Redidi't von Dr. Potoiii^. Docenten der Pilanzeiipalaeontologie an der Kgl. Bei'gakademie zu Berlin und Geologen an der Kgl. Preuss, geologischen Landesanstalt. -^m^- ZWOELFTER BAND ^ (Januar bis December 1897). 4^ BERLIN. Ferd. Dnimlers Verlagsbuchhandlung. Inhalts -VeFzeiehniss. Die Orig-inal-Abliaudhingen, -Mittlieiluiis'fn und -Abbildungen sind diircli die Beifg-ung der Abkrzung Orig." gekcnn- zeiclmet: ausserdem sind viele Autoren an den Eeferaten ber ihre Arbeiten dadureh betheiligt gewesen, dass sie die Correcturen gelesen haben. Seilf Allgemeines uiul Verschiedenes. DiMiuert, lieber die Natur der Ge- rusche 307 llennig, Charakteristik der Tonarten (Orig. mit einem Noten-Beispiel) . 121 Nansen auf der Wallross- nnd Bren- jagd _ 12., 20() Potonie und Raub er, Krystall uncl Organismus 65 Verworn, Erregung und Lhmung . 97 Wegen er, Webers Gesetz und seine Bedeutung fr die Biologie (<-)rig.) 397 Bemerkungen zur Syusthesie . . . 178 Philosophie. Hennig, Die Psychologie als Krbin der Pliilosophio (Orig.) 449 Schmidkuuz, Herrenmoral und ethi- sche Evolution (Orig.) 169 Teleologie der Vorurtheile (Orig.) . 445 Anthropologie und VerM'andtes. Achelis, Vlkerkunde und Psycholo- gie (Orig.) ... 229 Vlkerkunde und Ethik (<-rig.) . . 373 Brandt, Hundenionschen 246 Bart des Menschen 273 Cohn, Sehleistungeu der Helgolnder 29 Flechsig, Gehirnrinde und geistige Vorgnge ,.-. ^^^ Lepsius, Cultur und h^iszeit 73, Schneider, Rud., Bemerkungen dazu 330 Ljubimot'f, Geschmack der Elektri- citt 89 Martin, Rassenkunde in der Sclnveiz 79 Mercer, Durchforschung der nord- amerikanischen Plhlen 7 Me wes, Die Ablingigkeit der Nerven- reizbarkeit der Vlker von terrestri- schen und kosmischen Erscheinungen (Orig.) 541 Petri, Ursachen derAnthropophagie . 487 Wallis, Behaarung, Grsse und Stel- lung des menschliehen Ohres . . 464 Weiss, Die Zukunft der Menschheit (Orig.) 361, 395 Zoologie. Alberts, Die Entwiekelung des Ge- sichtssinnes (Orig.) 29 Der Gehrsinn (Orig.) 139 Seite Alberts, Entwiekelung derchemischen Sinne (Orig.) ......... 211 Agassiz u. Woodworth, Unter- suchungen ber Abnormitten . . 56 Allen, Alter- und Krankheits- Wir- kungen auf Knochen 247 A u r i V i 1 1 i u s,Z wischenformen zwischen socialen und solitren Bienen . . 416 Baker, Wirkung der Musik auf ge- fangene Tliiere 429 Beaurcgard, Entstehung der grauen Ambra 500 Bell, Ein nestbauender Fisch . . . 478 Binney, Zucht von Amoeben . . . 477 Bitting, Pferdedassolfliege im Maul der Pferde 487 Bouvier, Krankheiten der Crustaceen 510 Chun, Theorie des Sehens in grossen Meerestiefen 91 Clayton u. Fergusson, Flugge- schwindigkeit der Ente 164 Glessin, Eintluss der Umgebung auf die Gehuse der Mollusken . . . 477 C u u n i n g h a m , Hummerzucht in Eng- land 524 Dahl, Lebensweise des Ameisenigels 415 Der Dingo 415 Bedeutung der Copepoden fr das marine Plankton 498 Decaux, Die Orchideen-Wespe . . 557 Dollfuss, Verbreitung einiger Land- asseln 575 Drigen, Leben und Treiben der Makropoden 545 Edinger, Entwiekelung des Sehens 260 Fiscliel, Variabilitt und Wachsthum des embryonalen Krpers .... 367 Gemmill, Hermaphrodit, bei Patella 283 Giard, Parasitismus einiger Monstril- liden 487 Goeldi, Lepidosiren paradoxa an der Mndung des Amazonas .... 319 Graff. System und Verbreitung der Landplanarien 261 Grassi, Fortpflanzung des Aales . . 212 Grieg, Arktische Vagabunden . . . 260 d'Hammon ville, Winter und Vgel 383 Hausmann, Zur Biologie der Sss- wasserfisch-Saugwrmer 465 Heger 1727 ber" den Aal 283 He3'king, Biologisches vom Fluss- krebs 332 Hjort, Untersuchungen ber die Or- ganismen und Stromverhltnisse im norwegischen Nordmeere (m. Karten und Schematas) 518 Ihering, Biologie der socialen Wespen Brasiliens 141 Ike da, Fortpflanzungs-Gepflogenheiten bei einem japanischen Laubfrosch 524 Seite Itzerodt, Molchfauna des Nieder- eibischen Gebirges 127 Jan et, Beziehungen der myrmeko- philen Lepismiden zu den Ameisen 105 , Anthorophorus Uhlmanni .... 357 J anson. Scheinbare Geschlechts-Meta- morphose einer Henne 590 Johnson, Das Auge des Menschen und von Primaten 391, 431 Joubin, Ueber die Kopffsser . . . 273 Karutz, Zweck und physiologische Bedeutung der Ohrmuschel . . . 509 Kathariner, Bildung und Ersatz der Giftzhne bei Schlangen .... 282 Keith, Schlafstellung des Orang-Utans 575 Kobelt, Zur Theorie der Protoplasma- und Zellstructur (Orig. mit Orig.- Abb.) 565 Krassilstschik, Gefhrliche Krank- heiten der Seidenraupe 30 Kreide, Angebliches Hren eines Glockenzeichens durch Fische . . 17 Kkenthal, Litoralfauna von Ternate 103 Kuhn, Das Sterben der Individuen als Auslese-Vorgang (Orig.) . . . 193 Kundsen u. Ostenfeld-Hansen, Plankton und Sauerstoff'- Kohlen- sure-Gehalt dos Meeres .... 126 Lang, Dexiotrope und laeotrope Schneckenschalen 402 Lendenfeld, Neues ber Korallen- riife (Orig.) 224 List er, Entstehung der Milioliden-Ge- huse 415 Lorenzi'n, Aesculap-Natter in Dne- mark (Orig.) 250 Lucas, Die Tunicaten-Sammlung des Museums fr Naturkunde zu Berlin (Orig. mit Abb.) 388 , Die Crustaceen-Sammlung des Mu- seums fr Naturkunde zu Berlin (Orig. mit Abb.; 457 Marchai, Parasitismus einer Hyme- nopt.- Larve in der Larve der Ge- treide-Gallmcke 308 , Das numerische Gleichgewicht der Arten bei den Insecten und seine Bezieh, zu den Parasiten . . 465 V. Martens, Mollusken -Schausamm- lung des Museums fr Naturkunde zu Berlin (Orig.) .253 , Kobelt's Mollusken der palarkti- schen Region (Orig.) 525 Matschie, Geographisches aus der Sugethierkunde 307 Meissner, Die Bryozoen-Schausamm- lung des Museums fr Naturkunde zu Berlin (Orig. m. Abb.) .... 389 Merel, Bastard zwischen Haus- und Steinhuhn 224 'AHH'22 IV Tiilialts-Verzeichniss. Seile Mingaud, Der auf dem Biber woh- nende Platypsylhis cast 200 Moore, Zur Fauna des Tanganyika- Sees 430 Murray. Verbreitung der pelagiselien Foraminiferen 402 Nordenskild , Winterleben unserer Ssswasermollusken 623 Osborn, Bedeutung der Nagethiere fr die Entwickelungs-Lelire . . . 368 de Palluel, Stimmapparatd. Kuckucks 464 Penecke, Xerobdella Lecomtei . . 141 Raspail, Ueberwinterung der Schwal- ben 537 Rivel, Regeneration des Vorder- und Endarmes bei einigen Ameliden . 357 Rollinat und Trouessart, Fort- pflanzung der Fledermuse .... 369 Schaudinn, Das Centralkorn dor Heliozoen 308 Schenkling-Prevt, Die Fische der zoologischen Sammlung des knigl. Museums fr Naturkunde (Orig. m. Orig.-Abb.) . . . 14) , Vernderungen im Kloide der Vgel (Orig.) 460 Schreiner, Ueber die Lebensweise des Strausses 22-1 Seourfield u. Brice, Mikro-Flora und -Fauna Spitzbergens .... .556 Simroth, Ueber Stimme und Gehr und ihre Abhngigkeit vom Land- leben (Orig.) . . . . . . ... 332 , Landpflanzen und Thiere im heimi- schen Ssswasser . 402 Spengel, Neotenie und unvollstndi- ger Albinismus bei Salamandra ma- culosa 319 Stadelmann, Die Reptilien der zoo- logischen Sammlung des knigl. Mu- seums fr Naturkunde (Orig. ni. Abb.) 13 Stone, Mimicry einer Kferlarve zu einer Flechte 23.3 Storm, Riesentintenfischc an der nor- wegischen Kste 370 S tu der, Zur Geschichte unserer Hunderassen (zum Tlieil Orig mit Abb.) 325 Tenishikawa, Augen der Plattfische 537 Thayer, Versuche ber Schutz- frbung 590 Thomas ii. Lydckker, Anzahl der Backenzhne von Manatus .... 575 Tornier, Die Amphibien dns zoologi- schen Museum fr Naturkunde zu Berlin (Orig. mit Abb.) 39 Vorill, Schutzftirbung der Thion' whreud der Nacht 378 Vorworn, Der krnige Zerfall ... 7 , Polare Erregung der lebenden Sub- stanz cliireh den constanten Strom 79 , Polare Wirkung des constanten Stromes auf Amocbon 234 Wasmann, Myrmecophylen und Ter- mitophilen 308 Weber, Hirngewicht der Sugethiere 249 Werner, Schuppenbekleidung des re- generirten Eidechsenschwanzes . . 116 Willey, Fortpflanzung von Nautilus armacromphalus 24C Winton, Zwei Arten von Giraffen . 404 Wiren, Selbstverstmmelung von Car- duus Maenas 437 Ziegler, Flug der Brieftaube . . . 510 Die zoologische Sammlung des Knigl. Museums fr Naturkunde zu Berlin (mit Abb.) 13 Malte's Fischzuchtanstalt (mit Abb ) . 547 Neuer Fund von Clilamydoselachus an- guineus 141 Sind die Anthropoden eine natrliche Gruppe? 24G Wamhitaube im Aussterben begriffen 344 Seite Botanik. Beyer, Europische Ueborpflanzen (Orig.) 22 Bonnier, Absonderung von Zucker ni Tropfenform an den Blttern der Pflanzen 105 Brauer, Lodoicea Seycliellarum . . 152 Choda t. Die rothen Algen des Schnees 201 Davis, Flora der heissen Quellen des Yellowstonparks 512 Frank u. Krger, Neueres aus dem Gebiet der Pflanzenpathologie und Physiologie (Orig) 605 Frenzel, Die Diatomeen und ihr Schicksal (Orig.) 157 Grisard, Ravensara 344 Godlewski u. Polzeniusz, Alko- holbildung bei der intramoleclen Athmung der Erbsen-Keimlinge . ."'12 Goebel, siehe Haberlandt. Haberlandtu. Goebel, Physiologie der Rhizomschuppen von Lathraea 344 Heckel, Ueber den Biitterbaum . . 439 Hennings, Vernichtung der Raupen von Liparis chrysorrhaea durch Em- pnsa (Orig.) 290 Hirase u. Ikeno, Samenfden bei Phanerogamen 153 K 1 k w i t z , Ueber die Bewegung mikro- skopisch kleiner Organismen (Orig. mit Orig.-Nachb.) 277 Krabbe, Einfluss der Temperatur an den osmotischen Processen lebender Pflanzenzellen 18 Kraus, Bedeutuug des Oxalsuren Kalkes in den Pflanzen 235 Kusnezow, Die russischen Steppen . 319 Lang, Prothallien mit Sporangien . 141 Lindau, Ueber Insectenbewohnende Pilze (Orig. mit Orig.-Abb.) . _. . 304 Loew, Neuere Forschungsergebnisse der Bltheubiologie 607 Loprior e, W^irkung organischer Su- ren auf das Wacbsthum der Pflanzen- zelle 524 , Einwirkung der Rntgenstrahlen auf Protoplasma 537 Nest I er, Ausscheidung von Wasser- tropfen an den Blttern 164 Oltmanns, Scheincopulation bei nie- deren Pflanzen 403 Potonie, Die Metamorphose der Pflanzen im Lichte pulaeontologischer Thatsachen (Orig. mit Abb.) ... 608 Prantl, Leclorc d u Saljlon, Stein- brinck u. s. w., Oeffnungs- und Schleuder -Mechanismus der Farii- Sporangien (mit Orig.-Abb. und Nachb.)' .' 629 Reid, Pflanzenverbreitung du: ch Vgel 69 Reinke, Phylogenetisches Flechten- system 7 , Phylogenetische Untersuchungen bei den Leguminosen 161 , Untersuchungen ber die Assimila- tions-Organe der Leguminosen . . 392 Seourfield u. Brice, siehe Zoologie. Stahl, Der sogenannte Pflanzen^chlaf -103 Steinbrinck, Hygroskopischer Me- chanismus des Laubmoosperistoms 453 Townsend u. Haberlandt, Meni- branwachsthum und Zellkern (mit Abb.) 401 Thomas, Durch Englena sanguinea erzeugter Blutsee 225 Volkens, Die tropisclien Oultur- und Nutzpflanzen, unter besonderer Be- rcksichtigung unserer Colonien (Orig.) . 607 Webber, Eichhornia crassipes als Wasser-Wucherpflanze 499 Zinsser, Bacterien in pflanzlichen Ge- weben 358 Nomenclatur-Regeln fr die Beamten des Knigl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin Womit beschftigt sich die Phnologie? 563, Palaeoutologie. Boule, Cadurcotherium Forsyth Major, Neuer fossiler Affe Gaillard, Eine rniocne Harpyie . . Nohring, Fossile Alactaga-Reste im Lss Nordbhmens (Orig.) .... Pabst, Thierfhrten in dem mittleren Rothliegendon von Kabarz (Orig. mit Orig -Abb.) , Fhrten von Ichniotherium Cottae (Orig. mit Orig.-Abb.) Potonie, Eine Alethoptoris aus der Kreide (Orig.) , Stammbaum der Filiccs .... Rothplctz, Flysch-Chondriten . . . Volz u. Leonhard, Elephautenreste und Elephantus trogontherii in Schlesien W o r t m a n , Stammesgoschichte der Edentaten Seite 280 603 345 56 576 333 85 313 119 287 309 127 556 Geologie und Mineralogie. Chalmers, Quartre Vergletscherung von Neufundland und Neubraun- schweig 18 Dahms, lieber Bergmehl und Diato- meen fhrende Schichten in West- preussen (Orig.) 385 Dames, Ueber Gebirgsbildung . . 599 Derby, Vulkanhnliche Ausbreitung bei Santos in Brasilion 297 D rag h i e e n u , Erdbebenphnomene im Gebiete der unteren Donau . . . 117 Lacroix, Mineralbildung in Bli'i- srgen 358 Lang", Von Vulkanismus, Oberflchen- Gliederung unabhngige Bewe- gungen und Erschtterungen dos Erdbodens (Orig. mit z. Th. Orig. Abb.) 409 Michael, Alter der Sadewitzer Ge- schiebe 20 Rssel. Diamanten des Stahles . . 128 Rothpletz, Geologischer Bau des Glrnisch (Orig. init Orig.-Abb. "I . 31 Suess, Entwickelungsgeschichte der Oceano 165 Zache, Die Grundzge einer Bildungs- geschichto der Erdrinde, erlutert an der geologischen Wand im Humboldthain zu Berlin (Ori;. mit Abb.) . 141 Kanadische Mineralproductiou ... 32 Silberblock, grsster 404 Physik. Ba ndrowsky. Licherscheinungen bei der Krystailisation . . . . . . 142 Epstein, Elemente der elektrischen Arbeitsbertragung (Orig.) . . . 352 Foinm, Wellenlnge der Rntgen- strahlen 45 Knig, Neue physikalische Demon- strationen (Orig.) 339 Langer. Ueber Erzeugungvon X-Strah- len. IL (Orig.) ..:..... 188 Le vi -Dorn, Tiefenschtzungen bei Rntgeii-Aufnahmen 226 Lummer, Ueber Grau- und Roth- glutli 576 Lummer, Neuere Untersuchungen aus dem Gebiet der Lieht- und Wrme- strahlung mit besonderer Berck- sichtigung der Photometrie (Orig.) . 593 Inlialts-Verzeicliniss. Mewea, Uebei- Fernwirkungen und die Fortpflanzungsgesclnvinrligkeit der Scliwerkniftstrahlen (Orig.) . . . Ros e nb c i'ger, Aus der Eutwii-ke- lungsgeschichte der elektrischen Piincipieu (Orig.) Wellmann, Beziehungen zwischen Licht und Gravitation (Orig.) . . Seite 493 341 62(i Mathematik. Aruaudoau, Neue Hlfstat'el fr numerisches Keclnien 153 Astronomie. Brenner, Thiltigkeit der Manora- Sternwarte 1896 (Original mit Abb) 181 , Percival Loweli und dii Venus- rotation 562 Gaudibert, Zur Keuntniss unseres Mondes (Orig.) 46 Hnatek, Percival Lowell und die Venus-Rotation (Orig.) 505 Seeliger, Vergrsserung des Erd- schattens bei Mondfinsternissen . 500 Meteorologie. Assmann, Die internationalen wissen- schaftlichen Ballonfahrten .... 8 van den Broeck, Mistpoeffer . . . 297 Errera, Demonstration von egen- bildung 18 E s c h e n h a ge n , Gegenwrtiger Stand der erdmaguetischon Forschungen (Orig,) 582 H a r i e s , Arktische Gewitter und Hagel- flle 141 Hennig, Wolkenbruch im Riesen- gobirge (Orig.) 404 , Ungewhnliche Regen in Europa (Orig ) . . 441, 455 Lancaster, Tropische Regen . . . 441 Lickfeld, ErklrungdesMistpoeffers" 430 osenbach, Beziehungen zwischen Luftdruck und elektrischen Ent- ladungen 406 Wendt. Eine Theorie des Polarlichtes _ (Orig.) ^ 469 Niederschlge im Kreise Teltow . . 34 Wetter-Monats-Uebersichten mit graphi- schen Darstellungen 32, 80, 128, 189, 236, 285, 345, 392, 440, 501, 549, 615. Chemie. A b egg, Vernderung von Salzen durch Kathodenstrahlen 558 Barriere, Lucium 19 B er t h e 1 o t u. V i e 1 1 e , Explosive Eigen- schaften des Aeetj'lens 250 Bredichin, Helium im Schweif der Kometen 394 Buchner, Alkoholische Ghning ohne Hefezeflen 127 Charpy, Metalllegierungen .... 333 Dewar, Verflssigung der Luft und Untersuchungen bei niederer Tempe- ratur 57 Drossbach, Monacitbestandtheile . . 165 Emnierling, Zersetzung von Fibrin durch Streptococcen 537 E r d m a n n , AmmoniakstickstoiF im Ur- gestein 106, 131 Fischer u. Ach, Synthese des Caffeius 116 , Synthese der Harnsure, des Hy- droxycaffeins und des Aminodioxy- purins . . 284 Seite Fischer u. Ach, Synthese des Theo- bromins , 512 , Die 2 Methyltrichlorpurine . . . 568 Franck, Ueber einige Stickstoffmetalle (Orig.) 291 Freund, Chemische Vortrge . . . 355 Fritzsche, Knstlicher Alkohol . . 465 Gal, Castoreum 418 Hentschel, Chlorstickstoff . ... 489 van't Hoff, Neues in der Stereo- chemie (Orig.) 598 van't Hoff's Theorie der Lsungen . 355 Krhnke, Chemische Untersuchungen an vorgeschichtlichen Bronzen Schleswig-Holsteins 488 Lauger, Gift der Honigbiene . . . 318 Linde, Verflssigung der Luft (mit Abb.) _ 81 Losanitschu. Jowitschitsch, Che- mische Synthesenmittels der dunklen elektrischen Entladung 214 Moissan, Darstellungen und Eigen- Schften des Urans 105 Olszewski, Helium-Verflssigung . 261 Rssler, Die modernen Methoden der Goldgewinnung (Orig.) 363 Scholtz, Bebirin 32 Spiess, Neue Versuche mit flssiger Luft 188 Wendt, Zur Theorie der Glirungs- Erschcinungen (Orig.) 507 Argon und Helium 355 Elektricitt und chemische Industrie . 356 Experimentiren mit flssigem Gase . 356 Neue Methoden zu Molekulargewichts- bestimmungen 355 Geograpliie und A'ernandtes. B a s c h i n , Aussichton der Andree'schen Ballon-Expedition 536 Bluzet, See Faguibine, ein neuer afri- kanischer Landsee 56 David, Entstehung der Koralleninseln 538 V. Drygalski, Die Polargebiete auf Grund der neuesten Forschungen (Orig.) 599 Folgher alter. Magnetische Inclina- tionen zur Etrusker-Zeit .... 274 Kttkenthal, Das Reich Sarawak auf Borneo (mit Abb.) 109 Mewos. Aufgaben und Stand der Sd- polarforschung (Orig.) 208 Pettersson, Stand der Meeresfor- schung 213 Regel, Reisebrife aus Colonibia (Orig. mit Orig.-Abb.) 1, 37, 231, 265, 289, 301, 349 Reusch, Insel And 225 Rrdam, Hydrographische Unter- suchungen in den dnischen Ge- wssern 379 Ryder, Eisgrenze zwischen Grnland, Island und Spitzbergen 560 Ule, Wasserhaushalt im Stromgebiet der thringischen Saale (Orig.) . . 4 Walser, Vernderungen der Erdober- flche im Kanton Zrich .... 56 Unterricht. Bodo, Der 2. naturwissenschaftliche Feriencursus fr Lehrer an hheren Schulen in Frankfurt a. M. (Orig.) 337 Brendel, Botanische Modelle . . . 508 Scliwalbc, Der 7. naturwissenschaft- liche Feriencursus fr Lehrer an hheren Schulen , abgehalten in Berlin (Orig.) 581 , Zur Methodik des Experimentes (Orig.) 621 Seite Szymnski, Schul versuche aus der Elektricitt mit Bercksichtigung der Elektrotechnik (Orig.) .... 597 Vogel, Lieber die Bedeutung der ge- schichtlichen Erkenntniss bei dem physikalischen Unterricht (Orig.) . Ausstelhing von Unterric'.itsmitteln im Dorotheenstdtischen Realgymna- sium Feriencurse in Jena Naturwissenschaftlicher Feriencursus fr Li'hrer an hheren Schulen 382, 621 622 250 581 Medizin, Hygiene nnd Verwandtes. Arloing, Der Schweiss ist giftig . . GOO Below,' Praktische Ziele der Tropen- hygiene 1-1 B u c h n e r , Biologie und Gesundheits- lehre ... 49 Essipov, Aderlass und Immunitt . 391 F i r k e t , Filariose bei den Congonegern 2 1 1 Fr ick er, Fremdkrper im mensch- lichen Magen , ""^ Guiraud, IP'athogene Microben auf Hlsenfrchten nnd Gemse . . . 498 Heubner, Erreger der epidemischen Genickstarre 5ir Julien, Eine ParasitenkranUheit der Schafe '-8 Kirchner, Tubcrkelbacillen im Staub einer Montirnngskammcr .... 102 Koch, Neue Tuberculiu-Prparate . 496 Kraepelin und Hoch, Wirkung des Thees '*^ Leyden, Behandlung Tuberculser . 486 Megnin, Gefhrliche Milbe von Mau- _^ ritius ^' N c n c k i , S i.e b e r u. W y z n i k i e w 1 c z , Microben der Rinderpest .... 615 Nocard, Tetanus-Heilserum . . . -1' Pettenkofer, Eine wichtige directo Selbstreinigung der Flsse . . 57o Petri, Gegenwrtigerstand der Pest- frage ,., "^ Phisilix, Die immuuisirende Wn-kung des Salamandergiftes gegenber dem Schlangengifte ^^fg Poehl, Spermin rflS Rodet und Nicolas, Gehalt des Holzpflasters an Bacterien . . "o Sabourand, Ursache der Kahlkpfig- keit f.r^ Sauer, Maltonwein ,' ^ S c h i e v e k , Sake, das Nationalgetrnk der Japaner . Schumburg, Herstellung von kenn- _ freiem Trinkwasser '^1 Valiin, Pellagra j Weigert, Neue Fragestellung in der ^^ jiathologischen Anatomie . - ''*' Wendt, Naturheilkunde und wissen- ^ schaftliche Medicin (Orig.) .... -3 Zelle, Durch Aderlass verliehene Im- munitt gegen lufectionskrankheiten (Orig.) ^^^ Scharlach-Epidemie durch Genuss von Milch 6-^8 Nationalkononiisches, Laudwirth- schaft u. s. w. Baudouin, Seefischzuchtanlage zu Floedewig -1'^ Bell. Verheerung derCanadisehen al- der durch Brnde -'^^ d'Hammonville, Ntzliche Vgel Frankreichs . '"^''^ Hennings, siehe Botanik. HoUrnng, Mageninhalt der Saat- krhe ^^- Jacob, Die Cichorie '^^^ VI Inlialt8-Vcrzeielini(>s. Seite Milne Edwards, Bebrten der Eier durch Vogehnilnnclien 479 Morris, Haarausfall bei Tbieren naob Geuuss von Leueaena glauca . . 9 P o u n d , Verniebtung der Kaninchen in Australien 3G9 Kaffray. Straussenzuebt 115 Kas))ail, Schutz der Feldlerche . . 379 Roche, Austernzucbt in Europa . . IJOl Selons, Heuschreckenplage In Sd- afrika 557 S p a 1 i k o w s k i , Vertilgung von Raupen 297 Venukoff, Sibirische Mineralkohlen 93 Badeschwanimkultur 102 Institut zur Erforschung der Maul- unil Klauenseuclie 536 Stickstofl' der Luft als Dngemittel . 453 Wanderbeuschreckenplage in Argen- tinien 68 Wasserstrassennetz in Canada . . . 106 Zubereitung des Opiums 30 Tecliuik und IiistrHmeiiteiikiiiKle. Archenhold's Riesenfornrohr . . . G2 A n d r e o 1 i , Ozon 393 Bender, Die Wasserversorgung von Frankfurt a. M. (Orig) 363 Blum, Formol als Conscrvirungsflssig- keit 394 Brenner, C'hronodeik von St. Re.ssel ( spreciienden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme BringeKeld bei der Post 15 -4 extra. Poatzeitunersliste Nr. 4954. " bei allen Annoncen bureaux wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit voll8tndl8;er 4(nellenangabe gestattet. Reisebriefe aus Colombia. Von l'rof. Dr. Fritz Regel in Jena.*) 1. Voll Jena nach Barranquilla. Durch die hochherzige Untersttzung- seitens eines Thringer Grossindustriellen wurde diese Reise ermglicht. Die Wahl des Zieles, sowie die Ausfhrung der Reise selbst, waren ganz meiner Entscheidung berlassen. Nach reiflicher Ueberleguug und Bcrathnng mit sachkundigen Freunden, insbesondere den Herren A. Hettner in Leipzig, Geheiirath W. Reiss auf Schloss Knitz bei Saalfeld, G. yteinmauu in Freiburg i. Br., A. Stttbel und L. Wolf in Dresden fiel meine Wahl auf die von deutschen Forschern noch weniger bercksichtigten Theile von Co- lombia, woselb.st namentlich die Central- und West- kordillere mit ihren mannigfachen Verzweigungen im Berglaudc von Antioquia interessante Ergebnisse zu liefern versprach. Im Laufe des Sommersemesters wurden die persn- lichen und sachlichen Vorbereitungen getroffen und am 23. Juli der bis zum Beginn des folgenden .Sommers ge- whrte Urlaub angetreten. In Bremen und Hamburg mit guten Empfehlungen fr die amerikanischen Kstenpltze, sowie fr Medellin, Manizales, Cali Popayen und Bogota versehen, ging ich von Hamburg am 28. Juli auf der Flandria" (Kapitn Mestermann), einem Kargodampfer der Hamburg-Sd- amerikanischen Packetfahrt-Actiengesellschaft" in See und erreichte nach einer sehr gnstigen Fahrt ber Havre am 15. August die dnische Insel St. Thomas. Meine Wahl war trotz der lngeren Fahrzeit auf diese Linie gefallen, weil dieselbe Gelegenheit bietet, auf der Hinreise ver- schiedene Hfen von Westindien und Venezuela kennen zu lernen. Ich wurde sowohl von Seiten der Direction in Hamburg, wie von dem trefflichen Kapitn und seinen Officieren auf das Zuvorkommendste aufgenommen und verfehle nicht hierfr auch an dieser Steife meinen ver- bindlichsten Dank abzustatten. Die Schiffe dienen in *) Der obige Brief ist d.atirt: Medellin den 4. Nov. 1896. Red. erster Linie dem Waarenverkehr und knnen dalier-Wa--"^'^ sichtlich ihrer Einrichtung fr rersouenbcfrderung natr- lich nicht mit den heutigen Schuelldamprern wetteifern, mir war aber die Ruhe und Gemchlichkeit der Reise besonders erwnscht, da ich noch mancherlei litterarische Vorbereitungen auf die beabsichtigte grssere Landreisc hier vornehmen konnte. Ich gehe ber die Einzelheiten der vom herrlichsten Wetter begnstigten Fahrt ber den Atlantischen Ocean hinweg: dio fliegenden Fische, die zarten Qualleu, das Meeresleuchten, treibende Sargasso- tange wurden natrlich tlcissig auf der Ueberfahrt von Europa beobachtet; hohen Genuss boten die herrlichen Abende besonders bei Mondbeleuchtung. Bald Hessen die zunehmende Sonnenhhe und der immer tiefer sinkende Polarstern, der strkere Glanz der Gestirne, sowie die wachsende Luft- und Wasserteniperatur ber die An- nherung an die Tropen keine Zweifel mehr. Die folgende kleine Zusammenstellung mge ber die Temperaturzu- nahme eine Vorstellung geben. (Die Beobachtungen wurden frh und abends um 8 Uhr zwischen Havre und St. Thomas angestellt): Datum Zeit Luft Grad C. Wasser 1 Grad C. Datum Zelt Luft Grad C. Wasser Gra d C 2, August 8 a. m. 8 p. m. 19 19 9. August 8 a. m. 8 p. m. 26,5 26,5 26,5 26,5 3. n 8 a. m 8 p. m. 23 19 19 19,25 10. 8 a. m. 8 p. m. 26,25 26,25 27 27 4. n 8 a. m. 8 p. m. 20,5 21 20 21 11. 8 a. m. 8 p.m. 27 29 5. n 8 a. m. S p. m. 25 22,5 22 23 12. 8 a. m. 8 p. m. 27 30 29 28,5 (i. B 8 a. m. 8 p. m. 26- 23,5 23 24 13. 8 a. m. 8 p. m. 27 27 7. 8 a. m. 8 p. m. 25 24 25 20 14. 8 a. m. 8 p. m. 29 28 28,2.1 28,5 8. 8 a. m. 8 p. in. 27 26 26 26 15. St.Thomas 8 a. m. 29,.5 28,75 Naturwissenschaftliche Wocheuschrift. XII. Nr. 1. Am Morgen des 15. Aui^ust kam zunchst die kleine Insel Sombrero mit dem Leuchtthurm liuker Hand in Sicht, dann von Mittag ab auf der rechten Seite Virgin Corda, mehrere kleinere Eilande der Jungfern-Inseln, im Hintergrunde die Berge von Tortola und St. John, bis sich der herrhche Naturhafen von St. Thomas in inmier deutlicheren Umrissen zeigte. Mir wird die Einfahrt in diesen Hafen, den ersten Platz im Tropenland nach der zweiwchentlichen Seereise unvergesslich bleiben! Wir konnten nach Erledigiwg der blichen Formalitten noch an demselben Abend das Land betreten un, Die Niederschlags- und Abflussmengen wurden zu- nchst fr die einzelnen Monate und Jahre bereclniet. Allein zur Bestimmung des Verhltnisses von Abfluss zum Niederschlag waren diese gleichzeitigen Werthe nicht verwendbar. Denn beide Vorgnge sind nicht gleich- zeitig, das Abstrmen des Wassers vom Boden erfhrt eine Verzgerung, ebenso das Fliessen im Strome selbst bis zur Messstelle. Ein genaues Maass fr diese Ver- zgerung ist natrlich nicht zu erlangen; allein eine ficihe von Erwgungen und Untersuchungen der Wasserbewe- gung in der Saale fhrten zu der Annahme, dass ilie Dauer des Regenabflusses bis zur Messstelle rund zehn Tage betrgt. Es mag dieser Werth, so willkrlich wie er gewhlt erscheint, von der Wirklichkeit nicht allzusehr abweichen. Das geht aus der guten Uebereinstinnnung zwischen der Zu- und Abnahme des Niederschlags und den Schwankungen der Wasserfhrung in der Saale recht deutlich hervor. Auf Grund dieser Annahme wurden auch die Abflussniengen der um 10 Tage verschobenen Monate festgestellt und diese Werthe dann in Proeenteu der Niederschlagsmengen in den zugehrigen Kalendermonaten berechnet. Das Ergebniss war folgendes: , S S j J3 D j^ ^ ;= tz^ Fi .= H fi ;!^ p. Ol) CS 1-5 0) S < = - 3 < CD o O o Q '^ Mittlere Niederschlags- hhen im gesammten Stromgebiet in Milli- metern 30 25 45 41 60 76 92 57 44 59 48 45 606 Mittlere AbHusshhen in Millimetern 17 15 26 23 16 11 U 10 8 12 12 18 177 Abfluss unter Dekaden- verschicbunt; in Pro- centen desNiederschla- 56 60 64 45 23 15 12 13 21 19 31 41 m Iliernach Verlast inPro- centen des Nieder- schlages 44 40 36 55 '77 85 88 87 79 81 69 59 VI In diesen Zahlenreihen gielit sich ein auffallender Gegensatz zwischen Winter und Sommer zu erkennen. Einem regenarinen Winter steht ein regenreicher Sonuiier gegenlier. Theilen wir das Jahr nach den Niedcrschlags- hheu in den einzelnen Monaten, so mssen wir die Scheidung unabhngig vom Kalender und von dem meteorologischen Jahr vornehmen; denn wir haben deut- lich ein Halbjahr mit im allgemeinen geringer Nieder- schlagshhe von November bis April und ein solches mit strkerem Regen von Mai bis October. Auf ersteres Halbjahr fallen nur 37,5 7o) auf das zweite dagegen 62,5 "/o der Jahressumme. Dieselbe Scheidung ist auch nach den Abflusshhen geboten. Aber da tritt umgekehrt einem abflussreichen Winter ein abflussariner Sommer gegenber. Auf die Zeit November bis April fallen 62 "/ der Jahressumme, auf Mai bis October 38 %. Dieses Bild wiederholt sich in der Zahlenreihe, welche dem Abfluss unter Dekaden- verschiebung in Procenten des Niederschlages darstellt. Wir finden im Mittel der bezeichneten 6 Monate einen sommerlichen Abfluss von nur 17 o,,,; einen winterlichen dagegen von 48 Vo- Hier liegt ein so schrofter Gegensatz vor, wie er uns nur in dem jahreszeitlichen Wechsel der gesammten Natur wieder begegnet. In den meteorologischen Erscheinungen kennen wir solche Unterschiede zwischen Sommer und Winter kaum. Es darf die Ursache dieser Gegenstzlich- keit der beiden Halbjaiire darum auch gewiss nicht in den meteorologischen Vorgngen allein gesucht werden, viel- Naturwissenscliaftlicbe Wocbcnsclirift. XI i. Nr. 1 inclir iiiuss dabei die Aufmerksamkeit sich von selbst auf die alli;emeiiieu biologischen Verbltnisse richten. In erster Linie kommt die Vegetation hier in Betracht. Durch die Ent Wickelung derselben wird weit mehr als durch die meteorologischen Factoren die Entwsserung beeinflusst. Einmal verbrauchen die Gewchse zu der Entfaltung- ihrer Organe sowie zum Wachsthum eine bedeutende Wasscrmenge, ferner veinicbrt sich durch die Pflanzen die Verdunstungsmglichkeit und endlich erhlt das Pflanzenklcid dem Boden die Feuchtigkeit. Dadurch nmss aber der Abflugs in hohem Maasse behindert werden. Natrlich tritt noch eine Reihe meteorologischer That- sachen hinzu, al)er in erster Linie scheint doch die Vege- tation fr den Wasserhaushalt bestimmend zu sein. Es drckt sich in den obigen Zahlen eine Gesetzmssigkeit aus, die ihr Abbild recht gut in der Gesetzmssigkeit findet, mit welcher alljhrlich sich die Pflauzenentvvicke- lung vollzieht. Der bedeutende Einfluss der \'egetation spricht sich wohl schon in dem Uebergang vom Winter zum Sommer und vom Sommer zum Winter aus. Vom April zum Mai be- steht ein Sprung von 22 " , vom October zum November nur ein solcher von 12 7o- Im Friijahr entwickelt sich eben die Vegetation ziemlich schnell, im Herbst stirbt sie allmhlich al). Man drfte nicht ohne Grund die rasche Abnahme des Abflusses im Frhjahr allerdings auch auf das Ende der Schneeschmelze beziehen. Allein diese tritt ja im Mrz ein und ist im April sicher schon beendet. Etwas erklrt sich die hohe Procentzahl des Abflusses im Mrz und April auch aus dem Umstand, dass in diesem Monat der Niederschlag gering ist, die Verhltnisse aber fr einen starken Abfluss sehr gnstig sind. Der Boden ist vom Winter her mit Feuchtigkeit gesttigt, vielfach noch ohne Vegetation und oft noch in der Tiefe gefroren. Aber alles das kann den so pltz- lichen Sprung zum Mai und Juni nicht allein hervor- bringen. x\uch die zunehmende Verdunstung kann incht die Ursache dieser Erscheinung sein. Denn in Mitteldeutsch- land fllt das hchste Maass der Verdunstung gar nicht in die eigentlichen Sommermonate, sondern auf April, Mai und Juni. Es msste also auch der A\m\ schon den Ein- fluss erkennen lassen. Das ist aber nicht der Fall. Gleichwohl steht der Verfasser auch hier nicht an, in der zunehmenden Verdunstung ebenfalls einen betheiligten Factor zu erblicken. Als Hauptgrund der schnellen Aenderung der Ab- flussverhltnisse erscheint daher doch die Entwickelung der Vegetation. Man bedenke, welche ungeheure Menge von Wasser in den Maitrieben der Nadelhlzer und in den Blttern der Laubbilumc aufgespeichert wird und dass diese Aufspeicherung gerade im Mai am strksten erfolgt. Auf die gleiche Zeit aber fllt das Wachsthum des Getreides sowie der Wiesengrser und Kruter, die ebenfalls bedeutende Wassermengen verzehren. Die in- tensivste Pflanzencntwickelung hrt dann im Juni auf, die Bedingungen des Abflusses, soweit sie von der Vegetation l)estimmt werden, bleiben von da ab whrend des ganzen Sonnuers die gleichen. Erst im Herbst mit dcnrLaub- lalle endet alimhlich das vegetative Leben und damit die Vermehrung des Wasserverbrauches. Das spiegelt sieh in der allmhlichen Zunahme der Abflussproccntc deutlich ab. Diese wird nur im October unterbrochen. Die Ursache davon ist zweifellos in er.ster Linie die Trockenheit im Herbst. Vielleicht drften aber auch hier die vegetativen Zustnde wenigstens zu einem kleinen Theil mitwirken. Sie knnen recht gut die Steigerung des Abflusses im Septcml)er erklren. Auf Juli und August fllt die Haupternte. Eine nicht unbetrchtliche Flche Landes wird dann der wasserhaltendcn Pflanzen- decke beraubt und damit der Abfluss beschleunigt. Im September selbst aber treten huflg lngere Drren ein. In Folge dessen trocknet der Boden sehr stark aus, namentlich dort, wo er bereits nicht mehr Vegetation trgt. Dadurch vermindern sich die Abflussi)rocente im October. Wenn sich dieser Einfluss der Vegetation auch an anderen Flssen besttigen sollte, so wrde das von grosser Bedeutung sein. Es wre damit der klare Nachweis geliefert, dass Aenderimgeu in dem Pflanzen- klcid Verschiebungen in dem ganzen Wasserhaushalt eines Gebietes hervorbringen mssen. In Lndern, die stark entwaldet worden sind, ist eine solche Umwandlung auch stets beobachtet worden. Mau hat dann aus der Aenderung der Wassermasse in den Flssen oft auf eine solche des Niederschlags geschlossen. Dieser .Schluss ist jedoch nach unseren obigen Ausfhrungen nicht zulssig. Nicht der Niederschlag, sondern das Verhltniss vom Abfluss zum Niederschlag kann sich gendert haben. In diesem Gegensatz finden wir nun den gesuchten Anhalt zur Bestimmung der einzelnen Factoren, welche die Ausgabe im Wasserhaushalt ausmachen. Die Aus- gabe setzt sich aus dem Abfluss im Saalestrom, aus der Verdunstung und dem \'erbraucli durch die Organismen zusammen. Den Betrag der Verdunstung kennen wir zu- nchst nicht. Da jedoch im Winter von der Lebewclt nur wenig Wasser verbraucht wird, so drfen wir annehmen, dass in dieser Jahreszeit der von der Niederschlagsmenge nicht im Fluss abgefhrte Theil fast ganz der Ver- dunstung zuzurechnen ist. Es fliessen aber in der Zeit November-A])ril rund 5U })Gt. ab; 50 pCt. also fallen im Winter der Verdunstung anheim. Im Sommer, Mai-(Jc- tobcr, verdunstet nun nach Messungen mittelst eines Eva- porimeters in Chemnitz, deren Ergebnisse wohl als maass- gebend fr Mitteldeutschland angesehen werden drfen, etwa die doppelte Menge als im Winter. Das virde fr das Saalegebiet, in dem im Winter rund "2000 Jlill. Cbm. Wasser verloren gehen, fr den Sommer eine Verdunstung von 4000 Cbm. oder 55 pCt. des Niederschlags ergeben. Erwgen wir jedoch, dass die Messungsergebnisse eines Evaporimeters den natrlichen Verhltnissen nicht voll- kommen eutsjjrechcn, dass vielmehr eine ganze Reihe von Umstnden darauf hinweisen, dass die Verdunstung whrend des Winters wohl kaum in dem ^'erhltniss von 1 : 2 hinter derjenigen whrend des Sommers zurcksteht, so mssen wir den obigen Werth fr den sommerlichen Verlust etwas herabsetzen und drfen ohne grossen Fehler auch im Sommer die directc Verdunstung zu 50 pCt. des Niederschlages ansetzen. Damit sind uns aber thatschlich die Mittel gegeben, den Wasserhaushalt im Saalegebiet zift'ernmssig zu be- stimmen. Im Jahresdurchschnitt fallen rund oO pCt. tlcr Niederschlagsmengen auf den Abfluss, 50 pCt. auf die Verdunstung, und etwa 20 pCt. werden bei der Ent- wickelung der Organismen verbraucht. Der letzte Ver- lust gehrt haupfsehlich dem Sommer an, wo er auf ber 30 pCt. steigt. Der Abfluss von 30 pCt. in dem Flussbett der Saale setzt sich aus dem direct abfliessenden und dem als Quellwasscr hervortretenden Regenwasser zusammen. Auch hier ist es UKiglich, den Betrag der beiden Ab- flussmengen annhernd zu bestimmen. Das einsickernde Wasser speist den Fluss in Zeiten der Trockenheit ganz allein, es verhindert ein vlliges Versiegen des Flusses, bewirkt somit das Vorhandensein eines constanten Niedrig- wassers. Aus den niedrigsten Wasserstnden jeden Monats ergiebt sich nun nach der 10jhrigen Periode etwa ein Niedrigwasserabfluss von 1500 Mill. Cbm., XII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. das sind aber rund M pCt. der Al)tiussnieng'e ber- haupt. Denniach wrden in der Saale von dem gesammten Niederschlag 15 pCt. direct abfliesseu und 15 pCt. durch Absickern, also als Queilwasscr zum Fluss gelangen. Die vorstehenden Ergebnisse haben natrlich nur einen sehr bedingten Werth. Man darf bei der e- urtbeilung derselben nicht vergessen, dass das benutzte Material wie die Methode der Berechnung mit vielfachen Fehlern behaftet sind. Das Ganze ist eben nur ein Ver- such, den Wasserhaushalt innerhalb eines Stromgebietes in seinen einzeln im Betrgen zu ermitteln. Wie weit den gefundenen Resultaten eine allgemeine Gltigkeit zuo-e- sprochcn werden kann, werden weitere Unter.suchunnen an Flssen zeigen. Mgen die vorstehenden Ausfhrungen dazu die Anregung geben! Der krnige Zerfall, ein Beitrag- zur Physiologie des Todes nennt Prof. M. Verworu eine Arbeit (PHger's Archiv fr ges. Physiologie, Bd. 63), welche die Er- scheinungen des krnigen Zerfalls oder der trben Schwellung an dem homogenen Protoplasma der Pseudo- podien von Hyalopus (Gromia) duj'ardini, einem marinen Rlii/.opodcn, untersucht hat. Schneidet man von einem Individuum, das in einem flachen Schlchen reichlicii Pseudopodien ausgestreckt hat, eine grssere Protoplasma- masse durch einen scharfen Druckschnitt ohne Zerrung ab, so hat man einen Klumpen wasserklaren Proto- plasmas, der meist noch einige Stunden lang am Leben bleibt, seine Gestalt durch Pseudopodicnliildung und Ein- ziehung verndert und sich verhlt wie die Pseudopodien eines intacten Individuums. Erst nach Verlauf mehrerer Stunden beginnt das bis dahin vollkommen homogene und hyaline Protoplasma in sich eine Flssigkeit in Form usserst feiner Vacuolcn auszupressen, so dass es eine feiuwabige Struetur annimmt. In den Wabenwnden sammelt sich das Protoplasma zu klumpigen Anhufungen, deren Verbindungsbrcken zerreissen. In Folge dessen platzen die Vacuolen und das Protoplasma der Waben- wude zieht sieh zu isolirtcn Klmpchen und Kgelchen zusammen, die nur noch durch eine feine, schleimartige, dem Inhalte der Vacuolen entstammende Substanz lose an einander gehalten werden. Das ist die typische Er- scheinung des krnigen Zerfalls. Bei mechanischer Reizung der Pseudopodien durch Berhrung mit einer Nadel nimmt das Protoplasma ganz dasselbe hckerige und krnige Aussehen an, wodurch das gereizte Proto- plasma im Gegensatz zu dem ungereizten, hyalinen vllig undurchsichtig eischcint. Das Pseudopodium verkrzt sich ein wenig und die gereizten Massen gleiten ganz allmhlich dem Zcllkrpcr zu. Dann aber, meist ehe sie noch den centralen Krper erreicht haben, beginnen sie sich wieder allmhlich zu gltten, das Protoplasma wird durchsichtiger und schliesslich hat die Stelle ihre frhere Beschaft'euheit wieder. Verfasser hlt daher die Vorgnge, welche zum krnigen Zerfall fhren, fr energische Contractions- vorgnge des Protoplasmas, in denen sich bis in alle Einzelheiten das allgemein aller Contraction und aller Nekrobien nackter Protoidasmamassen zu Grunde liegende Princip ausspricht, dass nackte Protoplasmamassen, falls nicht von Aussen her hindernde Momente einwirken, im Con- tractionszustande alisterben und denigemss im Grossen wie im Kleinen die Neigung haben, mehr oder weniger vollkommene Kugelform anzunehmen. Der krnige Zer- fall i.st der Ausdruck einer bermaximalen contractorischeu Erregung. R. Das natrliche phylogenetische Flechtensysteni hat neuerdings durch Prof. Rein ke in Kiel eine umfang- reiche Bearbeitung erfahren. (Pringsheim's Jahrb. fr wissenschaftliche Botanik 1896, S. 171.) Bei der Aufstellung desselben Hess sich R. durch folgende allgemeine Gesichtspunkte leiten. 1. Die Flechten als solche, also als specifische Ver- einigung von Pilz und Alge, haben schon eine phyloge- netische Entwickelung durchgemacht. Sie leiten sich phy- logenetisch von Pilzen ab, aber nicht alle Pilze vermgen Flechten zu bilden. 2. Die Flechten, wenigstens die meisten, sind aus Ascomycetenfamilien hervorgegangen und polyphyletischen Ursprungs. 3. Die Einthcilung der Eichenes in Strauch-, Laub- und Krustenflechten ist vom Staudpunkt der Blutsver- wandtschaft unhaltbar, weil sie nicht hauptschlich auf morphologischer Basis (Homologien) beruht, sondern auf rein physiologischer (Analogien). Die Entscheidung dar- ber, ob man es bei einem bestimmten Merkmal mit Ho- mologie oder Analogie zu thuu hat, kann nur durch um- fangreiche vergleichende Studien getroffen werden. 4. Das oberste Eintheilungsprincip bei der Aufstellung des Systems liefern die Apothecien, weil solche schon die erste Flechte, welche entstand, haben musste. Erst in zweiter Reihe stehen die Merkmale, welche das Flechten- consortium als solches im Laufe seiner phylogenetischen Entwickelung erworben hat." Die Askosporen knnen nur dann zur Einthcilung und nheren Abgrenzung der Gruppen verwendet werden, wenn andere wichtige Merkmale nicht dagegen sprechen. Dasselbe gilt von den Gonidien. 5. Die einfachsten Flechten (Krustenflechten) sind die Urformen, also die ltesten; aber reducirte Formen drften bei den Flechten auch vorkonnnen. Die treibenden Factoren bei der phylogenetischen Entwickelung sucht der Verfasser in der natrlichen Zuchtwahl. Natrliche Familien sind nach R. unter anderen die Graphidacei mitGraphis, Opegiapha, Roccella etc., die Lecideacei, Cladoniacei mit lemadophila, Stereo- caulon, Baeomyces, Cladonia, Sphyridium, die Parme- liacei mit Lccanora, Parmelia, Cetraria, Evernia, Usuea, Cornicularia, Ramalina, die Physciacci mit Physcia und Anaptychia, die Lichinacei, Ephebacei, Stictacei, Peltigeracei und Collemacci. R. K. Henry C. .Merccr, der sich in den letzten Jahren die Durchforscluiiig der nordamerikanischen Hhlen auf prhistorische Reste zur Hauptaufgabe gemacht hat, hat seine Untersuchungen im letzten Jahre auch auf Mittelamerika ausgedehnt und insbesondere Nachgrabungen in 29 Hhlen der Halbinsel Yukatan angestellt. In mehreren dieser Hhlen fand er die obere Bodenschicht auch reich an menschlichen Artefacten, besonders der Tpferei, sowie an Knochen. Die untere Schicht dagegen erwies sich allenthalben als vllig steril, und was den Culturtypus betrifft, den die Funde darstellen, so war derselbe durchgngig ein sehr vorgeschrittener, wie er nicht auf dem Boden der Halbinsel erwachsen sein kann, sondern von auswrts eingefhrt worden sein muss. Die Reste weisen auf keine eigentliche vorhistorische Rasse hin, sondern die Hhlenmenschen von Yukatan sind geologisch blutjung, und man kann aus den Spuren keinen anderen Schluss ziehen, als den, dass es die unmittelbaren Vor- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 1. fahren iler .jetzigen Mayas, der bekannten uiittelameri- icanischcn >Stdteerbauer waren, die aus dem einen oder anderen Grunde i^elegeutiich in den Hhlen Zutluclit suchten. Zu einem hnlichen Ergebnisse hatten bekanntlich auch die Ibihlcnforschungen in Virginien, Kentucky, Indi- ana etc. geflut. Auch dort fand man in den H(ililen aus.'^chlicsslich Reste, die von den unmittelbaren Vor- fahren der heutigen Indianer herrhrten genau wie in den nordamerikanischen Mounds". E. D. Die iiitc'riiatioualen wisseii.schaftlicben Ballon- fabrteu in der Nacht auf den 14. November waren der Gegenstand eines Vortrags, welchen Professor Dr. Richard Assraann am 26. November im Deutschen Verein fr Luftscbift'fahrt" und am 1. Dezember im Ber- liner Zweigverein der Meteorologischen Gesellschaft" hielt. Nach den usserst ergiebigen Resultaten, welche die zahlreichen Luftfahrten der Ballons Humboldt", Phnix" und Cirrns" ergeben hatten und ber welche in dieser Zeitschrift mehrfach berichtet wurde, sollte zu- nchst eine lngere Pause eintreten, um das gewonnene berreiche Material erst einmal grndlich zu verarbeiten. Doch wurde zwischen Professor Assmann in Berlin und den Herren Hermite und Besanyon in Paris abgemacht, noch einmal eine gemeinschaftliche Fahrt von unbemannten Ballons zu veranstalten. Auch Russland interessirte sich fr diesen Plan und auf einer Zusammenkunft der Directoreu der meteorologischen Institute in Paris im September dieses Jahres wurde ein internationales aeronautisches Conte" gegrndet zum Zweck der Veranstaltung gleichzeitiger Auffahrten. Russlaud erbot sieh, gleichzeitig mit den Auffahrten in Paris und Berlin einen bemannten und einen unbemannten Ballon in Petersburg, sowie einen bemannten Militrballou in Warschau steigen zu lassen. Auch der Mnchener und der Oberrheinische Verein fr Luftschitffahrt schlssen sich dem Projeet an; der erstere wollte einen bemannten, der letztere einen unbemannten Ballon steigen lassen. In Paris, wo zuerst die Idee der unbemannten Ballons (ballon perdu, ballou sondc) angeregt und verwirklicht wurde, sollte ein unbemannter, in Berlin ein unbemannter und ein bemannter Ballon steigen. So sollten denn an 6 Orten 8 gleichzeitige Fahrten stattfinden, von denen man allerdings mit Recht einen genauen eberldick ber die Zustnde und die Luft- strmungen der hchsten Atmosphrenschicliten in einem bestinnnten Moment erwarten durfte. Damit die Registrir- Instrumente vor jeder Sonnenstrahlung vllig geschtzt seien, beschloss man, einer Anregung des Prof. Assmann folgend, die Fahrten zur Nachtzeit vorzunehmen. Paris machte nun den Vorschlag, das Experiment in der Nacht vom II-}. auf den 14. November vorzunehmen, weil man hoffte, durch die bemannten Ballons gleichzeitig ber den Radiationspunkt des in dieser Nacht flligen Sternschnup- ])enschwarmes der Leoniden" genauere Beobachtungen zu gewinm'n, eine Hoffnung, die sich brigens nicht erfllt hat. Thatschlich fand in dieser Nacht um 2 Uhr Pariser Zeit der gemeinsame Aufstieg- statt; nur in Jlnchen Hess man den Ballon erst um 7 Uhr Morgens steigen. Doch ist das Experiment als nur tlieilweise geglckt zu be- trachten. Mau hatte gehofft, dass die unbemannten Ballons ausnahmslos bis in Hhen von loOO 20 000 Metern .steigen wrden und glaubte aus frheren Erfahrungen, dass sie durchweg ziemlich weit (nach Osten) getragen werden wrden. Thatschlich aber erreichte "nur ein einziger Ballon die gewnschte Hhe. Der unbemannte Ballon, welcher in Berlin (auf dem Tempclhofer Felde) aufstieg, war der Cirrus", der schon (iinal Fainteu ber 12U00 Meter ausi^eflirt liattc. darunter eine bis zum Kloster Tavua in Bosnien (7. Juli IS'JI), eine zweite in die Gegend von Minsk (6. Sep- tember 1894) und eine dritte, die ihn bis auf eine Hhe von mehr als 20 000 Meter fhrte, nach den dnischen Inseln. In Folge dieser mannigfachen Abenteuer, auf denen er manche Wunde erlitten hatte, war er schon mehrfach gefliekt, und am 14. November nun bekam er bereits in etwa (5000 Meter Hhe einen Riss, trot/.deni er vorsichtshalber nur halb gefllt worden war, und das ausstrmende Gas Hess ihn nach nur einstndiger Fahrt schon im Grunewald, in der Nhe der Saubucht, herunter- sinken, wo er am 15. November in total demolirtem Zustande, aber mit unversehrten Instrumenten aufgefunden wurde. Es war die letzte Fahrt des berhmten Ballons gewesen. Der Petersburger unbemannte Ballon platzte gleich- falls in 5000 Meter, nach nur sehr kurzer Fahrt. Der Strassburger Ballon stieg dagegen bis fast zu SOOO Meter Hhe, sank dann aber auch ohne recht ersichtlichen Grund nach nur dreistndiger Fahrt im Schwarzwald nieder. Nur der Pariser Ballou erfllte die gehegten Er- wartungen. Er erreichte eine Hhe von 15 000 Metern, wo er eine Temperatur von 63 vorfand, und wurde erst nach wenigen Tagen in Belgien aufgefunden, nachdem man schon geglaubt hatte, er sei in die Nordsee ge- trieben und verloren gegangen. Der Mnchener bemannte Ballon flog Anfangs nach SSE, nderte dann nrdlich von Salzburg seine Richtung und landete schh esslich sUdstHch von Linz; seine Maximal- hhe betrug o400 Meter. Der bemannte Petersburger Ballon flog in sUdsdwestlicher Richtuug bis in die Gegend von Pskow, der Warschauer nach Galizieu. Am interessantesten gestaltete sich von den Fahrten der bemannten Ballons diejenige des Berliners. Es war ein Militrballon, der Bussard", den man aufsteigen Hess. Die Fhrung hatte wieder der bewhrte Herr Berson vom Berliner meteorologischen Institut ber- nommen, welcher au diesem Tage seine vierzigste Luft- reise unternahm; ausserdem war noch Preniierlieuteuant von Kehler von der Militr-Luftschiftcr-Abtheiluug an Bord. Man hatte die Absicht, eine mglichst weite und hohe Fahrt zu unternehmen. Deshalb hielt sich der Ballon 4 Stunden lang in sehr geringen Hhen (unter 2000 Meter). Mit Sonnenaufgang erfolgte dann erst der eigentliche Aufstieg, welcher den Ballon bis in eine Hhe von 5700 Metern fhrte. Da der Ballon in nordnord- westlicher Richtung flog, hatte man die feste Absicht, die Fahrt bis auf die dnischen Inseln oder gar nach Sdschweden auszudehnen. Da man einen ausser- ordentlich grossen Ballastvorrath bei sich hatte und bei Sonnenaufgang bereits die Ostsee in der Ferne erblickte, wre jeuer Plan bei gewhnlicher Windstrke unzweifel- haft geglckt. Gerade auf dieser Fahrt aber herrschte bis in grssere Hhen hinauf eine so geringe Luft- bewcjiung, wie sie Herr Berson auf seinen zahlreichen Fahrten noch nie zuvor angetroflen hatte. Nachdem daher der Ballon fast drei Stunden lang unbeweglich ber dem Mritzsee gestanden hatten, sahen sieh die beiden Luftschiffer zu ihrem grssteu Bedauern genthigt, ihren Plan fallen zu lassen und mit dem Ballon in der Nhe von Rybnitz an der mecklenburgischen Kste zu landen, wobei sie unerwarteter Weise in den untersten Regionen einen krftigen Wind antrafen, so dass sie noch eine Schleiffahrt zu bestehen hatten. Das wichtigste meteorologische Ergebnis der ge- sammtcn Fahrten war, dass man ber weite Strecken in gleichen Hhen fast genau die gleichen Temi)eraturcn antraf, in tieferen Kegionen fanden die beiden Berliner XII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Baiions eine ausgeprgte Temperaturumkehr: whrend in Berlin beim Aufstieg massiger Frost (durch starke Aus- strahlung des Erdbodens bei heiterem Himmel) herrschte, stieg das Thermometer in 2000 m Hhe ber den Null- punkt, und erst in 3000 m fand sich wieder die gleiche Temperatur von 4*^, die am Erdboden geherrscht hatte. Die Luftstrmungen in den fast berall erreichten mittleren Hhen von 4000 7000 Jletern Hhe waren durchaus dieselben, welche nach der vorhandenen Wetter- lage am Erdboden bedingt werden mussten. Es erstreckte sich in der Nacht vom 13. auf den 14. November ein ausgedehntes Maximalgebiet in leichtem Bogen ber Frankreich, Oesterreich, Deutschland, Jtland und Skan- dinavien. Ein tiefes Minimum lag bei Irland, ein zweites flacheres im westlichen Russland. Eine Zusammenstellung der AViudrichtungen, in welchen die Ballons sich be- wegten, ergiebt nun, dass der Pariser nach NE, der Ber- liner nach NNW (beide unter dem schwachen Einfluss des westlichen Minimums), dagegen der Petersburger nach SSW, der Warschauer nach SSE (beide unter dem Ein- fluss des stlichen Minimums) flogen, whrend die Richtung des Miinchener Ballons, welcher ziemlich im Centrum des Hochdruckgebietes aufstieg, wechselte und die im allge- meinen stlich gerichtete Fahrt des Strassburger Ballons eine zu kurze war, als dass man der Richtung eine be- sondere Bedeutung beilegen knnte. Der letztere Ballon hat noch besonders viel von sich reden gemacht in Folge seiner eigenthmlicheu Temperatur- kurve. Seine Registrirapparate zeigen nmlich die niedrigste Temperatur von 30 bei 5900 m Hhe. Dann springt die Temperaturcurve ganz pltzlich betrchtlich, und zwar dermaasseu, dass sie fr 8000 m Hhe den hchsten Temperaturwerth von -f- 7 aufweist. Es sind die ge- wagtesten Hypothesen aufgestellt, um diesen Aufzeich- nungen eine objective Berechtigung zuschreiben zu knnen. Doch kann absolut kein Zweifel darber bestehen, dass das Registrirthermometer ber 6000 m falsche Angaben gemacht hat, oftenbar weil es nicht fr sehr niedrige Temperaturen gengend geaicht war. Dass die Apparate in der bezeichneten Hhe schadhaft und unzuverlssig geworden sind, beweist auch ein gleichzeitiger, sonst ganz unerklrlicher Sprung in der Barographencurve, vor allem aber die Thatsache, dass der Thermograph beim Abstieg des Ballons fr 6000 m Hhe nicht etwa wieder 30, sondern etwa 0" registrirte. Dass die Apparate nach der Landung wieder richtig functionirten, ist nach frheren Erfahrungen durchaus kein Beweis gegen die Richtigkeit der geusserten Vermuthung. Prof. Assmann bezeichnete die Fahrten vom 14. No- vember ausdrcklich als erstes derartiges Unternehmen. Es steht also mit Sicherheit zu erwarten, dass dem ersten, nur theilweise gelungenen Versuch eine Reihe von anderen folgen werden, welche allerdings in ganz hervorragender Weise zur grndlichen Erforschung der oberen Atmosphren- schichten beizutragen vermgen, zumal bezglich der Luft- strmungen daselbst im Vergleich mit den gleichzeitigen Beobachtungen auf der Erde. Die zurckgelegten Strecken der einzelnen Ballons waren diesmal durchweg relativ klein; wenn man aber bedenkt, welche gewaltigen Strecken der Cirrus" auf seinen ersten Fahrten zurcklegte, oder wenn man sich gar erinnert, dass von den Ballons, welche im Jahre 1870 aus dem belagerten Paris, mit Briefen beladen, in die Lfte gesandt wurden, der eine bis nach Telemarken in Mittel-Skandinavien flog, ein anderer so- gar erst in Natal niederging, so wird man den weiteren internationalen Versuchen mit begrndeter Zuversicht auf ein gutes Gelingen entgegensehen knnen. H. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Gestorben: Geh. Ratli Emil Du Bois Keymoud, ordent- licher Professor der Physiologie au der Universitt Berlin. Wissenscliaftliche Abtheilung der Allgemeinen Gartenbau- Ausstellung in Hamburg 1897. - Im Jahre 1897 findet in Hamburg vom Mai bis September eine Allgemeine Gartenbau- Ausstellung statt, fr die schon seit lngerer Zeit umfassende Vor- bereitungen getroffen und zahlreiche Preise ausgesetzt worden sind. Seit kurzem ist auch fr dieselbe eine wissenschaftliche Abtheilung geplant, welche am "JS. Mai 1897 erffnet werden soll und bis zum Schlsse der Ausstellung Ende September dauern wird. Dem allgemeinen Programm, welches dieser wissenschaft- lichen Abtheilung zu Grunde liegen soll, ist seitens des hierfr gebildeten Ausschusses folgende Fassung gegeben. Zur Ausstellung sollen gelangen: 1. Durch mechanische, atmosphrische und Bodeneinflsse hervorgerufene Erkrankungen der Culturpflanzen: Verwundungen (Aestung, Inschriften), Wundheilung (Ueberwallung, Verwachsung), Wundbehandlung; Pfropfung und Oculirung; Etiolirung, Rindenbrand, Frostrisse, Frostkrebs, Sturm- beschdigung, Hagelschlag, Blitzschlag, Rauchbeschdigung, Chlo- rose, Verzwergung etc. 2. Die thierischen und pflanz- lichen Schdlinge des Garteubaues, Obstbaues sowie im Hin- blick auf die schwer zu ziehende Grenze des Land- und Forstbaues, eventuell mit Bercksichtigung exotischer Formen. Die von den Schdlingen hervorgerufenen Krankheiten, Missbil- dungen und Zerstrungen der Culturpflanzen. Die Vertilgungs- mittel der Schdlinge. 3. Die der Pflanzencultur ntzlichen Thiere und Pflanzen, a) Die wichtigsten blthenbestu- benden Thiere. Darstellung ihrer Thtigkeit an geeigneten Prparaten, Modellen, Tafeln etc. b) Die ntzlichen Wurzel- pilze (Knllchenbakterien, Mykorrhizen). c) Die Hauptfeinde der Cultui'schdlinge (Schlupfwespen, Braconiden, Tachinen etc.; insectentdtende Pilze). 4. Bild ungsab weich ungen und Missbildungen der Pflanzen: Verhnderungen, Maserbildung, Verlaubung, Fllung, Durchwachsung etc. 5. Vergleichende Dngungsversuche an lebenden Topfpflanzen: (Beginn der Ausstellung am 30. Juli). Culturen in Nhrlsungen. G. Wilde Stammformen unserer Culturpflanzen (getrocknet oder lebend). 7. Lebende exotische Nutzpflanzen in Tpfen. 8. Aus- wahlsammlungen der wichtigsten exotischen Nutzpflanzen in conseryirten Exemplaren (getrocknet, in Alkohol etc.), sowie in einzelne n Organ en und The ilen (Blthen, Frchte, Samen). 9. Nach morphologischen oder biologischen Gesichtsijunkten geordnete Auswahlsammlungen von Pflanzen und Pflanzentheileu (Blthen, Frchte, Samen, Keimpflanzen etc.) 10. Resultate wissenschaftlicher Bestub ungs versuche, wo mglich unter Vorfhrung der Stammeltern. 11. Wissen- schaftliche Hlfsraittel fr den grtnerischen Unterricht. a)Litteratur ber Grtnerei und Parkwirthschaft, Obstbau, Schdlinge, Bestubung durch Insecten etc. (Dieselbe wird seitens des Ausschusses beschafft und zusammengestellt.) b) Tafeln. Mo d eile, mikroskop ische Prparate, Glasphotogramme u. s. w. c) Graphische oder krperliche Darstellungen ber den Nhrwerth des Obstes und der Gemse. Platzmiethe oder Zulassungsgebhren werden fr diese Aus- stellung nicht erhoben, jedoch behlt sich der wissenschaftliche Ausschuss die Entscheidung ber die Zulassung der angemeldeten Objecte vor. Fr die von wissenschaftlichen Instituten oder Lehr- anstalten eingesendeten Ausstellungsgegenstnde wird auf Wunsch sogar Fracht und Versicherung rckvergtet. Ausser einer grossen Zahl goldener und silberner Medaillen sind auch eine Reihe von Geldpreisen ini Betrage von 100500 Mark z. B. fr Zusammen- stellungen pflanzlicher oder thierischer Schdlinge der Cultur- gewchse, fr Vertilgungsmittel von Pflanzenschdlingen, fr Dngungsversuche an Topfpflanzen, fr wissenschaftliche Pfropf-, Oculirungs- oder Bestubungsversuche etc. ausgesetzt; weitere Geldpreise sind noch in Aussicht genommen. Der Ausschuss ist gerne bereit, Interessenten auf Wunsch das Programm zuzusenden. Dr. C. Brick, Hamburg (IBotan. Museum). L 1 1 1 e r a t u r. Prof. Dr. Georg Elebs, Die Bedingungen der Fortpflanzung bei einigen Algen und Pilzen. Mit 3 Tafeln und 1-5 Text- tigureu. Gustav Fischer in Jena. 1896. Preis 18 M.*) Das umfangreiche Buch bildet den ersten Theil eines zwei- bndigen Werkes ber die Fortpflanzungsphysiologie der niederen Organismen. *) Ueber den Gegenstand ist zwar schon mehrere Male ein- gehend in der Naturw. Wochenschr. referirt worden; bei dem Interesse des Gegenstandes seien aber im Zusammenhange auch die 'schon erwhnten Dinge mit herangezogen. 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 1. Nach 9jhriger ununterbrochener Arbeit tritt Klebs mit diesem Werke an die Oeffentlichkeit, das berufen erscheint, unsere Ansichten ber die Physiologie der Fortpflanzung der niederen Pflanzen von Grund aus umzugestalten. Das Capitel ber Fortpflanzung, -nie es in den meisten Lehrbchern ber Pflanzenphysiologie dargestellt wird, enthlt eigentlich nur That- sachen der'Entwickelungsgeschichte, die unvermittelt neben ein- ander stehen. Das Weuige, was ber Generationswechsel bekannt ist, ist zum Theil selbstverstndlich, zum Theil aber werthlos, weil es nicht auf Experimenten beruht. In dieses dunkle Gebiet verbreiten nun die Untersuchungen des Verf. einiges Licht. Man mache sieh aber von vornherein klar, wie weit es zur heutigen Zeit berhaupt mglich ist, hier einzudringen. Wenn Verf. von der Fragestellung ausgeht, in welcher Weise die Organismen in Bezug auf ihre Fortpflanzung auf ussere Einflsse reagiren, so constatirt er damit, dass die Organismen auf bestimmte Einflsse in bestimmter Weise reagiren. Der eigeutliche Kernpunkt der ganzen Fortpflanzungslehre, nmlich zu erklren, wie die Beein- flussung vor sich geht und weshalb eine solche Beeinflussung gerade so uud nicht anders sich der Aussenwelt gegenber kund giebt, wird natrlich nicht dadurch berhrt. Das ist eben bei dem heutigen fragmentarischen Wissen ber die Plasmavorgnge im Innern der Pflanze ganz unmglich. Verf. hat sich deshalb auch nur auf das Erreichbare beschrnkt; hier aber hat er Resultate erreicht, die so bedeutend sind, dass das Erscheinen des vorliegenden Werkes einen Markstein in der Lehre der Fort- pflanzungsphysiologie bildet. Der bis jetzt erschienene Band erhlt nur die speciellen Resultate, also nur die durch die Experimentaluntersuchung ans Licht gefrderten Thats-achen ; alle Folgerungen allgeineiner Natur, sowie den Ueberblick ber die Fortpflanzung der niederen Pflanzen berhaupt bringt erst der demnchst zu erwartende allgemeine Theil. Einen Auszug daraus hat Klebs bereits in einem Vortrage gegeben, den er auf der Naturforscherversammlung in Lbeck im Jahre 1S95 gehalten hat. Dieser Vortrag ist in seinem wesent- lichen Inhalt in der Naturw. Wochenschr. 1895, S. 591 wieder- gegeben. Bei der ungeheuren Flle des Stofi^es, den der specielle Theil enthlt, kann natrlich nur eine begrenzte Zahl von Fllen hier zur Besprechung gelangen. Ref. mchte daher nur einige charakteristische Arten herausgreifen, um den Lesern der Naturw. Wochenschr. die Methodik und die erlangten Resultate vor Augen zu fhren. Ganz allgemein sei noch ber die Versuchsanstellung folgendes gesagt. Zur Verwendung kamen mglichste Reinkulturen der zu untersuchenden Organismen. Fr die Pilze ist die anzuwendende Methodik bekannt, dagegen waren fr die Algen neue Wege ein- zuschlagen. Wie man hierbei vorgeht, darber verbreitet sich Klebs ausfhrlich in dem Capitel ber Botrydium. Vor allen Dingen wollen die Algen eingehend in der Natur studirt sein, um die Bedingungen, welche ihnen zusagen, kennen zu lernen. Erst wenn diese bekannt sind, ist es mglich, eine Isolirung der Alge und eine Reinkultur vorzunehmen. Wie das anzustellen ist, muss in jedem speciellen Fall ausprobirt werden. Rathschlge allge- meiner Natur lassen sich dabei kaum geben. Erfahrung und Geduld sind die Haupterfordernisse fr das Gelingen derartiger Experimente. Um nun die Bedingungen kennen zu lernen, unter denen die verschiedenen Algen ihre Frnctificationsorgane ausbilden, wurden die Culturen unter verschiedenen usseren Verhltnissen gehalten. Es wurden also die Belichtungsverhltnisse, die chemische Zu- sammensetzung der Nhrmedien, die Temperatur etc. gendert und nun die Vernderungen constatirt, welche dadurch auf die Algen hervorgebracht wurden. Dabei ergab sich, dass die Algen im Allgemeinen leicht und sicher auf ussere Einwirkungen rea- giren, whrend bei den Pilzen diese Reaction weniger prompt und unter viel verwickeiteren Verhltnissen eintritt. Ein sehr gutes und lehrreiches Beispiel bieten die Vaucheria- Arten, die hier genauer berhrt werden sollen. Herausgegrifi'en sei Vaucheria repens. Diese Alge pflanzt sich ungeschlechtlich durch Zoospoi'en und geschlechtlich durch Anthoridien und Oogonien fort. Es galt nun, durch ussere Bedingungen eine dieser beiden Fortpflanzungsarten sicher hervorzurufen. Zur Erzeugung der Zoosporen sind folgende Methoden wichtig: 1. Die mehrere Tage feucht und hell cultivirte Alge wird mit Wasser begossen, 2. Die in 0.2 0,b " Knoopscher Nhrlsung hell cultivirte Alge wird in reines Wasser bergefhrt. 3. Kulturen in Wasser oder 0,1 bis 0,2 "/o Nhrlsung werden verdunkelt. Die besten Resultate er- giebt Combination von Methode 1 oder 2 mit 3. Es wird nun in einer Reihe von Capiteln besprochen, wie die einzelnen usseren Factoren auf die Alge einwirken. Mitgctheilt seien daraus folgende interessante Thatsachen. Im Dunkeln bildet die Alge noch eine geraume Zeit Zoosporen, wenn deren Bildung eingeleitet war, bis schliesslich ein solcher Mangel an Nhrstoffen eintritt, dass zwar noch Wachsthum, aber keine Zoosporen- bildung mehr stattfindet. Der pltzliche Uebergang von Luft in Wasser wirkt zoosporenbildend, nur inuss vorher gengende Feuchtigkeit in der Luft gewesen sein. Bildet eine Kultur im Dunkeln Zoosporen, so hrt der Process sofort auf, wenn die- selbe dem Licht ausgesetzt wird. Verminderung des Lichtes wirkt als Reiz fr Zoosporenbildung. Es fragte sich nun, ob be- stimmte Farben einen solchen Einnuss ausben. Hierbei ergab sich als Resultat, dass die hell erscheinenden Strahlen (gelb, roth) wenig oder nicht wirksam sind, whrend die dunkel er- scheinenden (blau) wie verringertes Licht wirken. Um mit Licht- quellen von constanter Intensitt zu arbeiten, wandte Klebs Auer- glhlicht an. Dabei ergaben sieh ganz hnliche Resultate wie fr Sonnenlicht. Fr die Zoosporenbildung liegt das Minimum bei 3", das Maximum bei 26" C. Durch starke Temperaturschwan- kungen kann bei Ausschluss aller anderen Reize die Bildung der Zoosporen veranlasst werden. Bei der vom Verf. angewandten anorganischen Nhrlsung wii-kte eine Steigerung der Concen- tration ber 0,7 /o als Hemmniss der Zoosporenbilduug. Der Auf- enthalt in der Nhrlsung erzeugt mit Ausnahme einiger be- stimmter Flle nur vermehrtes Wachsthum, findet aber pltzlicher Uebergang in Wasser statt, so wirkt dieser Wechsel als Reiz fr die Auslsung des Processes der Zoosporenbildung. Der Ueber- gang von Wasser in organische Nhrlsungen (Zuckerarten) wirkt fr sich nicht zoosporenbildend, wird aber die Alge z. B. aus feuchter Luft oder Nhrlsung in eine 2 4proc. Rohrzuckerlsung gebracht, so erfolgt die Zoosporenbildung wie im Wasser bei gleicher Abhngigkeit von Licht und Temperatur. Die Versuche ber Einwirkung des Sauerstoft'es und der Luftverdnnung er- gaben keine gengend prgnanten Resultate. Pltzlicher Ueber- gang aus strmendem in stehendes Wasser erzeugt Zoosporen- bildung, freilich wird der Process wohl nur durch die Verminderung des Sauerstoffgehaltes des Mediums veranlasst. Fr die Er- zeugung der geschlechtlichen Fortpflanzungsorgane ist das Vor- handensein von hellem Licht unerlsslich. Am sichersten gelingt die Erzeugung dieser Organe bei Kultur in 2 4proc. Rohrzucker- lsung bei hellem Licht. Ueber den Einfluss der Lichtintensitt sowie des farbigen Lichtes hat Verf, eine grosse Reihe von Ver- suclien angestellt, die hier bergangen werden knnen. Der Feuchtigkeitsgrad hat wenig Einfluss, es ist also gleichgiltig, ob die Kultur in feuchter Luft oder in Wasser sich befindet. Die Temperaturgrenzen sind dieselben wie fr die Zoosporenbildung. Im Allgemeinen wirken organische Lsungen (Zuckerarten) fr- dernd auf die Bildung der Geschlechtsorgane ein, whrend an- organische sie verhindern. Sauerstoff ist nur in beschrnktem Maasse nothwendig. Fliessendes Wasser verhindert die Bildung gnzlich. Sehr interessant sind ferner die Versuche, wodurch es gelang, die Zahl der mnnlichen Organe gegenber der der weib- lichen wesentlich zu erhhen. Die Untersuchung des Wassernetzes, Hydrodictyon utricula- tum, hatte zuerst die Bedingungen der verschiedenen Propagations- arten aufgedeckt und zugleich bewiesen, dass ein regelmssiger Generationswechsel nicht stattfindet. Hervorgehoben sei nur Folgendes. Die Zoosporenbildung findet statt, wenn die Alge bei heiler Beleuchtung aus einer 0,.5 1 proc. Nhrlsung in Wasser bergefhrt oder wenn sie aus fliessendem in ruhiges Wasser ver- setzt wird. Den Einfluss des Lichtes, der Temperatur, der Nhr- medien etc. bespricht Verf. in ganz hnlicher Weise wie bei Vaucheria. Fr die Gametenbildung kommen andere Bedingungen in Betracht, vor Allem, wenn gesunde Netze in relativ weuig Wasser sonnig gestellt werden. Besitzen die Netze erst eine Neigung zur Zoosporenbildung, so sind die Bedingungen viel ver- wickelter, unter denen sie Gameten bilden. Deshalb gelingen auch die Versuche nach dieser Richtung hin nicht mit absoluter Sicherheit, da noch hauptschlich die Gefahr hinzukommt, die Netze indift'erent zu machen. Ein sehr interessantes Capitel ist das ber Botrydium. Nach den Untersuchungen von Rostafinski und "S'V oronin glaubte man die Kenntniss des Entwickelungsganges fr vollstndig zu halten. Klebs weist nun nach, dass die Art aus zwei sehr leicht zu ver- wechselnden Arten besteht, die sich aber wesentlich im Ent- wickelungsgang unterscheiden und auch auf ussere Reize ver- schieden reagiren. Whrend Botrydium granulatum sich nur durch eine Art von Schwrmern fortpflanzt und nie Strke, sondern Oel bildet, hat Protosiphon botryoides (novum genus) unbeweg- liche Sporen und Gameten, ausserdem Strke in den Zellen. Die Diagnose, die Klebs fr Protosiphon giebt, kann als erstes Bei- spiel fr die von ihm aufgestellte Forderung gelten, dass bei niederen Organismen, deren morphologische Merkmale nicht immer hervortreten, die physiologisclieu Merkmale zur Beschreibung herangezogen werden mssen. Ueber die Gruppe der Conjugaten soll nur weniges mitgetheilt werden. Spirogyra inflata schreitet zur Copulation, wenn sie in 24 proc. Rolirzuckerlsung hell sonnig steht. Die Haupt- bedeutung fr die Conjusation kommt dem Lichte zu. Sehr interessant sind Versuche, die zur Erzeugung von parthenogenetisch gebildeten Dauersporen fhrten. Neben anderen Modificationen fhrte zum Ziele, wenn die Alge nach einer Cultur in 4 proc. Rohrzuckerlsung in 6 proc. versetzt wurde. Die Vorbedingung XII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 11 war, dass sich in der ersten Culturflssigkeit bereits die Copu- lationsfortstze gebildet hatten. Die Protoplasten, die im Begriff war zu copulireu, contrahirten sich, umgaben sich, soweit nicht vlliges Absterben stattfand mit einer Membran und verhielten sich ganz so wie normale Zygosporen. Cosmarium Botrytis trat in Copulation ein, wenn nach lngerer Wassercultur an khlem, schattigen Ort pltzlich helle Belichtung dargeboten wurde; daneben half Zuekerlsung sehr zur Beschleunigung des Processes. Bei Oedogonium diplaudrum kann durch Uebergang aus niederer in hhere Temperatur oder von fliessendem in stehendes Wasser Zoosporenbildung mit grsster Sicherheit erzeugt werden. Auch der Ersatz von Nhrlsung durch Wasser wirkt meist zoosporenbildend. Licht dagegen bt hier gar keinen Einfluss auf diesen Process aus. Fr die Erzeugung der geschlechtlichen Fortpflanzung sind ruhiges, stehendes Wasser, Licht und relativ geringe Zufuhr von Niu-salzen die Hauptbedingungen. Ausser- ordentlich interessant ist, dass bei einer anderen Art derselben Gattung, Oedogonium capillare, die Bedingungen zur Zoosporen- bildung total verschieden sind. Hier wirkt der Aufenthalt im Dunkeln oder Cultur in Rohrzuckerlsung von 4 10 pCt. bei massigem Licht oder endlich nach langer Wassercultur der Aufenthalt in verdnnter Nhrlsung (0,1 0,2 pCt.) bei Gegen- wart von Licht. Die Bedingungen dagegen fr die Bildung der geschlechtlichen Fortpflanzungszellen sind fast dieselben wie bei . diplandrum. Ulothrix zonata ist ebenfalls untersucht worden, doch ergaben die Versuche nur wenig sichere Resultate, da die Alge sich nur sehr schwer in knstlichen Culturen halten lsst. Bei Conferva bombycina konnte Verfasser feststellen, dass die Zoosporenbildung durch Verdunklung in Verbindung mit or- ganischen Substanzen hervorgerufen werden kann. Allerdings muss die Alge sich in reizbarem Zustande belinden, was durch lngere Cultur in fliessendem Wasser zu erzielen ist. Sehr interessant sind die Experimente mit zwei Arten der Gattung Bumilleria, von denen die eine neu ist. B. sicula pflanzt sich durch Spaltung der Fden in Theilzellen, durch Zoosporen und Dauerzellen fort. Die Spaltung lsst sich leicht hervorrufen, wenn die Alge eine Zeit lang fast trocken gehalten und dann mit Wasser bedeckt wird. Zoosporen werden ge- bildet, wenn die Alge aus feuchter Luft in Wasser oder aus Nhrlsung in Wasser bergefhrt wird; doch ist die Alge launenhaft und reagirt nicht immer mit absoluter Sicherheit. Um Dauerzellen zu erzeugen, braucht man blos eine Cultur der Alge auf Lehm bei hellem Licht langsam eintrocknen zu lassen. Auf Grund der von ihm gewonnenen Erfahrungen giebt Klebs dann eine neue Beschreibung der Gattungen der Ulo- tricheen. Es gehren dazu Ulothrix, Hormidium, Bumilleria, Conferva, Microspora und Schizogonium. Von den weiter behandelten Algen sei noch Draparnaldia herausgegriffen. Um Zoosporen zu erzeugen, gengt es, die Algen aus fliessendem in stehendes Wasser zu bringen. Ver- dunkelung befrdert den Prozess ausserordentlich. Auch der Uebergang von Nhrlsung in Wasser wirkt frdernd. Ausserdem erzeugt die Alge Mikrozoosporen, die Dauerzellen bilden. Bi.s- weilen geht dieser Bildung die Copulation zweier Schwrmer voraus. Der Copulationsaet ist von Klebs eingehend untersucht worden. Leider hat sich mit Sicherheit nicht feststellen lassen, unter welchen usseren Einflssen die Ausbildung dieser Mikro- zoosporen erfolgt. Die Volvocinee Chlamydomonas media Klebs bildet Gameten und Zygoten immer aus, wenn die Zellen von Nhrlsung in Wasser bergefhrt werden. Ausser den zur Untersuchung herangezogenen Algen hat Klebs auch einige Pilze verschiedenen Bedingungen unterworfen. Der allverbreitete Schimmelpilz Eurotium repens bildet Conidien- trger und Perithecien. Fr die Bildung der Conidientrger ist die Temperetur und das Vorhandensein gewisser Nhrstoffe maassgebend. Bei den Versuchen von Klebs lag das Minimum der Temperatur bei 7", das Maximum bei 37", whrend sich zwischen SG 30 eine sehr reichliche und bereits nach kaum einem Tage auftretende Conidienbildung zeigt. Um die Be- dingungen fr die Conidienbildung noch nher zu studiren, wurden Versuchsreihen mit allen mglichen Nhrstofien ange- stellt. Es^ ergab sich daraus, dass der Pilz nur dann reife und normale Conidientrger erzeugt, wenn das Mycel seiner Umgebung das ^yasser mit einer grossen Kraft entziehen muss; es findet also dann nur eine beschrnkte Wasseraufnahme statt. Es gelang sogar dem Verfasser, den Werth dieser Kraft durch den osmotischen Druck einer Traubenzuckerlsung von ca. 1.5 pCt bei einer lemperatur von iS" auszudrcken. Im Allgemeinen gilt hier wie tur alle Pilze, dass die usseren Bedingungen fr die Erzeugung einer Fruchtform ausserordentlich verwickelte sind. Whrend sich tur . Grssere AuftrRe ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseratenannabme bei allen Annoncenbureaux wie bei der Expedition. Abdrack ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Die zoologische Sammlung des Kniglichen Museums fr Naturkunde zu Berlin. ') Die Reptilieu-Schausammlung:. **) Von Dr. H. Stadelmann. Einleituug. Die Reptiliensehausammluug des Museums ist in dem Quersaal aufgestellt worden, welcher neben dem rechten Trepiienhause liegt. Dieser Saal enthlt ausserdem die Amphibien- und Fischschausammlung. Die Reptilien- ausstellung beginnt gleich am Saal-Eingang und zieht sich von da nach rechts herum. Die Schaustcke sind in aufrechtstehenden Glasschrnken untergebracht und sind entweder ausgestopft oder in Spiritusglser ein- geschlossen. Den inneren Bau der Reptilien erlutern in der Schausammlung zahlreiche anatomische Prparate, Skelette und SkelettstUcke. Da einige Vertreter dieser Thierordnuug wegen ihrer riesigen Grsse in den er- whnten Glasschrnken nicht untergebracht werden konnten, so haben sie in dem benachbarten Treppen- hause ihre Aufstellung gefunden. Man sieht deshalb hier die schwarze Riesenschildkrte von den Galapagosinseln Testudo nigrita, die Suppenschildkrte Chelone mydas, die Lederschildkrte Dermochelys coriacea, das Nilkrokodil Crocodilus niloticus und den Mississippialligator, Alligator mississippiensis. Die Reptilien sind wechselwarme Wirbelthiere, d. h. Wirbelthiere, deren Blutwrme von der umgebenden Luft abhngt. In ihrer Haut liegen Hrn- oder Knochen- schilder. Sie athraen stets durch Lungen, legen Eier *) Fortsetzung von Band X, No. 45 Seite 541-544. Red. **) Bei Zusammenstellung des obigen Fhrers dieser Abtheilung wurden benutzt: 1. Synopsis der Zoologie von Leunis, 2. Brehm's Thierleben, 3. die Cataloge des British Museum. oder werfen lebendige Junge und zeigen in der Jugeud- Entwickelung keine Gestaltsvernderuugen , haben also keine Metamorphose. Wie bei den Vgeln hat ihr Hinter- haupt nur einen Geleukhcker. Erste Reptilieuordnung: Krokodile, Hydrosauria. Die Krokodile sind grosse, eidechsenhnliehe Thiere und smmtlich Wasserbewohner. Ihre Haut ist derb, und in ihr liegen auf dem Rcken grosse, verkncherte, meist gekielte Hautschilder. Die Hautschilder der brigen Krperregionen sind kleiner. Der Schwanz ist sehr lang und seitlich zusammengedrckt. Durch Erhebung der Kiele der oberen Schwanzschilder wird auf der Schwanz- firste ein zuerst paariger, gegen das Schwanzende hin nnpaarer Zackenkamin gebildet. Die Nasenlcher liegen vorn an der Schnauzeuspitze dicht bei einander und knnen durch eine Hautfalte gesaiilossen werden. Die Augen besitzen zwei Augenlieder und eine Nickhaut. Die vier Beine haben eine meist kurze, gedrungene Gestalt. Die Vorderfsse besitzen fnf, die hinteren vier Zehen. Ge- whnlich sind nur die Hinterzehen durch eine Schwimm- haut verbunden. Vom Skelett ist zu bemerken, dass die Halswirbel rippenhnliche Fortstze haben. Aehnlich wie bei den Vgeln tragen die Mittelbrnstrippen hakenfrmige Fortstze. Ausgezeichnet sind die Krokodile durch das Bauchsternuni. Dies ist eine dem Brustbein hnliche Knoehenbildung, die hinter diesem in der Bauchwand liegt und nach oben hin, jedoch nicht bis zur Wirbelsule rippenhnlichc Knorpelspangen entsendet. Die Kieferrnder sind mit kegelfrmigen Zhnen bewehrt, die in besonderen Hohl- rumen, Alveolen, sitzen. Vorstehend erwhnte Einzel- heiten sieht man in der Schausammlung am Skelett des Alligator mississippiensis, an den Kopfskeletten des Meer- 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 2. krokodiles, Crocodilus porosus und des Gaviais, Gavialis gangeticus und an Fig. 1. Die Krokodile knnen ihre Zunge nicht wie die Schlangen und Eidechsen hervorstrecken, da sie unten mit der Mundhhle vollstndig verwachsen ist. Der Darm, dem der Blinddarm fehlt, endet hinten in die lngs-gestellte Cloakentfnung. Die Krokodile bewohneu die Flsse und Seen der tropischen Gegenden. Einzelne gehen selbst in die Kstengewsser der Meere. Das Land betreten sie meist nur, um sich zu sonnen oder ihre Eier abzulegen. Die Eier, denen, wie das ausge- stellte des Nilkrokodiis, Crocodilus niloticus, zeigt, unsere Gnseeier hnlich sind, werden im Sande vergraben uud von der der Sonne ausgebrtet. Die Jungen Mutter ausgegraben. Ihre Nahrung, werden Fische von und kleinere Landsugethiere, erbeuten die Krokodile meist des Nachts. Zu den hervorragendsten Vertretern der Krokodile gehren : der Gavial. Er wird bis 6,5 m und ist bei den Indern Gavialis lang, lebt stand gttlicher rung. schnu wie die ist er gangeticus, im Gan^ Vereh- Er ist dem Wi- heilig. Ebenso folgende Art an dem langen Kopfe Gegen- an im 6 m lang, Amazonen- schnabelartigen kenntlich. Tomistoma schlegeli, der Sunda-Gavial, 4,8 m lang, lebt in den Fls- sen der beiden Sunda- inseln Borneo und Java. Crocodilus cataphrac- tns, Schnauzenkrokodil, Panzerkrokodil. Diese Art wird ber 9 m lang und lebt an der West- kste von Afrika vom Senegal bis zum Gabun. Crocodilus america- nus, Spitzschnauzeukro- kodil. Diese bis zu 6 m lange Art ist in der neotropischen Region weit verbreitet und findet sich in fast allen Lndern und grsseren Inseln vom 30. Grade nrdlicher bis zum 5. (irade sdlicher Breite. Crocodilus porosus, Leistcnkrokodil. Von dieser Art ist nur der Schdel aufgestellt. Diese Krokodile werden bis 9 ni lang und gehren zu den weitverbreitetsten den Mascarenen bis bis Korea und auch w^erden sie Fig. 1 Hufig angetroffen. m Krokodilarten. Man findet sie von zu den Fidjiinseln, von Vorderindien an der Nordkste von Australien, den Kstenmeeren dieser Gegenden Crocodilus palustris, Sumpfkrokodil. Diese Art hrt zu den kleineren Formen. Sie wird nur 34 m lang und bewolint Indien, Ceylon, Birma, Malakka und die indischen Inseln. Crocodilus niloticus, das Nilkrokodil. Ist die bekann- teste Art. Es soll ber 9 m lang werden. Es bewohnt das ganze tropische Afrika bis zum Kap. Die alten Egyjjter erwiesen dem Niikrokodil gttliche Ehren. Den Eiern wird vom Ichneumon und der Nileidechse nachgestellt. Alligator missi.ssippiensis, Mississippikaiman, Hecht- schnauzcnkrokodil. Lebt im Sden der Vereinigten Staaten von Nordamerika und wird bis zu 4,5 m lang. Die Haut wird verarbeitet. Aus dem Fett wird Wagen- schmiere gewonnen. Alligator sinensis, Yang-tse-Kiang. Chinesischer Alligator, lebt im Caiman niger, Mohrenkaiman, wird lebt im Norden Sdamerikas, namentlich Strom und seinen Nebenflssen. Caiman latirostris, Brillenkaimau, wird 2,5 m lang und lebt in Sdamerika, stlich der Anden vom Amazonen- strom bis zum La Plata. Das weisse, fisehhnliche Fleisch wird gegessen. Zweite Reptilieuorduung : h y u c h o e e p h a 1 i a ,*B r c k e n - echsen. Zu dieser Ordnung gehrt nur eine Art, die zugleich eine Familie ausmacht, die in Neu Seeland lebende Brckenechse, Sphenodon punctatus. Diese Art bildet die letzten Reprsentanten aus- gestorbener Reptilien. Sie hat Merkmale, die sowohl an die Eidechsen, als au die Krokodile, als auch an die Lurche erinnern. Das Quadratbeiu ist mit dem Schdel unbeweglich verbunden. Die Wirbel sind vorn und hinten trichterfrmg ausgehhlt. Die Rippen haben Seitenfortstze, processus uncinati. Ein Trommelfell fehlt diesen Thieren. Schls- selbein und Gabelbein sind vorhanden. Auch ist eine Art Bauchster- num vorhanden. Da- durch, sowie durch den Bau ihrer Hinterglied- maassen schliessen sie sich den Krokodilen an. Dritte Reptiiieuordnung: Schildkrten, Che- lonia. Bei den Schildkrten sind auf Rcken und Bauch die Knochenschil- der der Haut zu einer festen Kapsel verwach- sen, aus der der Kopf, die vier Beine und der Schwanz hcrausge- streckt werden knnen. Die Kiefer sind innner zahnlos und mit einer Hornscheide verschen. Der Rckenschild ist mit der Wirbelsule und den Rippen fest verbunden. Die den Rcken- und Bauchschild ber- ziehende Haut verhornt meist und bildet das sogenannte Schildpatt, das aus einer Reihe von regelmssig ange- ordneten Platten besteht. Der Ko))f ist meist deutlich beschuppt, doch ohne regelmssige Anordnung. Die Augen haben Lider uud eine Nickliaut. Das Trommel- fell liegt frei und ist deutlich sichtbar. Da der Hals ein- und ausgestreckt werden kann, so ist die ihn umgebende Haut faltig und schlaff. Gliedmaassen sind stets vier vor- handen. Die Fsse sind entweder Gangfsse ohne Schwimm- haut zwischen den Zehen (Landschildkrten) oder sie besitzen solche (Ssswasserschildkrten), oder der Fuss ist in eine Flosse umgewandelt (Seeschildkten). Die Zunge kann nicht vorgestreckt werden; sie ist am Boden der Mund- hhle festgewachsen. Die Schildkrten legen Eier, die sie im Sande des Strandes verscharren und von der Sonne ausbrten lassen. Sie nhren sich von kleineren Thieren und Pflanzen. In ihrer Bewegung sind .sie meist plumpe Thicre. Einige von ihnen verfallen in einen Winterschlaf. Die Mehrzahl der Arten sind tropische Thicre. In den gemssigten Zonen leben verhltnissmssig wenige. Meh- rere Arten finden eine technische Verwerthung. So werden einzelne gegessen, aus den Eiern anderer wird Oel be- reitet. Am meisten jedoch stellt man ihnen ihres Schild- XII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 patts wegen nach, das zu allerlei Gegenstnden verar- beitet wird. Von den Schildkrten-Familien, Gattungen und Arten sind folgende von besonderer Wichtigkeit: Erste Familie: Spargidae. Dermochelys eoriacea, Lederschildkrte. Wird ber 2 Meter lang-, lebt in allen tropischen Meeren. Aus den Eiern wird Oel bereitet. Zweite Familie: Chelydridae. Chelydra serpentiua, Alligatorschildkrte. Wird ber ein Meter lang und lebt in den Gewssern des sdlichen Nordamerika. Die Eier und das Fleisch junger Thiere werden gegessen. Macroclenmiys tcmminckii, Eierschildkrte. Lebt wie die vorige Art und wird bis 1,4 ni lang. Dritte Familie: Cinosternidae. Cinosternum ))ennsylvanicum , Nordamerikanische Klappscliildkrte. >Sie fllt durch den starken Moschus- geruch auf. Ihre Nahrung sind lebende Wasserthiere. Sie erreichl eine Lnge von 1.'') cm. Vierte Familie: Platysternidae. Platysternum megacephalum, Grosskopfschildkrte. Zeichnet sich durch ihre merkwrdige Gestalt aus, lebt in Hiuterindien. Fnfte Familie: Testudiuidae. Unter ihnen sind die wichtigsten Arten: Testudo tabulata, Sdamerikanische Waldschildkrte, ihr Panzer wird bis 55 cm lang. Sie ist ber das ganze Sdamerika verbreitet und vielfach sehr hutig. Ihr Fleisch dient als Nahrung. Testudo elegans, Sternschildkrte. Diese schne Art lebt in der indischen Region und wird bis 35 cm lang. Testudo elephantina, IClephautenschildkrte. Sie wird ber einen Meter lang und lebt auf den Inseln des Kanals von Mozambique. Testudo graeea, Griechische Landschildkrte. Wird bis 26 cm laug und lebt in Sdeuropa, mit Ausnahme von Spanien. Ihr Fleisch wird in manchen Gegenden gegessen. Testudo geometrica. Eine kleine 15 cm grosse Art, die in Sdafrika, Madagascar und Mauritius lebt. Testudo nigrita. Schwarze Riesenschildkrte. Wird bis 80 cm lang und lebt anf den Galapagosinseln. Pyxis arachnoides, Spiunenschildkrte. Wird 17 cm lang und findet sich in Ostindien und Madagascar. Cinixys erosa, Gezhnelte Gelenkschildkrte. Lebt in Westafrika und wird bis 33 cm lang. Cistudo Carolina, Nordamerikanische Dosenschildkrte. Wird 15 cm lang und lebt im sdlichen Nordamerika. Die Eier werden gegessen. Eniys lutaria. Europische Sumpfschildkrte. Diese bis 26 cm lange Art kommt in Deutschland vor. Sie ist in ganz Mittel- und Sdcnropa, im nrdlichen Afrika und westlichen Asien verbreitet. Ihr Fleisch wird gegessen. Sie ist der Fischzucht schdlich und hlt Winterschlaf. Clemmys caspica, Caspische Wasserschildkrte. Wird 26 cm lang und lebt in Sdosteuropa. Clemmys picta. Lebt in nordamerikauischen Smpfen und wird 18 cm lang. Sechste Familie: Chelonidae. Chelone mydas, Suppenschildkrte. Wird bis zu 2 m lang und lebt im atlantischen Ocean. Nhrt sich haupt- schlich von Seetaug. Das Fleisch wird sehr geschtzt. Chelone imbricata, Carettschildkrte. Wird einen Meter lang, lebt im atlantischen, stillen und indischen Ocean. Aus den Platten des Rckenschildes wird das sogenannte Schildpatt gewonnen. Thalassochelys caretta. Wird ber einen Meter lang. Lebt im Mittelmeer und atlantischen Ocean. Weder ihr Fleisch noch das Schildpatt tiudet Verwendung. Siebente Familie: Pelomedusidae. Sternothaerus derbianus. Lebt in Westafrika. Sie stsst kurze abgebrochene Laute aus. Achte Familie: Chelididae. Chelys finibriata, Matamata. Eine der der Gestalt nach merkwrdigsten und hssliehsten Schildkrten. Sie wird ber 2 Meter lang, lebt in Guyana und Brasilien. Das Fleisch wird von den Eingeborenen sehr geschtzt. Hydromedusa tectifcra, Schlangeuhalsschildkrte. Ihr Panzer wird 20 cm lang. Sie lebt in Sdamerika. Neunte Familie: Trionychidae. Trionyx ferox, Bissige Schildkrte. Wird ber P/a m lang und lebt in Flssen des sdlichen Nordamerika. Ntzt durch Fressen junger Krokodile. Trionyx triunguis, Nilschildkrte. Lebt in Afrika und lebt wie vorhergehende Art. Cyclodcrma frenatum. Lebt in Mozambique. Emyda granosa, Bungoma, Flussschildkrte. Lebt in Ostindien. Vierte Reptilienordnung. Eidechsen, Sauria. Der Krper der Eidechsen ist beschuppt oder be- scliildert und hat 4, 2 oder keine Gliedmaasseu. Die Zhne verwachsen mit ihrem Sttzkuochen. Der Schulter- grtel ist stets vorhanden. Die Kloakenffnung bildet eine Querspalte. Die Kopfplatten der Thiere werden mit besonderen Namen belegt. Bei vielen Arten sind vor dem After und an der Unterseite der Oberschenkel Drsenffnungen in einer Reihe angeordnet, sie werden After- und Schenkclporen genannt. Die Ausbildung der Gliedmaasseu ist bei den Eidechsen eine sehr verschie- dene. Ausser den Eidechsen mit vollentwickelten Glied- maasseu, die 5 wohlentwickelte Zehen haben, giebt es solche mit schwachen, aber noch vollentwickelten Glied- maasseu. Ferner beginnen die usseren Zehen zu schwin- den, dann smmtliche, sodass nur noch Ober- und Unter- schenkel vorhanden sind. Endlich knnen auch diese gauz verschwinden, und das Individuum erlangt so das Aussehen einer Schlange. Immer aber bleibt dann bei den Thieren noch ein Theil des Brustgrtels erhalten. Auch dadurch unterscheiden sich die Gliedmaassen der Eidechsenarten von einander, dass sie entsprechend der Arbeit, die sie auszufhren haben, eine besondere Aus- bildung zeigen. So unterscheidet man Greif-, Klammer-, Lauf- und Schreitfsse, dagegen kennt man Eidechsen mit Grabfssen niclit, weil die Arten, welche vorwiegend im Boden leben, keine oder nur verkmmerte Extremi- tten besitzen. Sie bedrften der Gliedmaassen nicht, denn sie bohren sich vorwiegend durch Krperbewegungen in den Boden ein, wobei der Kopf als Schaufel dient und desshalb als Whlorgan ausgebildet ist. Der Lebens- weise angepasst ist auch die Zunge der Thiere und dess- halb ist auch sie von grosser Verschiedenheit. Man unterscheidet: Kurz-, Dick-, Wurmzngler u. s. w. Die Nahrung der Eidechsen besteht besonders in lusecten und Wrmern. Pflanzenfresser giebt es unter ihnen wenige, omnivore Individuen garnicht. Die Eier haben eine lederartige Schale und werden an feuchten Orten abge- legt. Die Eidechsen gehren vorwiegend den warmen und heissen Gegenden an. Sie sind Laudthiere, nur eine 16 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 2 Art lel)t auch im Wasser. viele Familien ein. Man tlicilt die Eidechsen in Erste Familie : Haftzeher, Geckonidae. Sie sind durch den Ilaftapparat an den Zehen aus- gezeichnet, vermittelst dessen sie an glatten Wnden und Decken herumlaufen knnen. Hemidactylus tauricus, Scheibenfinger. Wird bis 10 cm lang und lebt im Sden Europas. Ptychozoon homalocephalum, Falteugecko. Ist durch Hantfalten, die beiden Krpersciten ansitzen, aus- gezeichnet. Er wird 20 cm lang und lebt auf Malakka und den grossen Sundainseln. Tarentola mauritanica, Mauergecko. Er wird bis 16 cm lang und lebt in den Mittelmeerlndern. Zweite Familie: Schuppenfsser, Pygopodidae. Ihr Krper ist schlangenfrmig. Die Vorderglied- niaassen fehlen vollstndig und die hinteren sind zu flossen- artigen Gebilden geworden. Pygopus lepidopus, Flosseufuss. Wird 58 cm lang. Er lebt in Australien und Vau Diemensland. Dritte Familie: Agamen, Agamidae. Die Gestalt ihres Krpers ent- spricht der je- weiligen Lebens- weise der Thiere. Die Boden be- wohnenden ha- ben einen von oben nach unten, die Baumbewoh- ner einen seit- lich zusammenge- drckten Krper. Die meisten sind Insectenfresser, Uromastix nhrt sich von Frch- ten und Krutern, und einige andere Aganicn lieben gemischte Nahrung. Draco volans, Flugdrache. Er ist durch eine Flug- haut zu beiden Seiten des Krpers ausgezeichnet, die er durch die Rippen ausbreiten kann. Seine Lnge be- trft 21 cm ^'^" '"'"* ""'' '' >-;".-i": Erdagameu. Er nhrt sich ausschliesslich von Pflanzen- kost. Sein Fleisch wird von den Beduinen gegessen und er zeigt wie der verwandte Stellio vulgaris einen gewissen Farbenwechsel. Eine der wunderbarsten Formen, deren Krper von Stacheln starrt, der aber ein ganz harmloses Thier ist, ist der australische Moloch, Moloch horridus. Er wird 22 cm lang. Vierte FamiHe: Leguane, Iguanidae. Diese Familie vertritt die Agamen in Amerika. Ausser- halb dieses Continents kommen Vertreter nur noch auf Madagaskar, den Fitschi- und Freuudschaftsinseln vor. Ebenso wie bei der vorigen Familie kann man hier von Baum- und Erdleguanen sprechen. Dementsprechend ist auch die Krperform verschieden. Als Vertreter mgen erwhnt werden: Anolis carolineusis, Rothkehlanolis, wird bis 22 cm lang und lebt im sdlichen Nordamerika und auf Cuba. Die Anolisarten sind sehr hufig, leben auf Bumen, Struchern u. s. w., sind sehr beweglich, zutraulich und leicht zhmbar. Sie haben, wie die Chamleons, die Fhigkeit, ihre Farbe zu verndern. Basiliscus americanus, Helmbasilisk. Ein durchaus harmloses Ge- schpf, das mit dem fabelhaften ungeheuer der alten Griechen und Rmer nichts zu tbun bat. Auf dem Hinterkopf hat er einen Fig. Calotes 4 1 cm lang Baumthier. Er lebt auf den Sundainseln und 3Ialakka. versicolor, Blutsauger der Singalesen, wird und lebt in Sdasien. Auch er ist ein Agama Lnge Ein von im Leben 35 cm und lang den colonorum, Siedleragame sehr buntes Thier, erreicht eine lebt in West-Afrika. Agama armata, Stachelagame, wird 25 cm und bewohnt Sdafrika. Sie ist ausgezeichnet durch Nacken- und Rckenkamm. Agama stellio, Sehleuderschwanz. Diese Art kommt auch in Europa vor. Sie lebt in der Trkei, auf den Inseln des gischen Meeres, in Kleinasien, Syrien, Nordarabien und Aegypten. Ihre Lnge betrgt 28 cm. Chlamydosaurus kingi, Kragenechse. Besitzt an jeder Seite des Halses eine grosse gefaltete, kragen- artige Hautausbreitung, die sie bewegen kann. Sie ist eine Baunieidechse und bewohnt Queensland, Nord- und Westaustralien. Sie wird bis 81 cm gross. Lophura amboincnsis, Segelechse. Ist durch den segel- g erweiterten Rckcnkannn auf dem Schwnze aus- gezeichnet und bewohnt einen Theil der asiatischen Inseln. Uromastix spinipcs, Dornschwanz. Er gehrt zu den artig dreieckigen und auf Rcken und Schwanz je einen gewhnlichen Hautkamm. Er wird 80 cm lang und lebt in Pa- nama und Costa- rica. raniscodon umbra, Stelzeuechse. Diese schn gezeichnete Eidechse lebt in Sdamerika und wird 30 cm lang. Amblyrrhyuchus cristatus, Meerechse. Diese Eidechse steht dadurch im Gegensatze zu allen anderen, dass sie ins Meer geht, um ihre Nahrung zu suchen. Mit Hilfe des starken, seitlich zusannnengedrckten Schwanzes bewegen sie sich im Wasser fort. Diese Art wird beinahe IV2 hi lang und bewohnt die Galapagosinseln. Conolopbus subcristatus, Drusenkopf. Dies ist die zweite der die Galapagosinseln bewohnenden Eidechsen. Sic wird ber 1 m lang. guana tuberculata, Leguan (Fi - 2). Meter. Das Thier erreicht eine Lnge von ber Vj., Meter. Es besitzt einen ber Rcken und Schwanz hinreichenden Kamm und einen grossen, seitlich zusammengedrckten Kehlsack. Das Fleisch und die Eier werden gegessen. C}'clura carinata, Wirtelschwanz. Lebt auf den Ba- hamainseln, Cuba und .Jamaika und wird 1,3 ni lang. Phrynosoma cornutum, Krtenechse. Ist der Ver- treter der Dornsehwnze unter den Leguanen. Lebt in Nordamerika und Mexiko und wird 13 cm lang. Trotz des sonderbaren Aussehens es ist mit zaidreichen Stacheln, besonders am Hinterkopfe versehen ist das Thier doch ganz unschdlich. Es soll aus Nase und Augen eine blutrothe Flssigkeit absondern, die es auch einige Centimeter weit wcgschleudern kann. XII. Nr. 2. NiituiwisBCUscliaftliche Woclieuschntt. 17 Fnfte Familie: Grtelschweife, Zonuridae. Sie bewohnen Afrika vom Kap bis zur Saliara, bevor- zugen steinigen Boden und sttzen sich bei ihren lang- samen Bewegungen wahrscheinlich auf ihren Stachel- schwanz. Es mge nur erwhnt werden der Zouurus cordylus, Grtelschweif, der eiue Lnge von 18 cm erreicht. Sechste Familie: Schleichen, Anguidae. Ophisaurus apus, Scheltopusik. Ein schlangenhn- liches, 1,1 m langes Thier, das keine Vorderfsse und nur Stummel von Hinterfsseu neben dem After besitzt. Es bewohnt Sdosteuropa, Kleinasien und Nordafrika. Ophisaurus ventralis, Glasschleiche. Diese Art wird nur 80 cm lang und bewohnt das stliche Nordamerika und Mexiko. Der Schwanz bricht bei der Berhrung auffallend leicht ab. Anguis fragilis, Blindschleiche, eine deutsche Art, die ausserdem noch in fast ganz Europa vorkommt. Sie wird bis 43 cm lang. Ebenso wie bei der vorigen Art bricht ihr der Schwanz sehr leicht ab.l Zu einer besonderen sechsten Familie gehrt: Heloderma horridum, Krusteneidechse, Gilathier. Sie wird 60 cm lang und bewohnt Mexiko. Sie ist die einzig wirklich giftige Eideche. Die Zhne des Unterkiefers sind denen der Schlange hnlich gebaut, gekrmmt, ge- furcht, unten etwas dicker, aber ohne hohle Wurzeln. Die Unterkieferdrsen sind sehr entwickelt. In der Er- regung fliesst ihr der Geifer ans dem Maule, der sehr giftig wirkt. Kleinere Thiere, ja selbst Menschen, werden durch ihren Biss getdtet. Siebente Familie: Warane, Warneidechsen, Varanidae. Zu ihnen sowie zur folgenden Familie gehren unsere grssten Eidechsen. Zu bemerken sind: Varanus niloticus, Nilwarau. Wird P/i m lang und lebt in Afrika an Flssen.^ Varanus salvator, Bindenwaran. Vertritt den Nil- waran in Indien und auf den indischen Inseln. Wird 2V4 m lang. Sein Fleisch wird gegessen. Varanus griseus, Wstenwaran. Bewohnt die Wsten Nordafrikas und Westasiens und wird 1,3 m lang. Varanus albigularis, Kapwarau. Bewohnt die sd- afrikanische Wste und wird auch ca. 1,3 m lang. Achte Familie: Schieneuechsen, Tejidae. Tupinambis teguixin, Teju. Lebt in Sdamerika und wird fast einen Meter lang. Wird dadurch schdlich, dass er in Hhnerhfe eindringt. Sein Fleisch wird ge- gessen. Ameiva surinamensis, Ameive. Lebt wie die vorige Art; ist aber nicht schdlich und wird nur 53 cm laug. Neunte Familie: Ringelechsen, Amphisbaenidae. Zu dieser Familie gehren sehr wunderbare Formen. Sie sind extreme Grabthiere, die mit der Schnauze whlen und deren Fsse entweder sehr verkmmert sind oder fehlen. Hierzu gehren: Chirotes canaliculatus. Handwhle. Sie besitzt nur zwei Vorderfsse, die zwar stummelhafte, aber Krallen tragende Zehen besitzen. Die Art lebt in Mexiko und Califoruien und wird 20 cm lang. Amphisbaena alba, Ibijara. Wird 52 cm lang und lebt in Brasilien, ohne Beine. Amphisbaena fuligiuosa, Gefleckte oppelsehleiche, lebt in Sdamerika und Westindien und erreicht eine Lnge von 39 cm. Blanus cinereus, Netzwhle. Lebt auf der iberischen Halbinsel, in Marokko und Algier unter Steinen und in Ameisenhaufen. Sie wird 22 cm lang. Zehnte Familie: Echte Eidechsen, Lacertidae. Zu dieser Familie gehren alle deutsche Eidechsen. Die hervorragendsten Vertreter sind: Lacerta ocellata, Perleidcchse. Lebt in Spanien, Sdfrankreicli und Italien und wird 61 cm lang. In anderen Mittelmeerlndern kommen Abarten dieser Ei- dechse vor. Lacerta viridis, Smaragdeidechsc. Wird bis 43 cm lang und lebt in Sdeuropa. Kommt auch in Deutsch- land vor und ist selbst bei Berlin gefunden worden. Lacerta agilis, Zauneidechse. Eine unserer gemeinsten Eidechsen. Wird bis 25 cm lang. Lacerta vivipara, Bergeidechse. Fast ebenso hufig wie vorige Art. 18 cm lang. Lacerta muralis, Mauereidechse. Lebt vorwiegend in den Mittelraeerlnderu und wird in Sddeutschland l und im Sden 24 cm lang. Psammodromus algirus, Kielechse. Lebt in Sdwest- europa und Nordafrika und wird bis 27 cm lang. Acanthdactylus vulgaris, gemeiner Franzenfinger, kommt in einer sdeuropischen und nordafrikanischen Spielart vor. Wird 20 cm lang. Elfte B\amilie: Whlechsen, Seincidae. Sie leben in allen Welttheilen, sind aber in Europa und Amerika schwach vertreten. Sie leben auf oder in der Erde. Klettern knnen sie nicht. Trachysaurus rugosus, Stutzechse. Eine 36 cm lange, einem Tannenzapfen hnliche australische Art. Ablepharus pannonicus, Natterauge, Johannisechse. Metallglnzend, 11 cm laug, in Ungarn lebend. Sciucus ofticinalis, der gemeine Skink, der Chaumcl" der Bibel, wurde frher auch bei uns als Heilmittel ver- wendet. Sein Fleisch wird von den Arabern gegessen. Wegen seiner Geschwindigkeit, mit der er durch den Sand gleitet, wird er auch Sandfisch genaunnt. Chalcides tridactylus. Erzschleiche. Sehr lang ge- streckt mit kurzen Fssen. Wird 26 cm lang und lebt in den Lndern um das Mittelmeer. Zwlfte Familie: Chamaeleontidae, Chamleons. Diese Thiere sind wegen ihrer sonderbaren Krper- form, ihrer vorschnellbaren Zunge und der Fhigkeit, die Farbe zu wechseln und die Augen nach verschiedenen Richtungen zu drehen, bekannt, ausserdem haben sie Klammerfssc und die meisten einen Greifschwanz. Die Mnnchen tragen oft hornartige Fortstze am Kopf.^ Chamaeleon vulgaris, Chamaeleon. Wird 28 cm lang. Wohnt in Nordafrika und im stlichen Mittelmeer- gebiet. (Schluss folgt.) Das angebliche Hren eines Glockenzeichens durch die Fische stellt A. Kreide auf Grund seiner Versuche, die er an verschiedenen Fischen im Fischteiche zu Krems- mnster in Obersterreich angestellt hat, in Abrede. (Archiv f. d. ges. Physiologie Bd. 63.) Die Fische haben zwar einen ausgezeichneten Haut- und Gesichtssinn, ver- mgen aber den Ton einer Glocke nicht zu hren. Wenn die Fische scheinbar auf ein Glockenzeichen oder auf Pfeifen zur J'tterung konnnen, so beruht dies darauf, dass sie erstens den Fischer, der sie fttert, sehen, dass sie ferner durch die Erschtterungen des Bodens und des Wassers beim Kommen des Fischers aufmerksam gemacht werden, und dass sie endlich, wenn sie hungrig sind, sehr gerne auf den geringsten Reiz hin zur gewohnten Futterstelle kommen 18 Naturwissenschaftliehc Wochenschnft. XII. Nr. 2 Zweifellos spielt aiicb 1 bis V/2, 17 S V/2 bis 2 und einer noch ber doppelte Seh- schrfe. C. erinnert an die fabelhafte Sehschrfe der Natur- vlker. Alexander von Humboldt erzhlt von den In- dianern in Chillo unfern Quito, dass sie seinen Reise- begleiter Bonpland, der auf einer Expedition nach dem Vulkan Piehiuchra begriffen war, in 37,0 geographischen Meilen Entfernung als fortbewegenden Punct frher er- kannten mit blossem Auge, ehe ihn Humboldt mit dem aufgestellten Fernrohr auffand. Es entspricht das unge- fhr einer fnffachen Sehleistung.'' Directe Sehprfungen bei Naturvlkern sind bisher nur selten, einige bei gelegentlicher Anwesenheit solcher in Breslau, Mnchen, Hamburg, von Cohn, Seggel, Kotel- mann u. A. angestellt. Dieselben ergaben, dass bei den uncivilisirten Vlkern die Sehleistung im Allgemeinen eine grssere ist. Cohn beabsichtigt den Kriegsminister wie den Unter- richtsminister zu ersuchen, dass dieselben unsere ganze Armee und smmtliche deutschen Schulkinder auf ihre Sehleistung prfen lassen. Die Untersuchung kann auch von Laien in krzester Zeit ausgei'hrt werden. Der Be- richt schliesst mit den nicht genug zu beherzigenden Worten: Mchten unsere Bestrebungen fr die Hygiene des Auges das tretfliche Sehvermgen der noch von Kurzsichtigkeit und Sehschwche verschonten Deutschen auch fr die Zukunft erhalten bleiben!" Mz. Ueber die Entwlckelung des Gesichtssinnes. Form und Farbe, das unerschpfliche Gebiet unseres Seh- organs, scheinen erst zu einer vorgerckten Zeit des Erden- daseins ihre grosse Mannigfaltigkeit angenommen zu haben. Zwar war zur Steinkohlenzeit das Leben schon lngst vor- handen; indessen lassen weder Pflanzen noch Thiere aus damaliger Zeit in Form und Farbe einen nhereu Vergleich mit den heutigen zu.*) Blumen gab es noch nicht. Die Steinkohlenbume, die eine enorme Hhe erreichten und grossartige Wlder bildeten, boten nicht die anmuthige Abwechslung, die wir au der heutigen Natur bewundern. Erst in der darauffolgenden Aera traten die Phanerogamen mit ihren gefrbten Blthen und Frchten auf, und es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass der Gesichtssinn sich nur nach Maass und in Wechselwirkung mit der sich vermehrenden und vervielfltigenden Pflanzenwelt ent- wickelte. Ein Analogen der damals aufeinander folgenden Perioden bietet das Nebeneinander der heutigen Schpfung. So werden die niederen Thierformen der damaligen Zeit, wie auch heut noch, nicht viel mehr als eine Licht- empfindlichkeit, bezw. soweit ihre Haut von dunklen Pig- mentflecken bedeckt war, ein Hautwahrnehmungsvermgen" besessen haben. Einen Krper nmlich, der das Licht als solches unverwandelt, ohne es zu absorbiren, weiterleitet, nennen wir durchsichtig". Absorbirt ein Krper das Licht, ist er also empfindlich dafr, so nennt man ihn undurchsichtig". Die lebendige Substanz ist in ihrer ursprnglichen Erscheinung nahezu farblos und durch- sichtig. Soll sie fr Lichtstrahlen empfindlich gemacht werden, so kann dies nur durch Beschrnkung der Durch- sichtigkeit, durch Einlagerung von Pigmentstoft'en bewirkt werden. Geschieht dies in P'orm eines oder einiger kleiner umschriebener Pigmentflecke, Farbstoffkrnern, so ist da- mit die Vorbedingung zur Entstehung eines bestimmt localisirten Sehorgans gegeben. Die geschwrzte Stelle wird sich zu einem immer vollkommeneren Lichtempfindungs- apparat weiter entwickeln, indem sie der brigen Krper- oberflche die Ausbildung anderer Sinnesorgane berlsst. Wird dann, auf einer hheren Stufe, die Lichtempfindlich- keit der geschwrzten Stelle durch Einlagerung einer Sammellinse in das Pigment verstrkt, so ist damit nicht nur die Mglichkeit der Zusammenfassung und Concentri- rung der Lichtstrahlen, sondern auch der Fixirung einer Sehrichtung gegeben. Bei den hchsten Formen tritt dann noch der Accomodationsapparat hinzu zur Rege- lung der Intensitt, mit der die Lichtstrahlen ins Auge fallen sollen, und zur Einstellung des letzteren auf ver- schiedene Entfernungen. Wir haben aber schon erwhnt, dass bei den ersten resp. anderen Lebewesen nur von einem allgemeinen Lichtempfindungsvermgen die Rede sein kann, und zwar stehen auf dieser Stufe die ein-, wie auch mehrzelligen Thiere : Infusorien, Schwmme, Clenteraten, Echinodermen. Mit den Wrmern treten schon Sehfleckchen mit licht- brechenden Krpern und Eichen auf. Im Ganzen giebt es kaum eine Gruppe des Thierreichs, die so viele ver- *) Nheres darber findet man in dem hchst interessanten Buche von Grant Allen: Der Farbensinn. Sein Ursprung und seine Entwickeluug." Deutsche Ausgabe (Leipzig, Ernst Gnther's Verlag). 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 3. schiedene Entwickelungsstufeu eines speciellen Sinnes- organs aufweisen, als die Wrmer. Nach Darwin wissen die Regenwrmer, obwohl sie keine Augen besitzen, dennoch rasch zwischen hell und dunkel zu unterscheiden. Dagegen besitzen gewisse pelagische Formen der Ringel- wrmer sogar hochentwickelte Sehwerkzeuge, die mit den Augen der hheren Thiere vergleichbar sind. Es bewhrt sich hier, wie durch die ganze Schpfung, in physischer wie psychischer Bezielnmg, dass die niederen Stufen eines hheren Stammes wohl ihrem Typus, nicht aber ihrer Ausbildung nach hher stehen, als die hchsten Stufen des vorhergehenden niederen Stammes, so dass derselbe Typus in mehreren Stufen der Ausbildung bestehen kann, und umgekehrt dieselbe Ausbildung in mehreren Typen erreicht wird. Von den Weichthieren besitzen manche Muscheln und Schnecken Augen, die mit Linse, Glas- krper und Netzhaut ausgestattet sind und fast die Voll- kommenheit des Wirbelthierauges erreichen. Die Facettenaugen der Gliederthiere sind in Wahrheit eine Vereinigung vieler Augen. Bei einigen lngst ausgestorbenen Trilobiten frherer geologischer Schichten glaubt man eine Zusammensetzung von 15 bis 30 000 Linsen annehmen zu drfen, deren jede eine Nervenabzweigung besass. Bei den Insecten liegen die Augen meist im Kopfe; manche Spinnen tragen sie je- doch an beiden Krperseiten und einige Krebsarten an der Spitze der Krperanhnge (gestielte Augen). Einige Gliedertiere besitzen ausser ihren Facettenaugen noch sogenannte Nebenaugen, die einem einfachen Element der zusammengesetzten entsprechen. Die Augen der Spinnen und Scorpione endlich stellen eine Mittelform zwischen jenen beiden dar: sie sind nmlich umfang- reicher, als die Nebenaugen, haben aber nur eine ein- zige Facette und sind daher als zusammengesetzte Augen mit einfacher Cornea zu bezeichnen. Die meisten fliegenden Insecten sehen besser als die kriechenden. Sehr gut sehen die Libellen, sehr schlecht die Ameisen und bei diesen das Mnnchen besser als das Weibchen. Sorgfltige Versuche haben ergeben, dass die Insecten hauptschlich die Bewegung der usseren Gegenstnde, jedoch nur sehr unsicher deren Gestalt sehen, wie denn auch die Entfernung, aus der grssere Krper unterschieden werden, ziemlich gering ist. Sie betrgt fr Schmetterlinge nicht mehr als 2 m, fr Fliegen 6070 cm. Auf dieser Stufe werden indessen schon die ver- schiedenen Farben des Spectrums wahrgenommen. Bienen scheinen eine Vorliebe fr Blau zu haben; Ameisen sind usserst empfindlich gegen Violett, doch scheinen die Empfindungen, welche die Farben bei diesen Thieren hervorrufen, andere zu sein als bei uns, wie wir uns denn von ihrer Art des Wahrnehmens kaum eine Vor- stellung zu machen vermgen. Bei den Fischen ist der Gesichtssinn ziemlich gut entwickelt, wie auch kein Angler an dem Farbensinn derselben zweifeln wird. Der Gesichtssinn der Reptilien bietet nichts bemerkenswerthes, ausser dass die Krystall- linse bei ihnen ein geringeres Lichtbrechungsvermgen hat, wie bei Fischen. Wenn nun auch das Sehorgan der obigen Thier- klassen, die im Wesentlichen die Lebewelt des primren und secundren Zeitalters bildeten, verhltnissmssig gut eingerichtet war, so ging es doch erst von der Tertir- zeit ab seiner grsseren Vervollkommnung entgegen, denn erst in dieser Epoche begann die Herrschaft der Vgel, deren Augen sich der schrfsten Sehkraft erfreuen. In der That hat das Thierreich nichts, was sich dem Seh- organ so mancher hierher gehriger Arten au die Seite stellen kann, sei es das Auge eines Falken, welches aus ge- waltiger Hhe ein schtzlich gefrbtes Thier von der ihm stark hnelnden Bodenoberflche zu unterscheiden vermag, oder das Auge einer ussardgans, die im Stande ist, lOOFuss in der Luft noch einen mehrere Faden tief im Wasser schwimmenden Fisch zu erblicken. Man kann Fische durch Angelkder, der nur aus Federn gemacht ist, tuschen, man kann Eidechsen fangen, wenn man sie in vorgehal- tene Grashalme beissen lsst, und die hungrige Schlange, die wthend auf einen Frosch strzt, sich ruhig wieder hinlegen sehen, wenn sie das Thier verfehlt hat und dieses sich nun still verhlt (einen unbeweglich dasitzenden Frosch erkennt die Schlange nicht als das eben ihr entgangene Beutethier wieder), aber einen Vogel tuscht man auf diese Weise nicht; lernt doch der kleiuhirnige Sperling rasch die Vogelscheuche vom lebenden Menschen unter- scheiden. Die KrystalUinse bei den Vgeln ist bald flach, wie bei den weitsichtigen Falken, bald convexer, wie bei den wegen ihrer Kurzsichtigkeit bekannten Eulen, whrend sie bei Wasservgeln, ihrer Lebensweise ent- S])rechend, fast kugelig erscheint. Schliesslich theilt das Vogelauge mit dem der Sugethiere, einschliesslich des Menschen, noch den merkwrdigen Vorzug, das Gefhl der Furcht und der Freude, des Hasses und der Zuneigung auszudrcken. Das Rebhuhn, wie die Robbe am Meeres- ufer und das Reh unserer Wlder haben in dem Augen- blick, da der Jger sich anschickt, ihnen den Tod zu bringen, ein so sanftes Auge, dass jener hufig eine Art Gewissensbisse darber empfindet, da harmlose Thier zu morden. - Alberts. lieber die gefhrlichsten Krankheiten der Seiden- raupe, die Flacherie und die Grasserie, hat der rus.sische Gelehrte Isaak Krassilstschik zu Kischenew in Bess- arabien eingehende Studien gemacht und das Resultat deiselben der franzsischen Academie der Wissenschaften vorgelegt. Er hat alle Microben, welche in gesunden und kranken Seidenraupen leben, genau untersucht und dabei zwei Arten gefunden, welche er als Erzeuger der oben genannten Krankheiten ansieht. Der erste Bacillus ist ein Streptococcus, welchen er Strept. pastorianus nennt und dessen unbewegliche Coccen 1 1,1 n Durchmesser haben. Am hufigsten erscheinen sie unter der Form eines Diplococcus; dieselben verlngern sich in der Lngsachse, bis sie EUipseuform haben und 1,5 fi in der Lnge und 1 /x in der Breite messen. Dieser Krper zerfllt dann in zwei gleiche Theile, indem er sieh in der Mitte, senkrecht zur grossen Achse, einschnrt. Der Strept. pastorianus verflssigt' die Gelatine nicht; er findet sich niemals in dem Verdauungskanal gesunder Raujien, stets aber in solchen, welche von der Flacherie befallen sind. Im Laufe der Krankheit nimmt die Zahl der Streptococcen bedeutend zu; spter treten dieselben in den Blutkreislauf ein und bilden daselbst Colonien, whrend saprophytische Pilze ihre Stelle im Verdauungs- kanal einnehmen. Der Bacillus der Grasserie ist Micrococcus lardarius Krass., welcher 0,50,6 p Durchmesser hat und im Gegen- satz zum vorigen die Gelatine verflssigt. Er fehlt niemals bei der Grasserie. Ini Beginn der Krankheit findet er sich stets im Darmtraetus, von wo er spter ins Blut eindringt. Hier bildet er vollstndig reine Culturen, aber diese Culturen werden unrein, wenn die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist oder wenn die Flacherie hinzu- kommt, y. Seh. Ueber die Zubereitung des Opiums bringt die Populr Science Monthly" nach einer Mittheilung des englischen Consuls zu Ispahan folgende Notiz. Bekannt- XII. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 31 lieh wird das Opium durch Anritzen der Kapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum L.) gewonnen. Die Ernte geht Anfang Mai vor sich. Man schneidet am Nach- mittag die Mohnkpfe mit einem scharfen Messer au und lsst den Saft, welcher in kupfernen Gefsseu aufgefangen wird, die ganze Nacht fliessen. Derselbe wird nun einer etwas weitlufigen Behandlung unterworfen. Nachdem er etwas verdickt ist, was schon in kurzer Zeit geschieht, nimmt der Arbeiter etwa 400 Gramm aus dem kupfernen Gefss und bringt die Masse auf ein glattes, weiches Brett von etwa 60 cm Lnge und 30 cm Breite, auf dem er sie ausbreitet, indem er den klebrigen Stoff fest gegen das Brett driickt. Dann wird das Brett mit der Opium- schicht zum Trocknen zehn Minuten in die Sonne gestellt, hierauf setzt sich der Arbeiter mit dem Brett in den Schatten und zerreibt das Opium mit einem kleinen, spatenhnlichen, eisernen Instrument, bis es eine ziemlich trockene Masse bildet; diese bringt man nun kurze Zeit ber eine kleine Flamme von Holzkohlen, um dem Opium eine gewisse Plasticitt zu geben. Dann wird es in sehr kleinen Quantitten noch einmal auf das Brett gebracht und von neuem geknetet, bis es die gewnschte Con- sistenz und eine schne, goldgelbe Farbe erhalten hat. Hierauf wird es in Packeten zu 400 Gramm in Zinnkst- eben verpackt, welche man noch mit Leinwand oder Per- gament umwickelt, und so in den Handel gebracht. S. Seh. lieber den geologischen Ban des Glrnisch sprach Prof. A. Rothpletz in der Sitzung vom 2. XIL v. J. der Deutscheu geologischen Gesellschaft in Berlin. Redner hob zunchst den theoretischen Einfluss hervor, welchen der Glrnisch mit seinem verwickelten Baue sowohl an sich auf unsere Anschauungen ber liegende Faltenbildung, als auch, als Theilstck der Glarner Alpen, auf die Begrn- dung der sog. Glarner Doppelfalte gewonnen hat.*) Nach kurzer Darstellung der Ergebnisse, zu welchen Baltzer 1873 in seiner auch heute noch fr unsere Kenutniss dieses Gebietes maassgebenden Monographie des Glrnisch gekommen war, wird gezeigt, dass dessen Hypothese, wonach das Massiv aus 3 bezw. 4 grossen liegenden Falten bestehe, obwohl von den dazu erforderlichen Sattel- und Mulden - Umbiegungen nichts zu sehen ist, zwei von Baltzer selbst festgestellte Thatsachen unerklrt lasse. Die erste dieser Thatsachen besteht darin, dass sich im Sockel des Glrnisch-Massives die Jurahorizonte zwar'2- bis 3 mal bereinander wiederholen, aber stets in nor- maler, niemals in verkehrter Lagerung, wie es doch bei einem liegenden P^altensystem zu erwarten wre. Die zweite Thatsaehe ist die merkwrdige Auflagerung der oberen Neocommergel (Drusbergschichten) lngstes ganzen oberen Firnbandes auf den Berriasschichten, ohne dass die 100 200 Meter mchtigen Kieselkalke des unteren Neocomes dazwischen liegen. Freilich ist diese letztere Thatsaehe immer sehr zweifelhaft gewesen, weil die stratigraphische Gliederung der Kreide, auf welche sich Baltzer hierbei gesttzt hat, dem Palaeontologen schwere Rthsel aufgicbt. Wenn z. B. die Schichten mit Pygurus rostratus als jnger wie diejenigen mit Toxaster complauatus angenommen werden, so suchen wir vergeblich nach einer Begrndung dieser ungewhnlichen Annahme und wenn wir in den Fossil- listen der unteren Valangien Desmoceras Matheroni, diffi- cile und Phylloceras calypso ohne weitere Bemerkung nebeneinander aufgefhrt sehen, so kann es uns nicht anders erscheinen, als dass hier entweder unrichtige Be- *) Vergleiche Naturwissenscliaftliclie Wochenschrift Band V (1890) Seite 391 S. Stimmungen oder Aufsammlungen aus ganz verschiedenen Horizonten vorliegen. Revision des Baltzer'schen Materials wre jedenfalls sehr wnschenswerth. Redner theilt nun die Gliederung mit, welche er durch seine Untersuchungen am Glrnisch fr das Neocom gewonnen hat. Zu unterst direct auf den Mergeln und Kaiken der Berriasstufe mit Terebratula hippopoides liegen die unteren Valangienmergel mit stets un- verkieselten Gehusen von Exogyra Couloni, Ostrea rectan- gularis, Mytilus Couloni und Gilleroni, Terebratula val- densis, Rhynchonella multiformis und Hoplites cf. ambly- gonius, darber liegen die oberen Valangienkalke hufig mit verkieselten Petrefacten: Pygurus rostratus, Terebratula acuta, Spongien etc. Darauf ruhen die Kieselkalke mit Toxaster complauatus, in denen sich zu oberst einige glaukonitische und sehr fossilreiche Bnke und zuletzt auch weichere Mergel einstellen. Besonders zu oberst werden Gehuse von Exogyra Couloni wieder hufig, sie sind aber stets verkieselt. Dieser obere Mergel mit den glaukonitischen Bnken, in denen Burck- hardt in der Nachbarschaft des Glrnisch Barreme- Ammoniten gefunden hat, drfte zur Barremestufe gerechnet werden, die sich allerdings nicht sehr scharf gegen die tieferen Kalke des Hauterioien abgrenzt. Darber folgen dann die massigen Schrattenkalke mit eingelagerten Mergeln, die hufig voll von Orbitulina lenticularis, Heteraster oblongus u. s. w. sind. Linthal Oberblagi so. Bchistock Steinthlistock Klnthal Q,uer8cbnitt durch das GtlSrnisch-Massiv. s Sernitit r Rthidolomit d Dogger !, Malm 'a Tithon'iUDd errias c, Neocom C3 Aptian (Schrattenkalk) c^ Obere Kreide* e Eocn Oligocn Auf Grund dieser Gliederung lst sich die angeblich 5 fache Wiederholung der Kreideschichten mit theils nor- maler, theils verkehrter Lagerung in eine nur zweifache Wiederholung auf, wobei smmtliche Glieder in jeder der zwei Reihen normal gelagert sind. Die obere Serie liegt aber nicht concordant auf der unteren Serie, die Trennungs- fiche fllt vielmehr ziemlich steil nachNW ein und schneidet je nachdem verschiedenalterige Schichten sowohl in der oberen als auch in der unteren Serie an. Sie ist eine echte Ueberschiebungsflche. Das Gleiche gilt aber auch fr die Trennungsflchen zwischen den dreifach sich ber- einander wiederholenden Juraserien im Sockel des Glr- nisch, so dass dieses ganze Massiv aus 4 Ueberschiebungen entstanden erscheint, wie die beistehende Figur zeigt. Zu Unterst liegt gefalteter ogocner Flysch. Darber geschoben erscheint zuerst eine Serie von Rthi- Dolomit, Dogger, Malm, stellenweise auch Neocom und Schratten- kalk mit zu oberst eingefaltetem Nummulitenkalk. Dann eine weitere Schubnlasse von Sernifit und Dogger, darber von Neuem eine Serie von Lias, Dogger, Malm, Tithon und Kreide und endlich die letzte eberschiebungsmasse, fast nur aus Kreide bestehend, die zu oberst am Stein- thlistock zu einer liegenden Falte zusammengebogen ist, als einzige Mulde, die sich in den Gipfelschichten des Glrnisch stratigraphisch wirklich nachweisen Hess. Neben diesen flacheren Ueberschiebungen treten im 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 3. Glrnisch-Massiv auch noch eine Reihe von steileren Quer- verwerfungen auf, von denen eine grssere sich ganz im Westen ungemein deutlich bemerkbar macht, durch welche das Gebiet der Steppelwand vom Milch blanken- stock abgetrennt wird. Eine andere liegt ganz im Osten, ist aber, obwohl von grosser orographischer Bedeutung, doch durch Schutt und Mornenbedeekung stark verdeckt. Zum Schluss weist Redner darauf hin, dass, wenn Baltzer seinerzeit die Kreide richtiger gegliedert htte, er die Hypothese liegender Falten zur tektonischen Er- klrung wohl nicht aufgestellt haben wrde, und dass dann spter auch die bekannten Faltungstheorien Heim 's wahrscheinlich eine etwas andere Fassung erhalten htten. (X). lieber das Bebirin" theilt M. Scholtz in den Ber. D. Chem. Ges. 29,2054 folgendes mit: In der Rinde von Nectaudra Rodici (Heimath: Britisch Guyana) hat Mac- lagau im Jahre 1843 zwei Basen, das Sepeerin, einen braunen und harzartigen Krper und das Bebirin, ein gelbes, amorphes Pulver nachgewiesen. Spter wurden das im Buxbaum aufgefundene Buxin und das aus der Wurzel von Cissampelos Pareira ge- wonnene Pelosin mit dem Alkaloid Bebirin identificirt und von Bdeker die Formel CigHiNOg ermittelt. Alle Autoren betonen die Unfhigkeit des Bebirins zu krystallisiren oder krystallisirte Salze zu bilden. Das heute als Bebirinum purum in den Handel kommende Prparat besteht nur zum kleinen Theile aus der reinen Base und enthlt vermuthlich hauptschlich Oxydationsproducte derselben. Aus diesem Handels- producte lsst sich das Bebirin durch wiederholtes Aus- ziehen mit sehr viel Aether als gelbes, amorphes Pulver erhalten, das sich leicht in Chloroform, Alkohol und Aceton lst, um sich beim Verdunsten wieder amorph abzuscheiden. Auch in kaltem Methylalkohol lst er sich mit Leichtig- keit, scheidet sich aber merkwrdigerweise nach einer Minute so lebhaft in wohlgestalteten, farblosen Prismen aus, dass alsbald die ganze Flssigkeit zu einem Krystallbrei gesteht. Die Krystalle schmelzen bei 214", sind schwer in heissem Methyl- und Aethylalkohol lslich und fallen beim Erkalten wieder krystallinisch aus. Die Analysen- werthe stinmien ndt der von Bdeker aufgestellten Formel berein. Mit Jodmethyl erhitzt, bildet die Base ein Jodmethylat von der Formel: CigHoiNOs CH;jJ, das bei 208-270 schmilzt und in glnzenden Nadeln krystallisirt. Die Existenz einer Monoacetyl- und Monobenzoyl- verbindung von der Zusammensetzung: C.sHooNOg COCH3 (Schmpkt.: 147-148") CisHooNOg . COCeHj (Schmpkt.: 139140) beweist das Vorhandensein einer Hydroxylgruppe. Durch Oxydation mit Ferricyankalium in alkalischer Lsung und spteren Zusatz von Chlorammonium erhlt Verfasser einen basischen Krper, der aus Alkohol kry- stallisirt, ohne zu schmelzen oberhalb 260" verkohlt und die Formel: CiyH,s,N04 besitzt. Das Bebirin dreht die Polarisationsebene stark links. Dr. A. Sp. Die kanadische Mineralprodnction (siehe L Jahrg. S. 419) bewcrthcte sich nach den Aufstellungen der Geo- logischen Landesuntersuchung zu Ottawa im Jahre 1895 insgesammt auf 22,5 Mill. Dollars, sie war also bedeu- tender als in irgend einem Vorjahre, und berstieg ins- besondere diejenige von 1894 um 1,6 Mill. Doli. Die Goldfrderung stieg 1894 bis 1895 von 954 451 Doli, auf 1 910 921 Doli., sie verdoppelte sich also wieder, nach- dem sie lange Zeit stagnirt und nur noch etwa 25 pCt. von derjenigen zu Anfang der sechziger Jahre ausgemacht hatte. Einen ganz betrchtlichen Aufschwung nahm in den beiden letzten Jahren auch die Silberfrderung (von 409 000 Doli, auf 1 158 633 Doli.). Die Ausbeute an Kupfer steigerte sieh dagegen nur massig (von 806000 Doli, auf 949 229 Doli, oder von 8482 Centner auf 8789 Ctr.), und diejenige von Nickel ging sogar bedeutend zurck (von 2 061120 Doli, auf 1360 984 Doli.), whrend die Platinausbeute (1891 fr 10 000 Doli.) wieder ganz auf- hrte. Die Kohlenproduction ging im Zusammenhange mit der allgemeinen Geschftskrisis ebenfalls gegen das Vorjahr zurck (von 3,9 Mill. Tonnen auf 3,5 Mill. T.) und desgleichen auch die Eisenerzproduction (von 112 000 T. auf 103 000 T.) sowie die Petroleumproduction (von 829 104 Fass auf 802 573 F.). Asbest wurde fr 368 175 Dollar (8756 Tonnen) gewonnen, Phosphat aber nur noch fr 9565 Doli. (1822 Tonnen). E. Deckert. Wetter-Monatsttbersicht. Innerhalb der ersten Hlfte des vergangeneu December wiesen die Witterungs- verhltnisse in Deutschland betrchtliche Schwankungen auf, welche im Norden und Sden mehrmals entgegen- gesetzt verliefen; anhaltend trbe und unfreundlich aber war das Wetter gegen Ende des Monats. Whrend in Sddeutschland die Temperaturen in den ersten December- tagen bis zum 8. fast ununterbrochen anstiegen, trat im Norden zunchst eine starke Abkhlung ein, der eine ebensolche Erwrmung folgte. Der sinkende wie der steigende Theil der Temperaturcurven zeigen sich in der beistehenden Zeichnung weniger steil fr die nordwest- lichen Landestheile als fr diejenigen stlich der Elbe, wo in den Nchten zum 3. und 4. December die niedrigsten Temperaturen des ganzen Monats vorkamen. Dieselben gingen in den Provinzen Ost- und Westpreussen bis 16 oder 17" C. herab, und wenn auch im Laufe beider Tage, bei hellem Sonnenschein und massigen Sdost- winden, der Frost sich bedeutend milderte, so blieb doch die durchschnittliehe Temperatur der nordstlichen Sta- tionen auch Mittags 5 Grade unterhalb des Gefrierpunktes, wogegen dieser in Nordwest- und Sddeutschland an jedem Decembertage mit Ausnahme des 17. und 18. ber- sehritten wurde. XII. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 33 Vom 8. December bis Mitte des Monats herrschte in ganz Deutschland Tliauwetter, wobei die Temperaturen sich im Norden sehr langsam und gleichmssig ernie- drigten, im Sden liingegen mehrfach hin und her- schwankten. Dann erfolgte berall eine bedeutendere Ab- khlung, welche abermals in den nordostdeutschen Laudes- theilen am strksten war. Seit dem 17. fand in Sd- deutschland, zwei Tage spter auch im Norden eine neue Erwrmung statt, und whrend des letzten Mou.itsdrittels befanden sich die Temperaturen in der Regel Nachts etwas unter, am Tage ber dem Gefrierpunkte, ohne sich im Laufe des Tages oder von einem Tage zum anderen sehr erheblich zu ndern. Auch die Abweichungen von den Normaltemperaturen waren nur an wenigen Tagen des December betrchtlich. Im Monatsmittel deckte sich sogar die Morgentemperatur der sddeutschen Stationen genau mit ihrem normalen Werthe, whrend sie an den nordwestdeutschen um einen halben, an den nordost- deutschen um 1,2 Grad niedriger als der letztere war. Die Niederschlge, welche in der ersten December- hlfte hauptschlich in der Form von Regen, in der zweiten mehr als Schnee auftraten, waren in Nord- deutschland bei ungewhnlich hohem Feuchtigkeitsgehalte der Luft ziemlich gleichmssig ber den ganzen Monat Hlit dei-NiidersthUg^e (n Dcjlsclilandi ah jednn I)tcfmlifTtd6f 1696'. 1 Dec. 6 li iSumme imBtcembtr 189695W_939531_90 18 9(, 95 9'! 93 92 91 90 vertheilt. Blieben nach beistehender Zeichnung auch nur sehr wenige Tage von ihnen gnzlich frei, so waren sie doch im allgemeinen nicht besonders ergiebig. Ihr vier- undzwanzigstndiger Ertrag erreichte im Mittel der nord- westdeutschen Stationen keinmal volle drei und st- lich der Elbe nur an zwei Tagen fnf Millimeter. In Sddeutschland, wo der Monat trocken begann, fanden um Mitte desselben strkere Regen- und Sehneeflle statt, die am 15. durchschnittlich 9,3, am liJ. durchschnittlich 6,6 Millimeter lieferten. Die Monatssunnne der Nieder- schlge, welche sieh im Durchschnitt fr ganz Deutsch- land auf 37,5 Millimeter belief, ist im gegenwrtigen Jahrzehnt bereits viermal im December bertroffen worden, freilich bertraf sie diejenige des ungewhnlich trockenen December 1890 noch um mehr als das Sechsfache. Die bedeutendsten Niederschlge kamen an der nordstlichen und der sdwestlichen Grenze des Reiches vor: nmlich zu Memel betrug ihre Summe im vergangenen December 80 Millimeter, von denen 38 am 17. und 18., zu Ml- hausen i. E. 76 Millimeter, von denen 25 allein am 19. ge- messen wurden. Whrend zu Beginn des Monats Deutschland einem Gebiete hohen Luftdruckes angehrte, drang sehr langsam eine tiefe Barometerdepression vom atlantischen Ocean ostwrts vor. Nachdem dieselbe zwischen dem 4. und 7. December an der englischen, franzsischen und italienischen Kste heftige Strme verursacht hatte, gelangte am 8. ein Theilminimum bis zur Ostsee, worauf sich bald ein anderes auf der Nordsee zeigte. Nach einigen sehr nebeligen Tagen eilte vom 14. bis zum 15. December ein weiteres Minimum in Begleitung neuer Weststrme vom Canal durch Sddeutschiand nach Bhmen und wandte sich sodann nach Ostpreussen, wo es die ersten Schneeverwehungen dieses Winters zur Folge hatte. Die nchsten von Westen kommenden Depressionen schritten auf etwas sdlicherer Strasse durch Frankreich und Italien nach Osten fort, so dass in Deutschland stliche Winde herrschend wurden, die aber wiederum sehr feuchte Luft und dichte Be- wlkung mit sich brachten; so war nach den Registri- rungen der Station Uslar in der Provinz Hannover whrend der 8 Tage vom 18. bis 25. die Sonne ununterbrochen durch Wolken verhllt. Noch unerfreulicher gestaltete sich das Wetter, als in den Weihnachtstagen ein Minimum sein Gebiet ber die scandinavische Halbinsel ausbreitete, was fr Deutschland bis zum Jahresschlsse dampfge- sttigte Sdwestwinde und etwas reichlichere Nieder- schlge zur B''olge hatte. Whrend somit die ganze westliche Hlfte Europas im vergangenen December von zahlreichen Depressionen heimgesucht wurde, befand sich der grsste Theil von Russland meistens in einem hohen Barometermaximum, das sich weit nach Ostsibirien er- streckte. Dort, wo die hohen Maxima im Winter aller- dings zu Hause sind, stieg der Luftdruck am 19. bis zu einer doch ungewhnlichen Hhe empor und erreichte am 20. December zu Irkutsk am Baikalsee bei einer Klte von 40" C. um 7 Uhr Morgens 808,4 Millimeter, wahrscheinlich den hchsten Barometerstand, welcher auf der ganzen Erde je gemessen worden ist. Dr. E. Less. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der Neurop.-ithologe Prof. Dr. Albert Euleuburg in Berlin zum Geh. Medicinalrath; der ausserordent- liche Professor in der medicinischen Fakultt zu Berlin und Director der Controllstation fr Diphterieheilserum Dr. Paul Ehrlich zum Geh. Medicinalrath; der ordentliche Professor der Anatomie Dr. Karl von Kupffer und der Honorarprofessor der Geologie Dr. Wilhelm von Giimbel in Mnchen zu Geheim- rthen; der Professor der Hygiene an der technischen Hochschule zu Dresden Fr. Renk zum Medicinal-Referenten im Ministerium; die ordentlichen Professoren der Hygiene bezw. pathologischen Anatomie in Giessen Dr. G. Gaffky und Dr. E. Bostroem zu Geheimen Medicinalrthen; der Privat-Docent der Chirurgie in VVrzburg Dr. A 1 b e r t H o f f a zum Professor ; der Privat-Docent der Kinderheilkunde in Innsbruck Dr. Johannes Loos zum Professor; der Director des knigl. Naturalienkabinetts in Bamberg Dr. Georg Fischer zum Professor; der Privat-Docent fr Kinderkrankheiten in Mnchen und Director der Universitts-Anstalt fr Kinder- krankheiten Dr. Karl Seitz zum Professor; der Privat-Docent der Physik an der technischen Hochschule zu Berlin-Charlotten- burg Dr. S. Kalischer zum Professor; der Privat-Docent der Chemie in Freiburg i. B. Dr. W. Autenrieth zum provisorischen Nachfolger Prof. Baumann's; der ordentliche Professor der Philo- sophie in Giessen Dr. H. Jjiebeck zum Geh. Hofrath; der Privat- Docent fr innere Medicin in Tbingen Dr. A. Dennig zum Professor. Berufen wurden: Der Director der Gothaer Sternwarte Dr. Paul Harzer als ordentlicher Professor der Astronomie und Director der Sternwarte nach Kiel; der etatsmssige Professor an der technischen Hochschule zu Aachen Dr. Friedrich Schur als ordentlicher Professor an die technische Hochschule in Karls- ruhe; der Privat-Docent der Zahnheilkunde in Bonn Dr. Boen- n ecken als ausserordentlicher Professor an die deutsche Univer- sitt Pi'ag; der ausserordentliche Professor der Physik in Jena Dr. Felix Auerbach als ordentlicher Professor nach Knigsberg; der erste Assistent au der inneren Abtheilung des Berhner Augusta- Hospitals Dr. CoUatz als leitender Arzt an das Diakonissen- Kraukenhaus in Darmstadt; der ausserordentliche Professor der Mathematik in Bonn Dr. E. Study als ordentlicher Profes-sor nach Greifswald. 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 3. Es habilitiiten sich: Der Generalsecretr der deutschen Che- mischen Gesellschaft Prof. Dr. Paul Jacobson fr Chemie in Berlin; Dr. Franz Nissl fr Anatomie in Heidelberg; Dr. Walther fr Chemie an der technischen Hochschule zu Dresden. Aus dem Lehramt scheidet: Der Professor der Kinematik an der technischen Hochschule zu Braunschweig P. Pfeifer. Es starben: Der ehemalige ordentliche Professor der Anatomie in Erlangen Dr. Josef von Ger lach; der Anatom Dr. Karl Heitzmann in Rom; der Professor der Forstwirthschaft in Mnchen Dr. von Baur; der leitende Arzt der stdtischen bak- teriologischen Anstalt in Danzig Dr. Theodor Lickfett; der bekannte langjhrige Badearzt in Wildbad Dr. Wilhelm von Renz; der Generalarzt und knigl. Leibarzt Dr. Christian Jacobi in Dresden; der Professor der Geometrie an der tech- nischen Hochschule zu Charlottenburg Dr. F. Buka. L i 1 1 e r a t u r. A. Sprockliofif's Grundzge der Botanik. Ein Lehrbuch fr den Schulgebrauch und zum Selbstunterricht. lo. wesentlich erweiterte Auflage. Mit 242 Abb. Carl Meyer (Gustav Prior) Hannover 1897. Preis 4 M. Das fr den ersten Schul-Unterricht brauchbare Buch wird vom Pdagogen gern zur Hand genommen. Es bringt, wie der ausfhrliche Untertitel besagt, Einzelbilder mit Bercksichtigung der Kulturpflanzen und ihrer Feinde, der Wechselbeziehungen zwischen Blumen und Insecten, wie der wichtigsten Arznei- und Giftpflanzen, Vergleichungen, Gruppenbilder und Anordnungen der Pflanzen nach dem Linne'schen und dem natrlichen System, Uebersichten nach dem Standort, der Blthozeit u. s. w., Gliede- rung, Bau, Leben und Verbreitung der Pflanzen, Anleitung und Uebung im Bestimmen. Ausserdem sind auch vom Schler zu beantwortende Fragen eingeschaltet. Das Buch umfasst 488 Seiten. H. von Helmholtz, Handbuch der physiolog^ischen Optik. Zweite umgearbeitete Auflage mit 254 Abbildungen im Text und 8 Tafeln. Verlag von Leopold Voss. Hamburg und Leipzig. 1896. Preis 51 M. Die zweite Auflage des in seiner Art einzigen von Helm- holtz'schen Werkes ist jetzt in 17 Lieferungen als ein stattlicher Band von 1334 Seiten vollstndig erschienen und wird das Ent- zcken aller Derjenigen erregen, denen die physiologische Optik keine terra incognita ist. Seit dem Erscheinen der ersten Lieferung sind mehr als zehn Jahre vergangen, und inzwischen ist am 8. September 1894 der grosse Physiker selbst der Wissen- schaft durch den Tod entrissen worden. Aber ein treuer Schler, Herr|Dr. Arthur Knig, hat das Werk seines Meisters nicht im Stiche gelassen und die Herausgabo desselben nunmehr zu glck- lichem Ende gefhrt; und wenn er auch in den letzten Lieferungen aus Piett gegen den Verstorbenen den Text der ersten Auflage im Wesentlichen unverndert lassen musste, whrend von Helm- holtz selbst, bei dem whrend der erneuten Beschftigung mit der physiologischen Optik das Interesse an dem Gegenstande zu der alten Intensitt erwachte, sicher wie bisher grssere Aenderungen und Einschaltungen gemacht haben wrde, so hat er doch den Schluss des Werkes durch eine nach dem Inhalt geordnete, von echt deutschem Fleisse zeugende Litteraturbersicht gekrnt, welche allein auf ca. 300 Seiten 7833 Litteraturangaben umfasst. Die Ausstattung ist eine des grossen Werkes wrdige; von den beigegebenen Tafeln ist besonders schn die zweite, deren ei-ste Figur, die Netzhaut des Auges darstellend, nach einer von Herrn Professor Uhthofi' hergestellten Zeichnung ausgefhrt worden ist. Dr. Georg Wallenberg. Die natrlichen Pflanzenfamien, begrndet von A. Engler und K. Prantl, fortgesetzt von A. Engler. Lief. 142 145. Wilhelm Engelmann. Leipzig 189t;. Preis ii Lieferung in Subscription 1,. 50 (sonst ?,) M. Die Lieferung 142 bringt von den Algen den Schluss der Chaetangiaceen, die Golidiaceen, die Acrotylaceen, die Gigartinecn, die Rhodophyllidacoen und den Anfang der Sphaerococcaceen, bearbeitet von Fr. Schmitz und P. Hauptfleisch. Die Lieferungen 143145 bilden zur Freude des Abonnenten eine fertige Abthoilung: die erste Abtlieilung b. dos I. Theiles des Gesammtwerkes. Diese Abtheilung enthlt die Peridiniales (Familien: Gymnodiniaceae, Prorocentraceae, Peridiniaceae) und die Bacillariales (Bacillariaceae), beide Gruppen bearbeitet von F. Schutt. Die Abtheilung enthlt 696 Einzelbilder in 282 Fi- guren und umfasst incl. Register 153 Seiten; sie hat ein be- sonderes Interesse auch fr den Zoologen und durch die Bacillaria- ceeu auch fr den Palaeontologen. Prof. Dr. A. Bauber, Die Regeneration der Krystalle. Zweite Untersuchungsreihe. Mit 393 Abbildungen. Eduard Besold (Arthur Georgi). Leipzig 1896. Die erste Untersuchungsreihe der bedeutsamen Unter- suchungen Rauber's ist eingehend in Bd. XI No. 12 besprochen worden. Wir zeigen hier das Erscheinen der zweiten Unter- suchungsreihe an, ohne nher auf dieselbe einzugehen, weil wir bei der Bedeutung der Arbeit Raubers hinsichtlich der Ver- gleichung der Verhltnisse bei der Regeneration der Krj-stalle mit dem Wachsthum u. s. w. der Organismen beabsichtigen, in einem besonderen Artikel auf den Gegenstand nher einzugehen. Wir bemerken hier nur noch, dass im Verlage des Photo- graphen W. Staden in Jurjefi' (Dorpat) ein Atlas, 1. Heft mit 18 photographischen Tafeln erschienen ist, der sich mit der Um- bildung der Kugel beschftigt, zur Illustration der Experimente des Verfassers. Ehlers, Otto E., Im Osten Asiens. Berlin. 7,60 Mark. Geologische Karte von Ungarn. Budapest. 12 Mark. Helmholtz, H. v., Handbuch der physiologischen Optik. Ham- burg. 54 Mark. Kerntier, Frz., Die elektrodynamischen Grundgesetze und das eigentliche Elementargesetz. Budapest. 2 Mark. Loewenberg, Dir. Dr. Geo., Lehrbuch der Mathematik. Leipzig. 4,50 Mark. liOdge, Prof. Oliver J., Neueste Anschauungen ber Elektricitt. Leipzig. 10 Mark. liittrow, Wunder des Himmels oder Gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems. Berlin. 14 Mark. Otten, Prof. Dr., Der Grundgedanke der Cartesianischen Philo- sophie, aus den Quellen dargestellt. Freiburg i. B. 3,20 M. Briefkasten. Herrn B. R. Auf die gestellte Frage ber die Nieder- schlagsverhltnisse im Kreise Teltow ist folgendes zu antworten. Die Niederschlagsverhltnisse der Teltower Gegend sind durchaus dieselben wie in der ganzen brigen Mark. Die Jahressumnie wird im Durchschnitt sieh zwischen 550 und 600 mm Niederschlag halten, wenngleich die bisherigen Beobachtungs- reilien sich allenthalben erst ber wenige Jahre er.-^trecken. In Friedenau z. B. brachte das niederschlagsreichste Jahr seit neun Jahren (1891) 677, das niedersclilagsrmste (18. '5) 416 mm Nieder- schlag. Im allgemeinen sind die langjhrigen Berliner (Berlin SW) Beobachtungsreihen, welche einen Mittelwerth von 596 mm er- geben, ziemlich massgebend fr die ganze Umgegend in weitem Umkreise. H. Herrn Dr. R. A. in Ch. Fr den von Ihnen ausgesprochenen Zweck knnen wir Ihnen sehr empfehlen: Krass und Landois, Lehrbuch fr den Unterricht in der Zoologie, 4. Aufl., Herder'sche Verlagsbuchhandlung. Freiburg im Breisgau 1895. Preis 3,30 Mk. und Vit US Grab er, Leitfaden der Zoologie. F. Tempsky in Prag und Wien und G. Freytag in Leipzig. Es sind beides kurze, gewissenhaft ausgearbeitete Bcher, die in jeder Hinsicht ver- lsslich sind. Herrn 0. D. Umfragen bei hiesigen' hervorragenden Zoologen haben nicht viel ergeben. Ausser den von Ihnen genannten Bchern Parker, Vorlesungen ber elementare Biologie" und Semper, Die natrlichen Existenzbedingungen der Thiere", sind ber thierische Biologie (im engeren Sinne) noch zu vergleichen Bergmann und Leuckert, Anatomisch-physiologische Ueber- sicht des Thierreiches'', ein noch immer gutes und lteres Buch, ferner Brehms Thierleben", Pagenst echor's Zoologie", die viel biologisches Material enthlt, Lubbock's Schriften, Die Sinne der Thiero" und Ameisen, Bienen und Wespen." Inhalt: Emil du Bois Reymond f. R. Beyer, Europische Ueberpflanzen. Die zoologische S.ammlung des Kniglichen Museums fr Naturkunde zu Borlin. (Forts.) Die Sehleistungen der Helgolnder und der auf Helgoland stationirten Mannschaften der Kaiser- lichen Marine. Ueber die Entwickelung des Gesichtssinnes. Ueber die gefhrlichsten Krankheiten der Seidenraupe. Ueber die Zubereitung des Opiums. Ueber den geologischen Bau des Glrnisch. Ueber das Bebirin. Die kanadische Mineralproduktion. Wetter Monatsbersicht. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Lilteratur: A. SprockhoflF's Grundzge der Botanik. H. von Helmholtz, Handbuch der physiologischen Optik. Die natrlichen Pflanzenfamilien. Prof. Dr. A. Ruber, Die Regeneration der Krystalle. Liste. Briefkasten. XII. Nr. 3 Naturwissensehaftliche Wochenschrift. .35 $tti. fmmlcrs gfrlagslmdjljuniiluug in ttlhi SW. 12, oeBen erfd^ien: IPiffettfd?aftlicI?c (frfctttttnis unb ftttlid^e ^rctl^cii ^ammfung von "porfrgen un JlB^anfungen. (>8iertc Jolcie) Pilljdm ^ocrllcr, iigrat lUof. an ber .ouigl. U or t-cr Siiil. Sternicatte ju 290 Seiten. f\t'\i 4 Watt; clegnnt gcbuiiben 5 Wnrf. i). SReoicningSrat lUof. an ber .ouigl. UnilJevfitat unb Tiieftor bcr Siiigl. Sternicatte ju Setlin. ^ - E lektrische K raft-Anlagen " im Anschluss an die hiesigen Centralstationen eventuell unter Ankauf vorhandener Kraftmaschinen (Gasiiiotoren etc.) fhrt unter gnstigen Bedingungen aus Elektromotor" G. m. b. H. 21. Schiffbauerdamm. BERLIN NW. 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Lichterfelde (P.-B.) bei Berlin, Potsdameratrasse 35, fr den Inseratentheil: erd. Dmmlers Verlagabuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G, Bernstein, Berlin SW. 12. __,>??^ Redaktion: 7 Dr. H. Potonie. Verlag : Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XII. Band. Sonntag, den 24. Januar 1897. Nr. 4. Abonnement : Man abonnirt bei allen BuchbandlunKen und Post- lustalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 4. BrinKefceld bei der Post 15 -I extra. Postzeitungsliste Nr. 4954. Y Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grssere AuftrRe ent- <31S sprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseratenannahme Jl bei allen Annoncenbureftux wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger ((nellenansabe gestattet. Reisebriefe aus Colombia. Von Prof. Dr. Fr. Resel. Zwei Ausflge von Medellin nach dem Westen von Antioquia (im September 1896). 1. Ausflug nach Guaca. Kaum hatte ich mich in meinem vorlufigen Stand- quartier eingerichtet, eine geeignete Wohnung gesucht, meine Ausrstung ausgepackt, Fehlendes ergnzt, Schad- haftes zum Ausbessern bergeben, als sich mir auch be- reits eine gnstige Gelegenheit bot, im Westen von Me- dellin den benachbarten, Saiz und Kohlen aufweisenden Distrikt Eliconia oder Guaca kennen zu lernen: Lazara Restrepo, ein sehr angesehener hiesiger Gross- industrieller, beabsichtigte die Salzgewinnung in Guaca zu Studiren und forderte mich auf, ihn und seinen dort ein grosses Landgut besitzenden Freund Felix Jaromillo nach (iuaca zu begleiten. Wir ritten am 15. September nach dem Almuerzo (Frhstck) um 11 Uhr auf dem nchsten Wege ber zwei Gebirgsrcken, den Alto de la Barcino und den Alto de las Cruces und erreichten gegen Abend unser Ziel, das Landgut (Finca) von Felix Jaromillo ; der westliche Abhang des zweiten Alto, der die Westgrenze des Distriktes Medellin bildet, bot eine berraschend ppige und grossartige Vegetation: diese dem feuchteren Caucathale zugewandten Hnge besitzen fr die Eut- wickelung tropischer Formen viel gnstigere natrliche Verhltnisse, sind aber zum Theil wenigstens, auch noch weniger der Vernichtung durch den Menschen mittels Feuer ausgesetzt gewesen. In den tieferen Theilen zeigen sich aber auch hier berall die Spuren der Brnde, welche die urs])rngliche Pflanzendecke verniciitet haben, um Raum fr Anl)au von Kulturgewchsen zu gewinnen: neben Mais und Platanen treten besonders auch erheb- liche Kaffeepflanzungen (Cafetales) hervor. Wir machen es uns in der gut eingerichteten Finca bequem, auf deren Weide (Potrero) der Champignon (Agaricus campestris) wuchert und hier wohl zum ersten Male fr den Tisch Verwendung fand. Die Hauptmahlzeit (coraida) wird hier zu Lande um 5 oder 6 Uhr Abends eingenommen und unterscheidet sich von dem warmen Frhstck (almuerzo) nur durch grssere Reichhaltigkeit. Fast das gleiche Men wiederholt sich Tag fr Tag: whrend wir die Woche ber mglichste Abwechselung anstreben, bekommt man hier jeden Tag dieselben Haupt- gerichte vorgesetzt: eine Snppe, Eier, zwei Fleischspeisen nebst dunkelblauen Bohnen (frisoles), etwas Ssses (Dulce) Milch (lechej fr sich oder mit einem aus Mais herge- stellten Brei (mazamorra) und Kaffee oder Schokolade mit dem in ganz Colombia blichen Stck Kse. Oft wird die Schokolade auch erst spter kurz vor dem Zubettgehen als Abendbrot (cena oder merienda) genossen. Am Vormittag giebt es bald nach dem Aufstehen meist auch Schokolade mit dem landesblichen Maisbrot (crepa) und Kse, fr den Estranjero hier wird jeder Aus- lnder meist als Ingles" (Englnder) bezeichnet und mit mister" angeredet auch wohl Weizenbrod (pan de trigo) von meist sehr trockener Beschaffenheit. Vielen Ankmmlingen fllt es sehr schwer, sich an die landes- bliche Kost zu gewhnen, am meisten lsst die Zu- bereitung der Fleischspeisen (auch des Geflgels) zu wnschen. Unsere Finca gehrt jedenfalls zu den besten ihrer Art und war fr mich zur Eingewhnung daher sehr gut gewhlt; berhaupt boten die beiden liebenswrdigen Caballeros alles auf, um mir die erste Zeit meines Auf- enthalts so angenehm wie mglich zu machen. An den zwei folgenden Tagen besichtigten wir nun eingehend die Salzquellen und die Gewinnung des Salzes, sowie die Kohlenablagerungen der Umgebung von Guaca, und widmeten dabei auch den landwirthschaftlichen Ver- hltnissen unsere Aufmerksamkeit; am vierten Tage kehrten wir dann auf einem weiteren Wege ber den Alto de las Cruces und die Ortschaften San Antonio, Estrella und Itagui nach Medellin zurck. 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 4. Den Salzquellen von Guaca haben schon die In- dianer Tor der Conqui.sta ihre Aufmerksamkeit zugewendet und mau hat daher in diesem Thalc, einem Nebenthaie des Cauca, auch manciierlei .S])uren von ihnen g-efiinden: Der Name Guaca selbst bedeutet Grabsttte", da diclit neben der heutigen Saline eine solche aufgefunden wurde (es liegen dort noch heute zahlreiche Scherben alter Thongefsse umher). Die umliegenden Felsen sollen z. T. alte Wohnstiitten der Indianer aufweisen. Ich vermochte zunchst nur ausser einigen werthlosen Scherben nur ein hiii)sches, (leider aber zerbrochenes) Steinbeil anfzutreiben. Bereits Karl Degcnhardt hat die Salzquellen von Guaca, zusammen mit denen der Quebrada Dona Maria, welche zwischen den beiden oben erwhnten Altos liegt und denen bei Retiro (El. Qnarzo) im oberen Thale des Eio Negro kurz beschrieben (Karstens Archiv fr Minera- logie etc., Jahrgang 1839). Ich habe diese und noch eine Reihe anderer im Caucagebiete gesehen und glaube, dass dieselben wie auch die Kohlenvorkommnisse derselben Formation angehciren, wie die Kohlen- und Salzfunde in der Ostkordillere oder der Kordillere von Bogota, wo man sie der Kreide zurechnet. Whrend aber die Ostkordillere verhltnissmssig reich an gut erhaltenen und fr die Altersbestimmung wichtigen Fossilien ist, fehlen dieselben bis jetzt wenigstens in der Central- und West- kordillere fast gnzlich und es ist mir noch nicht ge- lungen, diese Lcke gengend auszufllen. Die die Kohlenablagerungen begleitenden, sie berdeckenden Sandsteinschicliten hier als pena arenisea bezeichnet, und Thonlagen enthalten zwar Blattabdrcke und sonstige Pflanzenreste, allein ich bezweifele, dass das bis jetzt von mir hier und an anderen Stellen zusannnengebrachte Material ausreichen wird, die Altersbestimmung dieser Schichten zu ermglichen. Die Einheimischen haben fr fossiles" nur sehr wenig Interesse. Die tiefere Grund- lage der Schichten bildet in Guaca der Granit, auf ihm ruhen mchtige Conglomeratsehichten von hier sehr wenig- geneigten Schichten und auch die nun folgenden, bis in .die oberen Theile des Thaies hinaufreichenden Sandstein- schichten (pena arenisea), in denen die Kohlen vorkommen, zeigen nur geringere Neigungswinkel und schneiden, wie ich am Alto de las Cruces beobachten konnte, pltzlich ab, so dass das steil einfallende, alte (Jebirge, hier aus Thonschiefer- hnlichen Schiebten bestehend, discordant von den kohlenfhrenden Sandsteinen berlagert wird. Man gewinnt den Eindruck einer nach der Aufrichtung der Kordillere vollzogenen Bildung, doch berechtigt natr- lich erst der Vergleich mit anderen kohlenfhrenden Ab- lagerungen zu allgemeineren Schlssen. Auf der gegen- berliegenden Thalseite heben sich einige feste Sand- steinbnke landschaftlich sehr scharf ab; wir besuchten die pena arenisea^' und verschiedene dort abgebaute Kohlenhorizonte, doch ist hier die Grenze der Ablagerung gegen das alte Gebirge durch Vegetation verdeckt. Die Kohle ist von ziemlieh guter Beschaflfenheit und gleicht usserlich der Steinkohle der Karbonforniation, ihr Brcnn- werth ist aber geringer; man kann sie am besten mit unseren mesozoischen Lignitablagerungen vergleichen. Zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen schleppen fr ge- ringen Lohn die Kohlen hinab in die Salinen von Guaca. Diese Salinen sind ziemlieh primitiv eingerichtet, und obwohl das hier gesottene Salz nicht bel ist, leidet die ganze Production doch ausserordentlich durch die Zer- splitterung des Besitzes, welche einer nationalen Aus- beutung in grsserem Stile entgegensteht. Die 11 Salz- quellen von Guaca und den benachbarten Schluchten zhlen nicht weniger als 24 Besitzer und es findet daher vor der Gewinnung erst eine knstliche Theilung der Solen statt, um den einzelnen Besitzern ihren Antlieil an . der etwa 3 pCt. Sole zuzufhren! Diese gewinnen dann in kuchengrossen, runden Pfannen aus Kupfer ber Kohlen- feuer das Salz, welches in Schilfbltter (Cana brava) ge- wickelt, in Packeten von je Kilogramm abgewogen, durch Maulthiere hauptschlich nach Medellin geschafft wird. Guaca zhlt etwa 2000^2500 Einwohner, meist Salz- oder Kohlenarbeitern, deren Htten sich weit an den ThalHanken aufwrts ausbreiten. Die heutige leb- hafte Industrie ist hier etwa 50 Jahre alt; das Salz ent- quillt den unteren Conglomeratsehichten, die Sole wird durch Pumpwerke nach Guaca geleitet. 2. Ausflug nach Amag Titiribi, Zancudo und Sabaletas. Der zweite Ausflug galt dem wichtigen Gold- bergbaugebiet von Titiribi und Zancudo im Sd- westen von Medellin. Am 24. September brach ich mit zwei gemietheten Maulthieren und einem Peon oder Arriero letzterer wird hier gewhnlich kurz als muehacho" (Junge) be- zeichnet von Medellin auf, und gelaugte im reichan- gebauten Porcethal aufwrts ber Envigado nach Caldas und am Nachmittag ber den Alto Claro nach Amag an der gleichnamigen Quebrada, einem Zufluss des Cauca. In dem unfern gelegenen Eisenwerk La Ferreria wurde ich vom dortigen Director auf einen Empfehinngsbriet von Medellin hin sehr freundlich aufgenommen. Auch hier ist die Kohle vertreten und wird zur Verhttung von Eisen verwertbet, welches in thonigeu Concretioneu vor- konmit, die ber den Kohlenschichten auftreten. Letztere enthalten Blattabdrcke, von denen ich Proben gesannnelt habe. Sie werden gerstet und zerkleinert, um dann dem Hochofen bergeben zu werden. Die ganze Anlage liegt in einem Nebenthaie des Quebrada Ameg in der Que- brada Clara. Der Weg von Amag nach Titiribi steigt gleich hinter ersterem Orte steil an und windet sich an der Sdseite der gleichnamigen Schlucht hin um das Massiv des Alto de Corcobedo herum und die grosse Finca Los Micos dicht vor Titiribi. Parallel zu den Kohleuablagerungen von Amag und La Ferreria treten nun wieder neue auf, in deren Verlngerung diejenigen von Eliconia liegen. Die- selben streichen parallel zur Hauptgebirgsrichtung, was doch deutlich darauf hindeutet, dass ihre Ablagerung noch in die Epoche der (Jebirgsbildung hineinreicht. Durch eine Empfehlung an den Besitzer von Los Micos war es mir mglich, nicht nur die Kohlengruben zu besuchen, sondern auch die hier recht bedeutende Kafifeegewinnung in Augenschein zu nehmen, sowie eine Indianerinschrift auf einem grossen, von ppiger Vegetation bedeckten Stein- block zu photographiren. (Von letzterem giebt bereits Dr. Uribe Angel in seiner Monographie von Antioquia eine ziemlich richtige Abbildung). (Spter erhielt ich in Medellin eine krzlich von einem Ingenieur sorgfltig aus- gearbeiteten Plan dieser schnen mit tropischen Cultureu wie Weiden und Waldungen reich ausgestatteten Finca.) In Titiribi wurde ich von einem hier seit 37 Jahren ansssigen Deutschen, Reinhold Wolf, gastfrei aufgenommen und nach den Westen von Sitio Viejo und der Mine von Zancudo begleitet. Letztere zu besuchen, musste jedoch fr diesmal aufgegeben werden, da Sonnabend Nachmittag (Zahltag) und Sonntag hierzu nicht geeignet sind; dieser erste Besuch beschrnkte sich daher auf eine Besichtigung der Schmelzwerke von Sitio Viejo und eine Recognos- cirung von Zancudo, sowie am folgenden Tage (Sonntag) auf die eingehendere Besichtigung der bei Titiribi gele- genen gokireichen Otra Mina" (die andere Mine), an welcher Wolf selbst Antheil hat, und dem fast vollendeten, nach kalifornischem Muster von ihm erbauten Stampf- XII. Nr. i. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 werk zur Verkleinerung des goldhaltigen Gesteins. Am Montag schloss sich hieran noch ein Ausflug zu den zwei Stunden sdlich von Titiribi gelegenen .Schmelzwerken von Sabalatas. Dienstag Nachmittag war dann Medellin wieder ziemlich auf dem alten Wege ber Amag er- reicht und somit dieser erste selbststndige Ausflug von sechs Tagen ohne Unfall beendigt; nur am letzten ^Morgen hatte es mein Reitthier vorgezogen, die heimathlichen Gefilde bei Medellin ohne Reiter aufzusuchen und war bereits fnf Stunden vor uns richtig auf seiner Weide eingetroffen. Ich konnte mir jedoch ein anderes Thier verschaffen und erlitt durch diesen kleinen Zwischenfall am Morgen nur etwa zwei Stunden Aufenthalt. Die Maulthiere werden, wenn es irgend angeht, nach vollen- deter Tagesleistung auf einen benachbarten Potrero ge- trieben und Morgens vom Peon wieder eingefangen. Bis- weilen sind aber die Potreros nicht gengend abge- schlossen, so dass die Thiere den Weg ins Freie finden. [landschaftlich bot diese Excursiou viele herrliche Eindrcke: bis Caldas geht der Weg ziemlich eben am Porcefluss entlang. Letzterem ist vor Caldas an einer Stelle durch einen Hgel ein neues ett gegraben, weil man im alten Bett Gold zu finden hoff'te. Caldas zeigt, wie die smmtliclieu Stdte und grsseren Orte des Landes, rechtwinkelig sich kreuzende Strassen, welche in der Mitte eine grosse Plaza mit der Hauptkirche, den Haupt- geschften und dem Hotel" freilassen. An Stelle des letzteren giebt es selbst in grsseren Orten oft nur eine sehr bescheidene Unterkunft oder ..Hospedaje'-. Der Gebirgsstock zwischen Caldas und Amag ist stark ent- waldet. Amag liegt auf einer geneigten Ebene und ge- whrt einen annuithigen Anblick. Der Weg nach Titi- ribi bietet herrliche Ausblicke nach dem Cauca zu, weiter- hin auf den Cerro Bravo bei Fredonia und die herrliche BasaUpyramide des Cerro Tusa. Von dem Hause der Finca, Los Micas erffnet sich ein grossartiger Blick ber den raucherfllten, tiefen Kessel von Zancudo und Sitio Viejo hinweg nach den hohen Gipfeln der Westkordillere, dem Cerro Plateado, dem Cerro de San Juan und den P'arellones de Citaro, Titiribi liegt sehr malerisch auf hohem Wieseni)lan und ist mit dem tieferen, viel heisseren und fieberschwangeren Grunde von Zancudo durch einen schlimmen, gepflasterten Weg verbunden. Der ganze Ab- hang des Sitio Viejo und Zancudo bergenden Kessels ist mit Wohnungen der Arbeiter bedeckt. Die reichen und weitverzweigten Goldminen von Zancudo werden schon seit lngerer Zeit in rationeller Weise ausgebeutet und seit ungefhr 100 Jahren bearbeitet. Namentlich hat der Englnder Moore sich um die Er- schliessung der Goldschtze verdient gemacht; Titiribi lag ursprnglich an der Stelle von Sitio Viejo und wurde erst in diesem Jahrhundert an den heutigen ge- sunderen Platz verlegt, nur ein kleinerer Theil der Be- wohner blieb an der Stelle der alten Siedelung (Sitio viejo) zurck, welche durch die hier augelegte Schmelz- htte Bedeutung erhielt. Spter wurde durch den schle- sischen Ingenier Reinhold Paschkc eine ConcurrenzhUtte in Sabaletas erbaut, .jetzt sind aber alle Anlagen in den Hnden einer Gesellschaft: das reiche Erz (mineral rico) \iin Zancudo wird durch Maulthiere direct nach den fnf Hochfen aufweisenden Sehmelzwerken von Sabaletas geschafft, das minder reiche in Zancudo und Sitio Viejo in QuarzmUhlen zerkleinert, das Gold mglichst herausge- waschen, der Rest in den Concentrier- Anstalten gereinigt, nach dem Erzgehalt sortirt und ebenfalls ausgcschmolzen. Ungefhr 3000 Menschen finden direct oder indirect diVch diese vereinigten Werke ihren Unterhalt. Fr die bessere Ausbeutung der Otra Mina oberhalb Titiribi hat R. Wolf eine neue Stanipfmhle (Molina) von voraussichtlich sehr grosser Leistungsfhigkeit gebaut mit 18 Stempeln oder Pisonen. In einem starken Metallrohre fllt das Wasser 165 Fuss herab und setzt das Rad in Bewegung. Die Mine hat in ihrem oberen und unteren Theile sehr gold- reiche Gnge, doch ist auch das zwischenliegende Gestein mit Goldtheilchen imprgnirt, so dass es hauptschlich darauf ankommt, recht viel Gestein zu zermalmen, um dann die Goldtheilchen herauswaschen zu knnen. Die zoologische Sammlung des Kniglichen Museums fr Naturkunde zu Berlin. Die Auiphibieii-Schausamniluiig. *) Von Dr. Toruier. AHge meines. Die Amphibien - Schausammlung des Museums fr Naturkunde zerfllt in drei Abtheilungen: in die systema- tische Abtheilung, in eine anatomische und in eine dritte Abtheilung, welche die einheimischen Amphibien enthlt. Die systematische Abtheilung umfasst den grssteu Theil der Amphibienschausammlung und ist aufgestellt nach Boulenger's Catalogue of Batrachia salientia and gradientia. In diesem Abschnitt des Fhrers durch die Schau- sammlung der zoologischen Sammlung sind nur solche *) Wer sieh fr Amphibien interessirt, findet Genaueres ber deren Lebensweise in Brehm's Thierleben (dritte Auflage) Bd. VII. Leipzig 1S92. Das wichtigste ber ihre Anatomie enthlt das Lehrbueli der Zoologie von Leunis (zweite Auflage) Bd. 1. Zu emjjfehlen sind ferner 1. das in Lieferungen erscheinende Werk: Deutschlands Amphibien und Reptilien von Bruno Drigen. Magdeburg, Creutz'sche Verlagsbuchhandking; 2. Bedriaga's Lu'reh- fauna Europas. Moskau 1891; 3. die mit Bestimmungstabellen ver- sehene Herpetologia europaea von Schreiber. Braunschweig 1875, die leider schon in manchen Punkten veraltet ist; 4. das ebmifalls mit Bestimmungstabellen versehene, sehr schne Werk: Reptilien und Amphibien Oesterreich-Ungarns von Franz Werner. Wien 1897. Thiere erwhnt, welche in der Schausammlung aufgestellt sind. Ferner entspricht die Anordnung des Stoffs in dem Fahrer der systematischen Aufstellung der Thiere in der Sammlung. Wer also die systematische Abtheiluug der Amphibienschausammlung des Museums betritt, schlage den Anfang des Fhrers auf, und vergleiche die Capitel- berschriften mit den Abtheilungsschildern der Sanmilung, dann findet er mhelos die Thiere, welche im Fhrer er- whnt sind. Es ist daher auch nur dann in der systema- tischen Abtheilung des Fhrers augegeben, dass ein Ob- ject in der Schausammlung enthalten ist, wenn dieses nicht in der systematischen, sondern in der anatomischen Abtheilung oder in derjenigen steht, welche unsere ein- heimischen Kriechthiere enthlt. Systematische Abtheilung. Die Amphibien oder Lurche sind wechselwarme Thiere, d. h. ihre Blutwrme richtet sifli im wesentlichen nach der Temperatur, der sie ausgesetzt sind. Sie athmen ohne Ausnahme in der Jugend durch Kiemen, im Alter entweder gleichzeitig durch Kiemen und Lungen oder nur durch Lungen. Jene Amphibien, welche im Alter nur durch Lungen 'athmen, sind anatomisch vollkommener, als die anderen und stehen deshalb den Reptilien nher. Bei 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 4. allen Lurchen gelenkt das Hinterhaupt an der Wirbel- sule mit zwei Hckern. Von sonstigen Eigenschaften, die allen Amphibien ge- meinsam sind, wren noch zu erwhnen: Bei ihnen allen beobachtet man, wie bei den Reptilien, einen periodisch auftretenden Hautwechsel, wobei die Oberhaut zusammen- hngend oder in Fetzen al)gestossen und durch eine neue ersetzt wird, die bereits vorher unter der abgestossenen vorhanden war. Die Amphibienhaut selbst ist sehr reich an Drsen; und zwar bedecken kleine Drsen den ganzen Amphibienkrper, grssere hufen sich ausserdem an ein- zelnen Krperstellen an; auf diese Weise entstehen z. B. die Ohrdrsen der Krten und Salamander, usserlich kenntlich als dicke Hautwlste in der (Tegend der Ohren. Das Amphibienherz besitzt, gleich dem der meisten Reptilien, nur eine Kammer, aber einen rechten und linken Vorhof. Fast alle Amphibien durchlaufen Reihe Formvernderungeu; sie heissen Metamorphose Kaul- quappen, athmen dann nur durch Kiemen, ha- ben zuerst keine Glied- maassen, wohl aber als Hauptbewegungs- organ einen seitlich zusammengedrckten, mit einem Flosseu- saum versehenen Ru- derschwanz und be- sitzen an den Krper- seiten eigenthmliche Grbchen , die in Lngsreihen der whrend Jugend enie dieser angeord- net sind. Es sind die Organe eines sechsten Sinnes, der auch den Fischen zukommt und stellen Geschmacks- becher zur Prfung des Froschentwickelung. Di Wassers dar. Ausser- dem besitzen viele Kaui(|uappen eine Saugscheibe, mit welcher sie sich an (Gegenstnden festsaugen knnen. Erst wenn die Kaul- ([uappcn eine ansehnliche Grsse erreicht haben und ihre Lungen ausbilden, konmien auch ihre Gliedmaassen zum Vorschein, whrend bei allen alsdann die Seiteu- organe, bei vielen auch der Schwanz und die Kiemen verkmmern. Das weitere Wachsthum der Thiere geht sehr langsam von statten: Frsche z. B. erreichen ihre Wachsthumsgrcnzc erst mit dem zweiten Jahre und werden erst im fnften Jahre fortptlanzungsfhig. Die Amphibien leben theils im Wasser, theils auf dem Lande, dann aber nur an feuchten Orten, denn ihre Haut bedarf der Feuchtigkeit, weil die Thiere durch die- selbe nicht nur dem Krper Wasser zufhren, sondern sogar at Innen knnen. In ihrer Jugend leben alle Amphi- bien im Wasser, wenn auch die Eier zuweilen im Trocknen abgelegt werden. Sie ernhren sich fast ausschliesslich von Insecten, Wrmern und Schnecken, und halten in der gemssigten Zone einen Winter-, in heissen Gegenden einen Sommerschlaf. Sie sind fast ber die ganze Erde verbreitet, denn sie fehlen weil ihr Wrmebedrfniss Auch findet man sie nur im Man schtzt die Anzahl 1200 Arten und theilt sie nur in den ridargcgendcn, hier nicht befriedigt wird, sssen Wasser. der lebenden Ani])iiibien auf Ordnungen ein, m drei in Froschlurche, Anura, SchwanzlurchCjUrodela und Sciileichcn- lurche, Gymnophionen. 1. Ordnung: Frosch-Lurche, Anura. Die Froschlurche haben einen kurzen, gedrungenen Krper, der auf vier Beinen ruht und schwanzlos ist; ihre Hintergliedmaassen sind dabei krftiger entwickelt als die vorderen. Hinten haben die Froschlurche fnf Zehen, vorn nur vier Finger, der fnfte fehlt. Ihre vorquellen- den Augen, die vor- und zurckgezogen und natrlich auch nach allen Seiten bewegt werden knnen, haben gewhnlich nur ein oberes Augenlid und eine Nickhaut. Die Wirbelsule der Froschlurche ist sehr kurz, in sich fast gar nicht beweglich und besteht aus 10 Wirbeln, wovon einer, Kreuzbein genannt, an seinen Querfortstzen das Becken trgt. Die Form dieser Querfortstze ist fr die Unterscheidung der Froschfamilieu von Wichtigkeit, denn sie knnen dnn oder sehr verbreitert sein. An das Kreuzbein der Anuren heftet sich ausserdem ein auffallend langer Schwanzknochen an, er wird Steissbein I genannt. Kncherne Rippen besitzen die Frsche nicht, hchstens Knorpel- stuckchen an Stelle derselben. Die Mnnchen un- terscheiden sich meist durch krftigere Stim- me und durch den Besitz einer Daumen- schwiele von den Weib- chen (Prparate davon sind in der Sammlung). Die Fortpflanzungs- zeit der Frsche ist der Frhling oder Sommer- anfang. Die beiden Unter- ordnungen der Fr- sche heissen Phane- roglossa, d. h. Fr- sche mit Zunge, und Aglossa, Frsche ohne Zunge. Bei den meisten Zungenfr- vorn an den Gaumen angewachsen en von Insecten mit ihrem Hinterende werden. Ausserdem mnden bei den Zungcnfrscheu die Ohrtrompeten ge- trennt in den Mundhimmel, whrend sie bei den zungen- losen mit einer gemeinsamen Oelfnung den Mundhiuunel durchbrechen. Die Zungenfrsche theilt man ein in solche, deren Brustgrtel eine in sich geschlossene, bewegungslose Knochenplatte bildet: Gruppe Starrbrustfrsche, Firmisternia, und in solche, bei welchen die Brustbein- knochen jeder Krperseite zwar unter sich, aber nicht mit denen der anderen Krperseite verwachsen sind, so- dass die beiderseitigen Brustbeinplatten in der Mittellinie des Krpers gegeneinander verschoben werden knnen, wodurch den Thieren eine freiere Bewegung der Glied- maassen ermglicht wird: Gruppe der Schiebbrust- frsche, Areifera. In der Samndung zeigen Skelette mit Erklrungen diese Skeletteigenthndichkeiten. Die Starrbrustfrsche theilt man dann ausserdem nach der Bezahnung und der Form der Kreuzbeinwirbelfortstze in Familien ein. Erste Familie: Zipfclfrsche, Ceratobrachi- dae. Ober- und Unterkiefer dieser Thiere tragen Zhne und die Querfortstze ihrer Kreuzbeinwirbel zeigen keine Ver- breiterung. Zu dieser Familie gehrt nur eine Gattung und Art: Ziihlen bezeichnen die Entwickelungsstufen. sehen ist die und kann zum Fan Zunge aus dem Maul herausgeschlagen XII. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 41 der Zipfelfrosch, Ceratobatrachus guentheri. Er lebt auf den Salomonsiuseln, also auf deutschem Schutzgebiet, doch hat das Museum noch keinen Vertreter dieser Art. Zur zweiten Familie der Starrbrustfrsche ge- hren die echten Frsche, Ranidae. Nur ihr Ober- kiefer trgt Zhne und ihre Kreuzbeinwirbelfortstze sind cylindrisch oder sehr wenig- verbreitert. Man findet sie in allen Lndern mit Ausnahme Australiens. Sie sind fast alle Wasserbewohner, einige leben indess auch auf Bumen, wie die echten Laubfrsche, von denen sie sich alsdann auch in der usseren Gestalt kaum unterscheiden. Unter den Gattungen und Arten, welche zu dieser FamiHe gehren, sind folgende die wichtigsten: Die Gattung der Wasserfrsche, Rana, umfasst gegen 140 Arten in allen Welttheilen, darunter 4 deutsche Arten, die spter besprochen werden. Zu dieser Gattung gehren die grssten P>sche, welche die Gegenwart kennt, so der nordamerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbyana). Ebenso grosse Thiere leben auf den Salomonsiuseln. (Beide in der Sammlung.) Die zweite Ranidengattung bilden die Flugfrsche, Racophorus, bei welchen an Vorder- uud HinterfUssen zwischen den verlngerten, mit Haft- scheiben versehenen Zehen sehr grosse Hute ausgespannt sind, welche das Thier befhigen, bei gespreizten Fingern und Zehen von Ast zu Ast ohne Schaden hinabzuschweben. Die dritte Gattung der echten Frsche wird gebildet durch die Greiffinger, Chiromantis. Sie erhielten ihren Namen, weil die zwei inneren Finger ihrer Hand den zwei usseren in der Weise gegenbergestellt werden knnen, wie beim Menschen der" Daumen den brigen Fingern. Sie leben im heissen Afrika auf Bumen. Zu den ebenfalls auf Bumen lebenden Vertretern dieser Familie, welche in Afrika unsere Laubfrsche er- setzen und daselbst in zahlreichen Arten und in unend- licher Farbenmannigfaltigkeit vorkommen, gehren erstens die Vertreter der Gattung Hylambates, "mit vertikaler Pupille, mit Zhnen an den Gaumenbeinen und grossen Haftscheiben an Fingern und Zehen. Es sind die grssten uuter den afrikanischen Laubfrschen; dann gehren dazu die weseutlich kleineren Arten der Gattung Rappia mit runden Pupillen und ohne Zhne am Mundhimmel, und die Arten der Gattung Megalixatus mit senkrecht stehender Pupille und ebenfalls ohne Zhne am Mund- himmel. Eine vierte Familie der Starrbrustfrsche umfasst die Baumsteiger, Dendrobatidae, des tropischen Amerika und Madagascar mit zusammen 10 Arten. Sie haben keine Oberkieferzhnc und nicht verbreiterte Kreuzbein- wirbelfortstze; sie haben ferner keine Schwimmhute, dafr aber grssere oder kleinere Saugscheiben an den Spitzen der Finger und Zehen wie alle baumbewohnenden Frsche. Einige von ihnen zeichnen sich durch prchtige Frbung, leider aber auch durch Giftikeit aus. Ein Beispiel schner Frbung liefert der gescheckte Baum- steiger (Dendrobates tinctorius), der in zahlreichen Farben- spielarten gefunden wird. Er ist in Mittelamerika sehr hufig. Die aumsteiger tragen ihre Jungen, welche sich an sie ansaugen, von einer Pftze zur andern. Die fnfte Familie der Starrbrustfrsche wird gebildet durch die Engmuler (Engystomatidae). Sie haben keine Oberkieferzhue und verbreiterte Kreuz- beinwirbelfortstze. Sie leben gewhnlich auf dem Boden und einige besitzen grosse Grabfhigkeit. Eine Gattung Hemisus grbt sogar mit den Hnden. Bei vielen dieser grabenden Arten ist der Mund ausserordentlich eng, die Schnauze spitz, der Leib sackartig aufgetrieben und die Ghedmaassen fast in der Haut verborgen. Am weitesten ist in dieser absonderlichen Krperbildung fortgeschritten der afrikanische Mopskopffrosch (Breviceps mossambicus). Die extremsten unter diesen Grbern leben ausschliesslich von Termiten, die sie bei nchtlichen Wanderungen aus- scharren. Eine hchst eigeuthmliche Art der Brutpflege zeigt uns ein chilenischer Frosch aus dieser Familie, die Rhino- derma darwini. Beim Mnnchen dieser Art ist der Kehl- sack in eine Bruttasche umgewandelt, in welche das Junge hineingesteckt wird. Die Tasche wchst mit den Jungen, bis sie zum Schluss die ganze Bauchflche be- deckt. Die zweite Gruppe der Zungenfrsche umfasst, wie schon erwhnt, die Schiebbrustfrsche (Arcifera). Die erste Familie der Schiebbrustfrsche, die Cystignatiden, entsprechen durchaus den Wasser- frschen unserer Gegenden, die sie in einem grossen Theil von Sdamerika und in ganz Australien auch wirklich vertreten, Ihr Oberkiefer ist mit Zhnen ver- sehen und ihre Kreuzbeinwirbelfortstze sind cylindrisch oder nur sehr schwach verbreitert. Zu diesen Frschen gehren die Blattfrsche (Hylodes). Es sind die Laub- frsche des tropischen Amerika; ber 50 Arten sind davon bekannt. Zu ihnen gehrt der Antillenfrosch, Hylodes martinicensis; er ist ein kleines, unscheinbares Thierchen, welches seine Eier in baumwollenartigen Hllen auf Blttern befestigt. In diesen Hllen entwickeln sich die jungen Thiere ohne Metamorphose sofort zu einer Form, die nur dadurch von der der Erwachsenen abweicht, dass die ausgeschlpften Jungen noch einen Schwanzstummel tragen, der indess in kurzer Zeit vom Krper eingesaugt wird. Zu den Mitgliedern dieser Familie gehren auch die Hornfrsche (Ceratophrys); Thiere von betrchtlicher Grsse, absonderlicher " Gestalt und grosser Schnheit. Ihr Kr]ier ist gedrungen und krftig, ihr Kopf ist krtenartig, gross und breit und ihr Rachen sehr weit. Ihren Namen haben sie daher, weil eigenthmliehe, zipfel- artige Auswchse ber ihren Augen befestigt sind. 11 Arten kennt man davon aus Sdamerika. Der brasilianische Hornfrosch (Cerato])lirys cornuta) ist der am schnsten gezeichnete, wie die Abbildung in der Schausammlung zeigt, und doch verdankt das Thier diese Farbenpracht nur seiner sorgfltigen Anpassung an seine Umgebung: halb vergraben in "der grasbewachsenen Erde, von der es trotz seiner Frbung kaum zu unterscheiden ist, wartet das Thier auf seine Beute. Zu derselben Gattung ge- hrt der Buchstabenfrosch (Ceratophrys boiei) und der Schmuckfrosch (Ceratophrys ornata). Beide haben ihren Namen von ihrer Zeichnung. Zu dieser Familie der Schiebbrustfrsche gehren auch die Pfeiferfrsclie (Leptodactylus). Sie sind Wasser- frsche ohne Schwimmhute, leben an der Ostkste Brasiliens und haben ihren Namen, weil sie pfeifen, etwa wie man einem Menschen oder Hunde pfeift.'" Diese Frsche legen ihre Eier nicht in das Wasser, sondern in selbst- gegrabene Hhlen dicht an Flssen, hier entwickeln sich die" Jungen und gelangen erst in die Flsse, wenn die- selben nach Regengssen zu steigen beginnen. Die bekanntesten Thiere aus der Unterordnung der Schiebbrustfrsche sind die Krten (Bufonidae). In ihrer usseren Gestalt durch ihre einheimischen Vertreter Jedermann hinreichend bekannt, unterscheiden sie sich von anderen Familien dieser Gruppe durch den gnz- lichen Mangel an Zhnen und durch sehr aufgetriebene Kreuzbeinwirbelfortstze. Sie sind ausgeprgte Nacht- thiere, die sich nur ausnahmsweise am Tage sehen lassen. Ihr Gang ist schwerfllig, Sprungfhigkeit besitzen sie nicht, auch schwimmen sie schlecht, rennen aber sehr hurtig. Sie sind sehr ntzlich, weil sie Ungeziefer aller Art, "besonders Wrmer, Schnecken, Kerbthiere in grossen 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 4 Jlengeu verzehren. Dcslialb ist, wer sie verfoli;t. ein einfltiger Tropf. Ihre Eier legen sie in Schnren ab. In Sd- und Mittehimerika wohnt der Riese unter den Krten, die Meerkrte, Bufo marinus. Mit dem Meer hat sie indess niclits zu thun, der Name sollte wohl nur bezeichnen, dass sie eine berseeische Krte ist. In Deutschland giebt es drei Arten: die Erdkrte, die Wechsel- und Kreuzkrte, welche im vaterlndischen Theil dieses Fhrers besprochen werden. Zu den Krten gehrt ferner die Nasenkrte (Rhino- phrync dorsalis), ein Thier, dessen Zunge im Gegensatz zu der der anderen Frsche hinten festgewachsen ist und eine l)cwcgliche Spitze besitzt. Die Pupille dieses Frosches steht senkrecht und sein Brustbein ist ver- kmmert. Er grbt vorzglich und lebt ausschliesslich von Termiten, die er mit der Zunge aufleckt. Zu einer anderen Familie der Schiebbrustfrsche vereinigt man die echten Laubfrsche, Hylidae, von denen auch Deutschland einen wohlbekannten Vertreter be- sitzt. Sie haben bezahnte Oberkiefer, verbreiterte Kreuzbein- wirbelfortstze und Haftscheiben an den F'ingern und Zehen. Sie sind Baumthiere, von denen man 10 Gattungen mit etwa 200 Arten unterscheidet. Laubfrsche von riesiger Grsse beherbergt Neu Guinea. Zu den Laubfrschen gehrt der amerikanische Sc'iimuekfrosch (Chlorophilus ornatus) mit zirkelrunder Zunge und schner Zeichnung. Er lebt auf trocknem Lande. Ferner gehrt dazu der Heusehreckenfrosch (Acris gryllus). Seine Stimme hnelt dem Schwirren der Laubheuschrecken, er lebt auf Bschen und Pflanzen in der Nhe des Wassers. Ferner gehren dazu die echten Laubfrsche (Gattung Hyla), deren typischer Vertreter unser Laubfrosch ist. Diese echten Laubfrsche haben eine quergestellte Pupille, Zhne am Mundhimmel, sowie Schwimmhute und Haftscheiben an Fingern und Zehen. Indem sie mit vorgestreckten Hnden und Fssen an einen Gegenstand anspringen und dann Hnde und Fsse am Gegenstand entlang ziehen, pressen sie den Haftballen fest an den (Segenstand und zugleich, mit Untersttzung von Muskeln, aus den Sohlen- drsen der Haftballen Flssigkeit aus. Diese Flssigkeit fllt die Rume zwischen Haftballcn und Gegenstand aus, was ein Festkleben des Thieres am Gegenstand zur Folge hat. Das Haften des Laubfrosches an glatten Gegenstnden wird also bedingt durch Haften (Adhsion) seiner (Jliedniaassen an der Wand und nicht dadurch, dass der Luftdruck seine Haftscheiben an die AVand anpresst. Die Laubfr(ische steigen bis in die Baumwipfel hinauf und knnen ziendich lange an trockner Luft leben. In der Gefangenschaft fttert man sie mit Mehlwrmern, Fliegen, Schaben und anderen lebenden Insecten, ge- tdtete Insecten verzehrt das Thier nicht. Man stecke sie in Glser, deren Boden mit Wasser bedeckt ist und bringe die mit dem tzenden Saft ihrer Hautdrsen ver- um-einigten Finger nicht an die Augen. Sehr schn gefrbt ist der amerikanische Laubfrosch, Hyla leucophyllata. Ein sehr grosser Laubfrosch ist der amerikanische Kolbcnfuss, Hyla faber, auch Schmied genannt, weil seine Stinune dem Klange gleicht, den geschlagenes Metall erzeugt. Ein sehr merkwrdiger Vertreter dieser Familie ist dann noch der in Ecuador und Peru heimisciic Tascbcn- froseh (Nototrema marsupiatum); dessen Weibchen hat auf dem Rcken eine Tasche, in welche das Mnn- chen die Eier streicht. Die Jungen bleiben in dieser Tasche so lange, bis sie die Gestalt ihrer Eltern erreicht haben. Eine weitere Familie der Schiebbrustfrsche sind die Krtenfrsche, Pelobatidae, welche bezahute Oberkiefer, stark verbreiterte Kreuzbeinwirbelquerfortstze und einfache Zehen haben, whrend ihnen Rippen voll- stndig fehlen. Sie sind vorwiegend grabende Thiere. Es giebt grosse Arten unter ihnen, Megalophrj's maximus z. B. und Leptobrachium. Die letztere Gattung ist sehr merkwrdig, weil sie die einzigen Froscharten enthlt, deren Mnnchen den Menschen angreifen, indem sie das Maul weit aufreissen und unter lautem Schreien gegen den Angreifer losfahren. Zu den Krtenfrschen gehrt auch unsere heimische Knoblauchskrte, Pelobates fuscus. Sie entsteht aus riesengrossen Larven, die zuweilen ber- wintern, whrend sonst die Larven der Frsche bereits in dem Sommer ihre Entwickelung vollenden, in welchem sie geboren wurden. Als letzte Familie der Schiebbrustfrsche seien die Scheibenzngler,Discoglossidae, genannt : Sie haben bezahnte Kiefer, verbreiterte Kreuzbeinwirbelfortstze und kurze Eijipen. Bei ihren Larven liegt die Athemndn-e in der Mitte der Brustgegend. A'on ihren Vertretern kommen in Deutscidand vor die Gattung Unke, Bombinator, mit den beiden Arten: Gelbbauch- und Rothbauchunke. Beide sind ausgesprochene Wasserthiere. Zu dieser Familie ge- hrt anch die Geburtshelferkrte, Alytes obstetricans, deren Mnnchen den vom Weibchen abgelegten Laich um die Hintergliedmaassen wickelt und sich damit in die Erde vergrbt. Sprengen die Jungen die Eischaale, dann ver- lsst das Mnnchen seine Erdhhle, begiebt sich ins Wasser und setzt die Kaulquappen darin ab, sich nicht weiter um sie bekmmernd. Den Vertretern der zweiten Unterordnung der Frsche, den Zungenloseu, Aglossa, fehlt nicht nur die Zunge, sondern sie haben auch keine Rippen, ausserdem sind ihre Wirbel an der hinteren Flche ausgehhlt, ihr dritter und vierter haben sehr lange Querfortstze, die ihres Kreuzbeinwirbels sind sehr verbreitert und ihr Kreuz- bein ist mit dem Steissbein verwachsen, sodass aus all diesen Grnden von ihrer Wirbelsule Seitenbewegungen nicht ausgefhrt werden knnen. Die Larven, welche zu dieser Unterabtheilung gehren, besitzen abweichend von denen der Zungenfrsche zwei Kiemenlcher, nm- lich an jeder Kc'irperseite eins. Die Zungenfrsche zerfallen nach der Art ihrer Ober- kieferbezalmung in zwei Familien. Die Vertreter der ersteren, die KrallenfrschC; Dactylethridae, haben Zhne im Oberkiefer. Nur eine Gattung gehrt dieser Familie an: Der Krallenfrosch, Xenopus. Die wenigen Arten dieser Gattung, die in Afrika leben, sind die ein- zigen Frsche, deren Gliedmaassen Krallen tragen, und zwar sind nur ihre drei inneren Zehen auf diese Weise ausgezeichnet. Die Vertreter der zweiten Familie der zungenlosen Frsche, die Pipak rten, Pipidae, haben gar keine Zhne. Man kennt davon brigens nur eine Gattung und Art: die Wabcnkriite, Pipa americana. Sie lebt in Guyana und dem troi)ischen Brasilien. Sie hat lange Hinterbeine mit kurzen Schwinunhuten und schmchtige Vorderbeine, deren Fingerendglieder sternfrmig gespalten sind, wes- halb das Thier von den Eingeborenen den Namen: .,Strahlentinger" erhalten hat. Sehr merkwrdig ist seine Fortpflanzung. Die Jlnnchen streichen den Weibchen die Eier auf den Rcken. Die Haut des weiblichen Kckens wchst darauf zuerst zwischen den Eiern empor, dann auch ber dieselben hinweg, sie zum Sehluss vllig ein- kapselnd. In diesen Kapseln vollenden nun auch die Jungen ihre Entwickelung, sprengen die Kapseln und ge- langen ins Freie. Die Fetzen der Ilautkapseln, welche dabei zurckbleiben, werden von den Weibchen an Steinen und harten Gegenstnden abgerieben. XII. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 2. Ordnung: Schwanzlurche, Urodcla. Die Eigenschaften, welche die Schwanzlurchc charak- terisiren, sind folgende: Bei allen .Schwanzlurchen, welche Gliedinaassen haben, sind dieselben nur schwach ent- wickelt und daher nur wenig leistungsfhig. Die Maxinial- zahl der Finger ist bei ihnen 4, die der Zehen 5. Schvvanzlurche mit 5 Fingern kennt man bislier nicht; dagegen haben gewisse Schwanzlurche weniger Zehen und Finger. Alle Schwanzlurche haben ferner einen langen, vollentwickelteu Schwanz, der bei ihnen, wenn sie Wasserbewohner sind, seitlich zusammengedrckt ist, bei den Landbewohnern einen rundlichen Querschnitt hat. Trommelfell, Paukenhhle und Ohrtrompete fehlen allen Schwanzlurchen. Ihre Haut ist schuppenlos und schleimig. Die auf ihrer Haut vorkommenden Warzen sind Er- hebungen, unter denen Drsen liegen, die einen tzenden Schleim absondern. Alle Schwanzlurche athmen in der Jugend durch Kiemen, und ein Theil behlt whrend des ganzen Lebens die Kiemen bei, whrend die anderen sie verlieren, wenn sie erwachsen sind. Die Schwanzlurche leben entweder im Wasser oder an feuchten, schattigen Orten auf dem Lande. Feuchtig- keit ist zu ihrem Wohlbefindeu nothwendig. Ihre Nahrung besteht aus kleinen Thieren: Schnecken, Wrmern, In- secten und anderen. Trotz ihrer Gefrssigkeit knnen sie lange hungern. In der Gefangenschaft ernhrt man sie am besten durch Ameiseneier, Regenwrmerj lebende Daphnien u. a. Sie kommen nur nrdlich vom Aequator vor. Am hufigsten sind sie in Nordamerika. In den Tropen und in Australien fehlen sie ganz. Alle sind Nachtthiere. In der gemssigten Zone halten sie einen Winterschlaf, in heissen Gegenden einen Sommerschlaf. Sie haben durchweg eine grosse Lebenszhigkeit und ihr Krper hat die Fhigkeit, verloren gegangene Theile zu regeneriren d. h. neu hervorwachsen zu lassen. Sie schwimmen gut, sind mit Ausnahme zweier Gat- tungen auf dem Lande langsam und schwerfllig und knnen nicht klettern. Man hat die Schwanzlurche in 4 Familien getheilt. Die erste dieser Familien ist die der Molche, Salamandridae. Es sind Thierc mit langgestrecktem, eidechsenartigen Leib ; ohne Kiemen im Alter, mit langem Schwanz, mit gut entwickelten Augen, welche Augenlider besitzen, mit deutlich abgesetztem Hals, mit 4 verhltniss- mssig gut entwickelten Beineu, an welchen Finger und Zehen in der Maximalzahl vorhanden sind. Bei vielen von ihnen hufen sich die Hautdrsen hinter den Ohren zu sogenannten Olirdrsen an. In beiden Kiefern haben sie Zhne. Ausserdem haben sie kleine Zhne oben am Mundhimmel (an den Gaumen, Pflugschaarbeinen und Parasphenoidkuochen) in verschiedener Anordnung. (Eine Tafel mit Kpfen von Schwanzlurchen, an welchen die Zhne rothgefrbt sind, ist in der Schausammlung in einem Fensterpult aufgestellt.) Man theilt die Molche in echte und Querzahu- molche ein. Bei den echten Molchen stehen die Gaumenbeine in zwei Lngsreihen, welche gegen den Rachen hin ausein- anderweicheu. Man kennt 6 Gattungen und 27 Arten. Dazu gehrt die europische Gattung, Salamandra, mit drehrundem Schwanz. Ihre europischen Arten sind der Feuersala- mander, Salamandra maculosa, und der Alpensalamander, Salamandra atra. Beide gebren lebendige Junge. Zu den echten Molchen gehren ferner die Tritonen oder Wassermolche mit seitlich zusammengedrcktem Schwanz und ohne Ohrdrseuwlste. Es giebt'davon vier deutsche Arten, die spter besprochen werden. Zu ihnen gehrt ferner der schnste europische Molch: der Mar- mormolch, Molge marmorata, dessen Hautfarben: schwarze Flecke auf grnem Grunde sind. Dazu gehrt auch der Pippenmolch, Molge waltli. Bei diesem Thier durchbrechen zuweilen die laugen Kippenspitzen die Haut und ragen dann frei nach aussen hervor. Dann gehrt zu den echten Molchen der Briliensaian\ander, Salamandrina peripicillata. Er hat vorn und hinten nur vier Zehen, ist auf dem Rcken mattsehwarz und trgt auf dem Kopf einen gelb- rthlichen, brillenartig geformten Fleck. In Italien an der Westseite und in Sardinien. Zu den Querzahnmolchen gehrt die Gattung Ambly- stoma. Die Haut ihrer Vertreter ist glatt, der Rumpf besitzt eine Anzahl senkrechter Hautfalteu. Sie haben vorn 4, hinten 5 Zehen. Die beiden Reihen ihrer Gaumen- zhne stossen in der Mittellinie zusammen und bilden des- halb eine einzige Querreihe. Ihre Wirbel sind vorn und hinten ausgehhlt, und von ihrer Zunge ist nur der Vorder- rand frei. Sie knnen whrend des ganzen Lebens im Larvenstadium verbleiben und als Larven geschlechtsreif werden, knnen sich aber auch zu Landthieren meta- morphosiren. Man zhlt 20 nordamerikaniscbe Arten, von denen einige bis Mexico verbreitet sind. Nur eine Art lebt nicht in Amerika, sondern in den Gebirgen von Siam. Unter den Vertretern der Gattung Amblj'stoma ist der Axolotl, Aniblystoma tigrinum der bekannteste, weil er von Aquaricnliebhabern berall gezchtet wird. Er hat eine sehr lange Gaumenzahnreihe, und zwischen den Gliedmaassen an den Krperseiten 12 parallel laufende Querfalten. Sein Kopf ist i)iump, das Maul gross. Als Larve ist er grau mit schwarzen Flecken, als geschlechts- reifes Thier hat er in dunkler Grundfarbe viele kleine gelb- lich weisse Flecken. Es giebt brigens auch farblose Larven (Albinos). Eine andere Art, Amblystoma punctatum, gebraucht ihren Schwanz fast wie einen Wickelschwanz zum Fest- halten. Die zweite Familie der Schwanzlurche sind die Aalmolche, Amphiumidae, mit lauggestrecktem Leib und mit so sehwachen Gliedmaassen, dass sie zum Gehen wenig oder garnicht mehr verwendbar sind. Den Tiiieren fehlen die Augenlider. Ihre Nasenhhle endet nicht in den Mund. Ihre Zunge ist so sehr mit dem Gaumen ver- wachsen, dass nur ilir Vorderrand frei bleibt. Die Ver- treter dieser Familie haben innere Kiemen, das heisst solche, die von der Krperhaut bedeckt sind. Ihre Wirbel sind vorn und hinten ausgehhlt. Die Thiere besitzen gleichzeitig Lungen und Kiemen und leben ausschliesslich im Wasser. Zu dieser Familie gehrt der japanische Riesen- salaniander, Megalobatrachus maximus, ein Thier von salamanderartigem Aussehen, welches am Rumpf an der Seite einen dicken Drsenwulst trgt. Ist das Thier er- wachsen, dann fehlen ihm sowohl Kiemen wie Kiemenlcher. Seine Gaumenzhne liegen in einer den Kieferrndern parallelen Reihe. Der Riesensalamander wird ber einen Meter lang, ist der grsste lebende Schwanzlurch und lebt in Japan in Gebirgsbchen. Sein Fleisch ist eine sehr gesehtzte Speise der Japaner. Die Art kommt brigens auch im Westen Chinas vor. Dem Riesensalamander in der Gestalt sehr hnlich ist der Hellbender oder Schlammteufel der Nordamerikaner, Cryptobranchus alleghaniensis. Er unterscheidet sich aber von dem vorigen dadurch, dass er aiich im erwachsenen Zustande ein offenes Kiemenloch aufweisen kann. Seine Mittellinie des Rckens hat ausserdem einen Hautkamm; und seine Finger, Zehen und Gliedmaassen sind an der 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 4. Aussenseite mit einem stark entwickelten Hautsaum ver- sehen. Die Familie fhrt ihren Namen nach der Gattung Amphinma. liu- einziger Artvertreter, der Aaimolch. Amphiuma nie ans, hat einen aalartigen Leib mit winzigen, sehr weit auseinandergerckten Gliedmaassen, an welchen nur 2 oder 3 Finger und Zehen vorhanden sind. Die verkmmerten Augen dieses Thieres sind von der Leibeshaut berzogen. Ausser den Zhnen in den Kiefern hat es noch Zhne am Gaumen, die in spitzem AVinkel zusamnienstossen. Mau unterscheidet zwei Al)- arten, den zwei- und den dreizehigen Aalmolch. Beide schwimmen unter schlangenartigen Windungen wie die Aale und whlen mit der Schnauze im Schlamm. Die dritte Familie der Schwanzhirche wird durch die Olme, Proteidae, gebildet. Sie haben whrend des Lebens an jeder Seite des Halses ussere Kiemen. Es fehlen ihnen Augenlider und Oberkieferknochen. Ihr Krper ist langgestreckt und hat vier schinchtige Beine. Es giebt von ihneu nur zwei Gattungen mit je einer Art. Eine dieser Arten ist der Grottenolni, Proteus auguinens. Er hat nur 3 Finger und 2 Zehen, besitzt eine hecht- artige Schnauze und verkmmerte, von der Haut ber- deckte Augen. So lange dieses Thier, wie in der Natur, im Dunkeln gehalten wird, hat es keine Hautfarbe, sondern ist durch- scheinend tieischfarbig; wird es aber gezwungen, unter Beleuchtung zu leben, dann wird es braun oder schwarz- fleckig. Es folgt als vierte und letzte Familie der Schwanz- lurche die der Arminol ehe, Sirenidae. Sie behalten die Kiemen, so lange sie leben. Es fehlen ihnen Ober- kiefer und Augenlider und sie haben nur an den Pflug- schaarbeineu Zhne, dagegen an den Kieferknochen Horn- scheiden. Sie haben nur Vordergliedmaassen. Man kennt von ihnen eine Gattung mit 2 Arten aus Nordamerika, Siren lacertina mit 4 Fingern und Siren striata mit 3 Fingern. 3. Ordnung: Schleichmolche, Gymnophionen. Bei allen Thieren, die zu dieser Ordnung gehren, ist der Krper wurmfrmig. Ausserdem haben sie keine Gliedmaassen und keinen Schwanz. Ferner ist ihre Haut von parallelen Querfurchen durchzogen, die um den ganzen Krper ziehen; in der Haut verborgen stecken bei vielen Schleichmolchen kleine Knochenschuppen. Durch die Querfurchen sieht die Haut der Thiere geringelt aus. Hire Mundspalte ist klein und liegt an der Schnauzen- unterseite. Die Nasenlcher der Thiere liegen vorn an der Schnauze und in ihrer Nachbarschaft liegt je eine kleine Grube, in welche ein vorstreckbarer Taster in der Ruhe zurckgezogen wird. Die Augen aller Schleichmolche sind verkmmert und unter der Haut versteckt. Trommel- fell und Paukenhhle fehlen ihnen. Hire Afterftnung liegt, da ihnen der Schwanz fehlt, unmittelbar am Krper- ende. Zhne haben die Thiere am Oberkiefer, Unter- kiefer und Mundhimmel und zwar an den Gaumenbeinen. Ihre Zunge ist ganz mit der Schleimhaut des Mundes ver- wachsen. In der Jugend athmen die Schleichmolche durch Kiemen, spter ausschliesslich durch Lungen. Sie leben in feuchter Erde nach Art der RegenwUrmer und ernhren sieh von lusectenlarven und Wrmern. Einige von ihnen schwimmen vermittelst schlangenartiger Bewegungen des Leibes. Ihre Heimath sind die heissen Zonen der alten und neuen Welt. In Australien und Madagascar fehlen sie jedoch. Nur eine Familie gehrt zu dieser Ordnung, die der Bliudwhlen, Caeeiliidae. Man unterscheidet davon 14 Gattungen und etwa 37 Arten. Unterscheidungs- merkmale liefern: die Form der Hautschuppen, die Aus- bildung der Augen und die Form und Stellung ihres Tasters. Bei den Ringelwhlen, Siphonops, liegen in der Haut keine Schuppen, die Augen sind deutlich erkennbar und der Fhler steht dem Auge nher als dem Nasen- loch. Dazu gehrt als Art die Lochwhle, Siphonops annulata, welche vorwiegend in Peru und Brasilien ge- funden wird und fusstief unter der Oberflche in morastiger Erde lebt. Bei der Gattung Wurmwhle, Caeeilia, liegen Rundschuppen in der Kr])erhaut, ihre Augen sind weniger gut entwickelt uud der Fhler steht gerade unter dem Nasenloch in einer hufeisenfrmigen Grube. Ausser- dem zeichnen sich die meisten der zu dieser Gattung ge- hrigen Arten durch sehr langgestreckten Leibesbau aus. Dazu gehrt als Art die schlanke Wurmwhle, Caeeilia gracilis, aus dem nrdlichen Sdamerika. Als dritte Gattung der Blindwhlen wre dann noch die Gattung Ichthyophis zu erwhnen. Die Gattung hat einen kegligen oder messerartigen Fhler, der nahe der Mundspalte zwischen Auge und Nasenloch gelegen ist. In ihrem Unterkiefer stehen zwei Reihen von Zhneu. Eine Art, die ceylonische Blindwhle, Ichthyophis giutinosus, lebt in feuchten Bachufern, etwa einen Fuss tief unter der Oberflche. Beim Kriechen berhrt sie mit den Fhlern abwechselnd den Boden. Ihr Haut- schleini ist giftig. Die ceylonische Blindwhle legt Eier in Hufchen in unmittelbarer Nhe des Wassers. Das Weibchen liegt dann zusammengeringelt auf ihnen, bis die Jungen ausschlpfen. Die Eier knnen merkwrdiger- weise, indem sie Wasser und die flssigen Ausscheidungen des mtterlichen Krpers aufsaugen, whrend der Bebrtung wachsen und sind am Ende der Brutzeit 4 mal so schwer als am Anfang. Die jungen Thiere haben, so lange sie in den Eiern liegen, Kiemenbsehel und ein grosses, gut- entwickeltes Auge. Sobald sie auskriechen, verschwinden die Kiemenbsehel und verkmmert das Auge. Die Jungen gehen dann zuerst ins Wasser und spter auf das Land, wo sie sich in sumpfiges Erdreich einbohren. Anatomische Alithciluug. Die Objeete, welche in der anatomischen Ab- theilung der Amphibienschausammlung uud zwar in zwei Glasschrnken und in einem Fensterpult aufgestellt sind, werden hier nur kurz aufgezhlt, weil in der Sammlung selbst bei allen Erklrungen zu finden sind, die zum Theil durch Zeichnungen noch besonders erlutert werden. Das Fensterpult enthlt neben anderen Objecteu ein Holztfelehen mit Schdeln, deren Zhne mit rother Farbe durchtrnkt sind. Diese Prparate sollen zeigen, in wie verschiedener Weise bei den geschwnzten Am- phibien die Mundhimmelzhne angeordnet sind. In dem- selben Pult liegt ein zerlegter Schdel des grnen Wasser- frosches Rana esculeuta, dessen Knochen mit Nanten bezeichnet sind. Daneben findet man den Metallausguss der Mundhhle eines mnnlichen Wasserfrosches, Rana esculenta, welcher zugleich alle Hohlrume aufweist, welche mit der Mundhhle des Thieres in Verbindung stehen; es sind die Nasenhhlen, die Ohrtrompeten (Tu- bae eustachi), die Schallblasen, die Luftrhre und die Speiserhre. Dasselbe Pult enthlt dann noch Wirbel verschiedener Amphibien. In dem ersten Schrank, welcher der Anatomie der Amphibien gewidmet ist, sind aufgestellt: Das Modell des Blutkreislaufes der Frsche mit Bezeichnung der ein- zelnen Blutgefsse: Roth gefrbt sind die Gefsse, welche vom Herzen weggehen, blau diejenigen, welche ins Herz hineinfuhren. JJauebcn steht links der Krper einer Xir. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wocheuschrift. 45 g-riinen Krte (Biifo viridis Laur.), dessen vom Herzen ausgehenden Blutgefsse mit rotlier Masse ausgespritzt sind, und rechts der Krper eines Axolotls (Amblystoma tigrinum) mit in gleicher Weise behandelten Blutgefssen derselben Art. In einer Anzahl von Glsern enthlt dann der Schrank noch die innere Anatomie des grnen Wasserfrosches (Rana esculenta) imd die des gefleckten Salamanders (Salaniandra maculosa). Endlich beherbergt dieser Schrank auch noch Wachsmodelle, welche dar- stellen, wie sich der grne Teichfrosch vom Ei aus ent- wickelt, bis er die Gestalt einer Kaulquappe erlangt hat. Etiquettes, welche neben jedem dieser Entwickelungs- stadieu stehen, erklren dasselbe in eingehendster Weise. Bestimmungstabelle der einheimischen Lurche. A. Frsche: Lurche ohne Schwauz. 1. Finger- und Zehenspitzen sind zu Saugscheiben erweitert : Hyla arborea, Laubfrosch. 2. Finger- und Zehenspitzen oliue Saugscheiben. a) Bauch der Tliiere graublau mit Itleinen orangerothen Flecken und weissen Punkten. Oberseite meist mit dunklen Flecken. Rckenhaut mit runden, glatten Warzen: Bombiuator igneus, Rothbauclinnke. b) Unterseite gelb mit graublauen oder dunklen Flecken oder solcher Marmorirung. Oberseite meist einfarbig. Haut oben von spitzigen Warzen rauh: Bombinator igneus, Gelbbaiichuiike. c) Bauch der Thiere weiss oder weiss mit dunklen Flecken. Gruppe I. Rckenhaut der Thiere stark warzig. Hinter jedem Trommelfell ein dicker gi-osser Wulst, (Ohrdrse genannt): Krten, 3 Arten. Erste Art. Sehr kurze Schwiminhiiute zwischen den Zehen. Der Zwischenraum zwischen den Augen hchstens so breit als ein oberes Augenlid. An der Unterseite des vierten Zehs unter den Gelenken zwei nebeneinander liegende Wlste; Trommelfell und Ohr- drse klein: Bufo calamita, Kreuzkrte. Zweite Art. Der Zwischenraum zwischen den Augen wenigstens so breit als ein oberes Augenlid, Trommel- fell halb so gross wie das Auge, deutlich. Vierter Zeh unter den Gelenken mit nur einem Wulst. Auf dem Rcken gewhnlich grne Flecke: Bufo viridis, Grne Krte. Dritte Art. Der Zwischenraum zwischen den Augen bedeutend breiter wie ein oberes Augenlid. Trommel- fell klein. Ohrdrsen stark vortretend. Die Gelenk- wlste unter dem vierten Zeh doppelt. Oben gewhn- lich einfarbig grau: Bufo vulgaris. Gemeine Krte. Gruppe II. Haut auf dem Rcken glatt, oder nur wenig rauh (das letzte nur bei Pelobates fuscus). Hintei'beine lang. Das Maass des ausgestreckton Hinterbeins, von der Ansatzstelle des Beines am Krper bis zur Fusswurzel ge- nommen, ist grsser als der Zwischenraum zwischen Auge und Ansatzstelle des Beines am Krper. Abtheilung 1. Kein schwarzer Schlfenfleck hinter dem Auge. Zehen mit ganzer Schwimmhaut. Grundfarbe des Rckens grn: Rana esculenta, Teicbfroscli. Abtheilung 2. An den Schlfen hinter dem Auge ein dunkler Fleck. Schwimmhute nicht die Zehenspitzen ver- bindend. 4 Arten. Erste Art. Hinterbeine massig lang. Das Maass des ausgestreckten Hinterbeins von der Ansatzstelle des Beines am Krper bis zur Fusswurzel gemessen ist hchstens so lang wie der Zwischenraum zwischen der Schnauzenspitze und der Ansatzstelle des Beines am Krper. Schnauze stumpf; Hcker an der Innen- seite des Fusses rundlich. Unterseite des Thieres meist rothbraun und gelb gefleckt, Oberseite braun: Rana temporaria, Moorfroscli. Zweite Art. Beinlnge wie bei der ersten Art, aber Schnauze zugespitzt, dreieckig, Hcker an der Innen- seite des Fusses zusammengedrckt. Unterseite rein weiss: Rana arvalis, Grasfroscli. Dritte Art. Hinterbeine lang. Das Maass des ausgestreckten Beines von der Ansatzstelle des Beines am Krper bis zur Fusswurzel gemessen, ist lnger als der Zwischen- raum zwischen Schuauzeuspitze und Ansatzstelle des Beines an dem Krper. Trommelfell fast so gross wie das Auge. Unterseite weiss: Rana agilis, Spriiigfrosch. Vierte Art. Beinmaass wie bei der dritten Art. Trommel- fell noch deutlich. Zehen mit halben Schwimmhuten: Alytes obstetricans, Geburtshelferkrte. Fnfte Art. Beinmaass wie bei der dritten Art. Trommel- fell garnicht oder sehr undeutlich sichtbar. Zehen mit ganzen Schwimmhuten. Rckenhaut fast ganz glatt. Hiuterfsse an der Innenseite mit einer gelb- braunen, scharfen, grossen Hnrnplatte. Bauch weiss- licli, mitunter dunkel gefleckt: Pelobates fuscus, Knoblauchskrte. B. Schwanzlurche: Amphibien mit Schwanz. 1. Schwanz drehrund; Ohrdrsen stark entwickelt. Zwei Arten. Erste Art. Thier einfarbig schwarz: Salamandra atra. Schwarzer Salamander. Zweite Art. Thier schwarz und gelb gefleckt: Salamandra maculosa. Gefleckter Salamander. 2. Schwanz seitlich zusammengedrckt; Ohrdrsen nur wenig entwickelt. Drei Arten. Erste Art. Bauch einfarbig, Orangeroth : Molge alpestris, Alpenmolch. Zweite Art, Bauch dunkel gefleckt. Haut krnig. Oberseite einfarbig schwarz : Molge cristata, Kammmolcli. Dritte Art. Bauch dunkel gefleckt. Haut glatt. Mnn- chen im Frhling mit hohem, welligen Rckenkamm, lappig verbreiterten Zehen und grossen, runden Flecken auf dem ganzen Krper. Kopf mit 7 schwarzen Lngsstreifen. Weibchen mit kleinen Flecken auf der Unterseite, mit braunen Lngsstreifen an den Rumpfseiten: Molge vulgaris, Teichmolch. Ueber die Wirkung des Tliees berichten Emil Kraepelin und August Hoch aus Heidelberg im 2. Heft der Psychologischen Arbeiten" (Leipzig, Engel- mann). Im Thee sind zwei wirksame Stoffe vorhanden: Coffein und therische Oele, Die angestellten Uuter- suchungen haben nun gezeigt, dass das Coffein auf das Muskelsystem wirkt, indem es die Muskeln zu hheren Kraftleistungen befhigt, die mittelst des Ergograpben gemessen wurden. Die therischen Oele vermindern die Muskelkraft, erhhen aber die geistige Thtigkeit, so dass z. B. die bei den Versuchen verwandten Personen schwierigere Additionen viel leichter und schneller aus- zufhren im Stande waren als sonst. So ist der Thee als ein stimulirendes Mittel anzusehen, welches sowohl auf den Geist als auf den Krper wirkt. Der angenehme Allgemeinzustand, welchen viele Personen, die den Thee gern und oft trinken, nach dem Gensse empfinden, ist den therischen Oelen zuzuschreiben; wer seine geistige Tiitigkeit erhhen will, muss also Thee mit mglichst wenig Coffein, aber reicherem Oelgehalt nehmen. S. Seh. Die Wellenlnge der Bntgenstralilen zu bestimmen, hat L. Fomm in Mnchen unternommen, worber er in einem kleinen Aufsatze in Wiedemann's Annalen (1896, No. 10) berichtet. Da die Rntgenstrahlen keine nennens- werthe Zurckwerfung und Brechung aufweisen, musste die Beugung benutzt werden, um die Wellenuatur der- sell)en nachzuweisen und die Wellenlnge zu messen. Die benutzte Hittorf 'sehe Rhre zeigte an der der Kathode gegenberliegenden Glaswand einen intensiv grn leuch- tenden Fluorescenzfleck, an weichem Rntgenstrahlen aus- treten. Es wurde nun mit Hlfe eines Spaltes eine feine Lichtlinie ausgesondert, und die Strahlen mussten dann noch einen zweiten Spalt (Beugungsspalt) passiren, iiinter dem sich eine hochempfindliche photographische Platte 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII Nr. 4 befand. Das photographisclie Spaltbild zeigt an den Seiten keine Interferenzstreifen, dagegen ist das Innere desselben von hellen und dunkeln Streifen durchzogen, woraus die Wellennatur der Rntgenstrahlen erhellt. Aus den Messungen dieser Streifen hat Dr. Fouim eine Wellenlnge von A ^ 0,000014 mm berechnet; die Wellen- lnge ist also etwa 15 mal kleiner als die bisher unter- suchte kleinste Wellenlnge im Ultraviolett. Dabei ist der gefundene Werth nur als eine obere Grenze fr die Wellenlnge der Rntgenstrahlen zu betrachten. G. Je trouve dans votre vol. XI, No. 51, pp. 615 616, une lettre Ein Beitrag zur Kciiiitniss unseres Mondes" signee Ph. Fautli in Landstuhl, coneernant la veritication que j'ai faite d'un petit cratere situe au bord N. du cratere d VO des Mts. Riphees. Dans cette lettre M. Fauth repete ce qu'il a dej aftirrae dans d'autres journaux savoir, que ee cratere n'a pas d'existence reelle sur la lune. II fait con- naitre de plus k vos lecteurs les raisous sur lesquelles il s'appuie pour faire cette allegation. Je pourrais me borner ici rappeler a M. Fauth qu'il n'a pas tenu compte des avis que j'ai donnes, dans l'Astr. Nachr." Nr. 3310, tous ceux qui se proposeraient de faire des verifications de ce genre et attendre, par con.se- quent, qu'il fournisse une suite d'observations plus confor- raes aux conditions requises pour ce genre ile verifications. Jes veux bien, neanmoins, examiner les raisons qu'il alle- gue et autres arguments qu'il avance contrc la valeur de la Photographie lunaire. J'espere montrer que, jusqu'ici, ses eft'orts sont restes inipuissants. Quand j'ai fait ma veritication le terminateur passait 3 l'O. du cratere d. ()r, parnii les 35 observations que M. Fauth cito l'appui de sa negation, il n'y en a qu'une seule, celle du 10. XII. 95 qu'il a faite lui- meme, qui offre, peut-ctre, quelques chances de succes. J'ignore si, quand le terminateur est l'E. de d, comnie dans Celles du 14. V. 94, du 22. IV. 96 et du 28. IX. 95 cette veritication au telescope est possible. II ne reste donc q'une seule et unicpie Observation plus ou nioins pro- bable, M. Fauth, et il s'imagine ainsi qu'il est suifisam- raent fonde pour nous assurer que le compaguon du cra- tere d n'existe pas sur la lune! Mais cette unique Observation serait-elle sffisante pour decider cette question? Evidcmuieiit non, car les varia- tions de la position du terminateur ne sont pas la seule cause qui puisse afteeter la visibijite d'un cratere de ee genre. On sait, en efl'ct, conibien iiombreux et coniplexes sont les mouvements reeiproques de la lune et de la terre par rapport au soleil. Ce ne sera donc que lorsque M. Fauth aura observc le cratere qui nous oceupe pendant ce long cycle de variations, et la condition que pendant chii(|ue Observation les inconstances atniospiiuriques lui nuront etc favornblcs, (pi'il pourra, non ])as affirmer que ce cratere n'existe pas, niais senlcment dire que, d'apres lui, il est fort probable que son cxistence est douteuse, par la raison qu'on pcut lui montrer, par les travaux qu'il a dej publies, qu'il aura pu se tromper ici conune il s'est trompe lii. Ajdu- tons (pie ce compagnon du cratere d est fort petit et (pi'il est peut etre peu profoud ainsi que le sont la phipart des cratcres decouverts par la ])liot()grapbie, ee (pii renilrait, par conscquent, sa visibilite autele.scope de fort courtednree. Si M. Fauth s'etait borne dire qu'il n'a pas pu voir cc cratere, je n'aurais eertainenient rien eu dire mon tour, et je n'aurais ))as repete dans Sirius" ce (pie j'avais eerit l'Astr. Naciir. Nr. 3310". Mais M. Fauth est alle bien plus loin (jue eela en se prononeant dune nniniere alisdlue sur une (jucstion de fait attestee par deux photo- graphics et par ma propre veritication. II est vrai que M. Fauth nous assure que la Photo- graphie nous egare et wie schon oft!" On dirait l'en- tendre que ses mains sont pleines de preuves l'appui de cette nouvelle affirmation. Commeut se fait-il donc qu'il n'en donne aucune? Un assez graud nombre de verifi- cations ont dej ete faites; laquelle de ces verifications est-elle une erreur? J'ai dit dans l'Astr, Nachr. que la plaque etant absolument passive, si eile recoit une itu- pression quelconque ce ne peut etre que parceque l'objet qui l'a produite existe reellement sur la surface lu- naire." M. Fauth veut-il se eharger de refuter ce jn'in- cipe? II est vrai qu'il ajoute que berichtet Prof. Prinz, die Objecte seien auf keiner einzigen seiner Mondplatten zu erkennen." Admettons que la chose soit ainsi; niais com- nient eela prouve-t-il que eet o])jet n'est pas visible sur les deux plaques qui sont Prague? Le raisonnement de M. Fauth sur la valeur de mon tele- scope marche de pair avec ceux qui precedent die von mir und den anderen eitirten Beobachtern benutzen Instrumente sind nach Ausweis ihrer Leistungen . . . ohne Zweifel in opti- scher Hinsicht besser als der lOzlligeReflector Gaudiberts." En verite, je me creuse le cerveau pour savoir o et quand M. Fauth a fait l'epreuve de mon telescope et l'a compare avec ceux des astronomes indiques sur sa liste. Je me garderai bien de dire ce que vaut mon instrunient en com- paraison d'autres que je ne eonnais pas. Mais si M. Fauth veut savoir ce qu'il peut faire, je lui dirai (jue, par son nioyen, j'ai pu suivre le compagnon d'une etoile double k moins de 0,2" de distance quand on ne pouvait pas le voir Chicago avec la grande lunette de 18 pouces. Enfin pour nous montrer la superiorite de l'observation optique sur la Photographie lunaire, M. Fauth nous apprend que, pendant le courant de l'ete passe, il a decouvert 3000 objects qui ne sont pas sur la Carte de Schmidt. Sa com- ])araison entre les deux methodes d'observation n'ost pas faite dans des conditions e([uitables paree qu'il n'est i)as tenu compte du temps employe ni du degre de perfection des resultats. Les eliches lunaires sont pris dans une demi seconde de temps et ils nous donnent tous les objects que la lunette employee peut definir pendant ce court espacc de temps sur la lune et eela avec une perfection de tous genres qui sont le propre de la Photographie. Si donc M. Fauth veut savoir ce qu'il est capable de faire, (pi'il mette son oeil sa lunette pendant une demi seconde seulement. Qu'il fasse ensuite un dessin de tont cc qu'il aura vu, et puis ipi'il compare son travail, plus ou nioins cutache d'erreurs inevitables, avec une photographie re presentant la nieme region. II pourra alors nous dire en (juoi consiste la su])eriorite de la mcthode optique. Qu'il soit bien entendu que je ne nie pas qu'il nous semble voir bien niieux et plus nettement quand nous re- gardons la lune au telescope ipic lorsque nous regardons ])ar exenqde un cliche agrandi 20 ou 30 fois. Gui, il nous sendde que nous voyons micux. Mais la raison en est que nous employons beaueoup plus de temps, quelque fois des heures entiercs, pour faire nos observations. Mais c'est justement pareequ'clles exigent i)lus de temps (|u'elles sont moins exactes, moins sflres. moins parfaites et nujins digncs de notre confiance. Pendant ce temps la lune et nous-memes nous ne eessons de nous mouvoir dans l'espaee, et la surface lunaire change continueUement d'aspeet. Le connuencement de nos observations ne correspond ni au milieu ni la fin. Une foule d'objects minutieux nous eehappent reelle- ment, et quand nous voulons transmettre nos observations sur le i)apier nous sommes en prcsence de toutes les erreurs inseparables de la nature humaine mcme la niieux douee. Par contre, la plaque enregistre tous les objects visil)les ])endant son exposition et eela avec une perfection de position.s, de grosseurs relatives, de distances et meme XII. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 de Couleurs, sans parier dinnonibrables ondulations du sol luuaire, absolunient inaliordable au\ nieilleuris dessins op- tiques faits la uiain. Disous pour terniiuer que M. Fauth pense que l'oii pourrait introduire les 3000 objects qu'il a deeouverts, sur uue Carte basce sur la photograpliie. Je pense qu'uue pareille Carte ne se fera j'amais. n prefcrera la Carte photographifjuc elle-memc qui scra coniposee d'un iioiubrc plus ou nioins grand de feuilles selou l'echellc a laquelle on agrandira les cliebes. Or, introduire des observatious optiqucs sur une pareille Carte se serait quelque eliose de seniblable ce que ferait un peintre qui, sous le pretexte de vouloir la perfectionner, donnerait ici et l des eoups de piuceaux sur les petales dune rose (|ui se serait evanouie au soleil. C. M. Gaudibert (Vaison [V^vucluse]). Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wunlen: Drr Piivatdocent der Zoologie in BiTn Ur. Ludwig Plate zum l'rofessor; der Privatdocent fr Kinder- krankheiten und Vorsteher der Universittsklinik fr Kinder- kranklieiten in Mnclien Dr. Seitz zum Professor; der Leiter der chemischen Ab tli eilung l)eirn Physikalischen Verein zu Frankfurt a.M. Dr. Martin Freund zum Professor. Berufen wurden: Der ordentliche Profossor der physiologischen Chemie an der technischen Hochschuh^ in Mnchen Dr. Kiliaui nach Froibnrg als Nachfolger Prof. Baumanns; der Privatdocent der Mathematik in Gttingen Dr. Burk hard t als Professor nach Zrich. Es starben: Der ordentliche Profossor der Mineralogie in Gicssen Dr. August Streng; der Laryngologe Dr. Isaak Michael in Hamburg; der Geh. Sanitatsrath und Stabsarzt a. D. Dr. Ludwig Stahmann in Charlottenburg. Der Balneologenkongress wird vom 11. 15. Mrz in Berlin tagen. .Sitzungen linden im pharmakologischen Institut statt. Vorsitzender Gelieimratli Liebreich, Generalsekretr Dr. Brock. L i 1 1 e r a t u r. Dr. E. Laurent, Eie Zwitterbildungen, Gynkomastie, Femi- nismus, Hermaphroditismus. Mit 17 Tafeln. Autorisirte Aus- gabe mit einer Einleitung von Dr. Hans Kurella. Bibliothek fr Socialwissenschaft. G. Band. Georg H. Wigand's Verlag, Leipzig. Preis 5 M. Die frheren Bnde der gut redigirten Bibliothek fr Social- wissenschaft" haben wir frher besprochen; es waren die inter- essanten Werke: 1. Die Vererbung, psychologische Untersuchung ilirer Gesetze, ethischen und socialen Konse([uenzen von Tli. Uib o t, 2. Natrliche Auslese und Rassenverbesserung von John B. Hay- craft, 3. Mann und Weib, anthropologische und psychologische Untersuchung der secundren Geschlechtsunterschiede von Have- lock Ellis, 4. Verbrecher und Verbrechen von Havelock Ellis, 5. Socialismus und moderne Wissenschaft von Enrico Perri. Auch der 6. Band und die ebenfalls schon erschienenen Bnde 7 und 8, die im Anschluss an den vorliegenden unten be- sprochen werden, passen trefflich in den Rahmen des Gebotenen. Die Kenntniss der Herrnaphroditen und ihrer Uebergnge zu den normalen Menschen hat abgesehen von dem Interesse, das sie teratologisch bieten, auch fr den Psychologen und Psychopatho- logen besonderen Werth und ebenso fr die gerichtliche Medicin; es wird daher siclier vielfach angenehm empfunden werden, nun- mehr einen Sammelband ber den Gegenstand zu besitzen, der, fachmnniscli und gewissenhaft zusammengestellt, verlsslich ist. Die ])sychologische Seite des Gegenstandes hat L. in den Vorder- grund gestellt; sie ist bisher vernachlssigt worden, indem der Zwitter vorwiegend nur als organographisclies Prparat betrachtet wurde. Einen breiten Raum hat Verf. der Gynkomastie zu- gewiesen, deren bester Kenner er ist. Diese Erscheinung definirt er specieller als Mann, bei dem die Geschlechtsorgane nicht zu ihrer normalen und vollkommenen Entwickelung gelangt sind, bei dem die Brste der einzige weibliche Sexualcharakter sind, den er besitzt; die Abweichung vom normalen Verhalten tritt beim Gynkomasten erst im Verlauf der Pubertt ein, whrend die Abnormitten des Zwitters angeboren sind. Die Gynkomastie wird in der ersten ganzen Hlfte dos Buches behandelt, whrend die zweite Hlfte (S. 125253) dem Hermaphroditisnms gewid- met ist. Havelock Ellis und J. A. Symonds, Das contrre Geschleclits- getilhl. Deutsche < Iriginal-Ausgabe besorgt unter Mitwirkung von Dr. Hans KnreUa. Bibliothek fr Socialwissenschaft. 7. Band. Georg H. W igands Verlag in I^eipzig. 1896. Preis 6 M. Als Grund, dass die vorliegende, gut und eindringend orien- tircnde Monographie zuerst in deutscher (anstatt in englischer Sprache) erschienen ist, giebt Verf. im Vorwort an: In England hat zwar die Inversion stets sehr geblht, aber ein wissenschaft- liches Werk ber die Sache ist bisher noch nicht verlegt worden. Es gilt als anstssig, den Gegenstand zu errtern und die heutigen englischen Verleger ziehen sich in der Regel sofort zurck, sobald eine derartige Arbeit genannt wird." Nach einer Einleitung, die im Wesentlichen das Vorkommen sexualer Inversionen be- handelt, bespricht Verf. die Geschichte der Lehre von der sexuellen Inversion, die Homosexualitt in Griechenland, das con- trre Geschlechtsgefhl beim Manne, die sexuelle Inversion beim Weibe, das Wesen der geschlechtlichen Inversion, die Theorie derselben und fasst schliesslich das Gebotene am Schluss in Er- gebnissen und Anwendungen zusammen. Enrico Ferri, Das Verbrechen als sociale Erscheinung. Grund- zge der Kriminal-Sociologie. Autorisirte deutsche Ausgabe von Dr] Hans Kurella. Bililiothek fr Socialwissenschaft. 8. Band. Georg H. Wigand's Verlag in Leipzig 189(3. Preis 7,50 M. Das geistvolle Buch wird namentlich diejenigen Juristen interessiren, die auch die wissenschaftliche Seite ihres Faches zu wrdigen verstehen und sich fr dieselbe interessiren, sei es auch nur um Anregungen fr die Praxis zu gewinnen. Es ist bekannt, dass Ferri zu der italienischen Schule der Kriminal-Anthropologie gehrt, die besonders auLombroso's Namen geknpft ist. Sie bemht sich u. a. und zwar unseres Erachtens durchaus erfolgreich die Resultate der nicht durch Special-Wnsche und Trgheit beein- flussten Naturfurschung in logischen Zusammenklang zu bringen mit den zur Zeit maassgebenden juridischen Anschauungen, die danach freilich vielfach einschneidend vernderungsbedrftig sind. Nach Besprechung der Ziele der positiven Strafrechtsschule, die auf naturwissenschaftlicher Basis steht, werden zunchst die Thatsachen der Kriminal-Anthropologie besprochen, sodann be- richtet Verf. ausfhrlich ber Kriminal-Statistik, Verantwortlich- keit und Zurechnung und ussert sich eingehend ber praktische Reformen. Dr. Julius Ziegler und Prof. Dr. Walter Knig, Das Klima von Frankfurt am Main. Eine Zusammenstellung der wichtigsten meteorologischen Verhltnisse von Frankfurt a. M. nach viel- jbrigen Beobachtungen im Auftrag des Physikalischen Vereins 'bearbeitet. Mit 10 Tafeln in Steindruck. Frankfurt^ a^ M. In Commission von C. Koenitzer's Buchhandlung (Reitz & Koehler). 1896. -- Preis 6 M. Die klimatologische Monographie, welche hier vorliegt, ist mustergltig. Barometrische, thermometrische und hygroraetrische Ergebnisse, sowie diejenigen der Wolken-, Wind-, Niederschlags- und Gewitterbeobachtungen sind in zahlreichen Tabellen, welche eine ausserordentlich becpieme Uebersicht gestatten, in der ver- schiedenartigsten Weise verarbeitet. Fr jeden Tag, jede Pentade und jeden Monat des Jahres sind aus 36jhrigen Beobachtungen (185792) die Mittel- sowie die Extrem- werthe einzelner Factoren mitgetheilt. Ausserdem findet sicli reiches p li an o logisch es Material, das man sonst in klimatologi- schen Arbeiten nicht anzutreft'en gewoluit ist. Ebenso sind Beob- achtungen ber Nordlichter, sowie ber Grund- unil Mainwasser- stand mitgetheilt. Alle Tabellen werden von eingehenden textlichen Er- luterungen begleitet und zum Schluss durch recht dankens- werthe, theilweise sehr originelle und geistvolle graphische Tafeln ergnzt. H. Briefkasten. Hr. Dr. S. Wir knnen Ihnen empfehlen: L pke Grund- zge der wissenschaftlichen Elektrochemie" 2. AuH. (Julius Springer in Berlin) 189(1. Sie finden in diesem Lehrbuch eine kurze, klare Darstellung des Wichtigsten aus der Elektrochemie; es ist eine gute Einfhrung in das Gebiet. Illiialt: Prof. Dr. Fr. Regel, Reisebriefe aus Colombia. Die zoologische Sammlung des Kniglichen Museums fr Naturkunde zu Berlin. (Forts.) Ueber die Wirkung des Thees. Die Wellenlnge der Rntgenstrahlen. Ein Beitrag zur Kenntniss unseres Mondes. Aus dem wissenschafllichen Leben. Litteralur: Dr. E. Laurent, Die Zwitterbildungen. Havelock Ellis und J. A. Symonds, Das contrilre Geschlechtsgeflil. Enrico Ferri, Das Verbrechen als sociale Erscheinung. Dr. Julius Zieglor und Prof. Dr. Walter Knig, Das Klima von Frankfurt am Main. Briefkasten. 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 4. R. 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Pillnaj'seheii Ilufkrierchen, jetzt umgewandelter Eiterkrjier- chen, an (einzelnen Stellen des Krpers, ganz hnlich, wie wir solche Ansammlungen auf knstlichem Wege durch chemotaktisch wirkenden Weizenkleber erzeugen knnen. Fr das Fieber endlich haben die Versuche mit fieber- erregenden Albuiiioscn ebenfalls die gesteigerte Abwelir- leistung gegen die Infectionen erwiesen. In ihrer Ge- samiiitlu'it bilden diese Erkenntnisse einen Fortschritt, der noch wenig vorerst zu })raktisclien Folgen geluhrt hat, in allgemein biologischer Hinsicht aber die grsste Bedeu- tung besitzt. Die meisten Krankheiten, als Conflicter- scheinungen zwischen Parasit und Wirth, widerlegen also nicht nur nicht, sondern besttigen die innere Zweck- mssigkeit unserer Organisation. Wo es aber keine Mikroorganismen sind, die zu Erkrankungen fhren, da sind es entweder Gifte, die von aussen kommen, Alkohol oder Blei oder Toxine, oder berhaupt ussere Schd- lichkeiten, namentlich auch Mangel an bestininiteu, un- entbehrlichen Stoffen. Iiimier ist die Entartung, das krankhafte Abnormale von aussen in den Organismus hineingetragen, ihm aufgezwungen, und sein Vorkommen widerlegt daher nicht die Naturmssigkeit des organischen Geschehens. Giebt es eine Erklrung fr die Zweckmssigkeit in der organischen Natur"? Darwin hat versucht, eine solche zu geben, die Anfangs als einfache mechanische Forniu- lirung Vielen imponirte. Alier es ist nicht so, dass der Kampf ums Dasein zwischen vielerlei mehr oder weniger zweckmssigen, zum Theil ganz und gar unzweckmssigen Hervorbringungen der Natur erst das Schiedsrichteramt zu ben htte. Die Natur verfhrt nicht etwa wie ein chemischer Quacksalber, der das unmgliche zusammen- inischt, hoftend, dass vielleicht durch Zufall sich eine ntzliche Conibination vorfinde. Die Natur scha't nicht ins Blinde hinein lauter Unzweckmssigkeiten, um dann den grssten Theil des Geschaffenen nutzlos ber Bord zu werfen. Sondern von vorn herein sind die nach eigenen inneren Bedingungen entwickelten Gebilde in sich zweck- mssig, und es kann nur darauf ankoniinen, ob sie auch den jeweiligen und vernderlichen usseren Bedingungen gengen. In dieser Hinsicht allerdings setzt dann der Kampf ums Dasein sichtend ein, und es vermag dann eine Species, eine Variett eine andere, minder gnstig fr die jeweiligen Verhltnisse ausgestattete, zu verdrngen. Aber der Kampf ums Dasein schafft keine Zweckmssig- keiten das ist doch namentlich nach Naegeli lngst klar , dieselben mssen bereits vorhanden sein, um sich im Daseinskampfe zu bewhren , und die ganze Vor- stellungsweise Darwin's, wonach kleine, zufllige Abnde- rungen durch die blosse Concurrenz der Individuen gleich- sam in der Richtung auf das Zweckmssige herangezchtet werden knnen, ist lngst als unstichhaltig erkannt, weil niemals die geringfgigen, spontanen Abweichungen ber- haupt einen Vortbeil im Daseinskampfe zu gewhren ver- mgen. Das ganze Problem der Zweckmssigkeit muss viel tiefer, viel grundstzlicher erfasst werden. Der Dar- winismus streift nur seine Aussenseite. Vor Allem mssen wir darauf verzichten, immer menschliche Zwecke und Absichten in die Natur hineinzudenken und uns dann kindlich ber die Erfllung dieser bloss erdachten Zwecke in der Natur zu verwundern. Mit der Zweckmssigkeit in der organischen Natur hngt aber noch ein weiteres Wichtigstes zusainnien. Ein Krystall kann, wenn sich die usseren Einflsse ndern, in seiner Ausbildung gehemmt werden. Ein Organismus braucht unter einer Aenderung der usseren Bedingungen nicht immer dauernd zu leiden; er kann wenn die usseren Einflsse als Reize wirken, darauf zweckent- sprechend reagiren, sich selbst verndern und dadurch die Einwirkung der Schdlichkeit ausgleichen. Solche Ausglcicheinrichtungen treft'eu wir namentlich gerade bei den hheren Thieren, bei denen schon die constantc Blut- temperatur unter den extremen usseren Wrmedifterenzen der verschiedenen Kliinate eine ganz ausserordentlich feine Regulirung voraussetzt. Allein diese Fhigkeit regulatorischer Anpassung an Aussenbedingungen zeigt sich in hohem Maasse bereits im Pflanzenreiche. So haben die sciinen Studien von Gaston Bonnier, Frheres besttigend, gezeigt, dass mit der knstlichen Versetzung von Pflanzen der Ebene auf hher gelegene Standorte unter dem Einfluss des Alpcnklinias XII. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 eine Reihe von charakteristischen Vernderungen sich ausbildet, indem die unterirdischen Theile strker werden, die Stengel ein dickeres Rindengewebe erhalten, die Spaltftnuugen zahlreicher, die Bltter im allgemeinen kleiner, behaarter, dickei' werden und dunkleres Grn, reichlicheres Chlorophyll in sich aufspeichern. Die BliUhen sind zugleich vcrhltnissnissig viel grsser und lebhafter gefrbt. Durch alle diese Vernderungen Anpassungen, wie wir sagen, die durch die blossen physikalischen Ein- flsse des genderten Klimas, die trocknere Luft, die intensivere Belichtung u. s. w. hervorgerufen sind, er- mglicht es die Pflanze, ihre Entwickelung in der Alpen- region whrend der kurzen Jahreszeit, wo der Boden nicht mit Sclniee bedeckt ist, bis zum Ende durchzufhren und betrchtliche Reservestotfe aufzuspeichern. Gleich- zeitig schtzt sie sich gegen das rauhe Klima der Hhen- lagen durch eine strkere Ausbildung ihrer Schutzgewebc und steigert ihre Ernhrung durch iutensivcre Chloro- phyllwirkung und krftigere Entwickelnng der Wurzel- theile. Freilich werden diese Anpassungen wieder rckgngig, sobald wir die PHanze, auch nach jahrelangem Verweilen im Hhenklima, in die Ebene zurckversetzen. Aber wie wre dies anders mglich, sofern die Pflanze durch den Aufenthalt im Hhenklima ihre ursprngliche Reactions- fhigkeit fr ussere Einflsse nicht vllig verloren hatr" Ganz aus den nmlichen Grnden, aus denen zuerst das Hiienklima seine Wirkung usserte, muss jetzt das Ebenenklima, fr welches die alpine Pflanze mit ihren Besonderheiten sich weniger eignet, wiederum die frheren Eigenschatten zurckrufen. Auf diese Weise erfahren wir aus unserem Beispiel allerdings nichts ber die Entstehung erblicher neuer Eigenschaften. Wohl aber lernen wir das Bedeutsame, wie zweck- mssig angepasste Eigenschaften erworben, im Falle des Unzweckmssigwerdens aber wieder verloren werden knnen, wie nicht jede Eigenthmlichkeit der hher ent- wickelten Organismen haltbar ist, sondern manches je nach den Bedingungen einem Wechsel unterliegt, dass Krpergewebe bei hherer Inanspruchnahme strker, leistungs- und widerstandsfhiger werden, und diese Eigen- schaften unter genderten Bedingungen auch wieder ver- lieren knnen. Hat doch erst krzlich Robert Hartig die Unterschiede in der mehr oder minder dichten Gefugebildung des Holz- krpers gleichartiger Bume uns kennen gelehrt, fr den Fall, dass das lichtarme Innere des Waldes oder das freie, Luft und Licht gewhi-ende Feld oder der Waldrand ihrenStandort bilden. Die hochgradig gesteigerte Verdun.stungsleistung freistehender Bume schwcht durch das Erforderniss zahlreicher wasserfhrender Gefsse den Holzkrper, whrend der langsam im Waldesdickicht treibende Stannn ein hartes, festes Holzgefge bewahrt. Empirisch hat man das lange gewusst, und das zhe Eschenholz vom Nordabhange der Hgel das allein zum Bogen die nthige Spannkraft besitzt, findet schon in Gthe's Gesprchen mit Eckermann seine Erwhnung. Aber auch knstlich kann man den Holzkrper ver- strken, indem mau, wie Hartig gezeigt hat, den Baum zu zwei Drittheilen seines Laubes beraubt, wodurch die Verdunstungsstrke ermssigt, die Zahl der wasserfhrenden (iefsse im Holzkrper bedeutend verringert wird. Nicht jede ussere Einwirkung, auch wenn sie zu- nchst eine Schdigung zu sein scheint, braucht in jeder Hinsicht zu schaden. Der theilweise entlaubte Stannn vermag dem Sturmwind besser zu trotzen. Der nebrochene Knochen verwchst nicht nur an der Bruchstelle mit be- sonderer Festigkeit, sondern bei schief verheilten Kuochen- brehen ndert sich auch die innere Structur der porsen Substanz, jene merkwrdige Anordnung der Knochen- blkchen und -spangen in zweckentsprechender Weise, so dass aufs Neue den Richtungen der grssten Druck- und Zugbeanspruchung die maximalen Widerstnde entgegen- treten. Noch manche derartige Beispiele Hessen sich an- fhren, aber das Gesagte mag gengen, eberall sehen wir eine gewisse Vernderlichkeit der Eigenschaften, berall ein zweckmssiges Anpassungsstreben. Dies im Zusanmienhalt mit dem Grundbegrift" von Zweckmssig- keit in der organischen Natur, den wir gewonnen haben, setzt uns endlich zur Entscheidung der Frage in den Stand, ob eine positive Hygiene mglich seiV Die Antwort hierauf liegt in folgender Frage : Knnen wir glauben, dass vom menschlichen Organismus, von den kr)r]ierliehen Eigenschaften, auf die wir Werth legen und Einfluss ben knnen, von der Festigkeit des Knochen- gerstes, der Kraft von Muskeln, Sehnen, Nerven, der Gewandtheit und Ausdauer in physischen Leistungen, dass von allem diesem nichts wandelbar sei, und dass wir beruhigt vom Erbe unserer Vter zehren knnen unter Culturbedingungen. welche an und fr sieh dahin streben, die geistige Leistungsfhigkeit des Menschen ganz vor- wiegend, beinahe ausschliesslich zu Oben, ganz vorwaltend das Gehirn in Anspruch zu nehmen, dessen Grsse nach Meinert ohnehin seit .Jahrhunderten in stetigem Wachs- thum begriffen ist"? Die Frage erlaubt keinen Zweifel. Unsere Ent- scheidung ist rasch gefunden, aber es heisst dann auch unverzglich ans Werk gehen. Es giebt positive, Ge- sundheit, krperliche Kraft und Rstigkeit fordernde Ein- flsse, und diese liegen unzweifelhaft in der Uebung der Krfte. Wir mssen physische Anforderungen an unseren Organismus stellen, dann wird er auch das Entsprechende leisten, und soweit wir das im Verlaufe der letzten Cultur- entwickelung versumt haben, gilt es dringend, dieses Versumni.ss nachzuholen. Es besteht die begrndete Hoffnung, dass dies mglich sei, unsere biologische Ein- sicht berechtigt uns dazu, vorauszusetzen, dass eine Aus- gleichung der Schdlichkeiten des Culturlebens, soweit sie in verminderter allseitiger Uebung und Anspannung der Krperkrfte liegen, durch eine zielbewusste Hygiene sich erreichen lsst. Der Degeneration mssen wir eine Regeneration entgegensetzen. Der Centralausschuss zur Frderung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland, auf dessen segensvolle Thtig- keit ich hier zum Schlsse besonders hinweisen mchte, ist sclion rstig am Werk. Turnen und S[)ortwesen frdern von ihrer Seite, und die militrische Dienstzeit l)t unsere jungen Mnner. Aber, soviel bereits an einsichtsvoller Frderung auch von Seite der Staatsregierungen, nament- lich der preussischen, der Sache der Leibesbungen zu- gewendet wurde, noch ist es nicht an dem, dass die Ver- treter der Hygiene sieh beruhigen knnten, noch ist die grosse Bedeutung der Angelegenheit nicht durchgedrungen, der Einfluss auf die Schule nicht genug zu lebensvoller Geltung gelangt. Wir mssen mehr verlangen, wir mssen unbedingt auf Gleichberechtigung der geistigen und krperlichen Jugenderziehung liestehen, und diese kann nur dann als gewhrleistet gelten, wenn der krperlichen Ausbildung ein grsserer Theil der Zeit als bisher gewidmet, wenn sie nicht mehr als Nebensache, sondern als eine Haupt- sache betrachtet wird, was schon durch die Eintheilung der Tageszeit zu kennzeichnen wre, indem die Vormittags- stunden der geistigen Arbeit, wenigstens zwei Naclimittags- stunden tglich aber regelmssigen krperlichen Uebungen gewidmet werden. 54 Naturwisseiiscliaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 5 Die Herstellung von Abgssen von Fossilien im Geologischen Museum zn Ottingen. Von Fossilien inul anderen Gegenstnden, welche nur als Bas-Reliefs hervorragen, knnen ohne besondere Schwierigkeit Ab- drcke vermittelst einer plastischen, ev. spter erhrtenden Masse genommen werden, sei dies nun Thon, Wachs, Paraffin, Stearin, ein Harz oder Harzgemisch, Guttapercha, Leim, Gyps oder Aehnliches, und von einem solchen Nega- tiv ist ein Abguss in Gyps, Schwefel, Thon etc. leicht herzustellen. Ebenso knnen auch Ammoniten und andere rundum begrenzte Krper nach einander von beiden Seiten ab- geformt und abgegossen werden, und beide Hlften an- einander gefgt werden. Kaum zu vermeiden ist aber hierbei eine Deformation, eine zu grosse oder gelegent- lich auch zu geringe Dicke des Krpers, ebenso wie bei der Methode, das Negativ aus einer Anzahl einzelner Gypsstcke zu giessen, wie dies namentlich bei strkeren Skulpturen, Hhlungen etc. angewendet wird; zudem sind die Gussnhte oft ziemlich dick und strend, und die einzelnen Stcke der Formen zeigen nicht selten eine, wenn auch geringe Verschiebung gegeneinander. Ausser- dem wird der abzuformende Gegenstand, um das leichte Ablsen von Gyps, Leim etc. zu ermglichen, vor dem Abformen oft mit Gel, Terpentinl, Lack etc. bestrichen, und lsst sich nachher nur unvollkommen oder doch schwer wieder von diesem Ueberzug reinigen. Es ist jedenfalls besser, eine ziemlich dicke Lsung von Seife in lauwarmem Wasser zu verwenden, welche sich spter leicht und voll- stndig wieder abwaschen lsst. Einzelne sehr tchtige Prparatoren grsserer Museen oder sonstige Techniker haben nun ohne Zweifel vor- zgliche Methoden zur Herstellung von Abgssen ange- wendet, sind aber wohl gestorben, ohne ihr Verfahren Anderen mitzutheilen, oder vermeiden auch wohl, dies zu thun. Das im Geologischen Institut zu Gttingen ausgebildete Verfahren zeigte nun immer noch allerlei Mngel, konnte aber zum Theil verbessert werden in Folge ausfhrlicher Mittheilungen, welche einige Directoren anderer Museen gtigst ber die bei ihnen angewendeten Methoden machten. AVenn das hiernach verbesserte Verfahren nun hier verffentlicht wird, so gescliieht dies zum Theil in der Absicht, Anderen damit einen Dienst zu erweisen, zum Theil aber auch in der Hoffnung, von Anderen noch bessere Methoden und Handgritl'e zu erfahren. Zum Abformen wird nicht Leimgallert oder Leim mit Seifenwasscr oder Oel, sondern Glycerinleim ver- wendet, welcher besonders elastisch ist und nicht so leicht durch Verdunstung oder Aufnahme von Wasser sein Vo- lumen verndert und somit Verzerrungen der Abgsse bedingt. Der Glycerinleim wird, wie bekannt, hergestellt, in- dem man Leimtafeln im Wasser in einem kalten Raum vollstndig autVjuellen lsst, dann wiegt und nach ln- gerem Erhitzen mit 80 bis 90 Procent des Gewichtes mit Glycerin vermengt. Diese Masse kann immer wieder geschmolzen und zu neuen Formen verwendet werden, muss aber inmier so weit abgekhlt werden, dass sie sich eben noch giessen lsst, mindestens auf 30 Grad R., damit sie sich von den ab- zugiessenden Krpern leicht ablst, und diese miLssen vorher recht kalt gestellt sein, zumal, wenn sie starke Skulpturen, Spitzen etc. hal)cn. Mit diesem Glycerinleim knnen aber Ammoniten bis auf etwa zwei Drittel ihrer Dicke abgegossen werden, am ein- fachsten, indem man sie mitSeifcnlsung einpinselt, trocknen lsst, in einen nicht zu engen Ring von Oelpapier legt, dessen Boden etwa ein Glas ist, und mit Glycerinleim umgiesst; nach dem vollstndigen Abkhlen desselben in einem kalten Raum schneidet man soviel Glycerinleim von der Unterseite des abgeformten Krpers fort, dass dieser sich heraus- nehmen lsst, und giesst Gyps dafr hinein, wie spter ausfhrlicher beschrieben wird. Soll der Krper, oder sagen wir Ammonit, sehr genau ringsum abgegossen werden, so werden zunchst Guss- ksten oder Rahmen zusammengenagelt, zwei rechteckige, gleich grosse Rahmen von dnnen Brettcheu, wie Ci- garrenkistchen oder dergl., mindestens um die Hlfte breiter, lnger und tiefer, als die betreffenden Ammoniten; der Boden wird nur zu einem kleineu Theile aufgenagelt, nur eben gross genug, um die Rahmen rechteckig zu er- halten. Die oflenen Seiten der Rahmen werden aufein- ander gestellt, und auf zwei gegenberliegenden Seiten des einen wird, nicht ganz in der Mitte, aussen je eine schmale Leiste aufgenagelt, senkrecht gegen den Rand, so dass sie l)er diesen einige Centinieter auf den anderen hinwegreicht, und auf diesem werden dann auf jeder Seite der berragenden Stcke je eine krzere Leiste befestigt, so dass eine seitliche Verschiebung der Ksten unmglich wird, und diese selbst sicher immer in dieselbe Lage zu einander gebracht werden knnen. In den einen Kasten wird hierauf ein Futter von zhem Thon gestrichen, welches eine ovale Wanne bildet, doch so, dass diese die kurzen Seiten an dem offenen Rande noch eben berhrt, die langen Seiten des Kastens aber in grsserer Aus- dehnung. In diese Wanne wird dann, genau bis zum offenen Rande des Kastens, Gyps gegossen, oder event. spter ein Ueberschuss nachher wieder entfernt, und auch vor dem vlligen Erhrten eine Vertiefung ausgehhlt, welche spter den Ammoniten zur Hlfte aufzunehmen hat, so dass eine frmliche Schale entsteht. Diese wird aussen und innen wiederholt lackirt (mit einer Lsung von Schellack in Spiritus) und dann etwas mit Oel be- strichen, hierauf benutzt, um nach Entfernung des Thous an dessen Stelle in die Ksten Gypswannen zu giessen, erst in den einen, dann in den anderen, so dass diese, aufeinandergestellt, eine eifrmige Hhlung umschliessen. In den Boden dieser Wannen, welcher in der Mitte kaum 0,5 cm dick zu sein braucht, wird je ein Luftloch von 2 bis o mm Weite gebohrt und, mglichst in einer Ecke, je eine trichterfrmige Eingussffnung, welche innen etwa 1 cm weit sein kann. Beide Wannen werden dann innen gut lackirt und etwas eingelt und knnen, ebenso wie die Ksten und die Schale, immer wieder benutzt werden. In die Wanne wird dann eine entsprechende Menge von ziemlich zhem Thon gethan, und in diesen der Ammonit so tief hiueingedrckt, dass er zur Hlfte ber den Rand hervorragt, und der Zwischenraum zwischen der Wanne und dem Anunoniten wird noch sorgfltig bis zum oberen Rande der Wanne mit Thon ausgefllt und oben ganz glatt gestrichen, und dieser Thon oben mit Oel bepinselt, die freie Hlfte des Ammoniten aber mit einer ziemlich starken Lsung von Seife in lauem Wasser, be- sonders sorgfltig an rauhen Stellen und einsi)ringenden Ecken, und einigermaassen getrocknet. Dann wird die Schale in die eine Wanne gesetzt, und auf die Fuge zwischen beiden ein schmaler, aber vollstndig ununter- brochener Streifen von ziemlich weichem Thon gelegt, welcher bei dem nun folgenden Aufeinanderlegen und -drcken der Ksten und Wannen eine vollstndige Dichtung der Fugen ahgiebt. Durch die Eingussftnung der leeren Wanne wird dann hinreichend abgekhlter Glycerinleim bis oben oder fast bis oben eingegossen, und das Ganze einige Stunden an einen khlen Ok gestellt, bis der Glycerinleim mg- lichst fest geworden ist, und bei sehr behutsamer und all- mhlicher Trennung der Ksten und Wannen vermittelst XII. Nr. 5. Naturwissen.schaftliche Wochenschrift. 55 Zwischenschieben eines Messers der Ammonit nebst Tiion und Schale auf dem Glyceriuleini haften bleibt. Vor- sichtig wird nun die Sehale abgehoben und der Thon vollstndig von dem Ammoniten entfernt, und endlich dieser selbst ganz langsam und alinihlicii aus dem Glyceriuleim herausgehoben, ev. gewaschen und getrock- net, aber gleich wieder hineingelegt, mit Seifenlsung bestrichen und getrocknet, der Glycerinleim oben mit Oel, die Thondichtung wird entfernt und durch eine neue ersetzt, beide Ksten aufeinandergedrckt, und die jetzt leere Wanne ebenfalls ganz oder nahezu voll Glyce- rinleim gegossen. Wenn dieser erstarrt ist und nebst Kasten und Wanne von dem zuerst gegossenen getrennt wird, so hlt er den Aramoniten fest, und dieser wird wiederum ganz langsam und vorsichtig herausgehoben. Von einer geeigneten Stelle dieser Formen, also bei Ammoniten etwa von der Mndung aus, wird nunmehr, in jeder zur Hlfte, durch Glycerinleim, Gypswanne und Holzrahmen nach aussen eine Eingussftnung fr Gyps geschnitten, welche innen, an der engsten Stelle, nicht unter 1 cm weit ist, und daneben ein etwa 2 mm weites Luftloch von der dem Rahmen zunchst liegenden Steile der Form aus. Beide Rahmen werden nun aufeinander gelegt und zusammengebunden, durch Einschieben von Holzkeilen zwischen Bindfaden und Rahmen noch fester aufeinander gedrckt, und nun wird endlieh Gyps ein- gegossen, wobei natrlich eine Verstopfung des Luftloches zu vermeiden ist. Der gebrannte Gyps nuiss auf das Feinste gemahlen sein, so dass auch nicht das kleinste Krnchen darin zu fhlen ist, und muss vor dem Brennen gemahlen sein, nicht umgekehrt. In eine dem Ammoniten an Volumen gleiche Wasser- menge wird der Gyps in mglichst feiner Vertheilung eingestreut, bis ber dem untergesunkenen Gyps gar kein Wasser mehr steht; die Masse wird schnell umgerhrt, das Gefss einige Male aufgestossen, um Luftblasen an die (Jbertlche zu treiben, sodass sie sich zurckschieben lassen, und endlich schnell gegossen. Ntzlieh ist es, gleich nach dem Giessen den ganzen Apparat nach ver- schiedenen Richtungen aufzustossen , zumal wenn der Gypsbrei verhltnissmssig dick ist. Nachdem der Gyps hinreichend fest geworden ist, bei dem in Gttingen benutzten nach 2U bis 25 Minuten, wird das Band um die Kstchen gelst, und diese selbst werden durch Einschieben eines Messers oder dergleichen behutsam von einander getrennt, zuerst auf der Seite, auf welcher der Ammonit am dnnsten ist oder aus an- deren Grnden sich voraussichtlich am leichtesten ablst. Dann wird der in der Eingussffnung steckende Gusskopf abgeschnitten, unter den Stumpf ein flacher, rundlicher Stichel oder Hebel geschoben, um den Abguss auch aus der anderen Hlfte der Form zu lften, vorsichtig heraus- genommen und bis zum vollstndigen Erhrten zur Seite gestellt. Man kann aber auch durch das Eingussloch in den Gyps gleich nach dem Giessen ein Holzstbchen, StreicLholz oder dergleichen stecken, und an diesem den Abguss herausheben. Wird der Gypsabguss zu lange in der Form gelassen, so erwrmt er sich oft so weit, dass die Oberflche des Glycerinleims schmilzt; wird er ein wenig zu frh herausgenommen, so bleibt leicht an einzelnen Stellen eine dnne Gypshaut in der Form sitzen, und dem Abguss fehlt dann hier die Skulptur. Diese Gyps- haut bleibt brigens gewhnlich auf dem nchsten, schon besser erhrteten Abguss haften, braucht also nicht aus der Form entfernt zu werden. Die Abgsse knnen, so- bald sie sich nicht mehr kalt anfhlen, also das l)er- schssige Wasser verloren haben, erwrmt un',... und A, B. C, . . . Constanten sind. Man hat also, wenigstens fr elektrische Krfte, statt aller berhaupt denkbaren Functionen von r nur diejenigen Functionen f{r) zu untersuchen, welche vorstehende Form besitzen. Das in dieser Formel ausge- sprochene Gesetz bezeichnet der Herr Verfasser als das Ex- pouentialgesetz. Soll also fr ein System elektrisch geladener Conductoreu unter allen Umstnden ein elektrischer Gleich- gewichtszustand existiren, so mssen die elektrischen Krfte dem Exponentialgesetz entsprechen. Die weitere Untersuchung ergiebt nun ferner, dass auch umgekehrt aus der Annahme des Exponeutial gesetzes stets die Existenz eines, und nur eines elektrischen Gleich- gewichts folgt, falls die Constanten , , y, . . . smmtlich positiv und die Constanten ^4, B, C, . . . gleiches Vorzeichen besitzen. Nachdem so alle mglichen Functionen bestimmt sind, welche mit der Forderung eines elektrischen Gleichgewichtszustandes vertrg- lich sind, wendet sich die weitere Untersuchung auf die Erforschung der allgemeinen Eigenschaften dieser dem Exponentialgesetz ent- sprechenden Functionen, worauf wir jedoch hier wegen des mathe- matischen Details nicht nher eingehen wollen. Man kann natrlich nicht erwarten, dass die im vorliegenden Werke entwickelten Untersuchungen auch sogleich eine physika- lische Verwerthung finden werden. Aber die oben auseinander- gesetzte Fragestellung ist sicher fr die Physiker ebenso inter- essant als fr die Mathematiker; die Leetre des Neumann'schen Buches ist ungemein anregend. Ref. ist den Darlegungen mit grsstem Interesse gefolgt, um so mehr, als er sich in hnlichen Ideen bewegt hat. Es erscheint nicht ausgeschlossen, dass knftig vou den in der besprochenen Schrift niedergelegten Entwickelungen auch in der theoretischen Physik Gebrauch gemacht werden kann ; wir mchten in dieser Beziehung besonders auf das siebente Capitel hinweisen, in welchem das Greeu'sche Gesetz ^(j-) ^ w -2, (o;g^< 1), behandelt wird, wobei sich die Mglichkeit ergiebt, die Theorie der Elektrostatik von den unendlich dnnen Schichten" zu befreien, die man wohl stets mit mehr oder weniger Misstrauen" anzusehen hat. G. C. E. Bergling:, Stereoskopie fr Amateurphotographen. Mit "23 Figuren. Berlin, Robert (>|ipenheim (Gustav Schmidt) 1S'.)6. Preis 1,20 M. Die Anfertigung von Stereoskopbildern ist fr lien Amateur- photographen, der Sinn fr vollendete Schnheit und naturgetreue Darstellung seiner Aufnahmen besitzt, nahezu unentbehrlich ge- worden. Die Litteratur bietet ihm aber wenige Anhaltspunkte in geeigneter Form fr die Herstellung solcher Stereoskopbilder und die Beschaffung einer dazu erforderlichen Camera. Das vor- liegende Bchlein frdert diese Zwecke, indem es in klarer Weise und mit Zuhlfenahrae von erluternden Figuren auf alle Fragen eingeht, welche sich auf die Forderungen au Bilder und Stereoskop, an die Camera und an die Anfertigung der Bilder beziehen. ^ Da die Fassung des Buches eine gemeinverstndliche ist, wird es jedem Amateur von grossem Nutzen sein. Schulte. Verlag von doppelten Ostwald's Classiker der exacteu WisBensohaften Wilhelm Engdinann in Leijizig. No. 76. F. E. Neumann, Theorie der -,,, , Strahlenbrechung abgeleitet aus den Gleichungen der Mecha- nik (1832). Herausgegeben von A. Wangerin. -- Preis 0.80 M. No. 711. H. V. Helmholtz, Zwei hydrodynamische Ab- liihalt ~~ handlungen. I. Ueber A\ irbelbewegungen (1858). II. Ueber discontinuirliche Flssigkeitsbewegungen (1868). Herausgeg. von A. Wangerin. Preis 1,20 M. No.80. H. Helmholtz, Theorie der Luftschwingungen in Rhren mit offenen Enden (1859). Herausgegeljen von A. Wangerin. Preis 2 M. No. 81. Michael Faraday. Experimental -Unter- suchungen ber Elektricitt. Herausgegeben von A. J. V. Oettingen. Preis 1,.50 M. No. 82 und 83. Jacob Steiner, Systematische Ent Wicke- lung der Abhngigkeit geometrischer Gestalten von einander. Herausgeg. von A. J. v. Oettingen. 1. Theil Preis 2 M. 2. Theil Preis 2,40 M. No. 84 und 85. Caspar Friedrich Wolff's Theoria gener ationis (1759). Uebersetzt und herausgeg. von Dr. Paul Samassa. 1. Theil Preis 1,20 M. 2. TheilPreis 1,20 M. Auch die aufgefhrten 8 Hefte zeigen wieder, mit welcher Sachkenntniss und Umsicht die Auswahl der Classiker getroffen wird. Das Unternehmen kann nicht genug gelobt werden; macht es doch Abhandlungen bequem und wahrhaft billig (viele der Hefte enthalten gemss der ( )riginalarbeiten Figuren und Tafeln) zugnglich, die der ernste Forscher nicht entbehren kann und doch so oft nur unter erschwerenden Umstnden in die Hnde bekommt. In No. 76 wird die berhmte Arbeit Neu mann s aus Poggen- dorff's Annalen bequem zugnglich gemacht und trefflich commen- tirt. in der er die Gesetze der Doppelbrechung streng deductiv aus mechanischen Principien ableitete, was freilich fast gleich- zeitig, doch so, dass Neumann die Prioritt verlor, von Cauchy geschehen war. Inwiefern jedoch die Arbeit Neumann's dennoch von classischem Werth bleibt, braucht dem Fachmann nicht ge- sagt zu werden und ist fr den Interessenten aus Wangerin's An- merkungen zu entnehmen. No. 79 und 80. Die Anmerkungen zu den beiden wichtigen (No. 79) Abhandlungen von Helmholtz (welche Abhandlungen von Helmholtz wren nicht wichtig?) nehmen nicht weniger als 30 Seiten ein. Wangerin bringt hier Notizen ber H.'s Leben und Werke, allgemeine Bemerkungen ber die im Heft abgedruck- ten Abhandlungen und speeielle Noten. Auch in Heft 80 sind die Anmerknng-en (S. 87131) zum Vortheil fr die meisten, die die Abhandlung benutzen wollen, sehr reichlich ausgefallen. No. 81. Die Faraday 'sehen Experimental-Untersuchungen umfassen 30 Bnde, von denen in Heft 81 die zwei ersten ge- bracht werden, die als ein in sich geschlossenes Ganze erscheinen; es ist die Uebersetzung J. C. Poggendorff 's aber in genau revi- dirter Fassung. No. 82/83; Auch zu den Heften, die Steiner gewidmet sind, hat Wangerin verhltnissmssig ausfhrliche Zuthaten ge- schaffen, die das Verstndniss ganz ausserordentlich erleichtern, namentlich durch die trefflich gelungene Bemhung, durch Zeich- nungen den Inhalt nher zu legen. Die Hefte bringen den Haupt- theil von Steiner's berhmtem Werk. No. 84/8.5. Das sehr bekannte Werk C. Fr. Wolff's in einer gut bersetzten Ausgabe zugnglich zu haben, wird vielen Biologen sehr angenehm sein; wie oft wird es genannt, und doch: wie viele haben lneingeblickt? Wie einst Lowes, der durch ganz Berlin strmte, um ein antiquarisches Exemplar zu ergattern, hat gewiss auch jetzt mancher Biologe nach der Arbeit gesucht, freilich mit geringerem Erfolg als der englische Schriftsteller und Naturforscher. Jetzt ist sie durch die vorliegende Ausgabe leicht jedem zugnglich. Centralblatt fr Anthropologie, Ethnologie und Urge- schichte. Herausgegeben von Dr. phil. et med. G. Buschan. I. Jahrgang 1896. Breslau 1896. J. U. Kern's Verlag (Max Mller). Preis 12 Mk. Angezeigt wurde die neue Zeitschrift Bd. XI No. 8, S. 95; der nunmehr vorliegende 1. Bd. derselben von 384 Seiten bringt die folgenden Original-Mittheilungen. G. Sergi, Der Ursprung und die Verbreitung des mittellndischen Stammes. P. Orsi, Die Nekropolo von Novilara bei Pesaro und ihre Stellung in der Vorgeschichte Italiens. A. v. Trk, Ueber einige charakteristische Unterschiede zwischen Menschen und Thier- schdel. J. Villi. Hultkrantz, Ueber die Krperlnge der schwedischen Wehrpflichtigen. Ausserdem enthlt der Band eine grosse Zahl Referate zur Anthropologie, Ethnologie und Rassenkunde, sowie Urgeschichte. Schliesslich werden Versamm- luiigs- und Veroinsberichte, Notizen zur Tagesgeschichte und Biblio- graphische Uebersichten gebracht. ; 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. 26. September 1896 (I.) Die Herstellung von Abgssen von Fossilien im Geologischen Museum zu Gttingen. Erreger der epidemischen Genick- starre. Neue Untersuchungen ber Abnormitten. Ein neuer fossiler Afie. Ueber die Vernderungen der Erdoberflche im Umkreis des Kantons Zrich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der See Faguibine, ein neuer afrikanischer Landsee. Ueber die V eiflssigung der Luft und Untersuchungen bei niederer Temperatur. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litterafur : C. 1. Kammelsberg, Handbuch der Mineralchemie. G. Rohrbach, Vierstellige logarithmisch-trigonometrische Tafeln. C. Neumann, Allgemeine Untersuchungen ber das Newton'sche Princip der Fernwirkungen mit besonderer Rcksicht auf die elektrischen Wirkungen. C. E. Bergling, Stereoskopie fr Amateurphotographen. Ostwald's Classiker der exacten Wissen- schaften. Centralblatt fr Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 60 Naturwissenschaftliclio Woclicnsclirift. XII. Nr. 5. Silberne ]VIeclaille 1890 der Iiitenuitionali'ii Amateiir-Ausitellunc; Berlin. Photographlsche Apparate und Bedarfsartikel. Alleinvertrieb der Westeiidorp & \Velmer"-I*latteii (jetzt: Act.-Ocs fr Troekenplattenfabrikation vorm. W. & W.) Pillnay'sclie Lacke. Max Steckelmann, Berlin W. 8, Leipzigerstrasse 33 I. In Ferd Dmmlers Verlagsbuchhandluiig in Berlin SW. 12 orsclieineu : Mitteilungen der Vereinigung ?oii Freiiiieu fler Astrouoniie iiuil kosinisclieu Physik. Redigiert von Prof. Dr. W. Foerster zu Berlin. Jhrlich 1012 Hefte gr. 8. Preis pro Jahrgang 6 M. Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postaustaltou. Die Mitglieder der genannten Vereinigung erhalten obige Mit- teilungen gratis. Beitrittserklrungen sind an den Schriftfhrer der Vereinigung, Herrn Dr. P. Schwahu, Berlin Vf., Bajreutherstr. I zu ricliten. Lethaea" Geolog, u. technol. Handl. v. Dr. Monke Grlitz. Wegen Aufgabe des Geschftes Mineralien, Gesteine, Petrefacten mit 40% Rabatt. Ausfhrl. Lagerverzeichn. portofrei. In Ferd. Unimlers Verlagsbiich- haudlung in Berlin SW. 12 er-schien: Einfhrung in die Bltenbiologie auf blstorischer Grundlage. Von E. Loew, Professor am kngl. Realgymn. in Berlin. 444 Seiten gr. 8. Preis (3 M., geb. 7 M. Dnnschliffe von Gesteinen pro Stck 60 Pfg. fertigt an Theob. Botz I. Giiiisbaeh a. 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Elemente, die beim ' Mineralien, aus denen ThO, Auer'scheu Gas- ' ^^^ ^j^ q^^,^^ ^^^ seltenen t?a"ht gekmme;, : Erden gewonnen werden Hauptscliliche chemische Bestand- theile derselben Gehalt in Procent der Handelswaare (hauptschl. nach L. Schmelck) an Oxyden der ; _, , seltenen Erden* " Thoroxyd Thorium Cer Yttrium Lautlian Maf!;nesium Zirkonium Nts als aus- gezeichnete Fundstellen von Fossilien etc. oder als Punkte, nach denen geologische Formationen benannt sind. Ferner sind die wichtigsten Eisenbahnen verzeichnet. Was die geologisclie Ausfhrung anbelangt, so war vor Allem der Gesichtspunkt maassgebend, dass die Karte eine Uobersichts- kartc sein sollte. Dies bedingte jedes Fernhalten von Einzel- heiten und eine Beschrnkung in der geologischen Gliederung: es konnten daher nur die Hauptabtheilungen der einzelneu For- mationen bercksichtigt werden. Alsdann war sehr grosses Ge- wicht zu legen auf die Wahl der Farben. Diese ist eine muster- giltige. Die Farben sind so gewhlt, dass das ganze Bild ein vollkommen harmonisches ist. Nirgends wird das Auge durch grelle Farbenunterschiede beleidigt, und doch stellen sich die grossen Zge des Kartenbildes dem Leser klar und bersichtlich dar. Die Vertheilung der Farben ist eine derartige, dass fr jedes System (Formation) eine Grundfarbe gewhlt ist, und die Unter abtheilungen einer jeden durch Abtnen derselben Farbe gekenn- zeichnet werden. Ausserdem trgt jedes Farben-Bild ein Buch- staben-Symbol, welches, wenn mglich, der Anfangs-Buchstabe des Formations- oder System -Namens ist, z. B. Kreide (cretace) c, Jura i, Trias t, Perm p etc. Die Unterabtheilungen der einzelnen Formationen fhren neben dem Buchstabensymbol noch eine Zahl, so dass die unterste (lteste) Abtheilung 1 fhrt, die darber- liegenden ihrem Alter entsprechend der Reihe nach die hheren Zahlen, z. B. Oberdevon d,, Mitteldevon da, Unterdevon d,. Neben diesen grossen Zgen sind aber auch besonders wichtige, mehr oder weniger local beschrnkte Ausbildungen (Facies) einzelner Formationsglieder zur Darstellung ge- bracht worden: Der im Tertir (Oli- gocaen und Eocaen) und in der Kreide auftretende Flysch wird durch blaue Punktirungund das Symbol '/ auf der betreft'enden For- matiousfarbe aus gedrckt. Durch schrge , blaue Schraft'ur mit dem Symbol iii^('lie C^aiiiera zum Aufsetzen auf den Tubus jeden beliebigen MIkroskopes. Die Camera wird fr Plattentorm.ite von 7x7 eni bis zu 9x12 cni geliefert. Gewicht der Camera (fr 7x7) mit ge- fllier Ooppelcassette ca. 160 Gramm. Beschreibung und ausfhrliche Preisliste, nut.Gr. auch ber die erforderlichen photograpliisehen Utensilien, gratis und franco. 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Dadurch ist l)ewie.sen, dass die Niederung von Nicaragua zur Diluvialzeit ein Meeresarm war, dureil den sehr wold der (iolfstrom nach dem Stillen Oeean hinberstrmen konnte, statt durch den Mexika- nischen Meerbusen und um die Sdspitze von Florida in den Atlantiseilen Ocean zurekzubiegen und Europa zu erwrmen. *) Audi JI.'utibm-hcM-, Kicf'oni-, Fichten-, Ki-lon-, Weiden-, Pappe]-, Hasel nuss-, Kielien-, Linden- und Stecli)ialMien-Reste wurden gefunden (vergl. u. !i. Natui'w. Woelienseln-. Hd. VII S. 451). - Ued'. Ohne den Golfstrom htten wir hier in Europa wieder die Eiszeit und eine Erniedrigung der Temperatur von etwa 10" C. Whrend der iiiterglacialeii Periode der Lss-Bil- dung herrschte in den westeuropischen Stei)])cn eine wenig niedrigere Temperatur wie zu den Eiszeiten; denn wir finden im Lss zum grossen Theil dieselbe nordische Fauna, welche zur jngsten Eiszeit Europa bewohnte. Dagegen mssen die atmosjihrischen Niederschlge so stark an Menge abgenommen haben, dass die Glefsclier sich auf Skandinavien und die Alpen zurckzogen. Dieses trockenere Klima der letzten Interglacialzeit k('innte da- durch hervorgerufen worden sein, dass im Westen von Europa nicht ein ^leer, sondern zum grisseren Tiieil Land gelegen war, die versunkene Atlantis, von der im Altcrthum die Sage noch Kunde gab. Dass eine Land- verbindung durch den nrdlichen Atlantischen Ocean hin- durch von Europa nach Nord-Amerika zur Diluvialzeit wenigstens zeitweise bestand, wird durch eine Reihe von Beobachtungen ber die nahe Verwandtschaft der jngsten Fauna von Europa und Nord Amerika besttigt. Der Manatus z. B., eine Seekuh, wohnt in den Fluss- mndungen und an den seichten Ksten sowohl von Brasilien, Venezuela und Columbien jenseits des At- lantischen Oeeans, als diesseits an der tropischen West- kste von Afrika, in Sencganibien und im Meerbusen von Guinea wohnt. Unmglich konnte dieses schwerfllige und grosse Thier den Atlantischen Ocean durchschwimmen; es musste zur Diluvialzeit an der Sdkste der jetzt ver- sunkenen Atlantis entlang von Westen nach Osten her- bergewandert sein. Durch eine Verbreitung des europischen Continentes nach Westen mittelst der Atlantis wrden die deutschen Lsssteppen so weit vom Ocean entfernt liegen, wie jetzt die sdrussischen Step])eii. Wir wrden demnach als Ursache der Vereisung und der Steppenzeit Europas im allgemeinen die verschiedenartige Vertheilung von Con- tinent und Ocean zur Diluvialzeit ansehen. Der Mensch der Interglacialzeit von Taubach bei Weimar*) lebte noch mit dem Elephanten zusammen; der Mensch kurz nach der letzten Eiszeit von Scliussenried bei Biberach und von Schweizeiliild bei Schart'hausen**) besass bereits Rennthierherden; bei Schussenried wurde auch die subarktische Flechte gefunden, die noch jetzt in Norwegen, auf Island und in Grnland die Nahrung des Renntbieres bildet. Der Mensch dieser jngsten Diluvial/.eit wird prac- historisch als Mensch der lteren Steinzeit iK'zeicliiu't, der Steinzeit, in welcher der Mensch seine Steinwerkzeuge roh zusehlug, im Gegensatz zu der jngeren Steinzeit, in welcher sich die polirten Steinwerkzeuge vorfinden. Whrend der jngeren Steinzeit breiteten sich bereits die Wlder in Deutschland aus ber die frheron Steppen: der Hirsch tritt an die Stelle des Renntliicrcs: auch die brige Fauna beweist, dass das Klima milder als whrend der lteren Steinzeit geworden war. Hierher in die jngere Steinzeit gehren die Pfahlbauten der Schweizer-, der oberbayerisehen, der sterreichischen und italienischen Seen, deren Reste bereits eine hhere menschliche Cultur aufweisen: die zahmen Hausthiere erscheinen in grossen Menge als Begleiter und Ernhrer des Menschen; Mahl- steine beweisen den Getreidebau; Netze und Gewebe, Urnen und Gefsse zeigen die grssere Handfertigkeit; vor Allem deuten hier die eisten Bernsteinfunde und die ersten polirten Steinbeile aus Nephrit auf Handels- beziehungen zur Ostseekste und zum fernen asiatischen Osten. "*) Vergl. Naturw. Wochensein-. IM. X S. 3G9 und 522. Red. ) Vergl. Naiurw. Wochensein-. Bd. VIII No. 10 Red. XII. Nr. 7 Naturwissenscbaftlicbe Wocheuschrift. 75 In der neolitliisclien Scliielit unter den Felsen des Sehvveizerhildes bei Schaft'liausen sind zwei von einander verschiedene Rassen des Mensclien der jngeren Steinzeit g-efnnden worden, eine kleinere und eine .grssere Rasse; es wre niiiglieb, dass die zweite Rasse aus der Fremde, vernuitidieb aus ( )sten, in unsere Gebenden einwanderte und die bbere Cnltur der jngeren Steinzeit niitbraclite. Dadurch Hesse sich der grosse Gegensatz erklren, der zwischen dem Jger- und Nomadenvolk der lteren und den ansssigen Ackerbauern der jngeren Steinzeit besteht. Einen noch weit grsseren Fortschritt und Umschwung im Cultnrleben der praehistoriscben Vr)lker Europas brachte die Entdeckung und Verwendung der Metalle. Kein menschlicher Beruf wird in den ltesten Sagen aller Vlker so hoch geehrt wie die Kunst des Schmiedes, mag er nun Thul)alkain, Hephaestos, Vulkan oder Wie- land beissen. Die Sprachvergleichung hat nachgewiesen, dass die indogermanischen Vlker bereits vor ihrer Tren- nung das Kupfer kainiten. Die (Jriechen brachten das Wort Xttkxc, Kui)fer, schon ans ihrer iranischen Ileimath mit; die Bronze erhielten sie erst spter, vermuthlieh durch die Ph(nizier. Auch die alten Aegypter haben zuerst das Kupfer gekannt; erst spter erscheint die Bronze, zuletzt das Eisen. Elbenso fand sich in den Gralsttten der alten fndicr reichlieh das Kupfer, selten die Bronze. Desgleiciicn drften die Grabfunde im nrdlichen Europa eine Kupferzeit von der Bronzezeit nunmehr besttigen. Es erscheinst auch als das Natrlichste, dass der Mensch zuerst auf das Kupfer aufmerkam wurde, weil dieses Metall iiutig gediegen in seiner glnzend rotlien Farbe in den Bergen Asiens vorkonuut, whrend die Bronze knstlich aus Ku])fer und dem seltenen und niclit in ge- diegenem Zustande auftretenden Zinn zusammen legirt werden musste. Das Eisen endlich wurde erst in ver- hltnissnissig spter Zeit entdeckt: es findet sich auf der Erde nicht in gediegener Form; Kupfer und Bronze wurden geschmolzen und gegossen, das im Holzkohlen- feuer schweissbare Eisen musste geschmiedet werden. Eine neue Vlkerwanderung, und zwar vielleicht die Ein- wanderung der Indogermanen, knnte das Ku])fer und die Bronze nach Europa importirt und so die Steinwerk- zeuge allniidicli verdrngt haben. Dass Steiumesser auch in der Metallzeit bei gewissen religisen und alt- heiligen Handlungen immer noch in Gehrauch blieben, finden wir berall bei den Vlkern der alten Welt. Die Aegypter haben sich zu allen Zeiten der Stein- niesser zu gewissen Zwecken bedient: bei der Mumisirung der Leichen wurde der Leib des Todten mit einem Feuersteinmesser aufgeschnitten; die Form dieser Feuer- steinmesser gleicht vollkommen den Messern aus der lialaeolithiscben Zeit Europas; sie wurden ebenso mit der Iland zugeschlagen und nicht polirt wie jene. Auch bei den Rmern mussten gewisse Opferschlachtmes.ser aus Stein geformt sein. Elienso verwendeten die Juden zu gewissen religisen Handlungen steinerne Messer. Diese altbeiligen (iabruche in historischer Zeit beweisen den engen Zusanimhang der spteren Metall- mit der frheren Steinzeit. Die Bronzen der alten Aegypter zeigen in der Regel dieselbe Lcgirung wie die Bronzen des praehistorischen Europas: 12 bis 14 "o Zinn auf 86 bis 88 /o Kupfer. Schon im 14. Jahrhundert vor Christi Geburt steht die Erzbildnerei in Aegypten auf hober Stufe; eine Bronze- statuette des Knigs Ramses II. ans dem 14. Jahrhundert zeigt feinste Bearbeitung und ist hohl gegossen. Auch viele Kupfersacben mit wenig oder keinem Zinngebalte haben sich in den altgyptischen Grbern gefunden; die Inschriften berichten wiederholt, dass den alten Aegyptern das Kupfer aus Asien gebracht wurde, und zwar von den Assyriern. In der That geben die sumerischakkadischen Keilinsehriften des alten Ninive das lteste geschriebene Zeugniss von der Legirung der Bronze aus Kupfer und Zinn. Das Zinn erhielten die vm-derasiatischen Vlker aus den Bergwerken im I'ardpamisos, dem Gebirge nrd- lich des heutigen Afghanistans; das Kupfer vermutblich aus Indien. Jedoch besassen die Aegypter auch eigene Kupfergruben auf der Sinai-Halbinsel. Die altgyptische Cultur und Kunst wanderte ber die Inseln des Aegischen Meeres nach Griechenland. Der Knig Tuthmosis III., der in der ersten Hlfte des 15. Jahrhunderts vor Christi Geburt in Aegypten regierte, rlnnt sich auf Inschriften, die Knige der Kefti" und die Inseln des Aegischen Meeres unterworfen zu haben; Bildwerke stellen diese Kefti" dar, wie sie als Tribut dem gyptischen Knige Goldgefsse darbringen, welche den Mykenischen Goldgefssen durchaus gleichen. Die Kefti" waren die Vlker, welche damals Griechenland bewohnten. Es konnut hinzu, dass mykeniscbe Thon- gefsse neuerdings in Aegypten in Grbern der 18. Dy- nastie, das ist aus dem 15 Jahrhundert vor Christi Ge- burt, gefunden wurden. Endlich fgte es ein besonders glcklicher Zufall, dass Scbliemann aus den Knigsgrbern der Burg von Mykenae drei Stcke gyi)tischer Gefsse ausgegraben hat, versehen mit Inschriften, die alle drei fibcreinstinnnend den altgyptischen Knig Amenojihis III. und seine (xemablin Ti nennen; dieser Knig regierte in Aegypten vierzig Jahre lang in der zweiten Hlfte des 15. Jahrhunderts vor Christi Geburt. Die Knigsgiber am Lwenthore von Mykenae gehren der griechischen prae- historischen Zeit an, die nun durch die ermglichte Ver- gleicbung mit der altgyptiseben Historie gewissermaassen in die historische Zeit einrckt. Die Bronze- und Gold- sacben, welche Scbliemann in Mykenae, Tiryns und Troja entdeckte, zeigen in ihren geometrischen Ornamenten und ihren Formen, auch in der Art ihrer technischen Bear- beitung vielfache Verwandtschaft mit den Grabfunden der lteren praehistoriscben Metallzeit des nrdlichen Europas. Es kann wohl kein Zweifel darber besteben, dass die schnornamentirten Bronzesachen und besonders die auf das feinste getriebenen Gefsse und Schmuckgegen- stnde aus Goldblech, wie sie in den Grl)ern des nrd- lichen Europas bis nach Skandinavien hinauf gefunden werden, als kostbare Importwaaren aus dem Sden, aus den Mittelmeerlndern und aus Vorderasien, eingefhrt wurden. Da die Vlker Europas ursprnglich aus dem Sdosten einwanderten, so ist es natrlich, dass sie auch stets Handelsbeziehungen zu den Lndern ihrer einstigen Heiniath unterhielten. eber die Nephrit- und Jadeit-Frage ist viel ge- schrieben worden; die ltere Annahme drfte Recht be- halten, dass diese kostbaren Waffen, Messer und Beile aus Nephrit und Jadeit als Im])ortwaare aus dem inneren Asien, wo beide Gesteiue reichlich vorkommen und noch heute verarbeitet werden, in die neolitbischen Wohnsttten des europischen Menschen auf alten Haudelswegen ein- gefhrt wurden. Noch sicherer kennen wir die alten Handelswege des Bernsteins, der zuerst in der jngeren Steinzeit, reich- licher in der Metallzeit als Sehmuck in ganz Europa und in den Mittelnieerlndern bekannt war. Der Bernstein stammt von der Ostseekste und wanderte einerseits durch Russland in die Kankasuslnder und nach Asien hinein, andererseits durch Ungarn nach der Adria, spter auch durch Germanien und Gallien nach Massilia. Wie auf diesen alten Haudelswegen auch Schtze umgekehrt vom Sden nach dem Norden gebracht wurden, zeigt der grosse Goldfund von Vettersfelde bei Guben in der Mark 76 Naturwissciischaltliclie VVochenschrilt. XII. Nr. 7. I'.raiuk'nburg-, diese vollstndiiie Praclitausriistuiii;- eines Iluptliuys stammt aus dem 6. Jahrliuudert vor Christi Geburt und weist ihrer Kunst nach auf eine Herkunft aus der Gegend des Schwarzen Meeres von den pon- tischen Skytlien. So weisen also alle Fden auf einen innigen Zu- sannneniiang der Vlker Europas und der Mittelmeer- lnder sowohl zu den praehistorischen als zu den ltesten historischen Zeiten. Wir finden dieselben Steinwaffen und Steinmesser mit der Hand zugeschlagen in der palaeolitischen Periode von Nordeuropa wie im nrdlichen Afrika; dieselben schn geschliffenen Steinwerkzeuge zur neoiitliischen Zeit; wir finden den Ursprung der Metallbereitung in Vorder- asien und die allmhliche Ausbreitung des Kupfers, der Bronze, endlich des Eisens in Fdrnien, welche eine ge- meinsame Herkunft und Handelsbeziehungen sowohl nach den Mittelmeerlndern als nach dem fernen Norden be- weisen. Zu diesen Funden und directen Beobachtungen fgt die vergleichende Sprachwissenschaft ihre llesultate: die drei grossen Noachischen Vlkerfamilien, die Hamiten, die Semiten und die Japhetitcn {= Indogermancnl, die sich von Anfang an durch eine tiefere Bildungsfhigkeit auszeichneten und die ausschliesslichen Trger der Welt- geschichte wurden, sind wie ein neuer Vlkerquell ber die bereits vor ihnen auf der Erde verbreitete Menschheit aus einer gemeinsamen Heimath in Asien hervorgebrochen. Von ihnen verliess am frhesten seine asiatischen Ur- sitze der Haniitische Stamm, zu dem die Aegypter, die Libyschen Vlker von Nord-Afrika, sowie die Aethiopicr, die Somal und Galla gehren. Danach zogen die Semiten aus und drngten durch Mesopotamien, Syrien und Arabien bis nach Aegypten. Am letzten wanderten die Indo- germanen aus ihrer iranischen Heimath : von ihnen wandten sich die arischen Vlker nach Indien, die europischen Indogermanen aber nahmen ihren Weg allmhlich durch die Kaukasus-Lnder nach dem sdlichen Russland, von wo sie in verschiedenen AVellen lngs der Donau hinauf einer- seits nach Italien, andererseits nach Deutschland gelangten. Als der khne Massiliote Pytheas im Jahre 325 vor Christi Geburt seine Entdeckungsreise in das Nordmoer ausfhrte, fand er am Niederrhein neben den Kelten die Teutonen oder Germanen. Die jetzigen Namen der Flsse und Gebirge am Rheine bis zum Harze, zum Thringer Wald und zum Fichtelgebirge hin sind zumeist keltischen Ursprunges, so dass die Kelten lange Zeit bis zur Weser, die Germanen stlich des Harzes bis zur Weichsel, end- lich weiter stlich die Slavcn gesessen haben mssen. Alle diese von Asien nach Europa hineinwogenden Vlker trafen auf ihren Wanderungen liereits auf ltere ansssige Stnmie, deren Sprachreste in Europa bei den Finnen, Basken und Albanesen sich erhalten haben. Die hamitischen Aegyiiter hatten dagegen aus dem Nilthale die Ncgerstnnnc Afrikas verdrngt|; unmittelbar an die liamitischen rothcn Aethiopicr grenzten von je und grenzen noch jetzt sd(istlich die schwrzesten von allen Negern. Vernuithlieh befanden sich bei der Einwanderung der Ha- miten in Afrika die dort ansssigen Negervlker im prae- historischen Sinne im Cultin-zustande der lteren Stein- zeit. Die Indogermanen dagegen wanderten wahrschein- lich erst am Ende der jngeren Steinzeit in Euiopa ein und brachten als wcrthvoUstes (Jcschenk das erste Metall, das Kupfer, mit aus ihrer asiatischen lleimath. Man hat vielfach versucht, fr die ])raehistorischcn Zeiten des Menschen in Europa bestimmte Daten zu ge- winnen und die praehistorischen Perioden nach Jahr- hunderten oder Jahrtausenden anzugeben. Wir hal>en gesehen, dass wir an der Hand der gyptischen Funde die Bronzezeit von Mykcnae l)is in das 15. Jahrhundert vor Christi Geburt hinauf fest bestimmen knnen. Weitere Berechnungen ber die Dauer der Steinzeit oder ber die Entstehungszeit der Pfahlbauten in den Schweizer Seen haben zu keinen sicheren Resultaten gefhrt; jedoch wird angenommen, die jngere Steinzeit habe bis ca. 2000 vor Christi Geburt gereicht, eine Zeitangabe, die wohl im Hinblick auf die gyptische Cultur, deren Blthe bereits in der Mitte des 2. Jahrtausend liegt, zu kurz gegriffen und weiter hinausgeschoben werden muss. Andererseits sind von englischen Geologen Berech- nungen ber die jngste Erdgeschichte auf Grund geolo- gischer Thatsachen angestellt worden, die von verschie- denen Ausgangspunkten aus bereinstinunend zu dem Resultate gelangten, dass die jngste Eiszeit in Europa nicht mehr als 6000 bis 7000 .Jahre, also 4000 bis 5000 Jahre vor Christi Geburt zurckliege. Wenn wir dieser Zeitangabe gegenberhalten, dass die (Tcschichte Aegyptens an der Hand einer ununterbrochenen Reihe von Monu- menten bis zum 3. Jahrtausend und unter der Gewhr zuverlssiger Annalen l)is gegen 4000 vor Christi Geburt zurckzuverfolgen ist; wenn wir bedenken, dass das alte Reich" der Aegypter eintrat in die Geschichte mit einer staunenswerthen Technik, mit einer ausgebildeten Sknl()tur und Jlalerci, mit einer geschftigen Industrie, mit einem kunstreich vollendeten Schrift.system, so ist damit auch gesagt, dass wir im alten Aegypten des 3. und 4. Jahr- tausends vor Christi Geburt nicht mit den Anfngen der menschlichen Cultur, sondern mit den Resultaten einer langen Reihe von Jahrhunderten zu thun halten. Wir gelangen dadurch mit den Anfngen der gyptischen Ge schichte in eine Periode hinauf, welche, geologisch ge- sprochen, in die Diluvialzeit und in die Eiszeit weit hin- einragt. Allerdings sind die Zahlen der ltesten gyptischen Geschichte vor dem Jahre 3000 vor Christi Geburt eben- so unsicher wie die Angaben, dass die jngste Eiszeit Europas in das 5. Jahrtausend vor Christi Geburt zu setzen ist. Indessen kommen wir auch auf einem anderen Wege der Ueberleguug ebenfalls zu dem Resultate, dass die lteste Cultur Aegyptens und Indiens bereits zu hoher Blthe gelangt war, als in Europa noch ein nordisches, ein kaltes Klima herrschte. Die eigentliche Culturzone fr den Menschen ist die gemssigte: in tropischem oder subtropischem Klima kann keine hohe menschliche Cultur wachsen oder fortbestehen. Wir waren bei unserer ersten Betrachtung zu dem Schlsse gelangt, dass whrend der jngsten Eiszeit und kurz nach derselben zur Rennthierzeit unsere Breiten in der kalten Zone lagen, whrend dementsprechend damals die gemssigte Zone bis ber tlas Mittelmecr, also bis in das nrdliche Afrika hinberreichte. Auch Nord-Afrika und Aegypten haben ihre Stein- zeit gehabt: die Didmen und Steinwerkzeuge aus Marokko, Algier und Tunis stimmen mit den nordeuropischen so sehr berein, dass wir hier wohl gleichzeitige Culturcn voraussetzen drfen. Ist es nicht verstndlich, dass die Vlkerschaften, welche zu den ltesten praehistorischen Zeiten in dem gemssigten Klima des nrdlichen Afrikas Sassen, weit rascher in ihrer Cultur fortschreiten konnten als diejenigen, welche in der kalten Zone Nord-Europas nach dem Eisbr und Polarfuchs jagten? Oder fragen wir umgekehrt: wie ist es gekommen, dass die hohe Cultur und Kunst der Aegypter, welche bereits ihre Inichste Blthe und Macht im 14. Jahrhundert vor Christi Geburt unter Ranises dem Grossen erreichte, allmhlich aus dem Sden der alten Welt verschwand, ber das Mittclmeer nach Griechenland und nach Italien wanderte und endlich an den Norden von Europa abgegeben werden XII. Nr. 7. Natnrwisscnscliaf'tlichc WocbeDschnft. 77 nmssteV Es ist dies eine uiiaiit'lialtsaiue Waiulenuii;' der nicnscldicben Cultur und der Volkerherrscliaft von Sden nacii Norden gewesen, die sich innerhalb von vier Jahr- tausenden vollzogen bat. Die landlufige Ansicht von dem Werden, Blhen und Vergehen der verschiedenen Volker kann auf diesen Frocess der Auswanderung der Cultur von Sden nach Norden keine Anwendung finden. Wenn ein Volk wie die Aegypter wirklich durch eigene Schuld in sich selbst untergegangen wre, warum sind nicht andere krftigere Vlker eingewandert, um die erschlafften Aegypter zu verdrngen und das fruchtbarste Land des Mittclmeeres zu besetzen? Warum sind germanisclie Vlkerschaften, als sie whrend der Vlkerwanderung im 5. Jahrhundert nach Christi Geburt bis in die sdlichen Spitzen von Europa, bis in den Peloponnes, bis nach Sd-Italien, bis nach Spanien und hinl)er nach Nord-Afrika gelangt waren, in diesen sdlichen Lndern alsbald wieder unter- gegangen, statt neue, lebenskrftige Reiche zu grnden? Dieser Rckzug der Cultur von Afrika bis in das nrdliche Europa kann wohl im letzten Grunde nur er- klrt werden aus den klimatischen Verhltnissen, welche sich in den fnf bis sechs Jahrtausenden seit den An- fngen der gyptischen Cultur andauernd zu Ungunsten von Nord-Afrika und der Mittelmeerlnder und zu Gunsten von Nord-Europa verndert iiaben. Von der Eiszeit an bis jetzt hat die Wrme im nrdlichen Europa stndig zugenommen; in demselben Maassc ist die mittlere Jahres- temperatur im sdlichen p]uropa, in Acgypten und Vorder- asien gestiegen. Fr diese Vernderungen im Klima der alten Welt knnen wir mannigfache Beweise aufUhren. Am empfindlichsten gegenber dem Klima sind die Pflanzen; unter vielen mag hier ein Beispiel gengen. Die Weinrebe war bei uns am Mittelrhein vorhanden vor der Eiszeit: wir finden die Weinbltter und die Trauben- kerne zahlreich in den jngsten tertiren Braunkohlen- lagern der Wetterau. Die Eiszeit verdrngte den Wein- sfock vollstndig aus Europa, und mit der ganzen brigen Flora jener Zeit wanderte damals der Weinstock nach dem sdwestliehen Asien aus. Erst die lteste griechische Cnltur brachte den Weinstock aus Persieu und Klcinasien wieder nach Griechenland und nach dem sdlichen Eu- ropa zurck. Bekanntlich wurde in Deutschland die Weinrebe erst von den Rmern wieder angepflanzt, und zwar soll der Kaiser Prolins, der in den Jahren 27G bis 282 nach Christi Geburt regierte, die ersten Weinberge am Rhein angelegt haben. Im frhen Mittelalter hatte sich die Rcbencultur bis nach dem Norden Deutschlands verbreitet: die Ritter der Marienburg bepflanzten die Hgel am Weicbselufer mit Reben und kelterten wie die Kloster- brder im ganzen nrdlichen Europa bis nach Jtland und England ihren eigenen Wein. Wenn man hierfr die Schuld dem damaligen rauheren Geschmack des menschlichen Gaumens beimessen will, so stellt man die Diagnose auf der falschen Seite: es giebt zwar Menschen, die einen sauren Wein trinken mgen, aber es giebt keine Reben, die ein kaltes Klima vertragen. F'alls nian heute einen Weinberg in stprcussen anlegen wollte, so wrden die Reben im ersten Winter vollstndig erfroren sein. Wir wissen vielmehr auch aus anderen Grnden, dass etwa um das Jahr lOUO nach Christi Geburt ein Maximum der mittleren Jahreswrme in Europa existirte, und seitdem das Klima sich wieder etwas verschlechtert hat. Es waren z. B. noch vor 800 Jahren viele Alpen- psse gangbar, welche jetzt tief unter dem Firneis be- graben liegen; so bildete damals der Theodulpass am Matterhorn bei Zermatt einen eisfreien Uebergang aus dem Wallis nach Sden in das Aostathal hinber. Daher begegnen wir in den Alpen nicht selten Namen, wie die bergosscne Alm", und hren hufig von Sagen, die uns erzhlen, dass reiche Alpmatten zur Strafe ljermthiger Sennen von Gletschern berfluthet wurilen. Enthlt doch die Sage stets einen realen Kern, nur das Mrchen ent- springt der reinen Phantasie des Mensehen. Die grossen klimatischen Vernderungen haben in den Mittelmcerlndcrn noch strkere Spuren als bei uns hinterlassen. Wenn man eine genaue Karte der lybiselien Wste und der Sahara betrachtet, so sieht mau diese jetzt vllig regenlosen Gebiete durchzogen von ebenso zahlreichen, wie tiefeingeschnittenen und verzweigten Flussthlern; niemals fliesst jetzt ein Tropfen Wasser durch diese gnzlich ausgetrocketen Wadis, welche hufig von den Karawanen als leitende Wege durch die Wste benutzt werden. Diese grossen Flussthler der Wsten von Arabien, Syrien und Nord-Afrika knnen nur zu einer Zeit entstanden sein, wo es noch in diesen Land- strecken regnete, und das kann wiederum aus geologischen Grnden nur die diluviale Zeit gewesen sein, als Europa zum grossen Theil von Schnee und Eis bedeckt war: also, praehistorisch gesprochen, whrend der lteren Steinzeit, als der Mensch zuerst in Europa erschienen war. Die Halbinsel Sinai ist jetzt ein so des Felsen- gebirge, dass auf ihrer 450 TU Meilen weiten Flche nur etwa 4000 Beduinen wohnen und dabei oft genug unter einander in Hader liegen wegen der wenigen Weidepltze und der sprlichen Wasserquellen. In einem Lande nun, das jetzt eine Wste ist, soll sich ehemals das ganze Volk Israel Jahre lang aufgehalten haben? In wenigen Tagen htte ein so zahlreiches Vcdk das Wasser der ganzen heutigen Sinaihalbinsel ausgeschpft, alle Vege- tation mit ihren Herden abgeweidet und damit jedes weitere Lebensmittel aufgezehrt, selbst wenn gar keine heimische Bevlkerung vorhanden gewesen wre. Der Sinai nmss damals in allen seinen Thlern eine frucht- bare Alpenlandschaft gewesen sein, die Berge mit Alp- matten bedeckt darauf weist die einstige krftige Thalerosion hin, und es beweisen die Spuren der Eiszeit in dem ganzen Sinai-Gebirge. Ebenso beweisen die grossen Ruinensttten, die noch heute von einstiger Pracht zeugen, die Felsenstadt Petra in dem jetzt vllig wsten petrischen Arabien und Palmyra, mitten in der syrischen Wste gelegen, den Wechsel des Klimas in historischen Zeiten. Die Um- gebung des Todten Meeres, jetzt eine Wste, war noch whrend der Postglacialzeit ein fruchtbares Uferland*), auf welchem sich die lteste bis jetzt bekannte mensch- liche Cultur im Jordan-Gebiete mit den durch ein Erd- beben zerstrten Stdten Sodom und Gomorrha ausbreitete. Auch nrdlich des Mittellndischen Meeres ist das Klima seit dem Alterthum wesentlich trockener geworden; dafr haben wir Zeugniss vor Allem aus Griechenland. Plato erzhlt in einem seiner Dialoge, wie Sokrates mit seinem jungen Freunde Phaedrus vor die Mauern der Stadt Athen ging, wie sie dort an den Ilissos kamen, ihre Fsse in seinem Wasser netzten, und wie sie sich dann am Ufer des Flusses im Schatten einer hoben Pla- tane lagerten; jetzt kann man nicht mehr von dem reinen und durchsichtigen Wasser des Ilissos sprechen, wie es Sokrates that, da jetzt das steinigte Flnssbett selten einen Tropfen Wasser an der Stadt Athen vorberfhrt. Attika ist jetzt zum grossen Theil eine trockene, de Felslaud- schaft; von Anfang April bis Ende September regnet es in der Regel in Attika niemals; auch im Winter sind die Niederschlge gering, kaum gengend, um in einigen Thalniederungen sprlich bewachsene Kornfelder zu er- nhren. Das war zur Blthezeit Athens anders: Attika *) Yergl. Naturw. Wochenschr. Bd. XI S. 420. Red. 78 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 7 war stark l)e\(jlkcrt und i;ut angcl)aut; in den iiilesten Gegenden des sdiicheu Attikas, wo jetzt meilenweit kein Haus zu sehen ist, findet man herall die Ruinen antiker Drfer, antike .Strassen und Grabsttten; an den Berg- gehngen verfallene Terrassen, die einst den Oelbaum und den Weinstock trugen. Und blicken wir noch weiter zurck in die Urgeschichte Griechenlands, so war ur- sprnglich dieses Land bis in seine sdlichsten Spitzen von Wald bedeckt, als die Hellenen aus Asien in Griechen- land einwanderten: der Baum- und Waldcultus der Ur- einwohner hat sich in der Verehrung der griechischen Waldgttcr erhalten, und Zeus trat ein fr den Waldgott, dessen Rede in dem Rauschen der heiligen Eichbume von Dodona vernommen wurde. Eine vielleicht noch ltere Zeit giebt sich kund in dem Hhlencultus, zu welchem das Orakel von Delphi zu rechneu ist. Wir werden hier an die Ureinwohner Europas, die in Hhleu wohnten, erinnert und an den Baumcultus der alten Ger- manen, dessen letzter Rest in dem Vehmgerichte, das in Westphalcn unter einem heiligen Lindenbaume tagte, noch vor nicht langer Zeit in Deutschland erloschen ist. Zur Blthezeit griechischer Cultur war der Wald aus Griechenland bereits so weit verschwunden, dass Haine gepflanzt wurden au den Quellen, damit sie nicht ver- siegten, und dass mit hoher Busse derjenige gestraft wurde, der diese Quellenhaine beschdigte. Schon Plato klagt darber, dass der breite Rcken des Hymettos kahl geworden sei, whrend er in frheren Zeiten Wald ge- tragen habe. Statt der Wald bume waren die aus Asien stammenden Frnchtbume, der Oelbaum, Feigcnl)aum und der Weinstock auf griechischen Boden verpflanzt worden; sogar die Cyprcssc, ein Baum, der uns so charakteristisch erscheint fr die sdlichen Lnder Europas, ist nachweis- lich aus Syrien nach Griechenland iniportirt worden und gedeiht jetzt in noch weiter nach Norden liegenden Theilen Europas*). Die berhmten Spiele, welche whrend eines Zeit- raumes von lOO Jahren in Olympia zu Ehren des Zeus gefeiert wurden, fanden zur Zeit des ersten Vollmondes nach der Sommersonnenwende statt, also im heissesteu Monat des Jahres, im Juli. Jetzt herrscht iu Olympia im Monate Juli, wie ich selbst gemessen habe, im Schatten eine Temperatur von ber 40** und in der Sonne von 50 60" C. Der Wcttlauf im offenen Stadion war in Olympia der wesentlichste und urs|n-nglichste Bcstandtheil der Fest- spiele gewesen ; es ist vllig undenkbar, dass die griechischen Jnglinge in einem Sonnenbrande, wie er jetzt im Stadion zu Olynipia hcrrsciit, um die Wette laufen konnten, und dass die 'Pausende von Zuschauern auf den unliedeckten Sitzreihen 'J'agc lang gesessen haben sollen, direct den alles versengenden Sonnenstrahlen ausgesetzt. Es muss da- mals khler als jetzt in Olympia gewesen sein. So spricht ein jeder Vergleich, den wir ber die Nachrichten aus dem alten Griechenland und ber die jetzigen Zustnde in Griechenland anstellen, zu Ungunsten des heutigen Klimas in diesem Lande; auch in den brigen Lndern des Orients ist das Klima fortdauernd licisser und trockener, ungesunder und erschlaffender fr den Menschen geworden. Die einst mchtigen Vlker von Babylon und von Persien waren bereits im 4. Jahr- hundert vor Christi Geburt so entkrftet, dass Alexander der Grosse mit seinen Maccdoniern bis an die Grenzen von Indien Alles niederwerfen konnte. Das alte Reich der Egypter wurde unterjocht von einigen Legionen rmischer Soldaten. Die Weltherrschaft Roms wurde nicht von Sden her, nicht von dem vlkerrcichen Asien, sondern vom Norden, von den kraftvollen (iermanen zertrmmert. *) Vergl. Naturw. Wocliunscl.r. Bd. V (IS'J) S. 272. KihI. Als die Cimbern und Teutonen zum ersten Male im Jahre 113 vor Christi Geburt an der Xordgrenze von Italien erschienen, sahen die erstaunten rmischen Sol- daten, wie die al)gehrteten Deutsehen voller Lust ihre nackten Leiber im Schnee der Alpen wlzten ein be- deutsames Zeichen dafr, dass der Schnee und das Eis des Nordens die glhende .Sonne des .Sdens besiegen wrden. Der Norden Europas war zum grossen Theil unter einermchtigeu Eisdecke erstarrt, als die praehistorische Zeit fr unseren Continent mit der Einwanderung des ersten Menschen begann; whi-end der 5 bis 6 Jahrtausende, in denen die .Steinzeit, die ])raeliistoriselie Metallzeit und die geschichtliche Zeit sich im nrdlichen Europa ab- spielten, wurde das Klima der alten Welt ganz allmh- lich immer wrmer, bis der Hhepunkt der Erwrn\ung Europas am Ende des 1. Jahrtausends nach Christi Ge- burt erreicht worden zu sein scheint. Als hier in unseren Gegenden zur Eiszeit eine mittlere Jahrestem])eratur von 0" statt wie jetzt von l" herrschte, war die Folge dieser nordeuropischen Klte ein ge- mssigtes Klima mit Sonnnerregen in den Mittelmecr- lndern und im sdwestlichen Asien; dort konnte sich die menschliche Cultur rascher und reicher entwickeln als in dem kalten Norden. Daher brachten die aus Asien nach Europa nach und nach einwandernden A'lker innner hhei'c Cnlturerzeugnisse mit und lehrten den .Stein- nienschen Nord- Europas vor Allem die Bearbeitung der Metalle; zuerst lernte der Mensch unter den iMetallcn der Erde das Kupfer kennen, dann setzte er die Bronze zu- sammen, endlich wusste er auch das schweissbare Eisen zu schmieden. Wenn wir absehen von den alten Culturreichcn in Mesopotamien, Persien und Indien, die vermuthlich die ltesten waren, so gelangte in den westlichen Theilen der alten Welt Egypten zuerst auf den Gipfel hchster Culturblthe; Egypten gab seine Cultur und Kunst nach Norden an (4riechenlaud ab: die archaischen .Statuen von der Insel Naxos und aus dem Perserschutte auf der Akropolis von Athen tragen noch die realistische, aber gebundene Form der gj'jitischen .Steinbider an sich; ebenso hat sich die Architektur der griechischen Tempel aus der .Sulenordnung egyptischer Tempel entwickelt. Kaum ein Jahrtausend hatte die griechische Culturepoche gedauert, als Rom zur Weltherrschaft berufen wurde. Inniier weiter nach Norden wich die geistige und krper- liche Kraft der Vlker zurck: wie das Renntliier und der Polaifuchs aus Deutschland nach den kalten skandi- navischen (iebirgen und nach Island sich zurckgezogen hai)en, so verdrngte die zunehmende Wrme die mensch- liche Cultur aus dem Sden und berliess die Weltherr- schaft den Vlkern der jetzigen nrdlichen gemssigten Zone Europas. Eine Handvoll Englnder hlt die BuO Millionen Einwohner Indiens fest im Zgel und bndigte den Aufstand Arabi Pascha's in Egypten. .Unertrglich heisse .Sonnner Hessen die Kraft der alten Culturvlker des Sdens erschlaffen, sie wirken lhmend auf alle Beschftigungen des Menschen und stumpfen seine geistigen Fhigkeiten ab. Dcshall) nmss selbst der krf- tigste Eurojier, wenn er einige Jahre im Orient, in Egypten oder in Indien zugebracht hat, zurckkehren in die nordische Heiniath und hier Kiirper und {xcist wieder erfrischen, wenn er nicht in die Ai)athie des Orientalen verfallen will. Darum wollen wir uns unseres regen- reichen, gemssigten .Sonnners und unseres kalten Winters erfreuen; denn wir stannnen aus der Eiszeit, und .Schnee und Eis, das sind die Elemente, aus welchen wir wie aus einem unerschpflichen Borne jedes Jahr unsere krperlichen und geistigen Krfte erneuern. XII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 79 Ziele 1111(1 Methoden einer Rassenknnde in der Schweiz. Unter diesem Titel hat Dr. Rudolf Martin, Doeent der Anthropologie an der Universitt und an dem eid.i;enssischen Polytechnikum in Zrich, einen Aufsatz im Schweiz. Archiv fr Volkskunde" Bd. 1, Heft 1 er- scheinen lassen, von dem uns ein .Separatabdruck (Zrich, E. Cotti 1896) vorliegt. Der Verfasser fhrt an, dass zwar ein erhebliches Material ber die schweizerische Be- vlkeruns' durch Kollmanu, Virchow, Studer, Bannwarth an den Tag gefrdert wurde, dass es jedoch inuuer noch an einer methodisch durchgefhrten mor- phologischen Analyse fehle. Bedot, Lorenz (und Chaluoieau, fgt der Berichterstatter hinzu) haben die Rekrutierungstabellen mit Nutzen zum Studium anthropologisclier Fragen verwendet, aber der Verfasser glaubt, dass die Untersuchungen der Militrpflichtigen an dem ebelstande leiden, dass die jungen Mnner im Alter von 20 Jahren noch nicht vollstndig ausgewachsen sind, und er wnscht daher, dass Messungen an aus- gewachsenen Individuen der verschiedenen Thalschaften durch freiwillige Forscher vorgenommen werden mchten. Was er anstrebt, ist nach seinen eigenen Worten eine Statistik der lokalen Rassenfoimen, d. h. die Feststellung aller in der Schweiz vorkommenden, wohl charakterisirten anthropologischen Typen. Erst wenu diese Untersuchung ber den grssten Thcil des Landes durchgefhrt sein wird, werden wir im Stande sein, zu entscheiden, weiche Typen reine Varietten, welche Mischformen darstellen, in welchen verwandtschaftlichen Beziehungen sie unter einander und zu den Typen der benachbarten Lnder stehen und wie w'eit die geographische Verbreitung der einzelnen Formen sich erstreckt." Die Bemhungen des Verfassers, eine anthropologische Statistik der Schweiz ins Werk zu setzen, knnen nur aufs wrmste anerkannt und befrwortet werden. Auf alle Flle wird etwas bei dem Unternehmen herauskommen, was mau vorher nicht gewusst hat; ob man gerade Rassentypen" finden wird, mag dahingestellt bleiben. Die Untersuchungen der Wehrpflichtigen in Baden, welche in den Jahren 1886 bis 1894 durchgefhrt wurdeu und ber die ein ab- schliessender Bericht .sich in Arbeit befindet, haben das Ergebuiss geliefert, dass es Rassentypen berhaupt nicht mehr giebt, und dass die von verschiedenen Seiten her- konmicndeu einzelnen Rasseumerkmale in der heutigen Bevlkerung auf die wunderlichste Weise durcheinander gemischt sind, was durch das Spiel der Kreuzung und Vererbung erklrlieh wird. Ob es iu der Schweiz anders ist, kann nur die Vornahme der Untersuchung selbst lehren. Die Thatsache, dass die 20jhrigen Wehrpflichtigen noch nicht ganz ausgewachsen sind, wurde in liaden besttigt, aber dafr bietet die Vornahme der anthropo- logischen Untersuchungen bei Gelegenheit des Ersatz- geschftes sehr grosse sonstige Vortlieile. Sie beugt jeder Willkr in der Auswahl der Individuen vor, wobei sonst leicht eine unbewusste Auslese" des Beobachters mit- spielt, namentlich wenn bestimmte Ziele der Untersuchung sciion zum Voraus gegeben sind. Bei der ^Musterung stellt .sich eine volle gleichaltrige Jaliresschicht der Be- vlkerung, daher die hier gewonnenen Ergebnisse verall- gemeinert werden drfen. Chalumeau hat bereits mit Erfolg gezeigt, wie schon die sprlichen officiellen Er- hebungen beim Ersatzgeschft nutzbar gemacht werden kihmen; wieviel ergiebiger sie sind, wenn speciellc anthropologische Erhebungen hinzukonnneu, werden die Ergebnisse in 15aden ausweisen. Was die in Martins Formular voi-geschlagenen Messungen betrifft, so knnten dieselben allerdings mit dem Musterungsgesclift unmglich alle erledigt werden. Mehrere derselben drften aber auch fr das, was angestrebt wird, wenig Werth haben. Z. B. ist die Hhe des Kinns ber dem Boden ein von der Kopfstellung so abhngiges Maass, und es ist der Kinnpunkt selbst wegen der Weichtheile so unbestimmt, dass in der raschen Arbeit der Praxis bei solchen Massen- untersuchungen nicht viel herauskommen kann. Die Hhe der rechten Schulter, des Ellbogengeleuks, des Griffelfortsatzes und der Mittelfingerspitze sind ebenfalls unsichere Maasse, und es ist ausser Acht gelassen, dass bei den wenigsten Menschen beide Schultern gleich hoch ber dem Boden stehen; meist ist die rechte 1 bis 3 em. tiefer, manchmal aber ist dieselbe hher als die linke. Diese Maasse drften kaum bedeutende Ergebnisse liefern. Dagegen wrde sich empfehlen, mit dem Tasterzirkel die Trochanter- und Orista Ijreite zu ermitteln (was ohne Entkleidung geschehen kann); dies sind w^eit mehr her- vorstechende Rasseumerkmale als die Beckenhhe, welche aus dem Formular doch nur ungenau zu berechneu ist und wenig Chiirakteristisches bietet. Sehr zu loben ist die Nachfrage nach der Abstammung eines jeden Indi- viduums bis in die Generation der Grosseltern hinein und womglich noch weiter. Dagegen haben wir auffalleuder- weise die Frage nach der Augen-, Haar- und Hautfarbe in dein Formular vermisst. Ausser dem lebenden Material will der Verfasser mit Recht auch das todte aus den Beinhusern heranziehen. Mgen seine Bemiiuugen dahin fhren, eine Anzahl Mnner zur methodischen Vor- nahme der anthropologischen Untersuchungen in der Schweiz (und desgleichen iu Deutschland!) zu vereinigen. 0. A. M. Verworn, Unter snchiuigen ber die polare Er- regnng der lebeiidigeu Substanz durch den constanteii Strom. III. Mittheilung. Pflger's Archiv fr die ges. Phys, Bd. 62, 1896. Verfasser hat an verschiedenen Rhizopoden des rothen Meeres (Orbitolites eomplanatus, Amphi- stegina Lessoni, Peneroplis pertusus, Rhizo- plasnia Kaiseri, welche gleichzeitig als neue Gattung und Art bescliriebeu wird, sowie Gromia Dujardini, und an einigen lufusorienarten Studien ber die polaren Wirkungen des constanten Stromes augestellt und ge- funden, dass die einzelnen Arten in ihrem Verhalten gegen den constanten Strom wesentlich von einauder abweichen. Whrend nmlich das Protoplasma von Orbitolithes, und fast ebenso von Amphistegina sowie Peneroplis, an der Anode sowohl wie an der Kathode coutractorisch erregt wird und zwar an der Anode bedeutend strker, als an der Kathode, wird Rhizoplasma bei der Schliessung an der Anode eontractorisch, an der Kathode aber expansorisch, bei der Oetfnung dagegen umgekehrt an der Anode garnicht (oder nur schwach expansorisch), an der Kathode aber schwach eontractorisch erregt. Actinosphaerium, das bekannte Sonnenthierchen umseres Ssswassers, wird ebenso wie Orbitolithes bei der Schliessung des Stromes an beiden Polen eontractorisch erregt, ])ei der Oefl'nung dagegen nur an der Kathode. Von Protozoenarten, welche bei der Schliessung nur an einem Pol erregt werden, ist einerseits fr die Anode Actinophrys, Polystomella, Aiuoeba und Ae- thalium, andererseits fr die Kathode Gromia Du- jardini zu nennen. Verfasser giebt die bisher ge- wonnenen Erfahrungen ber die ])olare Erregung der ver- schiedenen Rhizopodenzellen durch den constanten Strom in einer bersichtlichen Tabelle und diese Uebersicht zeigt deutlich, wie ungemein verschieden sich die mannigfachen Formen der lebendigen Substanz gegen den constanten Strom verhalten und wie falsch es wre, fr alle lebendige Substanz ein allgemeingltiges Gesetz der polaren Er- regung aufzustellen. Jlan findet hier bei manchen Formen 80 Naturwissenschaftliche Woclienschrift. XII. Nr. 7. eine contractorische Erregung, wo bei auderen iceine Spur einer solchen vorhanden ist. Bei den Infusorien wird, wie Verfasser auch schon in seinen frheren Arbeiten nachgewiesen hat, durch con- tractorische Erregungen an einem Pole eine Galvano- tropismus der Infusorien nach dem entgegengesetzten l'ole hin veranlasst. Die Infusoiicn sammeln sich, wenn der Strom eine kurze Zeit das sie cntlialtende Wasser dnrchstrrmit, au dem enigegengesetzten Pole an, z. B. die im Darm der Eische lebende Dpaliua an der Anode, l'aramaecium dagegen an der Kathode. Denn auch hier giebt es Formen, welche bei Schliessung des Stromes nur an der Anode (Amoeba, l'aramaecium). Formen, welche nur an der Kathode (Opalina und einige Flagellaten) und schliesslich Furnien, die au beiden Polen contractorisch erregt werden. Entsprechend den drei verschiedenen Tj'pen derLocalisation dieser contractorischen Schliessungs- erregung kann man auch drei verschiedene Typen des Galvanotropismus unterscheiden. Zwei dieser Typen, den kathodischen und anodischen, hat Verfasser schon frher behandelt und durch seine Versuche direct bewiesen, dass der erste auf eine contractorische Erregung an der Anode, der letztere auf eine ^contractorische Erregung an der Kathode zurckzufhren ist. Verfasser fgt nun diesen beiden Formen noch eine dritte hinzu, den transversalen Galvanotropismus, der auf einer contractorischen Erregung beider Pole l)eruht. Verfasser fand ihn bei dem in unserem Ssswasser fters massenhaft auftretenden Spi ro- stomum ambiguuni, die sich in den Wasserkstchen kurze Zeit nach der Schliessung mit ihrer Lngsachse senkrecht zur Stromesrichtung einstellen. Die Locomotion beschrnkt sich alsdann auf kurze Progressivbewegungen und auf winzige Drehungen und Krmmungen des Krpers. Das Vorderende der Thiere kann sowohl nach der einen, wie nach der anderen Seite gerichtet sein. Dass es sich hier um eine contractorische Erregung beider Pole des Zellkrpers handelt, beweist der krnige Zerfall, der bei Spirostomum an der Anode sowohl wie an der Kathode eintritt, wenn man durch ein Spirostomum iiltzlicli einen sehr starken Strom hindurchschickt. R. Wetter-Uebersiclit. Januar. Obwohl das Jahr 1S'.)7 in ganz Deutschland mit Regen und mehreren Wrmegraden begonnen hat, gestaltete sich doch der ver- gangene Januar zu einem ziemlich kalten, dabei aber ungewhnlich trben Wintermonat aus. Nachdem schon am 3. Januar Frostwetter eingetreten war, wurde in Nord- deutschland nach der nachstehenden Temperaturdarstellung nur nocli in den Tagen vom 13. bis 19. und vom 26. bis 28. der (lefner]unkt berschritten. Indessen war auch die Klte in den dazwischen liegenden Zeiten nicht ber- mssig streng; nur zwischen dem 8. und 11. gingen die Tenii)eratnren im Durchschnitt der nordstlichen Stationen unter 10", zu Knigsberg bis auf 19, zu Mcmel bis auf 18" C. herab. In Sddeutschland waren die Zeit- abschnitte mit dauerndem Frost krzer als im Norden und blieb daher auch die mittlere Temperatur des ganzen Monats kaum um einen halljcn Grad, in den nordst- lichen Landestheilen hingegen um volle 2, in den nord- westlichen sogar um 2V2 Grade hinter dem vicljhrigen Januarmittel zurck. Dass die Temperatur im Laufe des Tages sich meistens nur um 1 bis 2 Grade ber diejenige von 8 Uhr Morgens erhob, wurde durch die whrend des grsstcn Theiles des Monats ber Deutschland lagernde Wolken- decke verursacht, durch welche die Sonnenstrahlen nicht hindurchzudringen vermochten. In Berlin kam beispiels- weise die Sonne nur an 7 Januartagen l)erbaupt zum JNford roest d euts efilan d. l3a-.o3r 6. 11. 16. 31. 2B. i1. C. Kordostdeuteetiland. 1.3anuar 6. 11. 16. i^. 36. 31 % ^'\ I 1 M ! ( 1 1 M ^ : I 1^.,.<>- ^.t XJ^. ^ iMillel: " Vorschein und whrend des ganzen Monats gab es dort nicht mehr als 14 Stunden mit Sonnenschein, whrend der ebenfalls recht trbe December 1896 doch wenigstens 25 solcher Stunden, der vorjhrige Januar deren 28 auf- zuweisen hatte. Fast ebenso sehr wie an Sonnenschein, hat es Deutsch- land im vergangenen Monat auch an Niederschlgen ge- fehlt. Zwar kamen an seinen meisten Tagen, besonders nordstlich der Elbe, zahlreiche Schneeflle vor; dieselben lieferten jedoch, wie die beistehende Zeichnung er- kennen lsst, whrend der grsseren Hlfte des Januar immer nur ausserordentlich geringe Ertrge. Ihre Sunnne, welche sich fr den Durchschnitt aller Stationen zu 1J?3T1. 6. 11. 16. 11 _7i, 31. JWordwGSten t laift B II. ife. ii. n. , 31 1 1 rmj ! 1 1 1 1 1 I ' ITT fl. Kordos^en ostlict) du Elbe.) ijtg 1.3an. B. n. % 3K 56. 31. f '' . (sdlicl; vom Ma>n.) ' | I i ! i i Januar 1897 96 gyiiyz (r ~ ' 60- XII. Nr. 7. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 81 2(5,!) Millinieteni berechnet, wird tlaiicr von den Nieder- schlgen aller Jannarnionate in den letzten Jahren iiber- troffen, von denjenigen des Jannar 1892 und 1895 um mehr als das opiielte. Verhltnissnissig- am g-rssten war die Niederschlagshhe des vergangenen Monats im norddeutschen Binnenlande, wo sie z. B. in Kassel 55, in Berlin 45 Millimeter betrug, wogegen Kiel und Borkum nur II Millimeter Niederschlag hatten. Einer nordischen Barometei-depression, welche am Neujahrstage mit warmen, aber dampfgesttigten West- winden an uns vorberzog, folgte von Sudwest her ein Maximum nach und brachte Norddeutschland einige ruhige, aber sehr feuchte, nebelige Tage, whrend im Sden schon am 2. Januar der Himmel sich aufzuklren und die Temperatur daher rasch zu sinken begann. Als dann am 6. bei Irland ein tiefes Minimum erschien, das einige Tage spter in Spanien und England unheilvolle Ceber- schwemmungen anrichtete, traten in Norddeutschlaud sehr scharfe Ostwinde auf und bewirkten hier weitere Ab- khlung, welche in Sddeutschland bereits nachlicss. In den nordstlichen Landestheilen trug zur Verstrkung der Klte noch die Ausstrahlung und die Scheidung der Luft vom warmen Erdinneren durch die Schneedecke wesent- lich bei. Im Westen, wo eine solche in den meisten Gegenden gnzlich fehlte, blieb der Frost zwar gelinde, desto grsser war jedoch die Gefahr, dass er tief in die Erde eindringen mchte, bis nach den Schneefllen vom 9. Januar auch dort etwas Schnee liegen blieb. Whrend die sdwestliche Depression nur usserst langsam sdostwrts fortschritt und dabei ungewhnlich grosse Regenmengen ber Sdfrankreich ergoss, welche vom 14. )is 17. zu Perpignan 200 Millimeter Itetrugeu, drangen mehrere flache Theilminima von Oberitalien nach Deutsehland vor. Hier stellte sich daher gegen Mitte des Monats feuchtes Thauwetter ein, welches im Sden bei starkem Nebel lngere Zeit anhielt, wogegen in Nord- deutschland ein von Russland nach Schweden vordrin- gendes Barometermaxinium bald wieder abkhlende Ost- winde hervorrief. Das jedoch hier wie dort im ganzen Monat vorherrschende trbe, nasskalte Wetter machte sich durch zahlreiche rheumatische Lei emporzusteigen, verdampft, giebt seine Klte ebenfalls an die ihm entgegenstrmende Luft des inneren Rohres ab und tritt bei o als mehr oder minder reiner Sauerstoff ans. Der unschtzbare Werth der Lindc'schen Entdeckung liegt darin, dass sie der Zukunft eine Handhabe fr die billige Gewinnung tcclmischrcinen Sauerstoffs bietet. Zur Belebung nach Narkosen, zum Eindicken von Oelen, zum Bleichen, in der Glas- und Metallindustrie erfreut sich der comprimirte Sauerstoff eines von Jahr zu Jahr zunehmenden Consums. Nach den Resultaten der vor- Fig. 2. genonnnenen Experimente vermag eine Pf'erdekraft 5 cbm Luft von Atmosphrendruck und gewhnlicher Temjjeratur in dem Zeitraum einer Stunde in Stickstoft' und Sauerstoff zu zerlegen. Dr. A. Sp. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden : Der ausserordentliche Professor der Arziiei- niittellehro an der deutschen Universitt Prag Dr. J u 1 i u s P o h 1 zum ordentlichen Professor und Director der LJnivcrsitts- Anstalt fr Arzneimittellehre; der Privatdocent der Arzneimittellehre in Leipzig Dr. Arthur Heffter zum Professor; der ordent- liche Professor der Anatomie an der thierrztlichen Hochschule in Mnchen Dr. lickert zum ordentlichen Professor an der dortigen Universitt und 2. Conservator der anatomischen Staats- anstalt; Landmesser Neupert in Wiesbaden zum Assistenten an der hindwirthscliaftlichen Akademie in Poppeisdorf; Dr. Colatz zum Chefarzt der inneren Abtheilung des Stiftes zu Dessau; der Privatdocent der Chirurgie in Heidelberg Dr. Ma.\ Jordan zum Professor. Berufen wurden: Der ausserordentliche Professor der Mathe- matik in Berlin Dr. Schlesinger als ausserordentlicher Honorar- Professor nach Bonn; der ausserordentliche Professor der Mathe- matik in Bonn Dr. Study als ordentlicher Professor nach Greifswald; der ordentliche Professor der Chemie und Director des pharma- ceutischen Institutes in Erlangen Dr. Beckmann nach Leipzig. Es habilitirten sich: Dr. Rene du Bo is-Rey mo nd, Assi- stent an der physiologischen Univcrsitts-Anstalt zu Berlin daselbst fr Physiologie; Dr. Hans Rge, Assistent an der Chariteklinik zu Berlin, daselbst fr innere Medicin; Dr. orgeat aus Passau fr Geologie und Mineralogie in Mnchen; Dr. Peters fr Ge- burtshlfe und Gynkologie in Wien; Dr. Ivarl Harries in Berlin fr Chemie. Abgelehnt hat: der ordentliche Professor der Physiologie in Heidelberg Geh. Rath Dr. Khne einen Ruf als Nachfolger Prof. du Bois-Reymonds nach Berlin. Esstarben: Der praktische Arzt Geh. Sanittsrath Dr. Diestor- weg in Wiesbaden; der emeritirte Custos des k. k. natur- historischon Museums in Wien Alois Rogenhof er; der Pro- fessor der Experimenfal-Pathologie in Paris Dr. Straus; der ehemalige Professor der Forstwissenschaft in Tbingen Dr. Her- mann von Noordlingor zu Stuttgart; der Anthropologe und Sprachforscher Ho ratio Haie in Canada. Wissenschaftliche Abtheung der Brsseler Internationalen Ausstellung von 1897. ^ Die Brsseler internationale Ausstellung von 18Lt7 wird eine wissenschaftliche Abthoilung (Section 5Ws) enthalten, welche ausschliesslich den reinen Wissenschaften vor- behalten bleibt. Alle merkantilischen oder industriellen Anwen- dungen sind vollstndig ausgeschlossen. Die Herren Gelehrton werden hflichst ersucht, dort ihre Werke dem Publikum zu unterbreiten, sowie ihre erzielten Erfolge und ihre Methoden an- zudeuten, und zwar entweder durch die Ausstellung ihrer Instru- mente oder deren Photographien und Schemata oder auch dureli Vorlegen ihrer Bcher und Mittheilungen. Wir machen speciell darauf aufmerksam, dass es sehr ntzlich wre, kurze Notizen, sogar in Form von Aufschriften oder Etiketten, beizufgen, die dem Publicum die Methoden, die Resultate und deren NVichtig- keit leichter zu verstehen gben. Wir stellen auch die dringende Bitte an die wissenschaftlichen Gesellschaften und Stiftungen, alle historisch-interessanten Documcnte und solche, welche die Wichtig- keit der Theilnahme jeder Gesellschaft an der Entwickelung der Wissenschaften beweisen, auszustellen. Es werden, so viel wie mglich, den Herren Gelehrten, welche whreiul der Dauer der Ausstellung ihre Experimente ein oder mehrere Male oder be- stndig ffentlich auszufhren wnschen, die nthigen Leute und Apparate zur Verfgung gestellt. Vortrge ber die ausgestellten Gegenstnde, sowie ber die grossen Entdeckungen der Wissen- schaft werden veranstaltet. Die Pltze fr die wissenschaftliche Abtheilung werden unentgeltlich geliefert. Falls die ausgestellten Gegenstnde und Ajiparate nielit zu gross sind, werden auch die nthigen Schrnke den Theilnehraern gratis zur Verfgung ge- stellt. Ohne die Verantwortlichkeit des durch den Transport oder die Manipulation der Aiiparato verursachten Schadens zu ber- nehmen, wird sich das Bureau bestreben, geschulte Leute fr den Dienst der Section anzustellen, so dass alle mglichen Vorsichts- maassregeln bei der Handhabung der Apparate getroffen werden. Die belgischen Eisenbahnen befrdern die fr die Ausstellung be- stimmten Sendungen unentgeltlich. Frachtveniiinderuiigen werden auch von den fremden Eisenbahnen gewhrt. Die Erffnung der Ausstellung wird am 24. April statttinden und der Schhiss sp- testens am 15. November erfolgen. Die wissenschaftliche Ab- XII. Nr. 7. NiiturwisseiischaCtlicbc WucciiMclirirt. 83 theikins iK'stelit. aus 7 Klassen: Mathu matik und Steruk nndo; Physik und Meteorologie; Chemie; Geologie und Geo- grapiiie; Biologie; Anthropologie; Bibliographie. Der Rcgierungscommissar der wissenschaftlichen Abthoilung. Eug. van Overloop. L i 1 1 e r a t u r. Geh. Bath Prof. Wilhelm Foerster, Wissenschaftliche Erkennt- niss und sittliche Freiheit. Sammlung von Vortrgen und Abhandlungen (4. Folge). Ferd. Dmmlcrs Verlagsbuchh. Berlin 189li. Preis 4. M. ' Die unter dem Titel Wissenschaftliche Erkenntniss und sitt- liche Freiheit" herausgegebenen Abhandlungen, als 4. Folge der seit 1876 herausgegebenen gediegenen Vortrge des Verfassers greifen ber die frher eingehaltene Grenze weit hinaus, insofern als in dem vorliegenden Bande durch Aufstze ethischen Inhalts auch die namentlich in den letzten Jahren jlusserlich hervor- getretene Neigung des Herrn Verfassers zur Beschftigung mit socialen Fragen zum Ausdruck kommt. Die gebotenen 20 Auf- stze sind in den Jahren 1890 bis 1895 entstanden, in deniMi die eifrige Thtigkeit des Verfassers in der angedeuteten Richtung sich entfaltet hat. So finden wir denn die Rede abgedruckt, die 189^ bei Begrndung der Deutschen Gesollschaft fr ethische Kultur ge- halten wurde, Aufstze ber die Anfnge eines neuen socialen Geistes (1894), ber die Stellung der ethischen Bewegung zu den reli- gisen Bedrfnissen und Bewegungen (1894), ber das neue Denken in der Frauenfrage u. s. w. Die Meln-zahl der Vortrge jedoch bowegtsichin den Bahnen der frheren o Theile, wie der ber Denk- fehler (1891), ber K. Ludw. Ilencke (1890), ber die Erforschung der obersten Schichten der Atmosphre (1891), ber Ortszeit und Weltzeit (1890) u. a. ; sie fhren in trett'lichster und verstndlichster Weise in wichtige Gebiete ein und geben so dem naturwissen- schaftlich Interessirten Anregungen und bieten Belehrungen in der angenehmsten Form. Saccardo Sylloge Fungorum omnium hucusque cognitorum. Bearbeitet von P. Sydow. Bd. XU, pars 1. Verlag von Ge- brder Borntraeger, Berlin. Dieser Band bringt ein Generalverzcichniss der Gattungen, Arten, Unterarten und Varietten der in den Bnden 1 11 auf- gefhrten Pilze mit jedesmaliger Angabe des Autors, der Band- und Seitenzahl, des Substrates und Heimathlandes. Der Band zerfllt in vier Abtheilungen und zwar bringt Abtheilung 1 die aufpflanzen und Pflanzentheilen vorkommenden Pilze, Abtheilung 2 die Arten, welche auf Menschen, Thieren und thierischen Bestand- theilen auftreten, Abtheilung 3 die auf Excrementen und Abfall- stoft'en, Abtheilung 4 die auf Erde, Stein, Torf etc. vorkommenden Arten. Da die Bnde 9, 10 und 1 1 des Sylloge nur Ergnzungen zu Band 1 8 enthalten, wird die Benutzung des Werkes sehr er- schwert. Mit Hilfe dieses Generalverzeichnisses ist es nun usserst leicht, jede beliebige Art sofort aufzufinden. Zugleich weisen wir darauf hin, dass Pars II ein alphabetisch geordnetes Verzeichniss der Nhrpflanzen der Pilze mit Angabe smmtlicher bisher bekannten Pilzarten bringen wird. Eugen Netto, Vorlesungen ber Algebra. Erster Band. Mit eingedruckten Holzschnitten. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig, 1896. Preis 12 Mk. Durch die tiefgehenden und fruchtbringenden Forschungen in dem Gebiete der Algebra ist das weit verbreitete Handbuch von Serret, welches bisher ilie beste Zusammenfassung dieses Gegenstandes bildete, berholt worden, und lngst machte sieh ein Bedrfniss nach einer neueren Darstellung der luiheren Algebra geltend. In diesem Sinne sind die Vorlesungen ber Algebra", deren erster Band vorliegt, freudig zu begrssen. Dieselben sollen eine auf algebraische Methoden gegrndete Einfhrung in die Untersuchungsgebiete liefern, welche den Hauptbereich der hheren Algebra bilden." Die Darstellung beginnt mit den elementarsten Theilen, setzt jedoch was uns durchaus zweckmssig erscheint die Kenntniss der Theorie der Determinanten und einiger Stze aus den Elementen der Zahlentheorie voraus. In der That kann an ein erfolgreiches Studium der hheren Algebra erst nach Aneignung der Determinanten- und elementaren Zahlentheorie gedacht werden. Die Darstellung ist eine ungemein klare und durchsichtige, so dass man die Netto'schen Vorlosungen den Studirenden unbe- dingt empfehlen muss. Ausgeschlossen von der Behandlung hat der Herr Verfasser die algebraischen Formen und die Theorie der Invarianten, da fr diese Gebiete treffliche Darstellungen existiren. Nachdem in einer Einleitung die complexen Grssen einge- fhrt und ihre Eigenschaften entwickelt worden sind, gelangen in dem ersten Abschnitt die ganzen Functionen und algebraischen Gleichungen zur Betrachtung. Der zweite Abschnitt handelt von der numerischen Auflsung der Gleichungen, und zwar in dem ersten Theile von der Trennung der Wurzeln, in dem zweiten von der nherungsweisen Berechnung derWurzeln. Den Gegenstand des dritten Abschnittes, zugleich des letzten des vorliegenden Bandes, bildet die algebraische Lsung der Gleichungen. Es ist natrlicli unmglich, an dieser Stelle nher auf den reich geglie- derten Inhalt dieser Abschnitte einzugehen; bemerkt sei, dass der Darstellung zahlreiche Litteraturangaben beigefgt sind, und dass sich am Schluss des Bandes ein Namen- und Sachregister findet. In Anbetracht des bedeutenden Antheils, den der Herr Verfasser selbst an der neueren Entwickelung der Algebra genommen hat, braucht nicht noch besonders betont zu werden, dass auch manche eigenen Untersuchungen in den Vorlesungen Platz gefunden haben. Die Ausstattung ist von der Gte, die wir bei Werken der Teubner'schen fficin gewhnt sind. G. Bibliographia physiologica 1895 und 1896, Keiiertoiro des travaux de |.)hysiologie de l'annee 1895 et 181((i classes d'apres la Classification tlecimale, par Gh. Riebet, professeur de physiologio k la Faculte de Medicine de Paris, avec la collaboratiou de MM. Athanasiu, J. Carvallo, Contejean et Dupuy. Paris. Felix Alcan. 1896. Riebet hat das in der Naturw. Wochenschr." krzlich ausfhrlich besprochene System Dewey's bei der Anord- ining des Titels zu Grunde gelegt. Die Hefte (premier et deuxicmc fascicule) enthalten alle 1895 und 1896 erschienenen Publicationen und sind natrlich dem Fachmann ausserordentlich dienlich. Sehr zweckmssig ist, dass die Seiten nur einseitig bedruckt sind. Zeitschrift fr tropische Landwirthschaft Der Tropen- pflanzer". Herausgegeben von Dr. 0. Warijurg und Professor E. Wohltmann. Redaktion: G. Meinoeke in Berlin. Organ des Comites zur Einfhrung von Erzeugnissen aus deutschen Colonien. Diesen Titel fhrt eine neue Zeitschrift, deren 1. Nummer des 1. Jahrganges uns voidiegt. Es ist das Bestreben der Zeitschrift, weitere Kreise mit der tropischen und subtropischen Landwirth- schaft, als einem der wichtigsten Factoren des modernen Wirth- schaftslebens, bekannt zu machen, und besonders auch fr die vielen und hufig genug des heimathliehen Rckhaltes ent- behrenden landwirthschaftlichen Unternehmungen unserer Lands- leute im Auslande einen Mittelpunkt zu schatten. Dieses Pro- gramm wird in einem einleitenden Artikel nher entwickelt, darauf folgt der Beginn eines Artikels von Wohltmann, Der Cacaoanbau am Kamerungebirge. Ferner werden zahlreiche klei- nere Mittheilungen ber Pflanzungs-Gesellschaften aus deutschen und fremden Colonien geboten, neue Litteratur besprochen (in vorliegendem Heft nur eine Arbeit Defert's ber Erfahrungen ber rationellen Kaft'eebau), ein Marktbericht gegeben und schliess- lich im Sprechsaal" Anfragen beantwortet. Beschlossen wird der redactionelle Theil durch Mittheilungeu aus dem Halbjahr-Bericht 1896 dos genannten Comites. Blow, Prem.-Lieut. a. D. F. J. v., Deutsch - Sd westafrika. Berlin. 6 Mark. Ehlers, Otto, E., Samoa, die Perle der Siidsee. Berlin. 3 M. Messtischbltter des preussischen Staates. 1985. Reppen. 1987. Lagow 1988. Liebenau. - 1989. Jordan. 2055 Mhl- bock. 2057. Stentsch. 2122. Beutnitz. 2260. Grnberg. (West ) - 2512. Bren. 2785. Herscheid. - 2788. Schmallen- berg. 2848. Drolshagen. 2851. Wingeshausen. 2912. Wield. 2913. Eckenhagen. 2974. Rnppichteroth. 2976. Mors- bacb. Berlin, a 1 Mark. Mller-Bertossa, Masch.-Ingen. Prof. J. Aug., Anleitung zum Rechnen mit dem logarithmischen Rechenschieber. Zrich. 1,80 Mark. Nordstedt, C. F. O., Index Desmidiacearum citationibus locu- pletissimus atque bibliographia. Berlin. 20 Mark. Inhalt:^ 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. 26. September 1896. (II.) Ziele und Methoden einer Rassenkunde in der Schweiz. Untersucluingen ber die polare Erregung der lebendigen Substanz durch den coustanten Strom. Wettor-Uobersicht. Die Verflssigung der Luft durch Prof. Linde. Aus dem wissenschaft- lichen Leben. Litteratur: Geh. Rath Prof. Wilhelm Foerster, Wissenschaftliche Erkenntniss und sittliche Freiheit. Saccardo Sylloge Fungorum omnium hucusque cognitorum. Eugen Netto, Vorlesungen ber Algebra. Bibliographia physiologica 1895 und 1896. Zeitschrift fr tropische Landwirthschaft Der Tropenpflauzer". Liste. 84 Naturwissenschaftliche Wocheuschrift. XII. Nr. 7. R. Fuess, Mechanisch -optische Werksttten, Steglitz bei Berlin, empfiehlt die in nebenstelientler Figur abgebildete uml patenirechtlich gesclitzte eiiit':i<>lie plioto- ;;i'aphisrli<> i'aiiiora zum Aufsetzen auf den Tubus jeden beliebigen IWikroskopes. Die Camera wird fr Plattenforniate von 7X7 cm bis zu 0x12 cm geliefert. Gewicht der Camera {fr 7X7) mil ge- fllter Ooppelcassette ca. 160 Gramm. Besclireibung und austhrliche Preisliste. Gt auch ber die erlurderlicheu photograpliischen Utensilien, gratis und franco. Ferner stehen auf Wunsch Tataloge ber : Speetronieter , Gonio- meter, Heliostateu, Polarisationsapparate, Mikro- skope fr krystallographische und physikalische Untersuchungen (Hauptcatalog 1801 nebst Er- gnzungen 1894 xind 1S95). Projectionsapparate, Schneide- und Schleifmaschinen fr Mineralien ; Instrumente fr Meteorologie, wie: Barometer, Ther- mometer und registrirende Apparate etc. etc., gratis und franco zur Vertgung. : Dr. Robert Muencke | t Luisenstr. 58. BERLIN NW. Liiiseiistr. 58. t i Teelinisches Institut fr Anfertigung wissenschaftlicher Apparate und Gerthsehaften im Gesammtgebiete der Naturwissenschaften. PATENTBUREAU lrich \{. JVlacrz Berlin NW., Luisenstr. 22. ^^^= Gegrndet 1878, ^^^= Patent-, Markeq- u. Musterschutz fr alle Lndei'^. In Ferit. llniuilers Verlagsbucli- haudliiiig in Berlin SW. 12 erschien: Einfhrung in die Bltenbiologie auf historischer Grundlage. Von E. Loew, Professor am knigl. Realgy mn. in Berlin. 444 Seiten gr. S. Preis 6 M., geb. 7 M. R.VOLKMANN,'"^'^"""''' '"""*'" I Alte Jacobstras'e 12. ^^Jcft^l , ^'H/teCUO', billig, streng reell, sorgfltig, schnei Ferd. Dflmmle rs Yer lagsbnchhaiidl ung i n Berlin SW. 12. Creolog'iiielie Auisflge in die Umgegend von Berlin. Von Dr. Max Fiebelkorn. Mit 40 Abbildungen und 2 Kartcubcilagcn. 130 Seiten gr. 8". Preis 1,60 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Kunsttischlerei fr Photographie von E. IL. Friede, IJerliu NO., i'aiiisiukMistr. 26, prmiirt auf der Berliner Gewerbeausstellung 1806, empfiehlt sich /.um direkten liezuge seiner renciiiiuiirten Erzeug- nisse, besonders seiner neusten Klappcamera fr H.-md- und Stativaufnalime. Kouiplete Ausriistiuig fr wissenschaftliche Institute, Gelehrte, Knstler und Amateure. (Ijjektivo, Platten etc. von den renouunirtesten Firmen. Preialiate f/rntfs. I u; Zu Schrnken ziisanunenstellbare Schubfcher frS.imuiluiittcn jeder Art. D. G. M. No. 27559. Prospekte franko ! Carl Elsaesser Schnau bei Heidelberg (Grossli. Eailcii.) r Sauerstoff. Dr. Th. Elkan Berlin N., Tegelerstr. 15. 1 Silberne Medaille 1896 der lutcrnationaleu Amateur-Ausstellung Berlin. Photographlsche Apparate und Bedarfsartikel. Alleinvertrieb der AVesteiidorp & Weli]ier"-I'Iatlen (jetzt: Act.-Gcs fr Trockenplattenfabrikation vorm. W. it W.) Pilhiay'sclie Lacke. Max Steckclmann, Berlin W. 8, Leipzigerstrasse 33 I. ^ r ! ! von Poncet Glashtten -Werke 54, Kpiiickerstr. wRLIN SO., Kpuickerstr. 54 Fabrik und Lager aller Gefsse und Uteusilieu fr ehem., pharm., phj sical., electro- II. a. techn. Zwecke. Glser ir den Versand und zur ) Ausstellung naturwissenschaftlicher Prparate. I'retuver^eicitniafi tfratin und frtittco. ! r E lektrische g rafi-Anlagen im Anschluss an die hiesigen Centralstationen eventuell unter Ankauf vorhandener Kraftmaschinen (Gasniotoreu etc.) fidirt unter gnstigen lii'dingungen aus Elektromotor" G. m. b. H. 21. Schiffbauerdamm. BERLIN NW. Schiffbauerdamm 21. i Verantwortlicher Kedacteur Hugo Bernstein in Berlin. Dr. Henry Potoni^, Gr. Lichterfolde (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 35, fr den Inseratentheil : Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagabuclihandlung, Berlin SVV. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SV\^. 12. ^.^ Redaktion: ~f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XII. Band. Sonntag, den 21. Februar 1897. Nr. 8. Abonnement: Man abonnirt bei allen BuchhandlfciKen und Poat- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrapreis ist M 4. BrinpreBeld bei der Post 15 4 extra. Postzeitungste Nr. 4954- Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 J>. Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux wie bei der Expedition. .Abdruck ist nnr mit vollstndiger <|aellenans;abe gestattet. Thierfhrten in dem mittleren Rothliegenden von Kabarz in Thringen. Von Dr. Wilhelm Pabst, Gustos am Herzogl. Museum zu Gotha. Ausser den von mir in dem Aufsatz in No. 48 Bd. XI dieser Zeitschrift theils erwhnten, tlieils ausfhrlicher be- sprochenen Thierfiihrten in dem Rothliegenden Tiiiiringens von Friedrichroda und Tambach, sind seit einer krzeren Reihe von Jahren endlich solche in dem Rothliegenden, und zwar mittleren" Rothliegenden, von Kabarz in Thringen bekannt geworden. Die erste und lngere Zeit einzige Fhrten- platte" von dort gelangte im Januar 1890 durch Schenkung in den Besitz des Herzoglichen Museums in Gotha. Sie stammt aus einem Steinbruch am Nordfuss des Hbel bei Kabarz, wo sie von Arbeitern gefunden und an die Forstverwaltung abgeliefert worden war. Im Frhjahr 1891 gelaug es dann Herrn H. F. Schfer-Gotha, gleichfalls am Fusse des Hbel, zwei kleine Fhrtenplatten zu finden, die hier zu erwhnen und zu besprechen mir bereitwilligst gestattet worden ist. Neuerdings endlich hat, wie ich durch eine directe private Mittheilung erfahren habe, Herr Pro- fessor Walther- Jena eine Fhrtenplatte bei Kabarz aufgefunden. Weitere Fhrtenfunde von dort sind mir nicht bekannt geworden; die drei erwhnten drften wohl auch die ein- zigen sein. Wenn ich die Ergebnisse der Untersuchung der mir zur Verfgung stehenden Kabarzer Fhrtenplatten hiermit kurz der Oeffentlichkeit bergebe, erscheint es zweckmssig, vorerst einige Bemerkungen ber eine Ter- minologie" zu machen, die ich anlsslich einer demnchst erscheinenden ausfiirlichercn Bearbeitung der Tam- bacher" Falliten fr die Beschreibung fossiler" Thier- fhrten einzufhren versucht habe, um damit fr weitere gleiche Untersuchungen eine Grundlage zu schaffen und gleichzeitig einen Beitrag zu der noch" wenig ausgebauten Fhrtenkunde", Ichniologie, zu liefern. Mit Fhrte" bezeichnet man in der Jgersprache allgemein den Abdruck aller Fsse eines jagdbaren Thieres im Boden im Zusammenhang beim Gehen in ihrer natrlichen Aufeinanderfolge", wogegen der Abdruck nur eines Fusses Tritt" oder Spur" genannt wird. Da der Palae- ontologe aber bei der Untersuchung seiner fossilen Fhrten nicht immer so glcklich ist, auf den Fhrtenplatten die Abdrcke aller Fsse der die Fhrte hinterlassen habenden Fhrtenthiere" zusammen erhalten zu finden, er sich hufig nur mit dem Abdruck eines Fusses begngen muss, so fehlt ihm hierfr ein allgemein verstndlicher und klar bestimmter Ausdruck, da Spur" nicht eindeutig genug, Tritt" in dieser Bedeutung zu wenig ge- bruchlich ist. Ich wende daher bei der Be- schreibung fossiler Fhrten die Wortzusammen- setzung Einzelfhrte" auf den Abdruck des einzelnen Fusses an und bezeichne mit Fhrte" oder zusammenhngender Fhrte" im Gegensatz hierzu den Abdruck aller Fsse der Fhrtenthiere auf den Steinplatten im Zusammenhang beim Gehen in ihrer natrlichen Aufeinanderfolge." Die Zusammengehrigkeit der Einzel- fhrten zur zusammenhngenden Fhrte drcke ich durch Zahlen aus. Beistehend gebe ich die Skizze der vorwrts- schreitenden Fhrte eines Vierfssers (Fig. 1), wie ich sie meinen Fhrtenuutersuchungen als typisch zu Grunde lege. In ihr entsprechen die Nummern 1, 2, 3 . . . den Spuren der Vorderfsse; l'', 2^, 'i^ , . . denen der Hinterfsse. Ich 86 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 8. bezeichne ferner die Spur eines Vorderfusses rechts und links und uingeiiehrt: (1,2, 2/3, 3/4), ebenso bei den lliuter- fUssen: (l''/2% 2'';3'', 3V4^) als Einzelfiihrtenpaar", die Spur eines Vorderfusses und zugehrigen" Hinterfusses derselben Seite aber (1/1^, 2/2^, 3/3", 4/4") als einseitiges Einzelfhrtenpaar". Als charakteristische Maasse der zusammcuhilngenden Fhrte werden von mir angesehen: die Entfernung: (1/2), (2,3) u. s. w. die Schrittlnge"; die Entfernung: (1/3) und (2/4) die einseitige Schritt- lnge" und die Spurbreite": die Entfernung zwischen den Fussspuren der rechten und linken Krperseite. End- lich bezeichne ich noch die Enfernnng (1/1"), (2/2") u. s. w. als Fhrtenmaass 1": die Entfernung (3"/l), (4"/2) u. s. w. als Fhrtenmaass 2". Die Schrittlnge" (1/2), (2/3), (3/4), und einseitige Schrittlnge" (1/3), (2/4) werden durch die Bauart und Gangart der Fhrtenthiere bedingt, sind also fr sie charakteristisch. Die durch den Sehritt nach vorwrts zurckgelegte Strecke" aber ist die Kathete eines rechtwinkligen Dreieckes, das gebildet wird von der Schrittlnge" als Hypotenuse und der Spurbreite als der anderen Kathete. Denn wenn ich in der beistehenden Fhrten- skizze die allenmitten der Einzelfhrten (3) und (4) durch eine Linie verbinde, Bewegliclvcit besessen zu haben scheint. Die vierte Zehe ist stets die lngste. Die Lnge der Einzelfhrten selbst ist bei denen der VorderfUsse kleiner als denen der Hinter- fsse. Sie ist entweder gleich der Spannweite der Einzel- fhrten, oder wird von ihr um 1 bis 1,5 cm bertrolfen, wodurch jene ein charakteristisches breites Aussehen erhalten. Nun sind auch bei den Einzelfhrten der Kabarzer Fhrtenplatte die klumpigen Zehenendigungcn von vier aufeinanderfolgenden Zehen deutlich nach einer Seite ge- bogen, die gekrmmt, brigen und entgcgengesetzen einer usseren nach der Ferner ist eine Zehe stets lnger als die von den beiden ussersten Zehen, namentlich die eine von den mittleren getrennt. Unschwer geben sich daher die charakterisirten Zehen als die ersten vier, die vierte, sowie erste und fnfte zu erkennen. Dement- sprechend sind dann aber die vier grossen Einzelfhrten- >'C^, eindrcke der Kabarzer Platte Extremitten eines zu deuten, die eine ils die Spuren der rechten" fnfzehigen 1 so ist und des (4), (3): breite" zugleich die die rechtwinkligen V(4/3)2-(3/x)-^ ausserdem muss diese die Schrittlnge Hypotenuse Dreieckes x, worin (3/x) die Spur- und (4/x) die durch den Schritt (3/4) zurckgelegte Strecke" ist. (4/x) ist aber gleich leicht i ^*. % Vierfssers nur in ihren rechten Einzelfhrteneindrcken auf der Platte erhal- tene, zusammenhngende Fhrte bilden. Unter- sttzt wird diese Folgerung durch das Vor- handensein weniger Zehenspuren an dem anc^ren Eand der Platte, die von den linken Extremitten herrhren drften. Die Zusammengehrigkeit der vier Einzel- also zu berechnen; sie gleich sein der halben einseitigen Schrittlnge" (2/4). Durch diese Maasse sind somit alle Grssen gegeben, die charakteristischen Maasse einer zusammen- hngenden Fhrte zu bestimmen. Je kleiner die Spurbreite" (3/x) wird, je grsser wird die zurckgelegte Strecke" (4/x) und nhert sich in ihrem Werth immer mehr der Schritt- lnge" (3/4), bis sie bei seilendem" Gang ihr gleich wird. Zur Beschreibung der Kabarzer Fhrten- l)latte des Museums (Fig. 2) bergehend .sei hervorgehoben, dass sie noch das besondere Interesse fr sich in Anspruch nimmt, die erste Platte mit Fhrteneindrcken gewesen zu sein, die in die Samm- lungen des Museums in Gotha gelangte. Es befinden sich auf ihr vier grosse Einzelfhrteneindriickc und ein kleinerer, entgegengesetzt gerichteter Einzelfhrtenein- druck, ausserdem noch wenige Eindrcke einzelner Zehen und Zehenspitzen, die theilweise mit den grossen, theil- weise der kleinen Einzelfhrte im Zusammenhang zu stehen scheinen. Die vier grossen Einzelfhrteneindreke bestehen bei vollstndiger Ausl)ildung aus einem breiten Hallen und fnf Zehen mit klumpigen bis kugelfrmigen Endiguiigen. Sie erinnern dadurch an die Klumpzelifhrte Ichnium sphaerodactylum von Tambach, so dass ich auch weitere Merkmale dieser, die ich hier zunchst nach meiner Unter- suchung kurz zusammenfasse, mit ihr verglichen habe (siehe diese Zeitschrift a. a. 0.). Die Einzelfhrte von Ichnium sphaerodactylum Tambach besteht aus einem breiten Ballen und fnf Zehen. Die Zehen besitzen klumpige bis kugel- frmige Endigungen, die bei den ersten vier Zehen nach einwrts gebogen, bei der fnften Zehe nach auswrts ge- krmmt sind. Die erste Zehe ist, namentlich bei (aerz Berlin NW., Luisenstr. 22. Patent- Marken- u. Musterschutz fr alle Lnder.'. e ' Hempei's Klassiker-Ausgaben. Ausfhrl. Special Verzeichnisse gratis. Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandl. Photographische Apparate und Bedarfsartikel Spccialitiit ; Npiejjfl-t'Hniera!*. Sind die praktisclisten Hand-Apparate Das beliebige Objectiv dient gleichzeitig als Sucher. Das Bild bleibt bis zum Eintritt der Be- lichtung in Bildgrsse sichtbar. Die Visierscheibe dreht sich um sich selbst (fr Hoch- und Quer- Aufnahmcu). Spiegel-Camera 9/12 cm zum Zusamiiiciilegen. Alleinvertrieb der Wostendorp A Wehner-Platten. Pillnaj'Hehen I.iaeke. Max Steckelmann, Berlin W. 8. 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Grssere Auftrce ent- anstalten. wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist ^ft 4. <3I3 sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme BringeKeid bei der Post 15 -^ extra. Postzeitungsliste Nr. 4954- ^'- bei allen AnnoncenbureaiLX wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit voilstndieer <^nellenaneabe gestattet. 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. 20. September 1S96. M. Vcrworu: Errci uud Lhmuiiii'. Seit III. 11 D j^ H U .l I_i et 11 HA U 1 ^ < einem Decennium vernimmt man an verschiedenen Steilen von Neuem die Schlagworte des Vitalismus. Was vom alten Vitalismus bernommen worden ist, ist aber im Wesentlichen nichts weiter als der Name. Was heute unter dem Titel Vitalismus" cursirt, sind Dinge, die mit der alten Lehre von der Lebenskraft nur lose im Zu- sammenhang- stehen. Es sind auch untereinander sehr verschiedene Dinge, die man im Allgemeinen in zwei (Iruppen bringen kann, und die V. unterscheidet als mechanischen" und psychischen Vitalismus". Der mechanische Vitalismus ist die hier uud dort vertretene Ansicht, dass zwar die Lebenserscheinungen im Grunde auch auf der Wirksamkeit physikalischer und chemischer Factoren beruhen, dass aber chemische und physikalische Krfte in den lebendigen Organismen zu einem so eigenartigen, bisher noch unerforschten Coraplex verkettet sind, dass man diesen vorlufig als eine be- sondere, nur das Geschehen in den lebendigen Organismen charakterisirende Lebenskraft allen Krften der organi- schen Natur gegenberstellen niuss. Mit anderen Worten, man versteht unter Lebenskraft nur das speeiclJe Getriebe der ehemisch - physikalischen Krfte, das gerade den Lelienserscheiuungen zu Grunde liegt. Mit dem alten Vitalismus, der eine foree hypermechanique" als Ur- sache der Lebenserscheinungen annahm, hat diese Vor- stellung nichts zu thun. Eine viel tiefere Bedeutung hat der psychische Vitalismus. Er entspringt denselben Ursachen, in denen aucii die anderen mystischen Neigungen unserer Zeit wurzeln, und gerade bei ihm sind diese" Ursachen deutlich zu erkennen. Es ist die philosophische Unzulng- lichkeit des einseitigen Materialismus. Der psychische Vitalismus sagt, die Organismen unterscheiden sich von den leblosen Krpern durch die Psyche und geht von dieser brigens kaum zu begrndenden Annahme zu folgendem Schluss ber: Da es unmglich ist, die psychi- schen Erscheinungen, wie die Materialisten wollen, mechanisch zu erklren, so mssen wir umgekehrt suchen, die Lebenserseheinungen psychologisch zu verstehen. Das Wesen der Naturforschung hat aber von jeher nur darin bestanden, die Erscheinungen der Krperwelt zu studiren, und dabei haben sich im Laufe der Entwicklung mensch- licher Forschung bestimmte Zusammenhnge ergeben, die in unseren Naturgesetzen ihren Ausdruck gefunden haben. Was wir mechanische Erklrung nennen, ist nichts anders als die Erforschung dieser Gesetzmssigkeit des Ge- schehens in der Krperwelt. p]s ist ferner klar, dass von dieser Erklrung nichts ausgeschlossen werden kann, was Krper ist, sei es nun leblos oder lebendig, und so stehen wir auch auf diesem Wege doch wieder vor dein Zwang, die Lebenserseheinungen mechanisch zu erklren. Was wir als aligemeinstes Ergebnis der bisherigen physiologischen Forschung bezeichnen knnen, lsst sich etwa in folgenden Worten zusammenfassen: Die Lebens- erscheinungen aller Organismen beruhen zuletzt auf chemischen Processen in der lebendigen Substanz der Zellen, aus denen sie zusammengesetzt sind. Diese chemisclien Processe, die gewhnlieh als Stoft'wechsel be- zeichnet werden, bestehen in fortwhrender Zersetzung und Neubildung oder Dissimilation" und Assimilation" der lebendigen Substanz und vor Allem ihrer complicirtesten Bestandtheile, der lebendigen Eiweisskrper oder iogcne. Ihre Zersetzungsproduetc treten nach Aussen hin ab. Die von Aussen her eintretenden Nahrungsstoft'e liefern das Material fr ihre Neubildung. So geht ein unaufhrlicher Stoffstrom durch die leljendific Substanz. Der Ausdruck 98 Naturwissenschal'tliche Wochenschrift. XII. Nr. 9. der UmsetzuDgen, die er in ihrem Innern erfhrt, sind die elementaren Lebenserscheinungen des Stoffwechsels, des Energiewcchsels und des Formwechsels, d. h. die drei Seiten, nach denen alle Vorgnge in der Krperwelt fr uns in die Erscheinung treten. Wie jede Naturerscheinung, so sind auch die Lebens- erscheinungen bedingt durch eine Reihe von usseren Factoren, die wir als allgemeine und specielle Lebens- bedingungen kennen. Jede Vernderung in diesen Be- dingungen wirkt unter Umstnden auch verndernd auf die Lebenserscheinungen. Damit ist die Definition des Reiz- begriftes gegeben. Reiz knnen wir ganz allgemein definiren als eine Vernderung in den usseren Lebensbedingungen, und die Physiologie hat die Auf- gal)e, die Vernderungen im Organisnnis zu untersuchen, welche die Reizung erzeugt. Um den Versuch, die allgemeinen Wirkungen der Reize zu erforschen, mit einiger Aussicht auf Erfolg unter- nehmen zu knnen, ist ein bestimmter Weg uthig, es ist der Weg einer vergleichenden Cellularphy sio- logie. Joliaunes Mller fasste sein Gesetz von der specifi- scheu Energie der Sinuesnerven in die AVorte: Dieselbe ussere Ursache erregt in den verschiedenen Sinnen ver- schiedene Empfindungen nach der Natur jedes Sinnes, nndich das Enipfindbare der bestimmeten Sinnesnerven, und die eigenthUndichen Empfindungen jedes Sinnesnerven knnen durch mehrere innere und ussere Einflsse zu- gleich hervorgerufen werden." Dieses Gesetz erscheint im Lichte der vergleichenden Cellularphjsiologie tief be- grndet in den Fundaiuentaleigenschaften aller lebendigen Sidistanz. Schon Hering hat in einer gedankenreichen, kleinen Schrift darauf hingewiesen, dass eigentlich jede lebendige Sul)stanz ihre specifische Energie besitzt: es ist das an- geborene Vermgen, die specifische Energie der lebendigen Substanz der Leber, Galle zu bereiten, wie es die specifische Energie der lebendigen Substanz der Schleim- drse ist, Schleim zu bereiten etc." Das tritt uns noch deutlicher entgegen, wenn wir die Wirkungen der Reize an verschiedenen Zellformen studiren. Hier zeigt sich, dass in jeder Zelle eine ausserordentliche Neigung zu einer ganz bestimmten Folge von Processen besteht, und zwar zu derselben Folge von Processen, die schon sjxintan in gewissem Grade an der l)etreffenden Zelle sicii abspielen. Die Amobcnzclle rcagirt auf chemisclie, mcciianisciic, tlicrmische, galvanische Reize stets mit der charakteristischen Formvernderung ihrer amboiden Be- wegung. Die Zellen eines Flimmerepithels antworten auf die gleichen Reize mit einer Beschleunigung des Wimpern- schlages, die Zellen einer Drse mit gesteigerter Se- cretion. Was also J. Mller fr die Sinnesorgane des Menschen gezeigt hat, das ist im Leltensprocess, d. h. im Stoffweclisel aller lebendigen Substanz begrndet, denn an der gleichen Form der lebendigen Substanz r|ufeu die verschiedenartigen Reize die gleichen Erscheinungen hervor, whrend umgekehrt der gleiche Reiz an verschiedenen Formen der lebendigen Substanz vcrscliiedene, und zwar die fr jede Form charakteristischen Lebens- erscheinungen erregt. Allein dieses Gesetz der specifischen Energie der lebendigen Substanz bedarf noch einer Erweiterung hin- sichtlieh der Wirkung der Reize. Niclit immer besteht die Wirkung der Reize in einer Erregung, d. h. einer Steigerung der s])ontanen Lebensersciieinungen oder ge- nauer des ihnen zu Grunde liegenden Stoffwechsels. In vielen Fllen, z. B. bei Herabsetzung der Temperatur, bei Anwendung von Narcoticis sehen wir im Gcgenthcil eine Lhmung, d. h. eine Herabsetzung, ja vollstndige Unterdrckung des Stoffwechsels als Wirkung der Reizung entstehen. Es ist ein Verdienst von Claude Beniard, ge- zeigt zu haben, dass alle lebendige Substanz durch diese Mittel gelhmt werden kann. Die Pflanze wird ebenso wie der einzellige Organismus und das Thier durch Chloro- form und andere Glitte! in Narkose versetzt und zu einem anscheinend vollstndigen Stillstand ihres Lebens ver- anlasst. Dabei ist es bemerkenswertii, dass die Genese der Lhmungen zweifacher Art sein kann. Whrend die Herabsetzung der Temperatur primr auch in gleichem Maasse Herabsetzung des Lebensproccsses zur Folge hat, ist die Entstehung der Lhmung in anderen Fllen erst eine secundre Erscheinung, indem ihr ein Stadium der Erregung vorhergeht. Jeder erregende Reiz, wenn er stark genug ist oder lngere Zeit dauert, kann secundr durch Ueberreizung eine Lhmung erzeugen, was am Besten die Erscheinungen der Ermdung illustriren. Nach alledem knnen wir auf Grund der specifischen Energie der lebendigen Substanz das allgemeine Ge- setz der Reizwirkungen darin erblicken, dass die Reize die Intensitt des normalen Lebens- processes der Zelle beeinflussen, indem sie ent- weder eine Steigerung desselben, eine Erregung (Excitation), oder eine Herabsetzung, eine Lh- mung (Depression) herlieifhren. Eri'cgung und Lhmung des Stoffwechsels der Zellen sind die fundamentalen Ursachen der ganzen Flle mannigfaltiger Reizerscheinungen am Orga- nismus. Stellen wir uns eine Zelle vor, die sich im Stoff- wechselglcichgewicht befindet, d. h. eine Zelle, bei der Assinniations- und Dissimilationspocesse sich die Wage halten, und denken wir uns dann, ein Reiz wirke ein, so wird der Stoffwechsel der Zelle nach dem all- gemeinen Gesetz der Reizwirkungen erregt oder gelhmt werden. Dabei ist es nicht nthig, dass der ganze Stoff Wechsel der Zeile in gleichmssiger Weise verndert wird, so dass ein neuer Gleichgewichtszustand eintritt, sondern die Erregung oder Lhmung kann einzelne Glieder der grossen Kette von Stoffwechsel- processen in ungleichem Maasse betreffen. Vor Allem verdient unsere Aufmerksamkeit die verschiedene Beeinflussung der beiden antagonistischen Phasen des Stotf- weclisels, der Assimilation und der Dissimilation und der antagonistischen Phasen der Bewegung, der Contraction und der Exjjansion. Der amboiden Bewegung, die, so primitiv sie aucii scheint, doch im Princip die gleiche Bewegungsform ist, wie die hochorganisirte Muskelbewegung, liegt, wie allen Contractionsbewegungen der lebendigen Substanz, ein Wechsel zu Grunde zwiseiicn den Phasen der Zusammcn- ziclning und der Ausdehnung, der Contractiini und der Expansion. Beide Phasen werden durch Reize in sehr verschiedenem Grade erregt. Es giebt Reize, welche die Ambe zur Contraction zwingen, so dass sie sich kugelig zusanunenballt. Es giebt andere Reize, welche die Ex- ])ansions]ihase erregen, so dass sich ihr Krper nach allen Sciti-n hin ausbreitet. Was Itesonders i)cmerkenswerth erscheint, ist nun der Umstand, dass mit zunehmender Intensitt eines Reizes die Grsse der Erregung bei verschiedenen Gliedern der Stoffwechsel- kette in sehr verschiedenem Maasse sich ndert, so dass der Fall eintreten kann, dass derselbe Reiz bei schwacher Intensitt eine ganz andere, ja unter Um- stnden sogar entgegengesetzte Wirkung hat, als bei starker Intensitt. Setzen wir eine amboide Zelle, die wie die marinen Rhizojjoden ihre lebendige Substanz zu langen und dnnen XII. Nr. 9 Naturwissenschaft liehe Wochenschrift. 99 Psetulopoclienfden ausfliesseu lsst, langsam steigender Temperatur aus, indem wir sie von 0*' an auf einem heizl)aren Clbjecttiseii erwrmen, so sehen wir zunchst die Substanz des interessanten Wesens sich ausbreiten. Das Protoplasma fiiesst vor, die Pseudojiodien strecken sich aus, die Ex])ansion berwiegt. Indessen bald ndert sich das Bild. Das Hervorfliessen wird zwar immer leb- hafter, al)er auch das Zurckstrmen nach dem Kriier nimmt zu. Jetzt fiiesst das Protoplasma schon ebenso schnell nacli dem Zellkrper zurck wie es aus ihm herausstrmt. Die Verlngerung- der Pseudopodien hrt auf. Weiter und weiter steigt die Temperatur, strker und immer strker wird die Rckkehr der Protoplasma- massen nach dem Krper, mehr und mehr ziehen die Pseudopodien sieh ein. Die Contraetion berwiegt. Nun hat sie ihren Gipfel erreicht. Die Rhizopodenzelle ist eine kugelige Masse geworden, die alsbald in Wrme- starre verfllt. Ihr Leben steht still. Wir sehen also, wie bei niederer Temperatur die Processe, W'elche die Expansionsphase cliarakterisiren, bedeutend die Processe der Contractionsphasc berwiegen, wie aber hiiere Temperatur das umgekehrte Verliltniss erzeugt, mit anderen Worten, wie der schwache Reiz und der starke Reiz geradezu antagonistische Wirkungen haben. Man knnte verfhrt werden, aus den Thatsachen der ungleiclien Erregung oder Lhmung einzelner Glieder der Stofifwechselkette auf eine grosse Selbststndigkeit derselben zu scbliessen, wenn nicht aus anderen Er- fahrungen die ganz ausserordentlich enge Abhngigkeit der verschiedenen Processe von einander zur Genge be- kannt wre. Schaltet man nur ein einziges Glied dieser Kette aus, unterdrckt man z. B. die Oxydationen in der Zelle durch Entziehung des Sauerstoffs, so entwickelt sich alsbald eine vllige Strung des gesammten Stoff- wechsels, und der Tod ist das Ende. Die Geschichte des Todes ist mit solchen Vorgngen eng durchwoben, und die Pathologie kennt eine ganze Reihe davon: Es sind die metamorphotischen Processe, die scheinbar eine Aus- nahme von unserem allgemeinen Gesetz der Reizwirkungen machen, da man in ihnen nicht ohne Weiteres eine Lhmung oder Erregung, sondern eine qualitative Ver- nderung des Stoffwechsels zu erblicken geneigt ist. Jeder Arzt kennt zur Genge die chronischen Er- krankungen, die sicli meist au schwere Infeetionskrank- heitcn oder Vergiftungen anschliessen, die Erscheinungen der Fett-, der Amyloid-, der Schleimmetamorphose und andere. Hier treten in den Zellen der Leber, der Niere, der Milz Producte auf, wie Fett und Aniyloidsubstanz, die dem normalen Stoffwechsel der Zelle ganz fremd zu sein scheinen. Allein alle diese Erscheinungen sind nur sceundre Folgen von lnger bestehenden Erregungen oder Lhmungen einzelner Glieder der Stofifwechselkette. Werden z. B., wie das bei der Fettmetamorphose der Fall ist, die (Jxydationen in der Zelle gelhmt, etwa in Folge von Alkoholismus oder Phosphorvergiftung, so werden gewisse Atomgruppen, die sonst durch Oxydation im selben Maasse zerfallen, in dem sie entstehen, im Zell- krper aufgespeichert, und der Stoffwechsel gerth in eine perverse Bahn, die zum Tode der Zelle fhrt. Im normalen Leben der Zelle, wo in der Regel nur vor- bergehend die alltglichen Reize auf sie wirken, ussert sieh das enge Abhngigkeitsverhltuiss der einzelnen Pro- cesse des Stoffwechselkreislaufes dagegen in eiir anderen Weise, die nicht minder Interesse verdient. Es ist die innere Selbststeuerung des Stoffwechsels, wie Hering die Erscheinung sehr treffend bezeichnet. Ist nmlich ein Glied der Stofifwechselkette, etwa die Dissimilatiousphase durch einen Reiz erregt worden, so zieht diese Erregung auch eine Steigerung der anderen Glieder, also in diesem I'alle der Assimilationspliase nach sich. Whrend die er.stere Erregung nach dem Aufhren des Reizes all- mhlich verklingt, dauert die letztere fort, bis die dissi- milirte Substanz wieder ersetzt oder regenerirt worden ist. Dann tritt wieder Stoffwechselgleichgewicht ein. Der Muskel, der durch starke Reizung vollstndig er- schpft und leistungsunfhig erscheint, erholt sich alsbald und stellt seinen frheren Erregbarkeitsgrad wieder her. Subjectiv findet die Selbststeuerung des Stoffwechsels ihren schnsten Ausdruck am Auge in der Erscheinung der farbigen Nachbilder, deren aumuthige Phnomene als reizvolle Unterhaltung bekannt sind. Nach der Heringscheu Farbentheorie ist die Wahrnehmung der Farben der psychische Ausdruck fr die Stofifweehsel- ])rocesse der Sehsubstanz, in der Weise, dass je zwei Complementrfarben antagonistischen Phasen des Stoff- wechsels entsprechen. Haben wir nun lngere Zeit einen rothen Gegenstand angesehen und blicken dann auf eine hellgraue, farblose Flche, so sehen wir alsbald mit grosser Deutlichkeit ein Nachbild des Gegenstandes in Grn. Die durch das rothe Licht hervorgerufene dissi- milatorische Erregung in den Zellen der Sehsubstauz zieht nach sich eine Erregung der assimilatorischen Phase, d. h. es steigt ein grnes Nachbild im Gesichtsfelde auf. Die Erscheinungen am Auge, das ja ein wunderbar feines Reagens fr alle Lichtreize ist, bringen im simul- tanen Contrast zugleich noch ein andere Thatsache von Wichtigkeit zum Ausdruck, das ist die Thatsache, dass whrend au einer Stelle der lebendigen Substanz eine dissimilatorische Erregung besteht, in der Umgebung die Assimilation gesteigert ist und umgekehrt. Daher erscheint ein farbloser, grauer Papierstreifen auf einer rothen Unterlage dem Auge in mattgrner Farbe. Mit Rcksieht auf gewisse Erscheinungen im Nerven- system der Thiere und des Mensehen verdient schliesslich noch ein Punkt Aufmerksamkeit. Das ist die Frage nach den Interferenzwirkungen zweier Reize an der Zelle. Welches sind die Folgen, wenn zwei Reize gleichzeitig auf die Zelle einwirken? Auch hier ergiebt sich eine allgemeine Gesetzmssigkeit. Der Enderfolg der Reizung hngt im gegebenen Fall stets ab von der Wirkungsart jedes einzelnen der beiden interferirenden Reize. Handelt es sich um zwei Reize, die homonome Wirkungen haljen, d. h. die beide erregend oder beide lhmend auf die gleichen Glieder des Stoffwechsels wirken, so haben wir eine Summation der Erregungen oder Lhmungen. Wirkt dagegen der eine Reiz erregend, der andere lhmend auf die gleichen Processe, so wird der Erfolg sieh in der Differenz beider Wirkungen ussern. Was aber beaehtens- werth erscheint, das ist die Wirkung von Reizen, die nicht die gleichen Processe, sondern antagonistische (Glieder der Stofifwechselkette erregen, von denen der eine dissimilatorisch, der andere assimilatorisch, der eine eon- traetorisch, der andere expansorisch erregend wirkt. Hier sehen wir, dass trotzdem beide Reize Erregung erzeugen, doch der eine den Reizerfolg des anderen hemmt oder aufhebt. Der constante galvanische Strom wirkt an beiden Polen antagonistisch auf die Ambenzelle, indem er sie an der Anode contraetorisch, an der Kathode expansorisch erregt. Lsst man nun durch eine Ambe, die man mit starken Reizen zu kugliger Contraetion veranlasst hat, einen constanten Strom hindurchfliessen, so beginnt im Moment der Schliessung an der Kathode die Con- traetion zu weichen, und Expansionserscheinungen greifen Platz, d. h. ein mchtiges Pseudopodium fiiesst vor, whrend am entgegengesetzten Pol die Contractions- erscheinungen noch deutlicher werden. Jetzt gengt eine pltzliche Wendung der Stromrichtung-, um die Processe an beiden Enden des Ambenkrpers sofort zu sistiren 100 Naturwissenschaftliche Wochenschntt. XII. Nr. 9. und die Expansion durch eine Contraction, die Contraction durch eine Expansion zu verdrngen. Die analogen Er- scheinungen, nur mit Verwechselung der Pole, zeigt uns der Muskel, und das Auge liefert uns wieder einen sub- jcctiven Ausdruck dafr. Bringen wir z. B. zwei Com- plemcntrfarben auf der rotireuden Scheibe des Farben- kreisels zur Mischung, so heben sich beide in ihren Wirkungen auf, und die schwirrende Scheibe erscheint in farblosem Grau. Demnach kann eine bestehende Erregungserscheinuug auf doppelte Weise ge- hemmt werden: einerseits durch Lhmung der erregten, andererseits al)er auch durch Erregung antagonistischer Stoffwechselglieder. In welcher Weise sind die hier besprochenen Gesetze geeignet, Licht ber complicirte Erscheinungen zu ver- breiten ? Als eine Gruppe unerklrter Erscheinungen galten bis vor Kurzem die Wirkungen, welche einseitig ein- wirkende Reize an freibeweglichen Zellen hervorbringen. Die merkwrdige Thatsache, dass Reize, die von der Rcizquelle lier an Intensitt abnehmen, die Bewegungs- richtung einzelliger Organismen mit eisernem Zwang be- stimmen, war etwas, das so ganz ausserhalb der sonst bekannten Reizwirkungen lag, dass sie nur in den rein physikalischen Erscheinungen der Anziehungen und Abstossungcn im Gebiete des Magnetismus und der Elektricitt ein Analogen zu finden schien. So sah man in den Erscheinungen des Chemotropismus, des Helio- tropismus, des Thermotropismus und anderer mehr selbst in der exactcn Wissenschaft nur eine Anziehung und Ab- stossung der t)rganismen von Seiten des Reizes. Erst auf Grund unserer allgemeinen Erfahrungen au der Zelle lassen sieh diese Erscheinungen in Zusammenhang bringen mit den brigen Reizwirkungen; es ist nunmehr mglich, sie unter Bercksichtigung gewisser Grssen, die in jedem speciellen Fall bestinmit werden knnen, in mathematisch exaeter Weise vorher zu berechnen. Die Fragen, die in jedem Fall vorher beantwortet werden mssen, sind lediglich die: Wirkt der betreffende Reiz erregend oder lhmend auf Contraction oder Expansion der Bewegungs- orgaiie der Zelle, und wie ndert sich diese Wirkung mit seiner IntensittV Sind diese Grssen bestimmt, dann lsst sich auf Grund der Bewegungsart der betreffenden Organismen ihre Axeneinstellung und Bewegungsrichtung gegenber der Rcizquelle im Voraus angeben. Whlen wir eine grssere aml)oide Protoplasma- niasse, etwa ein Myxoniyeetenplasmodium, und denken wir uns, dasselbe befnde sich in einer schmalen Wanne, die an einem Ende erwrmt wrde, so dass in dem Wasser derselben ein betrchtlicher Temperatural)fall nach dem anderen Ende hin vorhanden wre, dann wrden die beiden den Enden der Wanne zugewendeten Seiten des Plasmodiums verschiedenen Temperaturen aus- gesetzt sein. Nun wissen wir, dass von 0" an die Ex- pansionsphase der amboiden Bewegung bis zu einem gewissen Temperaturgrade mehr und mehr erregt wird, und zwar strker als die Contraetionsphase. Das Plas- modium wird sich also an der wrmeren Seite mehr aus- breiten als an der klteren, d. h. es kriecht nach der Wrme hin und ist positiv thcrmotropisch. Steigen wir aber hher hinauf in der Temperatur, so haben wir ge- sehen, dass in lilieren Temperaturlagen die Erregung der Contractions])liase berwiegt. Das Plasmodium wird sieh also jetzt nach dci' khleren Seite mehr ausbreiten als nach der wrmeren, mit anderen Worten, es wird bei hiierer Tem])eratur negativ thcrniotropisch. Dieses Hei- spiel kann als Typus gelten. Ganz analog ist die Mechanik bei anderen Zellen, und ganz analog erklren sieh auch die Wirkungen anderer Reize. Sei es das Infusor, das der Schwerkraft zum Trotz nach der Oberflche der Scblammpftttze schwimmt, sei es die Algenzelle, die dem Lichte der Sonne entgegeneilt, sei es die Scliwrmspore, die der Richtung der Eizelle folgt, sei es das P)aeterium, das gierig nach seiner Nhrlsung strebt, oder sei es der Leukocyt, der im menschlichen Krper nach der inficirten Wundstelle wandert, stets ist es dasselbe Prineip von Er- regung und Lhmung, stets ist es der eiserne Zwang des einseitig wirkenden Reizes, was die P.ewegung beherrscht. Beim Zellenstaat ist das Spiel von Erregung und Linnung unsagbar eomplicirt. Zahllose Zellen nelimen an ihm Theil, zu verschiedener Zeit, in verschiedenem Maasse, von Aussen gereizt, gegenseitig sieh beeinflussend, ungleich erregbar. Vor Allem weehselvoll und mannig- faltig sind die Erscheinungen der Erregung und Lhnumg im thierisehen Krper, im Kiirper der Wirlielthiere, im Krper des Menschen. Die Abhngigkeit fast aller Or- gane vom Nervensystem, das hierhin und dorthin seine Reizinipulse sendet, um bald dieser, bald jeuer Zcllgruppe den Befehl zur Thtigkeit oder Ruhe zu geben, macht, dass am menschlichen K(irper fast alle Lebenserscheinungen nur der Ausdruck eines grossen, gewaltigen (ietriebes von Erregungs- und Lhmungsvorgngen in den Zeilen des Nervensystems sind. Aber aucii die Vorgnge in den Ganglienzellen oder Neuronen sind den allgemeinen Gesetzen der Erregung und Lhmung unterworfen, die alle Zellfornieu beherrschen. Je umfangreicher unsere Kenntnisse von den allgemeinen Gesetzen des Zellebens, um so besser fr unser Verstndniss der Vorgnge im Nervensystem. Bei manchen Erscheinungen, wie z. B. der einfaciien Reflexbewegung, sind uns die urschlichen Vorgnge im Nervensystem ihren Hauptmomenten nach bekannt. Ueber- haupt sind im Allgemeinen die Proeesse, die den Tlitig- keitsusserungeu zu Grunde liegen, etwas besser er- forscht: dagegen gehrt das Gebiet der Hemmungs- erseheinungen zu den dunkelsten der Physiologie. Schon die einfache Erscheinung der willkrlichen Unterbreeliung einer Bewegung, etwa das blosse Sinkenlassen des er- hobenen Armes, hat bisher der physiologischen Erklrung bedeutende Schwierigkeiten bereitet. Zum grssten Theil drfte die Unklarheit in den Problemen der Hemnuingserscheinungen wohl auf einer ungengenden Schrfe in der Trennung der Begriffe beruhen. Man hat vielfach die Begriffe der Hemumng und Lhmung auf Grund rein usserlicher Merkmale mit einander \ermischt, und doch liraucht, wie wir sahen, ein Henuiiungserfolg an der Zelle nicht immer durch Lhnning zu entstehen, sondern kann ebensowohl in der Erregung von Processen seine Ursache haben, die den bestehenden entgegen- wirken. Die Sistirung oder Verhinderung einer Muskel- bewegung von einem motorischen Neuron aus kann daher der Ausdruck von zwei sehr verschiedenen Vorgngen sein. Nach der allgemeinen Anschauung wird ja be- kanntlich die Contraction eines Muskels verursacht durch eine dissimilatorische Erregung in seinen motorischen Neuronen. Eine Expansion kann also auf zweierlei Weise im Neuron begrndet sein: einerseits in einer Lhmung der Dissimilation und andererseits in einer assi- milatorischen Erregung. Beide haben in Bezug auf den Muskel den gleichen Erfolg. Es ist also unbedingtes Er- forderniss, von Fall zu Fall zu entscheiden, welche Pro- eesse in den betheiligten Neuronen bestehen. Unter den mannigfaltigen Erscheinungen der Bewegungshemmung sind zweifellos beide Flle vertreten. Der Frosch, dessen hintere Hxtremitten unmittelbar nach einer hohen Rekenmarksdnrchschneiilung fr einige Zeit durch die strksten Reize zu keiner Reflexbewegung zu veranlassen sind, hat offenbar eine vorljcrgehende Llmmng seiner XII. Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochenschnlt. 101 Rckenniarksneurcue durch Uebencizuug erfahren, wie ja auch heim Hhoek der Chirurgen in Folge eines sciiwcren oiierativcn Eingriffes das Nervensystem ge- lhmt ist. Die willkrliche Erschlaffung eines eontrahirten Muskels aber wird man kaum mit einer Lhmung in Zu- sammenhang bringen knnen. Hier kann es sieh nur uui Hemnumt;- der Contraction durch Erregung anta- gonistischer, handeln. (1. h. expansorisch wirkender Processe Die Thatsache, dass der Ausdruck einer Er- regung durch die Erregung antagonistisch wir- kender Stoffwcchselprocessc aufgehoben werden kann, scheint im Leben der Neurone eine unge- mein wichtige Rolle zu spielen und ein sehr fruchtbares Moment fr die Erklrung vieler Vorgnge im Centralnervensystem zu liefern. Als Moses in den den Felsschluchten der Sinaiberge umherziig, vernahm er die Stimme des Herrn im feurigen Busch, die ihn zum Erlser seines Volkes berief. Und der Herr sprach zu Moses: Wirf Deinen Stab von Dir zur Erde. Und er warf ihn von sich. Da ward er zur Schlange, und Moses floh vor ihr. Aber der Herr sprach: Strecke Deine Hand aus und erhasche sie beim Schwanz. Da streckte er seine Hand aus und hielt sie; und sie ward zum Stabe in seiner Hand." Das war das Wunder, das den Moses als Gesandten des Herrn am Hofe des Pharao beglaubigen sollte. Allein die Zauberer des Knigs kannten das Experiment schon und machten es auch; und was die gyptischen Zauberer zu Zeiten des Moses schon machten, das machen noch heut die Schlangenbeschwrer in den Strassen von Kairo. Sie erfassen die zngelnde, drohende, giftige Haje mit sicherem Griff und sofort streckt sie sich aus, um regungs- los liegen zu bleiben. Dreitausend Jahre nach Moses besehrieb Daniel Schwenter das jetzt unter dem Namen des Pater Kircher bekannte Expei'imentum mirabile de imaginatione gallinae", dessen Wesen darin besteht, dass ein schnell ud sicher ergriffenes Huhn in ungewhnlicher Stellung auf den Tisch gelegt, nach einigen energischen Abwehr- bewegungen pltzlich bewegungslos in dieser Lage ver- harrt. Was bei allen Thieren, seien es Sehlangen oder Hninier, Meerschweinchen oder Frsche, Eidechsen oder Krebse, in dem fragliehen Zustand zunchst am meisten Erstaunen erregt, ist das Fehlen jeder spontanen Be- wegung zur Vernderung der aufgedrungenen Stellung. Unter gewhnlichen Umstnden lsst sich kein Thier eine solche almormc Lage gefallen. Es fehlen also, um so zu sagen, die Willensimpulse oder iihysiologisch ausgedrckt, die motorischen Impulse von der Grosshirnrinde her. Wer den Zustand der Thiere eingehend prft, der wird noch eine ziendich starke tonisehe Contraction fast aller Krper- muskelu entdecken, die dem Thiere den Ausdruck pltz- licher Erstarrung verleiht und beim Meerschweinchen zum Beispiel oft so energisch ist, dass mau das auf dem Kcken liegende Thier au den Zehen der hinteren Extremitten mit der Fingerspitze wie einen Sehlitten umherschieben kann. Das sind die beiden wesentlichen Charaktere des merkwrdigen Zustandes, um den es sich handelt, und es fragt sich, in welchem Vcrhltniss stehen sie mit einander? Die Schule \on Nancy vertritt gegen- ber einer geringen Minderzahl von Forschern die An- sieht, dass Contracturen in der Hypnose nur durch Suggestion, also durch Vermittelung der Grosshirnrinde entstehen. Um daher zu entscheiden, in welchem Vcr- hltniss in unserm Fall die Contractur der Muskeln zu dem Zustande der Grosshirnrinde steht, lag es nahe, die letztere zu entfernen. V. hat daher bei einer Reihe von Hhnern beide Grosshirnhemisphren sorgfltig in toto exstirpirt. Der Erfolg war der, dass das Experimentum mirabile" noch ebenso gelang wie vorher, ja besser, denn im Durchschnitt blieben die Thiere viel lnger in ihrer Zwangsstcllung liegen. Die tonische Contraction der Muskeln war ebenso deutlich entwickelt. Wie gleichzeitige Versuche an Frschen ergaben, ist der Sitz cler tonischen Erregung, welche in der Contractur der Muskeln sich ussert, in den sensiblen Neuronen der Mittelhirnbasis zu suchen. Will man daher die Zustnde bei Thieren mit der menschlichen Hypnose homologisiren, so ist durch diesen Versuch die lange strittige Frage, ob Contracturen in der Hypnose auch ohne Betheiligung der Grosshiru- rinde hervorgerufen werden knnen, im Sinne von Heiden- hain und Charcot bejahend entschieden. Doch es ergiebt sich aus diesen Versuchen noch mehr. Wenn der Er- scheinungscomplex des Experimentum mirabile" in gleicher Weise wie an normalen Thieren auch an Thieren (dme Grosshirn gelingt, dann kann die Betheiligung des Grosshirns an seiner P^ntstehung nur eine passive sein. In der That erfolgen ja whrend der Zeit von Seiten des Grosshirnes weder bewegungshemmende, noch -ver- strkende Impulse, und so tritt die Frage auf, wie man sich diesen Zustand der Indifferenz des Grosshirnes zu erklren hat. Au eine Lhnnnig ist nicht zu denken, denn abgesehen davon, dass die einwirkenden Reize viel zu schwach sind, um durch Ueberreizung eine Lhnnmg zu erzeugen, kann auch der Zustand des Thieres durch einen geringen Reiz, wie Anblasen, Berhren, Erschttern, jeden Moment unterbrochen und das Gehirn pltzlich in seine normale Verfassung zurckversetzt werden. Es bleibt also nur die Vorstellung brig, dass die Thtig- keitshennuung des Grosshirnes auf Erregung antagonisti- scher, d. h. assimilatorischer Stoffwechselprocesse in seinen Neuronen beruht. Eine allbekannte Thatsache drfte hier geeignet sein, einiges Licht zu verbreiten, das ist die Erscheinung, dass starke Erregung einer Stelle des Centralnervensystems unter Umstnden in gewissen Nachbargebieten eine Hemmung er- zeugt. So hennnen sich gegenseitig Sinneseindickc, dass zum Beispiel beim Lesen eines Buches und gleich- zeitigem Anhren eines Musikstckes der eine Eindruck um so mehr verschwindet, je mehr der andere an In- tensitt gewinnt. Wir haben nie mehrere Gedanken gleichzeitig neben einander, sondern jeder neue lscht den vorherigen aus. Diese Erscheinung, die im Leben des Nervensystems eine beraus wichtige Rolle spielt, zeigt mit der Erscheinung des simultanen Contrastes, wie er vom Auge und Muskel bekannt ist, eine so vllige Uebereinstinnnuug, dass es nahe liegt, sie auch auf die gleichen Ursachen zurckzufhren. Dann wurde eine dissimilatorische Erregung gewisser Neurone des Gehirnes oder Rckenmarkes in benachbarten Neuronen durch assimilatorische Contrastwirkung eine Hemmung erzeugen. Machen wir diese Annahme, so sind die beiden Merk- male des Experimentum mirabile" im Zusammenhang mit einander verstndlich. Das primre ist die tetanische Erregung der Mitteliiirnzelien, und diese bewirkt in den Rindenneuronen secundr eine Hennuung. Das wesentlichste Merkmal der menschlichen Hypnose ist eine mehr oder weniger vollstndige Hemmung des Wach- zustandes der Grosshirnrinde, und die Art, wie Hy|)nose erzeugt und aufgehoben wird, weist auf das gleiche Prineip der Entstehung hin, wie bei Thieren, d. h. auf eine Contrasthcnnnung durch antagonistische Processe. Die verschiedensten iVlittel, Hypnose hervorzurufen, laufen smmtlich auf die Nothwendigkeit hinaus, die Aufmerk- samkeit auf einen einzigen Punkt streng zu concentriren. Damit wird ein einziger Bezirk der Grosshirnrinde in 102 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 9. Erregung versetzt. Wo das nicht gelingt, ist Hypnose unmglich, je mehr es gelingt, um so niciir tritt ein In- (lifTerenz/ushuKl in den (ihrigen Partien der C4rosshirnrinde ein, der dann durch Suggestion iiartiell heseitigt werden kann. Der Zustand der Hypnose au sicii, d. h. ohne Er- regung durcii Suggestion, kann schliesslich, wenn die primr erregte Partie ermdet, in wirklichen Schlaf hergehen. Auch beim Schlaf drfte die Hemmung des wachen Erregungszustandes durch die Erregung assimilatorischer Processe in den Neuronen das Hauptmoment bilden. Allein zum Zustandekommen dieses Zustandes wirken zweifellos noch andere Factoren mit. Der wichtigste seheint die Einschrnkung der Sinnesreize zu sein. Wir begeben uns in ein dunkles, geruschloses Zimmer, schliessen die Augen und l)ringen den Krper in eine be(|aeme Lage. Das sind alles Umstnde, die geeignet sind, die Wachthtigkeit, d. h. die dissimilatorisehe Er- regung in den Neuronen sinken zu lassen. Die Ermdung unil die dadurch bedingte Abnahme der Erregbarkeit ist wohl nur als untersttzendes Moment zu betrachten. Dass sie nicht Haui)tmoment sein kann, geht scliou daraus hervor, dass man nach lngerem Schlaf, nachdem also jede Ermdung beseitigt ist, wieder von Neuem ein- schlafen kann, wenn mau will. Ist aber die dissimila- torisehe Erregung in Folge der angefhi-tcn Momente gesunken, so macht sich die Selbststeuerung des Stoft"- wechsels der Neurone in der nachwirkenden assimila- torischen Erregung geltend, und die Wachthtigkeit ist gehennnt. Auch die Autosuggestion des Schlafes oder die Erregung eines gleichgltigen Gedankens, etwa auf- merksames Zhlen oder Hersagen eines Gedichtes, knnen im gegebeneu Falle die gleiche AVirkung erzeugen. Stets aber ist der natrliche Schlaf charakteri- sirt durch die berwiegende Assimilation in den Neuronen, denn das Centralnervcnsystem ist nach dem Schlaf wieder lebensfrisch geworden. Man hat bisher in der Physiologie des Nervensystems den assimilatorischen Processen nur sehr wenig Be- achtung geschenkt und fast ganz ausschliesslich die Wirkungen dissiniilatorischer Erregung, wie sie in den Thtigki'itsusserungen bemerkbar werden, im Auge ge- habt. Wie jede Zelle, so muss aber auch das Neuron assimiliren, und so scheint es gerade im Hinblick auf die hier angeregten Fragen eine dankbare Aufgabe, auch dieser vSeite des Stoffwechsels der Zelle Aufmerksamkeit zu schenken und die Erscheinungen aufzusuchen, in denen sie zum Ausdruck kommt. Das Leben in unserem Nervensystem ist ein ewiges Sehwanken der Grsse eines Bruches, nmlich des Bruches Assimilation zu Dissimilation der lebendigen Substanz der Neurone. Bald ist der Bruch gleich 1, bald ist er kleiner, bald grsser als 1. Jeder Reiz, dereinem Nerven zugeleitet wird, erzeugt eine Strung des Stotf- wechselgleichgewichtes. Alle augenflligen Lebens- erscheinungen am menschlichen K(irper sind nur der Ausdruck dieser Schwankungen im Stoffwechsel seiner Neurone. Die Ursachen, den Mechanismus derselben er- forschen, hcisst schliesslich, das specifisch Menschliche in unserem Leben physiologisch erklren, und das ist unser letztes Ziel. Oberstabsarzt M. Kirchner ist es gclnngen, zum ersten Male TulierkelltaciHeii in einem niclit der Krankenpflege dienenden lianm, und zwar in dem Staub der Montirungskammer einer lufantericcompagnie in Braunschweig, nachzuweisen. (Studien zur Lungen- tuberkulose. Aus der hygienischcliemischen Untersuchungs- station des ;'). Armeecorits. Zeitschrift fr Hygiene und Infcctionskrankheitcn, 180(5, 21. Band.) Die Aufmerksam- keit des betreffenden l>ataillonsarztes, Dr. Hahn v. Dorsche, hatte sich auf die genannte Kammer gelenkt, in Folge der Beobachtung, dass im Herbste 1893 ein Feldwebel, im Juni 1894 ein Sergeant und im Mai 1895 wieder ein Sergeant mit Lungentuberkulose in Behandlung gckonnnen waren, welch alle drei vorher lngere Zeit den Dienst als Kammeruutcrofticier versahen, also sehr viel auf jener Kannnci- zu tliun gehabt hatten. Von acht untersuchten Staub -Proben entliielten nicht weniger als drei Tuberkelbacillen in viru- lentem Zustande (Meerschweinchenimpfung). Das Ergeb- niss ist ausscidrdentlicli bemcrkenswcrth und sagt Verf. nnt Recht: Der Nachweis der Tul)erkcli)acillen in dem Staube einer Kanmier, welche drei an Tuberkulose er- krankten Unterofticieren Monate lang als Arbeitssttte gedient hatte, spricht mit an Gewissheit grenzender Wahr- scheinlichkeit fr die Thatsache, dass diese Leute sich durch Einathnuing jenes Staubes mit Tuberkulose inlicirt haben." Der bacillcnhaltigc Staub war von Tornistern und Si)eltaschen abgewischt, bezw. ' aus Rcken aus- geklo|)ft. Die hygienischen Maassnahmen betretfend, die sich zur Verhinderung der Infcction durch den Bacteriengchalt alter Kleider als nothwendig erweisen, sagt der Verf.: Klopfen und Brsten, das gerade beim Militr hutig und ausgiebig j geschieht, gengt zur IScseitigungJI des Staubes aus der Kleidung augenscheinlich nicht. Einer wirksamen Dcsinfection der Kleidun:;- durcli strmenden Wasserdampf stehen leider die uachtheiligen Wirkungen, welche derselbe auf gefrlite Tuche, Leder und dergl. unstreitig ausbt, vielfach entgegen. Hotten wir, dass wir im Formaldehyd, wie es den Anschein hat, ein Mittel gefunden haben, mit Hilfe dessen man Kleider wirksam desinticiren kann, ohne sie zu zerstren oder in ihrem Werth beeintrchtigen zu mssen." Mz. Neuere Versuche ber kiiustliclie Badescliwauim- kultur. Badeschwmme, Angehrige der Gattungen Euspongia und Hippospongia, linden sich in verschiedenen Arten und Formen in allen wrmeren Meeren. Die feinsten Sorten kommen im stlichen Tlieile des Mittelmceres vor und es ist bekannt, dass die Kulturvlker an den mcankreicli besonders in den heissen und trockenen Jahren 1885 und 1893. Solche zuckerausscheidenden Bume sind Kiefer, Weiss- und Rothtanne, Pappel, Erle, Birke, Eielie, Linde, Ahorn, Esche, Weinstock etc., und unter Krutern Roggen, Schwarzwurz (Scorzonera) und Bocksbart (Tragopogon), dessen Wurzeln ganz sss schmecken. Der Zucker wird aus den Spaltffnungen der Bltter in Form kleiner Trpfchen, die sich bei schwacher Ver- grsserung leicht beobachten lassen, ausgeschieden und fliesst dann zu frndieheu Ueberzgeu zusammen. Sehr hufig stammt der zuckerige, glnzende Belag aber auch von Blattlusen her, welche denselben aus dem Zellsaft der Bltter aufnehmen und in anderer Form wieder abgeben. So enthlt der von Blattlusen herstanuuende, ssse Saft neben Glukose und Dextrin noch Melezitose, einen der Saccharose verwandten, nicht reducirenden Zucker. Derselbe wurde von Berthelot zum ersten Mal aufgefunden, und zwar in der Manna von Briaueon, welche in sd- lichen Lndern die gemeine Lrche (Larix europaea) aus den Nadeln ausschwitzt. Der von den Blttern selbst ausgeschiedene Zucker enthlt dagegen neben ver- schiedenen anderen Kohlehydraten die echte Saccharose. Die Bienen verwenden unter Umstnden auch diese Sfte und zwar meist dann, wenn ihnen kein Blthen- nektar zur Verfgung steht. Falls der von den Blttern abgesonderte Honigsaft nicht scharf und harzig ist, wie bei der Silberpappel, ziehen die Bienen ihn dem von Blattlusen erzeugten vor. Indessen verschmhen sie zu Zeiten der Noth selbst den Zucker aus dem Urin Zucker- kranker nicht. Interessant ist die Abhngigkeit der spontanen Honig- absonderung der Bltter von Feuchtigkeit, Wrme und Licht. Dunkelheit und Feuchtigkeit wirken beschleunigend auf die Ausscheidung, whrend die Temperatur keinen oder einen nur geringen Einfluss auszuben scheint. Es ergiebt sich daraus, dass in der Nacht und am frhen Morgen die leldiafteste Absonderung statthat, whrend sie im Laufe des Tages auf Null sinkt. Im Gegensatz dazu sondern die Blattluse den Zucker vorwiegend am Tage aus. Ferner ergiebt sich aus den eben mitgethcilteu, durch geeignete Versuche ermittelten, gnstigen oder hemmenden Factoren, dass die am Tage sistirte Aus- scheidung durch Verdunkeln nnd Ueberfhren in einen feuchten Raum jederzeit knstlich hervorgerufen werden kann. R. K. H. Moissan hat in den Compt. rend. 122, 1088 bis 1093 ber Darstellung und Eigenschaften des Urans" berichtet. Als Ausgangsmaterial zur Gewinnung des freien Metalls whlt Verfasser anstatt des bisher blichen wegen seiner stark hygroscopiscben Eigenschaften schlecht ver- wendbaren Uranchlorrs (rOL,) das hiftbestndige Doppel- salz des Urantetrachlorids nnt Chlornatrium (rCl42NaCl), das leicht durch Ueberleiten der Dmpfe von Uranchlorr ber zur Rothgluth erhitztes Cidornatrium bereitet werden kann. Aus dieser Doppelverbindung lsst sieh das reine Uran entweder durch Glhen im eisernen Rohr mit me- tallischem Natrium 2[(UrCl42NaCl) + 8Na = 12NaCl -f Ur,)] unter Ausschluss der Luft oder durch Elektrolyse in einer Wasserstoff'atmosphre erhalten. Noch mehr empfiehlt es sich, zur Isolirung des Metalis, ein inniges Gemisch von Uranoxyd und Kohle im elektrischen Glhofen zu glhen, wobei sich die Kohle auf Kosten des Sauerstotfgehalts des Uranoxyds oxydirt, bis schliesslich rein metallisches Uran resultirt. Alle diese Wege liefern sehr gute Aus- beuten. 10f3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 9, zeigt ciustimmungen Das erhaltene Metall ist von rein weisser Farbe und hinsichtlieh seiner Eigenschaften mannigfache Ueber- mit dem Eisen, so besitzt es die Fhig- keit, von der Oberflche aus Kohlenstoff aufzunehmen, lsst sich hrten und oxydirt sich sehr leicht. Mit den Halogenen verbindet sich das fein gepulverte Metall unter Feuererscheinung, die Vereinigung mit Sauerstoff" tritt bei Temperaturen, die ber 170" liegen, ein, whrend die Combiuation mit Schwefel erst bei 500" erfolgt. Das entstandene ransulfid entwickelt bei Zusatz von Salzsure Schwefelwasserstoifgas. Bemerkenswert!! ist ferner die grosse Verwandtschaft bei der Darstellung des Me- Luft Sorge des Urans zum Stickstoff; talles muss man deswegen fr Ausschluss der tragen. In fein vertheiltem Zustande wirkt das Uran schon in der Klte zersetzend auf Wasser ein. Einen Einfluss auf die Magnetnadel besitzt das Uran nicht. A. Sp. lieber das Vorkommen von AmmoniakstickstofF im Urge.stein hat H. Erdmann bei gelegcntliclien Unter- suchungen ber Argon und Helium berichtet. (Ber. D. Chem. Ges. 29,1710.) Bei spectroskopischen Studien finnischer und skandinavischer Mineralien konnte Ver- fasser neben mehr oder weniger Helium die fr den Stick- stoff" charakteristischen Linien constatiren, wenn er das fein gepulverte Mineral nach Zusatz von Kaliunibichromat erhitzte und das entwickelte Gas im I'lckcrrohr der Analyse unterwarf. Diese Erscheinung trat ganz beson- ders auffallend hervor bei zwei finnischen, dem Polykras und Euxenit nahe verwandten Mineralien, die sich Nhe des Ladogasees in betrchtlicher Menge in der finden. Das cuxenitartige Mineral zeigte neben dem gelben und grnen Helium nur massig helle Stickstoffliuien, wh- rend das dem Polykras hnliche zwar kein Helium, dagegen ein ungemein helles und scharfes Stickstoff'- spectrum aufwies. Da beim Erhitzen dieser Mineralien mit Natronlauge Ammoniak entwickelt wird, so ist die Bindungsform des Stickstoff's bestimmt. Unwahrscheinlich ist es, dass dieser Ammoniakstickstoflfgehalt durch eiue Bindung atmosphrischen Ammoniaks durch die sauren Mineralbestandtheile herbeigefhrt ist, da die Mineralien beim Liegen an der Luft, wie analytische Daten beweisen, keine Vermehrung, sondern eine mit der Zeit zunehmende Abnahme ihres Stickstotfgehaltes zeigen. Aus einer betrchtlichen Reihe von Mineralanalysen ist ganz allgemein das Vorkommen von Ammoniakstickstoff" im nordischen Urgestein ersichtlich; wir entnehmen der interessanten Arbeit au dieser Stelle folgende analytische Daten : Cohimbit von Mosa: 3,8671 g gilben 0,007 pCt. N- Yttrotitanit von Avendal: 1,8142 g gaben 0,018 pCt. N. Orthit von Arendal: 1,1465 g gaben 0,014 pCt. N. Ytterspatli von Hitteroe: 4,0.515 g gaben 0,006 pCt. N. Eu.xenit von Arendal: 4,1722 g gaben 0,0U2 jiCt. N. Fergusonit von Arendal: 6,7182 g gaben 0,005 i)Ct. N. Gadolinit von Hitteroe: 9,0876 g gaben 0,002 pCt. N. Aeschyuit von Hitteroe: 2,5293 g gaben 0,004 pCt. N. Samarskit: 2,3348 g gaben 0,004 pCt. N. Alle diese schn krystallisirten Mineralien enthielten ausserdem seltene Erden neben mehr oder weniger Helium. Im Gegensatz zu Tilden, der eine Occlusion des Edel- gases Helium in diesen Urgesteinen annimmt, glaul)t Erd- mann in Uebereinstimmung mit dem wonnenen Resultat auf eine Bindung des Heliums an irgend ein Element schliesseu zu mssen. Diese nordischen Urgesteine, die im Stande sind, unter atmosphrischen Einflssen Ammoniakstickstofi", das heisst mit anderen Worten, gebundenen Stickstoff abzu- spalten, mssen, fhrt Erdmann fort, vor der Existenz gebundenen Stickstoffs tliierischer Herkunft von hervor- ragender Bedeutung fr die Entstehung und Ernhrung unseres vorweltlichen Pflanzeulebeus gewesen sein. Fr die heutige Landwirthschaft aber drfte die Existenz eines mineralischen Stickstoff's, der beim Verwittern des Gesteins in einer von den Pflanzen ohne Weiteres assimilirbaren Form zu Tage tritt, nicht ohne Bedeutung sein. A. Sp. vom Stickstoff" ge- Kanada, welches in der Ausgestaltung und Amelio- rirung seines Wasserstrasseuuetzes bereits so Gross- artiges geleistet hat, ist augenscheinlich nicht gesonnen, sich mit dem Erreichten auf die Dauer zufrieden zu geben, sondern es bemht sich eifrig, den gesteigerten Ansprciien der Zeit hinsichtlich der Tiefe und Weite seiner Kanle und Strme so viel als irgend mglich gerecht zu werden, und es darin der Union nicht blos gleich zu thun, sondern ihr vorauszueilen. Den neuesten wichtigen Schritt in dieser Richtung bezeichnet die am 13. Juni v. J. erfolgte Erff'nung des kanadisclien St. Mary-Kanales, der die bekannte Schnellenreiiie zwischen dem Oberen See und Huronen-See auf der Nordseite umgeht, und der bei einer Lnge von 5,5 km 46,3 m Oberflcheuweite, 44,2 m Bodenweite und 6,1 m Tiefe hat. Die grosse Schleuse, welche 274 m lang, 18,3 m breit und 6,7 m tief ist, vermag drei Schiffe zugleich aufzunehmen. Der bisher im Betriebe gewesene vereinsstaatliche St. Mary-Kanal, der betreffs seines Verkehres (1894 13,1 Million Tonnen oder 10 208 Dampf- und 3676 Segelschiff"e) seit einigen Jahren sogar den Suez-Kanal weit in den Schatten stellt, kommt dem neuerffneten kanadischen Kanle also in seinen Dimensionen und in seiner For- derungskapazitt bei weitem nicht gleich. Dagegen wird dies allerdings der Fall sein mit dem zur Zeit noch im Bau begriffenen neuen Kanle, den die Unionsregierung auf der Michiganer Seite des St. Mary River herstellt, und dessen Schleuse zwar nur 244 m lang und 6,4 m tief, aber 30,5 m breit ist, so dass sie vier Schiffe zugleich zu fassen vermag. Die Vertiefung des den Niagarafall umgehenden Welland-Kanales, der jetzt nur 4,2 m tiefgehende Fahr- zeuge passiren lsst, ist im Werke, und die Vertiefung der Lorenzo-Kanlc, zwischen dem Ontario-See und Mon- treal ist in Aussicht genommen, so dass es grossen See- schiff'en (von 6 m Tiefgang) voraussichtlieh schon in einer sehr nahen Zukunft mglich sein wird, auf der kanadischen Seite der grossen Lorenzo-Wasserstrasse bis in das Herz des nordanierikanischen Erdtheils vorzudringen. E. Deckert. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der ausserordentliche Professor fr Kehl- Icopf- und (^irenkrankhoiten in Rostock Dr. (Hto Krner zum ordcntliclien Professor; der ausserordentliche Professor der Mine- ralogie und Geologie an der technischen Hoclischule zu Karlsruhe Dr. Karl Futter er zum ordentlichen Professor; der Privat- docent der angewandten Zoologie in Mnchen Dr. Pauly zum Professor und Vorsteher der zoologischen Abtlieilung der forst- lichen Versuchsanstalt daselbst; der Hilfsl)ibliothckar an der Kgl. Bibliothek zu Berlin Dr. Laue zum Bibliothekar; der Privat- docent der Anatonno in Zrich Dr. Felix zum Professor; _ der Privatdoccnt der Physiologie in Heidelberg Dr. Karl Kaiser zum Professor. Berufen wunlen: Der praktische Arzt Dr. Hahn in Glogau als Assistenzarzt an die Breslauer Universitiits-Frauenklinik; der XII. Nr. 0. Niiturwissenschaftliehe WocLenscLrilt. 107 Professor der Philosophie in berdeen Dr. Ward als Professor der Logik, und Psychologie nach Cambridge. Es habilitirtc sich: Dr. Wentsclier aus Hamburg fr Philo- sophie in Bonn. Es starben: Der frhere ordentliche Professor der Mathematik in Berlin Dr. Karl Weierstrass; der Vorsteher der ethno- gr;i|ihischen Abtheilung ain Nationalmuseum in Kopenhagen Bahne Christian Bahnson; der ehemalige Professor der Medizin in Caleutta Monat in London; der Professor in der medicinischen Fakultt zu Petersburg Dr. Zdeckauer; der Botauiker und Geograph L. Krnbach in Kaiser-Wilhelmsland. Der XII. deutsche Geographentag findet in Jena vom 21. bis 24. April statt. Zur Feier seines 75jhrigen Bestehens veranstaltet der Verein zur Befrderung des Gartenbaues in Berlin vom 28. A)u-il bis 9. Mai dieses Jahres eine Grosse allgemeine Gartenbau-Ausstellung". Auf derselben sollen nun auch einmal die eigentlichen Liebliaber, d. h. diejenigen, welche ihre PHanzon ohne grtnerische Hilfe selbst cuitiviren, zur Geltung kommen. Alle diejenigen, welche im Besitze schner oder seltener Zimmerpflanzen sind, werden aufgefordert, dieselben zur Ausstellung zu schicken. Der Verein hat fr diese Gruppe Medaillen und Ehrenpreise im Werthe von ber 20 M. bewilligt. Der Zweck der Veranstaltung ist, zu zeigen, bis zu welcher Vollkommenheit PHanzen im Zimmer ge- bracht werden knnen, und dadurch die Liebhaberei fr Pflanzen selbst zu heben. Natrlich werden diese Liebliaber nur unter sich eoncurriren. andererseits wird vorausgesetzt, dass die aus- gestellten Pflanzen schon lngere Zeit in der PHege der Aussteller sind. Diese Gruppe wird einen besonderen Raum einnehmen. Der Unterzeichnete ertheilt jedwede Auskunft und nimmt Anmeldungen entgegen. Die Ausstellung findet im Treptower Park zu Berlin statt. Genoralsekretr des Vereins ist Geheimrath L. Wittmack. Dr. Udo Dammer, Custos des Botanischen Gartens zu Berlin. L i 1 1 e r a t u r. Prof. W. C. Brgger und Schriftsteller N. Rolfsen, Fridjof Nansen 1861-1896. Deutsch von Eugen von Enzberg. Mit (.trigiualzeichnungen von Chr. Krohg, Utto Sinding, E. Werenskiold und photographischen Aufnahmen in Grn- land von Dr. Erich von Drygalski. 2. Aufl. Fussingers Buchhandlung in Berlin 18:i6. Preis 9 M. Das hbsche, in der Original-Ausgabe in Norwegen erschienene Bucli berichtet in anziehender, geujeinverstndlicher, gediegen feuilh'tonistischer Weise ber den Entwickelungsgang Nansens, seine Jugend, Arbeit, Berufsthtigkeit, seine Fahrten nach Grn- land und (soweit sich dies jetzt schon ausfhren Hess) nach dem Nordpol. Nansen ist so po])ulr geworden, dass das Buch ganz geitgeinss, ja fr das grosse Publikum ein BedUrfniss zu nennen ist. Die Abbildungen verauschaulichen sehr gut das, was landschaftlich und die Person Nansens betreffend in Frage kommt; sie orientiron ber die Natur des Nordlandes, und kartographische Beila,gen geben weitere geographische Auskunft. Soweit geo- logische und sonstige naturwissenschaftliche Gegenstnde berhrt werden, geschieht das in passend populrer Weise, kurz, das Buch muss den Kreis, fr den es geschrieben ist, durcliaus befriedigen. Der vorliegenden deutschen Ausgabe ist ein Anhang beigegeben (S. -ll 478) mit einem Abschnitt des Grnlandreisenden Dr. Erich von Drygalski Grnland und der Nordpul", dessen dem Werk eingeschaltete, gute photographischo Aufnahmen einen beson- deren Werth haben, ferner mit einer Zusammenstellung von Deutschlands Autheil an der Polarforschung und endlich mit einem Aufsatz ber die Ergebnisse der Nordpolexpeditioneu 1893 bis 1896. Schlitzet die Thiere! Mahnworte an die Jugend von Karl Geliring, Paul Weiser und Ernst Ronck. Drei Preis- arbeiten der Section fr Thierschutz in Gera (Reuss). 3. Aufl. mit 26 Abbildungen. Theodor Hofmann. Gera 1894. Preis 0,30 M. Das fr die Jugend empfehlenswerthe Heft ist eine der von dem Geraer Thierschutzverein preisgekrnten Arbeiten ber die Frage : In welcher Weise kann die Jugend durch Thuu und Lassen praktisch Thierschutz ben?" Es ist sehr geeignet, der Jugend einige wichtige Kenntnisse aus dem Eleuientarsten der Zoologie beizubringen. Dr. Joachim Sperber, Das Parallelogramm der Krfte als Grundlage des periodischen Systems in der Chemie. Zrich. Verlag von E. .Siieidel. Preis 1,50 M. Die aus dem periodischen System unzweifelhaft zu ziehende Grundfolgerung ist die, dass die verschiedenen Elemente Coa- densationen ein und derselben Urmaterie darstellen. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Ele- mente sind periodische Functionen der Atomgewichte, wie die geometrischen Functionen: sin., cos., tangens, cotangens periodische Functionen der Winkel sind. Die Ueberlegung, dass verschiedene Quantitten der Urmaterie, z. B. ein Gewichtstheil Wasserstofl^, 7 Gewichtstheile Lithium, 22,99 Gewichtstheile Natrium einander quivalent sind, und dass des Weiteren die- selbe Quantitt Urmaterie z. B. 35,37 Gewichtstheile Chlor 17- werthig sein kann, flirt Verfasser zu dem Schluss, dass die Atome unter bestimmten Winkeln zu den allen Moleklen eigenen longi- tudinalen Schwingungen in Verbindungen treten, so zwar, dass die Valenz nur den Werth der Componente augiebt, die das Atom in die resultirendo Verbindung liefert. Die Valenz eines Atomes ist also abgesehen von dem Atom- gewichte noch von dem Winkel abhngig, unter welchem es in Verbindung tritt. Diesen Winkel nennt Verfasser Aequivalent- winkel, da er ver.schiedene Gewichtsmengen quivalent macht, das Aequivalentgewicht oder die Valenz eines Elementes bestimmt. Unter der Annahme rechtwinkliger Componenten ergiebt sich aus dem Parallelogramm der Krfte V ^ et cos 'f, wo das Atomgewicht, v die Valenz und 'f den Aequivalent- winkel eines Elementes bedeutet. Mittels dieser Valenzgleichung hat Verfasser fr alle Elemente den Aequivalentwinkel berechnet und schliesslich ein periodisches Winkelsystem aufgestellt. Das Minimum des Aequivalentwinkels ergiebt sich fr Kohlen- stoff als 70,47", das Maximum von rund 8;i,70" fr Gold, (.Queck- silber und Thallium. Das Minimum von 0" gehrt dem Aequi- valentwinkel des Wasserstoffs an. Das grossmglichste Maximum ist 90; aus der aufgestellten Valenzgleichung aber wrde fr ein Element mit diesem Maximum des Aequivalentwinkels eine Va- lenz ^ folgen; die Atome dieses Elementes wrden keine chemische Verbindung eingehen, senkrecht zu den longitudinalen Schwingungen der anderen Elemente schwingen, das heisst mit anderen Worten, transversale Schwingungen ausfhren ; es wre mglich, dass dieses Element der kosmische Aether sei, der ja bekanntlieh transversale Schwingungen ausfhrt. Die Ijehre von der constanteu Valenz der Elemente ist vom Standpunkte des periodischen Winkelsystems zu verwerfen. Die Valenz ist von dem Winkel ablingig, unter dem ein Element in Verbindung tritt; dieser Winkel ndert sich mit Druck, Tempe- ratur, Elelitricitt, Licht u. s. w.; mit dem Aequivalentwinkel aber ndert sich auch die Valenz. Unter Zugrundlegung seiner Theorien schreitet Sperber zur Berechnung bereits bekannter physikalisch-chemischer Constanten. Die Wrmetnungeu der Halogenwasserstotfe, des Wassers und des Ammoniaks bieten' geeignete Daten. Die befriedigenden, theils berraschenden Uebereinstimmungen der bekannten, durch directe Messungen gewonnenen thermocliemischen Zahlen mit dun Werthen der Wrmetnungen, die sich aus den Berechnungen er- geben, erhrten die Sperber'schen Theorien in hohem Grade. Am Schluss der Abhandlung zeigt Verfasser, dass auscheiuend die Affinitt zweier Atome um so grsser, je kleiner der Winkel ist, den sie miteinander einschliessen. Sperber gedenkt seine Berechnungen zum Ausbau seiner Theorie fortzusetzen und die Resultate in passenden Journalen niederzulegen; den weiteren Ausfhrungen ist mit Interesse ent- gegenzuzehen. Dr. A. Sp. Inhalt: 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. 26. September 1896. (111.) Tuberkelbacillen in einem nicht der Krankenpflege dienenden Raum. Neuere Versuche ber knstliche Badeschwamm- kultur. Die Litoralfauna von Ternate. Ueber die Beziehungen der myrmekophilen Lepismiden zu den Ameisen. Absonderung von Zucker in Tropfenform aus den Blttern verschiedener Pflanzen. Darstellung und Eigenschaften des Urans. Ueber das Vorkommen von Ammoniakstiekstoff im Urgestein. Die Ausgestaltung und meliorirung des Wasser- strassennetzes von Kanada. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Prof. W. C. Brgger und Schriftsteller N. Rolfsen, Fridjof N.insen 1861 1896. Schtzet die Thiere! Dr. Joachim Sjjerber, Das Parallelogramm der Krfte als Grundl.age des periodischen Systems in der Chemie. lOR Natuvwissenschaftlicbe Wochenschrift. XII. Nr. 9. ! ! von Poncet Glashtten -Werke 54, Kpnickerstr. BERLIN SO., Kpuickerstr. 54, Fabrik und Lager aller Gefsse unl Utensilien fr ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. Zwecke. Glser fr den Versand und zur Ausstellung naturwissenschaftlicher Prparate. l'relarer^eUhnlas gratt und friinvo. i^ilberiie Medaille 1800 ilei- Internationalen Amateur-Ausstellune; Berlin. Photographlsche Apparate und Bedarfsartikel. Alleinvertrieb der Westeiulorp & Weliner"-Iiatten (jetzt: Aet.-Ges fr Trockenplattenfabrikation vorm. W. & W.) I'illiiay'sche Lacke. Max Steckelmann, Berlin W. 8, Leipzigerstrasse 331. lo# ! R.VOLKMANN,''^-^^"^^"'"--"""" ' , Alte Jacobstrasi-e 12. i^ecft^.v^tvT^a/w, billig,streng reell, sorgfltig, schnell. In Ferd. l>Diinlers \'TliiKs>nich- liandliiiig in Berlin SW. 12 erscliien: Einfhrung in die Bltenbiologie auf historischer Grundlage. Von E. Loew, Trofcssor amknigl. Realgymn. in Berlin. 444 Seiten gr. 8. Preis6M.,geb.7M. Die Insekten -Brse Internationales Wochenblatt der Entomologie ist fr Entomologen un'l Naturfreunde das hervorragendste Blatt, welches wogen der be- lehrenden Artikel, sowie seiner internationalen und grossen Verbreitung betreffs Ankauf, Ver- kauf und Umtausch aller Objecto die weit- gehendsten Erwartungen erfllt, wie ein Probe-Abonnementlehren drfte. Zubeziehen durch die Post. Abonnements - Preis pro Quartal Mark 1.50, fr das Ausland per Kreuzband durch die Verlags -Buchhandlung Frankenstelu k Wagner, Leipzig, Salomon- strasse 14, pro Quartal Mark 2.20 = 2 Shilling 2 Pence = 2 Er. 75 Cent. Probenummern gratis und franco. Insertionspreis pro 4gesp3lteue Borgiszeile Mark .10. Ferd. Dmmlers VerlagsbucbhandluDg in Berlin SW. 12. In unserm Verlage erschien: Elementare Reclniuiigeii aus der matliematisclieu Geograpliie fr Frennde der Astronomie in ausgevrhlta Kapitcla gemeinverstndlich begrndet nnd Torgefhrt von O. tVeidefeld, Oberrossarzt a. D. Mit einer Figui-entafel. 64 Seiten gr. 8. Preis 2 Mark. ber geosrapMsclie Ortstiestiniiiiiiieu ohne astronomische Instrumente. Von Prof. r. F. Harzer, Dircctor der Herzoglichen Sternwarte zu Gutlia. Mit einer Tafel. (Sonder-Abdruck aus den Mitteilungen der Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmiacbcn Ptiysik.) 53 Seiten Lex. 8". Preis 1.2u M. I Wasserstoff Sauerstoff. Dr. Th. Eilco -C NH 11 N oi CH C- I HN C= -NH ^f --CO (IlarnsJlure) (Xiintliin) zugeschrieben werden muss. Der Unterschied liegt, wie leicht ersichtlich, einerseits in der Anzahl der Sauerstoff- atome, andererseits an den verschiedenen Bindungsverhlt- nissen und der Stellung der WasscrstotVatome. Vor kurzer Zeit habe ich ber die Synthese der ;'-Dimethylharnsure *) CH3N CO i OC C NH I II >< CHoN C NH (y-Dimethylharnsiuiro) =co i *) Diese Zeitsclirilt vom 11. Octobor 18i). XII. Nr. 10. Niitiiiwisseiiscliaf'tlielie Woclicii.scliritt. 117 l)criclitct; durcli Erliitzeii dieses Krpcr.s mit Phosphor- oxyelilorid und l'bd.sphorpcntaclilorid crliaiten Fisclicr und Aeh das Cldorderivat des Tiieopliyllin.s CVH.N^OoCI, das aus Alkdiiol in feinen Nadein kiystallisirt, bei cirea 300" scliniilzt und saure Reaetion besitzt. Durch Reduction nnt Jodwasserstot!' gelit das Chlor- tlieopbyllin in Tiieopbyllin ber. Erwrmt man ersteres auf dem Wasserbade mit der achtfaehen Menge starker Jod- wasserstoflfsure uuter Zusatz von Jodpliosi)lioniuni, so lost es sieb, und nach 20 Minuten ist die Reduetion beendet. Beim Eimiampien zur Trockene hinterbleibt jodwasserstoff- saures Tiieopliyllin. Giebt man zu einer wsserigen L- sung dieses Salzes Ammoniak bis zur alkalischen Reaetion und verdampft den Ueberschuss des letzteren, so erhlt man beim AbkiUilen das Theophyllin in farblosen Nadeln. Durch Methylirung der Base nach den Angaben von Kossei erhlt man schliesslich das Caffein. Fischer giebt der besseren Ucbersicht halber eine Zusamnicnstelluni;- der wichtigsten Phasen, die ich hier aus dcmsell)en Grunde folgen lassen mchte: CH3 NH I CO COOH I CH, CH3 . N- -CO CO CH, 2 H.,0 CH3 NH (Dimethyl COOH harnstoff) (^'"'^'"ii">-e) CHo . N CO II. CO CHo + HNO, CIL, N CO (Diiiietliylbaibitiirsiiru) CH, N CO I CO C : NOII + H.,0 CH.,.N CO CH3 . N CO (Dinietliylvilursiuire) Die letzte Verbindung lsst sieh durch Reduction leicht in Dimethyluramil und dieses durch Kaliumcyanat in Diniethylpseudoharnsure umwandeln, aus welcher bein) Schmelzen mit wasseifreier Oxalsure unter Wasseraus- tritt die ;'-Dimcthylharnsure resultirt: CH, N CO ni. CO CH NH CO NH, CH3 N CO (Dimethylpsoudoharusiuirc) CHs-N CO CH3-N CO IV. CO CH-NH-CO-NHo^ CO C NH +H.,0 CHj-N CO CHs-N CO I II >co CH3.N C-NH (y-Dimetliylliarnsure) CH,-N CCl V. CO C.NH-f-PCl5= CO C-NH +POCI3 + H.O I li >co 1 I >co CHg-N NH CHg-N C:N (Clilortlieophyllin) VI. Die letzte Verbindung- giebt bei der Reduction Theophyllin und dieses bei der Methylirung Caft'ein: CH3 N CH 1 II CO C - NCH3 I i :::;:C0 CH3 - N C : N (Caffein) Leider ist wegen der grossen Anzahl der Operationen, die natrlicherweise auch bedeutende Kosten nach sieh ziehen, an eine fabrikmssigc Herstellung des Calfeins auf diesem Wege nicht zu denken. Gelnge es indessen, die Harnsure durch Methyliren dircct in j'-Dimethylharnsure umzuwandeln, dann wrde ohne Zweifel sofort auf indu- striellem Wege mit der Darstellung des Cafieins nach der Fischer'schen Vorschrift vorgegangen werden. Die wcrth- vollen Eigenschaften des Catfeins beruhen bekanntlich in der physiologischen Wirkung auf unseren Organismus; Kaffee und Thee verdanken dem Caft'ein ihren stark belebenden Einfluss auf Nerven- und Herzthtigkeit. Die Lsung des Problems der billigen Herstellung dieses Krpers auf synthetischen) Wege bte ein Mittel, an einen wirklichen Ersatz dieser allbeliebten Getrnke zu denken. Dr. A. Sp. Einen beachtenswerthen Beitrage: zur Keimtiiiss des Erdbebeiiplinonieiis im Gebiete der unteren Donau liefert Math. M. Draghicenu in einer unlngst erschie- nenen Abhandlung Les tremblements de terre de la Roumanie et des pays environnants, Bucarest 1896". Ans derselben erfahren wir, dass, ol)gleich fast nie die Kunde von grossen Katastrophen zu uns gelangt, trotzdem in dem genannten Gebiete Erdbeben durchaus nicht seltene Erscheinungen sind, wenn auch ihre Intensitt meist eine geringe ist. Fr die Zeit von 1879 bis 1894 v^erden nicht weniger als 12 getrennte Erdbeben aufgezhlt, deren einige ziendich betrchtliche Gebiete berhrten. Diese Erdbeben stehen, wie die Arlieit mit grosser Klarheit nachweist, in unmittelbarem Zusammenhange mit dem tektonischen Aufbau des Gebietes. Wir haben es hier, zu beiden Seiten der transsylvanisehen Alpen, in Sieben- brgen und Rumnien, mit Senkungsfeldern zu thun, die von mehreren sieh kreuzenden Bruchsteinen durchsetzt sind, sodass das ganze Gebiet in eine grosse Zahl ein- zelner Horste und Grben zerlegt ist. Die Erdbeben legen nun Zeugniss davon ab, dass die Weiterbildung dieses ziemlich verwickelten Aufbaues auch heute noch andauert. G. M. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der ordeutliclie Professor der Physik in Gttingen Dr. Riecke zum Geheimen Regieruugs-Rath; Assi- stent Job. Sobotka an der Wiener technischen Hochschule zum ausserordentlichen Professor der darstellenden Geometrie; der Privatdocent der Palaooutologie und Assistent an der palaeontologischon Staatssamnilung in Mnchen Dr. Pom- pecki zum Custos; Amanuensis Dr. Frankfurter an der Uni- versitts-Bibliothek in Wien zum Skriptor und Praktikanton; Dr. Tasser zum Amanuensis daselbst; der Privatdocent in der medizinischen Fakultt zu Berlin Dr. Rosen heim zum Professor; Oberarzt Dr. Louis Karl Rehn am stdtischen Krankenhaus in Frankfurt a. M. zum Professor; Prof. Dr. Ruffer an der medi- zinischen Schule in Kairo zum Prsidenten des Qurautneamts daselbst; der Privatdocent der Botanik in Bonn Dr. Noll zum. Professor-. Berufen wurden: Der ausserordentliche Professor der Hygiene in Berlin Dr. Erich Wem icke als ordentlicher Professor nach Marburg; der Privatdocent der Ghrungs-Phvsiologie und Bakterio- logie an der technischen Hochschule in Stuttgart, Dr. Franz Lafar als Professor an die technische Hochschule in Wien; der ausserordent- liche Professor der Pliilosophie in Rostock Dr. Bethe nach Basel; Oberlehrer Dr. Euling am Gymnasium in Bingen als Bibliothekar an die Akademie in Mnster; der ausserordentliche Professor Dr. Hildebrandt und Privatdocent Dr. Grawitz in der medi- zinischen Fakultt zu Berlin als dirigirende Aerzte aus Kranken- haus in Charlottenburg; Dr. Sieben topf am mineralogischen Institut in Gttingen ans mineralogische Institut in Greifswald. Es habilitirte sich: Dr. Sachs in der medizinischen Fakultt in Breslau. Seiner Stellung enthoben wurde der ausserordentliche Pro- 118 Naturwissenscliaftlichc Woelicnsclinft. XII. Nr. 10 f'essoi- der darstellenden Geometrie an der tochnischeu Hochschule in Wien Kuglmayer. Es starben: Geh. Sanittsrath Dr. Karl Hertz in Bonn; der Astronom Wilhelm Dllcn in orpat; der Professor der Klektroteclmik in Turin Senator Ferraris; der ehemalige Pro- fessor der Experimcntalwissenschaften am Kings' College in London Charles Tomlinson; der Geh. Ober-Medicinal-Rath Dr. Max von Seh leiss- Lo e wen f eld in Mnchen. Der Kampf um den Nordpol. Scenisch ausgestatteter Vor- trag. Unter Benutzung betreffender Originalwerke zusammen- gestellt von Dr. M. Wilhelm Meyer. Dioramen von den Herren Hrder, Hartmann und Kranz, unter theilweiser Mitwirkung der Herren Julius von Payer und des Landschaftsmalers A. Normann. Vorgetragen von Herrn Thies. Am 23. Februar hatte die Direction des W issenschaf fliehen Theaters der Urania zu Berlin in ihr neues Gebude in der Taubenstrasse Mnner der Presse und andere Geladene voreinigt, um als Generalprobe eine Premiere Der Kampf um tien Nordpol" vorzufhren. Die Direction weiss das Zeitgemsse zu ergreifen, und bei dem in Aussicht stehenden Besuch Nansen's in Berlin, dem von Seiten der Gesollschaft fr Erdkunde am 3. April eine Ovation bereitet werden soll, bei welclier Gelegenheit Nansen einen Vortrag ber seine Xordpol-Expedition halten wird, wird es dem grossen Laien-Publikum um so lieber sein, Gelegenheit zu haben, sich ber die Vorgnger Nansen's, die in der ITrania-Vorfhrung besonders gewrdigt werden, in aller Krze be(|uem und unter- sttzt durch prchtige theatralische Scenerieen zu unterrichten. Um eine kleine Vorstellung von dem Gebotenen zu geben, drucken wir in Folgendem die Disposition der Vorfhrung ab. 1. Akt. Die zweite deutsche No rdpolex|>editi on. 1. Scene: Die nrdlichste Ansiedelung der Welt. 2. Scene: Die Germania und Hansa im grnlndischen Eismeere. 3. Scene: Der Untergang der Hansa. 4. Scene: Die Hansamnner auf der Scholle. 5. Scene: Das Weihnachtsfest der Polarfahrer. G. Scene: Der Franz-Josephs-Fjord. 11. Akt. Die iister reichisch-un- garische Expedition. 7. Scene: An Bord des Tegetthof. S. Scene: Die lange Wiuternacht. 9. Scene: Die Entdeckung von Franz-Josephs-Land. 10. Scene: Das einsamste Grab des Erd- kreises, ii. Scene: Brenjagd am Kap Tyrol. 12. Scene: Inder (ilotscherspalte. 13. Scene: Das Sulenkap. 14. Scene: Rettung auf Nowaja-Semlja. III. Akt. Nansen, 'l. Scene: Die Ab- reise. IG. Scene: Der Virgo-Hafen von Spitzbergen. 17. Scene: Die Triumphfahrt der Fram. L i 1 1 e r a t u r. Dr. Th. Achelis, Moderne "Vlkerkunde, deren Entwickelung und Aufgaben nach dem heutigen Stande der Wissenschaft gemeinverstndlich dargestellt. Stuttgart, Ferdinand Enko 1896. 8", VIII u. 487 S. Preis 10 M. Ans zwanzig Bchern das einundzwanzigste zu machen, ist niemals eine grosse schpferische That, kann aber unter Umstnden doch recht ntzlich, ja manchmal sogar wirklich verdienstvoll sein wenn es mit Sachkenntniss und Kritik geschieht. Dem Ver- fasser dieser Vlkerkunde" fehlt es an beiden. Jetzt, bei dem durchaus unfertigen Zustande dieser jungen Wissenschaft, die kaum erst anfngt, nach akademischer Vertretung zu ringen, eine populre Vlkerkunde zu schreiben, ist freilich eihe Aufgabe, an der auch ein Grsserer scheitern knnte, aber dass Ziele und Wege dieser Disciplin ganz andere sind, als Herr Achelis annimmt, scheint doch auch jetzt schon festzustehen. Der Unfug, der lange genug schon mit dem unverstandenen Schlag- worte Vlkergedanken" getrieben wurde, wird mehr und mehr als solcher erkannt und neben dem Suchen n;ich gemeinsamen psychischen Veranlagungen knnte das Studium ue(llinburg am Harz. Verbindlichsten Dank! Den in i)hntographischer Nachbildung bcrsamlten Farn- rest aus der subhercynischen Kreide wrde der ])alaeozoische Palaoo- phytologe als Alothopteris bezeichnen; es empflehlt sich, diesen Gattungs-Namen fr Ihren Rest beizubehalten, solange nicht durch die Auffindung von gengend erhaltenen Sori die nhere natr- liche Zugehrigkeit erkannt ist. Dem Umriss nach erinnert ihr Rest an Alethopteris decurrcns (Artis) Zoiller des produc- tiven Carbons (vergl. die Abbildung tlieser Art z. B. in meiner Abhandlung Die floristische Glieilerung des deutschen Carbon und Perm". Abhandlung der Kgl. Preuss. geologischen Landes- anstalt. Berlin 1896 S. 27, Fig. 17. Wird reproducirt in meinem im Erscheinen begrifl'enen Lehrbueli der Pflanzenpalaeontologie"), abgesehen von den bemerkenswerthen Spitzengabelungen der Fiedern 1. Ordnung Ihres Restes. Solche Gabelungen kommen aber, wenn auch nur vereinzelt, an Exemplaren und als Raritt bei Alethopteris des Palaeozoicnms auch vor (vergl. meine Flora des Rothliegenden von Thringen", Abhandlungen der Kgl. Preuss. geologischen Landesanstalt. Berlin 1893. Tafel X, Fig. 2). H. P. Herrn B. Ray in Stettin. 1. Von B. Aucrswald's Bota- nisehen Unterhaltungen zum Vorstndniss der heimathlichen Flora (Vollstndiges Lehrbuch der Botanik in neuer und praktischer Darstellungsweise". Mit 52 Tafeln und 575 Abbildungen. Dritte Auflage bearbeitet von Dr. Chr. Luerssen 1877. Leipzig,' H Mendi'ls- sohn, Ausgabe mit schwarzen Tafeln 9 Mk., mit colorirten Tafeln 15 Mk.) ist eine sptere als die angegebene Ausgabe nicht er- schienen. 2. Ein sehr ausfhrliches Werk ber systematische Botanik sind die von Engler und Prantl herausgegebenen Natrlichen l'Hauzenfamilien (Wilhelm Fngebnann in Leipzig). Das Werk bringt viele Illustrationen (Vergl. Sie die wiederholten Besprechungen in allen Bnden der Naturw. Wochenschr."); es geht bis auf die Gattungen und die wichtigsten Arten herab, welche letzteren aber nur angefhrt oder nur kurz charakterisirt werden. 3. Populre, ebenso ausfhrliche und zahlreiche Pflanzen- beschreibungen, wie sie Auerswald bietet, biiul uns nicht bekannt. Andersson, Gunnar, Die Geschichte der Vegetation Schwedens. Leipzig. 4 Mark. Anleitung zum Sammeln, Konserviren und Verpacken von Thieren fr die zoologische Sammlung des Museums fr Naturkunde in Berlin. Berlin. 1,50 Mark. Bersch, Assist. Dr. W., Handbuch der Mass-Analyse. Wien. 7,20 Mark. Carte geologique internationale de l'Europe. 2. livr. Berlin. Das einzelne Blatt 4 Mark. Gamgee, em. Prof. Arth. M. D., Die physiologische Chemie der Verdauung mit Einschluss der pathologischen Chemie. Wien. 14 Mark. Inhalt: Das Reich Sarawak auf Borneo. ~ Frcmdk(ir|ier im menschlichen Magen. Ueber die Schuppenbekleidung des regenerirten Schwanzes bei Eideclisen. Die Straussenzucht. Synthese des Cattcins. Beitrag zur Keinitniss des Erdbobenphnomens im Gebiete der unteren Donau. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Dr. Th. Achelis, Moderne Vlkerkunde. C. Cramer, Leben und Wirken von Carl Wilhem von Ngeli. S. AV. Gessmann, Katecliismus der Sterndeutekunst. Dr. Franz Werner, Die Reptilien und Amjjhibien rtesterreich-Unirarns und der Gceu|)ationsluder. - Prof. Dr. Eduard Strasburger, Das bota- nische Practicum. Dr. Karl Schwippel, Die Erdrinde. J. Wollheim, Taschenbuch der Chemie. Prof. Dr. A. Bernthsen, Kurzes Lehrbuch der organischen Chemie. Franz Bendt, Katechismus der Dift'erential- und Integralrechnung. - Liste. Briefkasten. 1-2U Naturwissciiscliaft liehe Woche nscliri lt. XII. Nr. 10. Geographische Verlagshandiung Dietrich Reimer (Ernst Vohseu) Berlin SW., Wilholmstrasse 29. Internationale geologische Karte von Europa, besclilossen durcli den intornatioiialen Geologcn-Conf,'ross zu Bologna im Jalire 18S1, aiisgefiilirt nach doii Beschlssen einer internationalen Coniniission, mit rnterstiitzung der Regierungen, unter der Direetion der Herren Beyrich und H aue li ocorne. Der Siibscriptionsprcis fr das gesammte Kartenwerk tietrgt UiJ Mark = 1:17 Ircs. 511 c. Ijie Suhscriptioii verpfiiclitet zur Alinalmie iles ganzen Werkes, walncnd die Zahhnig lici Empfang der einzelnen Liefennigeu. deren Preis sieli nacli der darin enthaltenen Anzahl der liltter richtet, zu bewirken ist. Einzelne Uliitter werden zum Preise von 4 Mark per Hlatt abgegeben. ! I von Poncet Glashtten -Werke 54, Kpnickerstr, BERLIN SO., Kopnickerstr. 54. Fabrik und Lager aller Gefsse und Utensilien fr ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. Zwecke. Glser fr den Versand und zur J Ausstellung nafurwissenschaftliclier Prparate. I Wasserstoff Sauerstoff. 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Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XII. Band. Sonntag, den 14. Mrz 1897. Nr. 11. Abozmement : Man abonuirt bei allen Buchhandlungen und PosT- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist ^tt 4. Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Postzeitungsliste Nr. 4954 Y Inserate : Die vlergespaltene Petitzee 40 .,X. Grssere Auftrge ent- <3!D sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme ^^ bei allen Annoncenbureaux wie bei der Expedition. Abdrack ist nnr mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Die Charakteristik der Tonarten. Einer Aufforderung des Herrn Dr. Potoni^, ber meiue soeben unter diesem Titel erschienene Arbeit*) ein kurzes Referat zu geben, folge ich mit Vergngen. Das untersuchte Thema ist zwar schon sehr vielfach Gegenstand heftiger Debatten fr und wider gewesen, die sich bis in den Anfang des vorigen Jahrhunderts (Johannes Mattheson 1713) zurckverfolgeu lassen; niemals aber ist es in kritischer und wissenschaftlicher Weise untersucht worden, wenn man absieht von gelegentHchcn Andeutungen, die sich in Helinholtz' Lehre von den Tonempfindungen" (S. 501 ff.) finden. Was man unter einer Charakteristik der Tonarten zu verstehen hat, liisst sich mit kurzen Worten nur andeuten, nicht auseinandersetzen: Der Streit dreht sich darum, ob die einem und demselben Tongcschlecht**) angehrigen Tonarten hinsichtlich ihrer Ausdrucksfbigkcit "in merk- barer Weise differiren oder nicht. Eine" Entscheidung ber diese Frage ist nicht so leicht zu fllen, als de"r Laie vielleicht denken sollte, denn die Lehre von der Tonarten-Charakteristik hat ebenso viel berzeugte An- hnger wie erbitterte Gegner aufzuweisen. Zunchst einmal ist es klar, dass eine Charakterisi- rung der Tonarten aus zwei vllig verschiedenen Ursachen entspringen kann: entweder indem dem Dreiklang der Tonart selbst irgend ein objectiver eigenartiger Charakter innewohnt, hervorgerufen durch physiologische Processe irgend welcher Art, oder indem man in der Vorstel- *) Die Charakteristik der Tonarten. Historisch, kritisch und statistisch untersucht vom psycho-physiologischen und musika- lischem Staudpunkte aus. Berlin, F. Diinimler. 1897. 1:31 Seiten. gr. Octav. Preis 2 Mk. 40 Pf. **) Dass der Charaktorausdnick des Dur von dem des Moll sehr wesentlich abweicht, wird ja natrlich von keinem halbwegs musikalischen Menschen geleugnet. lung der Tonart eine charakteristische Sonderstellung zusehreibt. Diese letzte Art der Entstehung, welche das Thema auf das Gebiet des Rein-Psychologischen hinUber- spielt, kann natrlich die Aufstellung allgemein gltiger Gesetze nicht zulassen und wird in jedem Einzelfall andere Wirkungen hervorbringen. Motive aber, welche solche subjektive Tonartencharaktere" hervor- bringen knnen, sind reichlich genug vorhanden. Da ist zunchst als wichtigster Factor, der eine Vor- stellung von Tonartencharakteren bedingen kann, die Art und Anzahl der Vorzeichen zu erwhnen. Unter allen subjectiven Momenten, welche berhaupt mitspielen knnen, ist dieses das wichtigste und hufigste. Das vorzeichenlose C-dur ist hinsichtlich seines Charakters indifferent", und die Abweichungen nach der Obertouseite (#-Tonarten) erscheinen als eine Steigerung, als hellere, glnzendere, die nach der Untertonseite (b-Tonarten) als dunklere, ver- schleierte" (Meyer's Konversationslexikon Bd. XV, S. 749). An einer Reihe von Beispielen suchte ich diesen Factor auf seine Bedeutung hin zu prfen und in seine Consequeuzen zu verfolgen. Es ist sicher, dass in vielen Fllen bezw. fr gewisse Individuen denn die Entstehung einer Ton- arten-Untersehiedsempfiudung kann und wird stets indi- viduell verschieden sein die in Rede stehenden Motive, zumal die Art der Vorzeichen, den Ausschlag geben, doch darf man ihre Bedeutung nicht berschtzen. Wenn die Definitionen fr den Ausdruck mancher Tonarten auf die jeweiligen Vorzeichen zurckzufhren sind, so finden sich andererseits auch wieder zahlreiche Aussprche, welche imbedingt jeden Eiufluss der Vorzeichen ausschliessen. Und vor allem ist eins zu beachten: wir finden fast nirgend, dass den Dur- und Moll-Tonarten mit gleichen Vorzeichen derselbe oder auch nur ein hnlicher Charakter beigelegt wird, wie man es bei einer Verallgemeinerung 122 Naturwisseiiscbaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 11. der obigen Erklrung unbedingt verlangen miisste; viel- mehr sind beide meist vllig inkommensurabel. D-dur z. B. wird durchweg als eine glnzende, kraftstrotzende Tonart analysirt, als Ton des Triumphes, des Hallelujas, des Kriegsgeschreis, desSiegesjubels", das verwandte H-moU dagegen wird von Hand (Aesthetik der Tonkunst, 1837) ausdrcklich als weichste Tonart" bezeichnet u. s. w. Ein weiterer Factor, der vielleicht die Vorstellung von den Tonarten zu beeinflussen vermag, wenn auch in noch weit geringerem Grade, ist der Name der Tonart. Aber ganz abgesehen davon, dass diesem Einfluss eine allgemeine Bedeutung schon von vornherein nicht sprechen werden kann, da seine Wirkung in den ver- schiedenen Sprachzonen, ja Dialekten erheblich variiren miisste, ergiebt sich auch auf statistischem Wege, dass jener Factor nur ganz vereinzelt in Betracht kommt. Fr die akustisch besonders wirksamen Namen F und Fis z. B. msste man erwarten, dass die damit bezeichneten Ton- arten dem Klangcharakter des Namens entsprechend durchweg als Grinmi, Wuth und Verzweiflung ausdrckend bezeichnen wrden. Wie aber lauten die Schubart'schen Detinitionen? Fr F-dur: es malt Geflligkeit und Ruhe"; fr F-moll: es stellt tiefe Sehwermuth, Leichenklage, Jammergechz und grabverlangende Sehnsucht dar; fr Fis- dur: sie ist geeignet, wilde und starke Leidenschaft darzustellen, Triumph in der Schwierigkeit, freies Auf- athmcn auf berstiegenen Hgeln", fr Fis-moll: es ist der Charakter dieser Tonart ein insbesondcrs finsterer: er zerrt an Gewnde." rtheile! Von Stellung der Leidenschaft, Also theilweis wie der bissige Hund am diametral entgegengesetzte einem letzten Factor, der die subjective Vor- vom Charakter einer Tonart zu beeinflussen vermag, wird weiter unten in anderem Zusammenhange die Rede sein. Kurz nur sei in diesem Referat darauf hingewiesen, dass der objective Klang mancher Tonarten auf gewissen Instrumenten charakteristisch abzustechen scheint. So hat fr das Klavier schon Helmholtz darauf hingewiesen, dass vielfach zwischen dem Klange der weissen und schwarzen Tasten ein nicht unerheblicher Unterschied besteht, welcher in Folge charakteristischer Frbung des Grundtons schon eine Abweichung der meisten b-Tonarten von den #-Ton- msste. Ebenso werden in Violinconcerten leerer Seiten gestatten, schrferen Charakter zeigen, als andere. Des weiteren aber versuchte ich nachzuweisen, dass diese Factoren zwar unter recht gnstigen Umstnden wohl in Betracht konmien, im allgemeinen aber auch nur von sehr untergeordneter Bedeutung sind. arten bedingen die Tonarten, welche eine starke Benutzung Nach ingehender Behandlung: dieser verschieden- artigen Mglichkeiten wende ich mich dann zur eigent- lichen Frage: ob objective Charakteruuterschiede zwischen den einzelnen Tonarten bestehen. Von vornher- ein ist natrlich absolut gar kein Grund fr deren Existenz einzusehen. Aber schon Helmholtz deutete an, dass physio- logisch- anatomische Eigenheiten der Gehrorgane existiren knnen, welche gewisse Unterschiede der Tonartencharak- tere Eigenton bedingen kiiunten. Er meinte z. B., dass g"", der des menschlichen Ohres, wohl im Stande sein knnte, dem C-dur einen hervorstechenden Klang zu ver- leihen, da alle Tne des C-dur-Dreiklangs g"" als Oberton enthielten. Er begngte sich mit diesem kurzen Hinweis (Tonempfindungen", S. 504), seine Vermuthung, deren Richtigkeit icli brigens in Zweifel ziehen zu mssen glaubte, zu beweisen. Andere Eigenheiten der Gehrorgane, welche gewissen Tnen Sonderstellungen Daraus folgt freilic verliehen, kennen wir nicht, dass sie nicht existiren. keineswegs Damit das Versagen der naturwissenschaftlichen Theorie nicht als Beweis gegen eventuelle Resultate der Statistik angefhrt werden knnte, fgte ich noch ein Kapitel ein: Unsere theoretischen Kenntnisse von den jjsycho- physiologischen Wirkungen der Musik im allgemeinen", worin ich beweisen wollte, dass an naturwissenschaft- lichen Erklrungen fr die machtvolle psychologische Wirkung der Musik trotz der bewunderungswrdigen (Tcistesthaten eines Helmholtz noch fast alles zu wnschen brig bleibt. Besonders eingehend wird die Frage nach den Ursachen des frappanten Charakterunterschiedes von Dur und Moll behandelt, wobei ich im wesentlichen die Ausfhrungen wiederholte, welche ich in dieser Zeit- schrift in den Nummern vom 19. April und 17. Mai 1896 gemacht habe. Es zeigt sich, dass wir jene Frage nicht befriedigend zu beantworten vermgen, dass sowohl der von Helmholtz wie der von Billroth vertretene Standpunkt gar zu gewichtigen Einwnden unterliegt, als dass er befrie- digen knnte. Dass aber selbst die Erklrungen unseres Harmoniegefhls noch in mehr als einer Beziehung zu wnschen brig lassen, suchte ich alsdann daran nach- zuweisen, dass es oft die vorbereiteten Dissonanzen, nicht ihre Auflsungen sind, welche als usserst ange- nehme Klnge innerhalb eines Musikstckes empfunden werden knnen. Beweis dafr ist unter anderem, dass man ber derartige Dissonanzen nicht mglichst bald zu der wohlthuenden Auflsung hinwegzueilen sucht, sondern sie im Gegentheil mglichst lange auszudehnen sucht. In Schumann's genialster Tonschjjfung, dem Liede: Ich kann's nicht fassen, nicht glauben" bietet der Schluss, welcher nicht einen nagenden Schmerz, sondern das be- seehgendste Glck schildern will, unaufiirlicii Dissonanzen der allerextremsten Art, und gerade auf die schneidendste von allen hat der Componist eine Ferniate gesetzt (siehe Notenbeispiel). Ebenso ist es charakteristisch, dass im Tanuhuser" das Venusberg-Bacchanale", welches mehr wie irgend ein anderes Tonstck geradezu darauf spekuliert, die Sinne mit angenehmen klngen wollstig zu umstricken, ungemein reich an langgehaltenen, scharfen Dissonanzen ist. Die beliebte Erklrung, dass man bei vielen Dissonanzen von der Art des Notenbeispiels deshalb eine Tempodehnung eintreten lasse, weil der Genuss an der Auflsung um so grsser sei, je lnger man ihn sich versage, ist fr den Psychologen vollkommen un- brauchbar. Ueberall also stsst man in der psycho-])hysiologisclien Erklrung musikalischer Erscheinung auf Lcken und Widersprche. Bei einer solchen Unvollkomraenheit der Theorie aber ist es freilich nicht mglich, gegen be- jahende Resultate der statistischen Untersuchung unserer Frage den Mangel einer physiologischen Erklrung als (iegenbeweis anzusehen. Ein weiteres Capitel widmet sieh den erkennbaren XII. Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 123 physiologischen Wirkungen der Musik", welche bisher in ihrem Wesen noch recht wenig erforscht sind. Das gn- stigste Material fr diese Forschungen bieten die Doppel- empfiiulungen" (Syuopsien), ber welche ich in dieser Zeitschrift schon zweimal (3. Februar 1895 und 12. April 1896) referirt habe. Syuopsien bei nuisikalischen Eindrcken, speciell bei gewissen Tonarten, sind zwar keine hutige Erscheinung, und das vorhandene Material muss sehr vorsichtig benutzt werden, immerhin lassen sich schon aus wenigen derartigen Angaben viele sehrinteressante Schlsse ziehen. Speciell einen Fall von Syuopsien bei Tonarten konnte ich, in Folge des gtigen Entgegenkommens des Herrn Prof. Flournoy in Genf und des Herrn Prof. Cart in Lausanne, eingehend untersuchen. Der Fall betrifft den letztgenannten Herrn und ist derselbe, welcher in meinem ersten Synopsien-Referat vom 3. Februar 1895 kurz behandelt wurde. Auch aus lteren Berichten und Anekdoten geht bevor, dass sich manche Leute gegen ge- wisse Tonarten oder Tne und Klangfarben in einer hcht eigentmlichen Weise benahmen; so wird z. B. von einem Musiker zu Beginn dieses Jahrhunderts berichtet, welcher stets in Angstschweiss ausbrach, sobald die Tonart H-nioll erklang. Auch bei Thieren hat man hnliche Erscheinungen beobachtet. Hunde scheinen gegen E-dur ganz besonders empfindlich zu sein. Eine alte Dissertation berichtet von Versuchen an Elefanten, wobei es sich zeigte, dass diese musikalischen Thiere auf verschiedene Tonarten sehr verschieden reagirten, am lebhaftesten auf D-dur. Nunmehr erst suchte ich alle Dur- und Molitonarten auf statistischem Wege auf charakteristische EigeuthUnilich- keiten des Ausdrucks hin zu prfen. Das Ergebniss der Recherchen war ein durchaus positives, indem fr eine Reihe von Tonarten von mehreren ganz verschiedenen, vllig unabhngigen Seiten oft bis in Einzelheiten ber- einstimmende Charakterdefinitionen gegeben wurden. Eins freilich darf man nicht bersehen : man darf nicht erwarten, dass die Charaktere der Tonarten prgnant hervortreten, dass sie sich jedem Laien nach einem dies- bezglicheu Hinweis sofort sinnfllig aufdrngen. Viel- mehr gelingt es erst nach hufiger Uebuug und bei genauer Aufmerksamkeit, die Charakterunterschiede deutlich zu erfassen. Ich kann mich nun hier natrlich nicht auf die Einzelheiten der Ergebnisse nher einlassen und will daher nur bemerken, dass die Tonarten F-dur, Des-dur, E-dur, Fis-moll, C-moU und D-moU hinsichtlich ihres Charakterausdrucks am schrften hervorzustechen scheinen. Um aber doch einen Begriff von dem Mass der Ueber- einstimmung zu geben, seien die Urtheile ber E-dur, die am besten definirte Tonart, hier wiedergegeben: Ein Herr bezeichnet E-dur ausdrcklich als hellste Tonart", Schilling sagt in seinem Lexikon (Bd. II S. 558): Offen- bar hat E-dur, so wie H-dur, unter allen Tonarten die grellste Frl)ung; es ist zu vergleichen mit dem brennenden Gelb und der lichten Feuerfarbe." Fast genau dassellje sagt Hand, der sonst manchmal nicht unerheblich von Schilling abweicht (Aesthetik der Tonkunst Bd. I S. 216): E-dur, eine der hellsten, strksten Farben, vergleichbar mit brennendem Gelb." Also auch hier der Gedanke an Feuer. Unter den vier deutlichsten Tonarteu-Synopsien des Prof. Cart fungirte E-dur mit der Bezeichnung roth". Es sei daran erinnert, dass der Feuerzauber" in der Wal- kre", diese unerreichte Progrannnmusik, diese wunder- bare musikaUsche Wiedergabe tanzender Flammen, eben- falls in E-dur geschrieben ist. Berlioz beseichnet E-dur als glnzend, prachtvoll, edel". Selbst Marx, dessen Empfinden sonst durchaus subjektiv ist, der in Befolgung eines von ihm knstlich konstruirten Gesetzes der Pola- ritt" stufenweise eine Steigerung der #- Tonarten nach Beurteilung Aeusseruugen der Anzahl ihrer Vorzeichen erwartet, sagt bezeichnender- weise: E-dur erglnzt in berraschender, nach dem Stufenniaasse nicht zu erwartender Helle" und weiterhin ber den Charakter dieser Tonart, dass er funkelnd, hell em[)orsteigt, mit durchgreifender Wrme, heiter und leuchtend wie lauteres Gold. Noch ist ihm in keiner Komposition voll gengender Ausdruck geworden, aucii in der Fidelio-Ouvertre bei weitem nicht. Wenn einmal in einer knftigen Oper Otto der Dritte in Rom die Kaiserkrone neu auf seinem jugendlichen Haupte befestigt, knnte nur E-dur in seiner heiteren Sonnenpracht er- schallen." Gerade von Seiten Marx' ist eine derartige usserst charakteristisch. Wenn er derartige thun kann, so muss man vermuthen, dass nur eni sehr deutlicher objektiver Charakter im Stande ist, die Verbohrtheit seines subjektiven Empfindens zu berwinden. Rochlitz in seinem Werk: Fr Freunde der Tonkunst" bemerkt auf Seite 154, trotzdem er sich sonst garnicht mit Tonarten-Charakteristik beschftigt, ber eine Arie zu Hndeis Messias" : Alles ist brigens in dieser Arie hchst einfach, aber auch alles gediegen und zum Ganzen passend ; selbst die Tonart : das helle, sanft- heitere E-dur". Da ich selbst, trotzdem ich kein absolutes Gehr" habe, sehr hufig gespielte Tonarten lediglich an ihrem typischen Charakterausdruck erkannt habe, ohne irgend welche sonstigen Anhaltspunkte zur Er- kennung zu haben, so war es mir mglich, auf experimen- tellem Wege die Frage nach der Charakteristik von den verschiedensten Gesichtspunkten zu untersuchen. Es zeigte sich, dass der Charakter der Tonart derselbe bleibt, gleichviel auf welchen Instrumenten bezw. in welchen Instrumentencombinationen ihre Accorde erklingen; auch im begleiteten wie im unbegleiteten Chorgesang sind die Charaktere deutlich zu erkennen. Gelang es mir doch sogar selbst in einer ganz fremden Klangfarbe, in Stimm- gabel-Dreiklugeu, mehrfach die Tonart, welcher der Drei- klaug angehrte, an ihrem Charakter zu erkennen und richtig zu benennen ! Zwei fernere Kapitel sind den Einwnden gewidmet, welche man gegen die aus den statistischen Forschungen gemachten Resultate machen kann. Auch von diesen Einwuden vermag ich hier nur die wichtigsten in aller Krze zu behandeln. Man wird zunchst darauf hin- weisen, dass die Stimmung sich doch nicht stets auf allen Instrumenten genau gleich bleibt, dass demzufolge eine Tonart nicht wohl immer den gleichen objektiven Charakter haben kann. Doch suchte ich eingehend nachzuweisen, dass geringe Verstimmungen und Unreinheiten des Drei- klangs den Charakter nicht bedeutend beeinflussen, wenn- gleich sicherlich eine gewisse Stinnnung inmier das Opti- mum des Charakters darstellen wird. So bestand ein durch Stimmgabeln erzeugter Es-moU-Dreiklang, welchen ich an seinem unheindich drohenden Charakter richtig er- kannte, aus den Schwingungszahleu 620, 735, 912, wh- rend der reingestimmte Dreiklang die Schwingungszahlen 620, 744*), 930 hat. Ein weiterer Einwand um andere zu bergehen bezieht sich darauf, dass der Charakter einer Tonart doch je nach dem Rhythmus und dem Tempo betrchtlich variiren msste. Doch glaube ich gezeigt zu haben, dass der Charakter eines Tonwerks von einer grossen Reihe von vllig unabhngigen Factoren, deren einer die Tonart ist, bedingt wird. Ich behaupte uur, dass die Tonart als ein untergeodneter Factor in zweiter, ja meinetwegen erst in dritter Linie den Charakter eines Tonstcks beeinflusse, dass aber dennoch eine glckliche Wahl der Tonart die *) Durch ein Versehen steht im Text des Buches die Zahl 725. 124 Naturwisscuschartliche WoclieDScliiift. XII. Nr. II Wirkung- des Werkes fr nmsikalische Genitlier ver- strke, eine verfehlte dagegen die Wirkung abzuschwchen vermge. Der Charakter der Tonart bleibt aber nnbeeinflusst von Rhythmus und Tempo, er muss im Tiauermarsch des Orchesters derselbe sein wie im Walzer des Claviers, im Choral der Orgel derselbe wie im Gassenhauer des Leierkastens. Der beacbtenswertheste Einwand gegen dieObjectivitt der Tonarten-Charakteristik ist aber der folgende: In vielen Fllen ist der scheinbar objective Cliarakter auf einen thatschlich subjectiven zurckzufhren. Solehe Personen, welche ein einigermaassen sicheres absolutes Gehr" haben, also ohne weiteres eine Tonart aber nicht an ihrem Charaktereindruck erkennen, knnen einen Charakter, welchen sie aus irgend welchen Grnden in ihrer Vorstelhuig einmal der Tonart zugeschrieben haben, gewissermaassen in den Klang hineinhren", so dass sie ihn objectiv wahrzunehmen meinen. An mehreren derartigen Fllen konnte ich diese Art der Entstehung nachweisen. Wo jedoch das absolute Gehr zweifellos fehlt, wie z. B. bei mir selbst, ist dieser Einwand gegen die objective Charakteristik unter keinen Umstnden auf- recht zu erhalten. Denn dass die Hypothese eines un- bewussten absoluten Geh(irs", welche mir in privaten Gesprchen von mehr als einer Seite ad hoc zur Er- klrung construirt wurde, zu unmglichen Consequenzen fuhrt, glaube ich mit Bestimmtheit nachgewiesen zu haben. Das letzte Capitcl des Buches versucht, Die hypothe- tischen Ursachen der Charakteristik der Tonarten" zu Ite- handeln. Wenngleich oben davon die Rede war, dass unsere mangelhaften theoretischen Kenntnisse von den Wirkungen der Musik nicht ausreichen knnten, um statistische Er- gebnisse der Untersuchungen mit psychophysiologischen Ursachen zu erklren, so fhrt doch der zuerst von Helm- holtz gemachte Hinweis auf Tne, die eine Sonderstellung im menschlichen Gehr einnehmen, wohl auf den richtigen Weg zur Erklrung der gefundenen Resultate, ebenso wie auch die eigenthUniliche Empfindlichkeit des Hundegehrs gegen E-dur dadurch hervorgerufen werden drfte, dass e'" ein Eigenton desselben ist (nach Helmholtz). Aus einer Reihe von Beispielen, welche ich Stumpfs Ton- psyehologie" entlehnte, schien hervorzugehen, dass im menschlichen Gehr wolil noch manche Tne, zumal .solche der zweigestrichenen Octavc, existirten, welche eine entschiedene Sonderstellung einnehmen, wenngleich diese oft erst in pathologischen Zustnden deutlich hervor- tritt. Durch Experimente, welche ich selbst grssten- theils an Klaviertnen angestellt habe, glaul)e ich zu- nchst das grosse B und das zweigestrichene Fis als solche merkwrdigen Tne" erkannt zu haben, und mehrere Aeusserungen von anderer Seite scheinen mir, wenigstens fr Fis, diese Sonderstellung zu besttigen. Wie man auf diesem Wege weiter bauen kann und inwieweit die statistischen Ergebnisse, welche freilich selbst noch in mehr als einer Beziehung verbessert, er- gnzt und moditicirt werden mssen, dadurch auf eine theoretische Grundlage gestellt werden knnen, vermag man noch nicht zu bersehen. Um das begonnene Thema zum Abschluss zu bringen, bedarf man zunchst eines weit umfangreicheren Materials, als es der Einzelne zu sammeln vermag. Richard Hennig. 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. "-'G. September 1S9G. IV. E. elow: Die praktischen Ziele der Tropen- hygiene. Die Expansionsbedrfnisse der weissen Rasse zwingen sie, endlich in den Tropen dauernd Fuss zu fassen. Da zeigen sich neue Krankheitsgruiipen, die, so sicher aucii unsere neuen proiihylaktischen Methoden der nor- dischen Seuchen Herr zu werden scheinen, sich der Tropen- erforschung wie eine Sphinx entgegenstellen. Malaria und Gelbfieber mit ihren Unter- und Abarten deeimiren unsere Auswanderer wie unsere Colonialbeamten nach wie vor. Die tropenhygienisehe Fragebogenforschung, wie sie seit zehn Jahren von der Deutschen Colonialgesellschaft ins Leben gerufen worden ist, ergab, dass der Grund aller Stockung in dem Verschmelzen der Acclimatisations- frage mit der Seuchenentstehungsfrage liegt. Der Tro])engrtel ist danach kein fr die weisse Colonisation unbetretbares Gebiet. Es giebt berall seuchen- freic, gesunde Districte, wo der Europer leben, arbeiten und sich fortpflanzen kann. Die Rassen sind die Tchter der Zonen. Sage mir, was du isst, und ich sage dir, von welcher Rasse du l)ist. Unter allen selbstdenkenden Aerzten der Tropen, die viel gereist sind, bestand schon lngst darber ein still- schweigendes Einverstndniss, dass die stabile Norm der Rassenunvernderlichkeit ein altes Dogma war, das nur in den Kpfen der nicht ber Europas Grenzen hinaus Gereisten, europoeentrisch Denkenden noch weiter exi- stirte. Nun war es zur Gewissheit geworden durch diese Schilderungen, dass es sich hier nur um hchst labile Normen handeln kann, die unter unseren Augen tagtg- lich sich umformen, deren erste Schpfung wir nicht auf unvordenkliche Zeiten und Weltkatastrophen zurck- zufhren brauchen. Und wie es mit der stabilen Norm der Rassen ge- schah, so trat dasselbe auch bald danach ein mit der stalnien Norm der physiologischen (von der gemssigten Zone meist entlehnten) Daten ber Puls, Athmung, Grsse, nnd Zahl der Blutkrper, s])ecifisches Gewicht des Urins u. s. w. Durch Fragel)ogenarbeiten wurden von den ver- schiedeneu Seiten Norniabweichungen in physiologischer, wie in ei)idemiologischer und ])athologischer Hinsicht bei den Vlkerschaften in den verschiedenen Zonen bemerkt. Erwhnt seien hier die Ditferenzen hinsichtlieh der Zahl und Grsse der Blutkrperchen; die ganz erheb- lichen Differenzen des specifischen Gewichtes des Urins selbst in Gegenden, wo keine excessive Condensirung des Urins durch bermssigen Schweiss als Erklrung heran- gezogen zu werden braucht. Dazu kommt noch die Immunitt von Schwarzen gegen Gelbfieber, die Neigung der indischen Kulis zu Malariacrkrankungen, das vicari- irende Auftreten von Scharlach und Masern in den Tropen u. A. Wenn den Bacillen die Herrschaft eingerumt wre, so msste man die Menschiieit eigt'ntlich unter eine Glas- glocke setzen. Da mssen andere Scliutzvorriciitungen existiren. Es konnnt viel nudir auf die normalen Schutz- krfte unseres Kr|)ers an, auf den normalen Resistenz- zustand von Individuum und Rasse, als auf den Bacillus, um den Organismus zu schtzen, denn sonst wrde eine auf einem solchen Sumpfe erbaute, mit so mcphitischen Ausdnstimgen in der Regenzeit belstigte Weltstadt der XII. Nr. 11. Niiturwisscnscliaftliehc Wocbeuschritt. 125 bildung- findet statt durch den Zoneuweclisel Migration und die dabei stattfindende erln-unj;- Tropen, wie Mexico, doch schon lngst von der Schaar der daraus aufkeimenden Bacillen berwunden sein. Es ist klar, dass, wie die auf flottirenden Sihnpfen, auf schwimmenden Grten wohnende Indianerbevlkerung der Chinanipas zeigt, wo Jeder Andere sofort dem Fieber er- liegen wrde, es ist klar, dass durch Accomniodations- vorrichtungen im Krper bei geeigneter Ortswahl erworbener und ererbter Resistenz gegen gewisse Tropenseuchen eine Art Menschen heranwchst, welche in Typus, Form, Farbe, Lebensgewohnheiten etc. ein Product des Hinnnelsstriches ist, an den sie sich gewhnt. Dies wre aber nicht mglich, wenn der Mensch auf Gnade oder Ungnade den umherziehenden Seuchen, den Feindesschaaren, den Ba- cillenwolken" ausgeliefert wre. Jeder Organismus im Kleinen hat mit Theil zu nehmen an dem Kreislaufe im Grossen, nicht nur passiv, sondern activ durch Zonenwechsel und Gewhnung und Anpassung an die Zoneneigenthndichkeiten. Die Berhrung mit Keimen und Lebewesen anderer Zonen ist es, die alte Arten erneuert oder zerstrt und neue bildet. Die Arten- durch die mit anders gearteten Lebewesen und Keimen, daher die vielen neuen Hautkrankheiten in den Tropen, die Decadenzkrank- heiten alter Rassen und die Jugendkrankheiten neuer Rassen. So erst erklrt sich die Neigung aller Vlker- arten zu grossen, Jahrliunderte dauernden Wanderungen, zu jenen Vlkerwanderungen, in deren einer wir selbst mitten darin befangen sind: der europo-amerikanischen von Osten nach Westen und Sden, von der gemssigten Zone zu den Subtropen und Tropen der neuen Welt. Sie ist ja nur ein Endauslufer jener grossen Vlkerwanderung, die wir in den Geschichsstunden unserer den Naturwissen- schaften meist feindlichen Schulen gelernt haben, und die wieder nur ein Nachzittern jener grossen vorgeschicht- lichen Wanderungen vom Centrum Asiens nach dem Norden Europas waren. Was wir Krankheiten" nannten, sind durch locale oder individuelle oder Stammesprdisposition begnstigte, durch Schdlichkeitskeime wenn nicht durch andere Gelegenheitsursachen veranlasste Strungen, die ent- weder den Acclimatisationsprocess berstrzen oder ihn verzgern und dabei die Resistenz des Individuums ver- mindern oder sie auch in ihren Folgen erhhen krmnen. Art, Rasse ist das Product der Zonenanpassungsfhigkeit des Individuums und der Generationen unter geeigneter Ortswahl und Artenmischung. Die Tropenseuchen, die somit nicht mehr loszulsen sind, von dem Begrifi'e der Acclimatisation, sind Ueberstrzungen oder Verzgerungen des Acclimatisationsprocesses, wobei es gewissen acci- dentellen oder localen Keimen gelingt, in dem Hlutbildungs- oder dem Lymphbildungssystenie (in Haut und Drsen) einen geeigneten locus minoris resistentiae zu finden und von hier aus ihr langsames oder ihr berstrztes Zer- strungswerk zu betreiben. Es wird in Zukunft nicht gengen, dass, um die Ge- setze des Lebens und Gedeihens der weissen Rasse in den Tropen zu ergrnden, der Eine fr sich bacterio- skopisch einige neue l'lasmodienformen untersucht und der Andere eine Reihe Hautstekchen von Negern mikro- skopirt, um die Schweissdrsen zu zhlen, sondern in Anlehnung an das Aequatorialgesetz der Artenbildung, durch Zonenwechsel wird man gezwungen sein, sich ber die Umwandlung der weissen Haut in gelbe und schwarze durch ganze Generationsreihen mit Hlfe einer inter- nationalen Statistik und mikroskopischer Vergleiche neu eingewanderter und assimilirter alter Generationen Rechen- schaft zu geben, ob und wie die Haut sieh den Tropen anpasst, ob und wie dort Pigmentablagerung sieh in den Generationsreihen huft, ob durch Mischung, ob ohne Rassenmischung u. s. w. Man wird sich Rechenschaft darber zu geben haben, ob und wie die Krperober- flche des dunkler Pigmentirteu resistenter wird gegen Luftschdlinge, gegen Plasmodien und gegen Gelbfieber- einflUsse, die durch die Atmosphre etwa zu uns dringen. Um die praktischen Ziele der Tropenhygiene kurz zusammenzufassen, handelt es sich: 1. um eineReihe neuzu errichtender tropenhygienischer Laboratorien im Sinne der arten- und zonenvergleichenden Physiologie und Pathologie mit je zwei bis drei Aerzteu; 2. um Einrichtungen fr bacteriologische Unter- suchungen auf den Schiften fr Marine- Aerzte; 3. um Hhen-Sanatorien fr beurlaubte Beamte, deren Familien und Andere, unter je einem Arzt, der auch wie die l)rigen Colonialrzte unter der Direction der Centralstelle steht; 4. um eine wissenschaftliehe Leitung des Ganzen von einer Centralstelle aus, woraus sich spter das Sanitts- ministeriuni fr das Deutsche Reich und dessen Colonien zu bilden hat zur Ergrndung des Acclimatisationsgesetzes der Artenbildung durch Zonenwechsel; 5. um einen Beirath zur Anordnung und Ueber- wachung der Aufgaben in Laboratorien und Sanatorien, bestehend aus drei erfahrenen, sprach- und vlkerver- kehrskundigen Tropeurzten, die mit der Centralleitung zu conferiren haben. Ausschreiben von Preisaufgaben, Weiterfhrung der Fragebogenarbeiteu und die Ver- bindung mit anderen Nationen zur Herauschaftung weiterer Statistiken auf allen diesen Gebieten, sowie die Vertretung auf naturwissenschaftlichen, besonders internationalen rzt- lichen und hygienischen Versammlungen liegt diesem Bei- rath der Dreie ob unter Leitung des Direetoriums. 6. Wiederwahl, resp. Neubesetzung dieser Stellen, fr den Weltcongress je nach der Gte der eingegangenen Preisaufgaben erfolgt alle 4 Jahre auf den internationalen hygienischen Weltcongressen durch Delegirte der Staaten, die sich in Zukunft daran betheiligen wollen, in speciellen Commissionssitzungen. Das wre die Grundlage fr ein hygienisches Weltparlanient. 7. Das Ganze wre demnach eine weitere Ausge- staltung der tropenhygienischen Fragebogen- Commission der Deutschen Colon. -Ges. Nansen auf der Walrossjagd.*) Aus Nansens Originalwerk In Nacht und Eis". (Verlag von F. A. Brockhaus, Leipzig.) Dienstag, 12. September. Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde ich von Hendriksen mit der Nachricht geweckt, dass mehrere Walrosse auf einer Scholle dicht bei uns lgen. 0, Tod und Teufel!" Ich sprang auf und war im Nu in den Kleidern. *) Wir geben mit Obigem ein kleines Beispiel aus Nansen's Originalwerk In Nacht und Eis",6. Lief. (Leipzig, F. A. Brocklians). Es war ein schner Morgen mit prchtigem, stillen Wetter; mau konnte ber die klare Eisflche herber das Schnauben der Walrosse hren. Die Thiere lagen bei- sammen auf einer Seholle landeinwrts von uns; hinter ihnen erglnzten blaue Berge in der Sonne. lndlich waren die Harpunen geschliff'en, Bchsen und Patronen bereit, und Hendriksen, Juell und ich zogen aus. Es schien ein schwacher Wind aus Sden zuwehen, und wir ruderten nrdlich um die Thiere herum, um ihnen aus dem Wind zu koinmeu. Ab und zu hob das Thier, das 126 Naturwissenseliiit'tliche Wocliciiscbrift. XII. Nr. 11 auf Wache stand, den Kopf, sah uns aber schwerlieh, und wir glitten weiter. Bald waren wir so nahe, dass wir vorsichtig rudern mussten. Jueil fhrte die Ruder, wlneud Hendrikseu sich vorn mit der Harpune bereit hielt und ich hinter ihm mit der Bchse. Sobald das Wachtthier den Kopf hob, wurden die Ruder augehalten, und wir blieben unbeweglich; dann sank der Kopf wieder, und neue Ruderschlge brachten uns vorwrts. Die Thiere lagen dicht gedrngt auf einer kleinen Scholle, alte und junge durcheinander. Es waren schwere Fleischkolosse. Ab und zu fchelte sich eine der Damen mit dem Schweife hin und her ber die Fleischmasse; dann lag sie wieder still auf dem Rcken oder auf der Seite. 0, das giebt viel Fleisch", sagte Juell, unser Koch. Immer vorsichtiger glitten wir nher. Whrend ich mit der Buchse bereit sass, fasste Hendriksen mit festem Griff den Schaft der Harpune. Im selben Augenblick, da das Boot gegen die Scholle stiess, erhob er sich, und die Harpune sauste durch die Luft, traf aber zu hoch, prallte an der zhen Haut ab und tanzte ber die Rcken der Thiere. Jetzt kam Leben in die Gesellschaft. Zehn bis zwlf ungeheuere, hssliche Kpfe erhoben sich mit einem Male gegen uns, die Fleischberge drehten sich mit unbegreif- licher Schnelligkeit herum und kamen watschelnd mit er- hobenen Kpfen unter hohlem Bellen nach dem Rande der Eisscholle, wo wir lagen. Es war ein imi)osanter Anblick. Ich warf die Bchse an die Wange und brannte auf einen der grssten Kpfe los. Es gab einen Ruck, das Thier taumelte und fiel vornber ins Wasser. Dann einem zweiten Thier eine Kugel durch den Kojjf; es brach eben- falls zusammen, wlzte sich aber nur mit Mhe und Noth in das Wasser. Dann warf die ganze Gesellschaft sich ins Wasser, sodass es ringsum hoch aufspritzte. Alles war im Laufe einiger Secunden geschehen. Aber bald kamen sie wieder zum Vorschein, ums Boot herum, ein Kopf immer grsser und hsslicher als der andere, die Jungen dicht daneben. Sie standen auf- recht im Wasser, bellten und lrmten, dass die Luft bebte, warfen sich nach voru auf uns zu, auf die Seite und wieder in die Hhe, und neues Bellen erfllte die Luft. Sie wlzten sich herum und verschwanden mit gewaltigem Rausciien, dann kamen sie wieder an die Obertiche. Es kochte und schumte das Wasser weit hinaus; es war, als wenn die bisher so schweigsame Eiswelt mit einem Schlage in kochende Raserei versetzt worden sei. Jeden Augenblick musste man erwarten, einen Walrosszahn oder auch zwei durchs Boot zu bekounnen oder gehoben und durch die Luft geschleudert zu werden; das war wohl das Mindeste, was nach solchem Spektakel geschehen musste. Allein der Tumult dauerte fort, und das Erwartete geschah nicht. Wiederum suchte ich mir meine Oiifer aus. Sie fuhren fort, wie die brigen zu bellen und zu grunzen, aber das Blut strmte ihnen dabei aus Mund und Nase. Noch eine Kugel, und wieder strzte ein Thier und schwamm auf dem Wasser; dann eine Kugel nach dem zweiten, welches auch niciit untersank. Hendriksen stand ndt den Har- punen bereit und brachte beide Tiiicre in Sicherheit. Ich schoss noch ein drittes Thier, doch hatten wir keine Har- pune mehr und mussten dalier einen Robbenhaken ein- schlagen, um es ber Wasser zu halten. Der Haken glitt aber ab, und das Thier sank, ehe wir es bergen konnten. Whrend wir unsere Beute nach einer Eisscholle schleppten, waren wir eine Z<'it lang noch von Walrossen umgeben. Es hatte aber keinen Zweck, noch mehr zu schiessen, denn wir besassen keine Mittel, um die Thiere fort- zuschaffen. Gleich darauf kam die Fram" herbei und nahm die von uns erlegten zwei Thiere an Bord. Dann setzten wir die Fahrt lngs der Kste fort. In dieser Gegend sahen wir viele Walrosse. Nachmittags schssen wir noch zwei und htten noch viel mehr erlegen knnen, wenn wir Ueber- fluss an Zeit gehabt htten. Gerade in derselben Gegend hat auch Nordenskild einige kleine Heerden Walrosse angetroffen. Ueber das Abhngigkeitsverhltniss zwischen dem Sauerstoff- und Kolileusuregehalt des Meer- wassers und dem Plankton des Meeres sind whrend der Fahrt des dnischen Kreuzers Ingolf" nach den islndischen Gewssern (Mai bis September 1896) von dein Physiker und dem Botaniker dieser Expedition, den Herreu Kundsen und Ostenfeld-Hansen, neue Unter- suchungen angestellt worden, die zu einigen interessauten Ergebnissen gefhrt haben (vergl. Ann. d. Hydrographie und marit. Meteorologie, XXIV S. 463 466). Bei frheren Bestimmungen des Verhltnisses von Sauerstoff zu Stickstoff' im Meerwasser hatten sich bedeutende Ab- weichungen ergeben, welche von den betreffenden Beob- aehtern entweder garnicht erklrt oder auf Fehler der Beobachtung zurckgefhrt wurden. Die Vermuthung Kundsens, dass diese Schwankungen lediglich von dem SauerstoffVerbrauch und der Kohlensureassimilation des Planktons abhngt, fand eine Besttigung in gleichzeitigen Gasbestimmungen und Untersuchungen des Planktons, welche ergaben, dass ein vorwiegend aus Thieren be- stehendes Plankton einen sehr geringen, ein vorwiegend aus Pflanzen bestehendes einen hohen Sauerstoffgehalt des Wassers veranlasste. Um nun zu untersuchen, ob das Plankton wirklich im Stande wre, die beobachteten Schwankungen des Gasgehalts- Verhltnisses zu veran- lassen, wurden folgende Experimente angestellt. Zwei Literflaschen wurden mit Meerwasser gefllt und, nach- dem in die eine einige mit dem Verticalnetz gefangene und durch ein Sieb vom brigen Plankton isolirte, lebende Copepoden gebracht waren, verkorkt und drei Stunden lang im Wasserbade erwrmt. Die Analyse ergab dann folgende Gasgehalte: ohne Copepoden . . . Mit Coiiepoden .... Differenz ccm CO.j ccm N ccm O per Liter per Liter jicr Liter 41,11 12,48 (;,44 44,43 12,5.5 2,56 3,32 0,07 3,88. Das Sauerstoflf- , luO procent q^jj 34,0 1G,9 Zum Vergleiche sei die Analyse eines an einer von zahl- reichen Copepoden erfllten Stelle geschpften Wassers angefhrt. ccm COj ])er Liter 42,G Unter Gase ccm N per Liter 12,55 ccm O per I^iter G,10 der Bercksichtigung lOoO 4-N 32,7 der 100 o _, . , . -^ ;^v Von Tornoe durch O+N Sttigung mit atniospliri- scher Lutt bestimmt 34,2. durch handenseins von fast Sauei'stoff langsamen Absoi-ption und des Vor- cntwickelndcn Wesen gesttigtes Wasser im Wasser vor dem Fange der Copc])odcn, kann man die Annahme Kundsens widd billigen, dass das niedrige Sauerstoft'procent wesentlich durch den Athmungsprocess der Copei)oden veranlasst wurde. In c-leichcr AVeise wurde die Einwirkung von im Horizontalnetz gefangenen und im Siebe isolirten Diatomeen auf den Sauerstoft'gehalt untersucht, und man erhielt folgende Gasanalysen des reinen und des mit Diatomeen versetzten Meerwassers, unter gleichzeitiger Bercksichti- gung des Lichteiuflusses auf die Diatomeen eine der XII. Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 127 Flaschen wurde zu diesem Zwecke mit Stanniol ber- zogen , nach dreistndiger Erwrmung auf dem Wasser- bade: ccm CO, per Liter ccm N per Liter ccm 100 (3 per Liter + N Ohne Diatomeen Mit Diatomeen im Dunkeln. Mit Diatomeen im Licht . . . Diatom. entwick. im Dnnkeln Diatom. entwick. im Liclit . . 43,0G 12,.52 6,27 33,4 43,65 12,18 3,93 24,4 32,73 12,30 17,27 58,4 0,59 0,34 2,34 -10,33 0,22 -4-11,00. Zum Vergleiche sei das Ergebniss von mit natrlichem Diatomeenplankton erflltem Meerwasser angefhrt. [ccm CO. per Liter ccm N per Liter ccm per Liter Von Torne durcli 41,11 14,53 7,66 louq^ '00 o oT 0-1- N Sttigung mit atmospliri- scher Luft bestimmt 34,5 34,2. Wie der Versuch zeigt, haben die Diatomeen im Lichte 11 ccm Sauerstoff entwickelt, und es ist daher wohl der Schluss berechtigt, dass das Pflanzenplanktou im Stande ist, den Sauerstoffgehalt des Wassei-s zu er- hhen. Die angegebenen Versuche haben mit ziemlicher Deutlichkeit die Abhngigkeit des Gasgehalts -Verhlt- nisses vom Plankton ergeben, und man kann daher den folgenden Stzen der Kundsen'sehen Mittlicilung ber diesen Gegenstand durchaus die Berechtigung nicht ab- sprechen: Es darf sich niemand wundern, grosse und unberechenbare Variationen im Kohlensuregehalt zu lin- den, der sich in so hohem Grade vom Plankton ab- hngig zeigt, und zwar sieher nicht allein von dem Plankton, das im Augenblick da ist, sondern auch von dem, das in demselben Wasser gewesen ist, und das da nicht vllig deeomponirt worden ist. In sehr grossen Zgen kann man Regeln ber die Vertheilung des Plank- tons im Wasser geben, aber selbst an Stellen, die nahe aneinander liegen, und wo man dieselben Lebensbedin- gungen erwarten sollte, kann man sehr grosse Verschieden- heiten in der Menge und der Art des Planktons finden, und hieraus folgen gewiss die grossen und unberechen- baren Variationen in dem Kohlensuregehalt." 6. M. Einen interessanten Beitrag zur Schliesskraft der Muscheln bringt W. H. Marris im Science Gossip vom 27. Aug. 1896. Es soll in England bekannt sein, dass man mit Austern Muse fangen knne. Ein Einwohner der Handels- und Fischerstadt Grimsby legte nun eines Abends auf den Boden seiner Speisekammer eine lebende Auster. Als er am anderen Morgen nachsah, fand er drei todte Muse mit dem Kopfe in ihr stecken. Die Auster hatte wohl des Nachts ihre Schalen geffnet und, durch ihren Geruch herbeigelockt, hatten die Muse zu naschen versucht. Der starke Reiz veranlasste dann offenbar die Auster zu besonders raschem und hefti- gem Schliessen ihrer Schalen. Ein hbsches Bild zeigt die Auster mit den drei Musen. Reh. Einen merkwrdigen Coinmeiisalisinus zwischen Daphniden und Kotiferen beobachtete W. Warrand in einem kleinen Teiche seiner Farm in England (Science Gossip, 27. Aug. 1896). Er sah eine Anzahl rother Flecken in demselben, die sich bei nherer Untersuchung herausstellten als dichte Schaaren von Daphnia pulex, an die sich eine Anzahl von Pompholyx sulcata mit ihrem Schwnze fest- geklammert hatten, oft bis zu einem Dutzend an einer Daphnia. Als W. sie im Wasserglas zu halten versuchte, starben einige Daphnien, worauf sie sofoi-t von den an ihnen hngenden Kotiferen verlassen wurden, die sich an lebende Daphnien wieder festhingen. W. glaubt, dass vielleicht die Rotatorien sich von den Krebsen fortbewegen lassen wollten. Reh. Die Molchfauna des niederelbischen Gebietes um- fasst nach J. Itzcrodt (Verhandinngen des Vereins fr naturwisscnschaftliclic Unterlialtung in Hamburg, Bd. IX) alle in Deutschland lebenden Wassermolche. Nicht selten sind der Streifenmolch, Triton taeniatus Laur., der ge- fleckte Molch, Triton punctatus Merr., und der Kamm- molch, Triton cristatus Laur. Der schn gefrbte Alpen- molch, Triton alpcstris Bechst. (Tr. igueus Laur.), wurde im Sommer 1893 bei Uelzen aufgefunden, fast gleichzeitig bei Vegesack. Der Leistenmolch, Triton helveticus Rag, wurde im Sommer 1895 bei Harburg gefunden. Diese bisher nur in Schwaben und am Mittelrhein beobachtete Art unterscheidet sich von allen deutscheu Verwandten durch eine vorragende Lngslinie au beiden Seiten des Rckens, wodurch dieselbe dreikantig erscheint. A. P. Lorenzen. Ueber einen reichen Fund von Elephantenresten und das Vorkommen von Elephas trogontherii Pohl in Schlesien belichten W. Volz und R. Leonhard in der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft (1896. Heft 2, S. 356 ff.). Die Verfasser haben einen von Herrn Baumeister Bartetzko in Petersdorf bei Gleiwitz in Oberschlesien entdeckten Fundpunkt von Sugethier- resten mit gnstigem Erfolge ausgebeutet. Die Stcke stammen aus einer Sandgrube altdiluvialeu Alters, einige 100 m n('irdlich des Bahnhofes Gleiwitz, und gehren ber- wiegend Eleplianten, untergeordnet Rhinozeraten an; der ganze Fund umfasst 6 Stosszhne (Lngen 1,87 m, 1,39 m, 1,00 m, 0,86 m, 0,50 m, 0,30 m), 2 Unterkiefer, 2 Unter- kieferfragmente, 16 Elephanten-Backzhue, 1 Humerus, mehrere Tibiafragmente, 1 Rippe, viele Rippenfragmeute, 1 rechtes, 2 linke Calcaneusfragnieute, 1 rechtes Trape- zoidale, 1 rechten und 1 linken Astragalus. Die palaeon- tologische Untersuchung des Fundes ergab die interessante Thatsaehe, dass unter den schlesischen Elephantenresten nunmehr zum ersten Male Elephas trogontherii Pohl nach- gewiesen wird. Michael. Die bislang nicht geglckte Trennung der Ghr- wirkung von den lebenden Hefezcllen ist Eduard Buchner gelungen, er hat die Resultate seiner Unter- suchungen in den Ber. Deutsch. Ghem. Gesell. 30, 117 in einer Arbeit : Ueber alkoholische (Jhrung ohne Hefe- zellen" niedergelegt. Zur Lsung dieser Aufgabe diente folgendes Verfahren: 1000 g zur Darstellung von Presshefe gereinigte, oberflchlich von Wasser befreite, noch nicht mit Kartoffelstrke versetzte Brauerbierhefe werden mit einer gleichen Gewiehtsmenge Quarzsand und 250 g Kieseiguhr innig gemengt und unter Zusatz von 100 g Wasser zu einer homogenen, plastischen Masse verarbeitet. Das Gemisch wird in ein Colirtueh ge- schlagen, einem Druck von 4 500 Atmosphren unter- worfen bis 300 ccm Saft durch Pressen gewonnen sind. Der im Mrser fein zerthcilte Presskucheu wird von Neuem mit 100 g Wasser verrhrt, demselben Drucke ausgesetzt, bis insgesammt 500 ccm Pressflssigkeit, die 300 ccm Zeilinhaltssubstanz enthlt, resultiren. Die so erhaltene noch schwach getrbte Flssigkeit wird zur Klrung krftig mit 4 g Kieseiguhr durch- schttelt und wiederholt durch ein Papierfilter geschickt. Das Filtrat vom spccifischen Gewicht s = 1,0417 zeigt schwache Opalesccnz, ist reich an Kohlensure und ge- steht beim Kochen fast vollstndig. 128 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 11. Die bei weitem interressanteste Eigenschaft aber des Presssaftes ist nun die, dass er Kohlehydrate zu verghren vermag. Voiumengleiche Mischungen des Presssaftes mit coucentrirten Rohrzucker-, Trauben-, Fruciit-, Malzzucker- lsungen verghren wie unter der Einwirkung lebender Hefezellen, Milchzucker- und Maunith'isungen dagegen zeigen nach Voraussicht keine Ghrungserscheinuugen. Mehrere Tage durch Presssaft in Ghrung versetzte, im Eisschrank aufgestellte Zuckcrlsungcn Hessen unter dem Mikroskop keine Organismen erkennen, dagegen konnte Bchner bei TOOfacher Vergrsserung zahlreiche Eiweissgeriunsel constatiren, deren Ausscheidung er auf bei der Ghrung entstandene Suren zurckfhrt. Stti- gung der Flssigkeit mit Chloroform behindert die Ghrung nicht, bedingt aber minimale Eiweissausscheidung. Das Ghrvermgen des uuvermischten Presssaftes ist kein dauerndes, es geht vielmehr nach circa fnf Tagen ver- loren, whrend ghrthtiger Presssaft seine Ghrwirkuug ungefhr 14 Tage behlt. Filtration des Saftes durch ein sterilisirtes Berkefeld-Kieselguhrtiltcr, das unbedingt alle Hefezellen zurckhlt, hat zwar eine Verzgerung, aber durchaus nicht die Aufhebung der Ghrwirkung zur Folge. Erwrmt man den Presssaft eine Stunde auf 4050", so tritt zuerst Entweichen der Kohlensure und dann Ge- rinnen des Eiweisses ein; das Filtrat besitzt so gut wie keine Ghrkraft mehr. Durch Behandeln des Presssaftes mit absolutem Alkohol konnte Verfasser eine Substanz isoliren, die nur zum kleinen Tlieile im Wasser lslich war; das wssrige Filtrat war nicht im Stande, Rohr- zucker zu verghren. Die Resultate Buchner's beweisen zur Evidenz, dass die Einleitung der Ghrung keineswegs an den compli- cirten Apparat lebender Hefezellen gebunden ist; als Trger der Ghrwirkung des Presssaftes erscheint eine gelste Substanz, Zyniax, von eiweissartigem Charakter. Die bereits von M. Traube 1858 ausgesprochene und von Hoppe-Seyler mit hohem Eifer verfochtene Ferment- oder Enzymtheorie findet durch Buchner ihre Erhrtung. Ob die Zymase zu den bereits lnger bekannten Enzymen zu rechnen ist, ist vorlufig noch nicht zu ent- scheiden. Das oben erwhnte Verhalten des Presssaftes gegen Alkohol wie Wrme berechtigt zu dem Schluss, dass die Zymase den echten Eiwcisskrpern zuzuzhlen ist. Die Verghrung des Zuckers durch die Zymase knnte nun im Innern der Hefezellen vor sich gehen, mehr wahrscheinlich ist indessen die Annahme, dass die lebenden Hefezellen die Zymase in die Zuckerlsuug aus- scheiden, um dort die Ghrung zu bewirken. Von nicht geringem Interesse ist des Weiteren die Beobachtung Buchner's, dass das fr die Hefe angewandte Auspressverfahren zur Gewinnung des Inhaltes der patho- geuen Bacterien wohl geeignet ist; im hygienischen In- stitut der Universitt Mnchen sind eingehende Unter- suchungen hierber im Gange. Dr. A. Sp. Die Diainaiiten des Stahles behandelt Rssel (Comptcs reudus T. CXXHI. 13. juillct 1896, S. 113). Herr Moissan hat in seinen beachtcnswerthen Arbeiten ber die knstliche Herstellung des Diamanten aus mit Kohlenstoff gesttigtem Eisen bei hoher Temperatur im elektrischen ( fen in ineisterhatter Weise die Krfte be- schrieben, welche auf den Kohlenstoff wirken oder viel- mcin- gewirkt haben, um ihn in durchsichtige Octaeder umzuwandeln. Herr Moissan hat geschmolzenes Eisen von 3000 mit Kohle gesttigt; beim Abkhlen unter h(hcni Druck hat sich ein Theil des Kolilcnstoffcs in mikrosko- pische Diamanten umgewandelt. Diese beaehtcnswcrthe Thatsache hat R. auf den Gedanken gebracht, dass die sehr harten Stahlsorten, die in den Stahlhtten bei sehr hoiier Temperatur hergestellt und unter hohem Druck abgekhlt worden sind, Kohlenstoff enthalten mussteu von denselben Formen und Eigenschaften wie die von Moissan beschriebenen Diamanten. R. hat eine Anzahl ausgesuchter Probestcke von Stahl nach den Methoden von Berthelot und Moissan be- handelt. Nach der Lsung des Metalls in starker Sure wurden die Rckstnde nach einander mit concentrirter Salpetersure, gesclimolzenem chlorsauren Kali, concen- trirter Fluorwasserstof'sure und starker Schwefelsure behandelt. Seine Vermuthungen hatten R. nicht getuscht, er hat in einer grossen Anzahl von Probestcken durch- sichtige, krystallisirte Rckstnde gefunden, die nach den obigen Behandlungen unlslich waren und die alle von Herrn Moissan angegebenen Eigenschaften besassen. Bald sind diese Rckstnde als regulre Octaeder von sehr kleinem Durchmesser, der nicht 15 Mikromillimeter berschreitet, krystallisirt, bald sind es gleichmssig durch- sichtige Trmmer von betrchtlicherem Umfang, der leicht 0,5 mm Durchmesser erreicht. Die Krystalle ver- brennen im Sauerstoff, indem sie Kohlensure geben, sie haben einen charakteristischen Fettglanz, absorbiren das Licht und geben keine Frbung, wenn sie der Wirkung des polarisirten Lichtes unterworfen werden. Die Krystalle von 0,5 mm Durchmesser sind ausserordentlich hart, ritzen den Korund, ohne zu zerbrechen. 50 g Metall haben bei den beschriebenen Behand- lungsarten, und nachdem diese mehrere Male wieder- holt worden waren, einen Rckstand von ber 5 g ge- liefert. Dieser Rckstand von dunkler Farbe ist sehr hart und setzt sich zusammen aus einer grossen Anzahl Mineralien von sehr regelmssiger Krystallisation. Wenn man diese Krystalle mechanisch mit Hilfe einer sehr starken Vergrsserung trennt, so erhlt man die Diaraant- fragniente von grossen Dimensionen, von denen wir ge- sprochen haben. Indem R. auf diesen Experimenten und ihren Resultaten fusst, scheint es, dass die Entstehung von Diamauten durch Schmelzen von Kohlenstoff bei sehr hoher Tempe- ratur und Abkhlung unter hohem Druck eine neue Be- sttigung erhlt, und so erscheint ihm die Theorie des Herrn Moissan ber die Erzeugung von Diamanten durch- aus gerechtfertigt. Zache. Wetter-Monatsbersiclit, Whrend des vergan- genen Februar wiesen die Witterungsverhltnisse sowohl zwischen den verschiedenen Theilen Deutschlands als auch zwischen der ersten und zweiten Hlfte des Monats aussergewhnlich grosse Verschiedenheiten auf. In ganz Norddeutschland herrsehte nach beistehender Zeichnung bis zum 9. bestndig Frost, welcher im Osten ziemlich strenge auftrat. Dort sank das Thermometer in den Pro- vinzen Ost- und Westpreussen sowie in Hinterponmiern whrend der klaren Nchte vielfach auf 20 bis 22 C. und blieb auch Mittags ungeachtet des hellen Sonnenscheins immer mehrere Grade unter Null. Vom 8. zum l. Fe- bruar fand in der westlichen Hlfte von Norddcutschland eine langsame, vom 9. zum 11. in der stlichen eine usserst rasche Erwrmung statt; whrend die Durch- schnittstemperatur der nordostdeutsehen Stationen am Morgen des 9. auf 13,5" C. herabgegangen war, lag dieselbe 24 Stunden spter nur noch 3,6" unter dem Gefrierpunkte, nach weiteren 24 Stunden schon 0,2" ber denisell)cn und 2 Grade ber ihrem normalen Werthe. Nach ein paar milden, jedoch ziemlich trben Tagen XII. Nr. 11. Naturwisseuschaftliche Wochenschrift. 129 r Temperaturen im Fcl^ruar 1897 _tagiicties Maximum, b!,-, Minimum _ 8 U hr Morgens, 1897 8 Unr M orgens.nnraial I.Febr. 6. 11. 16. 21, 2b CH' 1 1 i I I M I ! I I I I I 1 I l Motdwestdrafsclilanil ^ 11. t-' M I I I I vrNordosMeutsctiland 16 21. 2b. begann am 14. fr Norddeutschland eine zweite klare Frost- periode von krzerer Dauer. Dann stiegen die Tem- peraturen mehr und mehr, so dass der Wrmemangel der ersten Monatshlfte beinahe ausgeglichen wurde und sich die durchschnittliche Februartemperatur der norddeutschen Stationen nur noch um einen halben Grad von ihrem lang- jhrigen Mittelwerthe unterschied. Im Gegensatze zu den letzten beiden Monaten hatten die meisten Gegenden, besonders stlich der Elbe, im Februar verhltnissmssig viel Sonnenschein; die Gesammtdauer desselben be- trug z. B. fr Berlin 71, Potsdam 85 Stunden, nur 16 {IT' - f^e der .Micdcr^cl^rge an jedem Febcuartage 1897. , Summe iin Februar I.Febr. 6. 11. 16. UiMiiJ'iii JL 56. I I I I I I I Mordwestdeut s jland. - 1 Febr. 6. 11. 16. 21. 26. I M I I II I I I I M I I I I 1 I I 18 97. 96, 95. 9 k. 93. 92. an bezw. 9 Stunden weniger als in dem sehr trockenen Fe- bruar des vergangenen Jahres. In Sddeutschland lag die Temperatur fast immer ber ihrem normalen Werthe, welcher daher im Mouats- mittel um last 2V.2 Grade bertroifen wurde. Nur whrend der Nchte vom 16. bis 20. herrschte etwas strengerer Frost, wogegen an den zum Theil wolkenlosen Tagen das Thermometer betrchtlich anstieg. Am 26. Februar erreichte dasselbe zu Karlsruhe, Bamberg und Mnchen 15", an anderen sddeutschen Stationen sowie auch zu Kassel 14 C. Den hheren Temperaturen entsprechend, waren auch die Niederschlge viel ergiebiger im Sden als im Norden Deutschlands. Wie die beistehende Darstellung derselben erkennen lsst, kam bei weitem ihr grsserer Theil wh- rend der ersten Hlfte des Monats vor. Am 2. Februar wurden an den sddeutschen Stationen durchschnittlich 11,4, am folgenden Tage 9,9 Millimeter Regen gemessen. Um die gleiche Zeit fielen zwar auch in einzelnen Ge- genden Norddeutschlands sehr grosse Mengen, so zu Chemnitz 27, zu Kassel 26, zu Kln 21 Millimeter Regen und Schnee, doch war hier die mittlere Niederschlagshhe stets kleiner als 5 Millimeter. Wenn daher auch die sich auf 41,9 Millimeter belaufende Monatssumme, welche die Niederschlge im Durchschnitte aller deutschen Stationen ergaben, nur wenig von dem Mittelwerthe der ent- sprechenden Summen von den frheren Februarmonaten abwich, so setzte sich dieselbe doch aus sehr verschiedenen Einzel werthen zusammen-, beispielsweise hatte Friedrichs- hafen im diesjhrigen Februar 102, Mnchen 85, Karls- ruhe 84 Millimeter, dagegen an der Kste Rgenwalder- mnde nur 8, Neufahrwasser 10, Wustrow und Borkum 11 Milhmeter Niederschlag Die Ursache der Stze zwischen Nord- und Sddeutschland ist in zwei tiefen barometrischen Depressionen zu suchen, welche am 2. und 7. Februar, von England kommend, mitten durch Deutschland hindurchzogen. Wie es im Winter die Regel ist, wehten an der Nordseite derselben sehr kalte, stliche, an der Sdseite hingegen warme und dampf- gesttigte sdwestliche Winde, welche am 2. und 3. in ver- schiedenen Theilen Sddeutschlands Sturmesstrke erreich- ten. Die durch sie bewirkte Schneeschmelze wurde durch anhaltende, dichte Regengsse ausserordentlich beschleu- nigt, so dass schon am 2. Februar in der Schweiz der Rhein und alle seine Nebenflsse stark anschwollen. Bald pflanzten sich die Hochwasser, welche in ;den Alpen durch Lawinenstrze noch vielfach gesteigert wurden, nach Westdeutschland wie auch nach Frankreich fort, und fr Deutschland war die Ueberschwemmungsgefahr um so grsser, da hier im Norden noch immer neue Schneemassen herniedergingen und durch die mit Eis be- deckten unteren Stromlufe keinen Abfluss finden konnten. Durch die lange anhaltende Klte gestalteten sich auch die Eisverhltnisse an den Ksten usserst schwierig. Das Fahrwasser in den Hfen fllte sich mehr und mehr mit Treibeis an. Zwischen Warnemnde und Gjedser sowie zwischen Kiel und Korsr mussten die Dampferfahrten eingestellt und eine Zeit lang der ganze Postverkehr zwischen Deutschland und Dnemark ber Jt- land geleitet werden. Auch im Kaiser- Wilhelm-Kanal bildete sich eine feste Eisdecke, in welcher es jedoch durch Eis- brecher eine Fahrrinne olfen zu halten gelang. Nachdem vom 10. bis 15. Februar verschiedene Minima durch die skandinavische Halbinsel gezogen waren. eigenthmlichen Witterungsgegen- Wcstwinde auch fr Norddeutschland Verminderuiu Er- dereu lebhafte wrmung und damit eine Verminderung der Verkehrs- strungen bewirkten, erschien ein hohes barometrisches Maximum in Deutschland und veranlasste dort einige 130 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 11. trockene, sonnige Tage, an denen eine langsame Abnahme der in Norddeutschland noch immer hohen Schneedecke stattfinden konnte. Der Rest derselben wurde in den meisten Gegenden durch den Regen beseitigt, welcher seit dem 20. Februar an der Sdseite neuer skandinavischer Depressionen herniederfiel, wobei an verschiedenen Stellen die Weser und die Saale aus ihren Ufern traten. Von da ab wurde die Erwrmung der Luft durch Schnee- schmelze nicht mehr behindert und vollzog sich daher sehr schnell, als gegen Ende des Monats ein bei Schott- land erscheinendes Minimum lebhafte Siidwestwinde aus sdlicheren Theilen des atlantischen Oceans weiterver- breitete. Dr. E. Less. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden; Jieg. Kath Prof. Dr. von Buchka zum Leiter der naturwissenschaftlichen Versuchsabtheilung im Kaiser- lichen Gesundheitsamt zu Berlin; der stndige Mitarbeiter am Kniglichen Geodtischen Institut zu Potsdam Dr. Ludwig Kriiger zum Professor; Dr. Hans Lemke aus Berlin zum Assistenten am meteorologisch -magnetischen Observatorium in Potsdam. Berufen wurde : Der ausserordentliche Professor der Mathe- matik in Berlin Dr. Ernst Ktter als ordentlicher Professor an die technische Hochschule in Aachen. Es starben: Der Schpfer der Ackerbauchemie Prof. Georges Ville in Paris; der Professor der Moralphilosophie in Oxford Wallace; der Inhaber des bekannten Schulz'schen chemischen Laboratoriums in Magdeburg Dr. Hugo Schulz. Preis-Ausschreiben. Die Naturforschende Gesellschaft in Daiizig hatte bei der Feier ihres lO.jhrigeu Bestehens 1893 einen Preis fr die beste Arbeit ausgesetzt, welche durch Erforschung des Entstehens und der Verbreitung von Pilzepidemien unter den in Westpreussen einheimischen waldverheerenden Insecten zuver- lssige und durch den nachzuweisenden Erfolg im Freien bewhrte Mittel zur durchgreifenden Vernichtung solcher Insocten bietet. Da der Termin zur Einlieferung am letzten December 1898 ab- luft, wird diese Preisaufgabe hierdurch nochmals in Erinnerung gebracht. Deutscher Geographentag. XII. Tagung in Jena. Vor- lufige Tagesordnung: Dienstag, am 20. April. Abflnds von 8 Uhr an: Begrssungsabend im grossen Saale des Burgkellors. Mittwoch, am 21. April. Vormittags 9 Uhr: Erste Sitzung im akademischen Rosensaale, wo auch die folgenden Sitzungen stattfinden. Erffnung des XII. Deutschen Geographentages. Wirkl. Geh. Adm.-Rath Prof. Dr. G. Neumayer, Director der Deutschen Seewarte in Hamburg: Bericht ber die Thtigkeit der vom XI. Deutschen Geographen- fag in Bremen ernannten Commission fr Sdpolar-Forschung." Vortrge: Dr. Ilorrmann Meyer-Leipzig: Ueber seine Expe- dition nach Central -Brasilien"; Dr. Heinrich Zimmerer- Mnchen: ,.Uebor Deutsche Forschung in Klein-Asien" ; Roman Oberhummer jr.-Mnchen: Ueber seine Reise durch Syrien und Anatolien im Jahre 1896." Nachmittags 3 Uhr: Zweite Sitzung. Berathungsgegenstand: Schulgeographie." Vortrge: H. Fischer, Oberlehrer am Louiseiistdtischen Rcalgyinn.asium in Berlin: Zur usseren Lage des Geogriuihie-Unterrichtes in Preussen"; Prof. Dr. W. Sievers- Giessen: Grssere geographische Untorrichtsreisen mit Stuiliron- den"; Prof. Dr. Job. Pal acky-Prag: Ueber die Einrichtung geographischer Herbarien zum Zwecke des Unterrichts in geogra- phischer Botanik." Geschftliche Mittheilungen. Vorberathung ber die Wahl des nchsten Tagungsortes. Abends 7 Uhr: Gemeinsames Festessen im Theatersaal. Donnerstag, am 22. April. Vormittags 9 Uhr: Dritte Sitzung. Berathungsgegenstand: Geophysische Fragen." Vortrge: Prof. Dr. G. Gerland - Strassburg i. E.: Uober den heutigen Stand der seismischen Forschung"; Prof. Dr. A. Su]) an- Gotha: Vorschlge zur syste- matischen Erdbobenbeobachtung in den einzelnen Lndern"; Dr. Ad. Sehmidt-Gotha: Geographische Probleme der erdmagne- tischen Forschung"; Privatdocent Dr. E. Naum ann- Mnchen : Geotektonik und Erdmagnetismus." Nachmittags 3 Uhr: Besichtigung der optischen Werksttte von C. Zciss und der Jonenser Glashtte von Schott und Ge- nossen. Abends 8 Uhr: Gesellige Zusanimenkuiitt im Bren." Freitag, am 23. April. Vormittags 9 Uhr: Vierte Sitzung. Berathungsgegenstand: Biologische Geographie." Vortrge: Prof. Dr. Semon-Jena: Ueber die Fauna Australiens"; Dr. Ed. Hahn -Lbeck: Trans- portthiere in ihrer Verbreitung und Abhngigkeit von geogra- phischen Bedingungen"; Prof. Dr. O. Schneider-Dresden: Die Thierwelt der Insel Borkum mit besonderer Rcksicht auf thier- geographisch wichtige Beobachtungen." Nachmittags 3 Uhr: Fnfte Sitzung. Bericht der Central- Commission fr wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland. Vortrge: Prof. Dr. J. Wal th er -Jena: Thringer Land- schaftsformen erlutert aus ihrem geologischen Bau"; Dr. K. Peucker- Wien: Der Bergschatten und seine Wirkungen in Alpen und Mittelgebirge. Geschftliche Mittheilungen. Wahlen. Beschlussfassung ber den Ort der nchsten Tagung. Beschluss- fassung ber Antrge. Schluss der Sitzungen. Abends 8 Uhr: Festkommers, gegeben von der Stadt Jena im Turnsaal. Sonnabend, am 24. April. Gegen Mittag: Fahrt mit Sonderzug nach Weimar, Besichti- gung der dortigen Sehenswrdigkeiten. Abends: Festvorstellung im Grossherzoglichen Hoftheatcr." Sonntag, am 25. April. Geologisch-geographische Ausflge in das Saalthal, sowie Be- such des Schlachtfeldes. Die Dauer eines Vortrages soll womglich nicht '/a Stunde, in keinem Fall die Zeit von % Stunden berschreiten ; auch darf kein Redner in der Discussion lnger als 10 Minuten zu einem Gegenstand sprechen. Diejenigen Herren, welche Vortrge halten oder sich an der Discussion bethoiligen, werden ersucht, ihre fr den Druck bestimmten Manuskripte ohne besondere Mahnung mglichst bis zum Schluss der Tagung abzuliefern, sptestens aber bis zum 15. Mai d. J. dem unterzeichneten Geschftsfhrer des Central-Ausschusses (Berlin SW., Zimmerstr. 90) zukommen zu lassen. Der Zutritt zu den Sitzungen ist nur gegen Vorweisung der Mitglieds- oder Theilnehmerkarte gestattet. Das Gleiche gilt von der Theilnahme an den officiellen Zusammenknften und Ausflgen. Man kann dem Geographentage als Mitglied oder als Theil- nehmer beiwohnen. Diejenigen, welche dem Geographentage als stndige Mitglieder angehren oder sich als solche anmelden, zahlen fr das Versammlungsjahr einen Beitrag von 6 Mark, wo- fr sie Zutritt und Stimmrecht auf der Tagung, sowie die Berichte ber die Verhandlungen des Geographentages und die sonstigen Drucksachen ohne weitere Nachzahlung erhalten. Wer dem Geo- graphentage nur als Theilnehmer beizuwohnen wnscht, hat einen Beitrag von 4 Mark zu entrichten, erhlt jedoch die gedruckten Verhandlungen nicht unentgeltlich; im brigen geniesst er whrend der Dauer der Tagung dieselben Rechte wie die Mitglieder. Auch Damen knnen der Tagung als Mitglieder oder als Theilnehmer anwohnen. Die baldige Anmeldung zum Besuch dos Geographentages an den Generalsekretr des Ortsausschu.sses Dr. F. Rmer (Jena. Zoologisches Institut) ist erwnscht. Whrend der Tagung wird von Dienstag, den 20. April, Nachmittags 2 Uhr an im Burgkeller die Geschftsstelle des Geographentages eingerichtet sein; daselbst knnen auch die unter der Adresse ,XII. Deutscher Geographentag" fr die Besucher eintreffenden Postsendungen entgegengenommen werden. Zwecks rascher Herstellung der Besucherliste werden alle Be- sucher des Goographentages dringend gebeten, auch wenn sie schon im Besitz der Mitglieder- oder Theilnehmerkarte sind, sich mglichst gleich nach Ankunft auf der Geschftsstelle anzumelden. Die Anmeldung zu dem Festessen am 21. Aj)ril (trockenes Gedeck 4 Mark) bitten wir sptestens bis zum 15. April erfolgen zu lassen. Die Ausgabe der Karten fr das Festessen, sowie der unent- geltlichen Karten fr die Bahnfahrt nach Weimar und den Besuch der Festvorstellung im Grossherzoglichen Hoftheatcr erfolgt auf der Geschftsstelle. Nhere Bestimmungen ber die Ausflge werden whrend der Tagung mitgetheilt werden. Jena, im Februar 1897. Im Namen des Central- und Ortsausschusses. 1 )i'r Vorsitzende des (^-iitralausschusses: l'rof. Dr. G. Ni'uinayer Wirkl. Geh. Adm.-l!atl], Director der Deutschen Seewarte in Hamburg. Der Vorsitzende des Ortsausschusses: Prof. Dr. W. Kken thal, Vorsitzender der Geographischen Gesellschaft in Jena, Der Geschftsfhrer des Centralausschusses: Georg KoUm, Ingenieur-Hauptmann a. D., Generalsekretr der Gesell- schaft fr Erdkunde zu Berlin. XII. Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 131 L i 1 1 e r a t u r. Prof. Ur. M. Lazarus, Das Leben der Seele in Monosrapliieen ber seine Ki-scliL'inuiif;;oii und Gesetze. 3. AuH., lil. Band. Ferd. Dmmler's Verliigsbuchh. Berlin 1897. ['reis 6 iMk. Die geistreichen und stylistiseli mustergltigen Monograpliieen" zum Seelenleben sind so bekannt, dass wir hier nur angeben knnen, in wiefern sich die vorliegende o. von der 2. Aufl. des III. Bandes unterscheidet. Die Abhandlung Die Vermischung und Zusammenwirkung der Knste" ist gekrzt worden, da sie ihren ursprnglichen Anlass in der Ausstelhing von Gemlden mit musikalischer B(>gloitung hatte. Das ist seit Langem nicht wieder- holt worden und darf als beseitigt angesehen" werden, weshalb die Kritik, die Lazarus gebt hatte, gekrzt worden ist, whrend der theoretische Gewinn brig geblieben ist. Ueber die Poly- chromie in der Sculptur ist jedoch zeitgemss ausfhrlicher ein- gegangen worden. Lazarus' Psychologie liegt in der Richtung Herbart's; es ist interessant, wie er in dem Vorwort der 3. Auf- lage kurz die psycliophysische Richtung abfertigt. Es giebt ja Leute sagt er , deren Psyche nur ein Object fr den Phy- siologen und fr den Psychiater bildet .... Glcklicher Weise giebt es aber auch anders constituirte Menschen, die etwas er- leben, was nicht im Laboratorium des Physiologen oder in der Klinik des Psychiaters untersucht werden kann." Von einem Manne wie Lazarus, der schon so lange mit Erfolg die Psychologie in seiner Richtung behandelt, wird man eine Schwenkung jetzt nicht mehr erwarten drfen; jedoch wide er gewiss der psj'cho- physischen Richtung freundlichere Beachtung schenken, wenn sie es in ihrer jetzigen Fassung strker verdiente. Bei dem Mangel philosophischer Durchbildung bei den Naturforschern einerseits und dem Mangel naturwissenschaftlicher Kenntnisse bei den Philo- sophen andererseits kann es vorlufig leider nicht anders sein. P. Dr. E. Bade, Das Ssswasser-Aquarium. Geschichte, Flora und Fauna des Ssswasser-Aquariums, seine Anlage und Pflege. Mit 4 bunten und L! einfachen Tafeln, 2S Textabb. und viefen Vignetten. Verlag von Fritz Pfenningstorff. Berlin 189G. Preis 16,50 Mk. Das ausfhrliche Buch es umfasst 530 Seiten kann dem Aquarium-Freund ein in vielen Fllen wichtiges Handbuch sein; es orientirt ihn ber so gut wie Alles, was bei der Horrichtung, Haltung, Besetzung und Pflege des Aquariums vorkommt. Die Hauptstrke des Buches liegt in den Auseinandersetzungen, soweit sie die technische Seite der Aquariumkunde betreuen. In den anderen Beziehungen htten wir wohl Manches anders gewnscht, namentlich ist zu bedauern, dass Verf. nicht einen Botaniker an dem Werk zu betheiligen versucht hat. Prof. Dr. C. Claus, Lehrbuch der Zoologie. 6. umgearbeitete Auflage. Mit 889 Holzsclmitten. N. G. Elwert'sche Verlags- buchhandlung. Marburg 1897. Preis lo,50 Mk. Unter den Lehrbchern der Zoologie hat das vorliegende einen guten, alten Ruf. Da es allgemein bekannt ist, kann es sich hier im Wesentlichen nur darum handeln, das Erscheinen der Neu-Auflage anzuzeigen. Es umfasst in Gross-octav 966 Seiten, von denen auf den allgemeinen Theil 215 Seiten kommen und das zum Vortheil des Buches. Denn dieser allgemeine Theil ist von hohem Interesse durch die klare Einfhrung auch in die tieferen Probleme der Zoologie; diesbezglich vergleiche man z. B. die Abschnitte ber Ngeli's mechanisch- physiologische Theorie der Abstammung und ber Weismann's Lehre von der Continuitt des Keimplasmas und den Variationen des Keimplasmas als die Ursache der Variabilitt. Ueberhaupt sind die Abschnitte zur Descendenzlehre trefflich geeignet, in den gegenwrtigen Stand derselben einzufhren aber auch in die Geschichte dieser Lehre seit Lamarck. Die mustergltigen Illustrationen des Buches sind bekannt. Prof. Dr. W. Migula, Die Characeen. 5. Band von Dr. L. Raben- horst's Kryptogamen-Flora von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. Mit zalilreichen in den Text gedruckten Abbildungen. Leipzig 1896. Verlag von Eduard Kummer. Preis 26,40 Mk. Eine so ausgezeichnete und ausfhrliche Kryptogamenflora wie die Rabenhorst'sche zu besitzen kann sich ausser Deutschland kein Land rhmen. Mit Freude wird daher jeder Interessent das Erschei- nen einer neuen Lieferung begrssen. Durch die 12. Lieferung des vor- liegenden Bandes, dessen 1. Lieferung schon 1890 erschien, wird wie- der ein Theil abgeschlossen. Wir haben nunmehr eine ganz ein- gehende, gewissenhafte Characeenflora zur Verfgung, die sich den bisher erschienenen fertigen acht Bnden (die sich mit Algen, Pilzen, Moosen und Pteridophyten beschftigen) wrdig anreiht. Der Band umfasst 765 Seiten und erschpft seinen Gegenstand, so weit es der Systematiker auch nur wnschen kann. Zunchst geht Verf. ausfhrlich auf den Aufbau und die Entwickelungsgeschichte der Characeen ein, sodann auf die geschichtliclie Entwickelung der Characeenkunde um sich dann ber die Stellung der eigen- thmlichen und anziehenden Familie im System auszulassen, die Begrifl'e Gattung, Variett, Form zu besprechen, die Terminologie zu ventiliren, Ausknfte ber Sammeln, Untersuchen und Be- stimmen der Characeen zu geben, ihre geographische Verbreitung darzulegen und endlich die Systematik der Characeen mit ganz ausfhrlichen Arten -Beschreibungen vorzunehmen- Vorzglich untersttzt wird das Vorstndniss des Textes durch klare Abbil- dungen; es sind 149 resp. Grujipen von solchen vorhanden. Vielfach sind es Habitus-Abbildungen, die oft die ganze Seite einnehmen. Gespurt ist in dieser Beziehung in keiner Weise. Die natrlichen Pflanzenfamilien nebst ihren Gattungen und wiclitigcren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen, unter Mit- wirkung zahlreicher hervorragender Fachgelehrten, begrndet von A. Engler und K. Prant 1, fortgesetzt von A. Engler, ordentlicher Professor der Botanik und Diroctor des botanischen Gartens in Berlin. Lief. 146 1-lS. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engclmann, 1897. Subskriptionspreis a 1,50 M., Einzelpreis k .3 M. Mit der Doppel-Lieferung 146/147 schliesst der IV. Theil ab. Es sind ihr drei Titelbltter nebst Inhaltsverzeichnissen fr diesen Theil beigegeben und zwar werden zusammengefasst: 1. Abtheilung 1 und 2, "2. Abtheilung oa und Sb, o. Abtheilung 4 und 5. Durch diese Einrichtung werden die Bnde handlich und nicht zu dick. Dieser Lieferung liegt ausserdem das Titelblatt nebst Inhalts- verzeichniss fr den III. Theil, i. und 5. Abtheilung bei. Durch den Schluss der Labiaten, den die Doppellieferung bringt, ist wieder ein Theilband, nmlich die 3. Abtheilung a des IV. Theiles vom Gesammtwerk fertig geworden. Lief 148 ist den Pilzen gewidmet (I. Theil, 1. Abtheihing, Bogen 1820); sie enthlt" den Schluss der Hysteriineae (G. Lindau), die Tuberineae und den Anfang der Plectascineae (Ed. Fischer) mit 288 Einzelfiguren in 31 Figuren. Fricke, Prof. Dr. Rob., Hauptstze der Differential- und Integral- Rechnung, als Leitfaden zum Gebrauch bei Vorlesungen zu- sammengestellt. 1. Tbl. Braunschweig. 2 Mark. Friese, Heinr., Die Bienen Europa's (Apidae europaeae) nach ihren Gattungen, Arten und Varietten, auf vergleichend mor- phologisch-biologisch. Grundlage bearbeitet. Berlin. 12 Mark. Graesel, Ober Biblioth. Dr. Arnim, Repertorium zu den Acta und Nova Acta der kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deut- schen Akademie der Naturforscher. 1. Hlfte. Leipzig. 3 M. Langwieser, Dr. Karl, Der Bewusstseinsmechanismus im Gehirne des Menschen. Wien. 2 Mai'k. Lewin, Prof. Dr. L., Lehrbuch der Toxikologie. Wien. 10 M. Nitzelnadel, Dr. Ernst, Compendium der Arzneimittellehre und Arzneiverorduungslehre. Wien. 5,.50 Mark. Snell, Dr. Otto, Grundzge der Irrenpflege fr Studierende und Aerzte. Berlin. 2 Mark. Tornquist, Priv.-Doc. Assist. Dr. A., Das fossilfhrende Unter- carbon am stlichen Rossbergmassiv in den Sdvogesen. Strass- burg. 9 Mark. Wahl, Dr. Karl von, Vergleichende Untersuchungen ber den anatomischen Bau der geflgelten Frchte und Samen. Stutt- gart. 25 Mark. Berichtigung. Der erste Satz im zweiten Absatz der Mittheilung ber Am- moniakstickstoft' im Urgestein" auf S. 106 muss lauten: Das euxenitartige Mineral zeigte neben den gelben und grnen Helium- nur massig helle "Stickstofflinien, whrend das dem Polykras hnliche zwar kein Helium- dagegen ein ungemein helles und scliarfes Stickstotfspectrum aufwies. Inhalt: Richard Hennig, Die Charakteristik der Tonarten. 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. 26. September 1896. (IV.) Nansen anf der Walros.sjagd. Ueber das Abhngigkeits- verhltniss zwischen dem Sauerstoft'- und dem Kohlensurcgehalt des Meerwassers und dem Plankton des Meeres. Schliess- kraft der Muscheln. Commensalismus zwischen Daphniden und Rotiferen. Die Molchfauna des niaderelbischen Gebietes. Ueber einen reichen Fund von Elephantenresten und das Vorkommen von Elephas trogontherii Pohl in Schlesien. Ueber alkoholische Ghrung ohne Hefezellen. Die Diamanten des Stahles. Wetter-Monatsbersicht. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Prof. Dr. M. Lazarus, Das Leben der Seele. Dr. E. Bade, Das Ssswasser-Aquarium. Prof. Dr. C. Claus, Lehrbuch der Zoologie. Prof. Dr. W. Migula, Die Characeen. Die natrlichen Pflanzenfamilien. - Liste. Berichtigung. 132 Naturwissciiscliaftlichc VVoclieiisclinft. XII. Nr. 11. Herdersclie Verlagshaudlung, Freiburg im Breisgau. Durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Dressel, L., S. J., Elementares Lehrbuch der Physik, nach den neuesten Anschauungen t'iir hhere Schulen und zum Selbstunterricht. Mit 402 Figuren, gr. 8". (XX u. 700 S. und eine Tabelle.) M. 7.50; geb. in Halb- leder mit Goldtitel M. 8. . Das Buch ist eine gediegene Originalleistung, die alle Empfehlung verdient. . E.s gibt knaj)]), elementar und doch grndlich einen Ueberblick ber den jetzigen Standpunkt der Physik in einer Weise, die um so anregen- der wirkt als man merkt, dass der Verfasser berall selbstndig kritisch urteilt: der Le.ser wird thatschlich hineingefhrt in die heutigen, die Wissen- schaft bewegenden Probleme, er nimmt teil an den wohlmotivierten Skrupeln und Einwrfen des Verfassers und legt .schliesslich das Buch hin mit dem lebhaften Wunsche, an der Lsung der vielen vorgefhrten Probleme weitern Anteil zu nehmen. . . ." (Bltter fr hheres Schulwesen. Berlin 1896. Nr. 5.) .. . . Um nicht einen allzu grossen Umfang des Werkes herbeizufhren, musste die Darstellung mglichst kurz gehalten werden, und hierbei zeigt sich der Verfasser als Meister der Sprache. Das Werk ist in seiner Aus- fhrung fr hhere Schulen als auch zum Selbststudium bestimmt, und Referent will nicht ermangeln, es allen denjenigen, die sich mit dem heutigen Stand- punkt der Physik durch eigenes Studium vertraut machen wollen, warm zu empfehlen. . . ." ((Jaea. Leipzig 1895. 10. Heft.) Silberne Medaille 1896 der InternntionaloM Am.iteur-Ausstellung Berlin. Photographische Apparate und Bedarfsartikel. Alleinvertrieb der Westeiulorp & Weliiier"-l'latteu (jetzt: Act.-Gcs fr Trockenplattent'abrikation vorm. W. & W.) Pilliiay'sche Lacke. Max Steckelmann, Berlin W. 8, Leipzigerstrasse 33 I. ! ! von Poncet Glashtten -Werke 54, Kpuickerstr. BERLIN SO., Kpnickerstr. 54. Fabrik und Lager aller Gefsse und Utensilien fr ' ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. Zwecke. Glser fr den Versand und znr Ausstellung naturwissenschaftliclier Prparate. Preiaverxelchnias gratin und frnnco. Ferd. Dflmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. 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Lichterfelde {1 Bernstein in Berlin. Verlag: Ferd. Dninilers Verlagsbuchh; ju der \ irlapsbiii hhandlung Chr. Herm. Tauchnilz in Leipzig, liitritf 1: Naturwissenscbaftiiche Beaelitung empfehlen. (P.-B.) bei Berlin, Potsdameratrasse 35, fr den Inserateutheil: landlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. Redaktion: ~f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XII. Band. Sonntag, den 21. Mrz 1897. Nr. 12. Abonnement: Man abonuirt bei allen BuchhandlunKen und Post- Y Inserate : Die vieri^espaltene Petitzeile 40 ^. Grssere Auftrge ent- instalten. wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist j 4. 5(3 sprechenden Rabatt. BeilaKen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme BrinKesceld bei der Post LS '^ extra. Postzeitnngsste Nr. 4954- -" bei allen Annoncenbureaux wie bei der Expedition. Abdrack ist nar mit Tollstndit^er <|aellenaiifi:abe gestattet. 68. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Frankfurt a. M., vom 21. -26. September 1896. ^ V. Carl Weigert: Neue Fragestellung'en in der pathologisclien Anatomie. Welche ergiebige Quellen gute Hj'potliesen fr eine neue richtige Fragestellung und dadurch fr das Auffinden neuer Thatsachen erschliessen, das lehrt, um uur ein Beispiel anzufhren, die Hypothese des Benzolringes. Keiu Mensch hat noch den Benzolring gesehen, kein Mensch die eigenthmliche Verkettung der Kohlenstoff- und Wasserstott'atonie, die dieser hj'pothctisch voraussetzt, zur sinnlichen Wahrnehmung bringen knnen, und so ist denn die Lehre Kekule's von den Thatsacheu- fanatikern anfangs auch grndlich verspottet worden. Nichtsdestoweniger verdanken wir dieser Hypothese eine geradezu unglaubliche Menge von neuen Thatsachen. Das ist eben der grosse Unterschied zwischen dem planlosen Speculiren der Naturphilosophen und dem Denken der Gelehrten vom Schlage Kekule's. Fr letztere ist die Hypothese nicht bloss eine Befriedigung des mensch- lichen Geistes, der ber das unmittelbar Gesehene hinaus in das Wesen der Dinge eindringen will, sondern fr sie hat die Hypothese vor Allem einen heuristischen Zweck, in dem Sinne, den wir soeben angedeutet haben. Ein Gleichniss mag das erlutern. Als man die erste Hngebrcke ber den Niagarafall bauen wollte, da war es natrlich unmglich, in der ge- whnlichen Weise vorzugehen, wie sonst beim Bau von solchen Brcken. Es war ja undenkbar, in der Nhe des Falles von einem Ufer zum anderen zu gelangen, wie das unter anderen Yerhltuisseu nothweudig gewesen wre. Man Hess nun bei drachen ber den Fall anderen Ufer aufgefangen, und Ufer durch die dnne Schnur, jnstu hiuwegfliegen festigt zog war verbunden. man eine dickere em Winde einen Papier- Dieser wurde am jetzt waren die beiden an der der Drache be- Mit Hlfe dieser dnnen Schnur und wieder andere noch dickere hinber, dann ein Drahtseil etc., und so konnte man schliess- lich die feste VerbindungsbrQcke zwischen den beiden Ufern in der blichen Weise zu Staude bringen. Wie jener Papierdrache, so soll sich eine gute Hypo- these verhalten. Auch die Hypothese erhebt sich vom festen Boden der Thatsachen in die freie Luft der Ge- dankenwelt, mit dem Untergrunde nur verknpft durch einen dnnen Faden von Beobachtungen, und doch ver- bindet dieser dnne Faden unter gnstigen Umstnden auf dem Umwege der Gedankenwelt zwei sonst nicht mit einander in Zusammenhang zu bringende Stellen des Thatsachenbodeus, um schliesslich zwischen beiden die Herstellung einer festen Brcke von Beobachtungen zu ermglichen. Das planlose Speculiren verhlt sich zu der frucht- baren Gedankenarbeit ernster Forscher wie das Spiel der Kinder mit einem Papierdracheu zu jener Ueberbrckung des Niagarafallcs. Aber leider fhrt eben nicht jede Hypothese zu der Herstellung einer sicheren Brcke zwischen zwei sonst nicht mit einander in Zusammenhang zu bringenden Beobachtungen. Im Gcgentheil, manchmal ist das, was sie schaft't, ein ganz unsicherer Steg, der unter dem, der hinberwandeln will, zusammenbricht. Manche solcher irrigen Hypothesen halten sich ungemein lange Zeit, aber es ist doch nthig, von Zeit zu Zeit einmal die Grundlagen unseres Forscheus zu revidiren, um nach- zusehen, ob wir nicht auf solche verfehlte Hypothesen stossen, deren Hauptgefahr darin liegt, dass sie auf viele Jahre hin die Fragestellung verschieben. Mit einer solchen Hypothese mssen wir uns heute zuerst beschftigen. Es handelt sich bei ihr um die Frage, ob durch ussere (pathologische) Einflsse die Zellen zur Vergrsserung und Vermehrung angeregt werden knnen oder nicht. V 134 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 12 Unter pathologischen Verhltnissen beobachtet man nmlich vielfach eine ber das Maass des Normalen iiiuausgebonde Steigerung der Zellthtigkeit, und zwar kann das in verschiedener Weise geschehen, entsprechend den verschiedenen Formen der physiologischen Zellthtig- keit, d. h. es kann eine functionelle, eine nutritive und eine formative Reizung der Zellen eintreten. Bei der functionelleu Reizung ist nur die Function gesteigert, ein Nerv erregt Schmerz, ein Muskel contrahirt sich strker, eine Drse secernirt reichlicher. Bei der nutritiven Reizung nimmt die Zelle an Grsse zu, bei der formativen endlich erzeugt die Zeile eine neue Brut, sie theilt sich. Man hat nun ziemlich allgemein geglaubt, dass diese drei Abarten der Zellthtigkeit nur Grade der Reizung reprsentirten, von denen die functionelle den niedrigsten, die formative den hchsten darstellte. Da mau nun jeden Moment sehen konnte, dass die functionelle Reizung durch ussere Momente direct hervorgerufen wurde, dass durch ein Trauma ein Nerv zur Schmerzerzeugung erregt, ein Muskel durch den elektrischen Strom zur Zusammen- ziehung gebracht, eine Drse durch ein Arzneimittel in Secretion versetzt wurde, da man ferner nach usseren Eingriffen auch vielfach Zellvergrsserungen und Zell- vermehrungen eintreten sah, so nahm man es als ganz selbst- verstndlich an, dass auch die nutritive und formative Reizung ebenso direct durch ussere Reize hervorgerufen werden knnten, wie die functionelle und doch ist dieser Schluss in keiner Weise gerechtfertigt. Es ist zunchst ein Irrthum, wenn man glaubt, dass die nutritive und formative Reizung nur graduell von der functionellen verschieden seien. Gerade das Gegeutheil ist richtig: die nutritive und formative Reizung stehen in einem diametralen Gegensatze zu der functionelleu. Bei der functionellen wird lebende Substanz verbraucht, bei den beiden anderen wird solche neu erzeugt. Man kann daher die nutritive und die formative Zellleistuug unter dem Namen der bioplastischen Processe zusammen- fassen, denen dann die functionelle als katal)iotischer Process gegenberstehen wrde. Bei dem fundamentalen Unterschiede zwischen diesen beiden Arten der Zellthtigkeit, der bioplastischen und der katabiotischen, ist es nun durchaus nicht mehr so selbst- verstndlich, dass dieselben Ursachen, welche die eine Art zu Stande konmien lassen, auch bei der anderen wirk- sam sein sollten. Auch der Umstand, dass nach usseren Eingriffen Zellwucherungen entstehen, gengt nicht, um es als selbstverstndlich zu betrachten, dass diese durch den usseren Eingrift' selbst angeregt wrden, dass es also dirccte, ussere, bioplastische Reize gebe. Die bio- plastische Wirkung folgt dem usseren Eingriff nicht so Schlag auf Schlag wie die die functionelle, und in der Zwischenzeit kann sich vielerlei in den Geweben ab- spielen, was erst seinerseits die nutritive und formative Zellthtigkeit beeinflusst. Ein directer usserer bio- plastischer Reiz msste daher erst irgendwie an Zellen oder noch besser an einem ganzen Organismus ein wands- frei bewiesen werden. Das ist bisher noch niemals ge- schehen. Die ganze Lehre von dem directen bioplastischen Reize ist daher nur eine (unbewiesene) Hypothese. Das wrde an und fr sich nichts ausmachen, aber wir werden sogleich scheu, dass sie eine nicht haltbare und eine berflssige Hypothese ist. Es ist freilich riciitig, dass die Vermehrung der lebenden Substanz durchaus nicht unal)hngig von usseren Momenten ist. Es gehrt ja zum Zustandekommen der selben z. ]{. Nahrungsaufnahme im weitesten Sinne, aber diese Abhngigkeit ist nur so zu verstehen, dass die be- treffenden Lebensersciieiiiungen bei fehlender oder un- gengender Nahrung nicht oder nur mangelhaft vor sich gehen knnen. Der Antrieb und die Richtung zur Ver- mehrung geht aber nicht von der Nahrung etc. aus, sondern von den immanenten, aus dem Keimsplasma herrhrenden Krften, den sogenannten idioplastischen Krften. Diese zum Zustandekommen der physiologisclieu bio- plastischen Zellthtigkeit nothwendigen Einflsse der Naii- rung und dergleichen sind nun wesentlich verschieden von dem, was man sich unter den jiathologischen bioplastischen Zelireizen vorstellt. Die physiologischen usseren Einflsse sind zwar zur Ausfhrung der prstabilirteii l)ioplnstischen Processe durchaus nthig, aber sieknnen die l)ioplastischen Leistungen niemals ber das von vornherein festgestellte Ziel hinausfhren, whrend doch die krankhaften biopiastischen Zellreize eine ber dieses Ziel hinausgehende Vermehrung der Gewebsbestandtheile zur Folge haben sollen. Noch niemals ist es geglckt, mit besonders reichlicher Nahrung ein Individuum einer kleinen Menschenrasse in das einer grossen umzuwandein, ebensowenig, wie noch je einmal durch sehr viel Futter ein Mops in einen Neufundlnder verwandelt worden ist. Man darf daher die physiologisch nothwendigen usseren Einflsse ja nicht etwa mit dem Namen von Reizen in dem erwhnten Sinne bezeichnen, sondern man wird gut thun, um Missverstnduisse zu ver- meiden, sie Lebensbedingungen zu nennen. Unter Beihlfe dieser usseren Lebensbedingungen ist es nun dem lebenden Wesen zunchst ermglicht, sich zu entwickelu, heranzuwachsen und seinesgleichen zu er- zeugen. Alles das ist von vornherein aufs (Tcnaueste prstabilirt. Wenn das Wachsthum beendet ist und nicht etwa die mit der Fortpflanzung in Verbindung stehenden Zeiten vorhanden sind, so bleibt der Krper in seinem Gewebsbestande unverndert, eine Vermehrung seiner Be- standtheile ber das bei der Zeugung vorgeschriebene Maass tritt nicht mehr ein. Trotzdem die Zellen die- selben Lebensbedingungen, dieselbe Nahrung haben wie vorher, scheint vollkommene bioi)lastische Ruhe eingetreten zu sein. Aber diese Ruhe ist nur eine scheinbare. Die Gewebe des Krpers werden ja immer verbraucht und abgenutzt und die verbrauchten und abgenutzten Theile mssen immer wieder neu ersetzt werden. So treten auch j'etzt innner Neuerzeugungeu lebender Substanz ein. Die bioplastische Kraft der Zellen ist also nach Vollendung des Wachsthums nicht etwa erloschen, sie ist nur in einer anderen Form vorhanden. Whrend vorher die bio- plastische Energie, die erforderlichen Lebensbedingungen als vorhanden vorausgesetzt (und diese sind ja normaler Weise stets vorhanden), eine kinetische war, d. h. ohne Weiteres aus der Nahrung lebende Substanz aufbauen konnte, so ist sie jetzt eine potentielle geworden. Diese potentielle Energie kann aber jeden Moment wieder eine kinetische werden, wenn die Hindernisse, die sie in Sj)an- nung hielten, fortgeschaft't werden. Es ist auch gar nicht zweifelhaft, welcher Art die Hindernisse sind, die die Spannung bewirken. Wir sahen ja soeben, dass die Weg- schatfung von Krpermaterialien durch Abnutzung oder dergleichen die Auslsung der Energie bewirkt. Daraus folgt, dass die Bestandtheile des Krpers selbst es sind, die sich gegenseitig in Spannung halten. Fllt einer dieser Bestandtheile aus, so knnen die brig bleibenden wieder ihre potentielle. Inoplastische Energie in kinetische berfhren, da ja das llinderniss, das die Spannung be- wirkte, aus dem Wege geschafl't ist. Wie wird nun bei den pathologischen Zellwucbe- rungen die potentielle, bioplastische Kraft in kinetische bergefhrt V Die alte Lehre nimmt au, dass der ussere Einfluss der Zelle direct zur Neubildung von lebender Substanz anrege. Das knnte nur dadurch geschehen, dass durch XII. Nr. 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 135 den usseren Kciz eine derartige Stcig-crnng' der bio- plastischen Energie ausgelst wrde, dass jetzt die Hindernisse berwunden und die potentielle Energie in kinetische bergefhrt wrde. Ein solcher Zuwachs von bioplastischer Energie, was ja diese Steigerung der nor- maler Weise vorhandenen bedeutet, ist aber gleichbedeu- tend mit einem Zuwachs von lebender Substanz, d. h. der ussere Eintluss wrde einen Zuwachs von lebender Substanz hervorrufen, whrend wir diese sonst nur durch innere, innnauente Krfte entstehen sehen. i\Iit anderen Worten: die directe, ussere, bioplastische Reizung kme auf eine Abart der Urzeugung heraus. Urzeugung, welcher Art auch ininier, ist aber etwas so ausserdentlich Un- wahrscheinliches, dass wir dem entsprechend auch die Hypothese des directeu, usseren, bioplastischen Reizes als durchaus unwahrscheinlich bezeichnen mssen. Al)er diese Hypothese ist nicht nur unbewiesen und unwahrscheinlich, sondern auch ganz berflssig. Die pathologischen Zellwucherungeu gehen mit ganz unmerk- lichen Uebergngen aus den physiologischen Reparationen hervor. Audi diese letzteren kommen ja vielfach durch ussere Momente, durch den Verkehr des Krpers mit der Aussenwelt zu Staude, und der Unterschied ist in vielen Fllen nur ein gradueller. Bei den pathologischen Pro- cessen sind die primren Gewebsschdigungen mchtigere, es werden daher mehr Widerstnde, die die potentielle Energie in Spannung hielten, weggeschafft, und von dieser kann viel mehr in kinetische bergehen, d. h. die Zellwuche- rungen werden bedeutendere sein, als bei den physio- logischen Reiiarationen, ohne dass auch nur die geringste Steigerung der biojilastischen Energie erfolgte. Die quali- tativen Unterschiede, die wir in der That bei vielen anderen pathologischen Vorgngen antreffen, sind auch nicht durch die bioplastischen Processe selbst, sondern durch die Verschiedenheit der Gewebsschdigungen be- dingt. Die physiologischen Schdigungen, die Abnutzungen etc. verlaufen ja nach ganz bestimmten Typen, fr die knstlichen Schdigungen ist aber in Bezug auf ihre Mannigfaltigkeit gar keine Grenze gesetzt. Schdigen und tdten knnen wir ja die lebenden Wesen und deren Theile in der allerverschiedensten Weise, whrend wir etwas Lebendes, sei es an Energie oder an Jlaterial, nicht knstlich zu schafi'eu vermgen. Auch bei den [pathologischen Gewebswucherungen liegt also der An- griffspunkt von Seiten der usseren Eingriffe nicht in den Gewebstheiien, die spter in Wucherung treten, sondern in denen, die dieser Wucherung als Wachsthumswider- stnde entgegenstanden. Durch die neue Auffassung wird die Fragestellung eine ganze andere, ja es tritt eine Flle von neuen Fragen auf, die alle das Gemeinsame haben, dass sie uns fr jetzt oder fr die Zukunft eine Mglichkeit der Lsung versprechen. Nach der alten Lehre schob sich zwischen den pathologischen Eingriff und die Zellreizung nichts weiter ein. Alan konnte daher auch die grossen Unter- schiede der pathologischen Processe nicht anders erklren, als dass man eben sagte, in dem einen Falle wrden die Zellen so, in dem andern anders gereizt. Worauf das beruhte, dafr fand sich keine Mglichkeit der thatsch- liehen Erklrung. Jetzt aber, wo wir wissen, dass sich eine Gewebsschdigung zwischen den usseren Eingriff und die Zellwucherung einschiebt, und dass deren Ort und Art die Besonderheit der pathologischen Processe bedingt, jetzt knnen wir diese Gewebsschdigung sehr wohl mikroskopisch zu ergrnden hoffen, und man hat sie schon vielfach ergrndet. In einer ganzen Reihe von Fllen, in denen man bis dahin die vorhandenen Zell- vermehrungen auf directe ussere Reizung zurckgefhrt hat, ist der Nachweis gelungen, dass der bioplasHschen Mehrleistung ein Schdigungsprocess des Gewebes voraus- ging, der jene erst secundr bedingte. Man erinnere sieh an die ganz vernderte Auffassung der chronischen Ent- zndungen. Es hat sich in der That auch gezeigt, dass die specielle Eigentliuichkeit des pathologischen Vor- ganges nicht durch die Zellreizung bedingt war, sondern eben durch Ort und Art der Gewebsschdigung, durch die in vorher ungeahnter Weise die Besonderheit des Processes verstndlich wurde. Als Beispiel seien nur die Pockenefflorescenz und die fibrinsen Entzndungen er- whnt. Wir gehen jetzt zu denjenigen Processen ber, die man als functionelle zu bezeichnen pflegt. Hierher ge- hren alle Secretionsvorgnge, die nervsen Erregungen und endlich alle Bewegungen der lebendigen Substanz, z. B. die Muskelthtigkeit und die amboiden Bewegungen. Wir haben frher gesagt, dass man die fuuctionellen Zell- leistungen als katabiotische aufzufassen habe, d. h. als solche, bei denen lebende Substanz verbraucht wird. Dass dem so ist, ist fr diejenigen Secretionen einfach selbstverstndlich, bei welchem ganze Zellen, wie in der Milchdrse, oder Theile des Protoplasmas, wie in den Schleimdrsen, zur Secretbilduug verwendet werden. Hier wird eben die ganze Zelle oder ein Theil derselben zu einem zwar sehr ntzlichen, aber doch leblosen Material umgewandelt. Aber auch fr solche Secretionen, bei welchen die Zelle selbst kein Material fr das Secret hergiebt, sondern von aussen zugefhrtes nur umarbeitet, wie das bei der Gallensecretiou der Fall ist, sowie fr diejenigen Vorgnge, bei denen die Function berhaupt keinen Stoff", sondern nur eine Kraftleistung producirt, z. B. fr Muskelbewegungen, ist bei nherem Zusehen der katabiotische Vorgang, der Verbrauch lebender Sub- stanz durchaus klar. In diesen Fllen erzeugt die Zelle zwar kein lebloses Material, wohl aber physikalisch- chemische Energie, also so zu sagen, leblose Energie. Hierbei verrichtet die Zelle eine Arbeit, und bei dieser Arbeit wird ihr Material ebenfalls abgenuzt, also ver- braucht. Das spricht sich auch darin aus, dass nach an- gestrengten Functionen dieser Art Erschpfung, bezw. Ermdung der thtigen Gewebe eintritt. Die verbrauchte, durch die Function zerstrte, lebende Substanz wird be- kanntlich wieder ersetzt. Unter diesen Umstnden wird es uns auch verstnd- lich sein, dass, ganz im Gegensatz zu den nutritiven und formativen, die functionellen Zellthtigkeiten durch ussere Einflsse direct hervorgerufen werden knnen. Hier haben diese ja nichts mit einer Vermehrung der bio- plastischen Kraft zu tliun, was, wie wir gesehen haben, etwas ganz Unwahrscheinliches ist, im Gegentheil, hier lsen die usseren Momente sogar ein Zugrundegehen lebender Substanz aus, und dass so etwas mglich ist, ist nach den Erfahrungen an ganzen Organismen und an deren Theilen gar nicht zu bezweifehi. Es ist auch a priori sehr wohl denkbar, dass durch ussere Momente sogar Abnderungen in der Beschaffenheit der katabio- tischen Produete mglich sind. Von specielleren hierhergehrigen Processen seien zunchst die functionellen Zellthtigkeiten, die bei der Entzndung eine Rolle spielen, ein wenig nher betrachtet. Es handelt sich hierbei um Bewegungen verschiedener Art. In erster Linie sind es die chemotactisch hervorgerufenen Bewegungen der weissen Blutkrperchen, die das Wesen der Entzndung im engeren Sinne darstellen. Diese chemo- tactisclic Anlockung der weissen Blutkrperchen kann sogar durch Stoffe erzeugt werden, die dem Organismus vollkommen fremd sind, z. B. durch Bactericn. Bei der eigentlichen Entzndung sind es aber ganz besonders die Substanzen der geschdigten Gewehe, die als chemo- 136 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 12. tactischer Reiz wirken. Auch diese sind ja in Bezug auf die Lenlvocyten ussere Einflsse. Fr diese amboiden Bewegungen der weissen Blutkrperchen sind die Unter- suchungen Verworn's ber die so hnlichen Bewegungen der Amben sehr gut zu verwerthen. Verworn zeigte, dass bei dem Ausstrecken der Fortstze dieser kleinen Wesen ein Verbrauch lebenden Materiales, speciell von Kernstoffen, statthat, der die Amben zwingt, ihre Fort- stze wieder einzuziehen, um das geschdigte Protoplasma in die Nhe des Kernes hinzubringen. Bei dem, was man Entzndung im weiteren Sinne nennen kann, spielen unter Umstnden noch andere Be- wegungen mit, die nii.ht die weissen Blutkrperchen be- treffen. Das sind die Bewegungen sonst fixer Zellen oder ihrer Abkmmlinge, die sich im Stadium der Be- weglichkeit befinden. Auch auf diese kann ein chemo- taetischer Reiz ausgebt werden, und zwar betrift't er ent- weder die ganze Zelle, dann verlsst diese ihren Ort, oder dem Bewegungsantrieb folgt nur ein Tlieil des Protoplasmas, dann bleibt die neue Zelle als ganze zwar an ihrem Platze liegen, aber sie streckt sich beim Wachsen nach der chemotactisch wirkenden Stelle hin. So strebt denn die wachsende Zellbrut nach einer bestimmten Richtung, und diese stellt also ihre Wachsthumsrichtung dar. Die Wachsthumsrichtung kann demnach sehr wol durch cheniotactische, d. h. durch ussere Einflsse be- dingt werden, nimmermehr kann die cliemotactische An- ziehung aber das Wachsthum selbst bewirken. Die Wachsthumsrichtung ist ein rein functioneller Vorgang, eine Bewegung des neugebildeten Zellmateriales, die Neu- bildung des letzteren aber ist das Gegentheil davon, ein bioplastischer Process. Freilich kann dieselbe Ursache, z. B. eine Aetzung der Cornea, alle die verschiedenen Zellleistungen auslsen: die bioplastische Thtigkeit durch die Erzeugung einer Gevvebssehdigung, die Beeinflussung der Wachsthumsrichtung und die Anlockung der weissen Blutkrperchen durch die bei dieser Schdigung des Ge- webes entstehenden, chemotactisch wirkenden Stoffe. Auch bei der Zelltheilung selbst spielen ja Be- wegungserscheinuugen des Kernes und des Protoplasmas eine Rolle, Bewegungserscheinungen, die man in neuer Zeit sogar physikalisch verstndlich zu machen versucht hat. Da haben denn manche Autoren gemeint, dass die Bewegungen das Wesen der Zellwucherung berhaupt ausmachten, und dass demnach die Neubildung von jungen Zellen auf einem Vorgange beruhe, der wie jede andere Art der Bewegnng, auch gelegentlich durch ussere Momente direet ausgelst werden knnte. Aber eine solche Annahme ist durchaus irrthmlich. Bei der Neu- bildung von Zellen handelt es sich in erster Linie gar nicht um die bei der Theilung sich einstellenden com- plicirten Bewegungen, sondern um die Neubildung von lebendem Material, namentlich auch von Kernsubstanz. Dass diese sich neubildende Substanz durch die Tlieilnng der Zellen in Unterabthcilungcn gebracht wird, ist etwas ganz Seeundres. Das Zellmaterial kann sich ja auch vermehren, oline dass l)erhaui)t eine Theilung desselben erfolgt, ja manche Organismen vermehren ihre lebende Substanz in ganz kolossaler Weise, ohne dass es jemals zu einer Zeiltlicilung kme. Mag daher auch, was brigens mich ganz unliewiesen ist, der s]ic('ielle Act bei der Zunahme des lebenden Materiales, den wir als Zell- theilung bezeichnen, durch ussere Einiliisse bctlingt sein knnen, so gilt das doch in keinem Falle fr das, was bei der Zelltheilung das Wesentliche ist, fr die Neu- bildung lebender Substanz selbst, die durch die Theilung nur in Untcrabtlieilnngen gebraclit wird. Wir kommen jetzt zu einer anderen Art der Kata- biosen, die in den Rahmen dessen, was man als functionellc Zellthtigkeiten bezeichnet, nach dem gewhnlichen Sprach- gebrauch nicht recht hineinpassen. Das sind Katabiosen, die zur Bildung von Gewebsbestandtheilen fhren. In diese Klasse gehrt vor allen Dingen die Bildung der Zwischensubstanzen in der Bindegewebsgruppe, sowie die Erzeugung von verhornten Materialien. Ganz besonders sind diese Substanzen aber im Pflanzenreiche vertreten, bei der Bildung der Cellulose, der Kork- und Holz- substanzen, der Strke etc. Selbst bei gewissen Secreten des thierischen Krpers kann man bereits eine Art der Gewebsbildung annehmen. Das ist z. B. an der Schild- drse der Fall, wo das Secret nicht nach Aussen entleert wird, sondern als eingedickte Masse im Gewebe liegen bleibt. Bei der Bildung dieser Substanzen finden wir alle die Abarten der Zellthtigkeit vertreten, die wir auch bei den echten Drsensecretionen kennen gelernt haben. Die genannten Substanzen entstehen entweder durch Untergang ganzer Zellen, wie die verhornten Zellen, oder mit Verbrauch nur eines Theiles des Protoplasmas, von dem sich, wie sich ]\Iax Schnitze ausdrckte, die Zwischen- substanz separirt und differcnzirt, oder endlich mglicher Weise so, dass die Zelle nur Material verarbeitet, das ihr von Aussen zugefhrt wird, wie das z. B. bei der Bildung der Strke der Fall ist. Nach dem, was wir frher ber die Drsensecretionen gesagt haben, wre es demnach durchaus gerechtfertigt, hier von katabiotisehen Processen zu sprechen, bei denen also lebendes Material zu Grunde geht, wenn wir nachweisen knnten, dass es in der That zu Grunde geht, d. h. dass die entstehenden, hierher gehrigen Substanzen nicht etwa selbst lebendes Material reprsentiren. Zwar ist das Bindegewebe, der Knochen, der Knorpel, als Ganzes genommen, ein lebendes Gewebe, aber nur deshalb, weil dieses von lebenden Zellen, bezw. deren Auslufern in reichlichster Weise durchsetzt ist, ebenso wie die Ccllulosenmembraneu der Pflanzen von Auslufern des Protoplasmas durchzogen sind. Mgen aber die Zwischensubstanzen der Binde- gewebsreihe noch so sehr von lebender Substanz durch- setzt sein, sie sell)st sind ebenso leblos, wie die ver- hornten Theile oder wie die genannten Producte des Pflanzenkrpers. Das geht einfach schon daraus hervor, dass alle die erwhnten Stoffe keine Eiweisskrper mehr sind, was sie doch als lebende Substanzen sein mssten, sondern dass sie aus viel weniger labilem Material be- stehen, die thierischen aus leimgebender, bezw. aus Horn- substanz, die pflanzlichen sogar aus stickstofffreiem Material. Gerade diese Substanzen sind auch befhigt, nach dem Tode des Organismus, dem sie entstammen, sich noch ungemein lauge Zeitrume nicht nur zu er- halten, sondern auch noch alle die charakteristischen Eigenschaften, die Festigkeit, die Elasticitt etc. zu be- wahren, die sie im Organismus so ntzlich machten. Knochen, Elfenbein, Bindegewebe, letzteres als Leder, Pergament etc.. Hrn, Cellulose (Papier) knnen Jahr- hunderte lang aufbewahrt werden, und gar manches Geistesproduct wrde ohne diese Eigenschaft jener Stoffe sich nicht als aere perennius" bewhrt haben. Gegen unsere Ansicht s])rieht nicht etwa der Um- stand, dass mit den schon gebildeten Substanzen dieser Art im Inneren des Oi-ganismus noch weitere chemische Vernderungen, z. B. durch die an sie herantretenden Gowebssfte, vorgenommen werden knnen, dass die Knorpelgrundsubstanz verkalken kann, dass, wie einige wollen, aus Bindegcjwebsfasern elastische entstehen knnen Oller dergleichen. Solche Verhltnisse Ijcobachten wir auch an ex(piisit todtem lAlaterial, z. B. an geronnenem Fibrin und an coagulatiousnekrotischen Zellen, die durch Xll. Nr. 12 Naturwissenschaftliche Wochenschntt. 137 die Gewebssftc Vernderungen ganz aTialoger Art er- leiden. Ja, diese Vernderungen der geronnenen Fibrin- niassen, die man als Umprgungeu bezeichnen kann, lassen sogar Substanzen entstehen, die der Intcrcellular- substanz des echten Bindegewebes ausserordentlich hnlich sind. Auch diese knnen weiterhin hyalin werden, ver- kalken etc. Es spricht ferner nicht gegen unsere Auffassung dieser Stoffe, dass sie zum Theil nach dem Tode des Organismus, dem sie angehrten, doch auch demsellien Schicksale ver- fallen knnen, wie die eigentlich lebenden Bestandtheile, d. li. dass sie verfaulen knnen. Wenn sie auch lange nicht die Labilitt besitzen, wie die lebende Zellsubstanz, so sind sie doch immerhin organische Stoffe und als solche auch fulnissfhig, wenn reichlich Wasser vor- handen ist. Im Inneren des Organismus sind sie vor Fulniss geschtzt, aber nicht durch eigene Lebensthtig- keit, durch die sie selbst in den Kampf mit den Fulniss- organismen treten wrden, sondern durch die Hlfe, die ihnen von den brigen Bestandtheilen des Krpers ge- leistet wird, von den Gewebssften und, zum mindesten indirect, von den lebenden Zellen. Da wir nunmehr gesehen haben, dass das Product der besprochenen Gewebsbildungen ein lebloses ist, so steht jetzt luiserer Annahme, dass wir es hier mit kata- biotischen Processen zu thun haben, nicht das Geringste mehr entgegen. Man darf aber ja nicht glauben, dass das blosse Ab- sterben der Zellen oder einzelner ihrer Bestandtheile allein gengt, um die leblosen Gewebsbestandtheile entstehen zu lassen. Eine todte Epidermiszelle ist noch lange keine verhornte. Es kommen vielmehr bei der Bildung dieser Substanzen noch Einflsse zur Geltung, die nur im lebenden Organismus mglich sind. Sehen wir doch Aehnliches sogar bei verbltuissmssig so einfachen Processen, wie sie die Coagulationsnekrosen darstellen. Die Nieren- epithelien in einem Infarct unterscheiden sich durchaus von einfach nekrotischen, einfach abgestorbenen. Von diesen Nierenephithelien im Infarct wissen wir, dass die Durchstrmung mit Plasma die charakteristische Ge- rinnung verursacht, welches aber die Einflsse sind, die bei der Bildung der genannten Gewebsbestandtheile in Betracht kommen, das wissen wir nocli nicht genauer. Doch ist es denkbar, das wenigstens bei den binde- gewebigen Zwischensubstanzen etwas Derartiges mit- spielt. Einmal ist die Aehnlichkeit umgeprgten Fibrins und verwandter Stoffe mit dem Bindegewebe doch eine sehr auffallende, sodann aber zeigen gewisse Binde- substanzen die gerade fr geronnene thierische Substanzen so typische Neigung zur Verkalkung. Aljcr selbst wenn in diesen Fllen die coagulirende Einwirkung des Blut- plasmas mitwirkt, so. ist sie doch nicht der einzige Factor. Dafr sind die einzelnen Substanzen, die hierher gehren, doch zu sehr von einander unterschieden, selbst wenn man nur die eines und desselben Organismus in Betracht zieht. Bercksichtigt man nun gar verschiedene Or- ganismen, so sieht man, dass die katabiotischen Gewebs- theile aller Art, namentlich auch die Hornsubstauzen, nicht nur fr jede Species, sondern auch fr die einzelnen Individuen ganz specifische sein knnen. Man denke nur an das sehr Charakteristische des Haarkleides und der Zhne. Daraus folgt also, dass fr die Bildung dieser Substanzen die Zelle als lebendes Wesen in Betracht kommt, und sogar als lebendes Wesen, das seine Eigen- thmlichkeit durch das Keimplasma von vornherein auf- geprgt erhalten hat. Wir haben bisher als katabiotische Gewebsbildungen nur diejenigen angefhrt, bei denen unter den jetzigen Verhltnissen der kataltiotische Charakter mit Sicherheit angenommen werden konnte. Es wird nun die Frage sein, welche Gewebsthcile sonst noch hierher zu rechnen sind. Wahrscheinlich gehrt die Neuroglia in diese Klasse, ferner die Markscheiden der Nerven, die Cuticular- membranen und noch Manches mehr. Aber welches auch in Zukunft noch die Erfahrungen ber andere katabiotische Gewebsproductionen sein werden, fr alle die, fr welche ein solcher Eutstehungsmodus nachgewiesen ist oder nachgewiesen werden wird, ist es klar, dass bei ihnen die usseren Einflsse sich hnlich verhalten knnen, wie bei katabiotischen Processen ber- haupt, z. B. also wie bei den DrUsensecretioneu. Nach dem frher Gesagten werden wir es ganz selbstver- stndlich finden, dass auch hier ussere Momente einen direct auslsenden, wohl auch einen verndernden Ein- fluss auf die Bildung solcher Substanzen haben knnen, ganz anders also, wie bei den l)ioplastischen Gewebs- bildungen. Vorausgesetzt muss freilich auch hierbei, wie bei den eigentlich functionellen Reizen, das eine werden, dass der ussere Einfluss im speciellen Falle geeignet ist, die Zellen zu ihrer specifischen katabiotischen Thtigkeit anzuregen, d. h. der ussere Emfluss muss so zu sagen ein adquater sein. Bei den Bindesubstanzen, ganz besonders beim Knochen, finden wir unter physiologischen und patho- logischen Verhltnissen besonders statische Inanspruch- nahmen, Druck, Zug und scheereude Einwirkungen, als solche adquate Reize zur Katabiose vor, oder, wie man sich ausdrckt, die functionellen Anforderungen sind fr die Bildung der Zwischensubstanz maassgebend. Doch ist das nur cum grano salis zu nehmen. Gerade so wie die Speicheldrse" ausser in ihrer fr die Verdauung wichtigen Function auch in ganz anderer Weise, durch Giftstoffe z. B.. zur Secretion veranlasst werden kann, so kann auch durch andere adquate Reize, die mit der statischen Inanspruchnahme nicht das Geringste zu thun haben, z. B. die Knochenbildung ausgelst werden. So verknchert der Kehlkopf alter Leute, ohne dass sich in seinen statischen Verhltnissen das Geringste gendert htte. Desgleichen sehen wir an verknchernden Ge- schwlsten, an Hyperostosen, Exostosen, eine Ver- kncherung eintreten, ohne dass hier ein functioneller Grund vorlge. Aber alle diese usseren Momente, auch die der functionellen Reize knnen wohlgemerkt immer nur die Katabiose veranlassen. Die fr diese nthigen Zellen mssen schon bereit sein, wenn die Zwischensubstanzen etc. entstehen sollen. Eine neue Zellbrut knnen diese usseren Einflsse auch hier, wie bei allen Geweben, niemals direct, sondern nur indirect durch eine mit Fort- schaffung eines Wachsthumshindernisses verbundene Ge- websschdigung bewirken. In dieser Beziehung ist es nun aber bemerkenswerth, dass bei den Biudesubstanzeu auch die Intercellularsubstanzen ein Wachsthumshinderniss fr Zellen abzugeben, wie das Samuel schon vor lngerer Zeit vermuthet hat. Im fertigen Bindegewebe ist die Bioplastik so gut wie in Ruhe, obgleich doch die Zellen nicht so unmittelbar mit ihrem ganzen Zellleibe an ein- ander grenzen, dass sie sich gegenseitig als Wachsthums- hinderniss dienen knnten. Es muss also die dazwischen liegende Intercellularsubstanz sein, die hier als Wachs- thumshinderniss dient. Das geht auch daraus hervor, dass im jungen Bindegewebe, im sogenannten Granu- lationsgewebe, wo die Zwischensubstanz noch ausser- ordentlich sprlich ist, eine usserst mchtige Bio- plastik statthat, ganz anders wie im fertigen. Im Granulationsgewebe werden viel reichlichere Zellen ge- bildet, als im gleichen Rume alten Bindegewebes vor- 138 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 12 handen sind. In hnliclier Weise macht sich die binde- gewebige Zwisc'hensubstanz auch nicht bindegewebigen Zellen, z. B. Epitlielzellen gegenber geltend, die durch sie am Hineinwucliern ins Bindegewebe gehindert werden. Das Wachsthumshinderniss, welches die Intercellular- substanzen darbieten, kann nun auf sehr verschiedene Weise fortgeschafft oder vermindert werden. Am Knochen verschwindet schon unter normalen Verhltnisseu die Zwischensubstanz allmhlich, wenn ihre statische Inan- spruchnahme aufhrt. Doch geschieht das nicht etwa auf dem directen Wege einer Zellwucherung, sondern es schiebt sich ein functioneller, nilmiich phagocytischer Process ein. Die immer bereiten Phagocyten knnen nmlich, wenn die statische Inanspruchnahme eines Knochen))alkens aufhrt, ihre Protoplasmafortstze in den- selben aussenden, oime dass der vorher vorhandene adquate Reiz zur Kataljiose seine erstarrende Wirkung auf sie ausbte. >So sind sie denn jetzt erst, nach Fortfall dieses Reizes, in der Lage, durch ihre phagocytische Thtigkeit den unntz gewordenen Knochenbalken zu resorbireu. Das ist eine functionelle Zcllthtigkeit, die natrlich mit Schdigung des lebenden Protoplasmas einhergeht. Ja, diese Function ist eine so schwierige, die Schdigung daher eine so bedeutende, dass bei der nach Beginn der Resorption eintretenden Bioplastik die Zellen ihre Thcilung nicht mehr auszufhren vermgen. Statt einer der Kern- zahl entsprechenden Menge von Einzelzellen entsteht viel- mehr ein einziges, vielkerniges Gebilde aus der bio- plastisch thtigen Zelle, es bildet sich eine Riesenzelle. Oefters sind sogar die Kerne von der durch die grosse functionelle Anstrengung bedingten Schdigung noch mit ergriffen. Dann theilcn auch sie sich nicht, sondern die herangewachsene Kernmasse wird zu einem sonderbar ge- lappten Klumpen. Ob bei den brigen Bindesubstanzen, wenn die functionellen Inanspruchnahmen sieh ndern, gleichfalls eine phagocytische Entfernung der Zwischensubstanz statthat, ist nicht bekannt. Hingegen knnen pathologische Schdigungen gewiss die Zwischensnbstanzen so ver- ndern, dass sie ihre Eigenschaft als Wachsthumshinderniss verlieren. Das kann durch chemische Schdlichkeiten ebenso gut erfolgen wie durch Bactericn etc. Hat man sich erst einmal mit dem Gedanken ver- traut gemacht, dass auch katabiotische Gewebsbestand- theile (ausser den Intercellularsubstanzen also auch Horn- theilc) Wachsthumshindernisse abgeben knnen, so wird man sehen, wie viel Fragen in der pathologischen Ana- tomie, sogar auf dem Gebiete der Entzndung, noch zu beantworten sind. Man hat bisher immer nur auf die Schdigungen der Zellen selbst achten knnen, schon aus dem Grunde, weil die Methoden zur Untersueiiung der Intercellularsubstanzen etc. noch ungemein mangelhafte waren. Nachdem jetzt namentlich durch die Bemhungen Unna's die Metiiodik dieser vernachlssigten Elemente sich zu entwickeln begonnen hat, wird hoffentlich auch die Frage nach den Schdigungen derselben, die nun- mehr erst aufgeworfen werden konnte, ihrer Lsung ent- gegensehen. Hiermit sind aber die Fragestellungen, die sich an die Lehre von der Katabiose anschliessea, noch nicht er- schpft. Wir mssen ja bedenken, dass bei allen kata- biotischen Processen, mgen diese zur Gewebsbildung fhren, oder andere Zeilleistungen auslsen, nicht nur die usseren Einflsse ad(|uat sein mssen, sondern dass auch die Zellen geeignet sein mssen, auf diese Einflsse hin in der erforderlichen Weise zu reagiren. Die Sub- stanzen der Bindcgewebsreihe knnen sogar auf ver- schiedene Einflsse hin verschiedene katabiotische Thtig- keiten ausben. Knorpel kann Bindegewebe, Periost Knor])el, gewhnliches Bindegewebe Knochen bilden. Darauf beruht die sogenannte Metaplasie der Binde- substanzen, bei der es sich aber immer nur um die Bildung verschiedener Arten der Bindesubstanzen handelt. Den anderen Geweben gegenber sind sie ebenso speeifisch, wie diese unter sich. Epithelzelleu knnen auch auf Zug und Druck hin keinen Knochen erzeugen, ebensowenig wie das Periost verhornen kann. Aber auch die unter normalen Verhltnissen fr be- stimmte Katabiosen durchaus geeigneten Zellen knnen unter pathologischen Einflssen die Fhigkeit fr solche ganz oder theilweise verlieren. Die Schdigungen, die so etwas zu Wege bringen, sind natrlich ganz anders geartet, als die, welche wir bis jetzt bei den kata- biotischen Gcwebsbildungen kennen gelernt haben. Die bisher besprochenen waren einmal solche, die auf ad- ({uate Reize hin zur Bildung der specifischen Produete fhrten, ferner solche, welche, die Zellen oder die Inter- cellularsubstanzen oder beide betreffend, zu bioplastisehen Wucherungen Veranlassung gaben. Jetzt lernen wir eine dritte Sehdigungsmglichkeit kennen. Auch diese be- trift't zwar die Zellen, aber nicht im Sinne einer kata- biotischen Gewebsbildung, sondern im Gegentheil als ein Einfluss, der die Zellen der Fhigkeit beraubt, selbst auf adquate Reize hin die speciflschen Substanzen entstehen zu lassen. So wird den Epidermiszellen bei gewissen Ekzemen die Fhigkeit zur Verhornung genommen, bei der Rachitis verlieren die knochenbildendeu Zellen theil- weise die Eigenschaft, Knochen zu erzeugen, bei Sarkom die Bindegewebszellen, die faserige Zwischensubstauz zu bilden. Da in solchen Fllen das Wachsthumshinderniss der Zwischensubstanz ganz oder theilweise fortfllt, so werden wir uns nicht wundern, wenn ceteris paribus die bioplastischen Processe sehr gesteigert sein knnen. Derartige Schdigungen der Zellen knnen gewiss in sehr verschiedener Weise auftreten, und es entsteht fr jeden einzelnen Fall die Frage, die Schdigung histologisch hcrauszuflnden. Zu diesem Zwecke wird es not\vendig werden, vor Allem auch den Zellleib unter normalen und pathologischen Verhltnissen genauer kennen zu lernen, als das bisher der Fall war. Bis vor Kurzem hat man sich fast ausschliesslich um die Verhltnisse des Zell- kernes kmmern knnen. Die Methodik fr feinere Unter- suchungen des Zellleilies war eben noch gar zu mangel- haft. Doch beginnt jetzt hierin eine AVandlung einzu- treten, da verschiedene Forseher gerade dem Studium des Zellleibes ihre besondere Aufmerksandceit zuwenden. Derartige Vervollkommnungen der Methodik wren aber besonders fr diejenigen Katabiosen zu wnschen, bei denen sieh vorlufig kein anatomisches Product der Katabiose nachweisen lsst, sondern wo nur Arbeits- leistungen verschiedener Art ausgefhrt werden. Hierher gehren, um nur Beispiele anzufhren, die Leistungen der Nerven und Muskeln einerseits, die der Nieren andci-cr- seits. Zwar hat Nissl sogar Abweichungen der Structur der Nervenzellen bei deren Funetion aufgefunden; ai)cr auf diesem grossen Gebiete ist noch ausserordentlieh viel zu thun, was nur durch Verbesserung der Methodik zu erreichen ist. Es ist gar nicht unmglich, dass auch innerhalb der lebenden thierischen Zellen, nicht bloss im Intercellularraum, kafabiotische, normale Zellbcsfaudtheile aufzufinden sind, die mit deren Function zusannncnlingvn, wie das bei Pflauzenzellen der Fall ist. Das ist vorluflg nur eine Vermuthung, zu deren Begrndung noch alle Mittel fehlen. Erst dann, wenn die Methodik gengend vor- geschritten sein wird, wiril eine Frage der Lsung zu- XII. Nr. 12. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 139 g'nglich sein, die gegenwrtig noch immer nicht be- friedigend entschieden ist, das ist die Frage nach den mechanischen Ursachen der sogenannten Uebungs- oder Functionsh}'pertrophie und alles dessen, was damit zu- sammenhngt. Dass eine Function die Neubildung lebender Sub- stanz iudirect hervorrufen kann, ist nach dem, was wir jetzt schon mehrfach besprochen haben, ohne Weiteres klar. Die Function geht ja mit Verbrauch, also mit Zer- strung von lebender Substanz einher, und durch diese Schdigung der lebenden Hestandtheile werden Wachs- thumswiderstnde weggeschafft, die dann die wuehci-ungs- fhigen ISestandtheile der Zellen zur biopiastischen Thtigkeit gelangen lassen knnen. Das ist ja berhaupt das Wesen aller reparativen Processe. Fr solche ist es auch ganz gleichgltig, ob die geschdigten Bestaudtheile ausserhalb oder innerhalb der Zellen liegen. Die Zellen sind ja schon Organismen im Kleinen, und innerhalb eines solchen Oi'ganismus kann sehr wohl der eine Be- standtheil geschdigt sein, der andere zu reparativen Wucherungen geeignet bleiben, wie das Beispiel der schleimbercitendeu Zellen lehrt. So weit wre also der bioplastische, wohlgemerkf aber indirecte Einfluss der Function nicht nur verstndlich, sondern sogar selbst- verstndlich. Aber anscheinend sehr paradox ist der Umstand, dass mehr lebende Substanz erzeugt werden kann, als zur Ausgleichung der functionellen Schdigung, also zur Herstellung des Status quo ante, erforderlich ist. Die Ursachen, welche diese anscheinend ber das Maass hinausschiessende, bioplastische Leistung bewirken, werden sich erst in Zukunft mit besseren Methoden nachweisen lassen. Ich glaube aber jetzt schon sagen zu knnen, dass auch hier eine verhltnissmssig einfache Erklrung mglich sein wird. Zum Schlsse noch eine Bemerkung-, die zur Klar- stellung der functionellen Schdigung nthig ist. Mancher wird sich vielleicht im Stillen gefragt haben, wie merkwrdig- es doch sei, dass gerade das, was das eigentliche Leben wenigstens des fertigen Organismus ausmacht, seine funtionejle Leistung, mit einer Schdigung einhergehen solle, win'end wir doch sehen, dass gerade der Nicht- gebrauch der Theile etwas so Schdliches ist, dass dabei die Gewebe sogar atrophiren knnen. Aber diese Thatsache der Atrophie beim Nichtgebrauch der Theile wird durch die hier vorgetragene Auffassung erst recht verstndlich. Die lebenden Substanzen sind ungemein labiler Natur. Wenn sie sich selbst berlassen werden, so verndern sie sich sehr bald, sie altern und knnen im Kampfe der Theile des Organismus" erliegen. Das Altern wird nur dadurch vermieden, dass die lebende Substanz immer wieder erneuert wird, dass also an die Stelle der alternden Bestandtheile immer wieder junge treten. Diese Erneuerung ist aber nicht mglich, so lange die gegenseitigen Wachsthumswiderstnde nicht verschoben werden. Eine solche Verschiebung der Wachsthumswiderstnde kann ihrerseits nur durch Schdigung von Gewebsbestandtheilcu zu Staude kommen, und so bringt denn die Function eine physio- logisch nothwendige Schdigung der Gewebe hervor. Die Functionsschdigung stellt also, wenn man sich so ausdrcken darf, einen ingenisen Kunstgriff der Natur dar, durch den die wirklich deletre Schdigung der Ge- webe, ein berschnelles Altern, verhindert wird. Freilich ist dabei zweierlei als nothwendige Vor- bedingung erforderlich: einmal, dass die functionelle In- anspruchnahme nicht ber das Maass hinausschiesst, da sonst die ungeschdigten Elemente den Defect nicht er- setzen knnen, und zweitens, dass die ungeschdigten Gewebsbestandtheile ihrerseits die Fhigkeit in vollem Grade besitzen, einen innerhalb der natrlichen Grenzen liegenden Schdig-ungsprocess auszugleichen. So sehen wir denn bei bermssiger Function, gerade wie beim Nichtgebrauch der Theile, den Bestand der Gewebe aufs Hchste gefhrdet. Wir sehen ferner, dass auch ganz normale Functionen sehr ble Folgen haben knnen, wenn die Gewebe ihre normale Reparations- fhigkeit durch irgend welche Momente eingebsst haben. Es bedarf dazu aber gar keiner abnormen Eingriffe. Alle bioplastische Energie, ber die die Gewebe ver- fgen, kommt ja nur von einer Quelle her: vom Keim- plasma, das sich durch die Verbindung des Ovulums mit dem Sperma gebildet hat. Dieses Keimplasma hat sich bei den hheren Geschpfen in den Krperzellen des aus- gebildeten Organismus in lauter differeuzirte Partial- plasmen gespalten. Nur hierdurch ist die hohe Functions- fhigkeit ermglicht, die im Kampf ums Dasein erforderlich ist. Aber diese weitgehende Ditferenzirung hat auch ihre Schattenseiten. Das, was der Function zu Gute kommt, geht von der mchtigen bioplastischen Kraft, die dem unzersplitterten Keimplasma eigen war, verloren. Die bioplastischen Krfte sind zwar noch eine recht lange Zeit nach Beendigung des Wachsthums anscheinend voll- kommen in der Lage, die Gewebe nacli Functions- schdigungen wieder auf den alten Zustand zurck- zufhren, aber allmhlich nimmt die Fhigkeit zur voll- kommenen Reparation deutlich ab. Die Gewebe werden nur unvollkommen restituirt, endlich versagt eines oder das andere, was zum Leben absolut nothwendig ist, seinen Dienst, und dann tritt das ein, was unser aller Schicksal ist: der Tod. Wre unsere Auffassung auch fr die phylogenetische Variation zutreffend, so wre der Mensch in demselben Sinne ein geschdigtes Urplasma, wie Dannecker's Ariadne ein geschdigter Marmorblock ist. Der Gehrsinn. Whrend das Auge eine schne klare Stufenfolge vom einfachen Pigmentfleck bis zum vollkommenen complicirten Sehorgan aufweist, lsst sich dieser einheitliche Entwickelungsgang des Gehrorgans in dem Thierreiche nicht finden, obschon es au Analogien nicht fehlt. Wie schon im vorigen Aufsatz*) erwhnt, ist Empfin- dung stets mit Absorption d. i. Vernichtung der Bewegung verbunden. Empfindlich fr Schallwellen'" kann also nur ein den Schall schlecht leitender Krper sein. Da nun der Schall bekanutlich um so besser geleitet wird, je fester *) Vergl. Nr. 3 dieses Jahrgangs. ein Krper ist, so sind weiche Krper schlechte Sehall- leiter. Die lebendige Substanz ist in ihrem ursprnglichen Zustand ein sehr reicher, unelastischer Stoff; sie wird also fr Schallwellen sehr empfindlich sein. Wir haben daher festzustellen, auf welchem Wege die Schallempfindlich- keit gesteigert und schliesslich einem eigenen Organ zu- gewiesen wird. Auf niederer Stufe sind es zum Theil gewisse Fort- stze der lebendigen Substanz Wurzelfsschen, Bls- chen, Haare, zum Theil Ein- oder Auflagerung von Hautgebilden, die hufig die gesammte Oberflche eines Thieres schallcnipfindlich machen. Von einer wirklichen Organbildung wird man aber erst dann sprechen knnen, 140 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 12. wenn ein Nervensystem auftritt. Es findet dann bald eine Concentrirung der in erhhtem Maasse fr Schall- wellen eniptiudlichen Nervenenden an einigen bestimmten Orten und in der Folge eine Versenkung des Hrapparates in die Tiefe des Krpers statt. Die genauere Verfolgung der weiteren Ausljildung wrde uns fr den Zweck dieses Artikels zu weit fhren. Es genge zu sagen, dass das Ohr in seiner hchsten Entwickelung vornehmlich drei Theile unterscheiden lsst: Das ussere Ohr, mit der Muschel und dem in das Trommelfell mndenden Gehrgang; es dient im wesent- lichen zum Zuleiten der Tonwellen. Das mittlere Ohr oder die Paukenhhle mit den vier Gehrknchelchen. Endlieh das innere Ohr oder das Labyrinth mit dem Vor- hof, den halbkreisfrmigen Kanlen und der Schnecke. Dieser Theil ist der wichtigste; in ihm endet der Hrnerv mit seinen verscliiedeneu Ausbreitungen, insbesondere dem Cortischen Organ; in ihm betindet sich auch die als Endo- lymphe bezeichnete Gehrflssigkeit mit dem Gehrsand und die Gehrsteine, deren Erschtterung die Erregung des im Gehirn endenden Gehrnerven bewirken. Das Ohr der Wirbelthiere ist das Ergebniss einer langen Entwickelung. Whrend der langen Primordial- zeit (laurentischen, kambrischen und silurisehen Periode) war es schweigsam auf der Erde. Erst in der darauf- folgenden devonischen Zeit begannen sich schwache Tne geltend zu machen; denn in Kanada fand Dawson in einem gleichaltrigen Terrain den Flgel eines Insects, dessen Basis Streifen aufwies, die auf irgend einen schrillen Laut schliessen lassen. Wir wrden darin also das Gerusch der devonischen Welt zu erkennen haben, welches in uns die Vorstellung von dem Gesumme eines Insectenlebens hervorruft, das die Einsamkeit der fremd- artigen Wlder von damals belebte. Nur langsam besserte sich dieser Zustand in den darauf folgenden Zeiten, und mit den Fortschritten der Tonwelt musste sich auch das Organ des Gehrsinnes vervollkomnmen. Bei den Urthieren, den Protozoen und Echinodermen sind Hrwerkzeuge nicht nachzuweisen. Wie die Blindheit der im Dunkeln lebenden Thiere, so entspricht im ganzen die Taubheit der ersten Thiere ihrer stummen Umgebung. Auch whrend der folgenden Prinirzeit scheint der Gehrsinn noch sehr unentwickelt gewesen zu sein. So farblos wie die Steinkohlenwlder waren, so leer waren sie auch von aller Musik. Polypen und Schwmme er- mangelten damals ohne Zweifel so gut wie heute der Gehrblschen"; sie waren hchstens schallempfindlich". Die ersten Wesen, welche den Vorzug besassen, bestimmte Tne aufzul'angen, waren wohl die Medusen (Schirm- quallen). Trotz ihrer scheinbar ussersten Einfachheit wiesen sie am Rand ihres Schirmes Krperchen auf, von denen die einen einfachste Augen (ocelli), die anderen (Jehrl)lschen (Lithocysteu, zugleich Gleichgewichts- organe (V) s. unten!) darstellen. Es ist nicht unwahr- scheinlich, dass diese Krperchen auch frher bestanden und dieselben Functionen verrichteten. Auch bei den Mollusken bildet das Gehrorgan ein solches in die Tiefe des Leibes versenktes, rundum geschlossenes Blschen, das mit Nervenendzcllen austapezirt ist. In der das Blschen crliillcnden, eivveissartigcn Flssigkeit schwimmen die schon oben erwhnten Hrsteine (Otolithen). Aehnliche Gebilde treten auch bei den Platt-, Haar- und Ringel- wrmern auf. Regcnvvrmer besitzen, nach Darwin, keiuen Gehrsinn und sind gnzlich taub, obwohl sie fr Schwin- gungen, die ihnen durch Berhrung mit festen Krpern zugeleitet werden, seiir emi)fnglich sind. Ausges])rocliene lirorganc, die durch einen Hnicrv mit dem Geliirn in Verbindung stellen, besitzen die Weich- thiere, Muscheln, Schnecken und Ccphalopoden. Bei den Muscheln liegt das Organ im Fusstheil des Krpers, bei den Schnecken entweder an den Seitentheilen der Stirn- gegend oder in der Nhe der Fussganglien, bei den Cc- phalopoden im Innern der Kopfknorpel. Die Krustaceen haben ebenfalls Gehrblschen und Gehrsteine; die hheren Krebse sind fr jedes Gerusch usserst emiifindlich. Alles das wird in jenen primren Zeiten so gut wie heute der Fall gewesen seiu. Manche Insecten besitzen schon ein Trommelfell; bei anderen ist der Gehrapparat noch nicht bekannt; dies gilt auch fr die Spinneu, was diese Thiere jedoch nicht hindert. Tne wahrzunehmen. Bienen scheinen sich dagegen um Gerusche gar nicht zu kmmern. Lubbock meint bri- gens, dass die Insecten gewisse Tne wahrnehmen, die, als zu hoch, vom menschlichen Ohr nicht empfunden werden. Im Ganzen werden die lautgebeuden Thiere auch ein verhltnissmssig hher entwickeltes Gehrorgan besitzen, wie die stummen, wie denn auch die tnenden Heuschrecken und Grillen unter den Insecten die einzigen gut localisirten Gehrorgane besitzen. Da den Palaeoutologen noch wenig Gelegenheit ge- boten war, das Ohr der fossilen Wirbelthiere zu studiren, so sind wir in dieser Beziehung ebenfalls auf Analogien mit den heutigen Vertretern dieser Classe angewiesen. Die Fische, als die ltesten Wirbelthiere, haben noch ein sehr unvollkommenes Gehr. Man sieht bei ihnen weder ein usseres, noch ein mittleres Ohr; auch der dem Innern Ohr der hheren Sugethiere entsprechende Theil ist ziem- lich unentwickelt, da ihm die Schnecke fehlt; es besteht nur aus einem hutigen Sack, von dem die halbkreis- frmigen Kanle ausgehen. Dieser Sack umschliesst ent- weder einen grossen, oder auch eine Anzahl kleiner Gehr- steiue. Man findet fter solche Gehrsteine iu tertiren Schichten. In den Kreideschichten sind sie weniger zahl- reich und in noch lteren Lagen drften sie wohl kaum vorkommen. Wir finden also auch hier die obige An- deutung insofern besttigt, dass die stummen Fische in ihrem stillen Aufenthaltsmedium durchgeheuds auf einer niedri- geren Organisationsstufe stehen, als die stimmbegabten Luftwirbclthiere. So haben denn auch Eeptile ein weit entwickelteres Hrorgan als die Fische. Die gyptischen Zauberer lassen die Brillenschlangen zu einer Flte tanzen. Auch die Eidechse liebt den Ton der Flte; sie hrt eine Fliege auf mehrere Schritt Entfernung. Jedoch haben die Reptile kein usseres Ohr; nur bei den Krokodilen bildet die Haut eine Falte oberhalb des Tronnnelfells. Letzteres fehlt manchmal oder es findet sich unter der Haut verborgen; die Trommelhhle umschliesst nur einen Knochen; die Schnecke ist noch nicht zu einer Spirale gewunden. Cope gelang es, das Ohr eines primren Reptils zu prpariren. Man sieht die halbkreisfrmigen Kanle, jedoch bemerkt man weder die kleinen Gehr- knchelchen, noch die Schnecke. Vielleicht waren die secundren Dinosaurier besser versehen; keinesfalls kam aber ihr Gehrapparat dem der Warmblter gleich. Bei den Sugethieren ist das Organ vollstndig. Gewhnlich ist eine mehr oder weniger grosse Ohrmuschel vorhanden; die Tronunelhhle umschliesst die vier Knchel- chen, die Schuecke ist zur Spirale gewunden. Da diese Klasse sich am sptesten entwickelt hat, so ist anzu- nehmen, dass auch der Gelu'irsinn erst in einer spteren Epoche zu der uns bekannten Differencirung und Vcrvoll- komnmung gelangte. Das g-auze Gebiet ist brigens noch dunkel und be- Wir dass z. Kcirperchen (Lithocysten bezw. Otolithen) am Schirmrand der Meduse, welche nachweislicii sowohl von Lichtreizen, als auch von Tonschwingungen afficirt werden, von den darf nach allen Seiten genauerer Untersuchungen, haben schon oben angedeutet, dass z. B. die beiden XII. Nr. 12. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 141 einen als Hr-, von anderen als Gleichgewichtsorgan angesprochen wird. l\Riglicherweise dienen sie beiden Zwecken. Oi)erativ&-Eingrift"e an den Lithocystcn bei Fischen haben auch hier Gleichgewichtsstrungen hervor- gerufen, und es ist nicht unmglich, dass auch die Scliwindelerscheinungen beim Menschen eng mit diesen Gebilden zusaunneu hngen. Endlich scheint die hhere Entwickelung des Gehrs im Zusanniicnhang mit der wachsenden Intelligenz zu stehen und mit der Hufigkeit des Gebrauchs zu steigen. Nur so wre es zu verstehen, dass das Gehrorgan der Sngethiere hher entwickelt ist als das der Vgel, trotz- dem die letzteren im Ganzen stimmbegabter sind als die ersteren. Der Mensch, als der zuletzt Gekommene, ist darber hinaus im Stande, Laute zu verbinden, mittelst deren er die verschiedensten Eindrcke seiner Seele wiederzugeben vermag. Bei ihm ist der Gehrsinn von so hoch ent- wickelter Em]ifindlichkeit fr die leisesten Unterschiede der Tonschwingungen, dass es zu seinen hchsten Ge- nssen gehrt, Concerte zu hren, an deren Melodie und Harmonie er sich berauscht: die Musik ist zu einer Er- scheinungsform des menschlichen Genius geworden! Alberts. Die Verbreitung: und Lebensweise von Xerobdella Leconitej, des europischen Landblutegels, wird um neue Daten von K. A. Penecke bereichert. (Zool. Anz., 19. B., S. 412.) Dieses Tliicr ist nunmehr ausser im Nordgebiet der Centralkette der Alpen an einer ganzen Reihe von Fimdorten der nrdlichen und sdlichen Kalkalpen beob- achtet worden. Es wurde vom Verf. in der aipinen und subalpinen Region der letzteren im Juni und Juli nicht selten zusammengerollt unter Steinen gefunden. Krauss entdeckte, dass der Egel vom Blute des Alpensalamanders lebt. Penecke fand gleichfalls an einem regnerischen Morgen Salamander, an denen dieser Blutegel festgesaugt ansass. Whrend der warmen Tageszeit kriecht er unter tief gelagerte Steine nnd feuchtes Holzwerk. Da der Alpensalamaudcr kalkhold ist, beschrnkt sich auch die Verbeituni;' der Xerobdella auf Kalkgebiet. C. xMff. Zur Biologie der socialen W^espen Brasiliens" von H. V. Ihering (Zool. Anz., 1896, S. 449). Whrend das rauhe Klima Europas, soviel man weiss, keine regel- mssige Ueberwinterung von Wespenstaaten gestattet, alle europischen Wespen also durch berwinterte, befruchtete Weibchen begrndete Sonnaerstaaten bilden, finden sich in Brasilien neben gleichgcarteten aber auch mehrere Wespengattungen, die andauernde Staaten bilden, welche nach Art der Bienen Schwrme aussenden und dadurch neue Staaten begrnden. C. Mff. Ein neuer Fund von Chlamydoselachus anguineus. Das zoologische Museum der Universitt Christiania hat krzlich ein Exemplar einer grossen und seltenen Haiart erhalten, das in verschiedener Hinsieht der merkwrdigste zoologische Fund ist, der whrend der letzten Jahrzehnte in Norwegen gemacht wurde. Das im August vorigen Jahres im Varangerfjord in einer Tiefe von ungfhr 100 Faden gefangene Thier gehrt der erst krzlich ent- deckten und beschriebeneu Haiart Chlamydoselachus an- guineus an. Der Hai hat eine Lnge von beinahe 2 m und sein furchtbarer Zahnbestand findet unter den jetzt lebenden Haiarten nicht seines gleichen. Das grosse Interesse, das sich an diese Art knpft, liegt jedoch vor allem in seinen Verwandschafts Verhltnissen; er hat nmlich unter den lebenden Haiarten keinen nahen Verwandten, ebensowenig unter den in den letzten geologischen Perioden ausge- storbenen, sondern seine Ahnen reichen hinauf bis zu den ltesten palozoischen Formationen, wo ein Haigeschlecht lebte, das Zhne ungefhr derselben Form wie dieser Chlamydoselachus besass (Cladodus mirabilis). Keines der lebenden Wirbelthiere kann die Reihe seiner nchsten Verwandten soweit zurck in die Urzeit des organischen Lebens fhren, er ist daher die lteste aller jetzt lebenden Vertebratenformen. Auch sein unerwartetes Auftreten in den nordischen Gewssern ist bemerkenswerth. Zunchst waren vier Exemplare der Art aus den Meerestiefeu von Japan bekannt, 1890 ward eines bei Madeira gefangen und dieses waren die einzigen bisher bekannten. Dieses sechste Exemplar, das sich bis zu dem die Ksten Nor wcgens besplenden Polarmeere veriiTte, besttigt somit die auch frher beobachtete Thatsaehe, dass es in der Thierwelt Formen giebt, die unabhngig von den Breite- graden ohne eine Vernderung zu erleiden in den grossen Tiefen aller Weltmeere auftreten, wo ungefhr dieselbe Temperatur herrscht, vom Aequator bis zu den Polen. Das erbeutete Thier ist ein ausgewachsenes Weibchen mit unreifen Eiern in den grossen Ovarien. G. A. Sporangien am Prothallium der Farne sind von William H. Laug fPreliniinary Statement ou the De- velopment of Sporangia upon Fern Prothalli. Proccedings of the Royal Society Vol. 60. Vorlufige Mittheilung) beobachtet worden. Dieselben finden sich an den un- befruchtet gebliebenen Prothallien von Scolopendrium vul- gare und Lastraea dilatata; befruchtete Prothallien er- zeugen einen ganz normalen Embryo. Es entstehen zunchst an den Vorkeimen cylindrische Auswchse und an diesen die Sporangien entweder ein- zeln oder zu Sorus-hnlieheu Gruppen vereinigt. Bei Scolopendrium entsteht durch Auswachsen einer vegeta- tiven Zellgruppe des Prothalliums ein Pflnzchen, das aber ganz klein bleibt und auf den kaum entwickelten Blatthckern sofort Sporangien trgt. Diese entstehen genau so, wie auf der Unterseite der sonst normal aus- gewachsenen Wedel: Zuerst constituirt sieh eine tetrae- drisehe Scheitelzelle und dann werden in bekannter Weise die Wnde angelegt, durch welche die Differenzirung von Sporangienwand, Tapetenschicht und Archespor ein- geleitet wird. Die reifen Sporangien zeigen ganz typischen Bau mit Aunulus. Die Sporen konnte der Verfasser bis jetzt leider nicht zum Keimen bringen. Wie ersichtlich, haben wir es hier mit einem Fall von Apogamie zu thun, wo die vegetative Generation, welche die Sporen erzeugt, fast ganz auf Sporangien reducirt ist. R. K. Ueber arktische CJewitter und Hagelflle ist in der Oetobernumraer des Quarterly Journal of the Royal meteorological society" (Vol. 22 No. 100) von Henry Harries ein Aufsatz verft'entlicht worden, welcher, so- viel Referent weiss, bisher die einzige Untersuchung jenes interessanten Themas bildet. Harries beginnt mit der Bemerkung, dass man sich im Allgemeinen ber das arktische Klima ganz falsche Vorstellungen macht und dass es zuerst ganz seltsam er- scheint, wenn man hrt, dass in hohen nrdlichen Breiten nicht nur Regen, sondern auch Hagel und Gewitter nicht gerade Ausnahmserscheinungen sind. Er hat nun zunchst aus handschriftlichen Logbchern von 92 Schiffen die Ge- witter- und Hagelbeobaehtungen zusammeugestellt, welche innerhalb des Zeitraumes 1818 1895 in den Breiten von 60 82 Grad n. Br. gemacht worden sind. 142 Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 12. Insgesaninit fand er 296 Flle von Haf^elwetter, aber nur 59 Mittlieilungen ber elektrische Erscheinungen (Donner oder lilitz, oder beide zusammen). Sclion diese Zahlen lassen die Ergebnisse zweifelhaft erscheinen: ist es doch ttberhauj)t eine noch unentschiedene meteorologische .Streitfrage, ob Hagel berhaupt ohne Begleitung aller elek- trischen Phnomene aufzutreten vermag; sollte ein solcher Fall vorkommen, so gehrte er jedenfalls zu den Selten- heiten. Unter keinen Umstnden aber knnte einer so ge- ringen Anzahl von Gewittern eine so hohe Summe von Hagel- beobachtungen gegenberstehen, wenn man nicht fr das arktische Klima ganz eigenthmliche Verhltnisse an- nehmen will. Schon danach wird es sehr wahrscheinlich, dass die meisten angeblichen Hagelerscheinungen auf Graupelflle zurckzufhren sind, zumal da die englische Sprache eine strenge Untersclieidung beider Phnomene nicht kennt. Harries strubt sieh zwar entschieden gegen eine solche Deutung seiner Hagelberichte und glaubt einen Beweis fr seine Anschauung geliefert zu haben mit der Thafsache, dass fast alle seine Hagelflle im Sommer eingetreten sind. Wenn er aber meinen sollte, dass aus diesem Grunde Graupeln ohne Weiteres ausgeschlossen sind, so bertrgt er wohl etwas voreilig die Verhltnisse unseres Klimas auf die arktischen. Bei uns knnen sich allerdings Graupein ausschliesslich im Winter und Frh- jahr bilden, aber eine nahe dem Gefrierpunkt liegende Temperatur, wie sie zur Graupelbildung erforderlich ist, tritt ja in den arktischen Gegenden gerade nur in den Sommermonaten ein, whrend die strenge Klte der Winter- monate die geforderten Bedingungen nicht zu liefern vermag. Dass aber die vom Referenten vermuthete Ver- wechselung fast unzweifelhaft stattgefunden hat, geht wohl daraus hervor, dass insgesammt nur 2 mal Gewitter und Hagel an gleichen Tagen beobachtet wurden. Zur Gewissheit wird jedoch die Vermuthung, wenn man die Beobachtungen einiger arktischer Witterungsstationen be- trachtet. Godthaab und Ivigtut in Grnland wollen durch- schnittlich im Jahr 4 bezw. 2 Tage mit Hagel haben, haben jedoch in 12 Jahren (18801891) nur 2 bezw. 5 mal Gewitter beobachtet, und zwar gerade in den beiden einzigen ganz hagelfreien Monaten Juli und August. Grimsey, eine kleine Insel nrdlich von Island, gerade auf dem Wendekreis liegend, hat sogar in jenen zwlf Jahren kein einziges Gewitter, aber 379mal (!) Hagel" gemeldet, und zwar nie in den hier relativ warmen Sommermonaten Juli bis September. Das gengt wohl! Brauchbar sind also in Harries' sehr flcissigen Zu- sammenstellungen leider nur seine Untersuchungen ber Gewitter. Verfasser giebt auch eine Nordpolar - Karte mit Angabe aller Orte, an welchen irgendwann ein Gewitter beobachtet ist. Es zeigt sich, dass die Mg- lichkeit eines Gewitters nirgends bis zum 75" n. Br. vllig ausgeschlossen zu sein scheint. Weiter nrdlich freilich werden die Gewitter sehr .selten. Das nrdlichste, das man je beobachtet hat, fand bei 0"C. am 23. Sep- tember 1873 im Bellsund auf Spitzbergen unter 78" n. Br. statt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Mehrzahl der arktischen Gewitter bei Tem])eraturen ber " eintrat. Es ist eine bisher noch nicht endgltig entschiedene Streit- frage, ob in unseren Gegenden (ievvitter bei Frost ber- haupt vorkommen. Zwar scheint es bei genauerer Nach- forschung, dass solche Flle mglich sind; jedenfalls aber sind sie sehr selten. Um so interessanter sind jene Beob- achtungen in arktischen Regionen, wonach selbst dort zur Entstehung von Gewittern zumeist Temperaturen ber " erforderlich sind. Ein Gewitter, das im Jahre 1872 in sehr hohen Breiten, nndich unter 77" n. Br. bei Hupe Island (stlich von Spitzbergen) beobachtet wurde, fand sogar bei einer Temperatur von -+- 16'/.j"C. statt. Anderer- seits wurden jedoch auch Flehenblitze (Wetterleuchten) beobachtet bis zu Temperaturen von 15" C. herab. Die Jahreszeit, in welcher die arktischen Gewitter stattfanden, umfasst natrlich im Wesentlichen die Sommer- monate, hauptschlich die Monate Juli bis September, doch vereinzelt traten die Erscheinungen auch im Winter und arktischen Frhling, sowie Herbst auf (so z. B. 3. XI 51 und 13. XI 52 in 74" N, 118" W: 8 p. m.; 8. XI. 50 und 28. I. 51 in 75" N, 94" W, 3 bezw. 8 p. m.; XII 53 in 65" N, 166" W). Verhltnissmssig hufig treten, nrdlich von 70", Gewitter auf an der Westkste von Nowaja Semlja und in dem benachbarten Barentsmeer, sowie auch nrdlich von der Repulse - Bay (Nordamerika). Die erstere Thatsache glaubt Harries dadurch erklren zu knnen, dass die Gewitterbildung durch die Jlischung von Golfstrom und Eismeer begnstigt wird. Eine ein- fachere Erklrung drfte wohl die sein, dass das Barents- Meer zwischen Nowaja Semlja und dem Nordcap noch bei Weitem am meisten von allen arktischen Gegenden be- fahren wird. Jedenfalls ergiebt sieh aus der Harries'sehen Arbeit, dass trotz der sehr sprlichen Beobachtungen in den arktischen Gegenden viel hutiger Gewitter auftreten, als man gewhnlich anzunehmen geneigt ist. H. Einer UntersuchungUeberLichterscheiiiuiigen wh- rend der Krystallisation" von E. Bandrowsky (Zeit- schrift fr physikalische Chemie 15, 323 326) entnehmen wir kurz folgende Zeilen. Es ist eine altl)ekannte That- sache, dass Arsenigesure (AsjOg) beim Auskrystallisireu aus einer salzsauren Lsung leuchtet; die gleiche Er- scheinung haben Rose und Berzelius beim langsamen Eindampfen einer conccntrirten Lsung von Fluornatrium beobachtet. Da eine Aufklrung dieser interessanten Vorgnge bislang nicht erbracht ist, sucht sie Verfasser auf Grund der elektrischen Dissociationstheorie zu er- klren in der Annahme, dass die in Frage kommenden Lichterscheinungen auf elektrische Entladungen zurck- zufhren seien, so zwar, dass die frei beweglichen Jonen zunchst zu Molekeln und diese darauf zu krystallinischen Gebilden zusammentreten; in dem Ausgleich der Elektri- citten der entgegengesetzt geladenen Jonen bei der Molekelbildung wrde dann die Ursache des Leuchtens zu erblicken sein. Hieraus ergiebt sich weiterhin die Folgerung, dass die Lichterscheinung bei der Krystalli- sation ganz allgemein eine Eigenschaft elektrisch disso- ciirter Krper ist. Zur Erziclung scharfer Resultate sind, zwei Factoren von wesentlicher Bedeutung: Erstens Ausschluss des Lichtes, das heisst mit anderen Worten, Vornahme des Experimentes im Dunkeln und zweitens, Sorge fr eine mglichst schnelle Krystallisation, die leicht durch Alkohol- zusatz oder bei Metallchloriden besser durch Zugabe von Salzsure bewirkt werden kann. Giesst man beispiels- weise zu einer heissgcsttigten Kochsalzlsung, die sich zweckmssig in einem Glascylinder befindet, eine glcich- grosse Salzsuremenge vom specifischen Gewicht 1,12, so leuchtet die Flssigkeit beim Unn-hren mit einem Glas- stabe mit blulich-grnem Lichte auf, whrend beim starken Schtteln des Cylinderinlialtes intensive Liclitbndel und bisweilen sogar blitzlndiche Funken wahrgenommen werden knnen. Weitere Versuche, die mit Chlorkalium angestellt wurden, fhrten zu hnlichem Ergebniss, whrend rom- kalium weniger gute Resultate lieferte. A. Sp. XII. Nr. 12. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 143 Aus dem wissenschaftlichen Leben. Enuumt wurden : Der ausserordentliche Professor der Botanik in Bern Dr. Eduard V isolier zum ordentlichen Professor und Direktor des Botanischen Gartens; der Privatdocent der gericht- lichen Medizin in Marburg Sanitts-Rath Dr. Otto von Heu siger zum Professor; Dr. Ross in Mnchen zum Gustos am Botanischen Museum daselbst; der Privatdocent in der medicinischen Fakultt zu Freiburg i. B. Dr. Ernst Gaupp zum Professor; der Assistent an der knigl. Bibliothek zu Berlin Dr. E. Jeep zum Hilfsbibliothekar. Berufen wurden: Der Professor der Frauenheilkunde in Leipzig Dr. Doederlein als ordentlicher Professor nach Groningen; der Professor der Botanik in Warschau Dr. Fischer von Wald- heim als Direktor des botanischen Gartens nach Petersburg; der Assistent am agrikultur-chemischen Laboratorium des landwirth- schaftlichen Instituts zu Gttingen Dr. Rave als 3. Assistent an die Untersuchungs-Anstalt fr Nahrungs- und Genussraittel in Mnchen; der Privatdocent der Arzneimittellehre und Ditetik in Moskau Dr. Tscherwinski als ordentlicher Professor nach Dorpat; der Professor der Chemie an der technischen Hochschule zu Aachen Dr. Classen als ordentlicher Professor nach Bonn; der Privatdocent der Histologie und Embryologie in Krakau Dr. Szymonowicz als ausserordentlicher Professor nach Lem- berg. Es habilitirten sich: Dr. Hermann Wendelstadt aus Kln fr Pharmakologie in Bonn; Dr. H. Reineboth aus Jena fr innere Mediciu in Halle; Dr. Seh och fr Chemie und Htten- kunde an der technischen Hochschule zuCharlottenburg. Es starben: Der Professor der gerichtlichen Medicin in Krakau Dr. Leo von Hai bau; der Astronom Wilhelm Do eilen in Dorpat; Dr. Grethe, Assistent am pathologischen Institut zu Halle; der ehemalige Professor der Mathematik an der technischen Hochschule in Wien Hofrath Dr. Kolbe. L i 1 1 e r a t u r. Dr. S. S. Epstein, Hermann von Helmholtz als Kensch und Gelehrter. Deutsche Verlags-Anstalt. Stuttgart u. s. w. I.SDG. Preis 1 M. Das Schriftchen, das gut geeignet ist, in die Eigenart, das Leben und das Wirken des grossen Gelehrten einzufhren, ist ein Separatabdruck aus der Deutschen Revue". Es bringt manche Einzelheiten, die unbekannter sind, und theils noch nicht ver- ffentlicht waren. Zahnarzt Fenchel, Die Zahnverderbniss und ihre Verhtung. Hamburg und Leipzig, Leopold Voss. 1896. Preis 0,40 M. Das Heft enthlt 20 gute Abbildungen mit klar und knapp gehaltenem, sich leicht einprgenden Text, der ber die wesent- lichsten Punkte der Zahnkunde zweckdienlich Auskunft giebt. Bruno DiJrigen, Deutschlands Amphibien und Reptilien. Eine Beschreibung und Schilderung smmtlicher in Deutschland und den angrenzenden Gebieten vorkommenden Lurche und Kriech- thiere. Mit den Abbildungen smmtlicher Arten auf 1'2 Farben- drucktafeln, ausgefhrt nach Aquarellen von Chr. Votteler, so- wie mit 47 Textbildein. Creutz'sche Verlagsbuchhandlung. Magdeburg, 1897. Preis 18 M. Das vorliegende dickleibige, gut ausgestattete Buch ist das ausfhrlichste, das dem Liebhaber unserer heimischen Amphibien und Reptilien empfohlen werden kann und auch der Fachmann wird mit Vortheil aus ihm schpfen. Fleissig und zuverlssighat Verf. alles zusammengetragen, was denjenigen interessirt, der sich ber das Aussehen, die Eigenthmlichkeiten, die Lebensweise, Verbreitung und Anderes Orientiren will. So wird, um nur ein Beispiel vorzu- fhren, von der Sumpfschildkrte (Emys europaea) auf S. 11 37 (es sind Gross-Octav-Seiten) nach der sehr bequem am Rande des Textes vermerkten Disposition berichtet ber die Art, Kennzeichen, Grsse, Rckenschale, Bauchschale, Kopfgliedmaassen, Frbung und Zeichnung, Varietten, Missbildungen, Geschlechter, Jungen, den Verbreitungsbezirk (Afrika, Mittelmeerlnder, Alpengeljiet, Nord- und West-Europa, Balkan-Halbinsol, Ungarn. Donau. Bhmen, Sachsen, Schlesien, Posen, Brandenburg, Mecklenburg, Pommern, Preussen, Ostseeprovinzen, Russland), die Verbreitungsgrenzen frher und jetzt, den Wohnort, die versteckte Lebensweise, die Bewegungen, geistigen Fhigkeiten, Sinne und verschiedene Be- anlagung, Empfindlichkeit, Stimme, Nahrung, den Fischfang, Raub. Der Abschnitt Fortjiflanzung bringt Abschnitte ber die Nach- reife der Eier, Paarung, das Eierlegen. Dann wird berichtet ber die Gefangenschaft, die Durchwinterung, Zucht, den Ankauf und den Aberglauben, der sich an das Thier knpft. Zum Schluss werden die landesblichen und wissenschaftlichen Benennungen voi-gefhrt. Der Schluss des Buches bringt ein grosses Litteratur-Ver- zeichniss und ein Register. Die Buntdrucke sind ausgezeichnet und geben den Charakter der Thiere trefflich wieder. Prof. Max Rosenfeld, Elementarunterricht in der Chemie. Mit l.'io Abb. Freiburg im Breisgau. Herdersche Verlagshand- lung 18!)6. Preis 1,G0. , Experimentirbuch fr den Elementarunterricht in der Chemie. Mit 144 Abb. Preis 1,'20 M. Beide Hefte ergnzen sich, das zweitgenannte ist fr die Hand des Lehrers bestimmt, das erste soll der Schler benutzen; sie sind pdagogisch und inhaltlich geschickt zusammengestellt. Ingenieur Theodor Schwartze, Katechismus der Elektrotechn ik . Ein Lehrbuch fr Praktiker, Chemiker und Industrielle. Sechste, vollstndig umgearbeitete Auflage mit 256 Abijildungeu. Verlag von J. J. Weber in Leipzig. Preis geb. 4 M. 50 Pf. Die rasch nthig gewordene 6. Auflage dieses Buches legte dem Verfasser sagt dieser im Vorwort die Verpflichtung auf, den ebenso raschen Fortschritten der Elektrotechnik Rech- nung zu tragen und wiederum eine grndliche Ueberarbeitung des Inhaltes des Buches vorzunehmen, welche sich fast ber alle Kapitel erstreckt. Insbesondere sind aber der Wechselstrom an sich, sowie seine Anwendung zur Erzeugung von Mehrphasen- strmen, die Elektromotoren, das elektrische Eisenbahnwesen und die Elekti-oehemie durch Erweiterung der betreffenden Kapitel bercksichtigt worden. Baer, f Karl Ernst v., Lebensgeschichte Cuvier's. Braunschweig. 3 Mark. Claus, Prof Dr. C, Lehrbuch der Zoologie. Marburg. 13,50 M. Ebbinghaus, Prof. Herm., Grundzge der Psychologie. 1. Halbbd. Leipzig. 6,60 Mark. Graetz, Prof. Dr. Ii., Die Elektricitt und ihre Anwendungen. Stuttgart. - 7 Mark. Hecker, Dr. Max F., Schopenhauer und die indische Philosophie. Kln. :.1,60 Mark. Heilner, Rob., System der Logik im Sinne einer Organon der menschlichen Erkenntniss. Leipzig. 1,20 Mark. Helmholtz, H. von, Vorlesungen ber theoretische Physik. V. Bd. Vorlesungen ber die elektromagnetische Theorie des Lichts. Hamburg. 14 Mark. Hertwig, Dir. Prof. Dr. Ose, Mechanik und Biologie. Jena. 4 Mark. Hesse's. Ludw. Otto, Gesammelte Werke. Mnchen. 24 Mark. Hirsch, Leo, Reisen in Sd-Arabien, Mahra-Land und Hadramut. Leiden. Mark. Hoff, Prof. J. H. van't, Vorlesungen ber Bildung und Spaltung von Dojjpelsalzen. Leipzig. 3 Mark. Iselin, Ii. E., Carl Ludwig Rtimeyer. Basel. 1 Mark. Mbius, Prof. Dr. M., Beitrge zur Lehre von der Fortpflanzung der Gewchse. Jena. 4,50 Mark. Mojsisovics von Mojsvr, Prof. Aug., Das Thierleben der ster- reichi-sch-ungarischen Tiefebenen. Wien. 7,20 Mark. Pospichal, Ed., Flora des sterreichischen Kstenlandes. 1. Bd. Wien. - 8 Mark. Rabl, Prof. Dr. Carl, Theorie dos Mesoderms. 1. Bd. Leipzig. 20 Mark. Schniewind-Thies, J., Beitrge zur Kenntniss der Septalnectarien. Jena. 15 Mark. Schnitze, Ernst, Das letzte Aufflackern der Alchymie in Deutsch- land vor 100 Jahren, Leipzig. 1,80 Mark. Serret, J. A, Lehrbuch der Differential- und Integral-Rechnung. 1. Bd. Leipzig. 10 Mark, Strasburger, Prof Dr. Ed., Das botanische Practicum. Jena. 20 Mark. Trouessart, Dr. E.-L., Catalopus Mannnalium tarn viventium (juani fossilium. I. Primates, Prosimiae, Chiroptera, Insectivora. Berlin. 10 Mark. Inhalt: G8. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzce zu Frankfurt a. M., vom 21. 26. September 1896. (V. Schluss.) Der Gehrsinn. Verbreitung und Lebensweise von Xerobdella Lecomtei. Zur Biologie der sozialen Wespen Brasiliens. Ein neuer Fund von Chlamydoselachus anguineus. -^ Sporangien am Prothallium der Farne. Ucljer arktische Gewitter und Hagelflle, Ueber Lichterscheinungen whrend der Krystallisation. Aus dem wissenschaftlichen Leben. LItteratur: Dr. S. S. Epstein, Hermann von Helmholtz als Mensch und Gelehrter. Fenchel, Die Zahnverderbnissund ihre Verhtung. Bruno Drigen, Deutschlands Amphibien und Reptilien. Prof. Max Rosenfeld, Elementarunterricht in der Chemie und Experimentirbuch fr den Elementarunterricht in der Chemie. Ingenieur Theodor Schwartze, Katechismus der Elektrotechnik. Liste. 144 Naturwisscnsehaftlicbe Wochenschrift. XII. Nr. 12. Hempul's Klassiker-Ausgaben. Ausfhrl. 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Der Vierteljahrspreis ist M 4. S sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. tnseratenannahme BringeKeld bei der Post li 4 extra. Postzeitungsliste Nr. 4954- " bei allen AnnoncenbureaiLx wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit Tollstndiser Quellenangabe gestattet. Die zoologische Sammlung des Kniglichen Museums fr Naturkunde zu Berlin, rk; TM 1. cii ,. 1 rtns Avp.nskplfitt floT FiscliP, zpi't viftlfi nur i Die Fiscli-Scliausamiiiliiii Von Seh 11 k 1 i II g - Prc v t. Unzweifelhaft sind die Fisclie die dem Wasserleben am besten angepassten Wirbeltbiere. Ausser den Haupt- merkmalen, der Kiemenathmung und Fortbewegung- durch Flossen, prgen den Charakter der Fische aus das Vor- handensein einer Wirbelsule und eines Sclidels mit gut ausgebildetem Visceralskelett, das knorpelige oder kncherne Skelett neben dem der Hornfden und das Vorhandensein von Schuppen, Verkiicheruugen und echten Zhnen auf der Krperoberflche und der Schleim- haut des Muudes. Die Epidermis der Fische ist noch nicht verhornt und besteht aus zahlreichen, ber einander gelagerten Schichten protoplasmatischer Zellen, die nach dem Tode leicht abgestreift werden knnen. Da das Epithel nichts zur Festigung der Krperoberflehe beitrgt, gehen alle Schutzorgane von der Lederhaut aus, welche selbst aus vielen Schichtenj straft'- faserigen Bindegewebes besteht und ausserdem den Fischen das charakteristische Haut- skelett, die Schuppen, liefert, die in Schuppentaschen des Bindegewebes eingebettet sind. Sie sind vermge ihres verschiedenen Baues in den einzelnen Abtheilungen auch jetzt noch von hervorragendem, systematischen Werth, wenn man auch darauf verzichtet hat, auf die Unter- schiede der Placoid-, Ganoid-, Cyeloid schuppen die grossen Ordnungen der grnden. Die Frbung der Fische ist durch turen bedingt. Der Silberglanz wird ciystalle verursacht, welche namentlich in die Schuppen- taschen eingebettet sind und von manchen Fischen technisch verwerthet werden (Esseuce d'Orieut). Die noch vorkommenden Farben und Zeichnungen lassen sich auf Chromatophoreu der Lederhaut zuriickfhren, die auch die Anpassung an die Umgebung ermglichen. und Ctenoid- Fischklasse zu zweierlei Strue- durch Guanin- Das Axenskelett der Fische zeigt viele nur in dieser Klasse vorkommende (Jrundzge. Fr den Fischschdel ist besonders charakteristisch die grosse Zahl der Visceralbgen, sowie ihre keit von der Schdclkapsel, von welcher sie ohne Mhe abgelst werden knnen. Die Schdelkapsel der Knorpel- fische hat einen sehr einfachen Bau, wird aber bei den Knochenfischen durch Auftreten von Verkncherungen um so coniplicirter. Die Beschaffenheit des Visceralskelettes steht mit dem Aufenthalt im Wasser in unmittelbarstem gute Ausbildung und nabhngig- Zusammenhaug. Alle Fische haben zahlreiche Kiemen- bgen, welche in allen Abtheilungen im Wesentlichen gleichen Bau haben, da ihre Function, die Kiemen zu tragen, berall die gleiche ist. Ein zweiter hervor- stechender Charakter der Knochenfische wird schon bei den Knorpelfischen vorbereitet: die Umwandlung des Hyomandibulare zum Kiefernstiel. Ein letztes nur bei einem Theil der Fische vorkommendes lerkmal des Visceralskeletts ist die Ausbildung des Opereularapparates, einer Anzalil kncherner Platten und Stacheln, welche vom Zungenbeinbogen ausgehen und sich schtzend ber die Kiemenbogen herber legen. Nicht minder als das Visceralskelett wird das Skelett der Extremitten in seiner Beschaffenheit vom Wasscraufenthalt beeinflusst. Da dieser ist auch die vorwiegend vom einfache Bedingungen Fischmuskulatur Lngsmuskelu. der Fortbewegung bietet, sehr einfach und besteht aus Lingsmuselu. Auf Umbildung von Muskeln sind auch die elektrischen und pseudoelektrischen Organe zurckzufhren, welche bei den verschiedensten Fischen vorkommen und bald am Rumpfe, bald am Schwanzende angebracht sind. Das Fiscliliirn bekundet die niedere Organisation der Klasse vornehmlich durch die geringe Entwickelung der Grosshirnrinde. Von allen Sinnesorganen am auffallendsten sind die Sinnesorgane der Haut; speciell sind die der Seitenlinie Gebilde, welche nirgends so gut entwickelt sind wie bei den Fischen. 146 Naturwissenscbaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 13. Viel wichtiger als die animalen Organe sind fr die Sj'steuialik der Fische die vegetativen Organe, namentlich Darm, Kiemen und Herz. .Systematik: Cuvier thciltc die Fische nach der .Striictm- des Skeletts in Knorpel- und Knocheutisciic. Indessen hat es sich herausgestellt, dass durch diese Namen gengend nur zwei Extreme, die Selachier uud Telostier, untersehiedeu werden, dass zwischen diesen eine Grnjjpc besteht, die wie im Skelett, so auch im Bau der brigen Organe die Mitte hlt. Agassiz nannte die Mittelgrnppe Ganoiden nach dem Bau ihrer Schuppen. Weitere Untersuchungen ergaben, dass dieses allerdings wichtige Merkmal nicht bei allen Ganoiden zutrifft und so blieb es Johannes Mller vorbehalten, die Gruppe auf breiter, anatomischer Basis neu zu charakterisircu und neu zu umgrenzen. Die Fischsammlung ist in vier Abthcilungcn auf- gestellt, deren Arten in dieser Zusammenstellnng smmtlicli aufgezeichnet .sind. Es sind die den Objecten bei- gegebenen Namen angewandt, auch dann, wenn die Specics anderweit benannt w urde. Die vier Abtheilungeu sind: A. System der Fische. B. Die Fische Deutschlands. C. Die Fische der Nord- und Ostsee. D. Die Fische des Mittelmeeres. Dazu treten noch eine nicht geringe Anzahl von l'r])arateu, die in der ebersieht der betreffenden Ab- theilung mit aufgezhlt oder am Schlsse fr sich kurz erwhnt werden sollen. A. Das System der Fische. I. Acanthopteri, Stachelflosser. Rcken-, After- uud Bauchtlossen im vorderen Theile aus ungegliederten Stacheln gebildet; Zwischeukiefer und Oberkiefer beweglich; untere Schlundknochen getrennt; Kiemen kannnformig; wenn eine Schwimmblase vorhanden ist, so besitzt sie im ausgebildeten Zustande keinen Lul't- gang. Familie: Pereid ae. Barsche. Krper lnglich; die ctenoiden Schuppen erstrecken sich nur wenig auf die senkrechten Flossen ; Seiteulinien meist ununterbrochen ; Kiemendeckelstficke gezhuelt oder bedornt; einfach kegelftirmige Zhne an Zwischen- und Unterkiefer und am Gaumen; Bartfden fehlen: Lates niioticus, gem. Nilbarsch. Rcken brunlich, Seiten und Bauch silberweiss. Im unteren Laufe des Nils; Fleisch geschtzt. Bis IV2 m laug. Perca flaves- cens, amerikanischer Barsch, dem deutsehen (P. tiuviatilis) nahe verwandt. Roccus scpteutrionalis und Percalabrax japonicus, beide gesclitzte Speisetische aus Japan. Percichthys trucha, Vertreter der einzigen sdameri- kanischen Perciden-Gattung. Centropristris atrarius, nord- amerikanisther Speisefisch. Die Gattung Serranus, welche in 150 Arten ber alle wrmeren Meere verbreitet ist und sich durch das Vorhandensein sehr kleiner Iluudszhne zwischen den brstenfrmigen Zhnen in beiden Kinn- laden ausgezeichnet, ist vertreten durch S. louti uud S. salrnoides. Beide ihres Fleisches wegen geschtzt. Die er.stere Form um Mauritius, die letztere, die ausserdem eine grosse Lebenszhigkeit besitzt, im Rothen Meere. Pleetropoma melauoleucum, Diploprion bifasciatum aus Japan und Gramistes punctatus aus dem Indischen Ocean. Skelett vom Lutjanus gibbus zur Beobachtung des charakteristischen Ausschnittes am Vordcrdeckcl, der einem Dorn des Zwischendeckels zur Aufnahme dient, eine Eigeuthmlichkcit der Untergattung Diacope; ander- weitige Vertreter derselben sind L. argentimaculatus Von den nordamerikauischen Dartert'' Ssswasserfischen iMesoprion argentimaculatus) und L. niger (Diacopenigra). Aus dem atlantischen Kstentlusse Susquehannah stanunt Lepomis auritus. Die Gattung Priacanthus, welche auf die tropischen Meere beschrnkt ist, wird vertreten durch Pr. liamrur aus Ostafrika und Pr. japonicus. Centroijomus undecimalis, mit essbarem Fleisch, bewohnt die atlantischen Ksten des tropischen Amerika. Der in Seen und grsseren Flssen Nord-Carolinas lebende Gentrarchus sparoidcs (Calico Bais) ist wegen seines schnen und schmackhaften Fleisches 1887 in Europa eingefhrt worden. Die Ssswassertische Borueos sind durch die grsste Art Ambassis AVoltfi vertreten. Die in ber 100 Arten im .Mittelmeer, Rothen Meer, Indischen und Paeitischcn (Jcean wohnende Gattung Apogon mit A. fasciatus vim den tiilboalnseiu. Arten, sehr kleinen untl schnellen finden wir Etheostoma tlabellare. Die Familie Pristipomatidae mancher Systematiker ist ihrer grossen Aehnlichkeit wegeu mit der vorigen Familie vereinbart. Sie kennzeichnet sich durch spitze, kegelfrmige Hundszhne, welche zwischen den in Binden augeordneten Brstenzhneu stehen. Smmtliche Gattungen der Familie gehren den tropischen Meeren der stlichen Halbkugel an. Pristipoma hasta von Madras; Diagramma pica von Mauritius, schwarz mit weissem Hinterkopf und Sattel; aus dem Rothen Meer D. gateriua, an Korallen lebend, die Lugsstreifen des jungen Fisches wandeln sich mit dem Alter iu Punkte um; Scolopsis bilineatus von Amboina, jung mit mehreren geraden, bis zur Schwanzflosse reichenden Streifen, Sc. monogramma (als Skelett) mit dem dolchfrmigeu Fortsatz am Infraorbital- knocheu; Deutex rivulatus, essbar; Gerres apriou (als Skelett) mit weit vorstreckbarem Munde, uud G. olitho- stoma von Cuba; Therapon janbua; sein Fleisch ist am Rothen iMeer beliebt, in Indien hingegen verabscheut, weil der Fisch von Aas lebt. Ueber den Rcken zieht sich eine schwarz und weiss eingefasste Ellipse. Ein scimiackhafter Fisch Ostindiens ist Lobotes surinameusis; Maena maeua, gemein im Mittelmeer mit weit vorstreck- barem Zwischenkiefer. Von den Palaos-Inseln Symphorus spilurus; Caesio striatus aus dem Rothen Meer und eben daher der Tiefseebewohner Aphareus rutilaus, der beste Fisch jenes Meeres. Familie Squamijjinnes, Schuppenflosser mit fein- bewimperten oder glatten Schuppen, welche auch die uu- jjaaren Flossen mehr oder weniger bedecken; Seitenlinie ununterlirochen; Mund meist endstndig; die hechel- oder brstenfrmigen Zhne in Streifen; Hundszhne fehlen. Die meist prchtig gefrbten Arten leben iu den Tropen- meeren, namentlich an Korallenriffen und sind Fleisch- fresser. Chaetodou lunula, mit igelfrmigcm Kopfe. Der junge Fisch, welcher vom alten in der Frbung bedeu- tend abweicht, wurde frher als Ch. biocellatus be- schrieben; Gh. ephippium aus der Sdscc mit schwarzem, weissgeraudeteu Sattel, jung mit schwarzem Schwanzfleck und ohne Fahne; Ch trifasciatus aus dem Rotheu Meer und Ch. meyeri aus der Sdsee, zebraartig gestreift; Chelmo rostratus, Schnabelfisch, aus Ostindien. Die viel- verbreitete Angabe, dass dieser Fisch mit einem aus seiner Schnauze ausgespritzten AVassertropfeu Insecten von den Blttern der Uferpflanzen heruntersehicsse, beruht auf einer Verw'echslung mit der Gattung Toxotes; Heuio- chus macrolepidotus mit geschtztem Fleische, wird wegeu des fadenfrmig verlngerteu Stachels der Rckenflosse Peitschenfiscii genannt. 11. chrysostomus aus der Sdsee ist fast hali)mondfrmig gebaut; llolacanthus sextriatus aus dem Indischen Arcliipel, II. maculosus aus dem Rothen Meer mit segelartig nach hinten gezogener Rckenflosse, XII. Nr. 13. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 147 H. nicobariensis von Sumatra, braun, mit weisser Marmor- zeiclunnig' und jaguarartig gefleckten Flossen; der prch- tige Ostindier, H. Imperator, Kaiserfiseh, ist nur in farbigem Bilde vertreten. Auf vergissmeinniclithlaueni Grunde tragt er 3032 gelbe, schiefe Querstreifen, Kopf und Brust haben hellblaue Linien, hinter dem Kopfe Ijctindet sich jederseits ein schwarzer, gelbgerandcter Fleck; die Schwanzflosse ist orangefarben. Hierher gehren ferner der grosse Brasilianer Pomacanthus paru und der in ja- vanischen Flussmndungen vorkonunende Scathophagus argus. E))hippus faber (im Skelett), zeigt am Hinterkopfe und an den vorderen Flossentrgern stark entwickelte Knochenanschwellnngen, die beim alten Fische auftreten; Drepane puncta, von Westafrika bis China vorkommend, ist im Alter gefleckt oder ganz ohne Zeichnung, whrend die Jugendform quergebudert ist. Familie Nandidae: Seitenlinie ununterbrochen; Stachel- und weichstrabliger Theil der Rckenflosse gleich- lang. Die Fische leben an Korallen. Vertreter derselben sind: Nandus marmoratus von Calkutta; Plesiops nuleagris von Australien ; Pristolepis fasciatus aus den Sttsswssern von Ilinterindien, dem Malayischen Archipel. Familie MuUidae, Meerbarben: Krper ziemlich niedrig und wenig zusammengedrckt; Schuppen dnn, gross, ohne oder mit feinster Zhnelung; am Zungenbein zwei Bartfden; Seitenlinie ununterbrochen; zwei von ein- ander entfernte Rckenflossen; mit Nebeukiemen. Fleisch sehr geschtzt und bei den alten Rmern ein besonders kostbarer Leckerbissen; dieselben ergtzten sich auch an dem praclitvollcn Farbenspiele, welches die Seebarben vor dem Absterben zeigen. Es gehren hierher: Upeneus vittatus, von Ostafrika bis Japan vorkom- mend; Mulloides samoeusis und Parupeneus mit P. multi- fasciatus und P. Intens aus der Sdsee. Familie: Sparidae, Meerbrassen: Im allgemeinen Avie \orige Familie. Zudem vordere Scimcidezhne oder seitliche Jlahlzhne oder mit beiden Zahuarten oder auch mit vorderen, kegelfrmigen Hundszhnen. Von der Schulter bis zum Scheitel zieht meist eine Reihe beson- ders ausgezeichneter Schuppen, das sogenannte Nacken- band; Bauehflosse mit verlngerter Spornschuppe. An den Ksten der tropischen und gemssigten Meere, meist Fleischfresser und geniessbar. Als Vertreter: Cantharus cantharus (Cantaro) mit goldglnzenden Lngslinien, vom Mittelraeer bis England, wird hufig in .Seewasser-Aquarien gehalten. Von Ostafrika bis Indien konnnt vor Crenideus erenidens, hat gekerbte Zhne und nhrt sich von Algen und Einsiedlerkrebsen. Von Tokio stammt (iirclla punctata; die Geisbrassen sind vertreten durch das Skelett von Sargus Rondeletii aus dem Mittel- meer, ausserdem noch bei Madeira und den Kauaren vor- konnnend; die indo-pacifische Gattung Lethrinus hat als Vertreter die einzige westafrikanische Art Lethrinus nebu- losus mit schmackhaftem Fleisch; die Goldbrassen, welche die Stacheln der Rckenflosse in Gruben niederlegen knnen, sind vertreten durch Chrysophrys bifasciata, der das Rothe und Indische Meer bewohnt; von den meist roth gefrbten Arten der Gattung Pagrus finden wir P. tumifrons, einen allgemein geschtzten Tafelfisch, den Tai" der Japaner, Snapper" der Australier, Scup" oder Porgee" der Amerikaner, und das Skelett von P. spinifer; von Neuseeland stammt der marmorirte Ha- plodactylus maeandratus, von Cuba Pimelepterus flavoli- neatus. Familie Cirritidae: Im allgemeinen der vorigen Gattung hnlich, sonst durch kleine, zugespitzte Zhne ausgezeiciinet, mitunter auch Hundszhne; Bewohner der indischen, pacifischen und australischen Meere. C. Forsteri, Kopf und Brust mit tiefsehwarzcn Punkten; gelb-schwarzes Band lngs der Seitenlinie, vom Kothen Meer bis zu den Sandwich-Inseln; (Jliilodactylus zonalus aus Japan; Latris eiliaris, Trompetenfisch, mit wold- schmeckendem Fleische aus Tasmanien. Familie Hoplognathidae: Zhne im Kieferknoclien eingewachsen, treten erst nach Abnutzung der Kiefern- schneide au diesem hervor wie bei Scarus. Die einzige^ Gattung bewohnt den Stillen Oceau und ist vertreten durch : H. punctatus, an den javanischen Inseln, braun und sannnetartig dunkler gepunktet, und H. fasciatus, ebenda, schokoladenfarbig, mit 4 5 Bndern. Familie Scorpaenidae, Drachenkpfe: Mehrere Kopfknochen, besonders der Winkel des Vorderdeckcis bedornt; letzterer verl)indet sich mit dem unteren Augen- hhlenrande durch einen besonderen Sttzknociicn. Alle sind fleischfressende Seefische, \iele sind durcii Ilautan- hnge ausgezeichnet, die als Kder zum Anlocken der Beute benutzt werden; einige besitzen Giftdrsen in Ver- bindung mit den Stacheln. Synanceia verrucosa an den Marschallinseln, wegen der Giftdrsen im Rckcnstachel fr Badende gefhrlich; Sebastes Sehlegeli, zu einer weitverbreiteten Gattung ge- hrig, deren Arten meist im tiefen Wasser lelien und essl)ar sind. Diese Species der Rock-Fish der Californicr; Synacidium horriduni aus dem Indischen Oeean mit Gift- sack au den Rttekenstacheln; Apistus alatus verwundet ebenfalls, Japan; Scorpaena scrofa, Meersau, lauert, im Meeressande eingewhlt, auf die aus kleinen Fischen bestehende Beute; ihre Stacheln verursachen sehr schmerz- hafte, aber ungefhrliche Wunden; in Aquarien halten sie sich gut und zeigen einen lebhaften Farbenwechsel, durch den sie die Farbe der Umgebung nachahmen, bewohnen das Mittelmeer und den Atlantischen Oeean; der etwas ber 3 cm grosse Caraeanthus maculatns lebt an Korallen- riffen der Mollukken; Pterois volitans, Truthahnfiscii, aus Ostindien, wurde frher als ein fliegender Fiscli ange- sehen; Minous monodaetylus, fingerlanger Fisch aus Ost- indien. Familie Polyeentridae: Krper zusammengedrckt, Rcken- und Afterflosse mit zahlreichen Stacheln; Seiten- linie fehlt; bewohnt die Ssswsser Sd- Amerikas, mit P. Schomburgkii. Familie Teuthidae: Bauchflosse bruststndig mit einem usseren und inneren Stachel; Rcken- und After- flossen mit vielen Stacheln; Schuppen sehr klein; Zhne scharf; Pflanzenfresser; vertreten durch: T. steliata aus dem indo- pacifischen Oeean, wegen seiner Staclieln gefrchtet. Fleisch cssbar; T. al)liortoni (als Skelett), T. vulpina aus Neu-Ponunern, mit Fuehskopf. Familie Berycidae: Krper kurz, mit stenoiden, selten fehlenden Schuppen; Mundspalte schief; Zhne brstenfrmig; Gaumen meist bezahnt; Mcerlische, die in betrchtlicher Tiefe wohnen. Von den l'ercidae durch die grssere Zahl der Kicmcnhautstrahlcn (8 oder I, statt 6 oder 7), vermehrte Zahl der AVeichstrahlen in den Bauchflossen und Schleimkanlen auf dem Kopfe \er- sehieden. Beryx splendens, 200700 m tief an der japanischen Kste lebend; Monocentris japonieus, Spanischer Reiter- Fisch, wegen der X-Stellung der Rekenstrahlcn und mats-kasa-uwo, d. i. Tannenzapfenfisch der Japaner wegen seiner Beschuppung; Mj'ri[)ristis japonieus, ein mittel- grosser, rothgefrbter wohlschmeckender Fisch an den Ksten der wrmeren Meere; Holocentruni rubrum, vom Rothen Meer bis nach Melanesien vorkommend, gleich- falls essbar und H. s[)iniferum, 40 cm lang, zinnoberroth. Stich der Stacheln erzeugt Entzndung. Die vorspringende 148 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII. Nr. 13. Schnauze, im Gegensatz zu der abgerundeten der brigen Gattungen der Berycidae, ist bei der Larvenforni spitz, weswegen diese frher als besondere Gattung, Rhyncbich- thys, aufgefasst wurde; Polyniixia nobilis, ein Tiefseefisch (bis 500 ni tief) bei Japan. Familie Kurtidae: Der lngliche, seitlich zusammen- gedrckte Krper ist nach hinten verdnnt; Schnauze kurz; Rckenflosse nur wenig Stacheln oder Stacheltheil gnzlich verkmmert; Schuppen klein; brstenfrmige Zhne an den Kiefern, Gaumenbeinen und dem Pflugschar- bein; Kstenfisclie der tropischen Meere: Kurtus indicus, Vorderdeckel 3 4 dornig, 6 mit knorpeligem Anhang vor der Rckenflosse, silberfarben mit schwarzem Fleck, nhrt sich von Muscheln und Krebsen; Pempberis conipressus vom Port Jackson und P. mangula (als Skelett). Familie Polynemidae: Krper lnglich, ziemlich zusammengedrckt; glatte oder sehr schwach gewimperte Schuppen; Seitenlinie ununterbrochen; Schnauze ber den unterstndigeu Mund vorspringend, brstenfrmige Zhne an Kiefern und Gaumen; Kstentische der warmen Meere, die auch in Brack- und Ssswasser gehen; das Fleisch ist essbar; die Schwinnnblase mancher Arten konmit als Hausenblase in den Handel. gungen der Leibesmuskeln hervorgerufen wird, welches Gerusch wahrscheinlich die Schwimmblase verstrkt. Der Fisch wird bis 40 kg schwer und nhrt sich von Schal- thicren, schadet auch den Austernbnken. Seine Schuppen dienen zur Herstellung von knstlichen BUunen; an der Atlantischen Kste Noi-damerikas. Der junge Fisch ist gebndert und wurde frher als P. fasciatus beschrieben. Sciaenoides pama von Kalkutta; bis 150 cm lang, mit wohlschmeckendem Fleische; Schwimmblase wird zu Ge- latine verarbeitet. Familie Xiphidae, Schwertfische: Krper gestreckt, seitlich zusammengedrckt; nackt oder mit verknmierten Schuppen; Zhne fehlen oder sind \crknnnert; Bauch- flossen fehlen oder sind bruststndig, in letzterem Falle zu stielfrmigen Anhngen umgebildet. Diese vor- zglichen Schwimmer bewohnen die grossen Oceane und sind die grssten Stachelflosser, die bis 4V2 m lang werden. Mit dem langen, schwertfrmigen Fortsatz der Oberkinulade greifen sie selbst Waltische mit Erfolg an und rennen denselben sogar in die Wnde der Schifte, wo er abbricht und stecken bleibt. Xiphias gladius, Hornfisch oder Schwertfisch, in den europischen Meeren; kommt im Juni und Juli auch an die Kste. Der schwertfrmige, ungezhnte Fortsatz misst Xiphias gladius, Honi- oder Schwertfisch. Polynemus paradiseus, Paradiesfisch, silberig und Goldglanz, mit 7 freien, fadigen Brustanlingen, deren oberster lnger als der Krper ist, 15 20 cm lang, in den ostindischen Meeren, geht auch in Flsse, Fleisch und Roggen sehr geschtzt; Pentanemus quinquarius aus Kamerun, Tastfden doppelt so lang als der K('ir])er. Familie Sciaenidae, Umberfische : Form wie oben mit ctenoiden Schupi)cu; Zhne in brstenfrmigen Binden, bisweilen Hundszinie; Gaumen zahnlos; Vorderdeckel nicht bewehrt; Seitenlinie setzt sieh, meist auf der Scliwanz- flo!-se fort; Atterflosse mit 2 Stacheln; Kopfknochen mit weiten Schlcind