; dann der Instinkt, das geistige Leben, die Fhigkeiten, Gewohnheiten, Temperamente usw. der verschiedenen Tiere. Die ausserdem in jedem bezglichen Abschnitte dargelegten Untersuchungen und Resultate der Specialforsoher, welche dasselbe Feld bearbeiteten, und die angefhrte Litteratur sind so vollstndig mitgeteilt, dass das Buch auch als sicherer Fhrer fr weitere ein- schlagende Forschungen dienen kann. Der reiche, in knappen Worten zum Ausdruck gebrachte Inhalt ist in einer leicht verstndlichen Sprache geschrieben. Jeder ber- flssige Redeschwulst fehlt. Die Uebersicht ist gut gegliedert. Der sorgfltig disponierte Stoff verteilt sich auf 14 Kapitel. Kritik zu ben, selbst wenn die Schwierigkeit des Gegenstandes dies noch gestattete, ist hier nicht; am l'latze; sie ist Sache spterer Specialforscher auf diesem noch so jungfrulichen Felde der Wissenschaft. Das Buch ist nicht nur fr Gelehrte und Fachleute, sondern fr jeden geistig regsamen Menschen geschrieben, der der Natur und vor Allem den unseren eigenen Trieben und Gefhlen, Sinnen, Dichten und Trachten so verwandten Lebensimpulsen der Tierwelt Liebe und '" ' H. J. Kolbe. Jacob Moleschott. Praneisus Cornelius Donders. Festgruss zum 27. Mai 1888. Giessen, Verlag von Emil Roth, 1888. 8. Preis 1 Mark. Am 27. Mai 1888 feierte der durch seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Physiologie, speziell aber auf dem der Augenheilkunde so hochverdiente hoUndiche Forscher F. G. Donders seinen siebzigsten Geburtstag und schied gleichzeitig nach einer Bestimmung des hollndischen Gesetzes aus dem Amt als Hochschullehrer. Diese Gelegenheit benutzt der mit ihm engbe- freundete .1. Moleschott, .selbst einer der grossten Physiologen, dem gefeierten hollndischen Lehrer der Augenheilkunde einen Festgruss darzubringen und uns in grossen Zgen einen Ueberblick ber die unschtzbaren Verdienste desselben zu geben. In edler Sprache und von wrmster Freundschaft geleitet, hat Moleschott hier dem ebenso menschenfreundlichen wie fr die Wissenschaft begeisterten holln- dischen Forscher ein biographisches Denkmal gesetzt, mit welchem er .sich selbst ehrt. Es huldigt ein Frennd dem Freunde, ein Eben- brtiger einem grossen Manne." (Mit Erlaubnis des Herrn Verf. geben wir in dem ersten Artikel dieser Nr. der N. W. i^ine l'robe ans dem Festgruss. Red.) G. Schierholz, C, L'eber Entwicklung der Uniuniden. (Sep.-Abdr.) 40. (34 S. m. 4 Taf.) 3,40 JC. Freytag, Leipzig. Schrmann, E., Ueber die Verwandtschaft der Schwermetalle zum Schwefel. (35 S.) 80 -(. Franz Fues, Tbingen. Sellwanofif, Th. v., Phytochemische Untersuchungen. (30 S.) 1 Jt. Vandenhoeck & Ruprecht, Giittingen. Siebenmann, r., Neue botanische und klinische Beitrge zur Otomykose. (Sep.-Abdr.) 48 S. m. 1 Taf 1,20 JC. Bergmann, Wiesbaden. , Die Schimmelmycosen des menschlichen Ohres. 2. Ausg. von: Die Fadenpilze Aspergillus und Eurotium. (112 S. m. lllustr.) 3 JO. Bergmann, Wiesbaden. Stremme, E., Beitrag zur Kenntnis der tertiren Ablagerungen zwischen Cassel und Detmold, nebst einer Be.sprechung der nord- deutschen Pecten- Arten. (45 S.) 1 M. Vandenhoeck & Rup- recht, Gttingen. Wartmann, B. u. Th. Schlatter, Kritische Uebersicht ber die Gefdssptianzen d. Kantone St. Gallen u. Appenzell. 3. (Schluss-) Heft. Monochlamydeae, Monocotyledones, (Jymnospermae, Kryp- togamae vasculares. (8.353508). \.^)JC. Koppel, St. Gallen. Weinsberg, L., Der Mikrokosmos, e. angeblich im 12. Jahrb. v. dem Cordubenser Josef ihn Zaddik verfasstes piiilosophisches System, nach seiner Echtheit untersucht. (61 S.) 2 otC. Koebner, Breslau. Wiedersheim, K. , Grundriss der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere. 2. Aufl. 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Freytag, Leipzig Wicht, I., zur Aetiologie u. Statistik der amyloiden Degeneration. (37 S.) 1,20 JO. Lipsius & Tischer, Verl.-Cto. Kiel. Winekler, A., b. e. Kriterium d. Grssten u. Kleinsten in der Variatonsrechnung. (Sep.-Abdr.) 18 S. 40 .j Freytag, Leipzig. Briefkasten. Hr. K. K. in Budapest. Ueber das CampbeH'sche Luftschift", welches die Gestalt einer Riesenente hat, finden Sie in Heft II der Ztschr. f Luftschitt'er v. 1888 nheres. v. M. Hr. P. J. Domayka, der seit Mitte der 30er .Jahre in Chile als Mineralog und Chemiker gelebt und sich bedeutende Verdienste um die Wissenschaften erworben hat, ist am 23. .Fanuar d. ,T. dort 807-2 Jahre alt gestorben. Er stammt aus Wilna in Polen, flchtete 1830 nach Paris, ging von da nach Chile und bekleidete bis zu seinem Rcktritt von seinen akademischen Aemtern das eines Rektors der Universitt von Santiago. Seine litterarischen Leistungen waren hervorragend und z. T. bahnbrechend. Dr. Carl Ochsenius. Hr. L. in Berlin. Jlcine Vorlesung fr .Tederniann ber die Pflanzenwelt unserer Heimat findet in der Zeit vom .30. April inkl. bis zum 25. Juni inkl. Dienstags von 7 8 Uhr abends in einem Klassenzimmer des Dorotheenstdtischen Realgymnasiums, Georgen- strasse 30/31 statt. Die Einschreibung geschieht im Laden 14 des Centralhtels in der Friedrichstrasse, also ganz in der Nhe des Verlesungsortes. Inhalt: Franciscus Cornelius Donders f. Dr. P. Andries: Diephysische Konstitution der Sonne. (Schluss.) Die leuchtenden Nachtwolken. Das Feuernieteor vom 31. Dezember 1888. Die Farbenreaktionen der KoblenstoftVerbindungen. Litteratur: John Lubnck: Die Sinne und das geistige Leben der Tiere. Jacob Moleschott: Franciscus Cornelius Donders. Liste. Briefkasten. Verantw. Redakteur; Dr. Henry Potoni(5, Berlin NW. 0, fr den Fn.seratenteil : Hermann Riemann. Druck: Gebrder Kiesau, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann liiemann, Herlin NW. 21. Hieran eine Keilaee, wol*lie wir hoHonderi w.n beachten iitten. Beilage zu Nr. G, Band IV der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Diejenigen unserer geschtzten Abonnenten, welche mit dem Abonnementsbetrag pro IV. Band I. Quartal noch im Rckstande sind, werden hflichst ersucht, denselben bis zum 10. n. Mts. einzusenden. Alle bis dahin nicht bezahlten Betrge werden per Postauftrag, unter Zuschlag von 50 Ptg. erhoben, in der Annahme, dass dieser Zahlungsmodus gewnscht wird. ^^spenar^i^g^^' Die Expettjon der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". SL'it AnlVint; dieses .Talires eisdieiut die Ppaktisehe Physik Zeitschrift fr Experimentalphysikpr, studierende der Physik, Mechaniker, Optiker usw. nnd Organ fr den physikalischen Unterricht. Unter Mitwirkung liervurrageniler .\utoritten und bewhrter Fachmnner [lOOj iierausgeoeb. von Dr. M. Krieg. Monatlich 1 l'/ Bogen. Preis halljjlirlicli 3 M. 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Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 0, fr den Inseratenteil: Hermann Riemsinn. Druck: 9ebrder Kiesati, Berlin SW 12. Verlag: Hermann Riemann. Berlin NW. 21. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 21, Spenerstr. 9. IV. Band. Sonntag-, den 12. .Mai 1889. Nr. 7 Abonnement: Man abonniert bei allen Bachhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreia ist M 3. Brlngegcld bei der Poet Ib^ extra. \ Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt Beilagen nach ebereinliunft Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abflrack ist nnr mit Tollstndiger (Quellenangabe gestattet. Ueber die Meeresprovinzen der Vorzeit. Einleitung-, Wie die politisclie Geschichte der geographischen Orientierung bedarf, so tritt auch die Geschichte der Von Dr. F. Frech, Privatdozent an der Universitt in Halle a. S. Erde in mannichfache und vielfltige Bezielumgen zu der Geographie. Die geographische Geologie ent- spricht der Geschichte der einzelnen Lnder und Ma^ellanische 1% Grenze der Zisbcrg, leo \w v,o wo 80 60 40 20 ;o +0 60 so :-f(i lo Autoqr V M ?\i . Fig 3. Die Meeresprovinzen der Jetztzeit. (Nach Fisclier, Mamiel de^Conchyliologiel. behandelt die geologische Entwicklung [abgegrenzter | lo^. Dieselbe hat die ^Darstellung des Zustandes der Erdrume. Dagegen ist der historischen Geographie 1 Erdoberflche in den verschiedenen geologl.schen Epochen die geologische Geograjibie oder Palaeogeogra])liii' homo- zum Ziel und behandelt, somit die Veriinilerungen in der 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. Ausbreitung von Festland und Meer, die Verteilung der organischen Welt im Wasser und auf dem Lande, das Entstehen und Vergehen der Gebii-ge sowie den mannig- fachen Wechsel, welchem die klimatischen Verhltnisse untei'legen sind. Die Palaeogeographie ist ein noch junger Zweig der geologischen Wissenschaften, dessen Entwicklung nur auf Grund zahlreicher geognostischer Arbeiten mglich war. Naturgemss musste zunchst die chronologische Auteinanderfolge der Schichten und Faunen an mglichst vielen Orten studiert werden, ehe man die geographischen Vernderungen in jedem Abschnitte der Erdgeschichte vei'gleichend untersuchen konnte. Jedoch ist das chrono- logische Moment in der stratigraphischen Geologie in berwiegender, man knnte sagen einseitiger Weise be- rcksichtigt worden, obwohl aus neuerer Zeit auch glnzende Ausnahmen zu nennen sind. Zuerst hat F. Roemer auf geographisch-klimatische Unterschiede in der Kreideformation liingewiesen ; neuerdings haben Mocsisovijs und Neumayr die ganze Oberflchengestalt der Erde fr bestimmte Perioden zu rekonstruieren gesucht.*) Zumeist hat man allerdings die stratigraphische Gliederung und die Vergleichung der Schichten nicht nur fr die Grundlage, sondern fr das Endziel der historischen Geo- logie gehalten, whrend doch die geographischen Ge- sichtspunkte den chronologischen an wissenschaftlicher Be- deutung und allgemeinem Interesse jedenfalls gleichstehen. Allerdings lsst sich nicht verkennen, dass die Pro- bleme der Palaeogeographie nicht durchweg auf streng systematischem Wege zu lsen sind; eine gewisse Frei- heit in der Kombination ist hie und da, wie es scheint, erforderlich und bereits in mehr als hinreichender Weise zur Anwendung gekommen. Die Untei'suchung der alten Meeresprovinzen und ihrer Faunen beruht jedoch fast durchweg auf einer sicheren palaeontologischen Methode. Das Studium der Meeresprovinzen der Vorzeit ist von besonderer Wichtigkeit, weil mit der Frage dei' geo- giaphischen Differenzierung der Meeresfauna Errterungen ber die Grenzen von Festland und Meer, so^\ie ber die allraligen Vernderungen der alten Kontinente eng verknpft sind. Die Abweichungen gleichalter Sclchten beruhen zum guten Teil auf der Verschiedenheit der physika- lischen Verhltnisse innerhalb desselben Bildungsi'aimies. Die an der Kste und in der offenen See gebildeten Ablagerungen umschliessen oft in geringer Entfernung von einander durchaus verschiedene organische Reste und nach der Beschaffenheit des Sediments, ob sandig, thonig oder kalkig bilden sich weitere Differenzierungen heraus. Nur wo innerhalb von gleichartig gebildeten, derselben Periode angehrenden Schichten (z. B. in einer Kalkbildung mit Riffkorallen) verschiedene Tierreste ge- funden werden, sind geographische Unterschiede anzu- nelimen. I. Meeresprovinzen der Jetztzeit. Eine Besprechung der Grundstze, nach denen die *) Die Bezeichmingeii der verschiedenen Perioden in die man auf Grund der Vernderungen der Lebewesen und der Verseliiebung von Land und Meer die Oescliichte der Erde eing-eteilt liat, sind von den ltesten anfangend. I. Arcliaeisclie Aera. II. Palaeozoisdie Aera: Cambriscbe, Silurische, Devonische, Carbonische, Permische Periode. DI. Mesozoische Aera: 'l'rias, ,Tura, Kreide. IV. Kaeno- zoiscbe Aera: Tertire und (^uartre Periode, welch letztere die heutige Schiipfung als letzte Phase mit einschliesst. Aus der der Palaeozoi- schen vorangegangenen Arcbaeischen Zeit sind sicliere Tier- oder Prtanzenreste noch nicht bekannt geworden. Abgrenzung von zoologischen Provinzen in den heutigen Meeren zu erfolgen hat, bildet die Grundlage der Unter- suchung ber die vorweltlichen Meeresregionen. Es ist zuerst festzustellen, welche Tierklassen zur Charakteri- sierung der Meeresprovinzen verwendbar sind und wie weit das Khma die Verbreitung derselben beeinflusst. Ferner muss untersucht werden, welcher Art die Grenzen sein knnen, die die verschiedenen Provinzen von einander scheiden. Bei der Unterscheidung zoologischer Meeresprovinzen kommt diejenige Fauna, welche die grssten Tiefen der Oceane bevlkert, nicht in betracht. Dieselbe besitzt nach den bereinstimmenden Ergebnissen der neueren Schleppnetzuntersuchungen unter allen Breitegraden eine bemerkenswerte Einfrmigkeit. So enthlt die Tiefsee- fauna in Westindien, im Golfe von Biscaya und an der noi'wegischen Kste zum grossen Teile bereinstimmende Arten. Der Grund dieser Erscheinung liegt in der Gleichfrmigkeit der physikalischen Bedingungen, vor allem in dem vollstndigen b'ehlen des Lichtes und der gleichm.ssig niedi'igen, um den Nullpunkt schwankenden Temi)eratur der abyssischen Regionen. Auch das Fehlen der Pflanzenwelt in den Tiefen der Oceane bt selbst- verstndlich einigen Einfluss auf die monotone Gestaltung des tierischen Lebens. In hnlicher Weise besitzen die Bewohner der hohen See dank ihrer hervorragenden Schwimmfhigkeit meist eine universelle Verbreitung. Allerdings weisen zwei, auf weite Strecken hin getrennte Weltmeere, wie der atlantische und stille Ocean auch in dieser Hinsicht gewisse Verschiedenheiten auf und hnliche Abweichungen durchgehender Art finden sich in den PTochsee-Ab- lagerungen der Vorwelt. Bei den Bewohnern des hohen Meeres tritt ferner im Gegensatz zu der Tiefseefauna der Einfluss des Klimas deutlich hervor. Man braucht nur daran zu denken, dass Meersclldkrten und -Schlangen der heissen bezw. der warmen gemssigten Zone ange- hren ; whrend die Mehrzahl der walfischartigen Geschpfe auf die arktischen Gewsser beschrnkt ist. Dass riffbildende Korallen nur bei einer Miminal- wrme von 20 C. gedeihen, ist bekannt. Dement- sprechend hat z. B. NeumajT aus dem vollstndigen Fehlen derselben in den russischen Jura-Ablagerungen auf ein klteres, in diesen Meeresteilen herrschendes Klima geschlossen. Fr die Begrenzung von Meeresprovinzen sind vor allem die in den Kstengewssern gebildeten Ablage- rungen von Bedeutung. Hinter der grossen Mannig- faltigkeit der geograiihischen Differenziei'ung tritt hier der unmittelbare Einfluss des Klimas etwas zurck. Bei der Abgrenzung zoologischer Provinzen kommen in erster Linie diejenigen Tierklassen in betracht, welche allgemeine Verbreitung und eine individuell beschrnkte Bewegungsfhigkeit besitzen. Als ganz unbeweglich knnen nur verhltnissmssig wenige Meerestiere ange- sehen werden, da auch die zahlreichen Geschpfe, welche an ihre Unterlage festgeheftet sind, wie Korallen, Cirri- peden und Austern im embryonalen Stadium freie Be- wegungsfhigkeit besitzen. Die beiden erwhnten An- forderungen werden in den jetzigen Meeren, am voll- stndigsten von den Schnecken, Zweisclialern und See- igeln erfllt. Um einen usseren Anhalt fr die Abgrenzung zu haben, pflegt man als Erfordernis hin- zustellen, dass jeder Provinz die Hlfte der vorkommenden Arten eigentmlich sein soll. Entsprechend der ungleichen Entwicklung der ein- zelnen Oi'dnungen in den frheren Epochen der Erde Nr. 7. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. l mssen veiscliiedenaitige Tiergrupyen fr die Einteilung der alten Meere herangezogen werden. Im Anfang der palaeozoischen Aera sind die Trilobiten (Fig. 1)*), gegen Mitte und Sehluss derselben vor allem die Ammonitiden (Fig. 2) von Bedeutung. Daneben er- langen die beraus hufigen Braehiopoden und stellenweise die Korallen geographische Wichtigkeit. In den mesozoischen For- mationen kommen wiederum in erster Linie die Ammonitiden fr die zeitliche wie fr die rum- hche Gliederung in betracht. Die kaenozoische Aera ent- spricht in dieser wie in anderen Beziehungen der Jetztwelt. Auch fr die Errterung der Frage, welche Grenzen die zoologischen Meeresprovinzen voneinander trennen, bilden die Verhltnisse der heutigen Meere den Ausgangspunkt. Vergl. zu folgendem Fig. 3. Naturgemss sondert vor allem das feste Land die verschiedenen Meeresfaunen von einander und die Ab- weichungen sind um so grsser, je lngere Zeit die Trennung gewhrt hat. Besonders auffllig treten diese Verschiedenheiten dann hervor, wenn die physikalischen, insbesondere die Wrmeverhltnisse der getrennten Meeres- becken gleich und die Landschranken von geringer Breite Fig. 1. Trilobit (ParadnxWes) ans den ltesten versteinernngs- fUIirenden Schichten (Canibrium) in Blimen. (Alis Nemnayr, Erdgeschichte. Verlag des Bibliograph. Inst, in Leipzig). Fig. Anunonit (Amalthens) ans dem Lias Schwabens. {Aus Neiunayr's Erdgescliichte). sind. Charakteristische Beispiele diesei' Art bilden die Landengen von Suez und Panama. A^on der, 500 Arten umfassenden Molu.skenfauna des rotlien Meei'es finden sich, wie neuere Forschungen gezeigt haben, nur wenige kosmopolitische Arten im Mittelmeer wieder und die Ver- schiedenheit ist so ausgeiirgt, dass auch nach Erffnung des Suezkanals kaum diese oder jene Art aus dem einen in das andere Meer hinbergewandert ist. *) Eigentmlidie kreb.^iartige, gnzlich au-sgestorbene Ge.schpfe, zunchst mit dem lebenden Molukkenkrebs (Limulus) verwandt. Mit diesen biologischen Beobachtungen stimmen die Ergebnisse der geologischen Forschung berein; nach der- selben hat die Trennung der erythraeischen und medi- terranen Fauna schon vor geologisch gesprochen langer Zeit stattgefunden und gelegentliche kurzwhrende Verbindungen haben keine wesentlichen Aenderungen hervorzubringen vermocht. Allerdings finden sich in alten Strandterrassen bei Suez eine Anzahl mediterraner Conchylien, aber dieselben besitzen keine weitere Ver- breitung nach Sden und ihre Nachkommen im roten Meere haben sich jetzt bereits von den mediterranen Formen differenziert. Abgesehen von zusammenhngenden Landmassen knnen auch Tnselreihen die Grenze benachbarter zoolo- gischer Provinzen bilden, besonders dort, wo sie die Fort- setzung von Halbinseln darstellen und lichtunggebend auf die Meeresstrmungen wirken. So trennt Kamt- schatka mit der im Sden anschliessenden Inselkette der Kurilen die arktische Provinz von der des ochotskischen Meeres. Man kann annehmen, dass in den Ostalpen zur Ti'iaszeit hnliche Verhltnisse bestanden haben. Auch hier kommen die Ablagerungen zweier Meeresprovinzen, der mediterranen und der juravischen einander beraus nahe. Die Grenze wurde vielleicht diu'ch eine zu- sammenhngende Reihe von Koi'allenriften gebildet, deren Teberreste auch jetzt noch die Kette der nrdlichen Kalkalpen zwischen Berchtesgaden und Salzburg quer durchsetzen. Allerdings muss andrerseits betont werden, dass bei gnstiger Richtung der Meeresstrmungen Inselreihen auch die Brcke fr die Verbreitung \o Kstenfaunen bilden knnen. An einer sonst einfrmig ge.stalteten Kste stellen vorspringende Caps zuweilen die Grenze fr die Ver- breitung der litoralen Organismen dar. So kommt nur etwa ein Drittel der sdlich vom Cap Cod (Massachussets) lebenden Mollusken aucii im Norden desselben voi', so dass Woodward dies Voi'gebirge als Grenze zweier Pro- vinzen auftasst. Weiter trennt der Ocean mit seiner ungeheuren Tiefe die Faunen der gegenberliegenden Jvstenge biete oft in vollkommenster Weise. An den Giestaden von West- Afrika und Brasilien, von Ostasien und dem westlichen Amerika leben unter gleichen Breitegr'aden, beziehungs- weise an lten gleicher mittlerer Jahrestemperatiu- wesentlich versciiiedene Organi-;men. Endlich bilden im freien Ocean hufig die Strmungen die Grenzen verschiedener Tiergesellscliaften. Bekannt ist der cold wall" die Grenzlinie des kalten Polarwassers gegen den wrmeren Golfstrom in der Gegend der Far 0er. Dieselbe quatoriale Strmung erklrt die fau- nistische Verschiedenheit der Nord- und Sttdkste von Island und bewirkt andrerseits, dass die norwegischen Meere wiederum zu demselben Faunengebiet gehrt, wie die sdlichen Gicstade der genannten polaren Insel. Hufig- fehlen bestimmte Grenzlinien zwischen be- nachbarten Provinzen vollstndig. Die einen Arten ver- schwinden, andere treten an ihre Stelle und so ndert sich auf einer lngeren oder krzeren Kstenstrecke der faunistische Charakter derart, dass man zwar zwei in einig-er Entfernung von einander liegende Punkte mit voller Sicherheit der einen oder der anderen Provinz zu- rechnen, aber die Grenzlinie zwischen beiden nur will- krlich ziehen kann. Derartige Verhltnisse sind be- sonders an einfrmigen, von Nord nach Sd verlaufenden Ksten zu beobachten, so an dem Westgestade Amerikas. 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Bei dem Studium der alten leeresprovinzen werden diese Uebergangsrume , die die zoogeogi-aphische Ein- teilung der jetzigen Meere wesentdi erschweren, nur selten in Frage kommen. Meist hat der Geologe zer- streute, weit von einander entfernte Aufschlusspunkte der in einer bestimmten Erdepoche gebildeten Schichten zu vo'gleichen. Nur selten ist es mghch, innei'halb derselben Formation die allmligen Vernderungen der Tierwelt ber weite Sti-ecken zu verfolgen. Aus den angefhlten Thatsachen ergiebt sich, dass aus dem Vorkommen von geographisch verscledenen Ablagerungen in geringer Entfernung von einander noch keineswegs aut das Vorhandensein alter Landmassen ge- schlossen werden darf. Die Existenz der letzteren kann nur dann als erwiesen angesehen werden, wenn die hufig durch Wellenfurchen gekennzeichneten Ksten- bildungen, oder die Zerstrungsprodukte der Festlnder sowie Landorganismen in grsserer Zahl gefunden werden. Die zoogeographische Eintheilung der heutigen Meere (Fig. 3) ist durch die Untersuchungen von Woodward und Alexander Agassiz in den Grundzgen abgeschlossen, obwohl im einzelnen noch Vernderungen zu erwarten sind. Die genannten Forscher unterscheiden vier Reiche, die weiter in im ganzen 18 Provinzen eingeteilt werden. Das atlantisch -circumpolare Reich umfasst die Ksten von Europa, das Mittelmeer, die polaren Gestade von Nordasien und Nordamerika sowie Japan. Das ameri- kanische Reich greift ber die Ksten des amerikani- schen Kontinents hinber nach Kamtschatka und den Kurilen. Das indo -pazifische und australische Reich decken sich im ganzen mit den Ksten der genannten Lnder. Die Nati-lichkeit und Berechtigung der skizzierten Einteilung wii'd dadurch erwiesen, dass die Ansichten von Woodward, welcher die MoUusken untersucht hat, in wesenthciien Punkten mit denen von Agassiz ber- einstimmen, welch letzterer von dem Studium der See- igel ausging. (Fortsetzung folgt.) Der Begriff Pflanzengalle" in der modernen Wissenschaft Von Ur. Karl M Der Begriff Pllanzengalle" hat im Laufe der Zeiten so mannichfache Wandelungen und allmhlich so viele Erweiterungen seiner Definition eifahren, dass es wohl gerechtfertigt erscheinen darf, wenn an dieser Stelle die Tragweite jenes Wortes errtert wird. Eine solche Er- rterung ist um so mehr geboten, als eine Reihe sj-no- nymer Bezeichnungen, wie Pflanzenmissbildung, Defor- mation, Degeneration, Excrescenz, Hj'pertrophie, u. a., nur zu geeignet sind iriige oder beschrnkte Auffassungen im grsseren Pubkum zu verbreiten. Es verlangt aber nicht nur die strengere Wissenschaft, sondern auch die gesunde Logik des gebildeten Laien die exakte und klare Definition so allgemeiner Begriffe, wie des vor- liegenden. Nur eine grundlegende, scharfe Definition kann allein alle in das Gebiet der Gallenkunde, oder wie wir neuerdings zu sagen pflegen, der Cecidiologie, gehrenden Erscheinungen in der Pflanzenwelt zu einer geschlossenen Gesamtheitheit, zu einem festen, abge- rundeten Ganzen, einem besondeien Forschungsgebiete vereinigen. Die Gallenkunde kann mit dem Ablaufe des jngsten Jahres auf eine zweihundertjhrige Geschichte zurck- blicken. Marcellus Malpighi, der geniale Forscher des siebenzehnten Jahrhunderts, einer der Begrnder der Pflanzenanatomie, ist auch der Vater der Cecidiologie zu nennen, ihm verdanken wir die erste wissenschaftliche Bearbeitung der Pflanzengallen. Als Malpighi sein oft genannutes Werk ,,De anatome plantarum" der Royal Society in London vorlegte, fand sich in demselben be- reits eine umfangreiche, fr jene Zeit eischpfende Ab- handlung des Stoffes unter dei' Uebersclnift De Gallis" vor, eine Arbeit, welche viele der spter erschienenen wegen der eingehenden Beobachtungen an Weit weit bertrifit. Malpighi scheint auch jenes schwankende Gefhl, welches der Mangel einer exakten Definition naturgemss mit sich bringt, em]>funden zu haben, ohne dass er sich mit der Abgrenzung des Begriffes Galle" eingehend beschftigt htte. Er sagt in der Einleitung zu dem oben zitierten Abschnitte seines Buches schlecht- hin: Gallae sunt morbosi plantarum tumores, womit er das empfundene Bedrfnis einer festen Definition geng- sam dokumentierte. Nun i'^t freilich diese Definition nach iillei- (Berlin). unseren heutigen Begriffen nicht mehr haltbar. Malpighi hatte auch, wie aus seinen ferneren Ausfhrungen her- vorgeht, nur die allgemeiner bekannten Pflanzenaus- wchse von mehr oder weniger kughger Gestalt, ich mchte sagen, die individualisierten Gallengebilde im Sinne. Die Bezeichnung ,,tumor" ist aber selbst fr diese keine ganz treffende, abgesehen davon, dass man schlechterdings nicht jeder krankhaften Geschwulst an Pflanzenteilen den Namen Galle beilegen wird. Die Malpighische Definition entbehrt also von vorn herein der notwendig zu fordernden Exklusivitt, sie heferte nicht den richtigen Umfang unseres modernen Begriffes. Nichtsdestoweniger hat die Malpighische Auffassung lange Zeit massgebend geherrscht. Sie begegnet uns bei den meisten spteren Autoren, unter denen Reaumur in erster Linie genannt zu werden verdient. In seinem verdienstvollen Werke ,,Memoires poui- servir Thistoire des insecte.-" (Paris, 1737) widmet er den durch Aphiden erzeugten Bildungsabweichungen (den gekrausten Blttern, den bekannten durch Tetranema Ulmi Deg. erzeugten Blattgallen der Ulmen und vielen hnlichen krankhaften Gebilden) einen besonderen Abschnitt seiner Arbeit, der nicht mit den Gallenbeschreibungen zusammengehrt. Erst in dem folgenden Memoire werden die als Gallen bis dahin definierten, individualisierten Bildungsab- weichungen besprochen. Nun lehrte aber die weitere Forschung, besonders im Anfange unseres Jahrhunderts, dass die pathologi- schen Verhltnisse der Pflanzen von allgemeinen Ge- sichtspunkten aus behandelt werden mussten, dass viele Erscheinungen an den Pflanzen sich so innig den bisher allein als Gallen bezeichneten Bildungen ihrer ganzen Natm- nach anschlssen, dass eine direkte Trennung von diesen ebenso schwierig als eine Vereinigung unmglich erschien. Aus dieser Kalamitt entstand nun die Ein- fhrung des Begriffs der falschen Gallen" gegenber dem Begi-iff der frher betrachteten echten" Gallen. Diese Unterscheidung blieb aber nur ein Ausfluchts- mittel aus der Bedrngnis, ohne dass man dadurch WesentUches erreicht htte. Man wusste eben nicht, welche Stellung man vielen zweifelhaften Gallengebilden anweisen sollte, was in einer Zeit, wo das Klassifizieren Nr. Naturwissenschaftliche Wochensclirift. 58 der Natuiobjekte noch als das Endziel der Forschung galt, schwer empfunden wurde. Daher denn die Schaffung des neuen Kontingentes der falschen Gallen." Das Gebiet der Gallenkunde hatte sich dadurch freilich bedeutend erweitert, aber zugleich waren die Grenzen desselben stiker als je verwischt, willkrlichen Beschrnkungen oder Erweiterungen waren Thr und Thor geffnet. Die Zahl der in den Bereich der Unter- suchungen gezogenen pathologischen und teratologischen Bildungen wuchs dabei durch den Sammeleifer der interessierten Forscher ausserordentlich, viele neue Termini wurden eingefhrt, bis die Zeixissenheit der Terminologie bedenkliche Dimensionen annahm. Charakteristisch ist fr diesen Zustand die von Ritter von Kalchberg verfasste Dissertation Ueber die Natur, Entwicklungs- und Einteilungsweise der Pflanzenauswchse" (Wien, 1828), welche ein Resume aller bis dahin gewonnenen allgemeinen Resultate der Gallenforschung darstellt. Als umfassender Begriff" fr die abnormen Bildungen des Pflanzenkrpers gilt jetzt die Bezeichnung Excrescenz, auch wohl Aftergebilde (organisatio spuria), welcliem Begriffe nun wieder eine Reihe von Unterbegriffen sub- sumiert sind. Die Gallen im frheren beschrnkten Sinne, die echten Gallen, bilden die letzte Abteilung im System der Excrescenzen. Kalchberg stellte nun seinerseits auch eine zwar recht wohlklingende Definition auf, welche aber durchaus nicht dazu angethan war, die Sachlage aufzuklren, ge- schweige die Grenzen des zusammengehrigen Gebietes zu przisieren. Er definierte (a. a. 0.): Pflanzenauswchse (Excrescentiae) sind solche x\fter- gebilde, die ber die natrliche Grenzedes Organismus hinaus die Spuren einer erhhten Bildungsthtigkeit beurkunden." Es sind das tj-pische Redensarten, welche ihren Ur- sprung aus der Zeit der Blthe der Naturphilosophie nicht verkennen lassen. Ueber die Grenze des Organis- mus" hinaus kann sich jeder nach eigenem Gutdnken die Spuren einer erhhten Bildungsthtigkeit" drehen und deuteln; berdies giebt es aber eine grosse Zahl von abnormen Bildungen, in denen gar keine erhhte" Bildungsthtigkeit, vielmehr eine verminderte" konstatiert werden muss, wie bei der Mehrzahl der Triebspitzen- deformationen. Die Unbestimmtheit der Begriffe hatte aber ihren Grund in anderen Thatsachen. Zunchst hat sich die Mehizahl der Pflanzenpatho- logen nach Reaumur die Vernachlssigung der zoolo- gischen Seite zu schulden kommen lassen. Man behandelte die Pflanzenauswchse vom rein klassifizierenden Stand- punkte als gegebene Naturobjekte, und was man von morphologischen Thatsachen zusammentrug, das war nur der nebenschliche Gewinn, die Moiphologie war auch hier nur Mittel zum Zweck. Erst Lacaze-Duthiers gab 1853 in seinen ,,Mc- moires pour servir l'histoire des Galles" (Ann. sc. nat. 3. ser. T. XIX.) eine Definition, die dem vorgerckten Stande unserer Kenntnisse der Gallen rechnungtragend bis vor wenigen Jahren im grossen und ganzen den Bedrfnissen entsprach. Wir wollen hier die von L acaze- Duthiers gegebene Definition der Galle im Oiigiualtext wiedergeben. Er schreibt: Nous considerons comme dos galles toutes les pro- ductions anormales pathoiogiques developpoes sur les plantes par l'action des animaux, plus jiarticulierement des insectes quels qu'en soient la forme, le volume ou le siege"; und weiterhin heisst es: Une gallo est un produit nouveau anormal developpe soit a la suiface externe, soit au mUieu des tissus d'un vegetal," Der Wert dieser Definition und der Fortschritt, der sich in ihr kennzeichnet, ist leicht ersichtlich. Die De- finition sagt sich los von allen usserhchen, moiijholo- gischen und anatomischen Merkmalen, sie trifft den not- wendig in betiacht zu ziehenden Punkt, das physiolo- gische Moment. Der Schwerpunkt der Definition der Galle muss notwendigerweise darin gesucht werden, dass der pathologisclie Zustand der Pflanze oder des Pflanzen- teils durch die Wirkung eines fremden, lebenden Organis- mus (Lacaze-Duthiers sagt, insbesondere eines Insekts) hervorgerufen wird. Dieser l^unkt ist geiade in den lteren Festsetzungen des Begriffs der Galle vllig un- bercksi(;htigt gelassen worden. Czech, welcher sich demnchst nher mit dem Ursprung der Gallen an Pflanzenteilen, speciell mit den Theorien dei' Gallenbildung (vgl. Stettiner entomol. Zeitung, XV, 1854) beschftigte, schloss sich mit einer neuen Definition ziemlich eng an Lacaze-Duthiers an, indem er das Wesen der Pflanzengalle folgendermassen charakterisierte : Galle ist die Wucherung eines Pflanzenteils ent- standen durch tierischen Einfluss und bestimmt zum Schutz und zur Wahrung fr tiei'ische Brut." Czech trifft in dieser ausserordentlich klaren und kurz gefassten Definition zunchst den wichtigen Punkt, die Entstehung der Galle durch den Einfluss eines Para- siten, er erweitert aber die Lacaze-Duthiers'sche De- finition dadurch, dass er auch den Zweck der Gallen- bildung, Schutz und Nahrung dei- tierischen Brut, in seine Definition aufnimmt. Czech schien nunmehr die endgltige Feststellung des Begriffs der Galle gegeben zu haben, jedenfalls scheint seine Definition allgemeinen Anklang gefunden zu haben. Schenk, dem wir die schtzenswerten Beitrge zur Kenntnis der Nassauischen Cynipiden und ihrer Gallen" (Wiesbaden, 1885) ver- danken, fhrt jene letzte Definition der Galle fast wrt- lich in der Einleitung zu sehiem Buche an. Trotz der gewonnenen festen Definition schien aber doch die alte Anschauung, wie sieMalpighi undReaumur gehabt hatten, und wie sie vielleicht die Mehrzahl der mit dem Gebiete der Gallenkunde nicht Vertrauten auch jetzt sicher noch hegen drfte, zu fest gewurzelt zu sein, um ganz zu verschwinden. Man hing mit aussei'ordent- licher Zhigkeit an dem hergebrachten engeren Begriff" der echten" Gallen, immer wieder unterschied man von ihnen die falschen Gallen, oder man suchte sich mit unbestimmten Ausdrcken zu helfen. So trat Sorauer in der ersten Auflage seines Lehrbuches der Pflanzen- krankheiten (1874) mit der Unterscheidung von Gallen und Gallonbildungen auf, und als die philosophische Fa- kultt der Universitt Berlin im Jahre 1876 eine Preis- aufgabe bezglich der Pflanzengallen ausschrieb, ver- langte sie ,,eine Zusammenstellung der Resultate der bis- herigen Arbeiten ber die durch Gliedertiere hervorge- brachten Rildungsabweichungen der Gewchse (Gallen im weitesten Sinne des Wortes)". Was sind aber Gallen im weitesten Sinne des Wortes? Nichts anderes als die , .echten oder wahren Gallen", die Gallen im engeren Sinne und die falschen Gallen", die Gallen im weiteren Sinne, zusammengenommen. Es lag also auch hier, wenn auch vei'steckt, ein Zurckgreifen auf ltere Unter- scheidungen dem Ausdrucke zu Grunde. Es erklrt sich diese Thatsache am einfachsten aus der Natur der Sache. .Jeder Laie konstruirt sich aus dem ihm durch die Sprache ijberlieferten rein logischen Begriff" erst den Inhalt des- selben durch die Erfahrung, und diese leitet eben zu- nchst zu dem engeren Begriff", -wie er sich den lteren 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Autoren, besonders Malpighi und Rt'aumur nach demselben psyeliolog-ischen G esetze unbewusst aufdrngte. Das Verdienst, das Zuifickg-reifen auf die frhere Unterscheidung hoffentlicli ein fr alle Mal abgeschnitten zu haben, gebhrt jedoch dem durch seine zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiete der Gallenkunde bekannten thringer Gelelu-ten Prof. Thomas. Den Begriff der Galle noch erweiteind, schuf er eine endgiltige Definition, in der dem Laien nur die Einfhrung griechischer Bezeich- nungen berflssig erscheinen drfte, da unsere Sprache geschmeidig genug ist, um treffende Ausdrcke bilden zu lassen. Fr die Wissenschaft fllt diese Art von Be- denken selbstverstndlich von vornherein fort. Die Wissen- schaft hat fr ihre specielle Terminologie andere Prin- zipien zu befolgen, die von den Grenzen der Nationalitt unabhngig sind. Die von Thomas in seinen Bei- trgen zur Kenntnis der Milbengallen und Gallmilben" (Giebels Zeitschr. f. ges. Naturw. Bd. i2, 1873, S. 513) aufgestellte Definition der Galle lautet: ,,Ein Cecidium nenne ich jede durch einen Para- siten veranlasste Bildungsabweichung der Pflanzen. Das Wort Bildung ist in dieser Erklrung zugleich im Siune des Prozesses (also aktiv), nicht nur seines Resultats zu nehmen. Eine abweichende Form zeigt jedes von einer Raupe angefressene oder minierte Blatt. Solche Ver- nderung wh'd Niemand den Cecidien beigesellen. Zui- Natiu- der letzteren gehrt die aktive Teilnahme der Pflanze, die Reaktion derselben gegen den erfahrenen Reiz." Statt des Wortes Cecidium (vom Griechischen xixcg = Galle) werde ich in Zukunft das deutsche Wort GaUe" gebrauchen, um nicht dem Gedanken Raum zu geben, dass etwa Cecidium und Galle nicht gleichwertige Begriffe seien. Was brigens den Charakter der Thom as- schen Definition wiederum ausmacht, ist das Betonen der physiologischen Seite, die moiphologische Seite der Gallenbildung ist absichtlich und mit vollem Rechte ganz unbeachtet gelassen. Die Erweiterung bezglich der frheren Definitionen spricht sich aber in der Auflassung des Parasitismus aus. Thomas ist es ganz gleichgiltig, von welchem Organismus der den physiologischen Prozess der Gallenbildung erzeugende Reiz ausgeht. Es braucht der Gallenbegrift' nicht nur abhngig von dem tierischen Schmarotzer gedacht werden, auch pflanzliche Schmarotzer, namentlich Pilze, knnen die Reizerscheinung und damit die Entwicklung der (ilalle bedingen. Deshalb unter- scheidet Thomas die Gallen als Tiergallen, Zoocecidien und Pilzgallen, Mycocecidien. Wie diese Beispiele zeigen, liegt aber in der Thomas'schen Definition noch ein fr die Wissenschaft nicht zu unterschtzender Vor- zug, die Kombinationsfhigkeit des scharf definierten Wortes Cecidium, fr welches wir immer das gleich- sinnige Wort Galle einsetzen knnen. Zunchst hat der erweiterte Begriff" der Galle eine neue Bezeichnung fr den die Galle bewohnenden Para- siten ziu* B'olge gehabt. Die Bezeichnung , .gallenbildende Insekten" war nur fr die Gallen in dem alten, be- schrnkten, nunmehr fallen zu lassenden Sinne aus- reichend; seitdem wir aber wissen, dass die Bildung der Tiergallen (Zoocecidien) von Vertretern aus allen Klassen der Gliedertiere, auch von Wrmern ausgehen kann, i'eicht die Bezeichnung Galhnsekten nicht mehr aus. Uebrigens hat auch K('iiumur (nach Thomas' Angabe) das Wort Gallinsekt" in ganz beschrnktem Sinne (fr die Cocciden) gebraucht. T h o m a s empfahl deshalb fr alle gallenbildenden Tiere den Ausdruck Cecidozoi'n einzufhren, welchem er naturgemss den der Cecidoph yten gegenberstellte, wo- runter die gallenbildenden Pflanzen zu verstehen sind. Nun ist es aber eine lngst bekannte Thatsache, dass nicht jeder in einer Galle anzutreffende Parasit zu- gleich als Erzeuger der Galle angesehen werden darf, auf dessen Lebensthtigkeit hin die Reaktion der Pflanze in der Bildung der Galle eintrat. Es sind aus diesem Grunde folgende Unterscheidungen notwendig geworden. Gallenbewohner kann als weitester Begriff jeder Para- sit der Pflanzen genannt werden, dessen Leben oder be- stimmte Lebensphase sich normaler Weise in einer Galle vollzieht. G a 1 1 e n er z e ug e r ist gleichbedeutend mit Gallen- bildner (Cecidozoon oder Cecidophyt). Die nicht die Gallen- bildung veranlassenden Gallenbewohner sind als Einmieter (Inquilinen) zu bezeichnen. Letztere leben entweder als Pa- rasiten und Schmarotzer von den Gallenerzeugern, sind also deren Feinde und Vernichter, oder sie sind nur Mitbewohner und Kommensalen, also Schmarotzer bezglich der Gallen und demnach den Gallenerzeugern nicht direkt schdlich. Weitere in der Gallenkunde gebruchlich gewordene Ausdrcke hier zu erlutern, wrde uns von dem Zweck dieser Mitteilung entfernen. Es soll nur noch auf einen Ausdruck verwiesen werden, der die Bedeutung des Be- griffes Galle noch von einer Seite aus scharf charakteri- siert. Axel Lundstrm behandelt im IL Teil seiner Pflanzenbiologischen Studien" (Upsala, 1887) die An- passungen der Pflanzen an Tiere. Er fhrt in dieser Arbeit einen neuen Ausdruck, Domatium, ein. Er versteht unter einem solchen alle Umbildungen eines Pflanzenteils, welche Pflanzen und Tieren zu gegenseitigem Nutz und Frommen dienen soUen. Der das Domatium bewohnende Organis- mus findet in dem Domatium gleichsam seine Behausung, seine speziell fr ihn hergerichteten Wohnrume, ohne der Pflanze schdlich zu sein. Im Gegenteil bringt er der asylgewhrenden Pflanze durch Abhalten schdlicher Einflsse oder durch die Vertilgung vieler der Pflanze feindlichen Organismen entschiedenen Nutzen. Zwischen den Domatien erzeugenden Pflanzen und dem Domatien bewohnenden Organismus besteht also zwar eine Wechsel- beziehung, eine sogenannte Symbiose (Lebensgemein- schaft), wie bei den Gallen. Das Domatium schliesst aber den Gegensatz (Antagonismus) der Interessen zwischen den zur Symbiose schreitenden Organismen aus; es ist das Domatium eine auf Leistung und Gegen- leistung, auf Gegenseitigkeit (Mutualismus) hinzielende Bildung. Lundstrm giebt daher folgendes Schema der symbiotischen Bildungen bei den Pflanzen: p .,. (Zoocecidien, L-eciaien ^^^.^-^^ rpjgj.p verursacht. (antagonistische Symbiose). Symbiotische ]3ildungen Phytoceeidien, ^durch Pflanzen verursacht. Zoodomatien, von Tieren bewohnt. Phytodomatien, von Pflanzen bewohnt. Domatien (mutualistische Symbiose). Es wird nun hier die Aufgabe bleiben, die Grenze des von Thomas definierten Gallengebietes nicht vei'- wischen zu lassen. Denn es lsst sich nicht verkennen, dass der Charakter der Domatien noch nicht gengend scharf gegeben worden ist, ein Vorwurt, der der Defini- tion des Begriffes Galle nicht mehr gemacht werden kann. Es wird dies ein einziges Beispiel erlutern. Nach Lundstrm muss man den Winkel zwischen zwei vorspringenden Blattnerveu, wenn er von Milben als Ver- steck benutzt wird, als ein Domatium ansehen. Es fehlt aber hier jeder zwingende Grund fr eine mutualistische Abhngigkeit; der Blattnervenwinkel wre auch da, wenn die Milben ausbleiben. Den Nervenwinkel als eine leer- stehende Wohnung anzusehen, wre aber doch eine eigen- Nr. 7. Natufwissenschaftliche Wochenschrift. 55 tmliche Sache. Dann msste auch jeder Kindemiss, in welchem sich Flechten ansiedeln oder in welchem sich Blattluse, Milben und Spinnen verstecken, ein Doma- tium zu nennen sein. Nimmt man aber an, und solche Flle sind nach Lundstrm nicht ausgeschlossen, dass die Bildung eines Domatiums, etwa einer im Nerven- winkel normal vorhandenen Grube mit besonderer Be- haarung, als eine im Laufe der Jahrhunderte angezch- tete Bildungsabweichung vom ursprnglichen Typus der Pflanze angesehen werden muss, dann ist man ebenso sehr berechtigt diese Bildung eine Galle wie ein Doma- tium zu nennen. Galle, weil diese Bildung etwas der Pflanze ursprnglich nicht Zukommendes, durch den Reiz des schutzsuchendeu Organismus Erzeugtes darstellt. Die Pflanze hat eine Leistung hinter sich, die ihr octroyirt worden ist, und das ist immerhin ein Antagonismus. Ein Domatium ist aber dasselbe Gebilde, weil seine Con- stanz nichts Antagonistisches mehr nachweisen lsst, der Antagonismus ist vergessen, verschwunden ; es tritt jetzt der Mutualismus an seine Stelle. Bei solcher Auffassung wre dann jedes Domatium ursprnglich ein Cecidium gewesen. Man sieht also, wie notwendig hier gewacht werden muss, damit nicht wieder ein Schwanken in den Begriffen eintritt, die einmal feste Form gewonnen haben, wie der Begriff' der Galle, den zu errtern allein der Zweck dieser Zeilen sein sollte. Berittene Ameisen lernte Karl Meissen in Slam kennen. Es ist eine kleine, matt grauschwarz gefrbte Art, die sich vorzugs- weise an feuchten Orten aufhlt. Man sieht diese Art Ameisen hufig in breiten Kolonnen von betrchtlicher Lnge .sich fortbewegen. Inmitten des zahlreichen Arbeitervolks marschieren in gewis.sen Ab- stnden einige, bedeutend grssere Exemplare Ab und zu erscheint aber, langsam und bedchtig im Zuge einhersohreitend', ein wahrer Ameisen-Koloss, ein Elefant an Grsse im Vergleich zu. den brigen kleinen Ameisen. Sein glnzend schwarzer Kopf ist grsser als der brige Krper, und auf seinem Kcken reitet oder sitzt zuweilen eine kleine Arbeiterameise. Pltzlich kommt mehr Bewegung in das Reittier: es durchbricht die marschierende Kolonne und rennt mit seinem Reiter ausserhalb derselben in wilder Hast umher, um darnach wieder in Reih und Glied zurckzukehren und wieder seine frhere Ruhe zu zeigen. Schon Bastian berichtet in seinem Werke ber die Vlker des stlichen Asiens ber reitende Ameisen, die den Siamesen sehr bekannt seien. Gegenber Ludwig Bchner, der in seinem Buche Aus dem Geistesleben der Tiere" diese von Bastian erzhlte sonder- bare Erscheinung anzweifelt, betont K. Meissen ausdrcldich die Wahrheit derselben, da er sie mit eigenen Augen wiederholt beoliach- tet habe. Ob man es mit einem Araeisengeneral, der sich beim Inspizieren seiner Truppen eines Reittieres bedient, oder mit einem berittenen Schutzmann unter den Ameisen zu thun habe, sei aller- dings, wie der Verfasser meint, nicht leicht zu entscheiden und bleibe die bezgliche Erklning der Phantasie berlassen. (Nach der Zeitschrift Humboldt,,.) K. Litteratur. Paul Mantegazza, (Trilogie der Liebe): 1) Die Physiologie der Liebe. Aus dem Italienischen von Dr. E. Engel. 3. Aufl. 8". 392 S. Jena, 1889. Preis 4 JC. 2) Anfhropologisch-kuHurhisto- rische Studien ber die Geschlechtsverhltnisse des Mensehen. Aus dem Italienischen. 2. Aufl. 8". 284 S. Jena, 1888. Preis 7 JC. 3) Die Hygiene der Liebe. Aus dem Italienischen. 2. Aufl. Jena (ohne Jahreszahl). Preis 4 JC. 1), 2) und 3) Verlag von Her- mann Costenoble. Es ist eine einerseits fesselnde und dankenswerte, andrerseits echwere und heikle Aufgabe, die wunderbaren und bunt wechselnden Erscheinungen der Liebe und des gesamten Liebeslebens der wissen- schaftlichen Forschung zu unterwerfen. Wenn auch be- sonders in neuerer Zeit der Romanschriftsteller dem Leser eine psychologische Entwicklung der Geschehnisse und der Charaktere der vorgefhrten Personen zu geben sich bemht, so legt er bei den Untersuchungen, die er anstellt, doch nicht ausschliesslich oder auch nur vorzugsweise den streng wissenschaftlichen Massstab an, wie es ntig ist, um zu einer klaren Erkenntnis der in Frage stehenden Erscheinungen, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer Ursachen zu gelangen. Wenn die obengenannte Aufgabe daher recht gelst werden soll, so muss es seitens des Naturforschers geschehen , aber seitens eines solchen , der nicht bloss Bienenfleiss und Verstand, sondern auch umfassende Vernunft und vor allem ein grosses Herz, ein reiches Gemt besitzt, welches selbst fhig ist, eine tiefe, gewaltige, glhende Liebe zu empfinden. Ein der- artiger Naturforscher ist Paul Mantegazza, Professor der Anthro- pologie in Florenz. Ihm sind ein echt wissenschaftlicher Geist und ein rein menschlich fhlendes Herz zu eigen , und so hat er seine Aufgabe mag er sie auch immer noch nicht vollstndig ge- lst haben doch in der rechten Weise anfassen und bearbeiten knnen. Ich sagte oben: diese Aufgabe wre eine heikle, denn gerade der Liebesdrang in seiner verschiedenen Gestaltung giebt wie zu den hehrsten so auch zu den abscheulichsten Dingen Anlass; aber der Naturforscher darf vor nichts zurckschrecken, er muss in den materiellen wie in den moralischen Schmutz mit fester Hand hineinfassen; kein falsches sthetisches oder sittliches Be- denken darf ihn zurckhalten. Wer kann denn auch das krper- liche, das soziale, das sittliche Elend lindern, der es nicht kennt und nicht weiss, wie ilim beizukommen ist als einem Feinde, der uns gefhrlich bedroht 1 Schne Worte sind es, die Mantegazza in der Vorrede zu seiner Hygiene der Liebe" ussert: Alles, was menschlich ist, gehrt der Wi.ssenschaft an; und wer nur das Ideale oder nur das Gemeine eines Menschen studiert, der dringt nicht einmal bis in die Haut dieses vielseitigen, tiefgrndigen, ver- wickelten, vernderlichen, proteusartigen Geschpfes, welches Mensch heisst". Ehe ich kurz auf den Inhalt der drei Werke eingehe, will ich bemerken, dass der Verfasser phantasievoll und in bilderreicher Sprache schreibt; blendende Geistesblitze erleuchten oft seine Dar- stellung, vielen wahren und bedeutsamen Worten begegnet der Leser. Mantegazza ist ein Idealist, der aber doch in das Wesen der Wirklichkeit bis auf den Grund eindringen und es wahr er- kennen will. Einen Fehler hat er, der mir mehrere Male aufgefallen ist: er lsst sich bisweilen (besonders in seinem in noch jugend- lichen Alter geschriebenen Werke Die Physiologie der Liebe") teils von seiner Begeisterung, teils von dem Bestreben, entschiedene und bestimmte Wahrheiten ohneWenn und Aber, ohne Einschrn- kungen auszusprechen, dazu fortreissen, mehr oder minder einseitige Behauptungen aufzustellen, welche sich spteren Errterungen gegen- ber nicht vollstndig aufrecht erhalten lassen. Um hierfr ein Bei- spiel zu geben, stelle ich folgende Stze zusammen, die sich in der Physiologie der Liebe" finden: 1) Die Liebe ist die Kraft, welche das Ei mit dem Samen in Berhrung zu bringen hat." 2) Die Sympathie, die Zuneigung ist die einzige und wahre Quelle der Liebe." 3) Und w.as ist in Wirkhchkeit die Liebe anders als die Wahl der fchnsten Formen, um diese fortzupflanzen'?" 4) Mit einem Wort, der stolze Verchter der Form wurde verfhrt von der durchaus schnen, echt weiblichen Form eines Charakters oder eines Geistes". Man kann vielleicht in diesen verschiedenen Aussprchen das Gemeinsame finden, aber der Verfasser selbst htte sie in klaren Zusammenhang mit einander bringen, sie besser aus einander ent- wickeln sollen. Doch diese Ausstellungen fallen gegenber den Vorzgen der Werke Mantegazzas nicht erheblich ins Gewicht. In der Phj-siologie der Liebe" bespricht der Verfasser, nach- dem er sich ber das Wesen des Lebens und der Liebe und ber die Zeugungsarten bei Pflanzen und Tieren verbeitet hat, das gegen- seitige Verhltnis (Aehnlicbkeit) , welches zwischen den Zeugenden bestehen muss, wenn eine gute Frucht gezeitigt werden soll, und bezeichnet die Liebe als die Summe von analogen, nicht von identischen Krften. Am Schlsse des ersten, mehr einleiten- den Kapitels sagt er: Unser jetziger Liebeskodes ist eine elende Verquickung der Heuchelei mit der Wollust, und weil wir der Liebe nicht von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten wissen, so ver- mummen wir sie mit der Ausschweifung und der Prostitution. Unsere Sittengesetze sind so beraus vortrefflich, dass danach viele nicht lieben drfen und sehr viele nicht lieben knnen; und whrend man in Wehklagen ausbricht, wenn mal ein Mensch vor Hunger stirbt" (es wird auch mehr usserlich geklagt, als dass tiefes Mit- leid empfunden wird und Hilfsbereitschaft lebendig ist), zuckt man die Achseln gegenber den Hunderttausenden, welche ehelos starben, weil sie nicht das Stroh zu einem Neste zusammenzubringen ver- mochten , und lacht man ber die Millionen von Menschen, welche die Liebe nur in der Form der Unzucht oder der Prostitution kennen. Gegenber der Liebe sind wir alle noch mehr oder weniger Wilde eine schreckliche Stupiditt herrscht angesichts der grOssten aller menschlichen Leidenschaften". Die schon hier vorgebrachten ^ngriife auf die Heuchelei und das usserliche Scheinwesen in der Liebe der moderneu Welt wiederholt der Verfasser hufig im Ver- laufe der folgenden Untersuchungen; so wenn er ber die Scham- 56 Ifaturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. haftigkeit oder die Jungfrauschaft, ber die Wollust, ber die Ehe redet. Wie wahr ist seine Aeusserung, dass man von der Tugend eines Weibes oft genug nur eine physische oder chemische Idee hat, whrend doch auf die innere Reinheit alles ankommt. Wie elend ist die moderne Moral, welche der Gattin rt: Vor allen Dingen keinen Skandal!" und welche verlangt: Erst Jungfrau, dann keusch .... Das Hutchen unversehrt was sonst mit dir vor- gegangen, ist gleichgiltig". Auch darin hat Mantegazza recht, wenn er von der Ehe sagt, dass sie, wie sie heute besteht, eine ganz (oder sagen wir gerechter; vielfach) korrumpierte Einrichtung ist, die einer tiefgreifenden Reform bedarf, um ihre natrliche Wrde wiederzuerlangen, dass der Ehebuud heute oftmals eine getraute Prostitution, ein Schacher mit Kapitalien und Adelstiteln in den hheren Stnden, eine Proletariatsfabrik in grossem Massstabe in den niederen Stnden ist". Das ist ein hartes und scharfe